Wissenschaftler warnen, dass die noch nie da gewesene Eisschmelze in der Arktis Teil eines besorgniserregenden Trends ist – und ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gesellschaft den Klimawandel bekämpfen muss. Aber ist der Klimawandel eine unvermeidbare Katastrophe oder eine technologische Herausforderung, die es zu überwinden gilt?
Was sagen die weltweit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu?
Ja:
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Der Klimawandel geht uns alle an. Gegen die globale Erwärmung sollten wir sicherlich Maßnahmen ergreifen. Aber die Lösungen, die Menschen vorschlagen, werden das Problem nicht aus der Welt schaffen. Deswegen müssen wir an der Energiepolitik arbeiten. Sie muss eng mit Wissenschaft, Technik und Technologie verknüpft werden. Zwei Aspekte sind dabei wirklich wichtig. Zum einen können wir viel in Sachen Energieeffizienz und Umweltschutz tun: effizientere Autos, bessere Isolierung von Gebäuden. Zum anderen, und das ist nicht weniger wichtig, muss sich die Erkenntnis verbreiten, dass Erdgas nur zu einem Drittel des Kohlendioxids von Kohle führt.
Richard Muller, leitender Wissenschaftler am US Lawrence Berkeley National Laboratory -
Der Klimawandel stellt eine große globale Herausforderung dar. Nicht zuletzt bietet er auch starke Anreize für Forschung und Entwicklung, creative Problemlösungen zu entwickeln, damit sich Städte und Gemeinden an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen können. Länder, die erfolgreicher bei diesen Bemühungen sind, haben eine bessere Ausgangsposition, um ihre eigenen nationalen Herausforderungen anzugehen, grüne Technologien und Lösungen in anderen Ländern anzubieten, und in einer Welt im Wandel zu bestehen. Singapur investiert aktiv in diesen Bereich und positioniert sich als Prüfstand für neue Technologien und Geschäftsmodelle für grüne Lösungen auf unserem Planeten.
Das National Climate Change Sekretariat, Singapur -
Eine Katastrophe bahnt sich an. Wir haben eines der wichtigsten Ökosysteme des Planeten dem Untergang geweiht (die Arktis, die mit erschreckender Geschwindigkeit geschmolzen ist) und ein anderes stark beschädigt (die Ozeane, die heute 30 % säurehaltiger sind als vor 40 Jahren). Die technologischen Herausforderungen im Umgang mit dieser Situation (die schnelle Umstellung auf erneuerbare Energien) sind klein im Vergleich zu den politischen Problemen mit der fossilen Brennstoff-Industrie, die bisher bei jeder Gelegenheit einem Wandel im Wege gestanden hat.
Bill McKibben, US-amerikanischer Umweltaktivist -
Angesichts der historisch bedingten Anreicherung von Emissionen in der Atmosphäre sind einige Änderungen für unser Klima unvermeidlich. Aber zum Glück existieren eine Reihe technologischer Lösungen zur Verringerung des Treibhauseffekts. Natürlich haben diese Technologien ihren Preis, er ist aber deutlich geringer als der Preis des Nichthandelns. Dennoch bleibt die Finanzierung dieser Techniken eine Herausforderung. Neue Finanzierungsquellen, wie z.B. die CO2-Märkte, müssen die notwendigen Investitionen und Finanzströme zur Bekämpfung des Klimawandels mobilisieren.
Die Carbon Neutral Company, London
Nein:
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Auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Erkenntnisse ist es verfrüht, Geo-Engineering als eine praktikable Option für die Bekämpfung des Klimawandels zu betrachten. An erster Stelle steht die Bekämpfung der Ursachen durch Reduktion der Treibhausgasemission, die der Mensch selbst verursacht, dann erst geht es um die Anpassung an die unvermeidbaren Auswirkungen. Die Verringerung des Klimawandels durch Emissionsreduktion und den Schutz natürlicher CO2-Senkung ist nach wie vor das sicherste Mittel, um unsere Chancen auf Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels zu sichern. Es gibt Lösungsvorschläge, auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, bei denen Geo-Engineering neben den anderen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels eine Rolle spielen könnte. Allerdings existieren für die meisten Techniken keine präzisen Vorstellungen über Kosten, Machbarkeit, ökologische oder gesellschaftliche Auswirkungen.
Amt für Energie & Klimawandel (britische Regierung) -
Alarmierende Nachrichten über den Klimawandel sind in der Regel kontraproduktiv und führen eher zu Skepsis als dem Wunsch zum Handeln. Der Klimawandel wird jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt (Wasserverfügbarkeit, Ökosysteme) und auf sozioökonomische Bereiche (Landwirtschaft, Gesundheit, Energie) haben, in unterschiedlicher Ausprägung je nach Region und Gesellschaftsschicht. Alle technologischen und wirtschaftlichen Maßnahmen haben daher die Verpflichtung, Strategien zur Verringerung der negativen Effekte der Klimaerwärmung zu implementieren.
Professor Martin Beniston, Direktor des Instituts für Umweltwissenschaften, Universität Genf, Schweiz -
Wir haben keine Vorstellung über die negativen oder positiven Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten 100 Jahren weltweit. Die potenziellen Risiken der globalen Erwärmung wurden in der Vergangenheit von Klimawissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern übertrieben. Während die möglichen Gefahren durch wärmere Temperaturen überschätzt werden, ignoriert manch einer auch die möglichen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteile einer moderaten Erwärmung. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass hoch entwickelte Gesellschaften die klimatischen Veränderungen der Natur nicht verkraften könnten. Während vergangene Gesellschaften gegenüber klimatischen Stressfaktoren äußerst anfällig waren, ist unsere hochtechnisierte Kultur aufgrund technologischer Anpassungsfähigkeit und gesellschaftlich entschärfter Strukturen besser vor Temperaturveränderungen geschützt.
Dr. Benny Peiser, Direktor, The Global Warming Policy Foundation, London -
Kurze Legislaturperioden ermutigen nicht zum langfristigen Handeln, insbesondere, wenn die Vorlaufkosten hoch sind. Aber die Bekämpfung des Klimawandels kann helfen, einen Wirtschafts- und Energiewandel zu beschleunigen, eine technische Revolution anzuschieben und die Entwicklung neuer Produktionsmodelle zu fördern. Es kann die Erzeugung neuer Produkte, Dienstleistungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Export vorantreiben. Das erfordert allerdings engagierte Bürger und Mut und Weitsicht in den Regierungen.
Helen Clark, Vorsitzende der United Nations Development Group