Skip to main content
DE
Back to issue Corporate

Wie die mächtigen fallen können

Wie die mächtigen fallen können
Issue 8 2015

In dem heutigen hektischen Umfeld passiert der Aufstieg und Fall von Unternehmen schneller als je zuvor. Die größte Bedrohung ist vielleicht die Selbstgefälligkeit. Oder wie der verstorbene Steve Jobs, Erfinder des iPhone, es formulierte: „Bring die Selbstgefälligkeit um, bevor sie dich umbringt.“ Es folgen sechs Unternehmen, die einst als führend auf ihrem Gebiet galten, bevor sie leider vom Weg abkamen.

Blockbuster

Nur wenige hätten vorhergesagt, wie diese Erfolgsgeschichte enden würde. Blockbuster war einst im Videoverleihgeschäft mit einem Marktwert von 5 Milliarden US-Dollar der unbestrittene Marktführer. Er beschäftigte 60.000 Menschen und verfügte über 9.000 Videotheken weltweit. Dann begann Netflix damit, Filme per Post zu versenden, und Kabel- und Telefongesellschaften fingen an, Spielfilme per Stream in die Häuser der Menschen zu übertragen – und Blockbuster versäumte es, auf die sich ändernden Gewohnheiten der Kunden zu reagieren.

Kodak

Fast 100 Jahre lang gab es niemanden, der es mit Kodak aufnehmen konnte. Die Firma wurde basierend auf einer durch Innovation und Wandel geprägten Unternehmenskultur aufgebaut; und wurde durch Selbstgefälligkeit zerstört. Die meisten Menschen besaßen eine Kodak-Kamera und verwendeten Filme der Marke Kodak. Wovon sich das Unternehmen aber kein Bild machte, war sein eigener Niedergang mit der Einführung der Digitalfotografie, einer Technologie, die es selbst erfunden hatte. Es handelte nicht schnell genug und andere Unternehmen gaben ihm den Rest.

Polaroid

Angeblich hat Apple-Erfinder Steve Jobs den Mann verehrt, der für die Kultkamera Polaroid SX-70 die Pionierarbeit leistete. Denn Edwin Land war der Erste, der modernste Technologie mit Design verband. Auf seinem Zenit im Jahr 1991 erreichte der Umsatz vornehmlich mit seinen Sofortbildkameras und Filmen fast drei Milliarden britische Pfund. Doch sein Verderben begann, als er sich die Revolution der Digitalfotografie nicht zu eigen machte, und er ging zehn Jahre später in Konkurs.

Motorola

Es ist kaum zu glauben, dass Motorola das weltweit erste Mobiltelefon baute und verkaufte und 2003 das damals bestverkaufte Mobiltelefon aller Zeiten einführte – das Razr. Aber Motorola versäumte es, den Fokus auf Smartphones zu legen, die E-Mails und Bilder übermitteln konnten, und verlor rasch an Marktanteil.

Commodore

Commodore International war eine der ersten Computerfirmen, die auf dem Inlandsmarkt erfolgreich im Wettbewerb standen. Ihre relativ kleinen Geräte waren gut gemacht und preisgünstig. Anfang der 80er Jahre wurden jedes Jahr zwei Millionen Commodore 64 gekauft, und das Unternehmen beherrschte fast 50 Prozent des Markts. Dann führte es den intelligenteren Commodore plus/4 ein. Ein kluger Schachzug, würde man denken, aber das Unternehmen stieß seine Stammkunden vor den Kopf. Das neue Modell war mit dem alten, das den Kunden sehr gut gefiel, nicht kompatibel. Das Unternehmen ging 1994 in Konkurs.

ICI

ICI war einst ein Symbol für die Macht der britischen Industrie. Das Unternehmen, das Polyethylen erfand, beschäftigte auf seinem Zenit 130.000 Menschen und war eines der größten Chemieunternehmen weltweit. Doch in den 90er-Jahren wurde es zu selbstgefällig. Paul Hodges, bis 1995 obere Führungskraft bei ICI, sagte, das Unternehmen hätte immer mehr Risiko- und Entscheidungsaversion bewiesen. „Es verlor die Vorreiterrolle, den Antrieb, neue Richtungen auszuprobieren“, erläuterte er. „Stattdessen war die neue Losung: ‚Keine Überraschungen‘.“ Es verlegte sich auf Spezialchemikalien und verkaufte sein Grundchemikaliengeschäft an INEOS, das das Geschäft zu immer größerer Stärke führte. Unterdessen sanken ICIs Gewinne kontinuierlich. Das Unternehmen wurde schließlich im Januar 2008 an die niederländische Gesellschaft AkzoNobel verkauft und seine Geschäftsbereiche Klebstoffe und Elektronikmaterialien wurden drei Monate später von der deutschen Firma Henkel erworben.