Skip to main content
DE
Back to issue Corporate

WARUM SICH US-SCHIEFERGAS AUCH BEI EINEM ÖLPREIS VON 30 US-DOLLAR HALTEN KANN

WARUM SICH US-SCHIEFERGAS AUCH BEI EINEM ÖLPREIS VON 30 US-DOLLAR HALTEN KANN
Issue 10 2016

Der Ölpreisverfall kümmert INEOS wenig, nachdem man soeben zwei Milliarden Dollar investiert hat, um US-Schiefergas nach Europa zu transportieren.

Tom Crotty, Leiter der Konzernkommunikation bei INEOS, meint, Außenstehende hätten die Sinnhaftigkeit des Imports von US-Gas bei derart niedrigen Ölpreisen in Frage gestellt.

Dabei spiele das gar keine Rolle, weil INEOS sowohl Gas- als auch Ölcracker besitzt.

„Für uns ist die Tatsache, dass die Ölpreise jetzt viel niedriger sind, für die Machbarkeit der Gaslieferungen aus Amerika überhaupt nicht relevant”, sagt Tom. „Sie hat sogar die Rentabilität unserer Ölcracker gesteigert.”

Tom fasst zusammen, dass es einige Kommentare aus schlecht informierten Kreisen gegeben habe:

„Einige Kommentatoren sagten, Unternehmen wie INEOS müssten verrückt sein, bei derartig niedrigen Ölpreisen Ethan aus den USA heranzuschaffen, aber diese Menschen verstehen nicht, worum es geht. Wenn Sie einen Gascracker haben, können Sie kein Naphtha verwenden. Sie brauchen Gas. Hier steht also nicht Gas gegen Naphtha. Hier steht Gas gegen Gas.”

Die Verfügbarkeit von kostengünstigem Ethan, einem aus Schiefergas gewonnenen Naturgas, hat Amerikas chemische Industrie aus der Rezession geholt und ihr einen Vorteil gegenüber jenen Mitbewerbern in der gesamten Welt verschafft, die auf Naphtha, eine teurere Erdölfraktion, angewiesen sind.

Durch den Verfall der Ölpreise hat sich dieser Vorteil allerdings verringert.

„Die europäische Petrochemie-Industrie hat von den niedrigen Ölpreisen sehr stark profitiert, weil der Preis für Naphtha dramatisch gesunken ist“, sagt Tom. „Die Margen sind bei den Naphthacrackern wieder gewaltig da. Wenn Sie über beide Arten von Crackern verfügen wie wir, können Sie sich sehr glücklich schätzen.”

Bei INEOS, wo man Ethangas für die Cracker in Norwegen und Grangemouth verwendet, sagt man, der Import von Gas aus den USA sei immer noch billiger als der Ankauf in Europa.

„Der zweite Punkt ist der, dass wir in Europa kein Gas bekommen”, so Tom. „Unser Cracker in Grangemouth lief die letzten drei Jahre mit 40 Prozent Leistung, weil wir kein Ethan haben. Ethan geht in der Nordsee rasch zur Neige. Unsere Wahl ist also nicht schwer. Sie betreiben einen Cracker oder Sie lassen es.”

EINGEMOTTETE ANLAGE WIRD WIEDER ANGEFAHREN

Eine PRODUKTIONSEINHEIT in der INEOS-Anlage Grangemouth wird acht Jahre nach dem Einmotten wieder angefahren.

Die Anlage hat die strengen Prüfungen für die erneute Inbetriebnahme erfolgreich bestanden und ist auf das Eintreffen von US-Schiefergasethan vorbereitet.

Das gab INEOS bekannt, kurz nachdem die erste Lieferung des US-Schiefergases im benachbarten Gascracker in Rafnes, Norwegen, eingetroffen war. Die ersten Lieferungen nach Grangemouth werden für den Herbst erwartet.

„Wir sind nun bestens aufgestellt, die Anlage in Grangemouth endlich in Volllast laufen zu lassen”, sagt Gordon Milne, INEOS-Betriebsleiter in Grangemouth.

INEOS hatte seinerzeit keine andere Wahl gehabt, als die zweite Produktionseinheit in der KG Ethylencrackanlage im Jahr 2008 zu schließen, da sie nicht mit voller Kapazität betrieben werden konnte.

Das Eintreffen von amerikanischem Ethan ändert alles.

„Wenn das Gas hier ankommt, wird diese Anlage in die erste Liga der europäischen Petrochemieanlagen aufsteigen”, prophezeit Gordon.

Das amerikanische Flüssiggas wird in einem speziell angefertigten Ethantank gelagert – dem größten in Europa – und die schwindenden Bestände in der Nordsee ersetzen.