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Track And Race

Track And Race
Issue 20 2020

INEOS TEAM UK kämpft für Großbritannien um den heißbegehrten America’s Cup und hält sich derzeit in Neuseeland auf. Das Team kann auf einen der besten Segelsommer zurückblicken, den es in Großbritannien je hatte. Das Team hat mittlerweile mit dem Segeln in Großbritannien abgeschlossen. Das erste AC75-Boot, die Britannia I, ist unterwegs auf einem Schiff, und Britannia II wurde mit einem Antonov-Frachtflugzeug nach Auckland geflogen.

Die COVID-Pandemie hat das Team in den letzten sechs Monaten mit einer ganzen Reihe an Herausforderungen konfrontiert. „Die Pandemie hat das Team gezwungen, innezuhalten und die Prioritäten neu zu ordnen“, meint Skipper Sir Ben Ainslie. „Insbesondere stellten wir uns die Frage, wie wir die Zeit vor dem 36. America‘s Cup optimal nutzen.“ Von Mai bis August hatte das Team eine brillante Segelzeit. 

„Regelmäßig auf dem Wasser unterwegs zu sein, war unheimlich wichtig für uns. Die Lernkurve mit diesen brandneuen AC75-Booten ist steil – wir lernen jedes Mal dazu“, so Ben. Um so viele Segelstunden wie möglich zu absolvieren, musste das Team gesund und fit bleiben. Die Britannia wurde umgebaut, um dem Team ein sicheres Training zu ermöglichen und die Abstandsregeln einzuhalten. Auf diese Weise sollte eine Ansteckung mit COVID-19 vermieden werden.

Um die Anzahl der Leute auf dem Boot zu reduzieren, wurde ein elektrischer Grinder ersatzweise für zwei Besatzungsmitgliedern installiert. Das war noch nicht alles. Auf dem Wasser und an Land trug das Team Henri-Lloyd-Gesichtsmasken, verwendete INEOS-Handdesinfektionsmittel und war mit Geräten ausgestattet, die permanent den Aufenthalt der Mitglieder aufzeichneten.

„Wir konnten unsere Belegschaft überwachen, unsere Abläufe evaluieren und abändern, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten“, erklärt Ben. Die Geräte hatte Mafic entwickelt. Sie sind Teil der „ZERO COVID Days“-Strategie von INEOS TEAM UK. Sie forciert die Hygiene im privaten und beruflichen Umfeld. „Mafic hat die Technologie und die Geräte innerhalb weniger Wochen für uns angepasst“, zeigt sich Ben beeindruckt.

Das Team trägt die Geräte am Arm, in der Tasche oder am Helm. „Kopfbewegungen geben uns Auskunft darüber, was jemand gerade macht – schweißen, wischen, Maschinen bedienen. Und wir wissen zudem genau den Aufenthaltsort“, sagt CEO Will Woodhead. „Wir bekommen sekundengenaue Positionsdaten, die wir nutzen können, um Verstöße gegen die Abstandsregeln abzubilden.“ Diese konnten dann ausgewertet und betrachtet werden, um Verbesserungspotenzial zu erkennen. Mafic wurde gegründet, um das Arbeitsumfeld sicherer zu gestalten. „Ich habe einfach schon zu viele Unfälle miterlebt", meint Will. Ben bezeichnet die Geräte als bahnbrechend für das Team: „Es war eine schwierige, zugleich sehr produktive Zeit für uns.“ Das Team hat sowohl auf dem Wasser als auch am Zeichenbrett gut zusammengearbeitet.

INEOS TEAM UK hat mit seinem Software-Designpartner Coderus eine neue Software entwickelt. Diese wendet ein Design auf ein Modell des gesamten Boots an, um zu sehen, ob Änderungen am Design das Boot schneller werden lassen oder nicht. Lautet die Antwort ja, so kann Chimera das Modell für einen vollständigen Simulationslauf mit einer Reihe verschiedener Bootdesigns vorbereiten. Chief Designer Nick Holroyd meint, dass Ideen auf diese Weise rasch und genau getestet werden können. Dies fördert Innovation statt sie einzuschränken. „Der America‘s Cup ist seit jeher nicht nur ein Segelturnier, sondern auch ein Design- und Technologiewettkampf“, meint er. „Diese Aspekte sind noch wichtiger geworden, da die Regeln das Testen in Wind- und Schleppkanälen nicht mehr erlauben.“ 

Die Teams dürfen auch nicht mehr in mehr als einem Boot gleichzeitig unterwegs sein. „Damit wurden eigentlich alle ‚echten‘ Entwicklungsmethoden zugunsten virtueller ausgeschlossen. Der ehemalige Goldstandard der Entwicklung – das Testen mit zwei Booten – ist nicht mehr möglich.“ Mark Thomas, CEO von Coderus, ließ sich dadurch nicht beirren. „Das System verbessert Effizienz und Kapazitäten und ermöglicht es dem Team seine Grenzen auszuloten“, meint er. Das Team segelte im Oktober 2020 in seinem neuen AC75-Boot, „Britannia II“, in Auckland. 

„Damit haben wir zwei Monate produktiven Segelns vor uns, ehe es an die Weihnachtsregatta geht. Das wird das erste Mal sein, dass alle Teams gemeinsam starten“, so Ben. „Ich bin sehr gespannt. Es handelt sich um eine vollkommen neue Bootskategorie – insofern ist es gut möglich, dass sich die Teams stark voneinander unterscheiden.“ INEOS TEAM UK kann es gar nicht erwarten, in Waitemata Harbour in See zu stechen. Trotz der Naturschönheiten Neuseelands ist sich das Team der Tatsache bewusst: Es ist nur dort, um den America‘s Cup für Großbritannien zu gewinnen!

Hoch hinaus: Seite 28

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