INEOS kann ohne Energie nicht überleben.
Und die Welt auch nicht. Beide sind auf Öl und Gas angewiesen, um zu funktionieren. Und das werden sie auch in den kommenden Jahren tun, bis Regierungen und Verbrauchende in der Lage sind, eine Energiequelle zu erschließen, die zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig ist.„Öl- und Gasunternehmen können diesen Übergang unterstützen, indem sie Alternativen anbieten, aber sie können die Menschen nicht dazu bringen, Elektroautos zu kaufen oder weniger Energie zu verbrauchen“, sagt David Bucknall, CEO von INEOS Energy und ehemaliger Leiter des globalen Öl- und kohlenstoffarmen Handelsgeschäfts von BP.
INEOS, das wichtige Chemikalien für die Konservierung von Lebensmitteln und Wasser, für Kleidung, Medikamente, Elektronik, Autos, Flugzeuge, Gebäude, Windturbinen und Solarzellen herstellt, verwendet seit Jahrzehnten Gas und Öl als Brenn- und Rohstoff.
INEOS nutzt Windkraft und Wasserstoff zum Betreiben einiger Anlagen. Für die Herstellung einiger Produkte werden statt Gas und Öl Zellstoff und recycelter Kunststoff verwendet.
„Wenn wir es können, tun wir‘s“, sagt er.
Dieser Übergang ist auch einer der Gründe, warum INEOS Energy gegründet wurde. Der neue Geschäftsbereich spiegelt das sich verändernde Klima wider.
„Das ist kein Greenwashing“, so Brian Gilvary, der nach seinem Ausscheiden bei BP INEOS Energy-Chairman wurde.
„INEOS Energy ist ein aufregender neuer Geschäftsbereich, der alle bestehenden Vermögenswerte von INEOS Oil & Gas umfasst und INEOS in die Lage versetzt, eine starke Kraft in der kommenden Energiewende zu werden.“
Sowohl Wasserstoff als auch erneuerbare Energien werden bei diesem Übergang eine große Rolle spielen.
INEOS hat Pläne für die Entwicklung von Projekten für „grünen Wasserstoff“ – unter Verwendung von Elektrolyse und erneuerbaren Energien – in Norwegen, Deutschland und Belgien sowie im Vereinigten Königreich, wo sich auch der Hauptsitz des neuen, auf Wasserstoff spezialisierten Geschäftsbereichs befinden wird, vorgelegt.
Was die Industrie jedoch braucht, so INEOS, sind verbindliche Rahmenbedingungen seitens der Regierung.
„Wenn der Investitionsrahmen vorhanden ist, folgen Investitionen normalerweise auch“, sagt er. „Deutschland ist sehr fortschrittlich. Es hat steuerliche Anreize, die man braucht, um diese Investitionen zu tätigen.“
Die deutsche Regierung hat INEOS vor kurzem 770.000 Euro für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie über den Bau und den Betrieb einer neuen grünen Wasserstoffanlage am Verbundstandort Köln zugesprochen – ein Schritt, der die C02-Emissionen um mehr als 100.000 Tonnen pro Jahr senken könnte.
„Die Förderentscheidung zeigt die Bedeutung, die das Land unserem Projekt beimisst“, sagt Dr. Stephan Müller, Commercial Energy Manager bei INEOS in Köln. „Die Wasserelektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff ist ein unglaublich wichtiger Bestandteil unserer ehrgeizigen Nachhaltigkeitsagenda mit dem Ziel, bis 2045 Netto-Null zu erreichen.“
Diese Pläne sind nur ein Teil des zwei-Milliarden-Euro-Pakets von INEOS für grüne Wasserstoffprojekte in ganz Europa, das im Oktober 2022 angekündigt wurde.
Prof. Dr. Andreas Pinkwart, ehemaliger Minister für Wirtschaft und Innovation, bezeichnete das deutsche Projekt als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Chemieindustrie in Nordrhein-Westfalen.
Das Projekt kann in Zukunft nicht nur den Kölner Chempark, sondern auch die Logistik mit grünem Wasserstoff versorgen“, sagt er. „Wir brauchen genau solche ganzheitlichen Projekte, um die Transformation erfolgreich zu gestalten.“
Bis 2015 hatte sich INEOS ausschließlich auf die Herstellung von Chemikalien konzentriert.
Doch im Oktober desselben Jahres wagte man sich zum ersten Mal „upstream“.
INEOS erwarb sämtliche Gasfelder in der britischen Nordsee, die sich im Besitz der DEA-Gruppe befanden, gefolgt von einer 25-prozentigen Beteiligung der Fairfield Energy Holdings Ltd an der Plattform Clipper South.
Ein paar Monate später kaufte INEOS die gesamten Öl- und Gasanlagen von DONG Energy in der Nordsee für mehr als eine Milliarde Euro und erwarb das 235 Meilen lange Forties-Pipelinesystem, das etwa 40 Prozent des britischen Öls und Gases auf das Festland liefert.
Es waren bahnbrechende Akquisitionen, die das Unternehmen in neue, aufregende Bereiche geführt haben Die Übernahme der Vermögenswerte von DONG Energy bedeutete auch, dass INEOS Energy nun an der Spitze eines der spannendsten Projekte der Welt steht.
Das Project Greensand zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung in Dänemark hat das Potenzial, die Menge des in die Atmosphäre ausgestoßenen CO2 effizient und schnell zu reduzieren. Im März 2023 schrieb das von INEOS geleitete Project Greensand Geschichte: Mit dieser Weltpremiere bewies INEOS, dass Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) funktionieren kann, nachdem Kohlendioxid (CO2) aus Belgien erfolgreich abgeschieden, über die Grenze transportiert und unter der dänischen Nordsee in einem stillgelegten INEOS-Ölreservoir gespeichert wurde.
„Wir brauchen genau solche ganzheitlichen Projekte, um die Transformation erfolgreich zu gestalten“
- Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Bundesminister für Wirtschaft und Innovation a.D., über die Pläne von INEOS zum Bau und Betrieb einer neuen Anlage für grünen Wasserstoff am Verbundstandort in Köln
„Das Projekt kann in Zukunft nicht nur den Kölner Chempark, sondern auch die Logistik mit grünem Wasserstoff versorgen“, sagt er. „Wir brauchen genau solche ganzheitlichen Projekte, um die Transformation erfolgreich zu gestalten.“
„Es kann nicht allein stehen, aber es ist ein wichtiges Instrument, wenn wir die Klimakrise lösen wollen“, sagt David. Er weiß, dass die Entschlossenheit, nach alternativen saubereren Energiequellen zu suchen, ganz oben auf der Agenda von INEOS stehe.
Jeder Geschäftsbereich hat eine Roadmap – quasi einen Investitionsplan – entwickelt, um bis 2050 Netto-Null zu erreichen und gleichzeitig profitabel zu bleiben und den sich entwickelnden Vorschriften und Gesetzen voraus zu sein.
„Auf der Grundlage der bisher entwickelten Roadmaps werden wir bis 2030 eine Reduktion von mehr als 33 Prozent erreichen. Das ist der dritte Meilenstein auf dem Weg zu Netto-Null.“
Die Pläne werden zudem durch Investitionen gestützt.
Derzeit werden mehr als sechs Milliarden Euro in eine Vielzahl von Projekten investiert, die den CO2-Fußabdruck von INEOS verringern werden, indem die Energie von Erdgas genutzt wird, das INEOS seit 100 Jahren als Nebenprodukt produziert.
Als Europas größter Elektrolysebetreiber – der Technologie zur Herstellung von Wasserstoff – befindet sich INEOS in einer einzigartigen Position, um die Wasserstoffwirtschaft zu bedienen.
Im Vereinigten Königreich liegt der Schwerpunkt auf grünem und blauem Wasserstoff.
Kürzlich stellte INEOS auch die Grundsteinfinanzierung für HydrogenOne Capital zur Verfügung, das gegründet wurde, um Investitionsmöglichkeiten im Bereich sauberer Wasserstoff und Energiespeicherung für die Energiewende zu bieten.
Trotz der großen Fortschritte, die INEOS macht, glaubt das Unternehmen, dass Erdgas auch nach 2050 noch eine große Rolle spielen werde.
Und mit dieser Meinung steht es nicht allein da.
Das Forum erdgasexportierender Länder, eine internationale Regierungsorganisation, der 19 Mitgliedsländer angehören, geht davon aus, dass der Anteil an Erdgas am globalen Energiemix mit 23 Prozent heute auf 27 Prozent 2050 steigen wird – nicht zuletzt, weil die Weltbevölkerung bis 2050 um fast zwei Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen zunehmen wird, was die Nachfrage nach Energie, Nahrungsmitteln und Materialien zusätzlich unter Druck setzen wird.
„Erdgas wird im globalen Energiemix die Nase vorn haben“, so ein Sprecher.
Trotz „aggressiver“ Dekarbonisierungsmaßnahmen im Rahmen des von der EU vorgeschlagenen Fit-for-55-Pakets habe Erdgas nach wie vor eine Zukunft, so der Bericht Anfang dieses Jahres erklärte die Europäische Kommission, dass Erdgas und Kernenergie beim Übergang zu einer auf erneuerbarer Energien basierenden Zukunft eine Rolle spielen müssen.
„Es ist an der Zeit“, sagt Robert Bryce, Autor von „A Question of Power“. „Die politischen Entscheidungstragenden in Europa machen sich endlich den Energierealismus zu eigen.“