Die bei CERN im Laufe der letzten 60 Jahre entwickelten Schlüsseltechnologien sind an die Außenwelt gedrungen – und kommen der Gesellschaft zugute.
Bis jetzt müssen wir uns bei der Europäischen Organisation für Kernforschung dafür bedanken, dass sie der Welt leistungsstärkere Sonnenkollektoren, das Internet, Touch- Screen-Technologie und medizinische Bildgebungsverfahren gegeben hat, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
„Die gemeinsame Triebkraft nach Wissen drängt uns immer wieder dazu, nach innovativen Technologien zu suchen, zu entwickeln, die für uns und andere nützlich sind“, so Professor Dave Charlton.
Man würde annehmen, dass CERN immer wieder finanziellen Nutzen aus der Patentierung solcher Erfindungen gezogen hätte. Doch das ist aufgrund des kollaborativen Arbeitsmodells nicht der Fall.
Als eines der ersten europaweiten Joint Ventures pumpen seine Mitgliedsstaaten jedes Jahr viele Millionen Euro in die Organisation, damit neue Technologien entwickelt werden können, was bedeutet, dass sie nicht für den Gebrauch dieser Erfindungen in ihren eigenen Ländern bezahlen wollen.
In der Vergangenheit veröffentlichte CERN einfach Einzelheiten zu seinen Erfindungen, so wie man wissenschaftliche Entdeckungen veröffentlichte. Mit anderen Worten, sie wurden der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.
Doch 2010 unterzeichnete CERN ein Abkommen mit der Weltorganisation für geistiges Eigentum der Vereinten Nationen (WIPO), um sicherzustellen, dass man von den technischen Erfindungen seiner Ingenieur/innen profitieren konnte.
„Grundlagenforschung ist die Triebkraft der Innovation“, so CERNGeneraldirektor Rolf Heuer. „Es ist daher lebenswichtig für Organisationen wie CERN sicherzustellen, dass ihr Fachwissen und ihre Technologien für die Entwicklung auf fruchtbaren Boden fallen. Das Abkommen mit der WIPO wird beide Organisationen dazu motivieren, Joint Ventures auszuprobieren, bei denen eventuell auch andere internationale Organisationen mitmachen können.“
Denn CERN hat viele Erfolgsgeschichten vorzuweisen, auf die man stolz ist. Hier nur einige davon.
INTERNET
ANFÄNGLICHE Forschungsarbeiten bei CERN brachten uns das Internet. Tim Berners-Lee, einer der dortigen Informatiker schrieb und verteilte 1989 ein Hypertextsystemprojekt, damit Beschäftigte Zugriff auf Berichte, Notizen und Datenbanken hatten. Ein anschließender Bericht wurde 1993 veröffentlicht. Bei CERN feierte man vor kurzem das zwanzigjährige Jubiläum, als die Internetübertragungssoftware der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt wurde, indem die erste Internetseite wieder ihre ursprüngliche Internetadresse erhielt: http:// info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html
TOUCH-SCREEN-TECHNOLOGIE
Lange Zeit wurde die Erfindung der Touch-Screen-Technologie der Firma APPLE mit dem iPhone zugeschrieben, aber das Unternehmen war nur für eine Innovation derselben verantwortlich. In Wirklichkeit waren es die Ingenieure Bent Stumpe und Frank Beck, welche das erste transparente Touch Screen, das auf gewisse Objekte wie beispielsweise einen Eingabestift, reagierten, Anfang der 1970er- Jahre entwickelten. Diese Technik wurde von CERN hergestellt und ab 1973 eingesetzt.
SOLARZELLEN
DIE bei CERN entwickelte Vakuumtechnologie für Teilchenbeschleuniger wird nun verwendet, um eine neue Generation von Sonnenkollektoren mit hervorragenden Isoliereigenschaften herzustellen. Ihr Erfinder, Crisoforo Benvenuti, sagte, dass im Innern der Kollektoren Temperaturen von 80 Grad Celsius aufgezeichnet wurden, sogar als diese mit Schnee bedeckt waren.
E-MAIL-VERSCHLÜSSELUNG
Im Mai dieses Jahres starteten drei junge Ingenieure, inspiriert durch ihre CERN-Erfahrung, ProtonMail, einen sicheren E-Mail-Dienst mit einem ausgeklügelten Verschlüsselungssystem, um mögliche Spione abzuwehren. Die Unternehmensidee entstand in einer CERN-Kantine, in der sich Physiker/ innen und Ingenieur/innen regelmäßig treffen, um sich beim Kaffeetrinken auszutauschen.
POSITRONEN-EMISSIONSTOMOGRAFIE (PET)
Für seine Detektoren wurden bei CERN Wismut-Germanat und transparente Blei-Wolframat- Kristalle entwickelt. Heute werden beide Arten von Kristallen in PET-Tomografen verwendet, die bei der Krebsfrüherkennung eingesetzt werden. Der PETTomograf erstellt dreidimensionale Bilder des Körperinnern, mit denen gezeigt werden kann, wie sehr sich Karzinome ausgebreitet haben und wie gut diese auf eine Behandlung ansprechen. Ferner wird die Beschleunigertechnologie, für welche CERN ein führendes Forschungslabor ist, vermehrt zu medizinischen Zwecken eingesetzt, wie Krebsbehandlung durch Hadronen-Therapie, durch die es ermöglicht wird, dass eine stark lokalisierte Strahlungsdosis präziser als zuvor möglich auf einen Tumor gerichtet werden kann.