WIR ALLE KÖNNEN DARAUS LERNEN

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WIR ALLE KÖNNEN DARAUS LERNEN

DEUTSCHLAND LÄSST NATURWISSENSCHAFTEN NICHT GESCHICHTE WERDEN
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AUSGABE 11. 2017

Für viele sind Naturwissenschaften etwas, was man in der Schule gelernt hat und dann den Geschichtsschreibern überlässt. Doch das muss sich ändern, wenn wir Antworten auf einige der bedrohlichsten Fragen aller Zeiten nden wollen. Und zum Glück sind die Dinge dabei, sich zu ändern. Allmählich. Und ein Land, das hier vielleicht Fortschritte erzielt, ist Deutschland

DIE Welt begreift allmählich, dass die Naturwissenschaften unsere Rettung sein könnten.

Wir sehen uns mit schwindenden Bodenschätzen und steigenden Bevölkerungszahlen konfrontiert, das heißt, die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, wie es mit unserem Planeten im 21. Jahrhundert weitergehen soll. Denn was heute Naturwissenschaft ist, kann morgen Technologie sein.

Nicht ganz einig ist man sich in der Welt, wie man die jungen Menschen von heute von einer Karriere in den Naturwissenschaften überzeugen kann.

Die Alarmglocken begannen bereits vor vielen Jahren zu schrillen.

Die Europäische Kommission warnte im Jahr 2008, dass sich nicht genug junge Menschen über 16 Jahren für Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwissenschaften oder Mathematik entschieden – und befürchtete, dass es ohne Maßnahmen einen Mangel an hochquali zierten Wissenschaftler/innen, Ingenieur/innen und Techniker/innen geben würde.

Sie empfahl radikale Veränderungen im naturwissenschaftlichen Unterricht, der weniger auf das Auswendiglernen von Fakten, das größtenteils für die schwindende Lust auf Naturwissenschaften verantwortlich gemacht wird, und mehr auf einen Unterrichtsstil ausgerichtet werden soll, der die Schüler zu Fragen anregt und ihr Verständnis fördert.

Fünf Jahre später, im Jahr 2013, sprachen über 100 Delegierte aus 58 Ländern bei einer weltweiten Konferenz der wissenschaftlichen Akademien immer noch über dieses Thema.

Doch in Deutschland scheint man sich diesem Problem bereits seit 2006 zugewendet zu haben.

Professor Dr. Petra Skiebe-Corrette von der Freien Universität Berlin begründete im Jahr 2006 die Initiative „TuWaS!“, nachdem sie die erstaunliche Wirkung eines ähnlichen Modells in Schweden gesehen hatte.

Heute sind144 Schulen in Berlin, von wo die Initiative ausging, beteiligt.

Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, war eine frühe Verfechterin des Programms, als „TuWas!“ im Jahr 2008 von der Handelskammer nach Köln gebracht wurde.

Das Programm „TuWaS!“ regt Schülerinnen und Schüler in Grund- und Sekundärschulen und weiterführenden Schulen dazu an, Fragen zu stellen, anstatt sich mit vorgefertigten Antworten zufriedenzugeben.

Anne-Grets leidenschaftlicher Einsatz – und die nanzielle Unterstützung durch INEOS – motivierten die Schulen rasch, sich der Initiative anzuschließen.

„Wir sehen nun tatsächlich die Wirkung von ‚TuWaS!‘“, so Anne-Gret, die von Professor Skiebe eingeladen wurde, bei der Feier des zehnjährigen Jubiläums von „TuWaS!“ an der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften letzten Monat zu sprechen. „Wir haben in Köln nun sogar eine Logistik- und Lagereinheit für ,TuWaS!’“

In Deutschland gehört der fragenbasierte naturwissenschaftliche Unterricht nun bereits in vielen Schulen zum Lehrplan, und das „TuWaS!“-Programm für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wurde of ziell von vier der 16 deutschen Bundesländer übernommen.

Die Lehrerinnen und Lehrer besuchen ein eintägiges Seminar, wo sie die naturwissenschaftlichen und technischen Experimente zunächst erlernen. Dann kehren sie mit Experimenten für ein ganzes Schuljahr und dem Selbstvertrauen, diese einzusetzen, in ihre Klassen zurück.

Als größter industrieller Arbeitgeber in Köln ist INEOS daran immer noch stark beteiligt.

„Als weltweiter Chemiekonzern wissen wir, wie wichtig es ist, mit der naturwissenschaftlichen und technischen Ausbildung bereits in frühem Alter, also bei den Sechsjährigen, zu beginnen“, so Anne-Gret. „Diese Partnerschaften helfen uns als Unternehmen, als Industrie und als Industrieland, junge Menschen anzuziehen – besonders Mädchen –, die neugierig, begeistert und motiviert sind, die Welt durch Naturwissenschaft zu verbessern.“

INEOS in Köln ist der größte Sponsor im Rheinland und unterstützt fast die Hälfte der 70 Schulen, die am „TuWaS!“- Programm teilnehmen. INEOS Beschäftigte fungieren als Botschafter und haben bisher bereits über 6.000 Kinder erreicht.

„INEOS engagiert sich sehr, will die gesamte Last aber nach Möglichkeit nicht alleine tragen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wünschen uns, dass mehr Firmen Verantwortung übernehmen.“

Doch „TuWaS!“ soll expandieren.

Anne-Gret beabsichtigt, „TuWaS!“ nun auch auf andere deutschsprachige Länder, wie Österreich und die Schweiz, auszudehnen.

Währenddessen erwägt INEOS die Einführung eines ähnlichen Programms in britischen Schulen.

INEOS unterstutzt derzeit die Chemie-Olympiade der „Royal Society of Chemistry“, um Tausende junge Menschen im gesamten Vereinigten Königreich zu einer naturwissenschaftlichen Laufbahn zu animieren.

Die „Royal Society“ und der britische Industrieverband (Confederation of British Industry – CBI) wären darüber gewiss erfreut. Sie haben im Mai bereits einen Leitfaden für Unternehmen und Lehrer/innen herausgebracht, der ihnen helfen soll, die Zusammenarbeit zu fördern. Darin hieß es, die Unternehmen müssten enger mit Schulen zusammenarbeiten.

„Die meisten jungen Menschen führen ihre Entscheidung für ein naturwissenschaftlich- technisches Fach auf eine/n inspirierende/n Lehrer/in zurück; die Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern ist also der beste Weg, die naturwissenschaftlich-technischen Mitarbeiter für die Zukunft zu sichern“, so Professor Tom McLeish, Vorsitzender des Bildungsausschusses der „Royal Society“.

Neil Carberry, Director for Employment and Skills Policy des CBI, meinte, viele Firmen arbeiteten bereits eng mit örtlichen Schulen zusammen, doch es könnte immer noch mehr getan werden, um Schüler/innen für diese entscheidenden Fächer zu motivieren.

„Viele Branchen vertrauen auf Universitäten und Fachschulen zur Versorgung mit Talenten im Bereich der Naturwissenschaften, doch es zeigen sich bereits Engpässe, die unsere Wirtschaft hemmen werden“, stellte er fest.

Unabhängig wie die Entwicklung im Vereinigten Königreich weitergeht, INEOS wird das „TuWaS!“-Programm in Deutschland weiterhin unterstützen.

„Unser Geheimnis ist der Aufbau von Beziehungen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wollen die Besten der Besten anlocken, Verständnis für die Branche schaffen und gleichzeitig unser Ansehen aufbessern.“

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„INEOS INSIGHT“ – EINBLICKE IN DIE ZUKUNFT

Ein einziger schottischer Dudelsackpfeifer kündigte die Ankunft der ersten Schiffsladung des mittels Fracking-Technik geförderten Schiefergases aus den USA in Grangemouth an. Der ehemalige INEOS-Mitarbeiter stand am Bug und spielte den „Skye Boat Song“, als das 183 Meter lange Schiff INEOS Insight – mit der Aufschrift „Schiefergas für die verarbeitende Industrie“ – die Forth Bridge passierte. Für John McNally, CEO INEOS O&P UK, war es ein unvergleichlicher Augenblick. Für ihn und die 400 Gäste, darunter INEOS-Beschäftigte, die für die Teilnahme ausgelost worden waren, wurde Geschichte geschrieben. „Als ich 2014 den Posten als CEO übernahm, wurde schon über diesen fernen Tag gesprochen“, sagte er „Wir haben zwei Jahre lang buchstäblich die Tage gezählt.“ An Bord des Schiffes, einer in China gebauten Spezialkonstruktion, befanden sich 27.500 Kubikmeter Ethan, die in fast 5000 Kilometern Entfernung, in Pennsylvania, aus der Erde gepumpt und für die 10-tägige Reise über den Atlantik auf das Schiff verladen worden waren. Die „Chemical Industries Association“, der britische Verband der chemischen Industrie, beschrieb es als bedeutendste Zukunftsinvestition des Jahrzehnts im Bereich der verarbeitenden Industrie. „Die Lieferungen sind nicht nur eine gute Nachricht für INEOS“, so Steve Elliott, Chief Executive des Verbandes. „Sie sind auch eine gute Nachricht für den gesamten Sektor und darüber hinaus. Wenn wir erschwingliche und gesicherte Energie ins System bringen, wie INEOS uns das vorführt, kann die verarbeitende Industrie mit besserer Kapazität arbeiten. Das bringt uns allen große Vorteile im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.“ Dank der kostbaren Fracht von INEOS aus Amerika kann die britische Industrie nun auch endlich von dem billigen US-Gas profitieren; dieses hat so sehr zur Wiederbelebung der verarbeitenden Industrie in Amerika beigetragen und wird dem Vereinigten Königreich helfen, weltweit konkurrenzfähig zu sein. Auf der anderen Seite des Atlantik, in Amerika, sind die Energiepreise mittlerweile so wettbewerbsfähig, dass es große Ausbauprogramme in Branchen wie der chemischen Industrie und der Stahlindustrie gibt, die plötzlich zu den konkurrenzfähigsten weltweit gehören. „In Amerika wird so viel Gas produziert, dass die Importterminals für Gas nun zu Exportterminals umgebaut werden“, so INEOS-Vorstandschef und -Gründer Jim Ratcliffe. Jim Ratcliffe, der in Failsworth, Manchester, aufgewachsen ist, sagte, das Eintreffen der ersten US-Lieferung sei ein äußerst wichtiger und historischer Tag sowohl für INEOS als auch für das Vereinigte Königreich gewesen. „Diese Lieferung garantiert die Sicherheit von Tausenden Arbeitsplätzen in Schottland“, erklärte er. „Das Schiefergas kann dazu beitragen, den Niedergang der britischen verarbeitenden Industrie aufzuhalten – und heute setzen wir den ersten Schritt dazu.“ Dies ist das erste Mal, dass Ethan aus US-Schiefergas in das Vereinigte Königreich verschifft wurde, und es ist jener Punkt, an dem INEOS’ Investition von zwei Milliarden Dollar zum Tragen kommt. Insgesamt werden in den kommenden 15 Jahren acht Tanker jede Woche eine virtuelle Pipeline zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich entstehen lassen. Um Grangemouth für die Ladungen zu rüsten, musste INEOS Millionen in die Modernisierung des 680 Hektar großen schottischen Standortes investieren. Dort wurde ein neues Importterminal errichtet, wo die Schiffe ihre wichtige Fracht löschen können; und es wurden fast fünf Kilometer Pipelines für den Transport des Gases vom Hafen zu einem neuen, 40 Meter hohen Ethanspeichertank, dem größten dieser Art in ganz Europa, verlegt. Außerdem wurde ein ganz neues Bürogebäude errichtet, so dass nun erstmals, seit INEOS den Standort im Jahr 2005 von BP erwarb, alle Beschätigten an einem Ort vereint sind. „Für Grangemouth wird ein Wandel vollzogen“, sagte John. „Das Schicksal des Werks wird sich über Nacht wenden, weil es nun endlich mit voller Kapazität arbeiten kann.“ Die Olefin-Anlage arbeitete viele Jahre nur mit halber Kapazität – und machte somit riesige Verluste –, weil zu wenig Nordseegas vorhanden war, welches für INEOS ein unerlässlicher Ausgangsstoff ist. So hätte INEOS das defizitäre Petrochemie-Werk wegen des deutlichen Rückgangs des Nordseegases schließen müssen. Die Schließung des Petrochemie-Komplexes hätte vermutlich das Ende der Raffinerie bedeutet, in der der Großteil des Treibstoffs für Schottland produziert wird und die etwa 3 Prozent zum schottischen BIP beisteuert. „Rückblickend betrachtet machte dieser Standort zeitweise mehr als 100 Millionen Pfund Verlust pro Jahr – es war nicht tragbar“, so John. „Für die Zukunft erwarten wir einen Gewinn von mehr als 100 Millionen Pfund pro Jahr, wenn alles läuft.“ Das entscheidende Element für die Rettung der Anlage waren die amerikanischen Schiefergaslieferungen. „Unsere Schiefergas-‚Investition‘ hat in Schottland 10.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze gerettet“, erklärt Jim Ratcliffe. Aber nicht nur der INEOS-Standort Grangemouth wird von den Lieferungen profitieren. Eine historische Pipeline, die überschüssiges Nordseegas von ExxonMobils Ethylenanlage in Fife nach Grangemouth brachte, wird nun ,,umgedreht”, sodass INEOS einen Teil des importieren Gases an ExxonMobil liefern kann. „Die Anlage in Fife spielt eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Region“, so Sonia Bingham, Leiterin der Anlage für ExxonMobil Chemical in Fife. Eine weitere Pipeline wird Ethylen aus Grangemouth zu den Produktionsanlagen von INEOS Oxide in Hull befördern, sodass die Produktion von Ethylacetat ab nächstem Jahr um 100.000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden kann. Ethylacetat ist sehr gefragt und wird für pharmazeutische und kosmetische Produkte, Druckfarben und flexible Verpackungen verwendet; die Anlage in Hull arbeitet bereits mit voller Kapazität. Die Investition in Höhe von mehreren Millionen wurde kurz nach der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union angekündigt. „Wir glauben an die britische verarbeitende Industrie und werden sie unterstützen, wann immer wir können“, so Jim Ratcliffe. Den Aussagen von Graham Beesley, CEO INEOS Oxide, zufolge sei INEOS Oxide bereits jetzt der größte Hersteller von Ethylacetat in Europa. „Und wir werden noch viel weiter wachsen“, meinte er.

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GRANGEMOUTH ERLEBT EINEN NEUEN AUFSCHWUNG

DER riesige Gasspeicher und das beeindruckende neue Bürogebäude in Grangemouth sind zu Symbolen der Hoffnung geworden. Der Tank – vermutlich der größte seiner Art in Europa – enthält aus Schiefer gewonnenes Ethan aus den USA, welches einen INEOS-Standort, der noch vor drei Jahren kurz vor dem kompletten Ende stand, neu belebt. In dem neuen Bürogebäude sind die vielen Beschäftigten, die an diesem Standort tätig sind, jetzt erstmals alle unter einem Dach vereint. Doch es öffnen sich auch andere Türen. „Grangemouth sieht einer rosigen Zukunft entgegen“, so Julie Brown, Senior Director of Life and Chemical Sciences bei Scottish Enterprise, das mit INEOS gemeinsam nach neuen Unternehmen sucht, die ein Interesse haben, sich an diesem Standort anzusiedeln. „Andere Unternehmen scharen sich um INEOS herum.“ Erfolg scheint also nicht nur Erfolg zu zeitigen. Er zeitigt auch Zuversicht. John McNally ist CEO von INEOS O&P UK. „Wir wollen aus Grangemouth den Ort für die verarbeitende Industrie machen“, so John McNally. „Der Standort hat das Potenzial, als Basis für neue Produktionsunternehmen zu dienen, die unsere Infrastruktur und Einrichtungen von Weltklasse nutzen und mit den Besten der Welt mithalten können.“ Das amerikanische Roosevelt Institute ist überzeugt, dass die Gesundheit einer Nation von der Stärke seiner verarbeitenden Industrie abhängt. „Eine meiner großen Sorgen bezüglich der britischen Wirtschaft ist der Zusammenbruch der verarbeitenden Industrie, die einst ihr Rückgrat bildete“, erklärte INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. „Die Rettung von Grangemouth ist ein Schritt, um diesen Niedergang aufzuhalten. Doch das Schiefergas hat auch das Potenzial, diesen Niedergang umzukehren.“ Um seine Rolle als treibende Kraft für die verarbeitende Industrie im Vereinigten Königreich hervorzuheben, nahm INEOS Shale im Oktober 2016 an der dreitägigen Konferenz der konservativen Partei in Birmingham teil um direkt mit Aktivisten und Mitgliedern der Partei über die Vorteile, die sich für die verarbeitende Industrie aus einer sicheren und gut regulierten Onshore-Schiefergasindustrie in England ergeben würden, zu sprechen. „Wir wissen, dass eine sichere und verantwortungsvolle Schiefergasproduktion möglich ist, und wir haben gesehen, wie sie Gemeinden in Amerika zum Positiven verändert hat“, so Gary Haywood, CEO INEOS Shale. „Sie könnte hier im Vereinigten Königreich Tausende von Arbeitsplätzen schaffen und der Nation erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile bringen.“ Zwischenzeitlich beabsichtigt INEOS, Teile seines Standortes Grangemouth – wo Schiefergas nun zur Realität geworden ist – auch anderen Industrien zu öffnen, die ein Interesse haben, das dortige Angebot an Energie, Dampf, Logistik und anderen möglichen Dienstleistungen zu nutzen. „Unsere Vision für die Zukunft ist ein revitalisierter Chemie-Standort in Grangemouth und ein ,place-to-be’ für neue Investitionen, Schaffung neuer Arbeitsplätze und Versorgung Schottlands mit wichtigen Rohmaterialien, die Voraussetzung für den verarbeitenden Sektor sind“, erklärte John McNally. INEOS stellte vor kurzem ein vierstöckiges Bürogebäude fertig, in dem nun erstmals seit dem Erwerb des Standortes von BP im Jahr 2005 alle 450 Beschäftigte von INEOS O&P vereint sind. Das neue Gebäude ist jedoch nur ein Element der innovativen Neugestaltung von Grangemouth. Alte Anlagen und leerstehende Gebäude werden abgerissen, um die Flächen anderen Unternehmen für die Nutzung freizugeben.

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UNTERSTÜTZUNG DURCH REGIERUNG ENTSCHEIDEND, SO INEOS

Die von der britischen Regierung gewährte Darlehensgarantie in Höhe von 230 Millionen-Pfund für Grangemouth war entscheidend für die Sicherung der Zukunft dieses Standortes, erklärt INEOS. Ohne diese Garantie hätte INEOS Olefins & Polymers UK größere Probleme gehabt, die für den Umbau des Standortes erforderlichen Mittel aufzubringen, um diesen für die Importe von Ethan aus in den USA gefördertem Schiefergas zu rüsten. Mit dieser Garantie konnte INEOS die Mittel für sein revolutionäres zwei-Milliarden-Pfund-Projekt zur Beförderung von Ethan über eine Distanz von 5000 Kilometern in das Vereinigte Königreich über öffentliche Anleihen beschaffen und Tausende von Arbeitsplätzen in Schottland retten. Im September 2016 wurde dieses Vertrauen – der Glaube an die Realisierbarkeit der INEOS-Pläne – nun letztlich gerechtfertigt, als der Standort die allerersten Lieferungen aus Pennsylvania in Empfang nahm. Doch die Ankunft der INEOS Insight und ihrer kostbaren Fracht bringt Schottland in ein Dilemma. Die schottische Regierung steuerte acht Millionen Pfund aus öffentlichen Geldern für die Umsetzung der kühnen INEOS-Pläne bei, wohl wissend, dass der verlustträchtige Petrochemie-Komplex in Grangemouth ohne einen Ersatz der schwindenden Gasvorräte in der Nordsee durch US-Schiefergas hätte schließen müssen. Doch die schottische Regierung hat über die Fracking-Technik ein Moratorium verhängt, bis die Untersuchungen über dessen Unbedenklichkeit abgeschlossen sind. Dieses von Nicola Sturgeon, Parteichefin der Scottish National Party (SNP), verhängte Moratorium hindert INEOS schon an der Untersuchung der Geologie Schottlands an sich, obwohl es über Lizenzen für die Exploration und Erschließung von Schiefergas verfügt. Unter den nahezu 400 Anwesenden, die die erste Ladung von US-Schiefergas begrüßt hatten, war kein Vertreter der schottischen Regierung zugegen. Die Parteichefin der schottischen Konservativen, Ruth Davidson, deren Kollege David Mundell, Staatssekretär für Schottland, unter den Gästen war, meinte, das werfe kein gutes Licht auf die SNP. „Die Menschen in Schottland werden nur schwer verstehen, warum Nicola Sturgeon es gut findet, wenn Schiefergas über den Atlantik geschifft und in Schottland verarbeitet wird, eine Schiefergasextraktion in Schottland aber nicht in Frage kommt“, so Ruth Davidson. „Das erscheint weder umweltpolitisch noch ökonomisch begreiflich.“ Sie fuhr fort: „Diese Entwicklung wird Tausende von Arbeitsplätzen in Schottland sichern. Durch ihre Anwesenheit hätte die schottische Regierung signalisiert, dass sie die wirtschaftliche Bedeutung des Schiefergases und der erweiterten Grangemouth-Anlagen erkennt.“ INEOS, das nun eine Schiefergasexploration in England anstrebt, bezeichnete die fehlende Anwesenheit der SNP als enttäuschend, zog es aber dennoch vor, seinen Blick vor allem auf die positiven Aspekte zu richten. „Die Lieferung von US-Schiefergas sichert Tausende von Arbeitsplätzen in der verarbeitenden Industrie Schottlands“, so Jim Ratcliffe, INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer.

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INEOS BLEIBT AUCH NA CH DEM BREXIT ZUVERSICHTLICH

Zwar hatte die NACHRICHT von der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union zweifelsohne Schockwellen rund um die ganze Welt ausgelöst. Doch für INEOS, eines der weltgrößten Chemie- und Energieunternehmen mit 67 Produktionsstandorten in 16 Ländern heißt es „business as usual“. „Wir hatten immer gesagt, dass wir es entweder mit oder ohne die EU schaffen würden“, so INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer Jim Ratcliffe, der zu den erfolgreichsten Unternehmern Großbritanniens gehört. „Als Unternehmen unterstützte INEOS den Binnenmarkt, nicht hingegen den Gedanken von Vereinigten Staaten von Europa.“ Als das Ergebnis in den Morgenstunden des 24. Juni 2016 verkündet wurde, rief Jim Ratcliffe die britische Regierung auf, sich auf die notwendigen Maßnahmen zu konzentrieren und sich nicht mit Vorwürfen aufzuhalten. „Der Brexit ist Realität und wir müssen uns auf komplexe und schwierige Verhandlungen mit unseren europäischen Nachbarn einstellen“, erklärteer. „Wir müssen zuhören, wir müssen unbeirrbar höflich und charmant bleiben. Aber wir dürfen keine Schwächen zeigen oder um drei Uhr morgens die Segel streichen, wenn es ans Eingemachte geht und die meisten Punkte gewonnen oder verloren sind.“ Er meinte, „Härte und Entschlossenheit“, verbunden mit „Höflichkeit und Charme“ wären nun gefragt, um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu verhandeln. „Wir dürfen nie vergessen, dass wir eigentlich ganz gute Karten haben“, meinte er. „Und die Briten sind auf der ganzen Welt allgemein beliebt und angesehen.“ Europa bräuchte den Zugang zum Markt des Vereinigten Königreichs, der größer sei als der russische, ebenso sehr wie umgekehrt, so Jim Ratcliffe. „Mercedes wird seine Autos weiter im Vereinigten Königreich verkaufen“, fuhr er fort. „Und London ist eines von zwei wichtigen Finanzzentren, und das wird es auch bleiben.“ In Wahrheit weiß noch niemand in Großbritannien, welche Auswirkungen der Brexit auf die eigene Wirtschaft haben wird. „Die Wetten lauteten auf kurzfristige Einbußen und langfristige Gewinne“, so Ratcliffe. „In jedem Fall sollten wir aber heute intensiver darüber nachdenken, wie wir die Wirtschaft ankurbeln können.“

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INEOS’ APPELL AN LABOUR-CHEF JEREMY CORBYN WEGEN FRACKING VERBOT

Das FRACKING nach Schiefergas soll in Großbritannien verboten werden, wenn die Labour Party die nächsten Parlamentswahlen gewinnt. Das kündigte Labour-Parteichef Jeremy Corbyn im September 2016 bei der Konferenz seiner Partei in Liverpool an. INEOS Shale, das über eine Lizenz für die Schiefergasexploration auf mehr als 400.000 Hektar im Vereinigten Königreich verfügt, vernahm dies mit Bestürzung. „Wir sind zutiefst enttäuscht und erstaunt, dass man zuvor nicht zumindest mit uns darüber gesprochen hat“, so Gary Haywood, CEO von INEOS Shale. Gary hat nun an Jeremy Corbyn geschrieben, um die Überlegungen hinter dieser Entscheidung kennenzulernen, und angeboten, mit führenden Labour-Politikern Gespräche aufzunehmen. In seiner Rede vor der Parteikonferenz erklärte der Labour-Abgeordnete Barry Gardiner, die Zukunft liege in den erneuerbaren Energien. „Die Entscheidung lautet nicht Schiefergas oder erneuerbare Energien“, so Gary Haywood. „Angesichts des derzeitigen Stands der Dinge wissen wir heute nicht, wie im Vereinigten Königreich in Zukunft Privathaushalte geheizt, Produkte hergestellt und für Beleuchtung gesorgt werden soll, wenn gerade kein Wind bläst.“ In seinem Brief an die Oppositonsführung erklärte Gary Haywood, dass Gas ein grundlegender Rohstoff für die Herstellung einer Vielzahl chemischer Produkte ist, die für die Herstellung zahlreicher Produkte des täglichen Lebens verwendet werden. Er erklärte, INEOS, das im Vereinigten Königreich rund 4000 Menschen beschäftigt, hielte es für besser, Energie aus Großbritannien zu beziehen, wo man sie regulieren könnte, und nicht aus einer Reihe von instabilen Ländern mit unterdrückerischen Regimen. Um es mit den Worten von Gary Smith, Sekretär der schottischen Gewerkschaft GMB, zu sagen: „Wir werden durch unseren Gasbedarf zunehmend von Regimen abhängig sein, in denen diverse Henker und ihre Gefolgsleute das Sagen haben. Das ist nicht ethisch und bedeutet ganz gewiss eine Abkehr von unseren umweltpolitischen und moralischen Verpflichtungen.“

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LASSEN WIR ES WAHR WERDEN

DIE Bereitstellung und Sicherung der Energieversorgung ist eine Kernaufgabe jeder Regierung. Dafür zu sorgen, dass die Lichter nicht ausgehen, ist ebenso wichtig wie Gesundheit, Bildung oder Recht und Ordnung, doch die Öffentlichkeit macht sich darüber kaum Gedanken – man will heißes Wasser zum Duschen, fragt aber nicht nach den wirtschaftlichen Faktoren dahinter. Doch Energie ist nicht nur für die Allgemeinbevölkerung wichtig. Auch die verarbeitende Industrie benötigt eine stetige Versorgung, um die Produktion aufrecht zu erhalten – eine Produktion, von der über zwei Millionen Arbeitsplätze abhängen. Die verarbeitende Industrie muss konkurrenzfähig bleiben, und zwar so konkurrenzfähig – ich meine damit rentabel –, dass auch noch Investitionen möglich sind. Andernfalls wird die Industrie verkümmern und absterben, wie es beim Großteil der einst stolzen britischen Textilindustrie der Fall war nur einen Punkt. Dasselbe Prinzip gilt für die verarbeitende Industrie, die ebenso stark von wettbewerbsfähigen Energiepreisen abhängig ist wie die Chemie-, Stahl-, Automobilbranche und viele andere Sektoren. Wenn diese Sektoren nicht mehr konkurrenzfähig sind, werden die Unternehmen schließen, und ihre Arbeitsplätze gehen verloren – wie dies im letzten Jahr in der Stahlindustrie zu beobachten war.. Schlimmer nocht, diese Stufe ist längst erreicht! Die verarbeitende Industrie erlebte im Vereinigten Königreich im Verlauf der letzten 20 Jahre einen drastischen Niedergang. Von etwa 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in den 90er Jahren – vergleichbar mit dem deutschen Niveau – schrumpfte die verarbeitende Industrie im Vereinigten Königreich auf gegenwärtig erbärmliche neun Prozent. Und der kleine Rest der verarbeitenden Industrie hat mit Energiepreisen zu kämpfen, die zu den höchsten der Welt gehören. Die Gaspreise sind um 50 Prozent höher als in Amerika, und Strom kostet doppelt so viel wie in den USA. Deutschland schützt seine verarbeitenden Betriebe durch Befreiungen von Umweltsteuern. Aufeinanderfolgende britische Regierungen ließen diese dagegen immer mehr anwachsen. Die gegenwärtige Situation wird noch dadurch verschärft, dass das Vereinigte Königreich seit Jahrzehnten keine schlüssige Energiepolitik hat. Während die letzten Kohlekraftwerke, die für heutige Umweltstandards einfach zu ,,schmutzig” sind, geschlossen werden, schwinden die Nordseegasvorkommen, und das Vereinigte Königreich ist mit alternden Kernkraftwerken konfrontiert. In den letzten 20 Jahren setzte die britische Regierung scheinbar auf Windenergie, obwohl der Anführer der Lobby der erneuerbaren Energien kürzlich zugeben musste, dass es in England einfach nicht genug Wind für die Windenergie gebe. Wenn wir den gesamten Energiebedarf des Landes nehmen und den Kraftstoff für den Verkehr abziehen, bleiben Gas und Kernenergie die deutlich vorherrschenden Energiequellen mit einem Anteil von etwa 60 Prozent. Windenergie, die großen Schwankungen von Tag zu Tag unterworfen ist, macht etwa drei Prozent aus. Unter der Annahme, dass die Kohle in den nächsten Jahren auslaufen wird, wird der überwiegende Anteil von Gas und Kernenergie noch weiter steigen. Das Vereinigte Königreich ist als Land heute völlig von Gas und Kernenergie abhängig. Es gibt auf absehbare Zeit keine realistischen Alternativen. Doch, und das ist kein unbedeutendes „doch“, die Gasvorräte in der Nordsee gehen rasch zur Neige, und die Kernkraftwerke sind nicht mehr die Jüngsten. Die Produktion von Nordseegas hatte ihren Höhepunkt in den 2000-er Jahren erreicht; derzeit macht sie weniger als 50 Prozent der Spitzenproduktion aus. In zehn Jahren wird die Produktion bei weniger als 20 Prozent liegen. So bleibt dem Vereinigten Königreich die Wahl zwischen russischen Importen, teuren Flüssiggasimporten und einer eigenen Schiefergasproduktion, an der INEOS sehr interessiert ist. Das sogenannte Marcellus-Schiefergasfeld in Pennsylvania, USA, produziert mehr als das Doppelte des gesamten Gasverbrauchs des Vereinigten Königreichs – und man begann dort erst vor sechs Jahren mit den Bohrungen. Schiefergas ist nicht nur in riesigen Mengen vorhanden, es ist zudem sehr billig: Es ließ den Gaspreis in den USA um 75 Prozent sinken. Und das Vereinigte Königreich sitzt wohl offensichtlich auf recht bedeutenden Vorkommen. Die Frage der Kernenergie ist komplexer. Es gibt immerhin über 400 Kernkraftwerke auf der ganzen Welt, mit unterschiedlichen Technologien. Für Hinkley Point wird französische Areva-Technologie eingesetzt werden, obwohl bisher noch kein Reaktor dieses Typs in Betrieb ist. Zwei werden in Europa errichtet: der erste, in Finnland, mit neun Jahren Verspätung; der andere, in Frankreich, mit sieben Jahren Verspätung. Beide haben ihren Kostenrahmen um das Dreifache überschritten. Zwei weitere sind in China im Bau, und auch hier ist man mehrere Jahre im Verzug. Das ist nicht gerade ein ermutigendes Bild! Es gibt andere Optionen, etwa den von Westinghouse und Toshiba gebauten Reaktor, der die bekanntlich strengen Anforderungen der US-Behörden erfüllt hat. Von diesem Typ sind acht Reaktoren in Bau, vier davon in den USA. Auch hier ist deren Bau um einige Jahre in Verzug geraten, allerdings nicht annähernd so viel wie bei dem französischen Reaktor. Außerdem gibt es einen Reaktor mit konventioneller Technologie, der von GE und Hitachi konzipiert wurde und von dem bereits vier errichtet wurden. Im Vereinigten Königreich sind heute acht Kernkraftwerke in Betrieb, die alle schon in die Jahre gekommen sind. Es gilt, die nuklearen Kapazitäten im Vereinigten Königreich eindeutig ausbauen, und auch wenn es unterschiedliche Reaktortypen gibt, ist eines klar: ohne Kernkraft geht es nicht, denn es gibt keinen verlässlichen Ersatz. Anstelle des geltenden Finanzierungsabkommens mit EDF und ihren chinesischen Amtskollegen sollte die britische Regierung vielmehr eine direkte Finanzierung aus dem Budget in Erwägung ziehen und es dann auf die Bilanz des Vereinigten Königreichs setzen, denn nach diesem Kapitaleinsatz sind die variablen Kosten der Stromproduktion sehr gering; die verarbeitende Industrie ließe sich über viele Jahre hinweg mit Energie zu sehr konkurrenzfähigen Preisen versorgen. Das Vereinigte Königreich wird auf absehbare Zeit für seinen primären Energiebedarf zur Versorgung der Allgemeinbevölkerung und für Industrie und Handel von Gas und Kernenergie abhängig sein. Die britische Energiepolitik sollte für die nächsten zehn Jahre die sichere Förderung von Schiefergas und die Errichtung ,,bewährter” neuer Kernkraftwerke zu vorrangigen Zielen machen. Das ist tatsächlich gar nicht so kompliziert.

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STANDORT KÖLN: AUF EWIG DANKBAR

DIE Zukunft des Bereichs Petrochemie von BP in Köln erschien ungewiss. BP war nicht mehr an der Herstellung von Chemikalien interessiert und wollte den Geschäftsbereich entweder abspalten oder verkaufen und sich auf sein rentableres Kerngeschäft, die Produktion von Öl und Gas, konzentrieren. Doch wo BP keine Zukunft für die Produktion von Chemikalien sah, erkannte INEOS gewaltige Möglichkeiten für INNOVENE. Innerhalb von Monaten kaufte INEOS dem Ölriesen seine Tochtergesellschaft für Olefine, Derivate und Raffinerie für neun Milliarden Dollar ab – und mit ihr auch den Standort Köln. Die Beschäftigten hatten kaum Grund zur Sorge. Denn innerhalb von Wochen begann dieses den meisten von ihnen unbekannte Unternehmen, positive Veränderungen in der Führung der Gesellschaft vorzunehmen. Der Schwerpunkt wurde sofort wieder auf die wichtigsten Stärken des Standorts verlagert – Sicherheit, Manufacturing Excellence und seine Kunden. „Ich erinnere mich noch an meine Erleichterung darüber, dass sich der Ansatz von INEOS so sehr von dem von BP unterschied“, so Dr. Axel Göhrt, früherer Leiter Betriebsstandortdienstleistungen, heute Geschäftsführer Produktion und Technik. „Die Belegschaft erkannte den Unterschied sehr rasch.“ Es gab neue Führungsstrukturen, und die Beschäftigten wurden angewiesen, vermeidbare Ausgaben zu streichen. Verhaltet euch wie Eigentümer, lautete die Devise. Gebt das Geld aus, als wäre es euer eigenes, sagte man ihnen. „INEOS wurde als geradlinig wahrgenommen“, so Dr. Patrick Giefers, früherer Leiter der Rechtsabteilung und des Personalwesens bei BP, heute kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor. „Politik spielte keine Rolle, und die Gespräche mit INEOS Capital verliefen in den Anfangstagen völlig unproblematisch. Das war enorm hilfreich, weil alle Bedenken rasch geklärt werden konnten.“ Während traditionelle Chemieunternehmen oft einen konservativen Ansatz in Bezug auf ihre Finanzen verfolgten und enorme Fixkosten hatten, war INEOS ein erfrischend junges Unternehmen mit einem schlanken, ehrgeizigen Management. Einige mussten sich jedoch erst an den Gedanken gewöhnen, dass BP die Gesellschaft an ein Unternehmen verkauft hatte, das nun mit neun Milliarden Dollar in der Kreide stand. „Die Deutschen sind vorsichtig und machen nicht gerne Schulden“, so Patrick. „Manche taten sich anfangs schwer.“ Doch sie ließen sich überzeugen, dass INEOS das richtige Unternehmen für die Aufgabe war, als in den Standort investiert wurde. Binnen sechs Monaten hatte INEOS seine Absicht angekündigt, etwa 40 Millionen Euro in den Ausbau der Kölner Krackerkapazität zu investieren. Dann würde der Standort zusätzliche 100.000 Tonnen Ethylen pro Jahr produzieren. Das zusätzliche Ethylen würde entweder für die Polyethylenherstellung verwendet werden oder man würde über das ARG-Pipelinesystem andere INEOS-Standorte damit beliefern. Und diese Investitionen – diese Überzeugung, dass die Beschäftigten den nötigen Antrieb und das Know-how für die Umsetzung mitbringen – wurden über die letzten zehn Jahre fortgesetzt. Seit INEOS den Standort vor zehn Jahren erwarb, wurden knapp 700 Millionen Euro in die Anlage investiert, und die Produktion wurde gesteigert. BP hatte in dem Jahr als es die Gesellschaft verkaufte, allein für diesen Standort 144 Millionen Euro aufgewendet. Die Anlagensicherheit ist nun wieder dort, wo sie sein soll – ganz oben auf der Prioritätenliste des Standorts. Seit 2006 sind bei der OSHA-Häufigkeit beständige Verbesserungen zu verzeichnen. Das beste Jahr des Standorts im Hinblick auf die Sicherheit war 2013, als die Häufigkeit bei nur 0,13 lag. Das Kundendienstteam – damals in Belgien und im Vereinigten Königreich angesiedelt – wurde nach Deutschland verlegt, sodass die Beschäftigten selbst mit Techniker/innen und Kolleg/innen in den Produktionsanlagen sprechen konnten. INEOS war in Bezug auf die Planung seiner Aufwendungen schon immer klug: neue Anlagen, Beseitigung von Infrastrukturengpässen und Veränderungen, die letztlich den Kunden zugute kommen. „Wir fliegen nicht Business-Class, aber INEOS kümmert sich in anderer Hinsicht um uns“, so Axel. 2013 wurde die Größe der Isoamylenanlage verdoppelt und die Position als Hersteller von Weltrang für einen Grundstoff gefestigt, der sich für die unterschiedlichsten Spezialprodukte einsetzen lässt, wie etwa für Duftstoffe, Agrochemikalien, Peroxide, Polymerantioxidantien und Kohlenwasserstoffharze. Das Projekt wurde sicher, effizient und innerhalb des Kostenrahmens umgesetzt. „Es war ein Beweis für die hohen betrieblichen und technischen Standards, die an dem Standort umgesetzt wurden“, so ein Kommentar von Karel Brabant, dem damaligen Geschäftsbereichsleiter (Operations Director) von INEOS Oligomers. Der Schlüssel zum Kölner Erfolg liegt vielleicht im deutschen Umgang mit Vermögenswerten und in der britischen Geschäftsführung. „Qualität ist uns wichtig“, erklärt Axel. „Wir achten auf die langfristige Qualität der Anlagen. Deswegen profitieren wir von der Wertarbeit unserer Großeltern. Auch das Verhältnis zu den Gewerkschaften und zum Betriebsrat ist sehr konstruktiv. Wir hatten in den letzten 40 Jahren keinen einzigen Streik.“ Für die Zukunft plant INEOS noch mehr Investitionen in den Standort, um sein Portfolio an Produkten mit höheren Gewinnspannen zu entwickeln. In diesem Jahr alleine werden etwa 100 Millionen Euro für die Anlagenerweiterung und Infrastrukturverbesserung ausgegeben. „INEOS würde nicht investieren, wenn sie die Investitionen nicht für lohnend hielten“, erklärt Patrick. „Die Beschäftigten wissen also, was sie zu tun haben. INEOS steckt eine Menge Geld in Köln. Wir müssen nun dafür sorgen, dass die Erwartungen erfüllt werden.“

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BRAUCHEN WIR EINE VERARBEITENDE INDUSTRIE?

Eines ist klar. Länder, die ihre industrielle Grundlage verlieren, laufen Gefahr, die Fähigkeit zur Innovation zu verlieren. Vor dem Hintergrund eines wirtschaftlichen Umfeldes, das von der Erosion und der Verlagerung traditioneller Industriezweige ins Ausland angesichts des globalen Wettbewerbs geprägt ist, rechtfertigt das deutsche Modell, oder Teile davon, eine sorgfältige Betrachtung. Es gilt vor allem, auf die Politik und Programme anderer Länder zu achten und daraus zu lernen, wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben. Charles Wessner, Programmdirektor des „Board on Science, Technology, and Economic Policy“ des „National Research Council“     Arbeitsplätze in der Produktion bilden die Grundlage unserer Wirtschaft. Die verarbeitende Industrie produziert die Güter, die jene Einkünfte erzielen, auf die sich die Dienstleistungsbranche stützt. Wir können einander nicht bloß die Haare schneiden und Hamburger verkaufen. Das Einkommen, das diese Haarschnitte und Hamburger bezahlt, muss schließlich von irgendwoher kommen.  Campaign for America’s Future   Die Gesundheit der Wirtschaft hängt entscheidend von der Gesundheit des verarbeitenden Sektors ab. Die Produktion ist seit mehreren Jahrhunderten der Schlüssel zum Wohlstand. Die mächtigsten Nationen der Welt sind jene, die über den Großteil der weltweiten Produktion von Fertigungstechnologien verfügen. Doch es reicht einfach nicht aus, Fabriken zu haben und mehr zu produzieren. Wir brauchen das Know-how, um die Maschinen herzustellen, die die Güter produzieren. Wenn es nicht zu einer robusten Wiederbelebung des verarbeitenden Sektors in Amerika kommt, können wir uns von unserem Status als große Wirtschaftsmacht verabschieden. Jon Rynn, Autor von „Manufacturing Green Prosperity: The power to rebuild the American middle class“   Global gesehen ist die verarbeitende Industrie wichtig. Wenngleich sie historisch mit Umweltschäden assoziiert wird, verspricht sie nun, einige der Umweltprobleme unserer Welt zu mildern. So können viele Güter heute beispielsweise in Produktionsverfahren hergestellt werden, die so gut wie keine Umweltbelastungen mit sich bringen und eine Wiederverwertung entsorgter Produkte zulassen. Die verarbeitende Industrie gibt Anstöße zu neuen Denkweisen und kann so Einiges bewirken. Viele der Innovationen, die unser Leben verwandelt haben, stammen aus der verarbeitenden Industrie. Ohne Microchip, Computer und Server gäbe es kein Internet, kein Facebook und kein Google. Die verarbeitende Industrie ist entscheidend für den zukünftigen Reichtum Großbritanniens – aber sie wird zu oft abgeschrieben. Peter Marsh, Gründer von „Made Here Now“   Viele Jahrzehnte lang argumentierten Ökonomen, der verarbeitenden Industrie käme eine untergeordnete Rolle in der modernen Wirtschaft zu. Sie hatten unrecht. In den letzten zehn Jahren bestätigten immer mehr Ökonomen, dass die Produktion für die Innovation unerlässlich ist und eng mit dem wirtschaftlichen Wohlergehen und der nationalen Sicherheit einer Nation verbunden ist. Die verarbeitende Industrie ist der Motor, der die amerikanische Innovation antreibt. Er verwandelt die wissenschaftliche Forschung in neue Produkte und Produktionsabläufe, die Gewinne abwerfen und die Welt verbessern. Er bringt neue und wichtige Branchen hervor, von Computern und Drahtlos-Technik bis hin zur Biotechnik und Solarenergie. In dem Maße wie Ingenieur/innen und Hersteller neue Technologien entwickeln, erwerben sie die Fähigkeiten, in neue Bereiche vorzudringen und Innovationen zu schaffen. Diese Innovationen ermöglichen den Produzenten jene Leistung oder jenen Kostenvorteil, die sie brauchen, um in einem umkämpften internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Professor Thomas Kurfess, früherer Assistant Director for Advanced Manufacturing im Weißen Haus   Die verarbeitende Industrie schafft nicht nur Wert in Form von Produkten und Dienstleistungen, sie schafft auch gute bezahlte Arbeitsplätze. Produktionseinrichtungen lassen außerdem Arbeitsplätze bei den unterstützenden Zulieferern und Dienstleistungsbranchen entstehen. Wenn Sie heute durch eine moderne Fabrik gehen, sehen Sie sofort, dass sich die Produktion heute nicht mehr darauf beschränkt, Einzelteile zusammenzusetzen – sie arbeitet mit hochkomplizierten Verfahren und einem hohen Maß an computergesteuerter Automation. Das ist mehr Wissensarbeit als manuelle Arbeit. Und vor allem in neuen Bereichen wie hochentwickelten Materialien und Biopharmazeutika bedeutet Produktion eine enge Zusammenarbeit mit Forschung & Entwicklung und Design in den frühen Produktionsphasen – die Fähigkeit zur Produktion erhält also die Fähigkeit zur Innovation auf lange Sicht. Wer Erstere aufgibt, wird die Fähigkeit zu Letzterer schwächen. Willy Shih, Robert und Jane Cizik, Professor of Management Practice, Harvard Business School

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DEUTSCHLANDS GEHEIMREZEPT

DEUTSCHLAND gilt seit langem als die treibende Kraft der Produktion in Europa. Im Jahr 2015 exportierten deutsche Firmen Güter im Rekordwert von 1,196 Billionen Euro – um 6,4 Prozent mehr als 2014 – und die Beschäftigung erreichte den Höchststand von 43 Millionen. Im Dezember 2016 stellte Robert E. Scott, führender Ökonom und Director of Trade and Manufacturing Policy Research am „Economic Policy Institute“ fest, dass Deutschland seine Exporte nach China und in das übrige Asien trotz der Tatsache, dass die deutschen Löhne in der verarbeitenden Industrie zu den höchsten der Welt gehören, gesteigert hätte, während andere Industrienationen vor der Konkurrenz aus Asien eingeknickt wären. „Wenn höhere Löhne der Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion schaden, dann müsste es Deutschland schlechter gehen als den Vereinigten Staaten, aber dem ist nicht so“, schrieb er in einem Artikel für das Economic Policy Institute. Nach den neuesten Zahlen der Weltbank macht die verarbeitende Industrie in Deutschland 23 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – im Vergleich zu 12 Prozent in den USA, 11 Prozent in Frankreich und 9,4 Prozent im Vereinigten Königreich. Wenn man etwas genauer hinsieht, wird klar, dass Deutschlands Wirtschaftswunder nicht dem Zufall überlassen wird oder einfach darauf zurückzuführen ist, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Es ist das Ergebnis der Arbeitseinstellung der Deutschen; einer Regierung, die die verarbeitende Industrie als Garanten für Arbeitsplätze und ein gesundes, anhaltendes Wirtschaftswachstum ansieht; und der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Herstellung von Erzeugnissen von höchster Qualität. „Deutsche Unternehmen sind selten die billigsten Anbieter, doch die überlegene Qualität und Leistung ihrer Produkte ermöglicht ihnen, erstklassige Preise zu erzielen und den Export dennoch gleichzeitig zu steigern“, schrieb Charles W. Wessner, Programmdirektor des Board on Science, Technology and Economic Policy des National Research Council in einem Artikel für die Fachzeitschrift „Mechanical Engineering“. Der britische Journalist Justin Rowlatt, Südasien- Korrespondent der BBC, verbrachte mit seiner Frau Bee und zwei seiner vier Kinder mehrere Monate in Deutschland auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis der Deutschen. In vielen Gesprächen mit seinen deutschen Bekannten kamen einige bittere Wahrheiten zu Tage. „Eine junge Deutsche hatte in einem britischen Büro gearbeitet und war entsetzt, wie wenig dort gearbeitet wurde“, sagte er. „Wenn Deutsche miteinander reden, reden sie über die Arbeit. Im Vereinigten Königreich waren die Leute alle mit Facebook, SMS, E-Mails an Freunde und privaten Telefonaten beschäftigt.“ Justin arbeitete für Faber-Castell, einen der weltgrößten und ältesten Bunt- und Bleistifthersteller. Dieses Unternehmen wird nach wie vor von einem direkten Nachfahren des Gründers geführt. Und es macht seine Sache hervorragend. „Das deutsche Erfolgsgeheimnis scheint darin zu bestehen, dass man sich auf einen sehr kleinen Bereich beschränkt und darin weltweit führend wird“, sagte er. Das trifft auf Faber-Castell ganz sicher zu. Das Unternehmen wurde vor 255 Jahren von einem Schreiner gegründet, der zunächst in seiner Freizeit Bleistifte herstellte. Heute hat es 14 Fertigungsstätten, beschäftigt etwa 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verkauft in mehr als 100 Länder. „Es ist ein typisches Mittelstandsunternehmen“, so Graf Anton Wolfgang Faber-Castell, der das Unternehmen bis zu seinem Tod leitete. Die Deutschen bezeichnen mit Mittelstand Millionen von mittelgroßen Unternehmen, die etwa ein Fünftel der deutschen Arbeitnehmer beschäftigen und auf Nischenprodukte ausgerichtet sind, für die sie erstklassige Preise in der ganzen Welt erzielen. Diese Familienunternehmen gibt es oft seit Generationen, sie bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie beliefern nicht nur Deutschlands multinationale Unternehmen, sondern exportieren auch selbst. Tom Peters, amerikanischer Autor und Fachmann für Businessmanagement, sagte, Mittelstandsunternehmen hätten einen unglaublich starken Fokus. „Die jungen Männer und Frauen durchlaufen ihre Lehre und nehmen mit, dass Exzellenz ihr Ziel ist“, sagte er. Und es gibt noch einen Grund für ihren Erfolg. Und zwar die Fraunhofer-Gesellschaft, ein Netzwerk von 67 von der Regierung unterstützten Forschungsinstituten mit 23.000 Beschäftigten. „Fraunhofer unterstützt ein Ökosystem für Produktionsinnovation und trägt zur Sicherung der Position Deutschlands als Exportriese bei“, so ein Kommentar von Sujai Shivakumar, Spezialist für Innovationspolitik der National Academies in Washington, im Wall Street Journal. Die Fraunhofer-Gesellschaft liefert erstklassige, erschwingliche kurzfristige Studien, die sich kleine Hersteller sonst nur schwer leisten könnten. Diese Unternehmen setzen die Forschung ein, um ihre Abläufe und Erzeugnisse beständig zu verbessern – und bleiben der Konkurrenz so immer einen Schritt voraus. „Einfach ausgedrückt, hilft Fraunhofer den Herstellern, das ‚Tal des Todes‘ zu überbrücken – ein Punkt, der oftmals in einem Stadium der Produktionsentwicklung erreicht wird, wenn die Investitionen eine potenzielle hohe Rendite versprechen, die Unsicherheit aber zu groß ist, um wesentlich in die Forschung und Entwicklung zu investieren“, so Michael Teiwes, PR-Chef bei Fraunhofer. In den letzten 10 Jahren arbeitete der deutsche Unternehmensberater Professor Dr. Bernd Venohr mit zahlreichen mittelgroßen Familienunternehmen, die weltweit führend sind, in Deutschland zusammen. „Sie wurden oft als ‚verborgene Champions‘ bezeichnet, doch in einer zunehmend transparenten Weltwirtschaft sind sie nicht mehr verborgen“, kommentierte er. Er führte ihren Erfolg darauf zurück, dass sie wissen und der festen Überzeugung sind, dass gesundes Wachstum und Fortschritt echter Innovation entspringen, dass der hohe Wert und nicht der Preis für den Kunden ausschlaggebend ist, und dass die Beschäftigten respektvoll und nicht als ,leicht ersetzbare Ressourcen’ zu behandeln sind. „Diese wichtigen Managementprinzipien sind im Grunde universelle Wahrheiten für jedes Unternehmen“, so Venohr. „Doch leicht verständlich heißt nicht unbedingt leicht umsetzbar.“ Aus einer seiner jüngsten Studien geht hervor, dass etwa 1650 deutsche KMU eine führende Stellung in den Weltmärkten für ihre Produkte hatten oder dass sie in diesen Märkten zumindest zu den drei Unternehmen an oberster Stelle gehörten. Die amerikanische Manufacturers Alliance for Productivity and Innovation meinte, der Rest der Welt könnte von Deutschland viel Wertvolles lernen. „Die Qualität und das Ausmaß der beru ichen Ausbildung für junge Leute zur Vorbereitung auf quali zierte Arbeitsplätze im Produktionssektor ist bewundernswert“, meint Kris Bledowski, Director of Economic Studies. „In der deutschen Gesellschaft werden Technik und Naturwissenschaften als erstrebenswerte Bildungsziele angesehen.“ Aus seiner Sicht werde Deutschland von den Auswirkungen des rückläu gen chinesischen Wirtschaftswachstums nicht spürbar betroffen sein. „Im letzten Jahr machten die Exporte nach China 97 Milliarden Dollar bzw. etwa 7,2 Prozent der deutschen Exporte insgesamt aus“, so Bledowski. „Deutschlands Investitionen in China sind im Vergleich zu fast allen anderen Ländern Europas verschwindend klein. Die Auswirkungen werden also insgesamt nur recht gering sein.“ Und darüber ist Justin Rowlatt tatsächlich nicht erstaunt. „Die Deutschen sehen ihre Erfolge nicht als selbstverständlich an und ich glaube,das ist der Grund, warum die langfristige Ausrichtung so wichtig für sie ist“, sagte er, „harte Arbeit, Ef zienz und Ordnungsliebe entspringen einem tiefen Gemeinschaftssinn und der Verantwortung für einander.“ Der Blick der Deutschen ist auf die Zukunft gerichtet. Deutschland hat mit der Unterstützung der Bundesregierung „Industrie 4.0“, oft auch als ,Vierte Industrielle Revolution‘ bezeichnet, eingeleitet. „Wir wollen, dass Deutschland weiterhin eine weltweit konkurrenzfähige Wirtschaft mit hohen Löhnen hat, und wir sind davon überzeugt, dass die Strategie ,Industrie 4.0’ uns dies ermöglichen wird“, so Professor Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Bledowski meint, „Industrie 4.0“ – die Entwicklung der Fabrik der Zukunft – sei zum Teil der Angst vor Amerikas digitaler Revolution, die auch die verarbeitende Industrie erfasste, entsprungen. „Man kann wohl sagen, dass diese deutsche Initiative und das amerikanische ‚Industrial Internet‘-Konzept transatlantische Vettern sind, wenngleich auch getrennt durch Sprache, Traditionen und Geschäftskultur“, so Bledowski. „Doch bei ‚Industrie 4.0‘ geht es nur um Deutschland. Diese Strategie hat keine europäische, internationale oder globale Ausrichtung. Das Geld der deutschen Steuerzahler wird eingesetzt, um heimischen Unternehmen zu helfen, ihre internationale Konkurrenzfähigkeit beizubehalten.“ Er versicherte, dass das amerikanische Projekt, wenngleich dieses seinen Sitz in den USA habe, dennoch allen offenstünde, die Anteil an der Zukunft des industriellen Internet haben. „Es hat eine globale Reichweite“, so Bledowski.   SELBSTGEFÄLLIGKEIT IST FEHL AM PLATZ, MEINT VCI DEUTSCHLANDS chemische Industrie mag andere in Europa mit Neid erfüllen – doch vor Selbstgefälligkeit wird gewarnt. In einer Presseerklärung sagte Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der deutschen Chemieindustrie (VCI) Anfang des Jahres 2016, die Produktion hätte nach einem guten Anfang nun stagniert, die Umsätze seien gesunken, Arbeitsplätze seien verlorengegangen. „Das ist keine gute Nachricht, und der Ausblick ist auch nicht vielversprechend“, meinte er. Deutschland sei mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, etwa einer Wachstumsschwäche der Weltmärkte, den Kosten von Rohstoffen und Energie und Großbritanniens Entscheidung, als erster Mitgliedsstaat aus der Europäische Union auszusteigen. „Zwar ist es derzeit noch zu früh für eine Bewertung“, so Dekkers. „Doch die britische Entscheidung wird mit Wahrscheinlichkeit nachteilige Auswirkungen haben.“ Die Ereignisse der letzten Zeit, vor allem die Abwertung des Euro und die sinkenden Ölpreise, seien der deutschen Wirtschaft zugute gekommen. Doch diese würden nun ‚ausklingen‘, stellte er fest. Dennoch sieht es für Deutschland, im Vergleich zur übrigen Welt, auf den ersten Blick nach wie vor gut aus. „Wir sind seit mehr als einem Jahrzehnt Exportweltmeister, der Handelsbilanzüberschuss für Chemikalien wächst beständig und wir sind bei weitem der wichtigste Standort für die chemische Industrie in Europa“, sagte er. „Wir agieren immer noch aus einer Position der Stärke. Aber die Betonung liegt auf ,immer noch’. Auf lange Sicht ist es zunehmend fraglich, ob Deutschland seine Position als Standort der chemischen Industrie weiter halten kann.“ Deutschland müsse dafür Sorge tragen, seine Konkurrenzfähigkeit nicht zu verlieren, sagte er, aber genau diese Gefahr bestünde nun aufgrund der zunehmenden Expansion von Produktionsanlagen in Amerika und im Nahen Osten, der steigenden Energiekosten in Europa, übermäßiger EU- Vorschriften, des Verlusts von Unternehmen in der Wertschöpfungskette, mangelnder Investitionen in Deutschland und fehlender Anreize für Forschung und Entwicklung. „Die deutsche Industrie kann Deutschland nicht im Alleingang zum Weltmeister der Innovation machen“, sagte er. „Wir benötigen Unterstützung aus der politischen Arena. Wir müssen am gleichen Strang ziehen.“ In der jüngsten VCI-Studie mit dem Titel „Die deutsche chemische Industrie 2030“, die von der Prognos-AG durchgeführt wurde, stellt der VCI fest, dass sich heute getroffene politische Entscheidungen auf zukünftige Entwicklungen und Investitionen auswirken würden. Für das Wachstum wäre ein Klima erforderlich, das frei von Bürokratie ist und Innovationen begünstigt. „Um weiter zu investieren, benötigen wir einen stabilen Planungshorizont, besonders in der energiebezogenen Gesetzgebung“, so Dr. Stephan Müller, leitender Angestellter bei INEOS in Köln

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DOUGS BÜRO IN DER EISWÜSTE

KEINER der beiden Orte klingt nach dem Himmel auf Erden. Der Südpol ist der kälteste, trockenste, abgelegenste und windigste Ort auf der ganzen Erde. Eine gefrorene Wüste ohne Leben mit Windstößen bis zu 145 Kilometern pro Stunde, umgeben von stürmischer See. Der Nordpol besteht nur aus Eis, das ständig in Bewegung ist, und ist erbärmlich kalt. Doch Doug Stoup, ein moderner Entdecker, verbringt den Großteil seines Lebens entweder hier oder dort. Für ihn ist es sein Büro. „Ich ziehe Kälte vor, denn mehr anziehen kann man immer“, meinte er. Letzten Monat nahm sich der Mann, der den INEOS- Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe und seine beiden Söhne, George und Sam, zu beiden Polen begleitet hatte, ein wenig Urlaub von der Planung seiner nächsten Expedition und sprach mit dem INEOS-Team in der neuen Londoner Zentrale am Hans Crescent über das Eingehen von Risiken in Leben und Geschäft. „Organisation und Vorbereitung sind der Schlüssel zum Erfolg jeder Expedition“, so Stoup. „Ich begrenze das Risiko. Ich kann das Risiko entweder annehmen oder kehrtmachen und gehen – was ich schon oft getan habe. Ich habe damit kein Problem, denn ich habe nicht den Wunsch zu sterben. Oder ich übertrage das Risiko und sage: „George, du gehst vor“. Viele im Publikum lachten, aber Doug fuhr fort. „Ich sitze nicht einfach da und schaue in den Himmel“, sagte er. „Ich beobachte jede seiner Bewegungen und lerne daraus.“ Für Doug hat auch die Spitzenposition im Geschäft mit Risiko, Vertrauen, Teamwork, der Suche nach neuen Herausforderungen und dem Versuch, etwas anders zu machen, zu tun. Und diesen Ansatz konnte er bei INEOS häu g beobachten. „Vieles, was INEOS tut, hat mit einer Verlagerung der Grenzen und mit kalkuliertem Risiko zu tun“, sagte er. „Und das ist der Grund, warum das Unternehmen zu den innovativsten und besten der Welt gehört. Ich versuche, ein großartiges Team zusammenzustellen, und INEOS macht das ebenso.“ Dougs große Liebe zum Südpol begann im Jahr 1999; damals war er Anfang 30. „Als Junge konnte ich es mir nicht vorstellen, dass ich diese Gebiete jemals betreten würde“, erzählte er. „Mein Traum war es, den höchsten Berg der Antarktis zu besteigen und dort Ski zu fahren. Aber das war nur ein Traum.“ Inspiriert von Persönlichkeiten wie Sir Ernest Shackleton, Captain Scott und Sir Douglas Mawson erkannte er jedoch, dass es möglich war, wenn der Wunsch groß genug war. „Ich erkannte, dass man alles tun kann, was man tun will, wenn man sich in produktivem Wachstum diesem Traum nähert“, sagte er. Als er 1999 aus dem Flugzeug stieg und ein Rollfeld aus Eis betrat, war er überwältigt. „Ich ließ meinen Blick über dieses unendliche Nichts schweifen“, sagte er. „Ich verliebte mich in den Ort und konnte es nicht mehr erwarten, wieder dorthin zurückzukehren.“ Während dieser ersten Reise zum Südpol entdeckte er auch, dass er anderen helfen konnte. Seither führt er Menschen ans Ende der Welt – zum Vergnügen und zu wissenschaftlichen Zwecken. Die meisten seiner Weggefährten sind CEOs. „Sie kennen das Risiko, weil sie in ihrer eigenen Welt das Sagen haben und Tag für Tag Entscheidungen treffen, aber ihre Geschäftserfahrung hilft in der Antarktis nicht wirklich weiter“, meinte er. „Auch Geld hilft nicht.“ Es kommt darauf an, dass sie zuhören, schnell lernen und sich auf das, was auf sie zukommt, vorbereiten – mental und körperlich. „Das Einzige, was sich keiner vorstellen kann, ist die Kälte“, sagte er. „Und die begreifen sie erst, wenn sie tatsächlich dort sind. Dort lässt der Schweiß die Schutzbrille am Gesicht festfrieren.“ Zur Vorbereitung auf seine epischen Abenteuer nimmt Doug oftmals Gewicht zu, denn er wird 10.000 Kalorien pro Tag verbrennen, wenn er Eis überquert, das eine Woche vorher noch Wasser war. „Du kannst dort im Stehen 2.000 Kalorien verbrennen“, sagte er. Er glaubt fest an das Durchhaltevermögen des menschlichen Körpers. „Wichtig ist jedoch die mentale Vorbereitung“, sagte er. „Wer trainiert ist, sollte körperlich an seine Grenzen gehen können. Die Barriere ist mentaler Natur. Du musst die mentale Stärke nutzen, um immer einen Schritt voraus zu sein.“ Doug wird oft gefragt, ob er eine Expedition zum Gipfel des Mount Everest führen würde, der mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt ist. Aber hier ist er sich nicht sicher. „Ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde, denn dort sind Unmengen von Menschen, die eigentlich nicht dort hingehören“, meinte er. „Man muss wissen, wo man aufhört, muss die richtige Entscheidung für die eigene Sicherheit treffen. Es geht nicht immer darum, den Gipfel um jeden Preis zu erreichen.“ Er ist der Ansicht, dass Führungspersönlichkeiten in allen Bereichen des Lebens vieles gemeinsam haben. Mitgefühl; die Fähigkeit, die Persönlichkeit anderer zu begreifen; und im Laufen denken zu können, so Doug. „Starke Persönlichkeiten können sich ihrer eigenen Umgebung und anderen anpassen“, sagte er. „Um eine große Führungspersönlichkeit zu sein, muss man alles begreifen, was da draußen passiert, und die Kommentare anderer Menschen miteinbeziehen.“ Abgesehen von Kälte, Treibeis, Wind – muss man noch etwas fürchten? Ja, sagte er, Eisbären. „Sie riechen eine Robbe aus über 13 Kilometern Entfernung, und nach eineinhalb Monaten ohne Dusche riechen sie mich mit Sicherheit“, meinte er. Trotz seiner äußerst sorgfältigen Planung kann dennoch etwas schiefgehen. „Auch wenn ich mehr Polarerfahrung habe als jeder andere, mache ich immer noch Fehler“, gesteht er. „Einmal fror mir die Schutzbrille am Kopf fest, ich wurde schon schneeblind und einmal brach mir ein Zahn ab, den ich mit einer Zange herausziehen musste.“ Kann er sich einen Ruhestand vorstellen? „Nein“, sagt er. „Noch nicht.“ Der Vater dreier Söhne muss noch zu viel sehen und tun. „Vielleicht wird einer der drei eines Tages in meine Fußstapfen treten“, sagte er.   MEINE HELDEN   JENE drei Männer, die Doug Stoup immer noch inspirieren, lebten um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert. Einer starb, zwei überlebten unter widrigsten Bedingungen. „Sie sind immer noch meine Mentoren“, sagte er. „Sie waren richtige Männer, die leiden konnten.“ Sir Douglas Mawson kämpfte sich auf einer Expedition im Jahr 1912 alleine über 265 Kilometer zurück zum Schiff, nachdem einer seiner Gefährten in eine Eisspalte gefallen und der andere Opfer einer Vergiftung geworden war. Captain R. F. Scott und seine beiden verbliebenen Gefährten wurden von einem Schneesturm aufgehalten und erfroren 240 Kilometer vom Basislager in ihrem Zelt, nachdem sie im Januar 1912 den Südpol erreicht hatten. Sir Ernest Shackleton überlebte drei Jahre später und konnte vom Untergang seines Schiffes ‚Endurance‘ berichten. Das Schiff wurde von Eis eingeschlossen und die Besatzung hatte es verlassen und sich auf dem Treibeis in Sicherheit gebracht. Im folgenden Jahr machten sich Shackleton und fünf Mitglieder seiner Mannschaft auf, um Hilfe zu holen. Sie überquerten in einem Rettungsboot in 16 Tagen 1300 Kilometer Ozean und erreichten Südgeorgien, wo sie sich bis zur Walfangstation durchschlugen. Die verbleibenden Männer von der ‚Endurance‘ wurden später gerettet. Keiner der Männer war gestorben. „Sie sind die wahren Helden“, sagte Doug. „Sobald wir den Südpol erreicht haben, rufe ich jemanden an und wir werden abgeholt.“

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WIR ALLE KÖNNEN DARAUS LERNEN

Für viele sind Naturwissenschaften etwas, was man in der Schule gelernt hat und dann den Geschichtsschreibern überlässt. Doch das muss sich ändern, wenn wir Antworten auf einige der bedrohlichsten Fragen aller Zeiten nden wollen. Und zum Glück sind die Dinge dabei, sich zu ändern. Allmählich. Und ein Land, das hier vielleicht Fortschritte erzielt, ist Deutschland DIE Welt begreift allmählich, dass die Naturwissenschaften unsere Rettung sein könnten. Wir sehen uns mit schwindenden Bodenschätzen und steigenden Bevölkerungszahlen konfrontiert, das heißt, die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, wie es mit unserem Planeten im 21. Jahrhundert weitergehen soll. Denn was heute Naturwissenschaft ist, kann morgen Technologie sein. Nicht ganz einig ist man sich in der Welt, wie man die jungen Menschen von heute von einer Karriere in den Naturwissenschaften überzeugen kann. Die Alarmglocken begannen bereits vor vielen Jahren zu schrillen. Die Europäische Kommission warnte im Jahr 2008, dass sich nicht genug junge Menschen über 16 Jahren für Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwissenschaften oder Mathematik entschieden – und befürchtete, dass es ohne Maßnahmen einen Mangel an hochquali zierten Wissenschaftler/innen, Ingenieur/innen und Techniker/innen geben würde. Sie empfahl radikale Veränderungen im naturwissenschaftlichen Unterricht, der weniger auf das Auswendiglernen von Fakten, das größtenteils für die schwindende Lust auf Naturwissenschaften verantwortlich gemacht wird, und mehr auf einen Unterrichtsstil ausgerichtet werden soll, der die Schüler zu Fragen anregt und ihr Verständnis fördert. Fünf Jahre später, im Jahr 2013, sprachen über 100 Delegierte aus 58 Ländern bei einer weltweiten Konferenz der wissenschaftlichen Akademien immer noch über dieses Thema. Doch in Deutschland scheint man sich diesem Problem bereits seit 2006 zugewendet zu haben. Professor Dr. Petra Skiebe-Corrette von der Freien Universität Berlin begründete im Jahr 2006 die Initiative „TuWaS!“, nachdem sie die erstaunliche Wirkung eines ähnlichen Modells in Schweden gesehen hatte. Heute sind144 Schulen in Berlin, von wo die Initiative ausging, beteiligt. Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, war eine frühe Verfechterin des Programms, als „TuWas!“ im Jahr 2008 von der Handelskammer nach Köln gebracht wurde. Das Programm „TuWaS!“ regt Schülerinnen und Schüler in Grund- und Sekundärschulen und weiterführenden Schulen dazu an, Fragen zu stellen, anstatt sich mit vorgefertigten Antworten zufriedenzugeben. Anne-Grets leidenschaftlicher Einsatz – und die nanzielle Unterstützung durch INEOS – motivierten die Schulen rasch, sich der Initiative anzuschließen. „Wir sehen nun tatsächlich die Wirkung von ‚TuWaS!‘“, so Anne-Gret, die von Professor Skiebe eingeladen wurde, bei der Feier des zehnjährigen Jubiläums von „TuWaS!“ an der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften letzten Monat zu sprechen. „Wir haben in Köln nun sogar eine Logistik- und Lagereinheit für ,TuWaS!’“ In Deutschland gehört der fragenbasierte naturwissenschaftliche Unterricht nun bereits in vielen Schulen zum Lehrplan, und das „TuWaS!“-Programm für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wurde of ziell von vier der 16 deutschen Bundesländer übernommen. Die Lehrerinnen und Lehrer besuchen ein eintägiges Seminar, wo sie die naturwissenschaftlichen und technischen Experimente zunächst erlernen. Dann kehren sie mit Experimenten für ein ganzes Schuljahr und dem Selbstvertrauen, diese einzusetzen, in ihre Klassen zurück. Als größter industrieller Arbeitgeber in Köln ist INEOS daran immer noch stark beteiligt. „Als weltweiter Chemiekonzern wissen wir, wie wichtig es ist, mit der naturwissenschaftlichen und technischen Ausbildung bereits in frühem Alter, also bei den Sechsjährigen, zu beginnen“, so Anne-Gret. „Diese Partnerschaften helfen uns als Unternehmen, als Industrie und als Industrieland, junge Menschen anzuziehen – besonders Mädchen –, die neugierig, begeistert und motiviert sind, die Welt durch Naturwissenschaft zu verbessern.“ INEOS in Köln ist der größte Sponsor im Rheinland und unterstützt fast die Hälfte der 70 Schulen, die am „TuWaS!“- Programm teilnehmen. INEOS Beschäftigte fungieren als Botschafter und haben bisher bereits über 6.000 Kinder erreicht. „INEOS engagiert sich sehr, will die gesamte Last aber nach Möglichkeit nicht alleine tragen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wünschen uns, dass mehr Firmen Verantwortung übernehmen.“ Doch „TuWaS!“ soll expandieren. Anne-Gret beabsichtigt, „TuWaS!“ nun auch auf andere deutschsprachige Länder, wie Österreich und die Schweiz, auszudehnen. Währenddessen erwägt INEOS die Einführung eines ähnlichen Programms in britischen Schulen. INEOS unterstützt derzeit die Chemie-Olympiade der „Royal Society of Chemistry“, um Tausende junge Menschen im gesamten Vereinigten Königreich zu einer naturwissenschaftlichen Laufbahn zu animieren. Die „Royal Society“ und der britische Industrieverband (Confederation of British Industry – CBI) wären darüber gewiss erfreut. Sie haben im Mai bereits einen Leitfaden für Unternehmen und Lehrer/innen herausgebracht, der ihnen helfen soll, die Zusammenarbeit zu fördern. Darin hieß es, die Unternehmen müssten enger mit Schulen zusammenarbeiten. „Die meisten jungen Menschen führen ihre Entscheidung für ein naturwissenschaftlich- technisches Fach auf eine/n inspirierende/n Lehrer/in zurück; die Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern ist also der beste Weg, die naturwissenschaftlich-technischen Mitarbeiter für die Zukunft zu sichern“, so Professor Tom McLeish, Vorsitzender des Bildungsausschusses der „Royal Society“. Neil Carberry, Director for Employment and Skills Policy des CBI, meinte, viele Firmen arbeiteten bereits eng mit örtlichen Schulen zusammen, doch es könnte immer noch mehr getan werden, um Schüler/innen für diese entscheidenden Fächer zu motivieren. „Viele Branchen vertrauen auf Universitäten und Fachschulen zur Versorgung mit Talenten im Bereich der Naturwissenschaften, doch es zeigen sich bereits Engpässe, die unsere Wirtschaft hemmen werden“, stellte er fest. Unabhängig wie die Entwicklung im Vereinigten Königreich weitergeht, INEOS wird das „TuWaS!“-Programm in Deutschland weiterhin unterstützen. „Unser Geheimnis ist der Aufbau von Beziehungen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wollen die Besten der Besten anlocken, Verständnis für die Branche schaffen und gleichzeitig unser Ansehen aufbessern.“

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DIE ZUKUNFT GESTALTEN

Energieintensive Unternehmen, die fossile Brennstoffe für den Betrieb ihrer Anlagen oder als wichtige Grundstoffe benötigen, können es sich nicht leisten, die Nachhaltigkeit hintanzustellen. Wer das tut, könnte selbst bald Geschichte sein. INEOS betrachtet Nachhaltigkeit als Voraussetzung für den langfristigen Erfolg, denn es möchte lieber Geschichte schreiben   NACHHALTIGKEIT bildet die wesentliche Grundlage der Geschäftstätigkeit für INEOS. Ja, mehr noch, sie ist die treibende Kraft der Innovation. „Die chemische Industrie wird nicht immer als Teil der Lösung für Herausforderungen der Gegenwart angesehen, doch unser Sektor kann enormen Ein uss darauf haben, was die Welt jetzt tut, wie sie sich in Zukunft entwickelt, und wie all dies nachhaltig geschieht“, so Greet Van Eetvelde, Head of Energy & Innovation Policy bei INEOS. Bei steigenden Bevölkerungszahlen und wachsendem Druck für einen ef zienten Ressourceneinsatz müssen Unternehmen wie INEOS an vorderster Front für eine Gesellschaft kämpfen, die die heutige Generation zufriedenstellt, ohne zukünftigen Generationen zu schaden. Für INEOS bedeutet Nachhaltigkeit nicht bloß, den Erhalt seiner Lizenz für den Betrieb in Städten auf der ganzen Welt zu sichern. INEOS ist überzeugt, dass nur verantwortungsvolles und verlässliches Handeln zu Wachstum führt. „Für uns ist das eine geschäftliche Entscheidung“, so Kevin McQuade, CEO von INEOS Styrolution. „Dies ist unser Hebel für das Wachstum.“ Sein Geschäft veröffentlichte vor kurzem seinen ersten quantitativen GRI-G4-Bericht zur Nachhaltigkeit, welcher den Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI) , den in diesem Bereich als Maßstab geltenden Richtlinien über die Berichterstattung, entspricht. „Das Thema Nachhaltigkeit wird auf der ganzen Welt zunehmend wichtiger“, so Petra Inghelbrecht, Global Sustainability Manager bei INEOS Styrolution. „Die Suche nach neuen Produkten und neuen Methoden, um die technischen Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu meistern, sorgt dafür, dass unser Unternehmen immer einen Schritt voraus ist.“ INEOS Styrolution ist Marktführer auf dem Gebiet der Styrol-Kunststoffe und nimmt in bedeutendem Maße Ein uss auf das Geschehen in der Welt allgemein. „Wir haben Styrol-Kunststoffe überall um uns herum“, erklärt Kevin. „Wir brauchen sie, um den Alltag bunter zu gestalten. Wenn wir uns die Zukunft ansehen, gibt es viele spannende Möglichkeiten, gemeinsam mit unseren Kunden nachhaltige Lösungen zu entwickeln.“ Styrol-Kunststoffe sind haltbar, leicht, wasserbeständig, langlebig und wiederverwertbar. Man ndet sie in Kühlschränken, Waschmaschinen, Fernsehgeräten, Autos, Gebäuden, Spielwaren, Sportgeräten, Verpackungen und Gesundheitsprodukten. Somit haben wir also enorme Möglichkeiten, etwas zu bewirken, und zwar so, dass die Gesellschaft es auch spürber merkt.INEOS gilt als Trendsetter unter den Unternehmen, wenn es darum geht, mit Geschäftspartnern Branchencluster zu bilden. Zusammen mit Dritten vor Ort teilt man sich oft Ressourcen und Versorgungsleistungen und schafft Symbiosen. „Dies trifft den Kern der Unternehmensnachhaltigkeit“, so Greet. Wie viele INEOS-Geschäftsbereiche, arbeitet auch INEOS Styrolution bereits mit vielen führenden Instituten, Wissenschaftler/innen und Partnern zusammen, um neue, innovative Lösungen zu entwickeln. Ein solcher Partner ist die Universität Bayreuth. Professor Hans-Werner Schmidt, Leiter des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie I, meinte, INEOS Styrolutions Ansatz unterscheide sich von dem der meisten Unternehmen. „Er geht weit über traditionelles Sponsoring für einen Lehrstuhl oder für Absolventenforschung hinaus“, sagte er. „Hier wird mit völlig neuen Konzepten der Forschung und Entwicklung gearbeitet – und Partnerschaften, wie zwischen uns und INEOS Styrolution, sind ein Beweis dafür.“ Nach Ansicht von Norbert Niessner, Director of Global R&D and Intellectual Property, seien diese Bemühungen um Zusammenarbeit und Partnerschaften entscheidend. „Wir sehen diese Partnerschaften als eine Möglichkeit an, unsere Innovations-Pipeline in Größe und Wert anwachsen zu lassen, insbesondere was die Erarbeitung von Lösungen im Bereich Styrol-Kunststoffe anbelangt, die zur Nachhaltigkeit beitragen“, so Niessner. Bei all diesen Entwicklungen muss jedoch die Sicherheit für alle – innerhalb und außerhalb des Unternehmens – im Vordergrund stehen. „Chemische Erzeugnisse, wie Styrol-Kunststoffe, können bei falscher Handhabung mit Risiken verbunden sein; daher bildet Sicherheit den Kern unseres Unternehmens“, so Kevin. INEOS Styrolution ist auch stolz auf seine Bemühungen zur Verringerung der Umweltauswirkungen. In seinem Bericht wird die Entscheidung für die Installation eines hochmodernen geschlossenen Kühlwassersystems in der nordamerikanischen Produktionsanlage für Polystyrol-Kunststoffe in Decatur, Alabama, besonders hervorgehoben. Das System sorgte dafür, dass dasselbe Wasser mehrmals für die Strangkühlung im Wasserbad eingesetzt werden konnte, und damit wurde der Wasserverbrauch des Standorts um mehr als die Hälfte reduziert. Als großartige Entscheidung gilt auch die Installation von vier neuen Wärmeaustauschern in der Styrol-Monomer- Anlage in Texas City. Damit konnte eine Menge an Energie eingespart werden, die dem Verbrauch von 138.500 Herden entspricht. „Die Investition führte zu einer Verringerung um 55 Tonnen CO2 täglich“, so Tim Brown, Leiter für Technologie der weltweiten Styrolproduktion. Branchenführer aus über 100 Länder beziehen derzeit Styrol-Kunststoffe von INEOS Styrolution. „Sie sind mit uns im Geschäft, weil wir uns immer um die bestmögliche Lösung für sie bemühen“, so Kevin. „Wir helfen ihnen, innovativer und ef zienter zu sein als die Konkurrenz und Produkte zu geringeren Kosten herzustellen.“

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MENSCH UND MASCHINE IN PERFEKTER HARMONIE

Seit der italienischstämmige Maurice Garin 1903 die erste Tour de France gewann, hat sich der Radrennsport ein wenig verändert, wie INCH auf seiner Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft feststellen konnte   Die Tour de France gilt als eine der größten Herausforderungen dieser Sportart weltweit. An der Entschiedenheit der Sportler mag sich in den 113 Jahren nicht viel geändert haben, an der Technologie aber ganz gewiss sehr viel. Der gebürtige Italiener Maurice Garin gewann die erste ‚Tour‘ auf einem rot-weiß-blauen ‚La Française‘-Rad und erhielt dafür 20.000 französische Franc. Doch der Sieg war bittersüß. „Ich habe auf der Tour echt gelitten“, erzählte er, nachdem er am 19. Juli – 18 Tage nach dem Start bei einem Café in der Pariser Vorstadt Montgeron – die Ziellinie überquert hatte. „Ich war hungrig, durstig und schläfrig. Zwischen Lyon und Marseille habe ich geweint.“ Der diesjährige Favorit für das größte Radrennen der Welt war Chris Froome vom Team Sky. Er wuchs in Kenia auf, wo er sich Taschengeld verdiente, indem er Avocados auf seinem Fahrrad verkaufte. Er war fest entschieden, zu gewinnen – und das gelang ihm auch, und zwar sehr eindrucksvoll! Am Sonntag, dem 24. Juli, fuhr er triumphierend im berühmten gelben Trikot in Paris ein und wurde der erste Brite, der dreimal die Tour de France gewann. Er – und seine Fans – erlitten einen leichten Schock, als er am 19. Tag der 21-tägigen Tour auf einem nassen, abschüssigen Straßenstück 10 km vor der Linie ausrutschte, stürzte und auf das Rad seines Teamkollegen Geraint Thomas zurückgreifen musste. „Ich habe mir ein paar Abschürfungen zugezogen und das Knie angeschlagen“, sagte er nach dem Einlauf ins Ziel. „Aber ich war sehr dankbar für meinen vierminütigen Vorsprung. Dadurch hatte ich ein wenig Spielraum.“ Froomes Siegerrad war das DOGMA F8, eine revolutionäre Maschine, entworfen von Pinarello, das buchstäblich durch die Luft gleitet. „Wenn man Kraft aufs Pedal bringt, wird diese direkt auf das Rad und auf die Straße übertragen“, stellte er nach den ersten Tests in Nizza, Frankreich, fest. „Es gibt keine Verwindungen oder Bewegungen. So gelangt die volle Kraft der Beine direkt auf die Straße.“ So unglaublich leicht und gleichzeitig stark wurde dieses Rad durch Pinarellos Entscheidung, das neue T1100 1K-Carbon mit Nano- Legierung von Toray zu verwenden. Für den Laien ist dies die Kohlefaser, welche Boeing für seine hochmoderne 787-Flotte einsetzt. „Durch den Einsatz dieses Materials konnten wir die Stei gkeit um 12 Prozent erhöhen und gleichzeitig das Rahmengewicht um 120 Gramm auf 860 Gramm verringern“, so ein Pinarello-Sprecher. Nach Aussagen von Toray, der weltweiten Nummer eins in der Kohlefaserherstellung, sei Pinarello die einzige Fahrradmarke, die diese verwendet. „Bei der Entwicklung des DOGMA F8 bestand eines unserer Ziele darin, wieder einen etwas höheren Maßstab zu setzen“, so CEO Fausto Pinarello. „Wir wollten die Verbesserungen, die wir an Chris Froomes letztem Rad vorgenommen hatten, noch weiter verbessern.“ Das DOGMA 65.1 war das Modell mit den meisten Siegen auf der ganzen Welt und galt weltweit als Benchmark in der Welt der High-End-Straßenräder. All das änderte sich, als Froome als erster seit Miguel Indurain im Jahr 1991 seinen Titel erfolgreich verteidigte. Er ist überzeugt, dass Mensch und Maschine sich niemals besser einander ergänzt haben. „Egal, wie viele Tests wir im Windkanal machen, den entscheidenden Test liefert letztlich der Fahrer“, so der Sprecher. „Er wird auf dem Fahrrad leben, kämpfen und schwitzen.“ INEOS, das Toray mit Acrylnitril, dem wichtigsten Material für die Herstellung von Kohlefaser, beliefert, verfolgte das seinerseits mit Interesse.

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DER KAMPF UMS ÜBERLEBEN

Die chemische Industrie in Europa ist derzeit einem Klima der Unsicherheit und Angst ausgesetzt, während sie sich auf weitere Verordnungen und Forderungen der politischen Entscheidungsträger der Europäischen Union einstellt EINE der Säulen der europäischen Wirtschaft – und die beste Chance für die Gesellschaft, eine kohlenstoffarme Wirtschaft der Zukunft zu entwickeln – könnte vor dem Zusammenbruch stehen. INEOS befürchtet, dass die europäische Politik das Unmögliche anstrebt – und nicht erreichen kann, wenn sie nicht auf die Industrie hört. „In Europa eine energieintensive Industrie zu betreiben, ist als ob man stranguliert würde“, so Greet Van Eetvelde, INEOS Manager für Cleantech Initiatives. „Die petrochemische Industrie hat Europa zu einer der höchstindustrialisierten und wohlhabendsten Regionen der Welt, zu einer ‚Insel des Wohlstands‘, werden lassen. Doch nun unterzeichnet die Europäische Kommission buchstäblich ihr eigenes Todesurteil.“ Das Problem besteht darin, dass energieintensive Industriezweige in Europa ohnehin bereits unter großem Druck operieren, weil die Energiekosten im Vergleich zu Amerika, dem Nahen Osten und China sehr hoch sind – und stets weiter steigen. Belastende EU-Initiativen für eine Senkung der Emissionen sind ein weiterer zunehmender Anlass zur Sorge. Zusammen bedrohen diese Entwicklungen die Existenz der chemischen Industrie in Europa – und stehen im Widerspruch zum EU-Ziel, den Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. „Europa riskiert derzeit den Verlust seiner starken Produktionsbasis, ganz zu schweigen von dem Ziel, den 20 Prozent- Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP zu erreichen“, so Dr. Peter Botschek, Director of Energy and Climate Action des Verbands der Europäischen Chemischen Industrie (CEFIC). „Die Vorgaben der EU müssen ein ef zientes Wachstum der verarbeitenden Industrie ermöglichen und sich nicht zum Nachteil darauf auswirken.“ Zu den neuesten Reformen, die der chemischen Industrie in Europa größte Sorge bereiten, gehört der Vorzeigeplan der EU für die Kohlenstoffreduzierung, und zwar das nach Großunternehmen ausgerichtete Emissionshandelssystem. CEFIC vertritt 29.000 große, mittelgroße und kleine Chemiebetriebe in Europa. Aus seiner Sicht könne die chemische Industrie bereits langjährige Erfolge in der Verbesserung der Energie- und Ressourcenef zienz nachweisen, durch die die Treibhausgasemissionen seit 1990 trotz eines 70 Prozent-igen Produktionsanstiegs um 54 Prozent reduziert worden wären. Erreicht worden sei dies durch Investitionen und Innovationen. „Diese Innovation ist entscheidend und unerlässlich für die Sicherung weiterer Verbesserungen und die Entwicklung bahnbrechender Technologien, die eine kohlenstoffarme und energieef ziente chemische Industrie in Europa entstehen lassen“, so CEFIC-Präsident Kurt Bock. „Eine blühende chemische Industrie ist ein wesentlicher Teil der Lösung für die Herausforderung des Klimawandels und ein Schlüsselfaktor für die Erreichung der EU-Ziele in Bezug auf Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Investitionen.“ Kritiker halten die neuen Reformvorschläge der EU für grundlegend falsch, denn sie würden letztlich die ef zientesten Unternehmen benachteiligen. „Es ergibt keinen Sinn“, meint Dr. Botschek. „Unternehmen, die bereits den strengsten Vorgaben entsprechen, können nicht noch mehr tun. Doch ab 2025 werden sogar die ef zientesten Unternehmen für ihr eigenes Wachstum Emissionsberechtigungen erwerben. Diejenigen mit den besten Leistungen werden nicht belohnt, sondern mit übermäßigen Kohlenstoffkosten belastet.“ Er behauptete, diese höheren Kohlenstoffkosten würden unweigerlich die Gewinnspanne auffressen und die Industrie daran hindern, von ihren Investitionen langfristig zu profitieren. Und dafür gibt es bereits Anzeichen. Trotz steigender weltweiter Nachfrage nach Chemikalien belegt China mittlerweile den ersten Platz bei den weltweiten Umsätzen mit Chemikalien – eine Stellung, die Europa einst für sich beanspruchen konnte. „Es sollte anerkannt werden, dass Investitionen in Produktionsanlagen langfristiger Natur sind“, so Dr. Botschek. „Energieintensive Industriezweige, die sich langfristig mit einem deutlichen Anstieg der Energiekosten konfrontiert sehen, werden sich solche Entscheidungen gut überlegen.“ Die beste Möglichkeit der Förderung von Investitionen in kohlenstoffarme Technologien sei aus seiner Sicht die Schaffung besserer Wettbewerbsbedingungen für die Industrie durch die EU, damit mehr Geld für Investitionen übrig bliebe. „Energieintensive Industrien können ihre Kohlenstoffkosten nicht an den Verbraucher weitergeben, ohne Marktanteile an Konkurrenten außerhalb der EU zu verlieren“, so Botschek. Weiteres einseitiges Handeln der EU, argumentierte er, würde Nicht-EU-Länder zu attraktiveren Standorten für Investitionen machen, zu Arbeitsplatzverlusten führen und das Wachstum in Europa hemmen. Außerdem könnten solche Maßnahmen zu höheren Emissionen durch Unternehmen führen, die weniger ef zient seien als die in der EU. Doch die chemische Industrie macht sich nicht alleine Sorgen über die Zukunftsperspektiven. Auch die europäischen Stahlproduzenten appellieren an die Kommission, dafür zu sorgen, dass ihre Vorschläge für die Zeit nach 2020 durch Änderungen des Emissionshandelssystems nicht zu unfairen Kostenbelastungen führen, die der weltweiten Konkurrenz erspart bleiben. Nach einer neuen Studie könnten die vorges chlagenen Reformen die Stahlindustrie alleine etwa 34 Milliarden Euro kosten. INEOS leistet Lobbyarbeit, wo es nur geht, um Unterstützung gegen die Reformvorschläge zu erhalten; diese würden seine europäischen Geschäfte nach eigenen Schätzungen mehr als 1 Milliarde Euro kosten. Energieintensiv ist nicht energieinef zient. „Die Industrie ist bereits hochef zient, eine Änderung der europäischen Gesetze ändert nichts an den Gesetzen der Physik“, so Greet. „Weitere Reduktionen unserer Emissionen und unseres Energieverbrauchs sind nur durch Produktionsverlagerung möglich, was rein gar nichts zu einer Senkung der weltweiten Emissionen beiträgt.“ Leider scheint die Europäische Kommission von der industriellen Realität zunehmend abgehoben zu agieren.“ INEOS will im Hinblick auf bessere Vorschläge der Kommission zur Verringerung des Risikos der Verlagerung von CO2-Emissionsquellen („Carbon Leakage“) während des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens mit den politischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten. CEFIC arbeitet auch aktiv mit der „Alliance of Energy Intensive Industries“ zusammen, die mehr als 30.000 europäische Unternehmen mit vier Millionen Beschäftigten vertritt, um durch faire und ef ziente Reformen des Emissionshandelssystems ein Wachstum der ef zientesten Unternehmen in Europa zu ermöglichen. „Die weltweite Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen soll sich bis 2030 verdoppeln, wobei der Großteil des Wachstums auf Asien entfällt“, so Bock. „Daher stellt sich für die Entscheidungsträger die Frage: ‚Wie kann die EU-Gesetzgebung dazu beitragen, dass weiterhin chemische Erzeugnisse in der EU hergestellt werden?“    WAS BRINGT DIE ZUKUNFT? DIE chemische Industrie in Europa gehört zu den wenigen europäischen Produktionssektoren, die immer noch weltweit führend sind. Sie beschäftigt 1,16 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, exportiert Güter im Wert von 140 Milliarden Euro und bildet die Grundlage für den verarbeitenden Sektor. Doch sie verliert aufgrund ihrer steigenden Preise ihre Position auf dem Weltmarkt. Aus den Zahlen geht hervor, dass der Anteil der chemischen Industrie am Weltmarkt von 32 Prozent im Jahr 1993 auf 17 Prozent im Jahr 2014 zurückgegangen ist; damals wurde sie aufgrund sinkender Exporte und steigender Importe aus Asien erstmals zum Nettoimporteur für Petrochemikalien. „Es verheißt nichts Gutes für die Zukunft, dass die Investitionen in Europa seit zehn Jahren stagnieren, während sie in China auf das Zehnfache, und in den USA aufgrund des Schiefergasbooms auf das beinahe Vierfache angestiegen sind“, so Greet Van Eetvelde, INEOS Manager für Cleantech Initiatives. CEFIC sagte, Europa müsse konkurrenzfähig bleiben, wenn die Politik weitere Innovationen erwarte. Die europäische Vorreiterschaft in Sachen Klimawandel, meint er, dürfe nicht darauf beruhen, dass Industrien in andere Länder mit weniger strengen Vorschriften abwandern; das würde sogar zu einem Anstieg der weltweiten Kohlenstoffemissionen führen, und die Mittel für dringend nötige Innovationen wären nicht länger vorhanden. „Die Deindustrialisierung Europas ist keine gangbare Option auf dem Weg hin zur Entkarbonisierung und sollte auch niemals als ein solcher angesehen werden“, so ein Sprecher. 

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ZUM WOHL UNSERER LOKALEN BEVÖLKERUNG

Wenn man 67 Produktionsanlagen in 16 Ländern hat, kann man nicht viel falsch gemacht haben. Aber das heißt nicht, dass INEOS seinen Erfolg für selbstverständlich hält! Im Gegenteil, wie INCH feststellen konnte In dem Maße wie INEOS gewachsen ist, hat auch seine Verantwortung für jene, die im Umfeld der Produktionsstandorte leben und arbeiten, zugenommen. INEOS ist überzeugt, dass die Lizenz für den Betrieb komplexer, potenziell gefährlicher petrochemischer Anlagen von der Wahrnehmung des Unternehmens bei der lokalen Bevölkerung abhängt. „Wir agieren nicht in einem Vakuum“, so Kevin McQuade, CEO von INEOS Styrolution. „Unsere Verantwortung endet nicht an den Fabriktoren. Wir möchten ein guter und geschätzter Nachbar sein und uns das Vertrauen der lokalen Bevölkerung bewahren.“ Jeder INEOS-Standort hat eine koordinierte Vorgehensweise für den Aufbau und die Stärkung der Beziehungen zu den Menschen, die in der Nähe der Produktionsstätten wohnen, arbeiten und Freizeitaktivitäten nachgehen. Regelmäßige Gemeindeforen an einigen Standorten, etwa in Köln oder in Grangemouth im Vereinigten Königreich, bieten der Allgemeinbevölkerung die Gelegenheit, die Zukunftspläne von INEOS anzuhören, Fragen zu stellen und Anliegen vorzutragen. „Wir versuchen, alles in klarer, einfacher Sprache darzustellen. Wir konnten über die Jahre hinweg eine gute langfristige Beziehung aufbauen, und das schafft Vertrauen. Manche Botschaft werden die Leute nicht gerne hören, doch es ist wichtig, die Zusammenhänge zu erläutern“, so David East, Communications Manager am INEOS-Standort Grangemouth. Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, sagte, die regelmäßigen Treffen mit Vertreter/innen des Gemeindeforums Köln-Worringen wären immer konstruktiv, offen und ehrlich. „Sie geben uns die Möglichkeit, über Neuigkeiten zu berichten und Zukunftspläne vorzustellen“, erklärte sie. „Aber vor allem geben sie den Menschen vor Ort die Möglichkeit, Fragen zu stellen.“ Zusätzlich zu den regelmäßigen Foren halten sowohl Grangemouth als auch Köln spontane Versammlungen ab, wenn bestimmte Themen zu besprechen sind; in Köln werden außerdem auch einmal jeden Monat Busrundfahrten durch den Standort für die lokale Bevölkerung angeboten, damit sie sich selbst ein Bild vom Betrieb bei INEOS machen kann. Die Nachbarschaftsgespräche über die Tätigkeit und Pläne unseres Unternehmens sind für beide Seiten wichtig. „Wir nehmen unsere Rolle in der Gesellschaft sehr ernst“, erklärt Christine Schönfelder, Vice President Corporate Communications, Investor Relations, Advocacy and Change Management bei INEOS Styrolution. „Wir wollen dort, wo wir tätig sind, ein vertrauenswürdiger Bestandteil der lokalen Bevölkerung sein.“ INEOS Upstream – INEOS neuestes Geschäft – spricht derzeit mit Gemeinden in England über seine Pläne für eine Schiefergas-Exploration in Teilen des Vereinigten Königreichs. „Das ist ein sehr heikles, umstrittenes Thema“, so Tom Pickering, INEOS Shale, „aber wir möchten den Menschen zeigen, dass wir ihre Sorgen verstehen, ernst nehmen und zuhören werden.“ Das Vertrauen der lokalen Bevölkerung zu bewahren, ist INEOS sehr wichtig – daher wird man INEOS- Beschäftigte oft bei Wohltätigkeitsaktivitäten, als Teilnehmer/innen bei Sportveranstaltungen oder in der Förderung und Ausbildung junger Menschen antreffen. Viele INEOS-Standorte arbeiten auch mit Schulen und Kollegs zusammen, um ein gesundes Interesse an Naturwissenschaft und Technik zu fördern – in der Hoffnung, die nächste Generation von Naturwissenschaftler/innen und Techniker/innen zu inspirieren. „Als erfolgreiches Unternehmen möchten wir der Gesellschaft etwas zurückgeben“, so Christine Schönfelder. „Wie wir unseren Geschäften nachgehen, ist ebenso wichtig wie unser Geschäft an sich. Integrität und ethische Grundsätze sind sind ein fester Bestandteil unserer Geschäftspraktiken.“ INEOS-Unternehmen und -Standorte nutzen auch soziale Medien und nden dort neue Kanäle zur Kommunikation mit der breiteren Bevölkerung in der Nähe unserer Standorte. Sie verwenden Internet, Facebook, Twitter und LinkedIn, um die lokale Bevölkerung zu informieren und – was ebenso wichtig ist – auch Feedback zu erhalten. „Aufgrund ihrer augenblicklichen Kommunikation sind soziale Medien eine großartige Möglichkeit, auf Ereignisse zu reagieren, wenn es auf Schnelligkeit ankommt“, so Anne-Gret. „Unter solchen Umständen können wir dort Vertrauen gewinnen und uns als einzige verlässliche Informationsquelle etablieren.“ Die Gemeindekontaktgruppe in Grangemouth, der Gemeinderät/innen, Polizeibeamt/innen und der Schuldirektor angehören, traf sich früher viermal jährlich, beschloss aber dann, auf zwei Treffen zu reduzieren. „Für uns wird dies immer eine wunderbare Gelegenheit sein, persönlich mit Vertreter/ innen der Gemeinde zu sprechen, unsere Pläne bekanntzugeben, offen und ehrlich über unsere Leistung zu sprechen und die Ansichten und Gedanken der Menschen kennenzulernen“, so David East. „Es hilft, dass einige Mitglieder der Gruppe schon sehr lange angehören und dass viele ehemalige Beschäftigte sind. All das baut Beziehungen auf und erhält sie.“ Aber es geht nicht nur um die Kommunikation. INEOS’ erfolgreiche weltweite Kampagne „GO Run For Fun“ zielt darauf ab, die junge Generation zu körperlicher Aktivität zu inspirieren, und seine Arbeit mit deutschen Grund- und Sekundärschulen mittels der Initiative TuWaS ist ebenso wichtig. „All diese Dinge werden sicher für viele Jahre zu unserem Image als vertrauenswürdiges, nachhaltiges und ehrliches Unternehmen beitragen“, so Anne-Gret.

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GENAU DER RICHTIGE JOB

Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Leute. Aber z INCH wirft einen Blick darauf, wie INEOS die Besten anzieht – und hält Die PRODUKTION wird immer komplexer und hochquali zierte Mitarbeiter/innen sind immer stärker gefragt. Die Probleme sind global und wohlbekannt; geeignete Maßnahmen und Lösungen weniger. Im April letzten Jahres erklärte Michael Collins, Präsident von MPC Consulting, im Magazin „Industry Week“, es wäre Zeit zum Handeln. „Wir haben nun genug Erhebungen zum Fachkräftemangel vorliegen“, sagte er. „Wir wissen, welche Quali kationen und Ausbildungsprogramme notwendig sind. Es ist Zeit, dass die Unternehmen nicht länger blockieren und sich langfristig zur Bereitstellung von Ausbildungsprogrammen verp ichten – denn dies ist eine Investition, keine Aufwendung.“ Als Unternehmen, das beständig hochquali zierte, sehr disziplinierte und motivierte Beschäftigte benötigt, um zu überleben, war INEOS schon immer von der Wichtigkeit der Ausbildung und Förderung überzeugt und weiß, dass es nicht auf Regierungsinitiativen zur Lösung der schlimmer werdenden Krise warten kann. Und die Krise wird tatsächlich schlimmer. In Amerika könnte der drohende Fachkräftemangel die Wiederbelebung der verarbeitenden Industrie ausbremsen. „Über die nächsten zehn Jahre müssen mit Wahrscheinlichkeit 36 Millionen Stellen in der verarbeitenden Industrie besetzt werden“, so der Sprecher des amerikanischen Manufacturing Institute. „Aber zwei Millionen davon werden aufgrund des Fachkräftemangels unbesetzt bleiben.“ In einer im letzten Jahr von der Foundation of Fabricators & Manufacturers Association durchgeführten Umfrage gaben 52 Prozent der amerikanischen Teenager an, sie wären nicht an einer Tätigkeit in der verarbeitenden Industrie interessiert, denn das wären ‚schmutzige, gefährliche Jobs, für die man wenig Ausbildung braucht und kaum denken muss‘. Im Vereinigten Königreich sah es nicht besser aus. Im Oktober erklärte das britische Manufacturing Institute, Lehrer/innen müssten begreifen, dass es in der verarbeitenden Industrie gute Karrieremöglichkeiten gäbe. „Wir führen einen Krieg um Talente, und es ist besorgniserregend, dass die verarbeitenden Betriebe bereits dadurch gehemmt werden“, so Dr. Julie Madigan, Chief Executive. „Auch bei Null-Wachstum braucht die britische verarbeitende Industrie über die nächsten 10 Jahre Hunderttausende neue Leute.“ Im März 2016 hob auch die Herstellervereinigung EEF das Problem hervor; sie erklärte, die verarbeitende Industrie hätte in Großbritannien große Schwierigkeiten, Facharbeiter zu nden und mit der globalen Technologieentwicklung Schritt zu halten. Dennoch gibt es nicht nur schlechte Nachrichten. Unternehmen wie INEOS tun etwas gegen die Krise. Und sind damit erfolgreich. Bei INEOS in Köln, O&P in den USA und Grangemouth in Schottland werden mit erfolgreichen Lehrlingsausbildungen echte Erfolge erzielt. Deutschland ist vermutlich das Land mit dem größten Fortschritt. „Wer hier einen Job bekommt, sagt, er fühle sich wie ein Lottogewinner“, so Dr. Anne- Gret Iturriaga Abarzua, Head of Communications bei INEOS in Köln. „Wir kümmern uns um unsere Leute und wir haben kein Problem, Mitarbeiter/innen zu nden. Wir müssen nicht viel für Anzeigen ausgeben. Wir machen uns um die Zukunft keine Sorgen; Selbstgefälligkeit ist aber fehl am Platz.“ Andreas Hain, Leiter Ausbildung bei INEOS in Köln, berichtete, etwa 1.800 junge Menschen würden sich Jahr für Jahr auf die etwa 60 Stellen bewerben. Alle müssen ein Online-Assessment durchführen. Von diesen werden nahezu 400 zu einem jeweils mindestens einstündigen Gespräch eingeladen. „Wir investieren viel Zeit und Mühe“, erklärt Anne-Gret. „Aber das ist eine große Investition, also muss sie passen. Denn wenn sie erstmal bei uns angefangen haben, dann bleiben sie auch. Nicht wenige unserer Beschäftigten sind bereits seit 45 Jahren bei uns.“ Wenn INEOS in Köln seine 60 Auszubildenden ausgewählt hat – und sie werden voraussichtlich alle hochmotiviert, begeistert und aufgeschlossen sein und ein Interesse für ihre Gemeinden zeigen – werden sie in die INEOS-Familie aufgenommen. „Wir kümmern uns um sie, sobald sie bei uns begonnen haben“, erklärt Anne-Gret. Die Auszubildenden werden vor Ort ausgebildet und besuchen die Beruffschule. Alle Ausbilder/innen wurden selbst am Standort im Job ausgebildet. „Das heißt, wir können sie nach unseren Vorstellungen formen und gemeinsam an das Unternehmen binden“, so Anne-Gret. „Wir wollen, dass sie die Unternehmenskultur in sich aufnehmen.“ Menschen zu nden, die Unternehmenskultur und-ethos begreifen – und vorleben – ist für jede Organisation unerlässlich, die unter heutigen Wettbewerbsverhältnissen wachsen und gedeihen will. 2008 begann INEOS eine Zusammenarbeit mit dem Forth Valley College und der Heriot-Watt University in Schottland für sein modernes fünfjähriges Ausbildungsprogramm „Engineers of the Future“ - „Ingenieur/innen der Zukunft“. Das Modell orientiert sich am INEOS- Standort Köln, wo man erfolgreich eine vollständige Hochschulausbildung mit relevanter Arbeitsplatzerfahrung kombiniert hat. „Das Konzept, betriebliche Praxis mit einer Hochschulausbildung zu verbinden, ist nicht neu – nur die Überlegungen dahinter“, so Robin Westacott, Leiter des Programms „Engineers of the Future“. Die betriebliche Praxis sorgt für ‚arbeitsbereite‘ Absolvent/innen, die die Verfahren und Abläufe am Standort kennen und auf Sicherheit ausgerichtet sind. „Wir wollen ihnen die INEOS-Kultur so vermitteln, dass sie sie bereits verinnerlicht haben, wenn sie ihre betriebliche Ausbildung am Standort beginnen“, so Kenny MacInnes, stellvertretender Leiter Engineering am Forth Valley College. Jennifer Prentice, Duncan Paterson und Mark Skilton waren unter den ersten Absolvent/innen der besagten Ausbildung. Sie sind nun alle bei INEOS vollzeitbeschäftigt. „Die Qualität dieser Absolvent/innen zeigte deutlich, dass die Überlegungen hinter dem Programm voll umgesetzt werden konnten“, berichtet Gordon Milne, Operations Director bei INEOS Grangemouth. „Sie haben die Latte sehr hoch gelegt.“ Auch die Rekrutierungskampagne von INEOS Ole ns & Polymer an US-Colleges zeitigt Erfolge. Das Unternehmen konnte eine echte „Talent-Pipeline“ für die Zukunft aufbauen. „Wir konnten einige großartige Leute anwerben und weiter ausbilden, die heute und in Zukunft zu unserem Unternehmenserfolg beitragen werden“, berichtete HR-Leiter Sam Scheiner.

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WARUM INEOS EINE INVESTITION WERT IST

INVESTIERENDE brauchen eine sichere Hand. Aber das darf nicht bedeuten, dass man immer auf Nummer sicher geht, wie Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS, betont INVESTIERENDE haben INEOS schätzen gelernt, in dem Maße wie das Unternehmen in den letzten 17 Jahren immer mehr gewachsen ist. Auf den ersten Blick ist das verständlich. Aus bescheidenen Anfängen im Jahr 1998, mit 400 Beschäftigte und einem Umsatz von 200 Millionen Pfund Sterling ist ein Unternehmen entstanden, das heute 17.000 Menschen an 67 Standorten in 17 Ländern beschäftigt und es auf einen weltweiten Umsatz von 40 Milliarden Dollar bringt. „Für unsere Investierenden sind wir zu einem ‚Must-have‘ geworden“, so Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS. „INEOS-Anleihen nden sich in den Portfolios der meisten Investmentfonds, weil sie den Anlegende fortlaufend ausgezeichnete Renditen bringen und ihre Versprechen konsequent einhalten und übertreffen.“ Doch wer wirklich wissen möchte, warum die Nachfrage an einer Beteiligung an den Erfolgen von INEOS wächst, darf nicht nur die Bilanzen ansehen – so eindrucksvoll sie sein mögen. INEOS ist mittlerweile Experte dafür, inef ziente Unternehmen, die keiner will und an denen andere gescheitert sind, wieder zu neuen Gewinnen zu verhelfen. Und das liegt an der Art der Geschäftsführung. „Viele der alten Blue Chip-Unternehmen werden durch Ausschüsse geführt, nicht so INEOS“, so Clarkson. „Beschäftigte, auch neu eingestellte Beschäftigte mit Hochschulabschluss, erhalten klare individuelle Verantwortlichkeiten, für die sie einem stark fokussierten Business Board gegenüber Rechenschaft ablegen, das wichtige Eigenschaften sehr rasch treffen kann.“ INEOS hält seine Beschäftigten aktiv dazu an, wie Eigentümer zu denken und auch mit Geld so umzugehen, als wäre es ihr eigenes. „INEOS ist anders,”so Clarkson. „Die Grundstimmung ist Ruhelosigkeit. INEOS sucht beständig nach Möglichkeiten – für einen potenzielle Investierende klingt das natürlich gut.“ Als Unternehmen setzt INEOS seine Ziele hoch. Es träumt den unmöglichen Traum. Und den verwirklicht es auch! Bei den jährlichen Investor Days 2016 in London und New York stellte Peter Clarkson die Einzelheiten einiger großer und kleinerer Initiativen vor, die INEOS’ wohlverdienten Ruf als Unternehmen begründen, das gerne kalkulierte Risiken eingeht. Er sprach über INEOS’ bahnbrechende Entscheidung, 12 Nordsee-Gasfelder für 490 Millionen Pfund zu erwerben, während alle anderen zu verkaufen scheinen. Er sprach über die erstaunlichen Schiffe, die nun kostengünstiges Ethan aus Amerika nach Norwegen – und bald auch nach Schottland – bringen, um den europäischen Gascrackern von INEOS einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. „Wir be nden uns heute durchaus in einer guten Lage, doch es gibt noch viel mehr zu tun“, so Clarkson. Die Investierenden – und bei diesem Investor Day waren es beinahe 200 – möchten INEOS’ Ansichten zum Markt, seine Prognosen für die Ölpreise und insbesondere Naphtha hören, mit welchem einige seiner Cracker betrieben werden, welche Auswirkungen kostengünstiges Schiefergas aus den USA haben wird und welche großen Projekte geplant sind. „Üblicherweise interessieren sie sich für alles, wirklich alles, was unseren Cash ow maßgeblich beein usst“, so Clarkson. Und die Investierenden wissen mittlerweile, dass ein Jahr im Leben von INEOS niemals langweilig ist. Für die INEOS-Gruppe, für INEOS Styrolution und INOVYN erwies sich das Jahr 2015 dank günstiger Märkte als ein Rekordjahr; dies sei auch zum Teil dem Scheitern seiner Konkurrenten zu verdanken. INEOS pro tierte davon, indem es seine Anlagen maximal laufen ließ und vor allem die nun möglichen Geschäfte mit hohen Gewinnspannen forcierte. „Alle wissen, dass die Anlagen der petrochemischen Industrie weltweit in die Jahre gekommen sind, dass sie zunehmend unverlässlich werden und teuer in der Unterhaltung sind“, so Clarkson. „Aber wir sind gut darin, unsere Anlagen in sicherem und verlässlichem Zustand zu erhalten und gleichzeitig den Kapitalaufwand im Griff zu behalten. Der Faktor Verlässlichkeit hat in den letzten Jahren echte Dividenden gebracht.“ Der INEOS-Cracker in Köln, Deutschland, weist beispielsweise trotz seines Alters eine Verlässlichkeit von 99 Prozent auf. „Er ist ein gut gep egter Mercedes mit einem Kilometerstand von 100.000 km“, so Clarkson. Wo Geld ausgegeben wird, wird es klug für Projekte eingesetzt, die Geld bringen, das INEOS an anderer Stelle neu investieren kann. „Die Projekte sind immer gezielt und kosteneffizient“, so Clarkson. „Auch die kleineren Projekte bringen Mehrwert.“ INEOS bemüht sich sehr darum, Investierenden als zum Team gehörig zu behandeln. Alle Investierenden und Analyst/innen erhalten wöchentliche Markt- Updates mit einer Zusammenfassung über das Geschehen in allen wichtigen INEOS-Märkten. „Das ist in der Welt, in der sie investieren, sehr ungewöhnlich, aber wir denken, sie schätzen diese Transparenz“, so Clarkson. „Es trägt auch dazu bei, dass wir weniger Zeit für Neuverhandlungen brauchen und bei der Ausgabe neuer Anleihen bessere Zinssätze sichern. Die Investierenden haben oft das Gefühl, sie könnten sich den Investor Day sparen, weil sie das Unternehmen ohnehin so gut kennen.“ Diese Offenheit bringt mit sich, dass eine Re nanzierung durch Anleihen nun innerhalb von Tagen, nicht Wochen, erledigt ist. „Unser Ruf macht es uns leicht, unseren Kapitalbedarf zu decken“, so Clarkson.

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Styrenics-Verkauf

INEOS hat ein Abkommen über den Verkauf eines seiner Geschäfte für 80 Millionen Euro an eine polnische Firma geschlossen. INEOS Styrenics, spezialisiert auf expandierbares Polystyrol, wird bald – vorbehaltlich Genehmigung – von Synthos, einem der größten Hersteller von chemischen Grundstoffen in Polen, fortgeführt werden. Expandierbares Polystyrol wird in großen Mengen von der Verpackungsindustrie und der Baubranche zur Dämmung von Häusern und Bürogebäuden nachgefragt, weil es leicht, stark und langlebig ist. Tomasz Kalwat, CEO von Synthos, versicherte, die Position von expandierbarem Polystyrol als bevorzugtem Dämmstoff für seine Kunden bliebe mit der Akquisition weiterhin gewährleistet. INEOS Styrenics produziert das sogenannte „EPS“ gegenwärtig an zwei Standorten in Frankreich und einem in den Niederlanden. Forschung, Entwicklung und Produkttests werden an einem eigens dafür errichteten Standort in den Niederlanden durchgeführt, wo auch das Kundendienstteam des Unternehmens sowie die Logistik und die Finanzverwaltung ihren Sitz haben. Synthos hat seinen Sitz in Oświęcim. Das Unternehmen war der erste europäische Hersteller von Emulsionskautschuken und ist ein führender Polystyrolhersteller. INEOS Styrenics ist Teil des Geschäftsportfolios von INEOS Enterprises. Die Aufgabe von INEOS Enterprises ist es, aktiv Marktchancen für den Kauf, die Entwicklung und den Verkauf von chemischen Betrieben aufzuspüren.

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Grünes Licht für neue Anlage in den USA

INEOS hat dem Bau einer neuen Anlage von Weltklasse nahe Houston, Texas, die endgültige Zustimmung erteilt. Wenn die Anlage im November 2018 in Betrieb geht, wird sie 420.000 Tonnen lineare Alpha-Ole ne (LAO) pro Jahr produzieren – das sind 20 Prozent mehr als INEOS Oligomers ursprünglich geplant hatte. Die Entscheidung, die Produktion am INEOS-Standort Chocolate Cayou zu erhöhen, ist auf Amerikas Schiefergasboom, durch den die Kosten für Energie und Rohmaterialien drastisch gesunken sind, aber auch auf die Kundennachfrage zurückzuführen. LAO werden für eine ganze Reihe von Produkten verwendet, wie etwa Schampoos, Verpackungen, Rohre, Reifen und Agrochemikalien. Die neue Anlage wird auch dem wachsenden Polyalphaole n-Geschäft von INEOS zugute kommen, denn sie wird die Grundstoffe,welchedas Geschäft für die Herstellung von synthetischen Hochleistungsschmierstoffen benötigt, produzieren. In Windkraftanlagen werden diese Öle von hoher Viskosität für die Verbesserung der Leistung und Verlässlichkeit der Windkraftgetriebe eingesetzt. Getriebeausfälle führten in der Vergangenheit immer wieder zu Produktionsausfällen. INEOS Oligomers ist bereits heute der weltgrößte Hersteller von PAO, doch diese jüngste Investition ist ein großer Schritt voran in den ehrgeizigen Wachstumsplänen des Unternehmens für sein LAO-Geschäft. Bis Ende 2018 wird die weltweite LAO- Produktionskapazität von INEOS Oligomers, das über weitere Anlagen in Kanada und Belgien verfügt, bei etwa einer Million metrische Tonnen pro Jahr liegen.

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25-MILLIONEN- PFUND-SPENDE VON JIM RATCLIFFE FÜR LONDON BUSINESS SCHOOL

Der INEOS-Vorstandsvorsitzende Jim Ratcliffe spendete der London Business School, an der er selbst seinen MBA erwarb, 25 Millionen Pfund. Diese Summe wird den Erhalt des Gebäudes am Londoner Regent‘s Park für die nächsten 125 Jahre sichern. „Ich verdanke der London Business School eine Menge“, so Ratcliffe. „Sie gehört zu den besten Business-Schulen der Welt.“ Jim Ratcliffe erwarb seinen MBA im Jahr 1980, als er Chemieingenieur bei Exxon Chemicals war. 18 Jahre später gründete er INEOS, das mit 17.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar heute einer der größten Petrochemie-Konzerne der Welt ist. Professor Sir Andrew Likierman, Dekan an der London Business School, bezeichnete die Spende als‚ unglaublich großzügig‘. „Dies bedeutet, dass auch künftige Generationen von Studierenden in einem der schönsten und historisch bedeutsamsten Londoner Gebäude lernen dürfen“, so Likierman. Als Dankeschön für die Spende benannte die London Business School auch ihr von John Nash entworfenes Hauptgebäude in „The Ratcliffe“ um.

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INEOS erwirbt WL Plastics

INEOS O&P USA hat ein Unternehmen erworben, das vom amerikanischen Schiefergasboom pro tiert. Es übernahm 100 Prozent der Anteile an der SOP Holding Corp, einem der größten und am schnellsten wachsenden Hersteller von PE-HD (Polyethylen hoher Dichte)-Rohren in Nordamerika. Rohre aus PE-HD werden weder undicht noch rosten sie und halten bei guter Konzeption und Installation bis zu 100 Jahre – vollkommen wartungsfrei. Daher erfreuen sie sich bei Öl- und Gasproduzenten naturgemäß einer besonders hohen Nachfrage. „Das Wachstum bei PE-HD-Rohren fürÖl und Gas hob mit der Schieferöl- und -gasexploration erst richtig ab“, so Dennis Seith, CEO von INEOS O&P USA. Doch INEOS sieht angesichts des Wachstums der amerikanischen Städte und deren alternden Abwasser- und Kanalisationssystemen, die ersetzt werden müssen, auch andere Wachstumsmöglichkeiten. „Die einzigartigen Eigenschaften Festigkeit, Flexibilität, Gewicht und Haltbarkeit zusammen mit der einfachen Handhabung machen PE-HD-Rohre zur perfekten Wahl“, so Dennis Seith. Das Unternehmen mit Sitz in Fort Worth, Texas, produziert derzeit in seinen Anlagen in Kentucky, South Dakota, Utah, Texas und Wyoming PE-HD-Rohre; eine Anlage in Georgia ist in Bau. „Wir freuen uns sehr über den Erwerb dieses Unternehmens“, sagt Seith. „Es ist für den wachsenden nordamerikanischen Rohrmarkt gut positioniert und wird unser bestehendes Portfolio aus Ole nen und Polymerprodukten ergänzen.“ INEOS und WL haben ein gemeinsames Ethos, so Mark Wason, CEO von WL Plastics. „Wir sind beide der Sicherheit, Qualität, Manufacturing Excellence und dem Kundenservice verpflichtet“, meinte er. Er meinte, INEOS würde WL Plastics helfen, seine Position am Markt zu stärken.

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INEOS Styrolution: Erste Akquisition

INEOS Styrolution, das bereits heute ein Ansehen als globaler Marktführer im Bereich der Styrol-Kunststoffe genießt, hat sich zu einem Schritt zur weiteren Stärkung seiner Position in der Welt entschlossen. Es kaufte das K-Resin® Styrol-Butadien-Copolymer (SBC)-Geschäft von den derzeitigen JV-Eigentümern Chevron Phillips Chemical und Daelim Industrial Company. Die Anlage be ndet sich im Yeosu Petrochemical Complex, dem größten petrochemischen Komplex an der Südküste Südkoreas. CEO Kevin McQuade meinte, die Akquisition – die erste für INEOS Styrolution – würde seine Fähigkeit stärken, spezialisierte Styrol-Produkte für seine Kunden anzubieten, und die Produktionskapazitäten in Asien erhöhen. „Unsere Kunden werden von unserer Fähigkeit pro tieren, ihren Bedarf durch unsere größeregeographische Reichweite weltweit zu decken – denn wir haben nun SBC-Produktions-, Forschungs- und Entwicklungszentren in allen wichtigen Regionen“, erklärte er. INEOS Styrolution beschäftigt derzeit etwa 3.100 Menschen und betreibt 15 Produktionsstandorte in neun Ländern. Die bestehenden SBC-Marken Styrolux® und Styro ex® von K-Resin® SBC und INEOS Styrolutions ergänzen einander gut. Nach der Zusammenlegung steht den Kunden weltweit eine große Auswahl an SBC-Produkten zur Verfügung. Die Akquisition wird nach ihrem Abschluss einmal mehr zeigen, dass INEOS Styrolution seinen Fokus entschlossen auf Maßnahmen richtet, die die Reichweite in wachstumsstarken Branchen, bei Styrol-Kunststoffen und in Schwellenmärkten erhöhen.

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