Skip to main content
DE
Back to issue Product

Die Wasserstoffolympiade

Die Wasserstoffolympiade
Issue 20 2020

Japan hatte beabsichtigt, das Potenzial von Wasserstoff bei der Olympiade in Tokio deutlich zu machen Die Organisationskomitee hatte hundert mit Brennstoffzellen betriebene Busse geplant, die Athlet/innen und Besucher/innen zwischen den Veranstaltungsorten in der Stadt hin und her fahren würden. Bis zu 500 mit Wasserstoff betriebene Autos hätten für Beschäftigte und VIPs im Einsatz sein sollen. Für tausende Athlet/innen aus der ganzen Welt war ein mit Wasserstoff betriebenes olympisches Dorf vorgesehen.

„Die ganze Welt hätte auf Japan geblickt. Man wusste, dass dies eine fantastische Chance gewesen wäre, das Potenzial von Wasserstoff als probate Quelle von sauberer Energie zu demonstrieren“, meint Paul Humanic, Process Manager bei Nexceris, ein Energieunternehmen mit Sitz in den USA.

Japan hatte vorgehabt, das olympische Feuer zum ersten Mal in der Geschichte der olympischen Spiele mit Wasserstoff zu befeuern. 

Die Spiele mussten zwar aufgrund der Pandemie verschoben werden, doch Japan hofft, 2021 die umweltfreundlichsten Spiele aller Zeiten veranstalten zu können. „Japan will Wasserstoff zum Vermächtnis seiner Olympiade machen“, meint Paul.

Wasserstoff wird seit mehr als 40 Jahren in vielen Teilen der Welt in riesigen Mengen von der Industrie und als Treibstoff für die Weltraumforschung eingesetzt. In beiden Anwendungsbereichen wurde eine Infrastruktur entwickelt, um Wasserstoff auf sichere Weise herzustellen, zu lagern und zu transportieren.

Nun gilt es, die breite Öffentlichkeit von Wasserstoff zu überzeugen.

„Viele Länder investieren in Forschungsinitiativen zur Generierung von Wasserstoff durch Elektrolyse. Dies würde bedeuten, dass Wasserstoff vor Ort produziert und zur Unterstützung des Versorgungsnetzes zu Spitzenzeiten herangezogen werden kann“, meint Paul.

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich Japan als Verfechter der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie positioniert. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima 2011 schloss das Land viele seiner Atomkraftwerke und stieg auf fossile Brennstoffe um, die aus dem Ausland importiert werden mussten. 

Aufgrund geringer Energiesicherheit und -unabhängigkeit ist es nicht verwunderlich, dass das Land intensiv in eine auf Wasserstoff basierende Wirtschaft investiert.

„Sollte die Olympiade 2021 abgesagt werden, wird Japan diesen Weg trotzdem weiterverfolgen“, sagt Paul. „Es mag noch Jahre dauern, bis Wasserstoff landesweit als sinnvolle Energiealternative eingesetzt werden kann, doch Japan wird weiterhin an der Kommerzialisierung von Wasserstofftechnologien und dem schrittweisen Einstellen von Technologien auf Basis fossiler Brennstoffe und Kerntechnik arbeiten.“

Der japanische Automobilhersteller Toyota, einer der wichtigsten Sponsoren der Olympiade in Tokio, ist ebenfalls davon überzeugt, dass Wasserstoff der Motor der Zukunft ist.

Das Modell „Mirai“ von Toyota ist das erste serienmäßig hergestellte Wasserstoffauto mit Brennstoffzellen. Der Wasserstoff befindet sich in Tanks aus Kohlefaser.

Von außen strömt Sauerstoff durch die vordere Belüftungsöffnung des Mirai ein. Wasserstoff und Luft werden separat zur Brennstoffzelle geführt, wo durch eine chemische Reaktion Strom generiert wird. Das Beste daran: Als Emission fällt nur Wasser an.

Japan wartet nun ab, ob die Olympiade im kommenden Jahr stattfinden kann, um der Welt zu zeigen, was Wasserstoff zu leisten vermag – nicht nur für die Wirtschaft, auch für die Umwelt.

„Die olympischen Spiele sind eine einmalige Gelegenheit, in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu demonstrieren, wie der Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft aussehen kann“, sagt Mori Yoshiro, Präsident von Tokio 2020.

MIRAI

Das Modell „Mirai“ von Toyota ist das erste serienmäßig hergestellte Wasserstoffauto mit Brennstoffzellen.