SECHSUNDDREISSIG Menschen starben, als das mit Wasserstoff gefüllte Luftschiff „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in Flammen aufging. Das Unglück des 70,6 Meter langen Luxuszeppelins, der Stolz Deutschlands, der den transatlantischen Verkehr revolutionierte, kostete nicht nur 13 Passagieren und 22 Besatzungsmitgliedern das Leben: Er markierte auch das Ende der Luftschiffzeitalters und zerstörte die Reputation von Wasserstoff als sichere Energiequelle.
„Es besteht kein Zweifel daran, dass Wasserstoff wegen der Hindenburg-Katastrophe ein Imageproblem hat“, meint Chris Stark, CEO des Committee on Climate Change.
„Wasserstoff gilt allerdings zu Unrecht als sicherheitstechnisch bedenklich.“ Hydrogen Europe, der europäische Verband für Wasserstoff und Brennstoffzellen, ist überzeugt, dass Wasserstoff in vielen Fällen sicherer ist als die Treibstoffe, die wir aktuell in unseren Autos verwenden.
„Wasserstoff ist zwar hochgradig entzündlich, jedoch gleichzeitig das leichteste Element der Welt. Wenn es also austritt, steigt es rasch in die Atmosphäre auf und hat weniger Zeit, zu verbrennen“, so ein Vertreter. „Fossile Brennstoffe hingegen breiten sich in flüssiger Form aus.“ Der Verband meint, dass Wasserstoff fälschlicherweise die Schuld an der Hindenburg-Katastrophe gegeben wird.
„Tatsächlich wurde die Hülle durch eine elektrische Entladung aus den Wolken in Brand gesteckt, zu der es beim Andocken während eines Gewitters kam“, so der Vertreter weiter.
„Der Wasserstoff ist rasch und sicher oberhalb der Insassen verbrannt. Es war der Dieseltreibstoff, der noch zehn Stunden gebrannt hat, nachdem das Luftschiff Feuer gefangen hatte.“
Chris ist der Meinung, dass es nun an der Zeit sei, auf Regierungsebene Maßnahmen zu setzen, um Wasserstoff eine Chance zu geben und Impulse für eine wasserstoffbetriebene kohlenstoffarme Wirtschaft zu setzen. Der Zeitpunkt ist ideal, da die einzelnen Staaten nach dem monatelangen Lockdown nun wieder zum Leben erwachen.
„Es geht nicht nur darum, die Wirtschaft neu zu starten“, meint er. „Es ist eine Chance, eine neue Richtung einzuschlagen.“
2015 einigten sich 184 Länder in Paris auf ambitionierte Klimaziele. „Kehren wir wieder zu Wachstum zurück, das auf billigen fossilen Brennstoffen basiert, werden wir diese nicht erfüllen können“, so Chris. „Wir konsolidieren damit einen Lebensstil, der letztlich der Wirtschaft und der Umwelt schadet.“
Chris ist nicht blind gegenüber den Bedürfnissen der chemischen Industrie und sieht sie als Teil der Lösung.
„Wir werden auch in Zukunft fossile Brennstoffe brauchen“, meint er. „Sie werden eine von mehreren Optionen sein. Wasserstoff aber ist der Teil der Gleichung, der noch fehlt.“
Das Committee on Climate Change möchte, dass bis 2050 ein Drittel des britischen Energieverbrauchs durch Wasserstoff gedeckt wird. Dies entspricht in etwa dem Anteil der Energie, der heute durch Strom generiert wird.
„Wasserstoff ist das Heineken unter den Treibstoffen, weil es so vielseitig ist. Es lässt sich für die Wohngebäudeheizung ebenso einsetzen wie im Transport- und Industriebereich.“
2015
2015 einigten sich 184 Länder in Paris auf ambitionierte Klimaziele.
2050
Das Committee on Climate Change möchte, dass bis 2050 ein Drittel des britischen Energieverbrauchs durch Wasserstoff gedeckt wird. Dies entspricht in etwa dem Anteil der Energie, der heute durch Strom generiert wird.
Es ist erfrischend zu sehen, dass das Committe on Climate Change erkannt hat, wie INEOS zur Schaffung einer durch Wasserstoff betriebenen Wirtschaft beitragen kann. „INEOS wird uns auf diesem Weg begleiten. Das Unternehmen muss lediglich sicherstellen, dass es seine Rolle in der Klimawandeldebatte klar erläutert, damit sie auch die Öffentlichkeit versteht.“
Der INEOS-Geschäftsbereich INOVYN produziert jährlich tausende Tonnen Wasserstoff als Nebenprodukt. Auch INEOS-Standorte in Großbritannien, Deutschland und Belgien sind in Wasserstoffprojekte involviert.
Des Weiteren ist INEOS Teil der North West Hydrogen Alliance, die davon überzeugt ist, dass Wasserstoff eine praktikable, wirtschaftlich rentable Alternative zu fossilen Energieträgern darstellt.
INEOS ist Infrastrukturinvestitionen zur Abscheidung und Lagerung von Wasserstoff durchaus nicht abgeneigt, muss aber zuerst wissen, dass es dafür einen Markt gibt.
Das Committee on Climate Change berät die Regierung zu den Maßnahmen, die getätigt werden müssen, um ihre Klimaziele zu erreichen. Staatliche Investitionen in Unternehmen wie INEOS sowie die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit sind grundlegende Elemente für den Erfolg. „In Großbritannien verfügen wir bereits über die Elemente, die wir dazu benötigen. Allerdings müssen alle einen Beitrag leisten, zuallererst die Regierung.“
Ironischerweise ist es gut möglich, dass Wasserstoff – der bekanntlich keine Emissionen produziert, wenn er als Treibstoff für Autos eingesetzt wird – durch COVID-19 einen Aufschwung erfährt.
Die landesweiten Lockdowns, die vielerorts verordnet wurden, um der Ausbreitung von COVID-19 Einhalt zu gebieten, haben die Luftverschmutzung in zahlreichen Städten auf der ganzen Welt drastisch reduziert.
Ohne Autos auf der Straße machte der Smog sauberer Luft Platz.
„Wir stehen an der Schwelle zu einer wirklich wichtigen Entwicklung und sehen hinsichtlich des Transports der Zukunft mehrere Optionen“, meint Chris.
Aufgrund der Abstandsregeln wird vermehrt davon abgeraten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
„Kehren wir zum Auto als Transportmittel zurück, sind verstopfte Straßen vorprogrammiert. Radfahren, zu Fuß gehen und mobiles Arbeiten könnten einen riesigen Unterschied machen.“
Was der Wasserstoff brauchen würde, so Chris, ist jemand, der ihm „die Stange hält“. „Leider gibt es bislang keinen charismatischen Verfechter von Wasserstoff“, bedauert Chris.
Er glaubt, dass die meisten Autos der Zukunft mit Elektrizität und nicht mit Wasserstoff betrieben werden, hält aber das Potenzial für Lkw, Busse und Flugzeuge für enorm.
„Wasserstoff entpuppt sich zunehmend als die beste Wahl für Lkw“, meint er.
Im kommenden Jahr wird Großbritannien Gastgeber der UN-Klimakonferenz sein und zudem den Vorsitz beim G7-Gipfel innehaben.
„Wir brauchen eine globale Zusammenarbeit. Es wird interessant sein, zu sehen, was sich nach COVID-19 in dieser Hinsicht tut. Ich bin zuversichtlich, dass der kollektive Groschen gefallen ist. Wasserstoff ist das am häufigsten vorkommende Element im Universum. Mit Wasserstoff können wir null Emissionen erreichen.“