Großbritannien hing noch nie so stark wie vergangenes Jahr von ausländischen Gas- und Kohleimporten ab. Diese Abhängigkeit wird sich noch verschärfen. Bis 2020 soll Großbritannien laut Centrica, der Muttergesellschaft von British Gas, 70 Prozent des benötigten Erdgases importieren.
Für energiehungrige Unternehmen wie INEOS mit Werken im Land ist das ein gravierendes Problem und kann nicht länger ignoriert werden.
INEOS plant Millionen dafür zu investieren, mehr Untertagegasspeicher in Großbritannien anzulegen.
Diese von INEOS zu Beginn dieses Jahres getroffene Entscheidung erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem man sich in Großbritannien Sorgen um steigende Energiekosten, die Energieversorgungssicherheit des Landes und der immer größeren nationalen Abhängigkeit von ausländischen Exporten macht.
Das in den unterirdischen Hohlräumen Holford Brinefield in der Grafschaft Cheshire gespeicherte Gas wird seinen Teil dazu beitragen, dass in Großbritannien nicht die Lichter ausgehen und industrielle Verbraucher wie INEOS weiterhin bestehen können.
Für INEOS werden sich zweierlei Vorteile daraus ergeben.
„Selbst ohne Gasspeicherung würden Hohlräume angelegt, da dadurch die Salzlake geliefert wird, die INEOS an seinen beiden Standorten in Runcorn braucht“, so Richard Stevenson, Projektleiter bei INEOS Enterprises. „Beim vorgeschlagenen Projekt würde man einfach die Salzhohlräume nutzen, wenn die gesamte Salzlake entnommen worden ist.“
Kontrollierte Solung wird in Holeford Brinefield schon seit den 1920er-Jahren durchgeführt. Seit dieser Zeit wurden mehr als 200 Hohlräume durch Abbau von INEOS und dem Vorgängerunternehmen sicher gegraben.
INEOS ChlorVinyls verwendet konzentrierte Salzlösung für die Herstellung von Chlor, womit die Sicherheit eines Großteils des Trinkwassers in Großbritannien gewährleistet wird. Die Salzsparte von INEOS Enterprises verwendet die Lösung auch zur Herstellung von Speisesalz, Wasserenthärter und Streusalz.
Sobald die Baugenehmigung erteilt wird, wäre dies das dritte Erdgasspeicherprojekt in Holford Brinefield und man würde zusätzlich 19 Speicherhohlräume schaffen. Heute wird schon eine beträchtliche Zahl von Hohlräumen für die Herstellung von Salzlake genutzt, elf sind schon für Gasspeicherung betriebsbereit und weitere 18 werden dafür angelegt. Die Bedeutung für Gasspeicherung in Großbritannien ist nicht zu unterschätzen.
Vor kurzem rief das Gremium für Energie und Klimawandel die britische Regierung dazu auf, die Gasspeicherräume bis 2020 zu verdoppeln.
Daher wurde das für Holford vorgeschlagene Projekt als national bedeutsames Infrastrukturprojekt eingestuft. Das bedeutet, dass – anders als die meisten Baugenehmigungsanträge – über diesen nicht von der Gebietskörperschaft entschieden wird. Stattdessen bedarf es dazu einer Genehmigung von Ed Davey, dem derzeitigen Minister für Energie und Klimawandel.
INEOS and Keuper Gas Storage Limited, eine Tochtergesellschaft im Besitz von INEOS Enterprises Group Limited, soll zu Beginn des nächsten Jahres eine solche Genehmigung beantragen.
Man hofft, dass Davey für das Jahr 2016 eine Entscheidung treffen wird, damit die Bauarbeiten im Jahr darauf aufgenommen werden können. INEOS kann dann davon ausgehen, ab 2020 Erdgas in den dafür speziell konstruierten Untergrundhohlräumen speichern zu können.
„Dies ist ein bedeutender Vorschlag für die Energieversorgungssicherheit in Großbritannien und wäre außerordentlich wichtig für Investitionen und Beschäftigung in Cheshire“, so INEOS Enterprises Group Limited. „Es ist auch eine wichtige Investition, die nicht ohne Subventionen durch die Regierung getätigt werden kann.“
Im März dieses Jahres warnte Centrica, die Muttergesellschaft von British Gas, dass Großbritannien bis 2020 bis zu 70 Prozent seines Erdgases importieren würde.
Geschäftsführender Direktor Sam Laidlaw meinte dazu, dass Großbritanniens Energieversorgungssicherheit gefährdet wäre, zur „vergessenen Priorität“ der europäischen Energiepolitik zu werden.
„In Großbritannien werden bis Ende 2015 schätzungsweise 3,7 Gigawatt an Erzeugungskapazitäten durch Steinkohlekraftwerke aufgrund der EURichtlinien zum Emissionsschutz stillgelegt“, meinte er.
„Die Reservekapazität soll um 4 Prozent sinken, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen zunimmt. Dennoch werden keine neuen Kapazitäten geschaffen. Die britische Gasförderung nimmt rapide ab. Die Fördermenge von Nordseeöl und -erdgas ist in den letzten drei Jahren um 38 Prozent zurückgegangen. Bis 2020 werden wir auf Importe angewiesen sein, um 70 Prozent der Gasnachfrage befriedigen zu können. Wenn es also um die Versorgungssicherheit geht, brauchen wir dringend Lösungen.“
Für ein Unternehmen wie INEOS, das zum Betreiben seiner Werke in Runcorn so viel Energie verbraucht wie die Stadt Liverpool, ist das nichts, was man leicht abtut. Es handelt sich vielmehr um hohe Priorität.
2004 wurde Großbritannien zum Nettoenergieimporteur. 2010 wurden 28 Prozent des Bedarfs importiert. Im vergangenen Jahr stieg dieser Wert auf 47 Prozent, wobei die Exporte ihr niedrigstes Niveau seit 1980 erreicht haben.
Die erfolgreiche Entwicklung dieses Projekts, gemeinsam mit den beiden vorhergehenden von INEOS unterstützten Gasprojekten in Cheshire, würde eine Gesamtkapazität aufweisen, 40 Prozent der täglichen britischen Gasspeicherkapazität zu liefern. „Gäbe es einen größeren Engpass bei der britischen Versorgung, könnte das bei INEOS Enterprises in Brinefield gespeicherte Gas, einschließlich dieses Projektes, dazu beitragen, das die Lichter in Großbritannien fast zwei Wochen lang nicht ausgehen“, so Richard.
Gas aus dem nationalen Netz würde in den Hohlräumen gespeichert, wenn die Nachfrage gering ist, üblicherweise in den warmen Sommermonaten. Steigt die Nachfrage, würde es wieder zurück in das britische nationale Übertragungsnetz strömen.
Cheshire ist einer der wenigen Orte in Großbritannien, wo Gas aufgrund der geologischen Gegebenheiten sicher unterirdisch gespeichert werden kann. Die Salzschicht dort ist undurchlässig, das heißt, es kann kein Gas hindurch strömen.
Weitere Informationen unter www.kgsp.co.uk