Seit der italienischstämmige Maurice Garin 1903 die erste Tour de France gewann, hat sich der Radrennsport ein wenig verändert, wie INCH auf seiner Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft feststellen konnte
Die Tour de France gilt als eine der größten Herausforderungen dieser Sportart weltweit. An der Entschiedenheit der Sportler mag sich in den 113 Jahren nicht viel geändert haben, an der Technologie aber ganz gewiss sehr viel.
Der gebürtige Italiener Maurice Garin gewann die erste ‚Tour‘ auf einem rot-weiß-blauen ‚La Française‘-Rad und erhielt dafür 20.000 französische Franc. Doch der Sieg war bittersüß.
„Ich habe auf der Tour echt gelitten“, erzählte er, nachdem er am 19. Juli – 18 Tage nach dem Start bei einem Café in der Pariser Vorstadt Montgeron – die Ziellinie überquert hatte. „Ich war hungrig, durstig und schläfrig. Zwischen Lyon und Marseille habe ich geweint.“
Der diesjährige Favorit für das größte Radrennen der Welt war Chris Froome vom Team Sky. Er wuchs in Kenia auf, wo er sich Taschengeld verdiente, indem er Avocados auf seinem Fahrrad verkaufte. Er war fest entschieden, zu gewinnen – und das gelang ihm auch, und zwar sehr eindrucksvoll! Am Sonntag, dem 24. Juli, fuhr er triumphierend im berühmten gelben Trikot in Paris ein und wurde der erste Brite, der dreimal die Tour de France gewann.
Er – und seine Fans – erlitten einen leichten Schock, als er am 19. Tag der 21-tägigen Tour auf einem nassen, abschüssigen Straßenstück 10 km vor der Linie ausrutschte, stürzte und auf das Rad seines Teamkollegen Geraint Thomas zurückgreifen musste.
„Ich habe mir ein paar Abschürfungen zugezogen und das Knie angeschlagen“, sagte er nach dem Einlauf ins Ziel. „Aber ich war sehr dankbar für meinen vierminütigen Vorsprung. Dadurch hatte ich ein wenig Spielraum.“
Froomes Siegerrad war das DOGMA F8, eine revolutionäre Maschine, entworfen von Pinarello, das buchstäblich durch die Luft gleitet.
„Wenn man Kraft aufs Pedal bringt, wird diese direkt auf das Rad und auf die Straße übertragen“, stellte er nach den ersten Tests in Nizza, Frankreich, fest. „Es gibt keine Verwindungen oder Bewegungen. So gelangt die volle Kraft der Beine direkt auf die Straße.“
So unglaublich leicht und gleichzeitig stark wurde dieses Rad durch Pinarellos Entscheidung, das neue T1100 1K-Carbon mit Nano- Legierung von Toray zu verwenden.
Für den Laien ist dies die Kohlefaser, welche Boeing für seine hochmoderne 787-Flotte einsetzt.
„Durch den Einsatz dieses Materials konnten wir die Stei gkeit um 12 Prozent erhöhen und gleichzeitig das Rahmengewicht um 120 Gramm auf 860 Gramm verringern“, so ein Pinarello-Sprecher.
Nach Aussagen von Toray, der weltweiten Nummer eins in der Kohlefaserherstellung, sei Pinarello die einzige Fahrradmarke, die diese verwendet.
„Bei der Entwicklung des DOGMA F8 bestand eines unserer Ziele darin, wieder einen etwas höheren Maßstab zu setzen“, so CEO Fausto Pinarello. „Wir wollten die Verbesserungen, die wir an Chris Froomes letztem Rad vorgenommen hatten, noch weiter verbessern.“
Das DOGMA 65.1 war das Modell mit den meisten Siegen auf der ganzen Welt und galt weltweit als Benchmark in der Welt der High-End-Straßenräder.
All das änderte sich, als Froome als erster seit Miguel Indurain im Jahr 1991 seinen Titel erfolgreich verteidigte.
Er ist überzeugt, dass Mensch und Maschine sich niemals besser einander ergänzt haben.
„Egal, wie viele Tests wir im Windkanal machen, den entscheidenden Test liefert letztlich der Fahrer“, so der Sprecher. „Er wird auf dem Fahrrad leben, kämpfen und schwitzen.“
INEOS, das Toray mit Acrylnitril, dem wichtigsten Material für die Herstellung von Kohlefaser, beliefert, verfolgte das seinerseits mit Interesse.