DEBATTE: BRAUCHEN WIR GAS?

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DEBATTE: BRAUCHEN WIR GAS?

Die Regierungen sind sich einig, dass die Erderwärmung heute die größte Bedrohung für das Leben auf der Erde darstellt. Nicht einig sind sie sich darüber, was man dagegen tun soll. Die Debatte über erneuerbare Energien und fossile Brennstoffe nimmt kein Ende. INEOS als einer der größten Energieverbraucher der Welt meint, dass erneuerbare Energien noch nicht so weit sind. Aber sind andere auch dieser Meinung?
7
min
2016

DIE britische Energie strategie verfolgt drei große Ziele: Die Versorgung aufrecht und die Rechnungen niedrig zu halten sowie den Übergang zu einer sauberen Energiezukunft zu schaffen. Wir müssen den Energiebedarf Großbritanniens mit sauberer und umweltfreundlicher Energie decken, wenn wir weiterhin gegen den Klimawandel angehen wollen und die Wirtschaft wachsen soll. Aber das wird nicht einfach über Nacht passieren. Die Umstellung auf mehr erneuerbare und umweltfreundliche Energie braucht Zeit. Der Umstieg von Kohle auf Gas wäre ein gewaltiger Beitrag zur Reduktion unseres Kohlenstoffausstoßes und eine „Überbrückung” für viele Jahre. Die Anti-Fracking-Lobby scheint zu denken, dass unendlich viel Geld von den Steuerahlern zur Finanzierung von erneuerbaren Energien vorhanden ist. Dem ist nicht so, aber auch wenn es so wäre, würden wir Gas brauchen – als verlässliche Energiequelle, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind geht.

Andrea Leadsom, britische Ministerin für Energie und Klimawandel

DIE Suche nach Schiefergas ist vergebliche Liebesmüh‘, wenn erneuerbare Energien liefern können, was für eine Energierevolution notwendig ist. Das gilt besonders für jene 1,3 Milliarden weltweit, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, und für jene, die abseits des Stromnetzes leben und geeignete dezentralisierte Technologien benötigen, aber es gilt auch für Energiesysteme auf der Nordhalbkugel. Wie neue Kohle- und neue Kernkraft sind Investitionen in unkonventionelles Gas eine ernsthafte Ablenkung von dringend benötigten Investitionen in erneuerbare Energien. Es gab einige Untersuchungen in den USA, aus denen hervorgeht, dass die Förderung von Schiefergas mittels Fracking insgesamt mehr Treibhausgase produzieren könnte als Kohle. Abgesehen von der Auswirkung auf das Klima ist die Gasextraktion Anlass für schwere ökologische und soziale Konflikte auf der ganzen Welt. Der Bau von Gas-Pipelines und Infrastruktur fördert Landnahme und gefährdet unserer Meinung nach Wasserressourcen und biologische Vielfalt an vielen Orten. Außerdem glauben wir, dass Fracking ein wesentliches Risiko für Wasser- und Luftverschmutzung in sich birgt.

Friends of the Earth International

ES ist unbestreitbar, dass wir auf lange Sicht zu möglichst kohlenstoffarmen Technologien übergehen müssen, aber die Werkzeuge dafür (CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Technologien für erneuerbare Energien) sind noch nicht so weit. Sie können den globalen Energiebedarf und die Bedürfnisse der Armutsbekämpfung nicht decken; manche von ihnen werden möglicherweise nie wirtschaftlich oder umsetzbar sein. Schiefergas hat, wenn es sorgfältig und wirksam verwaltet und reguliert wird, das Potenzial, einen Teil der notwendigen CO2-Reduktion zu bewirken, während es eine schnell wachsende, aber kohlenstofflimitierte Welt mit Energie versorgt.

Professor Peter Styles, britischer Geologe und Professor für angewandte und Umwelt-Geophysik an der Keele University

ALTERNATIVE Energiequellen können ein zufriedenstellender Ersatz für fossile Brennstoffe werden, wenn wir so viel Mühe und Talent in ihre Entwicklung investieren wie in die Herstellung der ersten Atombombe. Die befriedigendste Einzellösung wäre die Kernfusion, aber dieses Quasi-Wunder dürfte jenseits der Machbarkeit liegen. Wir werden vielleicht feststellen, dass Wind, Sonne, Biomasse etc. als bunter Mix ausreichen müssen, aber der Erfolg könnte eventuell einen Aufwand erfordern, der bereits vor einer Generation begonnen hat. Wesentlich für jeglichen Erfolg ist unsere Einsicht, dass alles möglich sein dürfte, auch ein Fehlschlag.

Alfred W. Crosby, emeritierter Professor für Geschichte, Geographie und Amerikanistik an der Universität von Texas

IN den letzten vier Monaten leistete Erdgas, das sauberer ist als Kohle, den größten Beitrag zu Amerikas Stromerzeugung. Aber einige, die US Environmental Protection Agency eingeschlossen, meinen, es sei bereits an der Zeit, Erdgas durch Wind- und Solarenergie zu ersetzen. Diese erneuerbaren Energien nehmen zu, aber von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis aus und nur mithilfe von Milliarden an Dollar Steuergeld. Wind und Sonne sind mit weiteren Problemen verbunden: Weder Wind noch Sonnenschein sind immer verfügbar. Die Erneuerbaren brauchen also Ausgleichsenergie, in erster Linie aus Erdgas. Anstatt auf Regierungsinitiativen für die Umwandlung unseres Energiesektors zu setzen, könnten wir auch den Markt arbeiten lassen. Amerikas kostengünstige Versorgung mit Erdgas ist das Ergebnis von Innovation und Unternehmertum. Diese amerikanische Form der Problemlösung hat eine wettbewerbsfähige Lösung hervorgebracht, die uns hilft, mit Energiekosten und Emissionen fertig zu werden, die nunmehr auf dem niedrigsten Stand seit 27 Jahren sind. Kein anderes Land konnte diese amerikanische Erfolgsstory wiederholen. Natürlich möchten viele Verfechter erneuerbarer Energien die Marktprinzipien ganz über Bord werfen. Aber damit würden wir nicht nur die Energiepreise hochtreiben, sondern auch Innovationen verzögern.

Dr. J. Winston Porter, ehemaliger Assistant Administrator der EPA in Washington DC. Er ist nun Energie- und Umweltberater in Savannah, Georgia, USA

MEHR als ein Jahr lang untersuchte die Taskforce Schiefergas die möglichen Auswirkungen, positive wie negative, einer Schiefergasindustrie im Vereinigten Königreich. Im Dezember veröffentlichten wir unsere abschließenden Empfehlungen. Wir sind überzeugt, dass Gas kurz- und mittelfristig ein Teil des Energiemixes im Vereinigten Königreich sein muss. Es ist einfach nicht möglich, kurzfristig unseren gesamten Energiebedarf über erneuerbare Energien zu decken. Gas stellt eine ökologisch verträglichere Alternative zu Kohle dar. Die negative Klimaauswirkung von Schiefergas ist dem konventionellen Gas vergleichbar und geringer als bei verflüssigtem Erdgas. Unser Fazit aus allen Erkenntnissen, die wir im vergangenen Jahr zusammengetragen haben, ist klar: Schiefergas stellt für die lokale Umwelt oder für die öffentliche Gesundheit kein größeres Risiko dar als vergleichbare Industrien; vorausgesetzt, die Betreiber folgen, wie bei allen Industriewerken, der Best Practice.

Lord Chris Smith, Vorsitzender der Taskforce Schiefergas der Regierung des Vereinigten Königreichs

DIE Internationale Energieagentur sieht, dass erneuerbare Energien einen immer größeren Anteil zur globalen Energieversorgung leisten, aber fossile Brennstoffe werden nicht so bald verschwinden. Im zentralen Szenario unseres maßgeblichen World Energy Outlook steigt der globale Energiebedarf bis 2040 etwa um ein Drittel an. Erneuerbare Energien werden dazu sicher ihren Beitrag leisten, aber auch Erdgas: in allen WEO-Szenarien kommt dem Gas zumindest ein Viertel der globalen Energie 2040 zu. Schiefergas hat den Schwerpunkt in der Energieerzeugung zum Teil von der Kohle weg verlagert; die weitere Förderung von Erdgas ist, neben den Erneuerbaren, entscheidend für eine vielfältige, sichere und nachhaltige Energieversorgung in den kommenden Jahrzehnten.

Laszlo Varro, Chefökonom der Internationalen Energieagentur

DAS US-Experiment mit Schiefergas hat gezeigt, dass bei entsprechenden Ressourcen und massivem Bohreinsatz signifikante Mengen Gas gefördert werden können. Aber es zeigte sich auch, dass die Förderung eher kurzfristig erfolgt (Bohrlöcher sind rasch erschöpft), dass die Ressourcen von sehr unterschiedlicher Qualität sind (nur die „Sweet Spots” sind profitabel), dass die Bohrungen zu Wasser- und Luftverschmutzung führen können und dass ein Methanaustritt den Klimavorteil von Schiefergas gegenüber Kohle zunichte machen kann. Im Gegensatz dazu stellen erneuerbare Energieträger die Zukunft der Energie dar – sinkende Kosten und weit weniger Umweltauswirkungen.

Richard Heinberg, Senior Fellow, Post Carbon Institute

WIR wollen es hier klar sagen: Solarzellen, Windräder und Biomasse-Anlagen können niemals auch nur einen kleinen Teil der höchst zuverlässigen, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr arbeitenden fossilen Atom- und Wasserkraftwerke ersetzen. Andere Behauptungen werden gerne gehört, sind aber unverantwortlich. Wir leben in einer kohlenwasserstofflimitierten Welt, produzieren zu viel CO2 und die großen Möglichkeiten der Wasserkraft sind weltweit ziemlich ausgereizt.

Tad W. Patzek, Vorstand des Petroleum and Geosystems Engineering Department an der Universität Texas in Austin

PRÄSIDENT Barack Obamas Clean Power Plan ist eine Verordnung, die von der Environmental Protection Agency entworfen wurde, um die CO2-Emissionen des US-Energiesektors um 32 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. Weil jeder Bundesstaat einen einzigartigen Energiemix hat, setzt der Clean Power Plan einzelstaatliche Reduktionsziele und erlaubt deren Erreichung durch individuelle Compliance-Pläne. Egal, wie die Staaten den Plan umsetzen, man weiß, dass Erdgas der kostengünstigste Weg ist, die Ziele des Clean Energy Plan voranzutreiben und gleichzeitig für kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu sorgen. Daher wird Erdgas noch auf Jahre hinaus ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Energieerzeugung sein. Die Energy Information Administration berichtet sogar, dass im April die Kohlenstoffemissionen des Energiesektors das niedrigste Niveau seit 1988 erreicht haben. Das ist kein Zufall, denn im April überholte erstmals in der Geschichte Erdgas die Kohle als wichtigsten Energieträger in der Stromerzeugung.

America’s National Gas Alliance

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WELTPREMIERE BEI INEOS

DER Nordatlantik ist kein Ort für Zartbesaitete. Er ist für jedes Schiff ein potenziell feindliches Umfeld, ganz zu schweigen von einem, das verflüssigtes Ethan befördert. INEOS wusste das – und daher wandte sich die Firma an Evergas, einen Weltführer im Transport von Erdgas. Nach außen hin war der INEOS-Auftrag einfach. Gefragt war ein Schiff, das riesige Mengen an verflüssigtem Ethangas bei -90 °C mehr als 1.600 Kilometer über einen tiefen, kalten Ozean voller Eisberge, dichtem Nebel, 15-Meter-Wellen und Stürmen befördern konnte. Und das effizienter als jemals zuvor. Die Lösung war alles andere als einfach. Aber das Ergebnis war der größte, flexibelste, ökologisch nachhaltigste Multi-Gas-Tanker, der jemals gebaut worden war. „Es gibt kein zweites Schiff wie dieses auf der Welt”, sagte Hans Weverbergh, Operations Manager bei der dänischen Reederei Evergas. „Es gab keine Schiffe mit Drucktanks, die diese Menge Ethan befördern konnten. So etwas war noch nie gemacht worden.” Flüssiggas wird seit Jahrzehnten kreuz und quer um die Welt transportiert. Ethan ist jedoch ein eigenes Kapitel. Es war bisher nur in kleinen Tankern über kurze Strecken befördert worden. Für eine Überquerung des Atlantiks würde man viel größere Schiffe brauchen. Andere Firmen meinten, das sei einfach nicht machbar. Doch INEOS sah die Chance und hatte den Weitblick für die Umsetzung. „Diese Schiffe sind wirklich einzigartig”, sagte Evergas CEO Steffen Jacobsen, der seit 35 Jahren in der Branche tätig ist. „Niemand hat je zuvor versucht, Ethan in diesen Mengen über solche Entfernungen zu befördern. Wir mussten dafür völlig neue Vorgangsweisen finden.” INEOS wollte, dass die „Dragon-Schiffe” auch mit der beförderten Ladung angetrieben werden konnten. Dafür wandte man sich an die finnische Firma Wärtsilä, die neue Maßstäbe bei der Treibstoffflexibilität setzte. Sie entwickelte Dual-Fuel-Motoren, die nahtlos und ohne Verluste zwischen verflüssigtem Erdgas, Ethan, leichtem Heizöl oder Schweröl wechseln können. „Es war ein technologischer Durchbruch”, sagte Timo Koponen, Vice President, Flow and Gas Solutions, Wärtsilä Marine Solutions. Wenn INEOS-Motoren mit Ethan betrieben werden, bleibt nicht nur mehr Platz für Fracht, die Schiffe produzieren auch 25 Prozent weniger CO2 und 99 Prozent weniger Schwefeldioxid und erfüllen Stufe III der Vorschriften der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Außerdem ist jedes Schiff mit zwei Motoren ausgestattet, damit die Ladung in jedem Fall ankommt. Die Schiffe sind die größten dieser Art, die je entwickelt wurden: Umgerechnet hat jedes die Länge von zwei Fußballfeldern, bei ausgebauten Ladetanks wäre Platz für 5.750 Autos der Marke Mini Cooper. Die Tanks befinden sich im Rumpf des Schiffes, jeder hat ein Fassungsvermögung von rund elf Schwimmbecken. Die HSVA, der deutsche Schiffsrumpf-Spezialist, wurde damit beauftragt, die Wirtschaftlichkeit dieser immens großen Schiffe zu maximieren, und testete maßstabsgetreue Modelle der Schiffe in realitätsnahen Umgebungen. Die ersten beiden Schiffe wurden in einem Trockendock in Qidong nahe Shanghai von Sinopacific Offshore and Engineering (SOE), einer der größten Werften der Welt, gebaut. „SOE ist eines der wenigen Unternehmen, die über die Fertigkeiten und baulichen Voraussetzungen verfügen, um den Bau dieser komplexen Schiffe zu übernehmen”, sagte CEO/Chairman Simon Liang. „Als ich die ersten beiden Schiffe Bug an Bug im Dock sah, dachte ich: „Mann, diese Jungs verstehen ihr Handwerk”, sagte Chad Stephens, Senior Vice President of Corporate Development bei Range Resources bei der Schiffstaufe. Das war auch für Evergas ein denkwürdiger Augenblick. „Ich war so stolz auf alle intern und extern Beteiligten, die diese Schiffe gemeinsam Wirklichkeit werden ließen”, sagte Steffen. Die Taufe war ein weiterer Meilenstein in INEOS globalem Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt zum Import von Schiefergas aus den USA zu den Produktionsanlagen in Norwegen und Schottland. INEOS ist das erste Unternehmen der Welt, das sich entschlossen hat, Ethan aus Schiefergas aus Amerika zu holen, wo das Gas bereits zu einem deutlichen Aufschwung der verarbeitenden Industrie geführt hat.

6 min read

DEBATTE: BRAUCHEN WIR GAS?

DIE britische Energie strategie verfolgt drei große Ziele: Die Versorgung aufrecht und die Rechnungen niedrig zu halten sowie den Übergang zu einer sauberen Energiezukunft zu schaffen. Wir müssen den Energiebedarf Großbritanniens mit sauberer und umweltfreundlicher Energie decken, wenn wir weiterhin gegen den Klimawandel angehen wollen und die Wirtschaft wachsen soll. Aber das wird nicht einfach über Nacht passieren. Die Umstellung auf mehr erneuerbare und umweltfreundliche Energie braucht Zeit. Der Umstieg von Kohle auf Gas wäre ein gewaltiger Beitrag zur Reduktion unseres Kohlenstoffausstoßes und eine „Überbrückung” für viele Jahre. Die Anti-Fracking-Lobby scheint zu denken, dass unendlich viel Geld von den Steuerahlern zur Finanzierung von erneuerbaren Energien vorhanden ist. Dem ist nicht so, aber auch wenn es so wäre, würden wir Gas brauchen – als verlässliche Energiequelle, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind geht. Andrea Leadsom, britische Ministerin für Energie und Klimawandel DIE Suche nach Schiefergas ist vergebliche Liebesmüh‘, wenn erneuerbare Energien liefern können, was für eine Energierevolution notwendig ist. Das gilt besonders für jene 1,3 Milliarden weltweit, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, und für jene, die abseits des Stromnetzes leben und geeignete dezentralisierte Technologien benötigen, aber es gilt auch für Energiesysteme auf der Nordhalbkugel. Wie neue Kohle- und neue Kernkraft sind Investitionen in unkonventionelles Gas eine ernsthafte Ablenkung von dringend benötigten Investitionen in erneuerbare Energien. Es gab einige Untersuchungen in den USA, aus denen hervorgeht, dass die Förderung von Schiefergas mittels Fracking insgesamt mehr Treibhausgase produzieren könnte als Kohle. Abgesehen von der Auswirkung auf das Klima ist die Gasextraktion Anlass für schwere ökologische und soziale Konflikte auf der ganzen Welt. Der Bau von Gas-Pipelines und Infrastruktur fördert Landnahme und gefährdet unserer Meinung nach Wasserressourcen und biologische Vielfalt an vielen Orten. Außerdem glauben wir, dass Fracking ein wesentliches Risiko für Wasser- und Luftverschmutzung in sich birgt. Friends of the Earth International ES ist unbestreitbar, dass wir auf lange Sicht zu möglichst kohlenstoffarmen Technologien übergehen müssen, aber die Werkzeuge dafür (CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Technologien für erneuerbare Energien) sind noch nicht so weit. Sie können den globalen Energiebedarf und die Bedürfnisse der Armutsbekämpfung nicht decken; manche von ihnen werden möglicherweise nie wirtschaftlich oder umsetzbar sein. Schiefergas hat, wenn es sorgfältig und wirksam verwaltet und reguliert wird, das Potenzial, einen Teil der notwendigen CO2-Reduktion zu bewirken, während es eine schnell wachsende, aber kohlenstofflimitierte Welt mit Energie versorgt. Professor Peter Styles, britischer Geologe und Professor für angewandte und Umwelt-Geophysik an der Keele University ALTERNATIVE Energiequellen können ein zufriedenstellender Ersatz für fossile Brennstoffe werden, wenn wir so viel Mühe und Talent in ihre Entwicklung investieren wie in die Herstellung der ersten Atombombe. Die befriedigendste Einzellösung wäre die Kernfusion, aber dieses Quasi-Wunder dürfte jenseits der Machbarkeit liegen. Wir werden vielleicht feststellen, dass Wind, Sonne, Biomasse etc. als bunter Mix ausreichen müssen, aber der Erfolg könnte eventuell einen Aufwand erfordern, der bereits vor einer Generation begonnen hat. Wesentlich für jeglichen Erfolg ist unsere Einsicht, dass alles möglich sein dürfte, auch ein Fehlschlag. Alfred W. Crosby, emeritierter Professor für Geschichte, Geographie und Amerikanistik an der Universität von Texas IN den letzten vier Monaten leistete Erdgas, das sauberer ist als Kohle, den größten Beitrag zu Amerikas Stromerzeugung. Aber einige, die US Environmental Protection Agency eingeschlossen, meinen, es sei bereits an der Zeit, Erdgas durch Wind- und Solarenergie zu ersetzen. Diese erneuerbaren Energien nehmen zu, aber von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis aus und nur mithilfe von Milliarden an Dollar Steuergeld. Wind und Sonne sind mit weiteren Problemen verbunden: Weder Wind noch Sonnenschein sind immer verfügbar. Die Erneuerbaren brauchen also Ausgleichsenergie, in erster Linie aus Erdgas. Anstatt auf Regierungsinitiativen für die Umwandlung unseres Energiesektors zu setzen, könnten wir auch den Markt arbeiten lassen. Amerikas kostengünstige Versorgung mit Erdgas ist das Ergebnis von Innovation und Unternehmertum. Diese amerikanische Form der Problemlösung hat eine wettbewerbsfähige Lösung hervorgebracht, die uns hilft, mit Energiekosten und Emissionen fertig zu werden, die nunmehr auf dem niedrigsten Stand seit 27 Jahren sind. Kein anderes Land konnte diese amerikanische Erfolgsstory wiederholen. Natürlich möchten viele Verfechter erneuerbarer Energien die Marktprinzipien ganz über Bord werfen. Aber damit würden wir nicht nur die Energiepreise hochtreiben, sondern auch Innovationen verzögern. Dr. J. Winston Porter, ehemaliger Assistant Administrator der EPA in Washington DC. Er ist nun Energie- und Umweltberater in Savannah, Georgia, USA MEHR als ein Jahr lang untersuchte die Taskforce Schiefergas die möglichen Auswirkungen, positive wie negative, einer Schiefergasindustrie im Vereinigten Königreich. Im Dezember veröffentlichten wir unsere abschließenden Empfehlungen. Wir sind überzeugt, dass Gas kurz- und mittelfristig ein Teil des Energiemixes im Vereinigten Königreich sein muss. Es ist einfach nicht möglich, kurzfristig unseren gesamten Energiebedarf über erneuerbare Energien zu decken. Gas stellt eine ökologisch verträglichere Alternative zu Kohle dar. Die negative Klimaauswirkung von Schiefergas ist dem konventionellen Gas vergleichbar und geringer als bei verflüssigtem Erdgas. Unser Fazit aus allen Erkenntnissen, die wir im vergangenen Jahr zusammengetragen haben, ist klar: Schiefergas stellt für die lokale Umwelt oder für die öffentliche Gesundheit kein größeres Risiko dar als vergleichbare Industrien; vorausgesetzt, die Betreiber folgen, wie bei allen Industriewerken, der Best Practice. Lord Chris Smith, Vorsitzender der Taskforce Schiefergas der Regierung des Vereinigten Königreichs DIE Internationale Energieagentur sieht, dass erneuerbare Energien einen immer größeren Anteil zur globalen Energieversorgung leisten, aber fossile Brennstoffe werden nicht so bald verschwinden. Im zentralen Szenario unseres maßgeblichen World Energy Outlook steigt der globale Energiebedarf bis 2040 etwa um ein Drittel an. Erneuerbare Energien werden dazu sicher ihren Beitrag leisten, aber auch Erdgas: in allen WEO-Szenarien kommt dem Gas zumindest ein Viertel der globalen Energie 2040 zu. Schiefergas hat den Schwerpunkt in der Energieerzeugung zum Teil von der Kohle weg verlagert; die weitere Förderung von Erdgas ist, neben den Erneuerbaren, entscheidend für eine vielfältige, sichere und nachhaltige Energieversorgung in den kommenden Jahrzehnten. Laszlo Varro, Chefökonom der Internationalen Energieagentur DAS US-Experiment mit Schiefergas hat gezeigt, dass bei entsprechenden Ressourcen und massivem Bohreinsatz signifikante Mengen Gas gefördert werden können. Aber es zeigte sich auch, dass die Förderung eher kurzfristig erfolgt (Bohrlöcher sind rasch erschöpft), dass die Ressourcen von sehr unterschiedlicher Qualität sind (nur die „Sweet Spots” sind profitabel), dass die Bohrungen zu Wasser- und Luftverschmutzung führen können und dass ein Methanaustritt den Klimavorteil von Schiefergas gegenüber Kohle zunichte machen kann. Im Gegensatz dazu stellen erneuerbare Energieträger die Zukunft der Energie dar – sinkende Kosten und weit weniger Umweltauswirkungen. Richard Heinberg, Senior Fellow, Post Carbon Institute WIR wollen es hier klar sagen: Solarzellen, Windräder und Biomasse-Anlagen können niemals auch nur einen kleinen Teil der höchst zuverlässigen, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr arbeitenden fossilen Atom- und Wasserkraftwerke ersetzen. Andere Behauptungen werden gerne gehört, sind aber unverantwortlich. Wir leben in einer kohlenwasserstofflimitierten Welt, produzieren zu viel CO2 und die großen Möglichkeiten der Wasserkraft sind weltweit ziemlich ausgereizt. Tad W. Patzek, Vorstand des Petroleum and Geosystems Engineering Department an der Universität Texas in Austin PRÄSIDENT Barack Obamas Clean Power Plan ist eine Verordnung, die von der Environmental Protection Agency entworfen wurde, um die CO2-Emissionen des US-Energiesektors um 32 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. Weil jeder Bundesstaat einen einzigartigen Energiemix hat, setzt der Clean Power Plan einzelstaatliche Reduktionsziele und erlaubt deren Erreichung durch individuelle Compliance-Pläne. Egal, wie die Staaten den Plan umsetzen, man weiß, dass Erdgas der kostengünstigste Weg ist, die Ziele des Clean Energy Plan voranzutreiben und gleichzeitig für kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu sorgen. Daher wird Erdgas noch auf Jahre hinaus ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Energieerzeugung sein. Die Energy Information Administration berichtet sogar, dass im April die Kohlenstoffemissionen des Energiesektors das niedrigste Niveau seit 1988 erreicht haben. Das ist kein Zufall, denn im April überholte erstmals in der Geschichte Erdgas die Kohle als wichtigsten Energieträger in der Stromerzeugung. America’s National Gas Alliance

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DER GROSSE AUFTRITT DER DRACHEN

Als die INEOS Intrepid, der größte Multigas-Tanker der Welt, in den norwegischen Hafen Rafnes einlief, war unser Stolz gewaltig. Der Anblick dieses sicher vertäuten Riesenschiffes – mit der Aufschrift „Shale Gas for Progress” auf dem 180 Meter langen Rumpf – war ebenso atemberaubend wie die wertvolle Fracht, die es 6.000 Kilometer über den Atlantik transportiert hatte. Hier wurde Geschichte geschrieben. Hier war zum ersten Mal Ethan aus amerikanischem Schiefergas nach Europa verschifft worden. INEOS‘ Vision – und die Investition von zwei Milliarden Dollar – hatten Früchte getragen. Für den mit der Projektaufsicht beauftragten David war das Erscheinen des Schiffes am Horizont mit vielen Emotionen verbunden. „Außenstehende hatten es für nicht machbar erklärt, doch als die INEOS Intrepid endlich zu sehen war, waren alle Zweifel verschwunden”, fasst er zusammen. „Es war das Ergebnis von fünf Jahren harter Arbeit einer unglaublichen Gruppe von Menschen in sieben Ländern.” Er sei unglaublich stolz gewesen, als das Schiff in den Fjord einfuhr, begleitet von zwei Schleppbooten, die mit ihren Wasserwerfern einen 50 Meter hohen „Regenbogen” über dem Bug erzeugten. „Als sie näher kam, ertönten die Schiffssirenen – uns sträubten sich die Nackenhaare”, so David. „Ich weiß noch, dass ich in dem Moment dachte: Wir haben es geschafft!” Vorstandschef und INEOS-Gründer Jim Ratcliffe sagt, die Ankunft des Schiffes – nach 14 Tagen auf See – sei ein strategisch wichtiger Tag für INEOS und für Europa. „Wir haben erlebt, wie Schiefergas die US-Industrie belebt hat, und nun hat erstmals auch Europa Zugriff auf diese wichtige Energie- und Rohstoffquelle”, erläutert Jim. „Die verarbeitende Industrie Europas wird immer weniger konkurrenzfähig und wir glauben, dass US-Schiefergas hier Abhilfe schaffen kann.” Er fügt hinzu: „Ich bin unglaublich stolz auf alle, die daran beteiligt waren. Ich glaube, dass INEOS eines von sehr wenigen Unternehmen weltweit ist, das so etwas erfolgreich umsetzen kann.” INEOS hat fünf Jahre lang für diesen besonderen Tag geplant. Die Schiffe sind unglaublich komplex. Niemand hat je zuvor solche Schiffe gebaut. Sie sind die allerersten, die riesige Mengen von Ethangas viele Tausend Kilometer über den Ozean befördern können. Jedes Schiff trägt eine Botschaft auf seiner Seite – ‚Schiefergas für die Produktion’, ‚Schiefergas für Chemikalien’, ‚Schiefergas für Europa’ und ‚Schiefergas für den Fortschritt’. Der gemeinsame Nenner ist Schiefergas, das zu einer Renaissance und einem Boom in der verarbeitenden Industrie in Amerika geführt hat. Bisher wurden von der INEOS-Flotte aus insgesamt acht Tankern der Dragon-Klasse vier gebaut. Gemeinsam werden sie 40.000 Barrel US-Schiefergas pro Tag – und zwar an jedem Tag in den nächsten 15 Jahren – zu den zwei Petrochemie-Standorten in Norwegen und im schottischen Grangemouth befördern. Bis 2020 hofft INEOS, etwa acht Ladungen pro Monat aus den USA zu den europäischen Petrochemie-Anlagen und zu einer Ethylen-Anlage der ExxonMobil Corporation in Schottland liefern zu können. Wenn die ersten Lieferungen von verflüssigtem Ethan, auf -90ºC abgekühlt, Ende dieses Jahres schließlich nach Grangemouth kommen, wird die defizitäre Anlage buchstäblich über Nacht profitabel werden. „Sie wird wieder in der weltweit ersten Liga der petrochemischen Anlagen spielen”, sagt Jim begeistert. INEOS‘ Gascracker in Norwegen und Schottland waren in der Vergangenheit auf Gas aus der Nordsee angewiesen, aber diese Quelle versiegt. Das Gas aus den USA ergänzt deshalb die geringer werdende Gasversorgung aus der Nordsee. Der Ethanspeichertank in Rafnes fasst 19.000 Tonnen verflüssigtes Gas, jener in Grangemouth 33.000 Tonnen.

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EVEREST. INEOS AUF DEM DACH DER WELT

ES IST schwer, vom Dach der Welt wieder auf die Erde zurückzukehren. Rhys Jones weiß das aus eigener Erfahrung. Er bezwang den Everest, den höchsten Berg der Welt, an seinem 20. Geburtstag. Acht Jahre hatte er von diesem Moment geträumt, nachdem er als 12-jähriger Pfadfinder einen Vortrag gehört hatte. In gewisser Hinsicht war seine Aufgabe nun erledigt, er verspürte nicht den Wunsch, nochmals hinaufzuklettern. „Einmal ist genug, aus vielen Gründen”, sagt er. „Aber in vielerlei Hinsicht bin ich vermutlich niemals ganz heruntergekommen. Ich kann jeden Teil des Aufstiegs jederzeit wiedererleben, wenn ich meine Augen schließe. Ich werde es nie vergessen.” Vor einigen Jahren wurde Rhys, der nun mit seiner Frau Laura ein eigenes Unternehmen für Luxus-Expeditionen führt, gebeten, eine Expedition in die „Todeszone” und zum Gipfel des Mount Everest zu leiten. „Ich sagte nein, denn für eine solche Erfahrung konnte ich keinen Preis nennen”, sagt er. „Nur wer so etwas wirklich will, nimmt die Mühen und die Gefahr auf sich, und ich bin mir nicht sicher, dass ein Scheck für mich genug Antrieb dazu wäre.” Auch wenn ihn ein solcher ‚Scheck’ im Jahr 2006 dorthin gebracht hatte. „Ich weiß nicht, warum ich mich vor all den Jahren für die Finanzierung an INEOS gewandt habe”, sagt er. „Es war einfach Zufall. Ich hatte sehr viele Sponsoren angeschrieben, darunter Stannah Stairlifts, von denen ich 100 Pfund bekam.” Der 19-Jährige war nahe daran aufzugeben, als INEOS Vorstandschef Jim Ratcliffe ihm ein Treffen in Aussicht stellte. Nach einem einstündigen Gespräch ging Rhys mit dem für seine Expedition benötigten Geld zur Tür hinaus – und einer INEOS-Flagge für den Gipfel. „Ohne INEOS’ Hilfe hätte ich es nicht geschafft”, sagt er. „Es war das gesamte Geld, das ich brauchte, aber es bedeutete mir noch viel mehr. Es gab mir ungeheuer viel Selbstvertrauen, dass Jim an mich geglaubt hat, und das ließ mich am Berg nicht aufgeben. Ich erinnere mich noch genau, wie ich einige Monate später die letzten Schritte zum Gipfel machte und vor allem daran dachte, dass ich Jim ein Foto mit der INEOS-Flagge am Gipfel versprochen hatte.” Rhys kehrte mit Selbstvertrauen und Entschlossenheit nach Großbritannien zurück. Aber er merkte, dass etwas fehlte. „Ich hatte so lange ein Ziel vor Augen gehabt, nun war da nichts Erstrebenswertes mehr”, beschreibt er sein Gefühl. Rhys begann, regelmäßig Vorträge bei verschiedenen Veranstaltungen zu halten und mit Schulen zu arbeiten. „Ich hielt es für wichtig, den Kindern zu erklären, dass ich sehr durchschnittlich war, als ich mir meine Ziele gesetzt hatte”, sagte er. „Ich war kein Überflieger gewesen. Ich gehörte zu den 80 Prozent der Schüler, die zur Schule kamen, die minimalen Anforderungen erfüllten, um Ärger zu vermeiden, und wieder nach Hause gingen. Ich war still und unauffällig und konnte die Wochenenden kaum erwarten, an denen ich klettern gehen konnte. Aber ich konnte etwas bewegen, weil ich den richtigen Ansatz hatte.” Er erinnert sich, wie überrascht seine Lehrer waren, als er zwölf Monate nach seiner mittleren Reife den Denali, den höchsten Berg Nordamerikas, bestieg. „Eines meiner alten Schulzeugnisse enthielt die Empfehlung, mehr für meine Fitness zu tun, damit ich am Sportunterricht mehr Freude hätte”, schmunzelt er. „Kein Wunder, dass die Lehrer überrascht waren.” Er leitete eine Zeitlang auch Expeditionen für Reiseunternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen. „Es hat Spaß gemacht, aber habe ich hatte immer das Gefühl, mich selbst zu übervorteilen, weil ich für einen Mittelsmann arbeitete”, sagt er. Also hörte er auf und gründete seine erste Firma, RJ7 Expeditions, mit Sitz in Dubai im Nahen Osten. Mittlerweile ist er zurück im Vereinigten Königreich und leitet die Firma Monix Adventures, die darauf spezialisiert ist, Menschen an einige der unzugänglichsten Stellen dieser Erde zu begleiten. Für all jene, die diesen Kitzel brauchen, sind seine Erfahrungen von unschätzbarem Wert. „Ich hatte einige Tiefpunkte bei meinen Expeditionen”, erklärt er. „Ich fiel in Grönland in eine Gletscherspalte und brach mir den Arm. Aber wir alle stehen im Leben vor Herausforderungen. Wenn es besonders schwierig wird, sage ich mir, dass nichts ewig dauert, egal wie mühsam, kompliziert oder schwer es scheint.” Was die INEOS-Flagge angeht, die er am 17. Mai 2006 während seiner fünf Minuten auf dem 8848 m hohen Gipfel entrollte, so hofft er, dass sie sich irgendwo auf der Welt in einem INEOS-Büro befindet. „Wer weiß, vielleicht inspiriert sie eines Tages jemanden, in meine Fußstapfen zu treten.”

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KNOW-HOW WIRD SICHTBAR

INEOS Upstream könnte INEOS neuestes Unternehmen sein. Aber die Menschen hinter dem neuen Energieunternehmen sind keineswegs neu im Fracking. Onshore oder offshore. Onshore arbeitet INEOS mit den drei Amerikanern zusammen, die schon in den Anfängen der Schiefergasförderung in den USA mit dabei waren – zu Zeiten der Renaissance der dortigen verarbeitenden Industrie. Offshore hat man ein Team engagiert, das seit Jahren ganz ohne Probleme im Bereich Fracking tätig ist. Alle sind zuversichtlich, dass INEOS – mit seinem Know-how über Tage und im Umgang mit brennbaren Gasen an seinen 65 Produktionsstandorten – das erste Unternehmen in Großbritannien sein kann, das die tief unter der Erde im Gestein eingeschlossenen großen Schiefergasvorkommen fördern und dabei auch die öffentliche Wahrnehmung ändern kann. „Wir glauben, dass wir etwas Einzigartiges in die aufstrebende Schiefergasindustrie einbringen können”, sagt Tom Pickering, Chief Operating Officer von INEOS Shale, der jahrelang auf einer Bohrinsel in der Nordsee gearbeitet hatte. Doug Scott ist Leiter der Bohrungen bei INEOS Breagh, einer Tochtergesellschaft von INEOS Upstream. „Wir haben das Fracking in Tight-Gas-Sandsteinfeldern der südlichen Nordsee in den letzten vier Jahren besonders aktiv betrieben”, sagt er. „Wir haben die Technik eingesetzt, um das Gas schneller herauszuholen und um an Gas zu gelangen, dessen Förderung bisher unwirtschaftlich war.” Schiefergas unterscheidet sich nicht von Nordseegas. Beide sind Erdgas. Der einzige Unterschied ist, dass Nordseegas aus Sandstein geholt wird, der sich etwa drei Kilometer unter dem Meeresboden befindet. Onshore würde INEOS das Gas aus Schiefer in etwa fünf Kilometern Tiefe holen. Doug und sein Team hatten – bis Oktober – für DEA gearbeitet. Das änderte sich, als INEOS die deutsche Firma für mehrere hundert Millionen Dollar kaufte, und damit auch die Verantwortung für die Gasversorgung von einem Zehntel der Haushalte im Vereinigten Königreich übernahm. INEOS Breagh betreibt vier Plattformen in der südlichen Nordsee und ist an 16 Explorationsgenehmigungen beteiligt. INEOS‘ Entscheidung für den Kauf – als alle rundum zu verkaufen schienen – wurde als gewaltiger Schritt auf dem Energiesektor wahrgenommen. Wo andere Untiefen sahen – durch steigende Kosten und sinkende Gewinne – sah INEOS eine enorme Chance. Die Gelegenheit, ein immenses Maß an Know-how zu erwerben – und gleichzeitig die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit dieser Plattformen ohne Abstriche bei der Sicherheit zu verbessern – war einfach zu gut, um darauf zu verzichten. Für die Erweiterung seiner Geschäfte stützt sich INEOS auf sein neues Team von Geologen, Geophysikern und Experten für Bohrlochbau, die nun für INEOS Breagh arbeiten. Das neue Team arbeitet gut mit der INEOS-Gruppe zusammen, weil das Ethos das gleiche ist. „Sicherheit und Effizienz sind für uns oberstes Gebot”, sagt Doug. „Die Design- und Planungsarbeiten vor Beginn des allerersten Bohrlochs waren ausschlaggebend für den Erfolg, man kann sie gar nicht hoch genug einschätzen. Die Zeit, die man aufwendet, bis alles passt, zahlt sich während der Betriebsphase dann aus.” Er sagt, die Pläne – und Notfallpläne für den Ernstfall – sorgen dafür, dass das Team mit den Ungewissheiten beim Fracking umgehen konnte. „Wie immer während der Betriebsphase gilt, dass Sicherheit Vorrang hat, sollte es zu einem Konflikt zwischen operativem Fortschritt und Sicherheit kommen”, so Doug weiter. Für Doug beruht der sichere und effiziente Betrieb auf Team-Kompetenz und effektiver Kommunikation zwischen jenen, die die Bohranlage, das Frackschiff und die Plattform betreiben. „Das ist wichtig, um sicherzustellen, dass jeder zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tut.” Das INEOS Breagh-Team sucht auch routinemäßig nach effizienteren oder neuen Arbeitsweisen. Bei INEOS Breagh versah man das Bohrloch mit einem Filter, damit das Stützmittel (in erster Linie Sand) während der Gasförderung nicht an die Oberfläche kommt. Das bedeutete, dass das Bohrloch gute zwölf Monate früher in Betrieb gehen konnte, bevor eine alternative technische Lösung gefunden wurde. „Diese Bohrlochfilter waren die ersten bei Fracking-Bohrungen im britischen Kontinentalsockel in der südlichen Nordsee”, sagte Doug. „Diese einfache Technik könnte jede Menge Chancen für unsere zukünftigen Schiefergasfelder eröffnen.” Bei Clipper South wurde das Reinigungsgas aus dem Bohrloch verkauft, nicht abgefackelt. „Auch das war für uns eine Premiere”, sagt Doug. „Es erforderte viel Aufwand und Zusammenarbeit innerhalb der Organisation, die Sicherheits- und Fördersysteme zu integrieren, aber wir konnten dadurch nicht nur die CO2-Emissionen um rund 300 Tonnen reduzieren, sondern erzielten auch 4,3 Millionen Pfund an Einnahmen aus dem Gasverkauf.” Die Plattformen, die INEOS mit übernommen hat, sind relativ neu, gut geführt und ferngesteuert. „Das war mit ein Punkt bei der Entscheidung”, sagt Geir Tuft, CEO von INEOS Breagh. Während INEOS weiter in die Energiewirtschaft vordringt, hofft INEOS Shale Wertvolles vom INEOS Breagh-Team zu lernen. „Wir werden gerne die neuen Familienbeziehungen in allen Bereichen nutzen und sowohl Ressourcen als auch Erfahrungen austauschen”, sage Geir. Seit der Übernahme arbeitet er an einem stabilen Plan zur Verbesserung der Effizienz des Unternehmens, insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Gas- und Ölpreise. Vor drei Jahren wurde Öl zum Preis von 110 US-Dollar pro Barrel verkauft; heute sind es weniger als 40 US-Dollar. „Wir müssen mit reduzierten Cashflows fertig werden können, um sicherzustellen, dass das Unternehmen für alles gewappnet ist”, sagte er.

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INEOS kauft Fabrik an der spanischen Küste

INEOS kauft eine Schwefelsäurefabrik in einem der wichtigsten Logistikzentren Europas. Die Übernahme der Fabrik im spanischen Bilbao ist eine gute Ergänzung für INEOS‘ bestehendes Schwefelchemieunternehmen in Runcorn im Vereinigten Königreich, es verdoppelt damit praktisch seine Produktionskapazität. Schwefelsäure ist eine der wichtigsten der von der chemischen Industrie hergestellten Basisverbindungen. Es wird für die Herstellung Hunderter weiterer Verbindungen herangezogen, die von nahezu jedem Industriezweig benötigt werden, etwa für Düngemittel, Reinigungsmittel, Wasseraufbereitung und Batterien. „In früheren Zeiten war der Schwefelsäureverbrauch ein Maß für das BIP eines Landes”, sagt Ashley Reed, CEO von INEOS Enterprises. „Die Nachfrage war eng mit der wirtschaftlichen Gesundheit eines Landes verbunden.” Das dürfte auch heute noch gelten. Im vergangenen Jahr war Spanien die am zweitschnellsten wachsende Wirtschaft in Europa, sein BIP-Wachstum betrug 3,2 Prozent und nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds wird sich Spaniens Aufschwung fortsetzen. „Das sind für uns gute Neuigkeiten, die eine starke Basis für ein Umsatzwachstum in den lokalen Märkten geben sollten”, so Ashley. Das spanische Werk, das jedes Jahr etwa 340.000 Tonnen Schwefelsäure erzeugt, gehört zu den modernsten in Europa und liegt in der Nähe der Raffinerie von Bilbao, die den Großteil des für die Anlage wichtigsten Rohstoffs – den Schwefel - liefert. „Schwefel ist häufig ein unerwünschtes Nebenprodukt bei der Herstellung von Raffinerieprodukten, für sie ist das also ein Entsorgungsweg”, erklärt Ashley. Etwa 25 Prozent der Einnahmen der Anlage stammen aus der Stromerzeugung durch Kraft-Wärme-Kopplung bei Schwefelverbrennung an der Luft. Die Strompreise in Spanien gehören zu den höchsten der Welt und aufgrund neuer spanischer Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien wird die spanische Regierung die Strompreise für das Unternehmen für die nächsten 25 Jahre garantieren. „Das war einer der Gründe, warum INEOS an der Anlage interessiert war”, sagt Ashley. Die Anlage liegt strategisch günstig im Hafen von Bilbao, also ideal für den Export in die ganze Welt. „Es gibt im Umkreis von 400 km um den Hafen keinen anderen Schwefelsäurehersteller”, so Ashley weiter. „Und da die Transportkosten einen erheblichen Teil des Schwefelsäurepreises ausmachen, ist die richtige Lage von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines Schwefelchemiebetriebs.”

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INEOS schafft es alleine

EIN Joint Venture zwischen INEOS und Solvay endet im Laufe dieses Jahres – zwei Jahre früher, als geplant. Die beiden Unternehmen haben seit der Gründung von INOVYN im Juli 2015 so viel erreicht, dass Solvay beschlossen hat, INEOS die Führung des 3,5-Milliarden Euro schweren Geschäfts zu überlassen. „Dank der schnellen und effizienten Integration der Teams und der Anlagen ist INOVYN nun ein solider und nachhaltiger Chlorvinyl-Hersteller”, sagt Jean-Pierre Clamadieu, CEO von Solvay. Das belgische Unternehmen Solvay hatte von Anfang an vorgehabt, INEOS die alleinige Kontrolle über das Unternehmen zu überlassen, ursprünglich aber erst im Juli 2018. INEOS-Vorstandschef Jim Ratcliffe bestätigt, INEOS habe kein Problem mit dem frühen Rückzug: „Chlorvinyl-Hersteller sind für große Petrochemie-Unternehmen wie unseres von entscheidender Bedeutung. Durch diese geplante Übernahme erhält INOVYN einen Eigentümer mit einer langfristigen Vision, die Stabilität für das Unternehmen und seine Mitarbeiter bedeutet.” Die Entscheidung der beiden Unternehmen im Jahr 2015, ihre Chlorvinyl-Herstellung zu fusionieren, war für beide von Vorteil. Die neue Firma INOVYN wurde zu einem der drei führenden PVC-Hersteller der Welt und konnte schnell auf die sich rapide verändernden europäischen Märkte reagieren. INOVYN, das seinen Sitz in London hat, beschäftigt 4.300 Mitarbeiter an 18 Produktionsstätten in acht Ländern. Es produziert jährlich 40 Millionen Tonnen Chemikalien, die in nahezu allen Bereichen des modernen Lebens – im Wohn-, Gesundheits- und Kommunikationsbereich – zum Einsatz kommen.  

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DAMIT DAS LICHT NICHT AUSGEHT: INEOS MÖCHTE SCHIEFERGAS-MYTHEN ZERSTREUEN

INEOS ist heute eines der größten Unternehmen der britischen Schiefergasindustrie. Der Größte zu sein ist leicht. Der Beste und Vertrauenswürdigste zu sein, ist wesentlich schwieriger. Das Vertrauen in Großunternehmen, Banken und Politiker war nie so gering wie heutzutage, daher ist es besonders wichtig, den Respekt der Menschen zurückzugewinnen. Im April letzten Jahres begann INEOS Shale – das nun über behördliche Lizenzen für die Schiefergas-Exploration auf 400.000 Hektar Land in Großbritannien verfügt – seine Mission, die Gemeinden von seinen ehrenhaften Absichten zu überzeugen. „Wir werden lange hier sein”, sagte CEO Gary Haywood. „Es geht hier nicht nur ums Geldverdienen. Wir wollen dazu beitragen, die verarbeitende Industrie in Großbritannien wiederzubeleben, und wir sind überzeugt, dass die hiesige Schiefergasindustrie dazu in der Lage ist.” Gespräche mit schottischen Gemeinden, in denen INEOS in der Nähe seiner Produktionsanlage in Grangemouth Lizenzen für die Exploration Tausender Hektar hat, haben bereits begonnen. Aber während man darauf wartet, dass Schottland das bestehende Fracking-Verbot nach weiteren Prüfungen aufhebt, ist INEOS Shale bereits nach Süden gezogen – nach England. Man hofft, die Menschen in Cheshire, Yorkshire, Derbyshire und den East Midlands von den Vorteilen einer heimischen Schiefergasindustrie überzeugen zu können. „Wir verstehen, dass die Menschen in diesen Gebieten besorgt sind”, sagt Gary. „Und das liegt zum Teil an den vielen Mythen, die über die Schiefergasförderung im Umlauf sind. Wir wollen zeigen, dass man Fracking gut und sicher machen kann, und möchten die Menschen in den Gebieten, für die wir Lizenzen haben, kennenlernen. “ Vor Ort werden Ausstellungen organisiert, bei denen Bewohner die Möglichkeit haben, direkt mit INEOS über das zu sprechen, was in der Nähe ihrer Wohnungen geplant ist. INEOS Shale hat auch eine Reihe von Filmen gedreht, die die Ängste der Menschen zerstreuen sollen. Sie werden bei den Ausstellungen zu sehen sein, bei denen Experten erklären werden, was auf jene Gemeinden zukommt, denen INEOS 6 Prozent der Schiefergaseinnahmen für Investitionen in lokale Einrichtungen versprochen hat. Zur Drucklegung dieser INCH-Ausgabe plante INEOS gründliche 2D- und 3D-Studien des Gesteins in der Grafschaft Yorkshire, um festzustellen, ob Gas vorhanden und zugänglich ist. Sollten die Ergebnisse positiv sein, wird man sich um die Genehmigung für Vertikalbohrungen auf 180 m bemühen, um etwa 7,5 cm breite Bohrkerne zu entnehmen und darin die Qualität und Quantität von Öl und Gas im Schiefer zu untersuchen. „Das ist im Grunde wie das Kernausstechen beim Apfel”, sagt Tom Pickering, Operations Director von INEOS Upstream. „Der Ansatz ist vorsichtig und wissenschaftlich geleitet. Es ist wichtig, alles richtig zu machen.” Sobald INEOS alle benötigten Daten im Detail vorliegen hat, fällt die Entscheidung, ob es wirtschaftlich sinnvoll – und sicher – ist, dort mit dem Fracking zu beginnen: Unter Verwendung von 98 Prozent Wasser, 1,5 Prozent Sand und 0,5 Prozent Zusatzstoffen, die Kalkablagerungen verhindern und das Bohrloch sterilisieren sollen. „Manche Leute behaupten, dass beim Fracking 600 giftige Chemikalien eingesetzt werden, aber das ist überhaupt nicht wahr”, sagt Tom. „Für die meisten Bohrlöcher sind sechs bis zwölf Chemikalien erforderlich. Alle verwendeten Chemikalien müssen in Bauanträgen und Genehmigungen offengelegt und beschrieben werden.” INEOS Shale weiß, dass seine Entscheidung für die Schiefergasexploration es auf Kollisionskurs mit Umweltschützern gebracht hat, die behaupten, Fracking sei gefährlich, rufe Erdbeben hervor, vergifte Trinkwasser und verschmutze die Luft, die wir atmen. Aber das Unternehmen hat sich nie vor Herausforderungen gedrückt, vor allem, wenn es davon überzeugt ist, dass es starke wirtschaftliche und ökologische Argumente gibt. „Eine florierende eigene Schiefergasindustrie wird nicht nur die verarbeitende Industrie in Großbritannien revolutionieren, sie wird auch erstmals seit vielen Jahren für Energiesicherheit sorgen und Tausende Arbeitsplätze in den am stärksten benachteiligten Gebieten schaffen”, sagte Gary. „Wenn wir das schaffen und die Menschen davon überzeugen können, dass die Industrie ohne langfristige Schäden für die Umwelt oder ihre Lebensgewohnheiten arbeiten kann, ist es für alle eine Win-Win-Situation.” Professor Peter Styles, einer von drei Experten, die im Jahr 2011 von der britischen Regierung beauftragt wurden, einen unabhängigen Bericht zu verfassen (nachdem ein anderes Unternehmen durch Fracking kleinere Beben in Lancashire verursacht hatte) glaubt, dass Großbritanniens langfristige Zukunft von den riesigen Schiefergasvorkommen tief unter der Erde abhängt. „Ich glaube nicht, dass den Menschen bewusst ist, wie brisant die Lage im Vereinigten Königreich ist”, sagt er. „Im Moment wird im Vereinigten Königreich etwa zu 80 Prozent mit Gas geheizt und gekocht, die Hälfte dieses Gases importieren wir. Ein Teil davon kommt aus Norwegen, was vermutlich unproblematisch ist, aber das meiste stammt aus Sibirien, das sich im Laufe der Jahre nicht unbedingt als stabilste Lieferquelle erwiesen hat.” Im Januar 2009 führte ein Streit zwischen der Ukraine und Russland über die Erdgaspreise dazu, dass Lieferungen in eine Reihe europäischer Länder vollständig eingestellt wurden. „Wir hatten nur noch einen Vorrat für zwei Tage”, sagt er. „Und in solchen Fällen werden Anlagen wie INEOS ChlorVinyls in Runcorn, die der drittgrößte Gasverbraucher in Großbritannien ist, heruntergefahren, um die heimische Versorgung zu schützen.” INEOS verwendet Gas jedoch nicht nur zum Heizen und für den Betrieb seiner Produktionsanlagen. Gas ist auch ein unentbehrlicher Rohstoff für die Herstellung Tausender wichtiger Produkte, die wir Tag für Tag benötigen. Ohne Gas gäbe es keine Kunststoffe, Medikamente, Gebäude, Autos, Computer, Kleidung oder iPad-Bildschirme. „Das wird bei hitzigen Debatten über die Vorteile der weiteren Verwendung fossiler Brennstoffe oft vergessen”, meint Greet Van Eetvelde, INEOS-Manager von Cleantech Initiatives. „Wichtige Komponenten für viele erneuerbare Energien, zum Beispiel für Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren, können ohne Gas nicht hergestellt werden. Auch wenn wir auf kohlenstoffarme Energie umsteigen, brauchen wir dennoch Gas, um Gegenstände herzustellen.” INEOS Shale verfügt über mehr Lizenzen als jedes andere Unternehmen in Großbritannien und glaubt, dass die meisten Menschen der Schiefergaserschließung offen gegenüberstehen. „Mehr wollen wir nicht”, sagt Tom. „Wir sind nicht selbstgefällig. Wir verstehen die Sorgen der Menschen, doch viele Dinge, die man über Schiefergas liest, sind einfach nicht wahr. Wir freuen uns, wenn Dinge in Frage gestellt werden, wenn die Menschen glauben, dass wir falsch liegen. Es ist verständlich, dass sie es genauer wissen wollen. Das hoffen wir, bei diesen Treffen zu erreichen.” Es wird ein zähes Ringen, weil Anti-Fracking-Gruppen die sozialen Medien mit Meldungen überhäufen. INEOS hofft, zeigen zu können, dass der, der am lautesten schreit, nicht unbedingt am meisten weiß. WARUM INEOS DAS RICHTIGE UNTERNEHMEN FÜR DEN SCHIEFERGASABBAU IN GROSSBRITANNIEN IST Nur WENIGE Unternehmen verfügen über so viel Know-how wie INEOS. Neben seinem Know-how über Tage und im Umgang mit brennbaren Gasen an seinen 65 Produktionsstandorten weltweit hat das Unternehmen auch Know-how unter Tag. Im November erwarb INEOS Gasplattformen – und gleichzeitig ein Team von Bohrfachleuten – in der Nordsee, die bereits genug Gas liefern, um ein Zehntel der Haushalte im Vereinigten Königreich zu heizen. Auch das Team, das mit der Schiefergasförderung in den USA begonnen hat und mittlerweile über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche verfügt, arbeitet für INEOS. Vorstandschef Jim Ratcliffe sagt, er könne nicht verstehen, warum es immer noch so schwierig sei, Menschen von der Unbedenklichkeit der Schiefergasförderung zu überzeugen. „Es gibt eine solche Fülle an Erfahrungen mit Bohrungen und Fracking in Nordamerika, dass alle Bedenken und Vorurteile mittlerweile zerstreut sein sollten”, sagt er. „Mehr als eine Million Bohrlöcher haben in Amerika in den letzten zehn Jahren eine ungeheure Menge an Kohlenwasserstoffen – und an Fracking-Erfahrung – gefördert.” In den frühen Tagen der Schiefergasexploration in Amerika sind Fehler gemacht worden. Ein fehlerhafter Bohrlochaufbau führte zu Wasserverschmutzung und Abwasser von Fracking wurde in offenen, nicht isolierten Gruben zurückgelassen. „Wir haben uns alle diese Fälle angesehen, um sicherzustellen, dass wir nicht die gleichen Fehler machen”, sagt Tom Pickering, Chief Operating Officer von INEOS Shale. Einige US-Unternehmen hatten ihre Bohrlöcher nur mit einer Schicht Stahl versehen. INEOS wird vier Schichten Stahl einsetzen, die ineinander zementiert werden. Andere Unternehmen hatten alte Bohrlöcher wiederverwendet. INEOS wird nur neue Bohrlöcher verwenden. Das Abwasser wurde in offenen Teichen belassen. Abwasser wird von INEOS bis zum Recycling in doppelwandigen Lagertanks aufbewahrt. „Man darf nicht leugnen, dass es Probleme gab – allerdings in den Anfängen der Schiefergasförderung in Amerika, und wir leben nicht in Amerika”, sagte Tom. „Dies hier ist das Vereinigte Königreich, seine Vorschriften gehören zu den strengsten der Welt.” Nach Prüfung der vorliegenden Erkenntnisse urteilt die Royal Society and Royal Academy of Engineering, dass Schiefergas unter den entsprechenden Vorgaben gefahrlos gefördert werden kann. Die Schiefergasförderung ist nicht frei von Risiken und muss vorsichtig erfolgen, aber die Risiken sind überschaubar und mit anderen Praktiken vergleichbar.  

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PLAYMOBIL hält INEOS‘ Lösung für die beste

DEUTSCHLANDS größter Spielzeughersteller, PLAYMOBIL, meinte, INEOS könnte vielleicht helfen – und es wurde geholfen! Das Unternehmen benötigte ein strapazierfähiges, flexibles Material für drei neue Figuren – einen Eisdrachen, einen transparenten rosafarbenen Roboter und einen Piraten. PLAYMOBIL weiß, was INEOS kann, weil die beiden Unternehmen seit Jahren zusammenarbeiten. Aber dieses Mal brauchte man ein Material, das robust, leicht formbar und transparent ist. INEOS Styrolution, weltweit führend im Bereich Styrol-Kunststoffe, schlug Zylar vor, eine seiner Spezialchemikalien – und die passte perfekt. „Das waren besondere Anforderungen, aber wir haben uns immer bemüht, die richtige Lösung zu finden, für jeden Kunden”, sagt Julia Herzog, Marketing Communications Manager. PLAYMOBIL-Figuren gibt es seit 1974. Damals waren es nur drei – ein Bauarbeiter mit gestreiftem Latz, ein Ritter mit silbernem Helm und ein Indianer mit einer Feder im Haar. Seither wurden etwa 4.000 verschiedene Figuren entworfen und drei Milliarden Stück davon in Malta produziert. „Zylar wird immer mehr zum Material der Wahl für Spielzeug”, sagt Peter Rath, Director Sales Construction, Distribution, Compounding & Others, INEOS Styrolution. „Ohne Kunststoffe gäbe es viele Spielsachen und Sportartikel gar nicht erst.” Er erläutert, dass es für INEOS eine Ehre sei, mit einem legendären Spielzeughersteller wie Playmobil zusammenzuarbeiten. Zylar wird derzeit für medizinische Geräte verwendet, findet sich aber auch in der Haushaltstechnik, etwa in Wasserfiltern oder den Wasserbehältern von Kaffeemaschinen.  

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„LAUFENDER” ERFOLG

EINE WELTWEITE Kampagne, Kindern das Laufen schmackhaft zu machen, findet nun dauerhaften Widerhall in Amerika. Die Reaktion auf die Eröffnungsveranstaltungen von GO Run For Fun in Texas im letzten Jahr war so positiv, dass die in Großbritannien ansässige Organisation nun ein eigenes Team für die Organisation von Läufen in den USA gegründet hat. In diesem Jahr hofft das US-Team, 10.000 Kinder aus 17 Schulen für eine Teilnahme an einem der 34 Läufe im Gebiet von Houston zu begeistern. „Das ist unser Ziel, aber wir könnten in diesem Jahr leicht 20.000 schaffen, weil die Nachfrage da ist”, sagt Kathryn Shuler, Manager of Community Relations and Special Projects bei INEOS Olefins & Polymers USA. „Das wird aber unser erstes offizielles Jahr sein und wir müssen sicherstellen, dass wir das erstklassige Programm bieten, das jeder von GO Run For Fun erwartet.” Das US-Team wird die Kampagne auch nach Chicago bringen, in die Nähe von INEOS Styrolution- und Technology-Standorten. Beinahe ein Fünftel der Schüler an Texas Highschools gilt heutzutage als übergewichtig. Mit GO Run For Fun wird bereits etwas dagegen unternommen. Karla Klyng, stellvertretende Schulleiterin an der Alvin Elementary School in Alvin, Texas, erzählt, dass letztes Jahr 155 Kinder – statt der erwarteten 65 – nach der Teilnahme an einer GO Run For Fun-Veranstaltung dem außerschulischen Laufclub „Mighty Milers” beigetreten seien. „Die Kinder können es nicht erwarten, in diesem Jahr wieder bei GO Run For Fun dabei zu sein”, sagt sie. GO Run For Fun wurde vom britischen INEOS-Vorstandschef Jim Ratcliffe gegründet; er ist selbst ein begeisterter Läufer, der Kindern die Freude am Laufen vermitteln und gleichzeitig ihre Fitness verbessern möchte. Fortschritte sieht man bereits in Großbritannien und in Kontinentaleuropa, wo Tausende von Kindern an einem von Hunderten von Kurzstreckenläufen teilnahmen. Und jetzt folgt Amerika, das von seinen Problemen mit Übergewicht weiß, diesem Beispiel . „Fast-Food-Restaurants geben nun die Kalorien ihrer Speisen an und auf Regierungsebene bemüht man sich darum, Kindern 60 Minuten Bewegung am Tag zu verschaffen”, berichtet Kathryn. Aber Essen ist nicht das einzige Problem, das den Sportlehrern in den USA Kopfzerbrechen bereitet. „Sie sagen, Videospiele seien ebenfalls ein gefährlicher Zeitvertreib.” Mary Meyer, Sportlehrerin an der Longfellow Elementary in Alvin, Texas, sagte zu INEOS: „Die Kinder sind so an Videospiele gewöhnt, dass sie auch in einer Pause draußen nur sitzen. Sie wissen gar nicht mehr, wie man läuft und spielt.” Aber die Teams hinter der mittlerweile weltweit größten Laufinitiative für Kinder sind überzeugt davon: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Die US-Kampagne blickt bereits auf ein ganzes Heer von inspirierenden Unterstützern, darunter 1000-Meter-Weltmeister Bernard Lagat, Olympia-Sprinter Wallace Spearmon und Astronaut Mario Runco, der in den 90er-Jahren an drei Space-Shuttle-Missionen teilgenommen hat. Letztes Jahr besuchte Wallace Spearmon, derzeit der siebtschnellste Läufer der Welt, mehrere GO Run For Fun-Veranstaltungen in Texas. Er erzählte den Kindern, wie er es zweimal nicht geschafft hat, einen Platz in der Leichtathletikmannschaft seiner High School zu erobern: „Es war nur die moralische Unterstützung durch meinen Vater, die mich weiter laufen und trainieren ließ. Es war hart, aber ich blieb dran.” Und schließlich schaffte er es ins Olympia-Team der USA. Um den langfristigen Erfolg der amerikanischen GO Run For Fun-Kampagne zu gewährleisten, wurde auch hier eine gemeinnützige Stiftung eingerichtet. Die wichtigste Initiative der INEOS ICAN-Stiftung, einer ehrenamtlichen Organisation für Fitness und gemeinnützige Aktionen, ist weiterhin GO Run For Fun. Die Stiftung wird aber auch das jährliche, von den Beschäftigten organisierte Wohltätigkeits-Golfturnier von INEOS Olefins & Polymers USA unterstützen und Schulen Mittel für den erweiterten Unterricht von Naturwissenschaften, Technik und Mathematik in ihren Klassen zur Verfügung stellen. Die Houston Marathon-Stiftung ist bereits offizieller Unterstützer, zusammen mit Houstons Profi-Damenfußballmannschaft, „The Houston Dash” die motivierende Botschafter zu den Veranstaltungen dieses Frühjahrs entsandt hat. „Auf diese Weise können wir Kindern zeigen, dass Laufen nicht nur wenig kostet und Spaß macht, sondern auch fester Bestandteil vieler toller Sportarten ist”, erklärt Kathryn. Auch viele Eltern wollen die Kampagne unbedingt unterstützen. „Leider haben einige unserer Zielschulen nicht so viele Unterstützer unter den Eltern wie andere. Viele liegen in Gegenden, in denen Eltern mehr als einen Job ausüben, um über die Runden zu kommen. Aber es ist wirklich wichtig, allen Eltern begreiflich zu machen, wie wichtig gute Bewegungsgewohnheiten sind.” Um die Botschaft über die Vorteile von Laufen und Bewegung für Körper und Seele zu verbreiten, wird INEOS Informationsbroschüren in englischer und spanischer Sprache veröffentlichen. Veranstaltungen wird es in diesem Jahr an 17 öffentlichen Grundschulen in den Schulbezirken Alvin Clear Lake und La Porte geben, neun Lauftage fanden im Schulbezirk Alvin bereits im April dieses Jahres statt. Aber INEOS blickt bereits in die Zukunft und möchte bis 2017 15.000 Kinder und bis 2018 20.000 ansprechen. Mit einem derart begeisterten Team sollte das kein Problem sein. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, Kinder zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren”, sagt Dennis Seith, CEO INEOS Olefins & Polymers USA. „Gesunde, aktive Kinder arbeiten in der Schule im Allgemeinen besser mit und sind erfolgreicher. Die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten vermittelt auch Teamgeist, Verantwortung, Fairness und den Antrieb, sein Bestes zu geben.” GO Run For Fun-Botschafter Bernard Lagat kann dem nur zustimmen. „Laufen war für mich eine wunderbare Möglichkeit, die Welt zu sehen”, sagt er. „Aber diese Kampagne ist mehr als nur Spaß am Laufen. Sie vermittelt Kindern die Bedeutung einer gesunden Lebensweise.”   video  

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DIE MILLIONENFRAGE

FÜR einen Atheisten ist Professor Peter Atkins stark vom Glauben geprägt. Doch er glaubt nicht an Gott, sondern an die chemische Industrie. Und an den wichtigen Beitrag, den sie in der Welt von heute und von morgen leisten kann. „Ohne chemische Industrie würde der Welt die Farbe fehlen”, sagt er. „Wir würden unter Steinzeitbedingungen leben, wären unterernährt, in Felle gekleidet, ohne die vielen Geräte, die unser Leben erleichtern und uns unterhalten. Unser Leben wäre kurz und schmerzvoll.” Der emeritierte Chemieprofessor der Universität Oxford in Großbritannien hält Chemie für enorm wichtig für uns alle. Doch leider werde Chemie oft falsch verstanden. „Die meisten Menschen wissen rein gar nichts darüber, wie die Produkte, die sie im Alltag verwenden, hergestellt werden”, sagt Lawrence D. Sloan, Präsident und CEO der Society of Chemical Manufacturers and Affiliates. „Für mich, der ich mein ganzes Berufsleben lang Teil der chemischen Industrie gewesen bin, ist das extrem frustrierend.” Die petrochemische Industrie wandelt Rohstoffe wie Wasser, Öl, Erdgas, Luft, Metalle und Mineralien in komplexere Produkte um, die die Hersteller dann wiederum – für die Erzeugung all derjenigen Produkte verwenden, die wir wollen, brauchen und täglich benutzen. Wenn man genau hinschaut basiert mehr als 96 Prozent von allem, was in der Welt hergestellt wird, auf Chemikalien. Ein Teil des Problems für die chemische Industrie besteht darin, dass die Öffentlichkeit sie nicht als eine der wichtigsten Industrien der Welt ansieht – und das ist eine Wahrnehmung, die sich ändern muss. „Wie man das ändern kann, ist und bleibt die Millionenfrage”, so Lawrence. „Unsere Organisation und andere, ähnliche Organisationen stehen vor der großen PR-Herausforderung, unsere gewählten Amtsträger regelmäßig zu informieren und für unsere Branche einzutreten, so dass ihre entscheidende Bedeutung für die Gesellschaft verstanden wird. Denn keine andere Branche trägt so viel zur modernen Welt bei wie wir.” Er beschrieb die chemische Industrie als den „stillen Helden”. „Zu viele meinen, die Industrie übernehme keine Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter oder für die Umwelt”, sagt er. „Aber es ist absurd zu glauben, dass die Industrie sich selbst schaden möchte, nur um die Gewinnspannen um einen oder zwei Prozentpunkte zu erhöhen.” Beim alljährlichen Dinner des britischen Verbands der chemischen Industrie sagte INEOS Communications Director Tom Crotty vor den Delegierten: „Wenn die Regierung tatsächlich hinter einer Renaissance der verarbeitenden Industrie steht, dann muss sie begreifen, dass eine florierende Chemieindustrie entscheidend ist.” Denn die Produkte und Technologien der chemischen Industrie werden zur Herstellung verschiedenster Dinge, von Lacken über Kunststoffe und Textilien bis hin zu technischen Geräten, Arzneimitteln und Mobiltelefonen verwendet. Doch als energieintensive Industrie braucht sie, wenn sie überleben soll, Zugang zu kostengünstiger Energie. Das ist in Amerika kein Problem, wo die verarbeitende Industrie derzeit eine Renaissance erlebt, weil die Preise für die von den Produzenten benötigten Rohstoffe dank großer Mengen von preiswertem Schiefergas gesunken sind. Aber es ist ein Problem für Europa, wo die Energiekosten außer Kontrolle geraten sind und die Hersteller auf dem Weltmarkt kaum noch mithalten können. Tom, der auch Präsident der CIA (Chemical Industries Association, britischer Verband der chemischen Industrie) ist, meint, Großbritannien müsse in Sachen Energieversorgung dringend etwas unternehmen, um seine chemische Industrie neu zu beleben. In einer aktuellen Umfrage zur britischen Glas- und Verglasungsindustrie durch Pilkingtons UK gelten die steigenden Materialkosten – bedingt durch die Energiekosten – als das derzeit „größte Hindernis” für die Unternehmen. Dies sei nach ihren Angaben auch die größte Herausforderung für die nächsten zwei Jahre. Die Bedeutung der chemischen Industrie, die die Rohstoffe für die verarbeitende Industrie liefert, ist daher nicht zu unterschätzen. Die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Innovation setzt sehr oft genau hier an. „Die Leute nehmen die unglaublichen wissenschaftlichen Entdeckungen als selbstverständlich hin, die die spezialisierte chemische Industrie weiterhin macht und die zum Beispiel für Elektronik, lebensrettende Medikamente und Niedrigenergie-Häuser zum Einsatz kommen, ohne die wir uns ein Leben nicht mehr vorstellen können“, sagt Lawrence. INEOS beschäftigt 17.000 Menschen an 65 Standorten in 16 Ländern und ist stolz auf seine Leistung, das Leben der Menschen einfacher und komfortabler gemacht zu haben. INEOS stellt unter anderem her: Lösemittel, die bei der Produktion von Insulin und Antibiotika verwendet werden. Effiziente und effektive Biokraftstoffe für den modernen Verkehr. Chlor für die Reinigung von Trinkwasser. Synthetische Öle, die zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen. Moderne, starke und zugleich leichte Kunststoffe für Verpackung, Schutz und Haltbarkeit von Speisen und Getränken. Materialien für die Isolierung von Häusern, Büros, Elektro- und Telekommunikations-Leitungen. Produkte, die den Bau von Autos ermöglichen, die weniger Kraftstoff verbrauchen – was wiederum zur Reduktion der CO2-Emissionen beiträgt. Die Liste ließe sich fortsetzen – so wie die Arbeit hinter den Kulissen fortgesetzt wird, um innovative Lösungen für die vielen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft zu finden. „Chemische Produkte und Technologien kommen in fast allen Bereichen der Weltwirtschaft zum Einsatz”, sagt ein Sprecher der International Congress and Convention Association (ICCA), der globalen Stimme der chemischen Industrie. „Mit dem Wachsen der Weltwirtschaft steigt auch die Nachfrage nach Produkten der chemischen Industrie. Dieses Wachstum treibt die Produktinnovation voran, die Branche bringt jedes Jahr neue Produkte heraus und bemüht sich zugleich, die Produktionsprozesse zu verbessern und die Ressourcen effizienter einzusetzen.” Im Jahr 2014 investierte der amerikanische Chemieverband (ACC) 59 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung, das entspricht mehr als 185 US-Dollar pro Person in den Vereinigten Staaten. „Wir investieren mehr in Innovationen als die Elektronik-, Kfz- und die Gesundheitsindustrie”, sagt Cal Dooley, CEO und Präsident des ACC. „Chemieunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig neue, originelle und innovative Ideen auf den Markt zu bringen – das wird morgen nicht anders sein.” Der ACC meint allerdings, für die Fortsetzung der bahnbrechenden Arbeit der chemischen Industrie müssten die USA sich auch für eine Energiestrategie entscheiden, die die heimischen Energieressourcen einschließlich der enormen Schiefergasvorkommen, nutzt. Dieser Ansicht ist auch Steve Elliott, Chief Executive der Chemical Industries Association. Er wünscht sich, dass Großbritanniens 50-Milliarden-Dollar-Chemieindustrie die Energie im eigenen Boden nutzt, statt auf importiertes Erdgas zu setzen. „Die Schiefergasvorkommen des Vereinigten Königreichs werden für eine sicherere Gasversorgung und für mehr Beschäftigung und Wachstum sorgen”, sagt er. „Ohne dieses Schiefergas werden die Gasimporte bis zum Jahr 2030 voraussichtlich 75 Prozent des Bedarfs erreichen. Britisches Schiefergas wird die Versorgung aufrechterhalten, während das Vereinigte Königreich den Übergang zu einer grünen Wirtschaft bewältigt.” Als einer der weltweit größten Wirtschaftszweige – 2014 lag der Umsatz bei über 5,4 Billionen Dollar – hat die chemische Industrie tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt, in der wir leben, und das wird auch in Zukunft so sein, wenn sich die Gesellschaft bemüht, eine gesündere, sicherere und nachhaltigere Welt zu schaffen. „Leider hat das Wort ‚grün’ für die Menschen unterschiedliche Bedeutungen”, findet Lawrence. „Manche denken, eine chemische Fabrik könne von Natur aus niemals ‚grün’ sein, weil dort mit Chemikalien gearbeitet wird, was von vornherein schlecht ist.” Die chemische Industrie weiß, dass sie die öffentliche Wahrnehmung ändern muss, wenn die Menschen begreifen sollen, wo diese Industrie ihren Platz im modernen Leben hat. „In allen Industrieländern steht hinter einer leistungsfähigen verarbeitenden Industrie eine starke, wettbewerbsfähige chemische Industrie, weil Chemikalien und Materialien wesentliche Bestandteile sind, auf denen die Fertigung aufbaut”, sagt Steve. „Ohne deren Prozesse und ‚Baustein’-Produkte könnte der Rest der Produktion gar nicht stattfinden.” Er meint, die Industrie sei zwar energieintensiv, ihre Produkte würden jedoch über ihre Lebensdauer mehr als zweimal so viel Energie einsparen wie zu ihrer Herstellung benötigt wird. „Wir bringen die grüne Zukunft”, sagte er.

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DIE „DAILY MILE” GEWINNT AN BODEN

Die Vision einer ehemaligen Schulleiterin, jedes Kind in jeder Schule im Vereinigten Königreich jeden Tag mit Freude eine Meile laufen zu lassen, hat eine Hürde genommen – unter anderem dank der GO Run For Fun-Stiftung. Vor vier Jahren war Elaine Wyllies Grundschule in Stirling, Schottland, die einzige Schule in Großbritannien, an der die Schüler eine Meile am Tag, ihre „Daily Mile”, wie sie es nannte, liefen. Doch jetzt erhielt ihre Kampagne für eine gesündere und schlankere Generation formal die Unterstützung der schottischen Regierung für alle Grundschulen – und weitere Schulen aus allen Teilen des Vereinigten Königreichs melden sich täglich. „Wir arbeiten daran, ein nationales Netzwerk aufzubauen, und wissen über die sozialen Medien bereits von Hunderten von Schulen, die interessiert sind”, berichtet Ursula Heath, Group Communications Officer, die auch mit der GO Run For Fun-Stiftung zusammenarbeitet. „Wir arbeiten mit Elaine und unserem GO Run For Fun-Netzwerk daran, die Aktion in ein nationales Programm zu verwandeln”, so Ursula. „Es ist unglaublich aufregend, die Fortschritte zu beobachten, in dem Wissen, dass wir langfristig für die bessere Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder im Vereinigten Königreich arbeiten.” Elaine, die jetzt im Ruhestand ist, bemüht sich, noch mehr Schulleiter dafür zu begeistern. „Es sind letztlich die Schulleiter, die die Teilnahme an der „Daily Mile” initiieren; Elaines besondere Lehrerlaufbahn und ihre Leidenschaft für ihre Sache motivieren andere zum Mitmachen”, weiß Ursula. AM 17. März 2016 wurde die Stiftung „Daily Mile” in der Hallfield Primary School in Westminster, London, mit Unterstützung durch die GO Run for Fun-Stiftung offiziell gegründet. „Es ist unser Traum, dass eines Tages jedes Kind in Großbritannien die Möglichkeit haben wird, täglich in der Schule zu laufen”, fasst Ursula zusammen. Unmittelbar hofft man, dass die britische Regierung die Vorteile einer Aufnahme der „Daily Mile” in den nationalen Lehrplan erkennen wird, wenn es darum geht, der zunehmenden Fettleibigkeit in Großbritannien zu begegnen. Man geht davon aus, dass ein Drittel der Kinder in Großbritannien heute als übergewichtig oder fettleibig einzustufen ist. „Wir denken, dass diese Kampagne bei der Bewältigung dieses Problems enorm viel bewirken kann”, so Ursula weiter. Besuchen Sie die Website der „Daily Mile” unter: www.thedailymile.co.uk. Folgen Sie der Kampagne auf Twitter @thedailymile und Facebook www.Facebook.com/thedailymileforschools video

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DAS GESCHENK, DAS KEIN ENDE NIMMT

NIEMAND hätte vorhersagen können, dass die Beharrlichkeit eines Mannes den Lauf der Geschichte verändern würde. Aber die Nachwirkungen von Ingenieur Nick Steinsbergers Arbeit im Barnett Schiefergasfeld – wo er vor 20 Jahren die perfekt zusammengesetzte Fracturing-Flüssigkeit für die Extraktion von Gas aus mehr als 3.000 Meter unter der Erde liegendem Schiefer gefunden hatte – sind noch heute spürbar; nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt. „Ich glaube nicht, dass es nur an mir liegt, und ich hätte auch ursprünglich nie gedacht, dass das passieren würde”, erzählt er dem INCH-Magazin in seinem Büro in Fort Worth, Texas. „Damals war ich nur auf der Suche nach einer Lösung. Erst mit der Zeit begriff ich, von welch enormer Bedeutung diese Errungenschaft war. Es ist ein gutes Gefühl, zur Versorgung der Welt mit so viel preiswertem Gas beigetragen zu haben.” Diese Revolution – sie wird oft als die außergewöhnlichste Erfolgsgeschichte im Energiesektor der US-Geschichte bezeichnet – brachte den USA enorme Vorteile. Für die petrochemische Industrie, einen der größten Gasverbraucher der Welt. Für die verarbeitende Industrie, die einen neuen Aufschwung erlebte. Für Gebiete, die besonders hart von der Rezession betroffen waren. Und völlig unerwartet – für die Umwelt. Vor zwanzig Jahren gab es im Barnett Gasfeld 250 Bohrlöcher zur Suche nach Schiefergas und Öl; heute sind es mehr als 200.000. Für Amerikas petrochemische Industrie war die Entdeckung der riesigen, ungenutzten Schiefergas-Reserven phänomenal. „Die Investitionen der US-Chemieindustrie in Schiefergas haben mittlerweile 158 Milliarden Dollar erreicht”, sagt Cal Dooley, Präsident und CEO des American Chemistry Council. Per Januar dieses Jahres sind 262 Projekte in Form neuer Fabriken, Erweiterungen und Prozessänderungen zur Erhöhung der Kapazität angekündigt worden. Die petrochemische Industrie benötigt Erdgas zum Heizen und für den Betrieb ihrer Produktionsanlagen. Das Gas ist aber nicht nur Energielieferant. Es ist auch Rohstoff für die Herstellung Tausender wichtiger Produkte, die wir tagtäglich brauchen. Ohne sie gäbe es keine Autoteile, keine Verpackung, keine Medizinprodukte, keine Reifen, kein Glas, keine Kleidung und keine iPad-Bildschirme aus Kunststoff. „Das vergisst man oft in all den hitzigen Debatten über die Vorzüge der weiteren Nutzung von Gas”, sagt Greet Van Eetvelde, INEOS Head of Energy and Innovation Policy. „Auch viele Komponenten zur Erzeugung erneuerbarer Energien wie z.B. Rotorblätter für Windkraftanlagen und die Schmierstoffe in deren Getriebe können nicht ohne Gas und Öl hergestellt werden.” Schiefergas macht diese Herstellung deutlich billiger. „Der neue Aufschwung der US-Chemieindustrie hat gerade erst eingesetzt”, schrieb Kevin Swift, Chef-Ökonom des American Chemistry Council, im Situationsbericht und Ausblick der Chemieindustrie zum Jahresende 2015. „Die Grundlagen sind fest. Die wichtigen heimischen Endverbrauchermärkte haben expandiert, die Verbraucherausgaben sind gestiegen, der Arbeitsmarkt ist stabiler geworden und die Haushalte sind in den Genuss zusätzlicher Einsparungen durch niedrigere Energiekosten gekommen.” INEOS ist mit 17 Produktionsstätten in den USA daran beteiligt. Die neue Anlage von INEOS und Sasol im INEOS Battleground Manufacturing Complex bei LaPorte in Texas dürfte noch in diesem Jahr rentabel werden. Die Anlage – ein 50/50-Joint Venture – wird in der Lage sein, pro Jahr 470.000 Tonnen Polyethylen hoher Dichte für den amerikanischen Markt herzustellen. Mit dem zu erwartenden Standortwachstum kann INEOS auch die geplanten Investitionen in eine kraftstoffeffizientere Kraft-Wärme-Kopplung umsetzen; dies wird dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu senken. The Boston Consulting Group veröffentlichte im Dezember den Bericht „Made In America, Again”. „Die Zahl der Unternehmen, die ihre Produktion aktiv zurück in die USA verlegen, nimmt weiter zu”, sagte ein Sprecher. „Die USA haben sogar China als wahrscheinlichstes Ziel für neue Produktionskapazitäten übertroffen.” Das liegt zum Teil an niedrigeren Energiekosten durch Schiefergas und steigende Löhne in China. Apple, das weltgrößte Technologie-Unternehmen, nennt dies als Begründung für seine Entscheidung, die Herstellung des MacPro – der als leistungsfähigster Mac aller Zeiten bezeichnet wird – nach Texas zu verlegen. Die Situation ist so ganz anders als vor einem Jahrzehnt, als die USA für die Kunststoffhersteller zu den teuersten Orten der Welt zählten. „Heute ist Amerika einer der attraktivsten Orte der Welt für Investitionen in die Kunststoffproduktion”, sagt Steve Russell, Vizepräsident Kunststoffe bei ACC, letztes Jahr. „Selbst nach dem jüngsten Rückgang des Ölpreises hat unser Land einen entscheidenden Vorsprung.”   Amerika möchte nun von diesen Investitionen profitieren und in die ganze Welt verkaufen. Cal Dooley bezeichnete das im letzten Jahr als den „sichersten Weg zu einer stärkeren Wirtschaft und neuen Arbeitsplätzen”. Das globale Beratungsunternehmen Nexant rechnet mit einer deutlichen Zunahme der amerikanischen Chemie-Exporte in den nächsten 15 Jahren. In seinem Bericht „Fuelling Export Growth” für 2015 nennt es Absätze in Höhe von 123 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2030 – mehr als das Doppelte von dem, was Chemieunternehmen 2014 exportiert haben. Aber auch Amerikaner haben zusehends Appetit auf Produkte „Made in USA”. Einer, der das versteht, ist Harry Moser, ein Veteran der verarbeitenden Industrie und ehemaliger Präsident des Werkzeugmaschinen-Herstellers GF AgieCharmilles, der im Jahr 2010 die „Reshoring Initiative” gründete, um Unternehmen bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Rückkehr in die USA zu helfen. „Ich hatte mit Bestürzung beobachtet, wie mehr und mehr Arbeitsplätze aus den USA zunächst nach Japan, dann Mexiko, Taiwan, Korea und schließlich China abgewandert sind”, sagt er. „Die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft waren schrecklich, in der verarbeitenden Industrie gingen Millionen Arbeitsplätze verloren. Die Vereinigten Staaten waren einmal die treibende Industriemacht gewesen, ich war in dieser großartigen Zeit aufgewachsen.” Seit Gründung seiner Reshoring Initiative sind etwa 1.000 Unternehmen zurückgekehrt, und mit ihnen fast 100.000 Arbeitsplätze. „Ich freue mich sehr über die Resonanz im Land und seitens vieler Unternehmen”, so Harry. „Leider verharren jedoch viele Unternehmen noch im Modus des günstigsten Einkaufspreises, anstatt die Gesamtkosten zu berücksichtigen. Es wird Jahrzehnte dauern, diese MBA-Mentalität zu überwinden.” Apples Entscheidung, seine MacPro in Amerika herzustellen, war Teil von CEO Tim Cooks 100-Millionen-Dollar-Initiative „Made in USA”. „Wir wollen den MacPro hier nicht nur zusammenbauen”, sagt er. „Wir wollen das ganze Ding hier herstellen. Das ist eine große Sache.” Im Januar dieses Jahres kündigte Bollman, Amerikas älteste Hutfabrik an, dass 41 Arbeitsplätze aus China zurück in das Werk in Adamstown, Pennsylvania, verlegt werden. Im November hatte es einen Aufruf an die Öffentlichkeit gegeben, 100.000 US-Dollar für den Import von 80 im Jahr 1938 gebauten Strickmaschinen aufzubringen, die den Stoff für den berühmten Kangol 504 der Firma herstellen. Die Öffentlichkeit zog vor der Haltung der Firma den Hut – und machte mit. „Die Rückverlagerung ist der schnellste und effizienteste Weg, die US-Wirtschaft zu stärken, denn sie zeigt, dass die verarbeitende Industrie Zukunft hat”, sagt Harry. „Ohne verarbeitende Industrie wird ein Land Schritt für Schritt ärmer.” Aber nicht nur die Industrie profitiert von günstigen Rohstoff- und Energiepreisen. Schiefergas hat Orte regelrecht revitalisiert; auch solche, die von der Rezession besonders hart betroffen waren. Die Associated Petroleum Industries of Pennsylvania meinen, die Gasförderung habe Pennsylvania Hunderttausende Jobs gebracht, jährlich 34,7 Milliarden Dollar zum Haushalt des Staates beigetragen und den Gewinn von mehr als 1.300 Unternehmen aller Größen in der gesamten Energieversorgungskette gesteigert. „Die sichere und verantwortungsbewusste Gasförderung ist gut für die Wirtschaft unseres Staates, für die lokale Wirtschaft und für die Einwohner Pennsylvanias gewesen”, meint Executive Director Stephanie Catarino Wissmann. „Und so soll es bleiben.” In Marcus Hook, dem ehemaligen Standort einer Erdölraffinerie, deren Schließung 2011 mit dem Verlust von 500 Arbeitsplätzen einherging, ist die Aufregung groß. Die ehemalige Raffinerie, die 109 Jahre lang Benzin, Diesel und Kerosin produziert hatte, wird in ein wichtiges Zentrum für die Verarbeitung und Verschiffung von verflüssigtem Erdgas umgewandelt – dank der Verbindung zur Marcellus- Schiefergasindustrie. „Der Stillstand der Marcus Hook-Raffinerie war für den Ort Marcus Hook, für die Sunoco-Familie und für die gesamte Region schwer zu verkraften”, fasst Hank Alexander, Vice President Business Development der Sunoco Logistics Partners LP, zusammen. „Aber jetzt ist wieder Leben in der Stadt, von Restaurants in der Innenstadt bis zu lokalen Vertragsfirmen. Einige der Arbeiter, die 2011 arbeitslos wurden, arbeiten sogar wieder in der Anlage.” Sunoco Logistics hatte die alte Raffinerie im Jahr 2013 mit der Absicht gekauft, eine Verbindung zum Marcellus-Schiefergasfeld herzustellen, das nun fast 20 Prozent des amerikanischen Erdgases liefert – im Vergleich zu Null vor zehn Jahren. Das Management war überzeugt davon, dass die vorhandene Infrastruktur für Schiff, Bahn, LKW und Pipeline als Drehscheibe für verflüssigtes Erdgas prädestiniert sei. „Wir wollten Produktionsunternehmen entwickeln, die wieder Arbeitsplätze schaffen und die verarbeitende Industrie der Region wiederbeleben”, sagt Hank. „Der Schiefergas-Boom hat Städte wie Marcus Hook wieder mit Leben erfüllt.” Mario Giambrone ist der Eigentümer von Italiano’s Restaurant in Marcus Hook. „Beschreiben Sie es, wie Sie wollen, in verkauften Brötchen oder Pizzas, es ist auf jeden Fall ein Segen für diese Stadt und für mein Geschäft”, freut er sich im Gespräch mit dem Herstellerverband von Pennsylvania. David Taylor ist Präsident dieser Vereinigung, die die verarbeitende Industrie in Pennsylvania vertritt. „Der Energiesektor hat Pennsylvanias Wirtschaft während der Rezession und in den letzten Jahren fast im Alleingang über Wasser gehalten”, so sein Hinweis. Die Energieförderung aus dem Marcellus- Schiefergasfeld hat das nahegelegene Williamsport zu der am siebt-schnellsten wachsenden Metropolregion in den USA gemacht. Dr. Vince Matteo, Präsident und CEO der Williamsport Lycoming Chamber of Commerce and Industrial Properties Corporation, sagt, die überwiegende Mehrheit der Menschen vor Ort haben den Schiefergas-Boom positiv aufgenommen: „Er machte für uns den entscheidenden Unterschied. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Mit einem Mal kamen mehr als 85 Betriebe in unser County, was zur Eröffnung von unzähligen Restaurants und vier neuen Hotels geführt hat.” In der Zwischenzeit wurde Williston, vormals ein verschlafenes Städtchen in North Dakota, infolge des Öl-Booms plötzlich zur am schnellsten wachsenden Kleinstadt Amerikas – auch hier neue Restaurants, neue Geschäfte und neue Gesichter. Die Gemeinden profitieren auch von den unerwarteten Einnahmen durch Firmen, die nach Schiefergas bohren, und können in Verbesserungen investieren, die sonst nicht möglich gewesen wären. „Diese neue Einnahmequelle hat uns enorm viel gebracht”, sagt Lisa Cessna, leitende Direktorin der lokalen Planungskommission in Washington County der Associated Press. „Wir konnten Angelstege, Spielplätze und Wanderwege anlegen.” Lisa fasst zusammen, dass es zwar Beschwerden über Bohrstellen auf öffentlichem Grund gegeben, das Endergebnis aber die negativen Seiten überwogen habe. „Es kann funktionieren”, meint sie. „Der Weg ist ein wenig holprig. Einige Leute regen sich auf. Wir bestehen auf besonderen rechtlichen Formulierungen, die uns die Kontrolle über viele Bereiche des Bohrvorgangs geben. Wir genehmigen jede Pipeline, jeden Bohrplatz, jede Zufahrtsstraße. Das ist arbeitsaufwändig, aber es lohnt sich. Am allerwichtigsten ist es, die volle Kontrolle zu behalten.” Eine der größten Überraschungen war jedoch die Wirkung des Schiefergases auf die Luft, die wir einatmen – Amerikas CO2-Emissionen sanken 2012 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Der Grund? Anstelle von Kohle, die doppelt so viel CO2 emittiert, wurde Gas zum Brennstoff der Wahl für die Stromerzeugung. Trotz all dieser Vorteile sind nicht alle – vor allem nicht jene ganz oben – Verfechter von Schiefergas. „Präsident Obamas Ablehnung fossiler Brennstoffe hindert ihn daran, den bemerkenswertesten Erfolg auf dem Energiesektor in der Geschichte der USA, vielleicht in der ganzen Weltgeschichte, anzuerkennen”, sagt Dr. Mark Perry, Wissenschaftler am American Enterprise Institute und Wirtschaftsprofessor an der University of Michigan. „Aber wir brauchen einen Präsidenten, der das anerkennt.” Dr. Perry zufolge habe Schieferöl Amerikas Abhängigkeit von ausländischem Öl und Erdöl aus oft instabilen Teilen der Welt wesentlich reduziert. Es habe zur Senkung der Treibstoffpreise beigetragen und verhindert, dass die große Rezession noch schlimmer ausfällt und deutlich länger dauert. „Die heimische Energieproduktion schafft Arbeitsplätze in den USA, beschert den Grundbesitzern Lizenzgebühren und den Regierungen Steuereinnahmen – auf bundesstaatlicher, lokaler und gesamtstaatlicher Ebene. Durch den Rückgang der US-Gaspreise auf ein Sieben-Jahres-Tief ersparen sich die amerikanischen Verbraucher in diesem Jahr durch die niedrigeren Energiekosten mehr als 100 Milliarden Dollar.”

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SCHWIERIGE ZEITEN

Für eine Nation, die den Weg in die Industrialisierung und Massenproduktion im 18. und 19. Jahrhundert anführte, ist die Wahrheit schwer zu ertragen. Zum ersten Mal ist der Anteil der Produktion an der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs auf 9,4 Prozent gefallen – den tiefsten jemals verzeichneten Prozentsatz. INEOS-Gründer und Vorstandschef Jim Ratcliffe, der im industriellen Norden Englands aufgewachsen ist, bereitet das große Sorgen. „Wir beobachten den langsamen Tod der verarbeitenden Industrie in diesem Land”, sagt er. „In einer einzigen Generation haben wir die Hälfte unserer verarbeitenden Industrie verloren.” Vor zwanzig Jahren lagen wir gleichauf mit Deutschland, wo die Produktion immer noch stark ist. „Dieser Erdrutsch in der britischen Produktion mag im ‚dienstleistungsreichen’ London und in den meisten Teilen Südenglands kaum wahrgenommen werden, für viele Teile von Nordengland, Wales und Schottland ist er aber eine Katastrophe in Zeitlupe.” Im Oktober letzten Jahres wurde das Redcar Stahlwerk in Teesside geschlossen und 2.200 Arbeitsplätze gingen verloren, nachdem Sahaviriya Steel Industries UK, der thailändische Eigentümer der Anlage, in Konkurs gegangen war. Die Labour-Abgeordnete Anna Turley beschrieb das in der Zeitung The Northern Echo als „Tragödie für Menschen und Industrie”. „Mit dem Stahl ist es in Teesside vorbei”, sagte ein Mann, der 30 Jahre im Werk gearbeitet hatte. In den 1970er-Jahren haben mehr als 200.000 Menschen in der britischen Stahlindustrie gearbeitet. Heute sind es etwa 30.000, aber ihre Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher. Im Januar wurden weitere Personalreduzierungen angekündigt. Tata Steel bestätigte 750 Arbeitsplatzverluste in Port Talbot in Wales, Hunderte werden zusätzlich in den Werken in Scunthorpe, Trostre, Corby und Hartlepool abgebaut. Eine Flut billiger chinesischer Importe – die Stahlproduktion wird in China subventioniert –, die Stärke des britischen Pfunds und hohe Energiekosten in Großbritannien tragen dafür die Hauptverantwortung. Was auch immer der Grund sein mag, der Trend ist besorgniserregend. „Wenn wir den Rückgang der Produktion stoppen oder sogar zum Wachstum zurückkehren wollen, müssen wir Unternehmen gute Gründe für Investitionen in Großbritannien geben”, sagt Jim. „Wir brauchen kostengünstige Energie, qualifizierte Arbeitskräfte, attraktive Steuern und eine Regierung, die das ermöglicht.” Er sagt, Großbritannien brauche das, was Marketing-Fachleute als USPs (Unique Selling Proposition) bezeichnen – Alleinstellungsmerkmale. „Deutschland hat sie”, meint er. „Es hat hoch qualifizierte Arbeitskräfte, liegt im Herzen Europas, verfügt über eine großartige Produktionsinfrastruktur und kompetente Zulieferer. Amerika hat dank Schiefergas billige Energie, qualifizierte Arbeitskräfte und den größten Markt der Welt. China hat Wachstum, billige Arbeitskräfte und einen riesigen Markt.” Es ist nicht das erste Mal, dass Jim über Großbritanniens Unvermögen spricht, das Land den Investoren schmackhaft zu machen. Vor drei Jahren warnte er, Großbritannien sei kein attraktiver Ort für die verarbeitende Industrie. In einem Interview mit Alistair Osborne, dem Wirtschaftsredakteur des Daily Telegraph, nannte er den hohen Preis für Energie. Und das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die INEOS-Anlage in Runcorn, die das Chlor für 95 Prozent des britischen Wassers liefert, so viel Energie verbraucht wie die Stadt Liverpool. Er sagte, das Vereinigte Königreich müsse sich ansehen, was es zu bieten hat, um zu verstehen, warum es so kläglich zurückgefallen sei. „Es wäre schön, wenn es eine einfache, klare Antwort gäbe, aber die gibt es nicht”, meint er. „Damit die Produktion erhalten bleibt oder wächst, braucht man einen konstanten Strom von Investitionen, da Anlagen altern und Produkte altern. Neue Werke und neue Produkte bedürfen der Investitionen.” Großbritannien brauche seiner Meinung nach billige Energie oder zumindest Energie zu einem konkurrenzfähigen Preis. „Das können wir im Moment nicht bieten. Und da das Gas in der Nordsee knapp wird, wird die Situation wahrscheinlich noch schlimmer”, fügt er hinzu. „Doch wir sitzen auf riesigen Schiefergasvorkommen, die alles verändern könnten.” Im 18. Jahrhundert baute Großbritannien seinen Reichtum auf Kohle auf, die reichlich vorhanden und leicht abzubauen war. Die Kohle setzte die industrielle Revolution in Gang, mit Großbritannien an der Spitze des Wandels. Zugang zu billiger Energie ist jedoch nicht das Einzige, was Großbritanniens verarbeitender Industrie heutzutage Sorgen bereitet. Jim verweist auch auf die Notwendigkeit qualifizierter Arbeitskräfte. „Wir hatten früher eine ausgezeichnete Lehrlingsausbildung, höhere technische Schulen und Colleges”, sagt er. „Aber die Regierung fand, dass alle jungen Menschen einen Hochschulabschluss bräuchten.” Diese Sorge wird von vielen geteilt. Eine aktuelle Umfrage unter britischen Herstellern – veröffentlicht im Annual Manufacturing Report 2016 – zeigt, dass der Fachkräftemangel nach wie vor größte Sorgen bereitet. „Um es ganz offen zu sagen, unser Bildungssystem wird unseren jungen Leuten nicht gerecht und schafft infolgedessen Probleme für die Industrie”, sagt Callum Bentley, Herausgeber von The Manufacturer. „Niemand erwartet von einem blutjungen Menschen die Kompetenz und Erfahrung eines alten Hasen, aber hier geht es um schlechte Vorbereitung auf die Arbeit, und zwar schon seit Jahrzehnten”, sagt er. „So lange sich hier nichts ändert, so lange wird unsere Wettbewerbsfähigkeit darunter leiden. Die Lücke im Verständnis zwischen Schulen und Arbeitgebern muss geschlossen werden, um unserer Produktionsbasis und unserer Menschen willen.” Jim sagt, es sei „erbaulich”, die Regierung von einem ‚Northern Powerhouse’ sprechen zu hören – einer Initiative der Regierung zur Behebung des wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen Norden und Süden – und er nennt die derzeitige britische Regierung die produktionsfreundlichste seit vielen Jahren. Um tatsächlich etwas zu erreichen, brauche Großbritannien seiner Meinung nach aber Investoren: „Investoren können angesichts der großen Konkurrenz in der heutigen Welt sehr wählerisch sein. INEOS hat viel von seinem Kapital in den USA investiert. Viele andere Unternehmen haben sich für den Fernen Osten entschieden.” Jim ruft die britische Regierung auf, Investitionsausgaben für die verarbeitende Industrie zu 100 Prozent absetzbar zu machen und einen einstelligen Steuersatz einzuführen. „In der heutigen globalisierten Welt wird bei Investitionsentscheidungen immer mit alternativen Standorten im Ausland verglichen. Das Vereinigte Königreich ist derzeit kein Ziel für Investitionen in Produktionsanlagen, weil es an USPs fehlt. Das Land hat einige nötig.” Ende des vergangenen Jahres urteilte ResPublica, ein unabhängiger, überparteilicher Thinktank mit Sitz in Westminister, es bedürfe einer enormen Steigerung der Exporte, um die britische Produktion wiederzubeleben und die Wirtschaft aus der „gefährlichen Abhängigkeit von den Dienstleistungsindustrien” zu führen. Direktor Phillip Bond sagt, ausländische Käufer britischer Immobilien hätten den Wert des Pfunds nach oben getrieben, was das Leben der Exportwirtschaft wesentlich erschwere. „Der jüngste Zusammenbruch der britischen Stahlindustrie hat uns schmerzlich bewusst gemacht, dass unsere Wirtschaft übermäßig von Dienstleistungen und Fremdfinanzierung abhängig ist”, sagt er. „Das Wachstum muss aus dem lange vernachlässigten verarbeitenden Sektor kommen, wo die Exporte unter dem starken Pfund leiden. Dem Pfund kommt eine Schlüsselrolle in der Exportförderung zu und wir müssen das Problem der ungünstigen Wechselkurse für die britische Wirtschaft lösen.” Jim ist da durchaus seiner Meinung. „Wenn die Wirtschaft im Gleichgewicht ist, muss sie zu einem gewissen Grad die Art und Weise widerspiegeln, wie die Menschen hier ihr Geld ausgeben. Wenn die Menschen mit ihrem Einkommen Dinge kaufen, muss die heimische Wirtschaft diese Dinge produzieren. Wenn nicht, dann müssen wir alle Verarbeitungserzeugnisse aus Übersee importieren und für sie in Fremdwährung bezahlen.” GROSSBRITANNIEN MUSS RE-INDUSTRIALISIERT WERDEN Ein ehemaliger Journalist der Financial Times ist der Meinung, INEOS Vorstandschef Jim Ratcliffe liege richtig, wenn er über die Verfassung der verarbeitenden Industrie im Vereinigten Königreich besorgt sei. Peter Marsh meint, sowohl die Stahlindustrie als auch die chemische Industrie seien mit extremen Problemen konfrontiert gewesen. „Die Entindustrialisierung – der sinkende Anteil der Produktion an der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs – ist weit genug gegangen”, sagt er. „Wenn wir ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und einen höheren Lebensstandard haben wollen, müssen wir Großbritannien re-industrialisieren.” Aber Peter Marsh, ehemaliger Redakteur der FT für den Bereich verarbeitende Industrie, findet auch, Großbritannien habe zwar an Boden verloren, sei aber immer noch groß in der Produktion von Nischenprodukten, etwa speziellen Analyseinstrumenten, sowie von Waren, deren Import nicht sinnvoll ist. „Das kann alles sein, von Lebensmitteln über Matratzen bis hin zu Baumaterial”, fasst er zusammen. In der neuesten UNO-Statistik liegt Großbritannien weltweit an 10. Stelle der Hersteller, es produziert knapp 2 Prozent der Verarbeitungserzeugnisse der Welt – 1895 waren es 18 Prozent. „Großbritannien ist nicht annähernd so groß wie es war, aber für ein Land mit 1 Prozent der Weltbevölkerung schlägt es sich immer noch überdurchschnittlich gut”, findet er. „China hat sich in den letzten 20 Jahren von einer niedrigen Position hochgearbeitet und zeichnet jetzt für etwa 20 Prozent aller werkmäßig hergestellten Produkte verantwortlich. Aber Chinas Anteil an der Weltbevölkerung ist 20 Prozent.” Peter Marsh ist mittlerweile Dozent und Verfasser von‚ “The New Industrial Revolution: Consumers Globalization and the End of Mass Production”. Seit kurzem hat er auch eine Website für die verarbeitende Industrie im Vereinigten Königreich: www.madeherenow.com  

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WER WAGT, GEWINNT

DIE Welt ist soeben Zeuge eines wirklich bedeutenden Augenblicks in der Geschichte der petrochemischen Industrie geworden. Die Ladungen von verflüssigtem Ethan, die im März in den Docks von Rafnes in Norwegen landeten, werden INEOS‘ europäische Geschäfte beleben. Vergessen Sie die Jahre, die vielen Millionen Arbeitsstunden und die 5.000 Arbeiter, die nötig waren, um die ersten beiden „Dragon-Schiffe” zu bauen, die diese kostbare Fracht transportieren. Denn diese Schiffe sind nur ein Teil der inspirierenden Geschichte mit ihren globalen Auswirkungen und ihrer außergewöhnlichen Vision. Es ist auch eine Geschichte, die viele zu beiden Seiten des Atlantiks als reines Hirngespinst abgetan hatten. „Es war noch nie gelungen und viele sagten, es sei nicht machbar”, so Chad Stephens, Senior Vice President of Corporate Development bei Range Resources, die INEOS mit dem benötigten Gas beliefern. Diese in China gebauten Spitzentanker werden eine neue Ära im Ethangastransport einläuten. „Wir erleben in unserer Branche selten bahnbrechende Momente, aber dies ist einer”, fasst Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS, zusammen. Was das kostengünstige Ethan für INEOS´ petrochemische Geschäfte in Europa bewirken wird, ist außergewöhnlich, sowohl bei der Energie als auch bei den Rohstoffen. INEOS wird das Gas für den Betrieb seiner Anlagen einsetzen, wenn es in Ethylen umgewandelt ist, eine der weltweit wichtigsten Substanzen in der Petrochemie. „Der Transport von amerikanischem Ethangas nach Europa sichert unsere Petrochemie-Anlagen in Europa für viele Jahre ab”, prophezeit John McNally, CEO von INEOS Olefins & Polymers UK. Tatsächlich begann die Geschichte bereits vor sechs Jahren, als INEOS es wagte, das Undenkbare zu denken. Im Jahr 2010 kämpfte Europa mit den Auswirkungen der Finanzkrise. Die Energiepreise waren höher als je zuvor, die Gasbestände in der Nordsee gingen allmählich zur Neige. Doch in Amerika war eine Revolution im Gange. Schiefergas hatte zu niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen geführt, die der verarbeitenden Industrie zu neuem Aufschwung verhalfen. Aber Amerika hatte ein Problem. Es gab so viel Ethan, dass man nicht wusste, wohin damit. Im INEOS-Hauptquartier in Rolle, Schweiz, entstand der Plan, eine virtuelle Pipeline über den Atlantik zu errichten, um das dringend für die Zukunft der europäischen Cracker benötigte Gas zu transportieren. Aber wie würde INEOS das machen? Niemand hatte je Ähnliches versucht. Es gab keine Möglichkeit, das Gas von den Schieferbohrlöchern im südwestlichen Pennsylvania 480 Kilometer weit nach Philadelphia an der Ostküste Amerikas zu transportieren. Es gab keine Exporteinrichtungen in den USA und niemand hatte jemals versucht, Ethangas in diesen Mengen zu transportieren. Für den Vorstandschef von INEOS, Jim Ratcliffe, spielte das alles keine Rolle. „Die Leute meinten, es sei nicht machbar”, schmunzelt Jim. „Aber wir von INEOS waren immer davon überzeugt, dass alles machbar ist.” Während INEOS seine ehrgeizigen Pläne verfolgte und ein Team aus internationalen Partnern zusammenstellte, das drei Kontinente überspannte, haben sich andere zurückgelehnt und abgewartet. „Die Technologie war nicht vorhanden, also mussten wir sie entwickeln”, so INEOS-Director Andy Currie. David Thompson, Chief Operating Officer von INEOS Trading & Shipping, wurde mit der Projektaufsicht beauftragt: „Es war schlicht und einfach eines der größten technischen Projekte der Welt. Wir sind hier Pioniere. Wir waren an den Pipelines, der Fraktionierung, den Terminals, der Infrastruktur und den Schiffen beteiligt. Wir mussten uns um alles kümmern.” Dieser kühne, bahnbrechende Plan ist jetzt Wirklichkeit geworden. Zu seiner Durchführung hat INEOS 15-Jahres-Verträge mit Ethanlieferanten abgeschlossen wie Range Resources für das Gas, MarkWest für die Verarbeitung des Gases und mit Sunoco für dessen Beförderung über Hunderte Kilometer zum Marcus Hook Industrial Complex, wo das Gas auf -95° C abgekühlt wird, bevor es die Reise nach Norwegen und später in diesem Jahr auch nach Grangemouth in Schottland antritt. Keiner der Beteiligten hegte je Zweifel. Es war kein Problem. Es war eine Chance. Eine Chance, die geschäftliche Zukunft in Europa zu sichern und ehemals florierende Gemeinden in Amerika wiederzubeleben. In Amerika begannen die Arbeiten mit dem Umbau einer ehemaligen Öl-Pipeline für den Transport von Ethan für den Großteil des Weges vom Marcellus-Schiefergasfeld nach Marcus Hook, eine einst betriebsamen Öl- und Gas-Raffinerie, die im Jahr 2011 geschlossen worden war. Sunoco, immer noch im Besitz der verrostenden Raffinerie, begann, Milliarden Dollar für den Umbau in ein Top-Zentrum für chemische Produktion, Gasspeicherung und Vertrieb zu investieren, in dem die INEOS-Flotte von „Dragon-Schiffen” beladen werden kann. An anderer Stelle wurden 80 Kilometer neuer Leitungen verlegt und eine neue Pumpstation errichtet. Auf der europäischen Seite tat sich INEOS mit dem dänischen Transportriesen Evergas zusammen, um Tanker zu entwickeln, die einer solchen Mammutaufgabe gewachsen sind. „Es war ein gewaltiges Unterfangen, aber Evergas verstand vielleicht besser als alle anderen, was nötig war, um Ethan in den von INEOS gewünschten Mengen über die erforderten Entfernungen zu befördern”, fasst Chad zusammen. Und das hat Evergas tatsächlich getan. „Es gab Ethan-Tanker”, so CEO Steffen Jacobsen. „Aber Evergas hat gemeinsam mit seinen vielen Stakeholdern die bisher größten und fortschrittlichsten Ethan-Tanker entwickelt. Die ehrgeizige Vision von INEOS und Evergas hat dieses Transportprojekt erst möglich gemacht.” In Hamburg arbeitete die HSVA an einem optimierten Rumpf, der dem Transport von Ethan gerecht wird, und Wärtsilä in Finnland an der Entwicklung von Motoren, die ausschließlich mit Ethan betrieben werden können, was nicht nur für mehr Frachtraum sorgt, sondern auch die schädlichen Emissionen verringert. Nachdem die Entwürfe fertig waren, erhielt Sino-Offshore and Engineering, eine der größten Werften der Welt, den Auftrag für das letzte Puzzle-Teil. Sie sollte die Schiffe bauen. Nach Aufnahme der Arbeiten in China begann TGE Gas Engineering, eines der weltweit führenden Ingenieurbüros für Technik- und Projektbetreuung in der Gasspeicherung, mit dem Bau eines weiteren Ethanspeichertanks und der Infrastruktur für den INEOS-Standort Rafnes, um so den Import von Ethan aus nordamerikanischen Schiefergasfeldern zu ermöglichen. Auch die Errichtung neuer Transport- und Speichereinrichtungen für die Abwicklung der Ethan-Importe in der INEOS-Anlage Grangemouth wurde in Angriff genommen. Für die Mitarbeiter in Grangemouth war nach Monaten der Ungewissheit neue Hoffnung spürbar. Nur wenige Monate zuvor war die defizitäre petrochemische Anlage inmitten eines erbitterten Arbeitskampfes von der Schließung bedroht gewesen; bei diesem Arbeitskampf hatten die Mitarbeiter ursprünglich den Überlebensplan des Unternehmens abgelehnt. Ein Gesinnungswandel ebnete schließlich den Weg für große Investitionen und eine 230-Millionen-£-Darlehensgarantie seitens der britischen Regierung, sodass INEOS die finanziellen Mittel für den Bau eines der größten Ethanspeichertanks in Europa aufbringen konnte. Der fertige Ethylenkracker wird eine Verdoppelung der Produktion ermöglichen. Es war eine Mammutaufgabe. Doch Jim konnte seine Freude nicht verbergen, als er auf der Brücke des ersten „Dragon-Schiffes” stand, das treffend INEOS Ingenuity getauft worden war. „Es ist wunderbar, wenn ein Plan verwirklicht wird”, sagt er. „Und es macht uns sehr stolz, etwas erreicht zu haben, was niemand je zuvor geschafft hat.”

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WARUM SICH US-SCHIEFERGAS AUCH BEI EINEM ÖLPREIS VON 30 US-DOLLAR HALTEN KANN

Der Ölpreisverfall kümmert INEOS wenig, nachdem man soeben zwei Milliarden Dollar investiert hat, um US-Schiefergas nach Europa zu transportieren. Tom Crotty, Leiter der Konzernkommunikation bei INEOS, meint, Außenstehende hätten die Sinnhaftigkeit des Imports von US-Gas bei derart niedrigen Ölpreisen in Frage gestellt. Dabei spiele das gar keine Rolle, weil INEOS sowohl Gas- als auch Ölcracker besitzt. „Für uns ist die Tatsache, dass die Ölpreise jetzt viel niedriger sind, für die Machbarkeit der Gaslieferungen aus Amerika überhaupt nicht relevant”, sagt Tom. „Sie hat sogar die Rentabilität unserer Ölcracker gesteigert.” Tom fasst zusammen, dass es einige Kommentare aus schlecht informierten Kreisen gegeben habe: „Einige Kommentatoren sagten, Unternehmen wie INEOS müssten verrückt sein, bei derartig niedrigen Ölpreisen Ethan aus den USA heranzuschaffen, aber diese Menschen verstehen nicht, worum es geht. Wenn Sie einen Gascracker haben, können Sie kein Naphtha verwenden. Sie brauchen Gas. Hier steht also nicht Gas gegen Naphtha. Hier steht Gas gegen Gas.” Die Verfügbarkeit von kostengünstigem Ethan, einem aus Schiefergas gewonnenen Naturgas, hat Amerikas chemische Industrie aus der Rezession geholt und ihr einen Vorteil gegenüber jenen Mitbewerbern in der gesamten Welt verschafft, die auf Naphtha, eine teurere Erdölfraktion, angewiesen sind. Durch den Verfall der Ölpreise hat sich dieser Vorteil allerdings verringert. „Die europäische Petrochemie-Industrie hat von den niedrigen Ölpreisen sehr stark profitiert, weil der Preis für Naphtha dramatisch gesunken ist“, sagt Tom. „Die Margen sind bei den Naphthacrackern wieder gewaltig da. Wenn Sie über beide Arten von Crackern verfügen wie wir, können Sie sich sehr glücklich schätzen.” Bei INEOS, wo man Ethangas für die Cracker in Norwegen und Grangemouth verwendet, sagt man, der Import von Gas aus den USA sei immer noch billiger als der Ankauf in Europa. „Der zweite Punkt ist der, dass wir in Europa kein Gas bekommen”, so Tom. „Unser Cracker in Grangemouth lief die letzten drei Jahre mit 40 Prozent Leistung, weil wir kein Ethan haben. Ethan geht in der Nordsee rasch zur Neige. Unsere Wahl ist also nicht schwer. Sie betreiben einen Cracker oder Sie lassen es.” EINGEMOTTETE ANLAGE WIRD WIEDER ANGEFAHREN Eine PRODUKTIONSEINHEIT in der INEOS-Anlage Grangemouth wird acht Jahre nach dem Einmotten wieder angefahren. Die Anlage hat die strengen Prüfungen für die erneute Inbetriebnahme erfolgreich bestanden und ist auf das Eintreffen von US-Schiefergasethan vorbereitet. Das gab INEOS bekannt, kurz nachdem die erste Lieferung des US-Schiefergases im benachbarten Gascracker in Rafnes, Norwegen, eingetroffen war. Die ersten Lieferungen nach Grangemouth werden für den Herbst erwartet. „Wir sind nun bestens aufgestellt, die Anlage in Grangemouth endlich in Volllast laufen zu lassen”, sagt Gordon Milne, INEOS-Betriebsleiter in Grangemouth. INEOS hatte seinerzeit keine andere Wahl gehabt, als die zweite Produktionseinheit in der KG Ethylencrackanlage im Jahr 2008 zu schließen, da sie nicht mit voller Kapazität betrieben werden konnte. Das Eintreffen von amerikanischem Ethan ändert alles. „Wenn das Gas hier ankommt, wird diese Anlage in die erste Liga der europäischen Petrochemieanlagen aufsteigen”, prophezeit Gordon. Das amerikanische Flüssiggas wird in einem speziell angefertigten Ethantank gelagert – dem größten in Europa – und die schwindenden Bestände in der Nordsee ersetzen.

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JUGENDKULTUR

ALS Förderer ist INEOS eine Klasse für sich. Aber das ist nicht nur die Einschätzung von INEOS selbst; so denkt man auch dort, wo INEOS tatkräftig dabei hilft, ein gesundes Interesse an Sport zu entwickeln, vor allem bei jungen Menschen. Und zwar in jedem Sport. Eishockey. Fußball. Rugby. Laufen. Und scheinbar in jedem Land, in dem INEOS als Unternehmen aktiv ist. In den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Belgien. „INEOS hat unseren Club revolutioniert”, sagt Sacha Weibel, Geschäftsführer des Lausanne Hockey Club. „Wir spielen jetzt in der ersten Division und gehören zu den zehn besten Teams des Landes.” INEOS trat 2010 an den Club heran – in jenem Jahr, in dem es seinen Sitz aus dem Vereinigten Königreich nach Rolle in der Schweiz verlegt und dabei 80 Familien aus ihrer wohlvertrauten Umgebung gerissen hatte. „Sie wollten Teil der Gemeinschaft werden, was ganz wunderbar war”, sagt Sacha. „Wir würden uns wünschen, dass mehr Menschen so denken.” Aber es ging nicht nur um finanzielle Unterstützung. „INEOS wollte völlig eingebunden werden.” Das bedeutete den regelmäßigen Besuch der Spiele im 8.000 Besucher fassenden Stadion – und die Austragung eigener Freundschaftsspiele vor den offiziellen Spielen des Vereins. Sind sie gut? „Nein, sie sind schrecklich”, sagt er mit einem Lächeln. „Aber was kann man anderes erwarten? Die Kinder hier gehen eislaufen, sobald sie laufen können.” Eishockey ist der größte Zuschauersport in der Schweiz und eine der schwierigsten Sportarten überhaupt. Dafür muss man nicht nur gut eislaufen können, was schon Geschicklichkeit erfordert; im Wettkampf muss man auch laufen, schießen, passen und Pässe blockieren können – bei hoher Geschwindigkeit. INEOS mag auf dem Eis keine besonders gute Figur machen, als Förderer erwies sich das Unternehmen aber als unverzichtbar. „Es hat uns wirklich geholfen, den gesamten Club zu verwandeln”, fasst Sacha zusammen. In den letzten vier Jahren schaffte der Club ein spektakuläres Comeback, er spielt nun in der Spitzengruppe der Schweizer Eishockey-Liga. Und wird von Saison zu Saison besser. „Mit INEOS zu arbeiten ist wirklich inspirierend”, sagt Sacha. „Ihre Arbeitsweise färbt auf uns alle ab.” Das ist natürlich noch nicht alles. Das Unternehmen produziert die Rohmaterialien für Eishockey-Helme, Stöcke und die Kühlung der Eisbahnen. INEOS ist auch ein großer Förderer von Sportvereinen, in denen seine eigenen Mitarbeiter – oder Mitarbeiterkinder – in ihrer Freizeit aktiv sind, ob als Sportler oder als Trainer. „Wir sind immer stolz auf unsere Mitarbeiter, die sich aktiv in Vereinen engagieren, um anderen Menschen zu helfen”, erklärt Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Kommunikationsabteilung bei INEOS Köln. Im Januar tat sich der Standort mit einem der größten Sportclubs in Deutschland zusammen. Teil seiner Arbeit mit dem ASV Köln wird die Organisation der GO Run For Fun-Veranstaltungen sein. Aus dem von INEOS inspirierten GO Run For Fun ist mittlerweile eine weltweite Kampagne geworden. Mehr als 1.000 Schulen im gesamten Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa und den USA haben bereits 2 km-Läufe veranstaltet, dank INEOS‘ Anfangsinvestition von 1,9 Millionen Euro. Diese Arbeit – einen gesunden Ansatz zu Bewegung und Ernährung zu vermitteln – geht weiter. Anne-Gret erläutert, dass INEOS unzählige Sportvereine für Kinder in der Nähe des Standortes Köln finanziell unterstützt. „INEOS unterstützt gern alle, die etwas für die Gemeinschaft tun möchten”, sagt sie. Einer, den man bei Wind und Wetter draußen trifft, ist Bill Faulds, Manager des Unter-16-Rugby-Teams von Falkirk in Schottland, Vereinigtes Königreich.  Er ist Infrastructure Technical Manager am INEOS-Standort Grangemouth und seit seiner Studentenzeit im Jahr 1985 beim Club engagiert; er verbringt bis zu drei Abende pro Woche damit, die Jungen zu trainieren. „Es ist äußerst lohnend zu sehen, wie Kinder Können und Selbstvertrauen entwickeln”, sagt er. „INEOS hilft uns sehr, der jährliche Zuschuss entspricht durchaus meinem Zeitaufwand. Diese Unterstützung hat uns den Kauf von Trainingsausrüstung ermöglicht.” INEOS wird immer Wege finden, sportlich engagierte Menschen zu unterstützen, die begriffen haben, wie wichtig es ist, junge Menschen zu fördern. Oder wie es der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy formulierte: „Körperliche Fitness ist nicht nur einer der wichtigsten Faktoren für einen gesunden Körper, sie ist die Grundlage für dynamische und kreative geistige Tätigkeit.”

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