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  • REKORDJAHR FÜR INEOS

    Als 2010 die Weltmärkte einbrachen, verlegte INEOS seinen Sitz aus dem Vereinigten Königreich in die Schweiz, um konkurrenzfähig zu bleiben. Nach sieben Jahren kehrt INEOS nun zurück und die Geschäfte laufen besser denn je INEOS erzielte im letzten Jahr Rekordgewinne. Der Gewinn vor Steuern betrug 4,3 Milliarden Euro – hier können nur noch die Allergrößten der Branche mithalten. Das Unternehmen zahlte nach eigenen Angaben auch 1,2 Milliarden Euro Schulden aus den eigenen Barreserven zurück und ließ ein Darlehen in der Höhe von 4 Milliarden Euro refinanzieren – was eine Ersparnis von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr brachte. „Das sind fantastische Neuigkeiten“, meinte INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer Jim Ratcliffe. „INEOS ist in Bestform. Diese Zahlen belegen, dass das Geschäft besser läuft als je zuvor. Alle Geschäftsbereiche erbringen gute Leistungen und die erfolgreiche Refinanzierung zeigt eindeutig, dass dies vom Markt anerkannt wird.“ INEOS-Finanzdirektor John Reece erklärte, INEOS hätte drei Monate lang an diesem Finanzpaket gearbeitet und damit eine Kostenreduktion und eine Verlängerung der Laufzeiten bis mindestens 2022 erreicht. „Und nicht nur das, wir waren auch um 50 Prozent überzeichnet – der Kreditmarkt hat also sehr viel Vertrauen in unser Unternehmen“, so Reece. Jim Ratcliffe hält INEOS für ein einzigartiges Unternehmen. „Wir haben es erst vor 18 Jahren gegründet und es wurde nie an der Börse eingeführt“, so Ratcliffe. „Es ist ein Tribut an alle Beteiligten – Geschäftsführung und Beschäftigte – dass es nun so gut läuft.” Die Nachricht vom Rekordjahr fiel zeitlich mit der offiziellen Eröffnung der neuen Firmenzentrale im Vereinigten Königreich im Londoner Knightsbridge zusammen. Nach Meinung Jim Ratcliffes reflektiert die Übersiedlung das Wachstum von INEOS im Vereinigten Königreich, wo mehr als 2 Milliarden Dollar investiert werden, sowie sein immenses Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens. „Wir kehren nach Großbritannien zurück, weil hier eine Menge geschieht“, verkündete er vor Gästen bei der offiziellen Eröffnung der Firmenzentrale in Hans Crescent am 7. Dezember des letzten Jahres. „Das Vereinigte Königreich ist heute ein viel besserer Standort für Unternehmen als vor 10 Jahren und die konservative Regierung hat eine sehr positive Einstellung zur Wirtschaft.“ INEOS beliefert derzeit viele britische Haushalte mit Gas; es betreibt ein wachsendes Handels- und Transportunternehmen; sein Chlorvinyl-Geschäft, das nun unter dem Namen INOVYN geführt wird, hat sich verdoppelt; der Standort Grangemouth wurde zu neuem Leben erweckt und im Norden Englands soll Schiefergas gefördert werden. Großbritanniens Entscheidung für den Austritt aus der Europäischen Union spielte keine Rolle, meinte er. „Wir machen uns keine Sorgen um den Brexit“, sagte er. „Letztendlich ist das Vereinigte Königreich der fünftgrößte Markt der Welt – den kann man nicht einfach ignorieren.“

    4 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS’ GEBURTSSTÄTTE

    Es war Belgien, wo die INEOS-Erfolgsgeschichte vor 19 Jahren begann. Nun da das Unternehmen seine höchsten Gewinne bisher feiert, wirft INCH einen Blick auf die anhaltende Bedeutung Belgiens für INEOS und auf die ursprünglich in Belgien entwickelten Praktiken,die mittlerweile routinemäßig im gesamten Konzern angewandt werden ANTWERPEN ist ein Anziehungspunkt für den Handel, seit es im 12. Jahrhundert begann, Wein aus Deutschland nach England zu exportieren. Es ist also nur logisch, dass Jim Ratcliffe seine erste größere Transaktion hier abschloss, als er vor 19 Jahren einen ehemaligen BP-Standort in Zwijndrecht, Provinz Antwerpen, erwarb und INEOS gründete. Seither hat der Hafen von Antwerpen sich zu dem am stärksten integrierten Petrochemie-Cluster weltweit entwickelt. Er ist mit dem Rest der Welt über See, Schiene, Straße sowie ein umfangreiches, 1000 km langes Pipeline-Netzwerk verbunden. Und INEOS ist von einem Standort in Belgien zum drittgrößten Chemieunternehmen der Welt mit einem Umsatz von 40 Milliarden Dollar und 17.000 Angestellten an 67 Produktionsstandorten in 16 Ländern gewachsen. Man hatte eine gemeinsame Vision, sah Möglichkeiten, wo andere keine sahen, und glaubte an eine klügere Zukunft – wie es heute noch der Fall ist. „INEOS ist in Belgien ein wichtiger Akteur in dieser Branche und ist Teil der Entwicklung und des Erfolges dieses Chemie-Clusters“, so Yves Verschueren, Geschäftsführer bei Essenscia, dem Verband der belgischen Chemieindustrie. „INEOS steigert die Verfahrenseffizienz auf das höchstmögliche Maß und zeigt uns häufig, wohin es auf dem Markt geht.“ Ausgehend von einem Standort in Antwerpen im Jahr 1998 betreibt INEOS mittlerweile elf weitere Produktionsstandorte in Belgien – in Lillo, Doel, Zandvliet, Geel, Tessenderlo, Jemeppe-sur-Sambre, Feluy und Zwijndrecht – und ein Forschungslabor in Neder-Over-Heembeek (NOH), wo mehr als die Hälfte der mehr als 100 Beschäftigte hochqualifizierte Ingenieur/innen und Promovierte aus aller Welt sind. Zusammen stellen die INEOS-Unternehmen – Oxide, Styrolution, Phenol, Oligomers, INOVYN, ChloroToluene und INEOS O&P Europe – Produkte her, die den modernen Lebensstil erst ermöglichen, und sind mit 2.500 Beschäftigten zweitgrößter Arbeitgeber der petrochemischen Industrie in Belgien. Hans Casier, nun CEO bei INEOS Phenol, erinnert sich noch an die Geburtsstunde. „Jim erkannte in dem Standort und dem Unternehmen in Zwijndrecht großes Potenzial“, sagte er. „Er hörte auf die Ideen der Beschäftigten, was für eine Steigerung der Produktion getan werden musste.“ Er hörte nicht nur auf die Beschäftigten, er forderte sie auch zur Umsetzung auf. „Das war ein ziemlicher Schock für das System“, erinnert sich Casier. „Denn ein derartiges Vorgehen waren wir nicht gewohnt. Wir wurden nicht mehr gefragt, was unserer Meinung nach getan werden musste. Wir wurden aufgefordert, es zu tun. Und tief in unserem Inneren wussten wir, dass wir es schaffen mussten.“ Der Wandel erfolgte rasch, es gab einen echten Fokus. Hans Casier führt den Erfolg auf die belgischen Teams zurück, die nicht nur an den Plan glaubten, sondern auch über das nötige Können und Wissen verfügten, um ihn umzusetzen. „Wir sind vielleicht ein kleines Land, aber wir sind ziemlich aufgeschlossen. Das hat uns über die Jahre geholfen, viele Investitionen aus Ländern wie Deutschland, USA, Japan, Frankreich und dem Vereinigten Königreich anzuziehen”, erklärte er. Wirklich gut war INEOS Belgien auch darin, andere – sogenannte. Dritte – anzulocken.Bis dato haben sich 12 seiner Lieferanten und Kunden an seinem Standort in Zwijndrecht niedergelassen. Das ermöglicht Einsparungen durch gemeinsame Ressourcen, Energie, Infrastruktur und Dienstleistungen. Und daraus ergeben sich eindrucksvolle statistische Fakten. Die größte PAO-Produktionsanlage der Welt wird von INEOS Oligomers von Feluy aus betrieben.  Der Standort Geel, der von Außenstehenden als eine der energieeffizientesten Anlagen Europas bezeichnet wird, produziert mehr als 100 Produkte, die in 76 verschiedene Länder verkauft werden. Die zweitgrößte Ethylenoxid-Anlage in Europa befindet sich in Antwerpen, wo INEOS Oxide Jahr für Jahr 400.000 Tonnen Basischemikalien für beinahe alle Gegenstände des modernen Lebens herstellt. Lillo leistet einen Beitrag zur Produktion von zwei der wichtigsten Erzeugnisse Belgiens – die Kunststoffverpackungen für Schokolade und eine Pipeline für Bier. „Die Belgier wissen Bier zu schätzen; daher sind wir stolz auf unsere Pipeline, die Bier aus der Brauerei im Zentrum von Brügge zur Abfüllanlage außerhalb der Stadt transportiert“, so Veerle Gonnissen, Standortleiterin bei Olefins & Polymers North Plants (Geel und Lillo). Ein anderer großer Kunde des Standortes ist der Frischmilchmarkt des Vereinigten Königreichs. „Im Vereinigten Königreich wird eine Menge Frischmilch verarbeitet. 70 Prozent der dafür verwendeten Flaschen werden aus unseren Produkten gefertigt”, berichtet sie. Aber das ist noch nicht alles. Die Standorte spezialisieren sich auch auf die Herstellung von Kunststoffen für Verpackung, medizinische Geräte und sogar Kunstrasen. In Belgien ist auch die weltgrößte und effizienteste Phenol- und Aceton-Anlage beheimatet. Sie stellt 650.000 Tonnen Phenol und 425.000 Tonnen Aceton pro Jahr her. „Wir haben hier ein tolles Team“, berichtete Marcus Plevoets, Standortleiter bei INEOS Phenol. „Die Anlage ist brandneu und sie verfügt über die beste Technologie und die höchste Energieeffizienz.“ Phenol ist in Reinigungsprodukten, Duschgels, Schampoos, Aspirin, Kunststoffen und Mobiltelefonen enthalten. „Ein Leben ohne Phenol und Aceton ist schwer vorstellbar“, meint Plevoets, „denn diese Produkte sind überall.“ Wie bei allen INEOS-Standorten stehen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wachstum auch für das Team von INEOS Oxide im Vordergrund. INEOS Oxide ist einer der wenigen Hersteller von ENB weltweit, einem ganz speziellen Polymer, das vorwiegend in der Automobilindustrie Verwendung findet. „Wir haben das im Laufe der Jahre wirklich gut hinbekommen“, meinte CEO Graham Beesley, der ehemals für Procter & Gamble tätig war und INEOS-Kunde war. „Es gibt nur zwei etablierte Hersteller weltweit; wir sind der einzige Standort in Europa.“ Der Standort habe seine ENB-Produktion durch eine Reihe von kleineren Erweiterungen in den 19 Jahren von INEOS’ Bestehen verdreifachen können. Im Laufe der Zeit wurde Belgien zur Inspiration für andere INEOS-Standorte auf der ganzen Welt, was die Frage angeht, wie man Teil eines erfolgreichen Petrochemie-Clusters wird. „INEOS profitiert davon, einem so großen und integrierten Cluster anzugehören, aber es trägt auch eine Menge bei“, so Verschueren. „INEOS arbeitet mit der lokalen Bevölkerung zusammen und hat den Anwohnern durch seine Arbeit in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Es hat Regierungsbeamten sicherlich nachdrücklich klargemacht, wie wichtig Innovation für den Erfolg dieses Clusters ist.“ Mit Blick auf die Zukunft haben alle belgischen INEOS-Standorte Pläne für Verbesserungen. Intensiveres, klügeres Nachdenken steht immer noch ganz oben auf der Liste. Ein entscheidendes Projekt für INEOS Oxide in Zwijndrecht ist derzeit der Bau eines neuen Ethylenoxidlagertanks und eines fünften Alkoxylierungsreaktors. Der Standort möchte sein Hauptaugenmerk auf die erhöhte Produktion von Alkoxylaten richten, aus welchen vielerlei Produkte hergestellt werden. Aber dafür werden mehr Ethylenoxid zum Zapfen und ein fünfter Reaktor vor Ort benötigt, um der Nachfrage gerecht zu werden. „Dadurch wird das Unternehmen weniger abhängig vom Verkauf von Ethylenglykol, welches zwar wichtig, aber hinsichtlich der Gewinnmargen größeren Schwankungen unterworfen ist”, erklärte Beesley. INEOS Styrolution plant, eine Extruderlinie für die Produktion von ABS weißer Farbe umzubauen, welche in der Herstellung von Haushalts- und Elektronikgeräten Verwendung finden. INEOS O&P Europe plant Modernisierungen und eine neue Katalysatorzufuhrtrommel, damit ein Betrieb mit zwei verschiedenen Katalysatoren möglich wird. INOVYN beabsichtigt, seine Membran-Elektrolyse um 25 Prozent zu erweitern und eine große Kaliumhydroxid (KOH)-Produktionseinheit anzuschaffen. Und INEOS Phenol erkundet derzeit Wege der Zusammenarbeit mit anderen Branchen an dem riesigen Standort, um im Rahmen einer großen Initiative die aus dem Abfall erzeugte Energie zu verwenden. „Es ist noch früh am Tage, aber wir werden hart an der Umsetzung arbeiten”, so Plevoets. Durch die Erfassung und Wiederverwendung von überschüssigem Dampf für den Betrieb von anderen Anlagen am Standort wird INEOS vermeiden, dass jährlich 100.000 Tonnen Treibhausgase in die Luft gepumpt werden. Marcus Plevoets und seinem Team ist das wichtig. „Wir müssen der Gesellschaft zeigen, dass uns die nächste Generation am Herzen liegt und dass wir umweltfreundlich sind”, erklärte er. Trotz des rapiden – und anhaltenden – Wachstums von INEOS nimmt Belgien für Jim Ratcliffe immer noch einen speziellen Platz ein und bleibt auch weiterhin sehr im Zentrum der Frage, wie welche Geschäfte betrieben werden. Wird es nach dem Brexit zur Bedeutungslosigkeit absinken? Keinesfalls, so Ratcliffe. „Belgien ist ein gutes Land für die verarbeitende Industrie, wir haben hier sehr viel investiert und bedeutende nachweisliche Erfolge aufzuweisen”, meinte er.  

    4 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • BELGIENS WACHSENDE INDUSTRIE

    Belgiens chemische Industrie floriert nicht nur. Sie wächst. Essenscia, der Verband der belgischen Chemieindustrie, meint, das käme daher, dass man sich stets bemühte, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, und zwar durch eine Ausrichtung auf Innovation in Form von neuen Produkten, erstklassiger Infrastruktur, Energieeffizienz oder die Beschäftigung der besten Talente. „Zwar sind wir mit Herausforderungen konfrontiert, doch bleiben wir zuversichtlich, dass wir sie meistern können”, so Geschäftsführer Yves Verschueren. Die Branche beschäftigt etwa 90.000 Angestellte direkt und die Zahl wächst Jahr für Jahr. „Das ist der große Unterschied zu anderen Sektoren, wo Arbeitsplätze abgebaut werden“, sagte er. Der jährliche Beitrag zu Belgiens BIP beträgt etwa 16 Milliarden Euro. „Diese Industrie ist für dieses Land wirklich von größter Bedeutung”, so Yves Verschueren. Und sie hat Einfluss. „Erfolgreiche Unternehmen wie INEOS spielen eine wichtige Rolle dabei, zu helfen, unseren Regierungsbeamten klarzumachen, dass Investitionen nur dann weiterhin erfolgen, wenn die Bedingungen weiterhin passen“, erklärte er. „Und das umfasst auch niedrigere Energiekosten.“ Die Belgier sehen sich jedoch – wie das übrige Westeuropa – mit anderen Herausforderungen konfrontiert. „Die jungen Leute sind vielfach nicht mehr an Naturwissenschaften, Mathematik und Technik interessiert“, stellte Verschueren fest. Holger Laqua, Werksleiter bei INEOS Oxide in Zwijndrecht, Antwerpen, merkt das stark. „Unser Standort ist sehr technisch ausgerichtet und es ist schwierig, gute Technikerinnen und Techniker zu finden“, meinte er. „Wir gehen in die Schulen und erklären, was wir tun und was wir herstellen, weil wir wollen, dass Kinder im Alter von 12 Jahren beginnen, über einen solchen Beruf nachzudenken.“ Auch Essenscia besucht Schulen, richtet naturwissenschaftliche Parks und Museen ein, um die Wahrnehmung zu verändern und den Kindern zu zeigen, dass die Antworten auf die größten Herausforderungen der heutigen Zeit aus der chemischen Industrie kommen werden. „Wir müssen ihnen die Augen öffnen und ihnen zeigen, was die chemische Industrie bereits jetzt für mehr Nachhaltigkeit und die Bewältigung des Klimawandels tut”, erklärte Verschueren. Und das wird umso wichtiger, wenn in den kommenden Jahren jährlich 2.600 Stellen nachbesetzt werden müssen, weil Beschäftigte in den Ruhestand treten.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS BAUT RIESEN-BUTANLAGERTANK

    INEOS setzt einen weiteren mutigen Schritt, um seine weltweite Position abzusichern. Im vergangenen Monat wurden Pläne für den Bau des größten Butanlagertanks bestätigt, den Europa je gesehen hat. Wenn dieser Tank fertig ist, wird INEOS preisgünstiges Butan aus Amerika und anderen Weltmärkten in den größtmöglichen Schiffen importieren können, um seine Naphthakracker in Köln, Deutschland, und schließlich auch in Lavéra, Frankreich, mit preisgünstigen Rohstoffen zu versorgen. Der Tank wird in Antwerpen errichtet, was auch bedeutet, dass INEOS Trading & Shipping Butan in Europa verkaufen kann. INEOS Gaskracker – in Norwegen und Schottland – profitieren bereits von INEOS’ Entscheidung, preisgünstiges Ethan aus den USA nach Rafnes und Grangemouth zu verschiffen, wo es in riesengroßen, eigens errichteten Tanks gelagert wird. Diese Neuigkeiten sichern auch Belgiens wichtige Stellung in der Welt der Petrochemie. Im Hafen von Antwerpen befindet sich bereits das größte Ethylen-Terminal Europas und das zweitgrößte der Welt – dank INEOS. Vor sieben Jahren investierte INEOS 100 Millionen Euro in das neue 1-Million-Tonnen-Terminal, um preisgünstiges Ethylen aus der ganzen Welt in seine europäischen und die an der ARG-Pipeline liegenden Anlagen bringen zu können. „Dieser neueste Tank und das Terminal verschaffen INEOS mehr Flexibilität und Versorgungssicherheit und werden die Konkurrenzfähigkeit in Europa deutlich steigern“, so David Thompson, CEO von INEOS Trading & Shipping. „Dadurch erlangt INEOS auch die Position eines wichtigen Akteurs auf den weltweiten LPG-Märkten.“ Holger Laqua, Werkleiter bei INEOS Oxide, ist der Meinung, dass INEOS eine treibende Kraft der chemischen Industrie in Europa ist. „Vor einigen Jahren dachten andere, die europäische Chemieindustrie wäre tot, aber wir haben einige gute Entscheidungen getroffen”, erklärte er.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • BP VERKAUFT FORTIES-PIPELINE-SYSTEM AN INEOS

    INEOS hat mit BP ein 250-Millionen-Dollar- Geschäft für den Kauf des Forties-Pipeline-Systems abgeschlossen, das beinahe 40 Prozent des Nordseeöls und -gases des Vereinigten Königreichs liefert. Der Verkauf des 380-Kilometer-Pipeline-Systems wurde in diesem Monat vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden und anderer Dritter vereinbart. Als die Pipeline 1975 eröffnet wurde, beförderte sie Öl aus dem Forties-Feld von BP, dem damals ersten großen Offshore-Ölfeld des Vereinigten Königreichs, vor allem in die Raffinerie und Petrochemie-Anlage im schottischen Grangemouth. Damals gehörten sowohl die Raffinerie als auch die Petrochemie-Anlage BP; sie wurden 2005 an INEOS verkauft. Heute verbindet die Pipeline 85 Öl- und Gas- Einrichtungen in der Nordsee mit dem Festland des Vereinigten Königreichs und dem INEOS-Standort in Grangemouth, wo 20 Prozent des Öls, das die Pipeline passiert, an die Raffinerie geht und Schottlands Kraftstoffbedarf zu 80 Prozent deckt. INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer Jim Ratcliffe beschreibt das Forties-Pipeline-System als strategischen Vorteil des Vereinigten Königreichs. „INEOS wird größere Effizienz erzielen und langfristig die Konkurrenzfähigkeit für diesen wichtigen Bestandteil der britischen Öl- und Gasinfrastruktur sichern können”, erklärte er. Letztes Jahr betrug der tägliche Durchfluss der Pipeline durchschnittlich 445.000 Barrel Öl und 3.500 Tonnen Rohgas. Aber sie kann pro Tag 575.000 Barrel Öl befördern. Die 300 Personen, die das FPS in Kinneil, Grangemouth, Dalmeny und offshore betreiben und unterstützen, werden voraussichtlich bei INEOS Upstream angestellt werden. Nach der Entscheidung zum Kauf der Breagh- und Clipper South-Gasfelder in der südlichen Nordsee von Letter1 im Jahr 2015 versorgt INEOS bereits viele Tausend britische Haushalte mit Gas. Nach Abschluss der Transaktion werden Eigentum und Betrieb des Forties-Pipeline-Systems, des Terminals und der Gasaufbereitungsanlage in Kinneil, des Dalmeny-Terminals, der Standorte in Aberdeen, der Forties Unity Platform und der damit verbundenen Infrastruktur auf INEOS übergehen. „Dies ist ein weiterer äußerst bedeutsamer Abschluss für INEOS”, so Ratcliffe. „Der Kauf führt die Anlagen der Nordsee und von Grangemouth wieder unter INEOS als Eigentümer zusammen. INEOS ist nun das einzige Unternehmen im Vereinigten Königreich mit Raffinerie und petrochemischen Anlagen mit direkter Integration in die Nordsee.“

    3 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS SHALE BEWÄLTIGT ERSTE HÜRDE

    INEOS, das nun im Vereinigten Königreich mehr als 480.000 Hektar Land für die Schiefergasexploration hat, hofft, in diesem Jahr von der Planung zur Durchführung überzugehen. Beginnen möchte man in Derbyshire INEOS ist weiterhin entschlossen, die Schiefergasexploration im Vereinigten Königreich voranzutreiben. Man hofft, die erste vertikale Bohrung, eine Kernbohrung, in diesem Jahr an einem Standort in der Nähe des Dorfes Marsh Lane in Derbyshire vornehmen zu können, um die Beschaffenheit des Gesteins tief unter der Oberfläche zu erkunden. Im März entschied der Derbyshire County Council, dass INEOS vor der Einreichung detaillierter Pläne für eine Bohrung in Bramleymoor Lane keine Umweltvertäglichkeitsprüfung (UVP) durchführen muss. „Über diese Entscheidung waren wir hocherfreut“, so Tom Pickering, Betriebsleiter bei INEOS Shale. „Doch während das Screening zeigte, dass in diesem Fall keine UVP erforderlich ist, werden wir natürlich eine solche durchführen, wenn die Notwendigkeit besteht.“ Er war bestrebt, die Dorfbewohner/innen angesichts der Entscheidung zu beruhigen und ihnen zu versichern, dass ihre Meinung und ihre Sorgen um die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigt würden. „Auch wenn wir keine formelle UVP durchführen müssen, werden alle diesbezüglichen Umweltaspekte im Rahmen unseres Genehmigungsantrags behandelt”, sagte er. Die Pläne, welche nach einer Besprechung mit Vertreter/innen der lokalen Bevölkerung erstellt werden, sehen auch einen Bericht über den Einsatz von Wasser, über Ökologie, Lärm, Landschaft und sichtbare Auswirkungen sowie über das kulturelle Erbe vor. „Wir möchten sicherstellen, dass die wichtigen Punkte besprochen, erwogen und verstanden wurden, bevor wir unseren Genehmigungsantrag einreichen”, erklärte Tom Pickering. Nach der Bohrung wird der Bohrkern im Labor analysiert. „Wir müssen die geologischen Eigenschaften des Gesteins und dessen Gaspotenzial ermitteln”, fuhr Pickering fort. INEOS ist überzeugt, dass Großbritannien überlegen muss, woher seine Energie kommen wird, wenn Kohle- und Atomkraftwerke stillgelegt werden. Das letzte britische Kohlebergwerk, die Kellingley Colliery in North Yorkshire, wurde im Dezember 2015 geschlossen. Damit endete der jahrhundertelange Untertageabbau für Kohle im Vereinigten Königreich. „Bei der Extraktion von Schiefergas geht es nicht darum, mehr fossile Brennstoffe zu verwenden”, so Pickering. „Es geht darum, Kohle zu verdrängen und unser eigenes Gas anstelle von Importen zu verwenden.“ Anfang dieses Jahres gab die Umweltorganisation Friends of the Earth zu, die Öffentlichkeit hinsichtlich des Schiefergases in die Irre geführt zu haben. Die Advertising Standards Authority (britische Werbeaufsichtsbehörde) stellte fest, dass die Organisation keinerlei Beweise dafür vorlegen konnte, dass die für das Fracking verwendete Flüssigkeit gesundheitsschädliche Chemikalien enthielte. Die ausführliche 14-monatige Untersuchung der Behörde ergab auch, dass die Umweltschutzorganisation Behauptungen nicht beweisen konnte, dass ein Fracking-Standort in den USA zu vermehrtem Auftreten von Asthma geführt hatte und dass die britische Bevölkerung in der Nähe von Fracking-Standorten mit ähnlichen Gefahren konfrontiert wäre. FOE behauptete auch fälschlich, dass Fracking zu sinkenden Hauspreisen und steigendem Krebsrisiko führen würde. „Diese falschen Behauptungen bilden den Kern des irregeleiteten Widerstandes gegen das Fracking seitens FOE“, so Pickering. Er erklärte, INEOS wünsche sich eine „erwachsene Diskussion auf wissenschaftlicher Basis“ ohne falsche Behauptungen. „Großbritanniens Energie- und Produktionssektor sind zu bedeutend, um falsche Fakten in die Debatte einfließen zu lassen”, meinte er. „Leider sind Friends of the Earth und Friends of the Earth Schottland nicht bereit, mit uns zu reden.“ INEOS ERWEITERT PORTF OLIO DER SCHIEFERGASLIZENZEN INEOS Shale hat seinen Lizenzbereich für die Onshore-Exploration auf mehr als 480.000 Hektar vergrößert. Mit dem neuesten, von INEOS Upstream in diesem Monat ausgehandelten Deal erwarb INEOS alle früheren Lizenzen von ENGIE E&P UK Limited.

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  • FÜR MARIAH RÜCKT OLYMPIA IN REICHWEITE

    Erfolg zeitigt Erfolg. Als Beweis dafür müssen wir uns nur Andy Bell von INEOS, Vater von zwei Weltklasse-Eiskunstläuferinnen, ansehen. SPORT formt nicht nur den Charakter, er bringt ihn zur Geltung. Andy Bell von INEOS würde dem verstorbenen Basketballspieler John Wooden darin sicher beipflichten. Er hat zwei Töchter – und beide sind Weltklasse-Eiskunstläuferinnen. „Das Wichtigste war, dass sie zu besseren Menschen wurden”, sagte er. „Wir wollten keine Primadonnen großziehen.“ Seine älteste Tochter Morgan, 25, läuft bei „Disney on Ice“ und reist als Anna aus dem Film „Frozen“ um die Welt. Seine jüngste Tochter Mariah, 20, könnte nun die Aufnahme ins nächstjährige US-Olympia-Team schaffen. Andy und seine Frau Kendra wissen, wie wichtig eine hohe Arbeitsmoral ist. Und diese haben sie an ihre Kinder weitergegeben. „Hartes Training und harte Arbeit muss man lieben“, meint Andy. „Man muss mit Leidenschaft bei der Sache sein. Für uns standen nie ihre Ergebnisse im Vordergrund, sondern ihre Arbeitsmoral und ihr Einsatz. Das ist ein Marathon, kein Sprint. Viele Eltern von Nachwuchssportlerinnen und -sportlern begreifen das nicht und überfordern ihre Kinder. Leider scheitern diese dann meist.“ Andy bringt für seine Arbeit bei INEOS ebenso viel Begeisterung auf. Er war maßgeblich am Abschluss einiger INEOS-Geschäfte mit amerikanischen Firmen beteiligt, als die zukunftsweisende Entscheidung für die Verschiffung von amerikanischem Schiefergas nach Europa getroffen wurde. Beinahe sechs Jahre lang arbeitete er unermüdlich am sogenannten „Mariner Project“, wobei er die Verhandlungen für die 15-jährigen Terminal- und Liefervereinbarungen leitete. „Anfangs schlug uns aus der Branche sehr viel Skepsis entgegen, ob wir es wohl schaffen würden“, berichtete er. „Doch viele der Beziehungen, die aus spontanen Anrufen entstanden, sind nun höchst strategische Partnerschaften.“ Doch es gab auch dunkle Tage, und um diese zu meistern, ließ Andy sich von seiner Tochter inspirieren. „Wenn die Dinge nicht gut liefen, gab es mir oft sehr viel Kraft, an Mariahs Eislauf-Karriere zu denken, an die Höhen und Tiefen, wie man letztlich erfolgreich sein konnte, wenn man mit hoch erhobenem Kopf unbeirrt weiterkämpfte“. Der einzige Nachteil an seinem Job sei, dass er den Großteil der Woche in Houston, Texas, Pittsburgh oder Philadelphia – etwa 1.600 Kilometer vom Heimatort der Familie in Monument, Colorado – verbringe. „Es ist hart, aber meine Unterstützung besteht primär darin, ihre Bestrebungen zu finanzieren, ihr die beste Betreuung und das beste Trainingsumfeld zu bieten, die wir uns leisten können“, erklärte er. „Meine Frau bewältigt die praktische Unterstützung und macht das großartig.“ Dafür hätten sie viel opfern müssen. „Wir haben ganz erheblich viel opfern müssen, doch unser wichtigstes Ziel als Eltern war immer, unsere Mädchen in ihren großen Vorhaben zu unterstützen“, fuhr er fort. „Und ich kann mir kein wichtigeres Unterfangen vorstellen.“  

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  • GRADUATES VOR ULTIMATIVEM TEAMBUILDING

    IM Mai bot INEOS allen seinen Talenten, die ihr drittes Ausbildungsjahr absolviert haben, ein absolut einmaliges Abenteuer, um die eigenen Grenzen auszuloten und zu erweitern, ihre Fitness zu verbessern und zu erkennen, was sie tatsächlich schaffen können EINE derartige Teambuilding-Übung sehen nur Unternehmen wie INEOS für Graduates vor. Doch INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe glaubt, dass mit der richtigen Einstellung alles möglich ist – also stellte er dem Team eine ausgesprochen seltene und harte Aufgabe. „Es ist bemerkenswert, was Menschen schaffen können, wenn sie die Bremsen im Kopf lösen“, meinte er. Sechs Tage lang liefen, wanderten und radelten die 29 Graduates bei glühender Hitze 250 km durch die unberührte Wüste Namibias, letztes Herrschaftsgebiet der großen Drei – Löwe, Spitzmaulnashorn und Afrikanischer Elefant. Sie kamen an uralten Vulkankratern vorbei, bestiegen den Brandberg, Namibias höchsten Gipfel, und bezwangen die gnadenlose Basaltlava des Ugab zu Fuß. „Die Bedingungen, die sie aushalten mussten, waren brutal, all das Laufen und Radfahren auf Sand, aber der Lohn ist gewaltig“, erklärte Projektleiter John Mayock. Die Graduates, davon acht Frauen, begannen ihre bemerkenswerte Reise am Samstag, 6. Mai 2017 bei Cape Cross an der Skelettküste. „Ich merkte, dass einige von ihnen ein wenig nervös waren, aber die positive Kameradschaft in der Gruppe war fantastisch“, so Mayock. Jim Ratcliffe ist die Gefahr nicht fremd. Er ist einer von wenigen Menschen, die sowohl den Nordpol als auch den Südpol besucht haben. Er schloss sich zusammen mit Simon Laker, INEOS Group Operations Manager, sowie Fitness- und medizinischen Fachleuten den Absolventen an. „Es ist Teil der INEOS-Philosophie, Menschen dazu zu ermutigen, sich mehr zuzumuten“, sagte er. „Wenn es geht, sollte jeder möglichst viele unvergessliche Tage erleben.“ INCH wird in seiner nächsten Ausgabe ausführlich über das Event berichten. WENN ES HEIS S WIRD, BLICKEN WIR NA CH VORNE Die INEOS-Graduates Hannah Salter und Kasper Hawinkel hatten vor der großen Hitze mehr Angst als vor allem anderen. Die Vorstellung, bei 43 °C zu laufen, zu klettern und zu radeln, ließ sie konzentriert trainieren, bevor sie nach Namibia flogen. „All diese Ängste trugen viel dazu bei, dass ich mich hinreichend und richtig vorbereitete“, erzählte Hannah, 30. Abgesehen von der Hitze erlebten sie viele schöne Dinge. Oben auf dem Berg unter dem Sternenhimmel schlafen, Freunde fürs Leben finden – das ist schon etwas. „Viele meiner Uni-Freunde sind neidisch“, meinte Kasper, 28. „Ihre TeambuildingÜbungen bestanden aus Hindernisrennen und Go-Kart.“ Weder Kasper noch Hannah sehen sich als Sportler, aber sie lieben die Natur. Hannah geht gerne Kajakfahren, Kasper spielt Wasserball. „Diese Reise entsprach meiner Vorstellung von einem tollen Urlaub, auch wenn es ein extremer war“, meinte Hannah, Beschaffungsspezialistin für Polymeradditive, Katalysatoren und Chemikalien bei INEOS O&P Europe. Kasper ist Fertigungsingenieur bei INEOS Oxide in Antwerpen, Belgien. „Dies war eine einmalige Gelegenheit und eine große Herausforderung, die eigenen Grenzen auszuloten und zu erweitern“, fasste Kasper zusammen.

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  • SICHERE SACHE

    Die chemische Industrie ist äußerst dynamisch und zukunftsorientiert. Sie hat uns entscheidende Fortschritte in der Medizin beschert, den Umgang mit Energie verändert und trägt zur Reduktion der Treihausgasemissionen bei. Aber in der Öffentlichkeit sieht man das nicht immer so. Viele INEOS-Beschäftigte empfinden das bisweilen als frustrierend, vor allem angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen soeben die beste Sicherheitsleistung aller Zeiten erbracht hat In der Zeit der Industriellen Revolution waren UNFÄLLE an der Tagesordnung. Die Beschäftigten, viele von ihnen Kinder, schufteten viele Stunden unter entsetzlichen Bedingungen. 1842 merkte ein deutscher Besucher an, dass er in den Straßen des nordenglischen Manchester so viele Menschen ohne Arme und ohne Beine gesehen hätte, dass er sich vorkäme wie ,,inmitten einer frisch aus dem Krieg zurückgekehrten Armee”. Glücklicherweise sind diese Tage längst vorbei. Es geschehen immer noch Unfälle, aber die Gefahren der Asbest-, Blei-, Silika-, Kohlenmonoxid- und Baumwollstaubexposition sind nun wohlbekannt, Einrichtungen wie OSHA (US-amerikanische Behörde für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz) und HSE (Behörde für Umwelt, Sicherheit und Gesundheit) sorgen dafür, dass Unternehmen geltende Gesetze einhalten. Scheinbar wird die chemische Industrie in der Öffentlichkeit aber weiterhin als von Natur aus unsicher angesehen. „Das ist frustrierend, weil wir wissen, dass es nicht stimmt“, so Simon Laker, INEOS Group Operations Officer. Simon hielt vor einiger Zeit einen Vortrag für den Versicherungsmarkt, in welchem er den Ansatz von INEOS zur Sicherheit, zu seinen Vorgängen und zu seinem Risikomanagement erläuterte. Dabei ging er auf die neuesten Statistiken der branchenübergreifenden OSHA ein, die ein strenges, mittlerweile weltweit eingesetztes System zur Meldung von Unfällen, Verletzungen und Erkrankungen am Arbeitsplatz eingeführt hat. Die Ergebnisse zeigen, dass es in einigen Branchen erheblich mehr Unfälle gibt als in anderen. Angeführt wird die Liste von der verarbeitenden Industrie, eng gefolgt von der Bauindustrie, wo vier von 100 Beschäftigten Verletzungen erlitten. Die petrochemische Industrie insgesamt schlug sich jedoch weit besser, wobei die Leistungen von INEOS sie noch übertrafen. „Die Menschen waren von unserem Ansatz für Sicherheit und Risikomanagement sehr beeindruckt und sahen die unaufhörlichen Verbesserungen in den langjährigen Statistiken“, so Laker. Im letzten Jahr verzeichnete INEOS die beste Sicherheitsleistung aller Zeiten – eine OSHA-Häufigkeit von 0,32 (0,32 Verletzungen pro 100 Vollzeitbeschäftigte). Noch eindrucksvoller wurde diese Sicherheitsbilanz dadurch, dass INEOS diese Zahlen erreichte, obwohl Geschäftszweige von Unternehmen übernommen wurden, die hier andere Ansätze praktizieren. „Wir haben nun mehr als 80 Standorte in 16 Ländern, die mit vielen verschiedenen Technologien, Verfahren und Tausenden von Abläufen arbeiten, die mittels Hunderttausenden von Datenpunkten überwacht werden“, erklärte Simon Laker. „Doch dass es trotz des Wachstums zu Verbesserungen kommt, liegt daran, dass unser Fokus auf Sicherheit liegt. Diese Fähigkeit – neue Geschäftszweige nahtlos in den Sicherheits- und operativen Ansatz einzugliedern – wurde sogar von der Versicherungsbranche hervorgehoben.“ Simon Laker teilte INCH mit, dass die Beschäftigten angehalten würden, alle Vorfälle zu melden. Denn bei INEOS sei man der Ansicht, das wäre die beste – und einzige – Möglichkeit, aus jedem einzelnen Vorfall die entsprechenden Lehren zu ziehen. „Die Öffentlichkeit sollte mehr Vertrauen in ein Unternehmen haben, das über Vorkommnisse berichtet, und seien sie noch so klein, als in eines, das vorgibt, es gäbe nichts zu berichten“, merkte er an. „Für uns ist völlig klar, welches Unternehmen Gesundheit und Sicherheit ernst nimmt, und welches die Dinge unter den Teppich kehrt.“ Selbstgefälligkeit ist jedoch immer die größte Gefahr – und das möchte INEOS vermeiden. „Unser Ziel ist die ständige, fortlaufende Verbesserung, damit es Null Unfälle gibt“, erklärt Simon Laker. „Nur dann sind wir glücklich.“ OHNE STÄNDIGE VERBESSERUNG GEHT ES NICHT ZUVERLÄSSIGKEIT ist entscheidend, wenn man Investitionen anlocken und Vertrauen schaffen möchte, erklärte ein leitender Angestellter der Petroineos-Raffinerie im schottischen Grangemouth letzten Monat dem Magazin INCH. Neil King, Reliability and Integrity Manager, meinte, eine erfolgreiche Bilanz eines sicheren Betriebs der Anlagen würde schon sehr viel Vertrauen bei Anlegern schaffen und die bisher am Standort geleistete gute Arbeit absichern. „Es ist schon richtig, dass die Investierenden uns im Auge behalten, denn es zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Dinge von Anfang an richtig zu machen“, sagte er. Neil sprach mit INCH, nachdem das Unternehmen seine zweiten Reliability Days für alle seine Beschäftigten und Kontraktorfirmen abgehalten hatte. An jedem der sechs Tage hatten Sportlerinnen und Sportler von sich erzählt und viele Parallelen zwischen dem Hinarbeiten auf Leistungsverbesserung im Wettkampf und der Zusammenarbeit für eine bessere Leistung in der Raffinerie festgestellt. Der Olympia-Hürdenläufer Colin Jackson sprach über die Gefahr der Selbstgefälligkeit nach dem Erfolg. Er sagte, bei der Olympiade 1992 in Barcelona hätte er den Rat seines Trainers missachtet, sich gründlich aufzuwärmen. „Ich meinte, ich müsste nicht in Bestform sein, um mich für das Finale zu qualifizieren“, erzählte er. Der Olympia-Favorit qualifizierte sich zwar, aber er erlitt dabei eine Verletzung, die seine Leistung beeinträchtigte, und erreichte keine Medaille. „Jeder einzelne in unserem Team hat, wie ein Zahnrad in einem Getriebe, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, damit die Raffinerie im Rennen bleibt und vor der Konkurrenz die Medaillenränge erreicht“, so Neil King. Und es gibt immer wieder Herausforderungen. „Vor drei Jahren hatten wir eine ungewöhnlich hohe Fluktuation beim Personal, dabei gingen viele erworbene Fertigkeiten und Wissen verloren“, berichtete Neil King. Auch wenn es für alles feste Abläufe gab, wurde rasch offenbar, dass das verlorene inhärente Wissen wieder aufgebaut werden musste. Also fiel die operative Zuverlässigkeit für kurze Zeit ab. Nach der schlechten operativen Leistung 2014 hätte sich die Raffinerie nun wieder gewaltig verbessert, stellte er fest. Das läge zum einen an den mehrfach abgehaltenen Reliability Days, durch die man alle Raffinerieverfahren und Verbesserungen auf Zuverlässigkeit ausrichten konnte, und zum anderen an der Möglichkeit, alle Petroineos-Beschäftigten und Auftragnehmer/innen positiv zu motivieren. „Uns ist klar, dass noch ein Stück Arbeit vor uns liegt“, merkte er an. „Aber wir wissen, dass unsere Reliability Days geschätzt werden. Die Beschäftigten sehen, dass sie etwas bewirken können und dass auftretende Probleme erkannt und behoben werden.“ Die Reliability Days sind jedoch nur ein Fokus. Entscheidender ist die neue Kultur in der Raffinerie Grangemouth, von der die langfristigen Perspektiven und die Wettbewerbsfähigkeit letztlich abhängen. PetroChina und INEOS, Partner in einem Joint Venture, bewerten derzeit mehrere Optionen für die Raffinerie Grangemouth, um ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Schottlands einzige Rohölraffinerie liefert über 80 Prozent des Kraftstoffs für schottische Tankstellen und den gesamten Flugzeugkraftstoff für alle Flughäfen; daher ist die langfristige Zukunft der Anlage entscheidend für die schottische Wirtschaft, ihre Angestellten und all jene, die von ihrem Bestand abhängen. „Die Raffinerie muss weiterhin beweisen, dass sie konstant zuverlässig sein kann. Und das liegt an uns allen“, so Neil King.

    5 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • THE DAILY MILE VERSCHAFFT KINDERN EINEN VORSPRUNG

    Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Kinder durch The Daily Mile fitter, aufmerksamer, motivierter und belastbarer werden KINDER, die in der Schule jeden Tag eine Meile laufen, erbringen bessere schulische Leistungen. Eine neue Studie zeigt, dass Kinder, die drei Monate lang 15 Minuten am Tag liefen, in Lesen, Schreiben und Mathematik um bis zu 25 Prozent über den Erwartungen lagen. Die Kinder waren außerdem fitter, selbstbewusster und störten weniger. INEOS begrüßt diese Ergebnisse, denn es hat Zeit, Energie und Geld investiert und die ehemalige schottische Schulleiterin Elaine Wyllie darin unterstützt, ihre Initiative The Daily Mile allgemein bekannt zu machen, um Kinder fit fürs Leben zu machen. „Dies sind ausgezeichnete vorläufige Beweise dafür, dass The Daily Mile positive Veränderungen für die körperliche Fitness sowie die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden bei Kindern bewirkt“, so Holly Eager, Kommunikationsassistentin in der INEOS- Firmenzentrale in London. Der Bericht wurde von der „London Playing Fields Foundation for Public Health England“ und von „Sport England“ in Auftrag gegeben, um die Wirkung von The Daily Mile an der Coppermill Primary School im Osten Londons zu bewerten. zwölf Wochen lang wurden 76 Kinder der Schule beobachtet, die zwölf Minuten lang auf einer 340 Meter langen Laufstrecke auf dem Sportplatz liefen. „Es war einfach ein glücklicher Zufall, dass letztlich The Daily Mile bewertet wurde“, so Holly. „Wir erfuhren das erst, als die Studie fast abgeschlossen war.“ Das Ergebnis des Experiments verblüffte die Lehrkräfte jedoch, denn die Lehrkräfte lagen in ihren SAT-Prüfungen aus Mathematik, Schreiben und Lesen deutlich über den nationalen und regionalen Erwartungen. Landesweit erwartete man, dass 66 Prozent der Schüler den Durchschnittswert im Lesen erreichen würden, doch an der Coppermill-Schule waren es 92 Prozent. „Es ist unglaublich“, so die Bilanz der Schulleiterin Figen Bektaşoğlu. The Daily Mile macht die Kinder nicht klüger, aber konzentrierter, aufmerksamer und lernbereiter.“ Ursula Heath, Konzernbeauftragte für Kommunikation bei INEOS, berichtete, dass sich mittlerweile Kinder aus über 2.500 Grundschulen aus dem Vereinigten Königreich, dem übrigen Europa und den USA an The Daily Mile beteiligten – sie verlassen in ihren Schuluniformen das Klassenzimmer und gehen 15 Minuten laufen, spazieren oder joggen. Das sind 500.000 Schülerinnen und Schüler, die jede Woche 2,4 Millionen Kilometer laufen. Und die Initiative wächst weiter – dank der Unterstützung von INEOS.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • GO RUN FOR FUN LIEFERT DENKFUTTER FÜR SCHULEN

    INEOS’ erfolgreiche Kampagne GO Run For Fun für eine gesündere Generation kommt nun ins Klassenzimmer. Seit die Kampagne im Sommer 2013 gestartet wurde, war sie phänomenal erfolgreich, doch INEOS ist überzeugt, dass man noch mehr tun kann, um Kinder zu einer gesunden, aktiven Lebensweise zu ermutigen. Das Team unterstützt Schulen, zunächst im Vereinigten Königreich, darin, den Kindern die Bedeutung besserer Fitness und richtiger Ernährung zu vermitteln. Den Schulen werden „mundgerechte“ Videos und Aktivitäten angeboten, die sich in den Unterricht integrieren lassen. Außerdem werden Lehrkräfte ermutigt, Lauf-Clubs zu organisieren, und Schülerinnen und Schüler erhalten die Gelegenheit, die Kampagne als Botschafterinnen und Botschafter an der Schule zu fördern. Das Team von GO Run For Fun wird die kostenlosen Laufveranstaltungen im gesamten Vereinigten Königreich weiterhin durchführen, wobei es jedoch weniger, aber dafür größere Events geben wird. „Dabei geht es darum, die Botschaft längerfristig zu vermitteln“, erklärt Ursula Heath, Konzernbeauftragte für Kommunikation bei INEOS. „GO Run For Fun“ wurde vom INEOS-Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe ins Leben gerufen, weil die Fettleibigkeit bei Kindern in besorgniserregendem Maß zunimmt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht darin eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Allein im Vereinigten Königreich ist nahezu ein Fünftel der Vier- bis Fünfjährigen übergewichtig. Seit dem ersten Event haben mehr als 205.000 Kinder zwischen fünf und zehn Jahre an Veranstaltungen im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Deutschland, Belgien, Norwegen, Italien, der Schweiz und in den USA, teilgenommen. „Und wir wachsen weiter“, so Ursula Heath. Letztes Jahr veranstaltete das Team 40 Events im Vereinigten Königreich. In diesem Jahr wird es eine Handvoll sein. „Aber dafür werden es noch größere Events sein“, meinte Ursula Heath. Auf dem europäischen Festland und in Amerika laufen die Veranstaltungen weiter wie gewohnt.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS SCHLIESST SICH DEM KAMPF GEGEN DIE PLASTIKVERSCHMUTZUNG AN

    Trotz all der Vorteile, die Kunststoffe für Bau-, Gesundheits-, Auto- und Verpackungsindustrie bieten, steigt allmählich das Bewusstsein dafür, dass grundlegende Veränderungen notwendig sind, damit das Meer nicht im Kunststoffmüll ertrinkt INEOS unterstützt offiziell eine internationale Initiative zum Stopp der Plastikverschmutzung von Ozeanen und Flüssen. Vorstandschef und Gründer Jim Ratcliffe unterzeichnete „Operation Clean Sweep“® der weltweiten Kunststoffindustrie und versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun. Die Entscheidung dafür fiel, als das Umweltprogramm der Vereinten Nationen meldete, dass jedes Jahr etwa acht Millionen Tonnen Kunststoff im Meer landen. „Wenn nicht jetzt weltweit gehandelt wird, werden unsere Ozeane mit den Resten des menschlichen Konsums gefüllt sein“, erklärte ein Sprecher in einem neuen Bericht. „Solche Statistiken machen Angst und solche Zahlen prägen sich vor allem Politikern, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Umweltinitiativen und der Allgemeinbevölkerung ein“, so Dr. Jason Leadbitter, Leiter für Nachhaltigkeit und soziale Unternehmensverantwortung bei INOVYN. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen beabsichtigt, über die nächsten fünf Jahre sechs Millionen Dollar in die ambitionierte Kampagne zu investieren, um ein vernachlässigtes Problem in den Vordergrund zu rücken. Wenngleich Dr. Leadbitter vielleicht für ein Unternehmen tätig ist, das zu den größten Kunststoffherstellern der Welt gehört, ob in Granulat- oder Pulverform, so meint er, INEOS sei sich dieses Problems schon seit Jahren bewusst – und versuche es zu bewältigen. „Es gibt bei uns schon unzählige Abläufe, die ein sorgfältiges Management der Standorte und der Verfahren gewährleisten, damit Kunststoffpulver und -granulate nicht verloren gehen“, berichtete er. „Wir haben überall Überlaufvorrichtungen und achten jederzeit auf gute Ordnung und Sauberkeit, damit nichts in die Umwelt gelangt.“ Eines der wichtigsten Anliegen von „Operation Clean Sweep“® wird jedoch darin bestehen, INEOS-Beschäftigten zusätzliche Schulungen anzubieten, ihnen mehr Verantwortung zu übertragen und regelmäßige Prüfungen vorzunehmen. „Wir müssen nachweislich positive Maßnahmen ergreifen, denn man wird uns in den kommenden Jahren daran messen“, gab er zu bedenken. „Dies liegt auch in unserem Interesse, denn diese Verluste sind, auch wenn sie noch so gering sind, von wirtschaftlicher Bedeutung für das Unternehmen.“ Er erinnert sich, wie er vor zehn Jahren in Sardinien am Strand saß und seine Tochter Kunststoffgranulat aus dem Sand fischte und wissen wollte, was das war. „Ich muss sagen, es war mir eher unangenehm, ihr erklären zu müssen, dass das Kunststoffgranulat war und dass ich in einer Branche tätig bin, die solches Granulat herstellt“, gestand er. Leadbitter meinte, die Zukunft könnte für die Branche düster werden, wenn sie dieses wachsende und schwerwiegende Problem nicht in den Griff bekäme. „Wenn wir es nicht schaffen, droht der Verzicht auf Kunststoffe, wie es einige NGOs heute schon für bestimmte Arten von Einweg-Plastik fordern“, deutete er an. „Zum Glück kommt „Operation Clean Sweep“® nun in Gang und gewinnt in dem Maße wie immer mehr Unternehmen sich der Initiative anschließen, bei einer Reihe von NGOs an Glaubwürdigkeit.“ Fidra, eine schottische Organisation, schätzt, dass allein im Vereinigten Königreich jährlich 53 Milliarden Kunststoffgranulate verlorengehen. „Wenn Sie sich nun vorstellen, dass ein 24-Tonnen-Tanker etwa 1,5 Milliarden Pellets fasst, kennen Sie die Größenordnung des Problems“, so Leadbitter. Glücklicherweise will Fidra mit der Branche und mit Fachverbänden arbeiten, nicht gegen sie. „Fidra kennt die Bedeutung der Kunststoffe für die Gesellschaft und versucht, das Problem gemeinsam anzugehen”, meinte Leadbitter. „Fidra sieht Operation Clean Sweep® als eine Maßnahme der Industrie zur Übernahme von Verantwortung.“ Aber Kunststoffgranulat ist nur ein Teil des Problems. Mikropartikel – die winzigen Kunststoffteilchen, die in Peeling-Produkten für die Körper- und Gesichtspflege enthalten sind – sind dazu gedacht, ins Abwasser gespült zu werden. Doch die Partikel schweben im Wasser und werden mitunter über erhebliche Entfernungen befördert. Es gibt unzählige Kampagnen für deren Verbot, doch inzwischen werden sie von Fischen gefressen, die sie für Nahrung halten. „Ich persönlich finde Mikropartikel vollkommen unverantwortlich“, so Leadbitters eigene Meinung. „Dass sie in die Natur gelangen, ist unvermeidlich, und sie schaden dem Ruf der Kunststoffindustrie eindeutig.“ Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen plant über die nächsten fünf Jahre, die größte Reinigungsaktion aller Zeiten an den Stränden dieser Welt in Gang zu setzen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. „Das ist nicht nur ein Thema für die Industrie, sondern für die gesamte Gesellschaft“, erklärte Leadbitter. ELLEN MACARTHUR WARNT VOR AUFZIEHENDEM STURM DAME Ellen MacArthur, die 2005 mit der schnellsten Weltumseglung im Einhandsegeln Geschichte schrieb, ist zu einer treibenden Kraft für die Veränderung geworden. Sie ist der Überzeugung, dass die heutige Struktur der Weltwirtschaft grundsätzlich mit Fehlern behaftet ist – und dass die Menschen sich an der Natur orientieren müssen, die nichts verschwendet. „Wie kann unsere Wirtschaft auf lange Sicht funktionieren, wenn sie begrenztes Material aus der Erde nimmt, etwas daraus herstellt und es letztlich wegwirft?“ Diese Frage stellte sie in den Raum. „Wir müssen ein Wirtschaftssystem aufbauen, in dem Dinge gebraucht, nicht verbraucht werden.“ In einem im Januar von der Ellen MacArthur Foundation und dem Weltwirtschaftsforum veröffentlichten neuen Bericht werden Kunststoffhersteller weltweit aufgerufen, bessere Verpackungen zu konzipieren, die Wiederverwertungsraten zu steigern und neue Modelle einzuführen, um Verpackungsmaterialien besser zu nutzen. Nur 14 Prozent der Kunststoffverpackungen werden derzeit wiederverwertet. Dieser Anteil könnte ihrer Meinung nach leicht auf 70 Prozent gesteigert werden, wenn das Design überdacht würde.

    6 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • KLIMA DES WANDELS

    Bisher konnte die Industrie ihre CO -Emissionen durch Energieeffizienz reduzieren, doch der Zeitpunkt wird kommen, wo sie einen größeren Beitrag wird leisten müssen, um die Erderwärmung aufzuhalten. Darum engagiert sich INEOS nun für ein Projekt, das die Welt verändern könnte INEOS schließt sich einer Initiative an, die das Potenzial hat, die Welt zu verändern. Es nimmt an ELEGANCY teil, einem von Norwegen geleiteten Forschungsprojekt zur Erkundung von besseren, einfacheren und billigeren Methoden für die Abscheidung von Kohlendioxid, dem Treibhausgas, das für die Erderwärmung verantwortlich gemacht wird. Wenn die EU sich in diesem Frühjahr bereit erklärt, das Projekt zu finanzieren, wird INEOS einen Doktoranden am Imperial College in London sponsern, der sich vorwiegend mit der Frage befassen wird, wie der schottische Standort Grangemouth sein Kohlendioxid abscheiden und speichern könnte. „Das Vereinigte Königreich wird seine Wirtschaft in Zukunft mit viel geringeren Kohlendioxidemissionen betreiben müssen, um strengere Haushaltsvorgaben für den Klimawandel einzuhalten; das ist also ein sehr gutes Gemeinschaftsprojekt“, so Professor Dr. Nilay Shah, Leiter des Fachbereichs Verfahrenstechnik am Imperial College. „Wir werden dem Doktoranden (m/w) eine Menge Tools für seine Analysen zur Verfügung stellen; das Team in Grangemouth wird zudem sehr viel industrielle Realität beisteuern, um zu erforschen, was am Standort möglich sein könnte und was nicht.“ INEOS sei genau das Unternehmen, mit dem man ein Projekt, das dem College am Herzen liegt, verwirklichen könne, meinte er. „INEOS denkt weit in die Zukunft voraus und verfügt über einige beeindruckende Anlagen, nicht nur in Grangemouth, sondern auch auf dem europäischen Festland, und das Unternehmen interessiert sich sehr für das, was wir mit Wasserstoff- und Kohlenstoffabscheidung versuchen“, erklärte er. „Alles deutet darauf hin, dass INEOS einer derartigen Zusammenarbeit und den daraus erwachsenden Herausforderungen offen gegenübersteht, um zu einem ,grünen’ Unternehmen zu werden – und das ziemlich schnell.“ Das College baute vor kurzem eine Pilotvorrichtung für die Kohlenstoffabscheidung, um deren Grundprinzipien besser zu verstehen. „Wir möchten Unternehmen wie INEOS zeigen, dass es tatsächlich möglich ist, mit der Vorgabe geringer CO -Emissionen zu arbeiten“, so Professor Shah. Die Industrie hat es bisher geschafft, ihre Emissionen durch Energieeffizienz zu reduzieren, auch wenn sie gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist. Doch Professor Shah hält es für vernünftig, wenn Unternehmen wie INEOS weitergehende Pläne für die Zukunft machen, bevor sich die Gesetze ändern. „Das zeigt nicht nur, dass es sich für die Reduktion des CO -Fußabdrucks einsetzt, sondern auch, dass es seine darüber hinaus gehenden Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft kennt“, so Shah. Professor Shah meinte, INEOS’ Entscheidung für eine enge Zusammenarbeit mit einem Doktoranden wäre zudem erfrischend, denn das Unternehmen sei sich bewusst, dass der Student auch schwierige Fragen stellen und Ineffizienzen innerhalb des Unternehmens aufzeigen könnte. „Der Doktorand kann mögliche alternative Vorgehensweisen finden, die vielleicht besser sind. Die Leute am anderen Ende müssen damit also gut leben können“, meinte er. „Für uns zeigt diese Zusammenarbeit, dass INEOS sehr saubere Produktionsverfahren anstrebt.“ Nach Ansicht von Regierungen könne die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff zu einer Wirtschaft mit geringerem CO -Ausstoß beitragen. Doch die Industrie ist in mancher Hinsicht skeptisch. In diesen Kreisen meint man nicht nur, dass die Technologie derzeit zu teuer im Aufbau und Betrieb sei, sondern auch, dass sich noch niemand überlegt hätte, wie das dabei abfallende Gas zu den möglichen Abnehmern transportiert werden könnte. Bei INEOS entsteht Kohlendioxid als Abfallprodukt bei den Produktionsverfahren; daher geht man dort davon aus, dass der Doktorand den Großteil seiner Zeit in Grangemouth und an den Kracker-Standorten Rafnes in Norwegen und in Köln verbringen wird. „Das erschien uns sehr interessant“, so Colin Pritchard, Zuständiger für Energie und Geschäftsleiter in Grangemouth. „Das ist keine rein akademische Angelegenheit. Die Lösungen müssen für die Industrie umsetzbar sein.“ So kann der Doktorand selbst beurteilen, wie sich seine Ideen in einem realen industriellen Umfeld bewähren. INEOS kam durch das F&E-Netzwerk von Greet Van Eetvelde sowie durch Professor Mazzotti an der ETH Zürich und Professor Shah, beide ELEGANCY-Partner, zur Beteiligung an diesem Projekt. Wenn es zustande kommt, wird INEOS im Juli als Teil eines Konsortiums aus handverlesenen Industriepartnern und akademischen Einrichtungen in Europa die Vor- und Nachteile der CO -Abscheidung und -Speicherung erforschen. „Es ist ein großes Projekt mit dem Potenzial, die Welt zu verändern, doch auch ein Unternehmen wie INEOS muss mit anderen Partnern zusammenarbeiten, um es umzusetzen, denn die Herausforderungen gehen über ein einfaches Ingenieurprojekt hinaus“, so Colin Pritchard, dessen Aufgabe darin besteht, dafür zu sorgen, dass die Produktionsanlage in Grangemouth mit genügend Dampf und Energie versorgt wird. Greet Van Eetvelde, die Vorsitzende des INEOS-übergreifenden Kohle- und Energienetzwerks, treibt Forschungs- und Entwicklungsprojekte für alle INEOS-Unternehmen voran. Sie möchte industriegerechte Lösungen für die Herausforderungen einer Umstellung auf eine CO -arme Wirtschaft kennenlernen und einrichten. „Wir hoffen, dass wir mit unserer industriellen Erfahrung und unserer betrieblichen Kenntnis dazu beitragen können, einen Weg in diese Zukunft zu entwerfen“, erklärte sie.

    4 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS VERSTÄRKT ENGAGEMENT IN DER NORDSEE

    INEOS ist nun innerhalb von weniger als zwei Jahren zu einem wichtigen Akteur in der Öl- und Gasindustrie der Nordsee geworden. Für all jene, die INEOS kennen, wird das hingegen kaum verwunderlich sein INEOS hat für mehr als eine Milliarde Dollar die gesamten Öl- und Gasanlagen eines dänischen Unternehmens in der Nordsee übernommen. DONG Energy bekundete seine Absicht, sich verstärkt auf erneuerbare Energien, insbesondere auf Windparks, auszurichten. „Wir haben aktiv auf die bestmögliche Lösung hingearbeitet, indem wir das Geschäft als Ganzes verkauft haben und damit seine langfristige Entwicklung sichern. Und mit INEOS ist uns genau das gelungen“, so Henrik Poulsen, CEO von DONG Energy. Für INEOS ist der Erwerb eines Portfolios von gut geführten, langlebigen Anlagen mit einem höchst erfolgreichen und erfahrenen Team einfach perfekt, da der Konzern weiterhin an der Erweiterung seines Upstream-Geschäfts arbeitet. „Dieses Geschäft ist für uns in dieser Phase unserer Erweiterungspläne sehr wichtig und wir sind über die damit einhergehende Expertise hocherfreut“, so INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. „Wir sehen in diesem beeindruckenden Portfolio bereits jede Menge Möglichkeiten.“ Durch den Kauf des gesamten Öl- & Gasgeschäfts von DONG positioniert INEOS sich als eines der zehn führenden Unternehmen in der Nordsee und wird zum größten privaten Explorations- und Produktionsunternehmen in diesem Energiebecken. Im Rahmen dieser Transaktion erworben wurden Ormen Lange, das zweitgrößte Gasfeld in norwegischem Hoheitsgebiet, Laggan-Tormore, ein neues Gasfeld westlich von Shetland sowie Öl- und Gasknotenpunkte in Dänemark. Derzeit wird das Äquivalent von 100.000 Barrel Öl pro Tag produziert, wobei 70 Prozent der Produktion aus den norwegischen Feldern stammt. Doch INEOS ist überzeugt, dass mehr möglich ist. ,,Wir glauben, wir haben diesem Unternehmen einiges zu bieten“, so Jim Ratcliffe. INEOS blickt bereits auf eine nachweisliche Erfolgsbilanz im Betrieb komplexer Anlagen zur weiteren Optimierung des wirtschaftlichen Aufschwungs bei den Kohlenwasserstoffen zurück. Das Upstream-Geschäft wurde im Oktober 2015 gegründet, nachdem alle britischen Nordsee-Gasfelder der DEA-Gruppe übernommen worden waren. Wenige Tage später verkaufte Fairfield Energy Holdings Ltd. seine 25-prozentige Beteiligung an der Clipper South-Plattform an INEOS. In letzter Zeit vereinbarte INEOS den Erwerb einer strategischen britischen Anlage, da der Kauf des 380 Kilometer langen Forties-Pipeline-Systems von BP für 250 Millionen Dollar geplant ist. Die neuesten Transaktionen unterliegen der Genehmigung durch die Regulierungsbehörden; im Anschluss daran werden die 440 DONG- und FPS-Beschäftigten von INEOS übernommen.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • SCHIEFERGAS-BOOM FÜHRT ZU MEHR ARBEITSPLÄTZEN

    Eine ZUKUNFTSORIENTIERTE Gemeinde half mit, ein rapide wachsendes, dynamisches amerikanisches Unternehmen zu Millioneninvestitionen in eine neue Produktionsanlage in ihrer Stadt zu bewegen. Als bekannt wurde, dass WL Plastics beabsichtigte, eine neue Fabrik für die Herstellung von Polyethylenrohren für die Infrastruktur (Wasser, Wasserversorgungsleitungen, Abwasserleitungen, Drainage) und für die US-Schiefergasindustrie zu eröffnen, begrüßte die Gemeinde die Pläne des Unternehmens und sorgte für eine rasche Verwirklichung des Projekts. Als sich die Gemeinde hinter das Projekt stellte, schnürten Politiker und Verantwortliche ein Anreizpaket in Höhe von 2,9 Millionen Dollar, um das Unternehmen dazu zu bewegen, seine neue Fabrik in Statesboro in Georgia, USA, zu errichten. Die Entwicklungsbehörde für Bulloch County, County und Bundesstaat versprachen, 12,5 Hektar Land für das Werk kostenlos zur Verfügung zu stellen und ein Eisenbahngleis zum geplanten Standort zu legen. Dafür erwarteten sie unter anderem die Schaffung von 50 gut bezahlten Arbeitsplätzen in der Fabrik sowie die Verpflichtung, lokale Güter und Dienstleistungen für die Herstellung der WL-Produkte einzukaufen. Die Anreize zeigten Wirkung. Die Fabrik wurde gebaut und die Produktion begann im Januar dieses Jahres. „Das ist eine klare Win-Win-Situation“, so Dennis Seith, CEO von INEOS O&P USA, Eigentümer von WL Plastics seit Ende letzten Jahres. WL Plastics war eben dabei, seinen siebten Produktionsstandort in Statesboro zu errichten, als INEOS das Unternehmen im November zu 100 Prozent übernahm. Die Fabrik produziert Rohre aus Polyethylen hoher Dichte (PE-HD), die für die Infrastrukturentwicklung sowie die Zu- und Ableitung von Wasser für die Schiefergas-Fracking-Standorte in den USA benötigt werden. „Dies ist ein sehr gutes Beispiel für die Investitionen, die mit Schiefergas- und Infrastrukturentwicklung verbunden sind“, meinte INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe, der Millionen investiert hat, um im Vereinigten Königreich eine Schiefergasindustrie aufzubauen. Rohre aus PE-HD werden nicht undicht und rosten nicht; sie sind daher bei geeigneter Planung und Verlegung 100 Jahre wartungsfrei. Daher werden sie naturgemäß von Öl- und Gasproduzenten stark nachgefragt. Bei der offiziellen Eröffnungsfeier des neuen Werks im letzten Monat lobte Benjy Thompson, Sprecher der Entwicklungsbehörde für Bulloch County, die 13-Millionen-Dollar-Investition durch das zu INEOS gehörige Unternehmen WL Plastics. „Projekte dieser Art sorgen für Vielfalt an einem Industriestandort“, meinte er. „Wir haben nicht ein oder zwei große Arbeitgeberbranchen, wir haben eine Reihe von mittleren bis kleinen Herstellern. Das ist gut für die Gesundheit unserer Wirtschaft insgesamt.“ Dennis Seith war ganz seiner Meinung. „Ich glaube, das ist die Schiefergas-Story – aus der Förderung kostengünstiger Energie werden letztlich neue Arbeitsplätze geschaffen. Und eine hochentwickelte Gesellschaft braucht diese Art von Arbeitsplätzen in der verarbeitenden Industrie, damit ihre Gemeinden überleben können.“

    4 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • Bitte vortreten, Kendra!

    EINE der inspirierendsten INEOS-Managerinnen wird nächsten Monat geehrt. Kendra Carter, Unternehmensbereichsleiterin Olefine bei INEOS O&P USA, wird für ihre vorbildlichen Führungsfähigkeiten mit einem „STEP Ahead Award“ von „Women in Manufacturing“ ausgezeichnet. „The Manufacturing Institute“ wählt jedes Jahr 100 Frauen aus, die in ihrem Bereich viel bewirkt haben. Niemand freut sich mehr für Kendra als ihr Chef Dennis Seith. „Kendra gehört zu jenen Führungskräften, die viel dadurch bewirken, wie sie andere fördern und mit gutem Beispiel vorangehen“, meinte er. „Und sie ist einer der Gründe dafür, dass unser Geschäft in den USA zu den rentabelsten des INEOS-Konzerns gehört.“ Das Olefingeschäft ist unter Kendras Führung um 300 Prozent gewachsen. Sie hat erfolgreich die Umsetzung von Projekten vorangetrieben, die nicht nur die Produktion gesteigert, sondern auch den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens reduziert haben. „Was wir tun, erhöht die Lebensqualität für Menschen auf der ganzen Welt – und das ist wirklich inspirierend“, sagte sie. „Die von uns hergestellten Produkte kommen mit Menschen über ihre Kleidung, Wohnung, Nahrung und über den Transport in Kontakt.“ Das Manufacturing Institute hofft, dass Frauen wie Kendra die nächste Generation von Frauen dazu anregen werden, eine Laufbahn in der verarbeitenden Industrie anzustreben.  

    1 minute lesezeit Ausgabe 12
  • INOVYN belohnt visionäre Unternehmen

    INNOVATIVE Unternehmen, die INOVYNs Vision einer stetigen Produktverbesserung und nachhaltigen Entwicklung teilen, zeigten gegen Ende des letzten Jahres, was die Branche zu bieten hat. Und die besten von ihnen wurden geehrt. Anlass waren die allerersten INOVYN Awards für Innovation im Bereich Vinyle. „PVC wird oft als ausgereiftes Produkt angesehen, doch in Wahrheit ist das Streben nach Innovation in unserer Branche nach wie vor sehr stark“, erklärte Chris Tane, CEO von INOVYN, Europas führendem Vinylhersteller. „Es ist die Lebensader unserer Branche.“ PVC gibt es zwar schon seit den 30er-Jahren, doch es passt sich beständig an die Bedürfnisse einer sich ändernden Welt an. Allein in den letzten zehn Jahren wurden etwa 70.000 PVC-bezogene Patente angemeldet – und der jährliche Trend geht nach oben. INOVYN hatte Hersteller/innen, Händler/innen, Architekt/innen, Designer/innen, Studierende sowie akademische und Forschungseinrichtungen aus der ganzen Welt eingeladen, sich für eine hohe Auszeichnung bei der allerersten derartigen Veranstaltung zu bewerben. Die Resonanz war überwältigend. Insgesamt reichten Unternehmen aus 17 Ländern auf fünf Kontinenten 72 Projekte für Auszeichnungen hinsichtlich Innovation, Nachhaltigkeit oder Industriedesign ein. „Niveau und Qualität zeigten eindeutig, dass die Innovation in unserer Branche so lebendig ist wie eh und je“, so Chris Tane. Nach einer schwierigen Entscheidung durch die fünf unabhängigen Juroren erhielt Chemson Pacific Pty Ltd. aus Australien die Auszeichnung für Innovation für sein 3D-Vinyl für den fortgeschrittenen industriellen 3D-Druck. „Es ist wirklich eine Ehre, von INOVYN für unsere Leistung im Bereich PVC ausgezeichnet zu werden“, so Greg Harrison, Geschäftsführer von Chemson. Den Preis für Nachhaltigkeit erhielt die im Vereinigten Königreich angesiedelte Axion Consulting für ein Programm, durch welches im Gesundheitsbereich eingesetztes PVC dem Recycling zugeführt wird. Und die schwedische Firma Bolon AB gewann in der Kategorie Industriedesign für ihr interaktives Design-Tool, mit welchem Kunden ihr eigenes gewünschtes Design für einen Vinylgewebeboden erstellen können. Chris Tane erklärte, die globale Vinylindustrie wisse nur zu gut, wie wichtig die Herstellung nachhaltiger Produkte sei. „Sie ist absolut entscheidend für den anhaltenden Erfolg der Branche“, merkte er an. Die nächsten Preisverleihungen finden 2019 statt.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • INEOS OXIDE ÜBERNIMMT ARKEMAS OXO-ALKOHOLGESCHÄFT

    Die Transaktion erforderte die Genehmigung durch die EU-Kommission, welche letzten Monat erteilt wurde. CEO Graham Beesley bezeichnet den Verkauf von Oxo-Alkoholen, die vorwiegend für die Herstellung von Acrylestern, Dieselzusätzen, Farben und Schmierstoffen eingesetzt werden, als entscheidendes Geschäft für INEOS Oxide. Durch den Abschluss wird INEOS auch zum hundertprozentigen Eigentümer von Oxochimie, seinem 50:50-Joint-Venture mit dem französischen Chemiekonzern. Oxochimie hat einen Standort in Lavéra, wo Butanol und 2-Ethyl-Hexanol hergestellt werden. „Wir freuen uns auf die Integration des Oxochimie- Joint-Ventures und den Ausbau unserer globalen Marktpräsenz im Bereich der Oxo-Alkohole, Aldehyde und Derivate“, so Beesley.

    1 minute lesezeit Ausgabe 12
  • Grangemouth hält sich Optionen offen

    INEOS O&P UK ist mit mehreren Firmen im Gespräch, die Interesse an einer Verlegung ihrer Standorte nach Grangemouth – dem Standort von INEOS’ neuer 20-Millionen-Pfund-Zentrale, die vor kurzem einen Architekturpreis erhielt – zu bekunden. Ian Little, Leiter der Geschäftsentwicklung für den Standort, teilt mit, es seien noch keine Verträge geschlossen worden, doch er vertraue in die neuerliche Attraktivität des Standorts nach INEOS’ bahnbrechender Entscheidung, Ethan aus den USA in den schottischen Hafen zu schiffen. „Wir stehen momentan noch ganz am Anfang“, sagte er. „Wir hatten Vorgespräche mit einigen wenigen Chemikalienherstellern.“ INEOS’ Vision für den Standort Grangemouth besteht darin, diesen bis 2020 zu einem führenden globalen Zentrum in der Chemieproduktion und zu einem Kompetenzzentrum zu entwickeln. Seine neue Zentrale strahlt sicherlich Zuversicht aus. Diese wiedererstarkte Zuversicht war auch im März dieses Jahres zu spüren, als das vierstöckige Gebäude, das von einem führenden schottischen Architektenbüro geplant wurde, bei den 4. Annual Scottish Property Awards in Edinburgh einen Preis erhielt. „Für uns bringt das Gebäude unser anhaltendes Engagement für eine Produktionsstätte von Weltklasse am Standort Grangemouth zum Ausdruck“, so John McNally, CEO von INEOS Olefins & Polymers UK. Die neuen Büros, in denen die 450 Beschäftigten von INEOS Olefins & Polymers nun erstmals unter einem Dach vereint sind, seit INEOS den Standort 2005 von BP kaufte, sind jedoch nur ein Teil von INEOS’ langfristiger 450-Millionen-Pfund-Investition in den 680 Hektar großen Standort Grangemouth. Die Schiefergaslieferungen, die seit Ende letzten Jahres hier in Grangemouth eintreffen, haben den Standort zu neuem Leben erweckt und eine Wiederbelebung der petrochemischen Industrie gebracht.

    0 minuten lesezeit Ausgabe 12
  • „INEOS INSIGHT“ – EINBLICKE IN DIE ZUKUNFT

    Ein einziger schottischer Dudelsackpfeifer kündigte die Ankunft der ersten Schiffsladung des mittels Fracking-Technik geförderten Schiefergases aus den USA in Grangemouth an. Der ehemalige INEOS-Mitarbeiter stand am Bug und spielte den „Skye Boat Song“, als das 183 Meter lange Schiff INEOS Insight – mit der Aufschrift „Schiefergas für die verarbeitende Industrie“ – die Forth Bridge passierte. Für John McNally, CEO INEOS O&P UK, war es ein unvergleichlicher Augenblick. Für ihn und die 400 Gäste, darunter INEOS-Beschäftigte, die für die Teilnahme ausgelost worden waren, wurde Geschichte geschrieben. „Als ich 2014 den Posten als CEO übernahm, wurde schon über diesen fernen Tag gesprochen“, sagte er „Wir haben zwei Jahre lang buchstäblich die Tage gezählt.“ An Bord des Schiffes, einer in China gebauten Spezialkonstruktion, befanden sich 27.500 Kubikmeter Ethan, die in fast 5000 Kilometern Entfernung, in Pennsylvania, aus der Erde gepumpt und für die 10-tägige Reise über den Atlantik auf das Schiff verladen worden waren. Die „Chemical Industries Association“, der britische Verband der chemischen Industrie, beschrieb es als bedeutendste Zukunftsinvestition des Jahrzehnts im Bereich der verarbeitenden Industrie. „Die Lieferungen sind nicht nur eine gute Nachricht für INEOS“, so Steve Elliott, Chief Executive des Verbandes. „Sie sind auch eine gute Nachricht für den gesamten Sektor und darüber hinaus. Wenn wir erschwingliche und gesicherte Energie ins System bringen, wie INEOS uns das vorführt, kann die verarbeitende Industrie mit besserer Kapazität arbeiten. Das bringt uns allen große Vorteile im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.“ Dank der kostbaren Fracht von INEOS aus Amerika kann die britische Industrie nun auch endlich von dem billigen US-Gas profitieren; dieses hat so sehr zur Wiederbelebung der verarbeitenden Industrie in Amerika beigetragen und wird dem Vereinigten Königreich helfen, weltweit konkurrenzfähig zu sein. Auf der anderen Seite des Atlantik, in Amerika, sind die Energiepreise mittlerweile so wettbewerbsfähig, dass es große Ausbauprogramme in Branchen wie der chemischen Industrie und der Stahlindustrie gibt, die plötzlich zu den konkurrenzfähigsten weltweit gehören. „In Amerika wird so viel Gas produziert, dass die Importterminals für Gas nun zu Exportterminals umgebaut werden“, so INEOS-Vorstandschef und -Gründer Jim Ratcliffe. Jim Ratcliffe, der in Failsworth, Manchester, aufgewachsen ist, sagte, das Eintreffen der ersten US-Lieferung sei ein äußerst wichtiger und historischer Tag sowohl für INEOS als auch für das Vereinigte Königreich gewesen. „Diese Lieferung garantiert die Sicherheit von Tausenden Arbeitsplätzen in Schottland“, erklärte er. „Das Schiefergas kann dazu beitragen, den Niedergang der britischen verarbeitenden Industrie aufzuhalten – und heute setzen wir den ersten Schritt dazu.“ Dies ist das erste Mal, dass Ethan aus US-Schiefergas in das Vereinigte Königreich verschifft wurde, und es ist jener Punkt, an dem INEOS’ Investition von zwei Milliarden Dollar zum Tragen kommt. Insgesamt werden in den kommenden 15 Jahren acht Tanker jede Woche eine virtuelle Pipeline zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich entstehen lassen. Um Grangemouth für die Ladungen zu rüsten, musste INEOS Millionen in die Modernisierung des 680 Hektar großen schottischen Standortes investieren. Dort wurde ein neues Importterminal errichtet, wo die Schiffe ihre wichtige Fracht löschen können; und es wurden fast fünf Kilometer Pipelines für den Transport des Gases vom Hafen zu einem neuen, 40 Meter hohen Ethanspeichertank, dem größten dieser Art in ganz Europa, verlegt. Außerdem wurde ein ganz neues Bürogebäude errichtet, so dass nun erstmals, seit INEOS den Standort im Jahr 2005 von BP erwarb, alle Beschätigten an einem Ort vereint sind. „Für Grangemouth wird ein Wandel vollzogen“, sagte John. „Das Schicksal des Werks wird sich über Nacht wenden, weil es nun endlich mit voller Kapazität arbeiten kann.“ Die Olefin-Anlage arbeitete viele Jahre nur mit halber Kapazität – und machte somit riesige Verluste –, weil zu wenig Nordseegas vorhanden war, welches für INEOS ein unerlässlicher Ausgangsstoff ist. So hätte INEOS das defizitäre Petrochemie-Werk wegen des deutlichen Rückgangs des Nordseegases schließen müssen. Die Schließung des Petrochemie-Komplexes hätte vermutlich das Ende der Raffinerie bedeutet, in der der Großteil des Treibstoffs für Schottland produziert wird und die etwa 3 Prozent zum schottischen BIP beisteuert. „Rückblickend betrachtet machte dieser Standort zeitweise mehr als 100 Millionen Pfund Verlust pro Jahr – es war nicht tragbar“, so John. „Für die Zukunft erwarten wir einen Gewinn von mehr als 100 Millionen Pfund pro Jahr, wenn alles läuft.“ Das entscheidende Element für die Rettung der Anlage waren die amerikanischen Schiefergaslieferungen. „Unsere Schiefergas-‚Investition‘ hat in Schottland 10.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze gerettet“, erklärt Jim Ratcliffe. Aber nicht nur der INEOS-Standort Grangemouth wird von den Lieferungen profitieren. Eine historische Pipeline, die überschüssiges Nordseegas von ExxonMobils Ethylenanlage in Fife nach Grangemouth brachte, wird nun ,,umgedreht”, sodass INEOS einen Teil des importieren Gases an ExxonMobil liefern kann. „Die Anlage in Fife spielt eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Region“, so Sonia Bingham, Leiterin der Anlage für ExxonMobil Chemical in Fife. Eine weitere Pipeline wird Ethylen aus Grangemouth zu den Produktionsanlagen von INEOS Oxide in Hull befördern, sodass die Produktion von Ethylacetat ab nächstem Jahr um 100.000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden kann. Ethylacetat ist sehr gefragt und wird für pharmazeutische und kosmetische Produkte, Druckfarben und flexible Verpackungen verwendet; die Anlage in Hull arbeitet bereits mit voller Kapazität. Die Investition in Höhe von mehreren Millionen wurde kurz nach der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union angekündigt. „Wir glauben an die britische verarbeitende Industrie und werden sie unterstützen, wann immer wir können“, so Jim Ratcliffe. Den Aussagen von Graham Beesley, CEO INEOS Oxide, zufolge sei INEOS Oxide bereits jetzt der größte Hersteller von Ethylacetat in Europa. „Und wir werden noch viel weiter wachsen“, meinte er.

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  • UNTERSTÜTZUNG DURCH REGIERUNG ENTSCHEIDEND, SO INEOS

    Die von der britischen Regierung gewährte Darlehensgarantie in Höhe von 230 Millionen-Pfund für Grangemouth war entscheidend für die Sicherung der Zukunft dieses Standortes, erklärt INEOS. Ohne diese Garantie hätte INEOS Olefins & Polymers UK größere Probleme gehabt, die für den Umbau des Standortes erforderlichen Mittel aufzubringen, um diesen für die Importe von Ethan aus in den USA gefördertem Schiefergas zu rüsten. Mit dieser Garantie konnte INEOS die Mittel für sein revolutionäres zwei-Milliarden-Pfund-Projekt zur Beförderung von Ethan über eine Distanz von 5000 Kilometern in das Vereinigte Königreich über öffentliche Anleihen beschaffen und Tausende von Arbeitsplätzen in Schottland retten. Im September 2016 wurde dieses Vertrauen – der Glaube an die Realisierbarkeit der INEOS-Pläne – nun letztlich gerechtfertigt, als der Standort die allerersten Lieferungen aus Pennsylvania in Empfang nahm. Doch die Ankunft der INEOS Insight und ihrer kostbaren Fracht bringt Schottland in ein Dilemma. Die schottische Regierung steuerte acht Millionen Pfund aus öffentlichen Geldern für die Umsetzung der kühnen INEOS-Pläne bei, wohl wissend, dass der verlustträchtige Petrochemie-Komplex in Grangemouth ohne einen Ersatz der schwindenden Gasvorräte in der Nordsee durch US-Schiefergas hätte schließen müssen. Doch die schottische Regierung hat über die Fracking-Technik ein Moratorium verhängt, bis die Untersuchungen über dessen Unbedenklichkeit abgeschlossen sind. Dieses von Nicola Sturgeon, Parteichefin der Scottish National Party (SNP), verhängte Moratorium hindert INEOS schon an der Untersuchung der Geologie Schottlands an sich, obwohl es über Lizenzen für die Exploration und Erschließung von Schiefergas verfügt. Unter den nahezu 400 Anwesenden, die die erste Ladung von US-Schiefergas begrüßt hatten, war kein Vertreter der schottischen Regierung zugegen. Die Parteichefin der schottischen Konservativen, Ruth Davidson, deren Kollege David Mundell, Staatssekretär für Schottland, unter den Gästen war, meinte, das werfe kein gutes Licht auf die SNP. „Die Menschen in Schottland werden nur schwer verstehen, warum Nicola Sturgeon es gut findet, wenn Schiefergas über den Atlantik geschifft und in Schottland verarbeitet wird, eine Schiefergasextraktion in Schottland aber nicht in Frage kommt“, so Ruth Davidson. „Das erscheint weder umweltpolitisch noch ökonomisch begreiflich.“ Sie fuhr fort: „Diese Entwicklung wird Tausende von Arbeitsplätzen in Schottland sichern. Durch ihre Anwesenheit hätte die schottische Regierung signalisiert, dass sie die wirtschaftliche Bedeutung des Schiefergases und der erweiterten Grangemouth-Anlagen erkennt.“ INEOS, das nun eine Schiefergasexploration in England anstrebt, bezeichnete die fehlende Anwesenheit der SNP als enttäuschend, zog es aber dennoch vor, seinen Blick vor allem auf die positiven Aspekte zu richten. „Die Lieferung von US-Schiefergas sichert Tausende von Arbeitsplätzen in der verarbeitenden Industrie Schottlands“, so Jim Ratcliffe, INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer.

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  • INEOS BLEIBT AUCH NA CH DEM BREXIT ZUVERSICHTLICH

    Zwar hatte die NACHRICHT von der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union zweifelsohne Schockwellen rund um die ganze Welt ausgelöst. Doch für INEOS, eines der weltgrößten Chemie- und Energieunternehmen mit 67 Produktionsstandorten in 16 Ländern heißt es „business as usual“. „Wir hatten immer gesagt, dass wir es entweder mit oder ohne die EU schaffen würden“, so INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer Jim Ratcliffe, der zu den erfolgreichsten Unternehmern Großbritanniens gehört. „Als Unternehmen unterstützte INEOS den Binnenmarkt, nicht hingegen den Gedanken von Vereinigten Staaten von Europa.“ Als das Ergebnis in den Morgenstunden des 24. Juni 2016 verkündet wurde, rief Jim Ratcliffe die britische Regierung auf, sich auf die notwendigen Maßnahmen zu konzentrieren und sich nicht mit Vorwürfen aufzuhalten. „Der Brexit ist Realität und wir müssen uns auf komplexe und schwierige Verhandlungen mit unseren europäischen Nachbarn einstellen“, erklärteer. „Wir müssen zuhören, wir müssen unbeirrbar höflich und charmant bleiben. Aber wir dürfen keine Schwächen zeigen oder um drei Uhr morgens die Segel streichen, wenn es ans Eingemachte geht und die meisten Punkte gewonnen oder verloren sind.“ Er meinte, „Härte und Entschlossenheit“, verbunden mit „Höflichkeit und Charme“ wären nun gefragt, um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu verhandeln. „Wir dürfen nie vergessen, dass wir eigentlich ganz gute Karten haben“, meinte er. „Und die Briten sind auf der ganzen Welt allgemein beliebt und angesehen.“ Europa bräuchte den Zugang zum Markt des Vereinigten Königreichs, der größer sei als der russische, ebenso sehr wie umgekehrt, so Jim Ratcliffe. „Mercedes wird seine Autos weiter im Vereinigten Königreich verkaufen“, fuhr er fort. „Und London ist eines von zwei wichtigen Finanzzentren, und das wird es auch bleiben.“ In Wahrheit weiß noch niemand in Großbritannien, welche Auswirkungen der Brexit auf die eigene Wirtschaft haben wird. „Die Wetten lauteten auf kurzfristige Einbußen und langfristige Gewinne“, so Ratcliffe. „In jedem Fall sollten wir aber heute intensiver darüber nachdenken, wie wir die Wirtschaft ankurbeln können.“

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  • INEOS’ APPELL AN LABOUR-CHEF JEREMY CORBYN WEGEN FRACKING VERBOT

    Das FRACKING nach Schiefergas soll in Großbritannien verboten werden, wenn die Labour Party die nächsten Parlamentswahlen gewinnt. Das kündigte Labour-Parteichef Jeremy Corbyn im September 2016 bei der Konferenz seiner Partei in Liverpool an. INEOS Shale, das über eine Lizenz für die Schiefergasexploration auf mehr als 400.000 Hektar im Vereinigten Königreich verfügt, vernahm dies mit Bestürzung. „Wir sind zutiefst enttäuscht und erstaunt, dass man zuvor nicht zumindest mit uns darüber gesprochen hat“, so Gary Haywood, CEO von INEOS Shale. Gary hat nun an Jeremy Corbyn geschrieben, um die Überlegungen hinter dieser Entscheidung kennenzulernen, und angeboten, mit führenden Labour-Politikern Gespräche aufzunehmen. In seiner Rede vor der Parteikonferenz erklärte der Labour-Abgeordnete Barry Gardiner, die Zukunft liege in den erneuerbaren Energien. „Die Entscheidung lautet nicht Schiefergas oder erneuerbare Energien“, so Gary Haywood. „Angesichts des derzeitigen Stands der Dinge wissen wir heute nicht, wie im Vereinigten Königreich in Zukunft Privathaushalte geheizt, Produkte hergestellt und für Beleuchtung gesorgt werden soll, wenn gerade kein Wind bläst.“ In seinem Brief an die Oppositonsführung erklärte Gary Haywood, dass Gas ein grundlegender Rohstoff für die Herstellung einer Vielzahl chemischer Produkte ist, die für die Herstellung zahlreicher Produkte des täglichen Lebens verwendet werden. Er erklärte, INEOS, das im Vereinigten Königreich rund 4000 Menschen beschäftigt, hielte es für besser, Energie aus Großbritannien zu beziehen, wo man sie regulieren könnte, und nicht aus einer Reihe von instabilen Ländern mit unterdrückerischen Regimen. Um es mit den Worten von Gary Smith, Sekretär der schottischen Gewerkschaft GMB, zu sagen: „Wir werden durch unseren Gasbedarf zunehmend von Regimen abhängig sein, in denen diverse Henker und ihre Gefolgsleute das Sagen haben. Das ist nicht ethisch und bedeutet ganz gewiss eine Abkehr von unseren umweltpolitischen und moralischen Verpflichtungen.“

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  • LASSEN WIR ES WAHR WERDEN

    DIE Bereitstellung und Sicherung der Energieversorgung ist eine Kernaufgabe jeder Regierung. Dafür zu sorgen, dass die Lichter nicht ausgehen, ist ebenso wichtig wie Gesundheit, Bildung oder Recht und Ordnung, doch die Öffentlichkeit macht sich darüber kaum Gedanken – man will heißes Wasser zum Duschen, fragt aber nicht nach den wirtschaftlichen Faktoren dahinter. Doch Energie ist nicht nur für die Allgemeinbevölkerung wichtig. Auch die verarbeitende Industrie benötigt eine stetige Versorgung, um die Produktion aufrecht zu erhalten – eine Produktion, von der über zwei Millionen Arbeitsplätze abhängen. Die verarbeitende Industrie muss konkurrenzfähig bleiben, und zwar so konkurrenzfähig – ich meine damit rentabel –, dass auch noch Investitionen möglich sind. Andernfalls wird die Industrie verkümmern und absterben, wie es beim Großteil der einst stolzen britischen Textilindustrie der Fall war nur einen Punkt. Dasselbe Prinzip gilt für die verarbeitende Industrie, die ebenso stark von wettbewerbsfähigen Energiepreisen abhängig ist wie die Chemie-, Stahl-, Automobilbranche und viele andere Sektoren. Wenn diese Sektoren nicht mehr konkurrenzfähig sind, werden die Unternehmen schließen, und ihre Arbeitsplätze gehen verloren – wie dies im letzten Jahr in der Stahlindustrie zu beobachten war.. Schlimmer nocht, diese Stufe ist längst erreicht! Die verarbeitende Industrie erlebte im Vereinigten Königreich im Verlauf der letzten 20 Jahre einen drastischen Niedergang. Von etwa 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in den 90er Jahren – vergleichbar mit dem deutschen Niveau – schrumpfte die verarbeitende Industrie im Vereinigten Königreich auf gegenwärtig erbärmliche neun Prozent. Und der kleine Rest der verarbeitenden Industrie hat mit Energiepreisen zu kämpfen, die zu den höchsten der Welt gehören. Die Gaspreise sind um 50 Prozent höher als in Amerika, und Strom kostet doppelt so viel wie in den USA. Deutschland schützt seine verarbeitenden Betriebe durch Befreiungen von Umweltsteuern. Aufeinanderfolgende britische Regierungen ließen diese dagegen immer mehr anwachsen. Die gegenwärtige Situation wird noch dadurch verschärft, dass das Vereinigte Königreich seit Jahrzehnten keine schlüssige Energiepolitik hat. Während die letzten Kohlekraftwerke, die für heutige Umweltstandards einfach zu ,,schmutzig” sind, geschlossen werden, schwinden die Nordseegasvorkommen, und das Vereinigte Königreich ist mit alternden Kernkraftwerken konfrontiert. In den letzten 20 Jahren setzte die britische Regierung scheinbar auf Windenergie, obwohl der Anführer der Lobby der erneuerbaren Energien kürzlich zugeben musste, dass es in England einfach nicht genug Wind für die Windenergie gebe. Wenn wir den gesamten Energiebedarf des Landes nehmen und den Kraftstoff für den Verkehr abziehen, bleiben Gas und Kernenergie die deutlich vorherrschenden Energiequellen mit einem Anteil von etwa 60 Prozent. Windenergie, die großen Schwankungen von Tag zu Tag unterworfen ist, macht etwa drei Prozent aus. Unter der Annahme, dass die Kohle in den nächsten Jahren auslaufen wird, wird der überwiegende Anteil von Gas und Kernenergie noch weiter steigen. Das Vereinigte Königreich ist als Land heute völlig von Gas und Kernenergie abhängig. Es gibt auf absehbare Zeit keine realistischen Alternativen. Doch, und das ist kein unbedeutendes „doch“, die Gasvorräte in der Nordsee gehen rasch zur Neige, und die Kernkraftwerke sind nicht mehr die Jüngsten. Die Produktion von Nordseegas hatte ihren Höhepunkt in den 2000-er Jahren erreicht; derzeit macht sie weniger als 50 Prozent der Spitzenproduktion aus. In zehn Jahren wird die Produktion bei weniger als 20 Prozent liegen. So bleibt dem Vereinigten Königreich die Wahl zwischen russischen Importen, teuren Flüssiggasimporten und einer eigenen Schiefergasproduktion, an der INEOS sehr interessiert ist. Das sogenannte Marcellus-Schiefergasfeld in Pennsylvania, USA, produziert mehr als das Doppelte des gesamten Gasverbrauchs des Vereinigten Königreichs – und man begann dort erst vor sechs Jahren mit den Bohrungen. Schiefergas ist nicht nur in riesigen Mengen vorhanden, es ist zudem sehr billig: Es ließ den Gaspreis in den USA um 75 Prozent sinken. Und das Vereinigte Königreich sitzt wohl offensichtlich auf recht bedeutenden Vorkommen. Die Frage der Kernenergie ist komplexer. Es gibt immerhin über 400 Kernkraftwerke auf der ganzen Welt, mit unterschiedlichen Technologien. Für Hinkley Point wird französische Areva-Technologie eingesetzt werden, obwohl bisher noch kein Reaktor dieses Typs in Betrieb ist. Zwei werden in Europa errichtet: der erste, in Finnland, mit neun Jahren Verspätung; der andere, in Frankreich, mit sieben Jahren Verspätung. Beide haben ihren Kostenrahmen um das Dreifache überschritten. Zwei weitere sind in China im Bau, und auch hier ist man mehrere Jahre im Verzug. Das ist nicht gerade ein ermutigendes Bild! Es gibt andere Optionen, etwa den von Westinghouse und Toshiba gebauten Reaktor, der die bekanntlich strengen Anforderungen der US-Behörden erfüllt hat. Von diesem Typ sind acht Reaktoren in Bau, vier davon in den USA. Auch hier ist deren Bau um einige Jahre in Verzug geraten, allerdings nicht annähernd so viel wie bei dem französischen Reaktor. Außerdem gibt es einen Reaktor mit konventioneller Technologie, der von GE und Hitachi konzipiert wurde und von dem bereits vier errichtet wurden. Im Vereinigten Königreich sind heute acht Kernkraftwerke in Betrieb, die alle schon in die Jahre gekommen sind. Es gilt, die nuklearen Kapazitäten im Vereinigten Königreich eindeutig ausbauen, und auch wenn es unterschiedliche Reaktortypen gibt, ist eines klar: ohne Kernkraft geht es nicht, denn es gibt keinen verlässlichen Ersatz. Anstelle des geltenden Finanzierungsabkommens mit EDF und ihren chinesischen Amtskollegen sollte die britische Regierung vielmehr eine direkte Finanzierung aus dem Budget in Erwägung ziehen und es dann auf die Bilanz des Vereinigten Königreichs setzen, denn nach diesem Kapitaleinsatz sind die variablen Kosten der Stromproduktion sehr gering; die verarbeitende Industrie ließe sich über viele Jahre hinweg mit Energie zu sehr konkurrenzfähigen Preisen versorgen. Das Vereinigte Königreich wird auf absehbare Zeit für seinen primären Energiebedarf zur Versorgung der Allgemeinbevölkerung und für Industrie und Handel von Gas und Kernenergie abhängig sein. Die britische Energiepolitik sollte für die nächsten zehn Jahre die sichere Förderung von Schiefergas und die Errichtung ,,bewährter” neuer Kernkraftwerke zu vorrangigen Zielen machen. Das ist tatsächlich gar nicht so kompliziert.

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  • STANDORT KÖLN: AUF EWIG DANKBAR

    DIE Zukunft des Bereichs Petrochemie von BP in Köln erschien ungewiss. BP war nicht mehr an der Herstellung von Chemikalien interessiert und wollte den Geschäftsbereich entweder abspalten oder verkaufen und sich auf sein rentableres Kerngeschäft, die Produktion von Öl und Gas, konzentrieren. Doch wo BP keine Zukunft für die Produktion von Chemikalien sah, erkannte INEOS gewaltige Möglichkeiten für INNOVENE. Innerhalb von Monaten kaufte INEOS dem Ölriesen seine Tochtergesellschaft für Olefine, Derivate und Raffinerie für neun Milliarden Dollar ab – und mit ihr auch den Standort Köln. Die Beschäftigten hatten kaum Grund zur Sorge. Denn innerhalb von Wochen begann dieses den meisten von ihnen unbekannte Unternehmen, positive Veränderungen in der Führung der Gesellschaft vorzunehmen. Der Schwerpunkt wurde sofort wieder auf die wichtigsten Stärken des Standorts verlagert – Sicherheit, Manufacturing Excellence und seine Kunden. „Ich erinnere mich noch an meine Erleichterung darüber, dass sich der Ansatz von INEOS so sehr von dem von BP unterschied“, so Dr. Axel Göhrt, früherer Leiter Betriebsstandortdienstleistungen, heute Geschäftsführer Produktion und Technik. „Die Belegschaft erkannte den Unterschied sehr rasch.“ Es gab neue Führungsstrukturen, und die Beschäftigten wurden angewiesen, vermeidbare Ausgaben zu streichen. Verhaltet euch wie Eigentümer, lautete die Devise. Gebt das Geld aus, als wäre es euer eigenes, sagte man ihnen. „INEOS wurde als geradlinig wahrgenommen“, so Dr. Patrick Giefers, früherer Leiter der Rechtsabteilung und des Personalwesens bei BP, heute kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor. „Politik spielte keine Rolle, und die Gespräche mit INEOS Capital verliefen in den Anfangstagen völlig unproblematisch. Das war enorm hilfreich, weil alle Bedenken rasch geklärt werden konnten.“ Während traditionelle Chemieunternehmen oft einen konservativen Ansatz in Bezug auf ihre Finanzen verfolgten und enorme Fixkosten hatten, war INEOS ein erfrischend junges Unternehmen mit einem schlanken, ehrgeizigen Management. Einige mussten sich jedoch erst an den Gedanken gewöhnen, dass BP die Gesellschaft an ein Unternehmen verkauft hatte, das nun mit neun Milliarden Dollar in der Kreide stand. „Die Deutschen sind vorsichtig und machen nicht gerne Schulden“, so Patrick. „Manche taten sich anfangs schwer.“ Doch sie ließen sich überzeugen, dass INEOS das richtige Unternehmen für die Aufgabe war, als in den Standort investiert wurde. Binnen sechs Monaten hatte INEOS seine Absicht angekündigt, etwa 40 Millionen Euro in den Ausbau der Kölner Krackerkapazität zu investieren. Dann würde der Standort zusätzliche 100.000 Tonnen Ethylen pro Jahr produzieren. Das zusätzliche Ethylen würde entweder für die Polyethylenherstellung verwendet werden oder man würde über das ARG-Pipelinesystem andere INEOS-Standorte damit beliefern. Und diese Investitionen – diese Überzeugung, dass die Beschäftigten den nötigen Antrieb und das Know-how für die Umsetzung mitbringen – wurden über die letzten zehn Jahre fortgesetzt. Seit INEOS den Standort vor zehn Jahren erwarb, wurden knapp 700 Millionen Euro in die Anlage investiert, und die Produktion wurde gesteigert. BP hatte in dem Jahr als es die Gesellschaft verkaufte, allein für diesen Standort 144 Millionen Euro aufgewendet. Die Anlagensicherheit ist nun wieder dort, wo sie sein soll – ganz oben auf der Prioritätenliste des Standorts. Seit 2006 sind bei der OSHA-Häufigkeit beständige Verbesserungen zu verzeichnen. Das beste Jahr des Standorts im Hinblick auf die Sicherheit war 2013, als die Häufigkeit bei nur 0,13 lag. Das Kundendienstteam – damals in Belgien und im Vereinigten Königreich angesiedelt – wurde nach Deutschland verlegt, sodass die Beschäftigten selbst mit Techniker/innen und Kolleg/innen in den Produktionsanlagen sprechen konnten. INEOS war in Bezug auf die Planung seiner Aufwendungen schon immer klug: neue Anlagen, Beseitigung von Infrastrukturengpässen und Veränderungen, die letztlich den Kunden zugute kommen. „Wir fliegen nicht Business-Class, aber INEOS kümmert sich in anderer Hinsicht um uns“, so Axel. 2013 wurde die Größe der Isoamylenanlage verdoppelt und die Position als Hersteller von Weltrang für einen Grundstoff gefestigt, der sich für die unterschiedlichsten Spezialprodukte einsetzen lässt, wie etwa für Duftstoffe, Agrochemikalien, Peroxide, Polymerantioxidantien und Kohlenwasserstoffharze. Das Projekt wurde sicher, effizient und innerhalb des Kostenrahmens umgesetzt. „Es war ein Beweis für die hohen betrieblichen und technischen Standards, die an dem Standort umgesetzt wurden“, so ein Kommentar von Karel Brabant, dem damaligen Geschäftsbereichsleiter (Operations Director) von INEOS Oligomers. Der Schlüssel zum Kölner Erfolg liegt vielleicht im deutschen Umgang mit Vermögenswerten und in der britischen Geschäftsführung. „Qualität ist uns wichtig“, erklärt Axel. „Wir achten auf die langfristige Qualität der Anlagen. Deswegen profitieren wir von der Wertarbeit unserer Großeltern. Auch das Verhältnis zu den Gewerkschaften und zum Betriebsrat ist sehr konstruktiv. Wir hatten in den letzten 40 Jahren keinen einzigen Streik.“ Für die Zukunft plant INEOS noch mehr Investitionen in den Standort, um sein Portfolio an Produkten mit höheren Gewinnspannen zu entwickeln. In diesem Jahr alleine werden etwa 100 Millionen Euro für die Anlagenerweiterung und Infrastrukturverbesserung ausgegeben. „INEOS würde nicht investieren, wenn sie die Investitionen nicht für lohnend hielten“, erklärt Patrick. „Die Beschäftigten wissen also, was sie zu tun haben. INEOS steckt eine Menge Geld in Köln. Wir müssen nun dafür sorgen, dass die Erwartungen erfüllt werden.“

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  • BRAUCHEN WIR EINE VERARBEITENDE INDUSTRIE?

    Eines ist klar. Länder, die ihre industrielle Grundlage verlieren, laufen Gefahr, die Fähigkeit zur Innovation zu verlieren. Vor dem Hintergrund eines wirtschaftlichen Umfeldes, das von der Erosion und der Verlagerung traditioneller Industriezweige ins Ausland angesichts des globalen Wettbewerbs geprägt ist, rechtfertigt das deutsche Modell, oder Teile davon, eine sorgfältige Betrachtung. Es gilt vor allem, auf die Politik und Programme anderer Länder zu achten und daraus zu lernen, wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben. Charles Wessner, Programmdirektor des „Board on Science, Technology, and Economic Policy“ des „National Research Council“     Arbeitsplätze in der Produktion bilden die Grundlage unserer Wirtschaft. Die verarbeitende Industrie produziert die Güter, die jene Einkünfte erzielen, auf die sich die Dienstleistungsbranche stützt. Wir können einander nicht bloß die Haare schneiden und Hamburger verkaufen. Das Einkommen, das diese Haarschnitte und Hamburger bezahlt, muss schließlich von irgendwoher kommen.  Campaign for America’s Future   Die Gesundheit der Wirtschaft hängt entscheidend von der Gesundheit des verarbeitenden Sektors ab. Die Produktion ist seit mehreren Jahrhunderten der Schlüssel zum Wohlstand. Die mächtigsten Nationen der Welt sind jene, die über den Großteil der weltweiten Produktion von Fertigungstechnologien verfügen. Doch es reicht einfach nicht aus, Fabriken zu haben und mehr zu produzieren. Wir brauchen das Know-how, um die Maschinen herzustellen, die die Güter produzieren. Wenn es nicht zu einer robusten Wiederbelebung des verarbeitenden Sektors in Amerika kommt, können wir uns von unserem Status als große Wirtschaftsmacht verabschieden. Jon Rynn, Autor von „Manufacturing Green Prosperity: The power to rebuild the American middle class“   Global gesehen ist die verarbeitende Industrie wichtig. Wenngleich sie historisch mit Umweltschäden assoziiert wird, verspricht sie nun, einige der Umweltprobleme unserer Welt zu mildern. So können viele Güter heute beispielsweise in Produktionsverfahren hergestellt werden, die so gut wie keine Umweltbelastungen mit sich bringen und eine Wiederverwertung entsorgter Produkte zulassen. Die verarbeitende Industrie gibt Anstöße zu neuen Denkweisen und kann so Einiges bewirken. Viele der Innovationen, die unser Leben verwandelt haben, stammen aus der verarbeitenden Industrie. Ohne Microchip, Computer und Server gäbe es kein Internet, kein Facebook und kein Google. Die verarbeitende Industrie ist entscheidend für den zukünftigen Reichtum Großbritanniens – aber sie wird zu oft abgeschrieben. Peter Marsh, Gründer von „Made Here Now“   Viele Jahrzehnte lang argumentierten Ökonomen, der verarbeitenden Industrie käme eine untergeordnete Rolle in der modernen Wirtschaft zu. Sie hatten unrecht. In den letzten zehn Jahren bestätigten immer mehr Ökonomen, dass die Produktion für die Innovation unerlässlich ist und eng mit dem wirtschaftlichen Wohlergehen und der nationalen Sicherheit einer Nation verbunden ist. Die verarbeitende Industrie ist der Motor, der die amerikanische Innovation antreibt. Er verwandelt die wissenschaftliche Forschung in neue Produkte und Produktionsabläufe, die Gewinne abwerfen und die Welt verbessern. Er bringt neue und wichtige Branchen hervor, von Computern und Drahtlos-Technik bis hin zur Biotechnik und Solarenergie. In dem Maße wie Ingenieur/innen und Hersteller neue Technologien entwickeln, erwerben sie die Fähigkeiten, in neue Bereiche vorzudringen und Innovationen zu schaffen. Diese Innovationen ermöglichen den Produzenten jene Leistung oder jenen Kostenvorteil, die sie brauchen, um in einem umkämpften internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Professor Thomas Kurfess, früherer Assistant Director for Advanced Manufacturing im Weißen Haus   Die verarbeitende Industrie schafft nicht nur Wert in Form von Produkten und Dienstleistungen, sie schafft auch gute bezahlte Arbeitsplätze. Produktionseinrichtungen lassen außerdem Arbeitsplätze bei den unterstützenden Zulieferern und Dienstleistungsbranchen entstehen. Wenn Sie heute durch eine moderne Fabrik gehen, sehen Sie sofort, dass sich die Produktion heute nicht mehr darauf beschränkt, Einzelteile zusammenzusetzen – sie arbeitet mit hochkomplizierten Verfahren und einem hohen Maß an computergesteuerter Automation. Das ist mehr Wissensarbeit als manuelle Arbeit. Und vor allem in neuen Bereichen wie hochentwickelten Materialien und Biopharmazeutika bedeutet Produktion eine enge Zusammenarbeit mit Forschung & Entwicklung und Design in den frühen Produktionsphasen – die Fähigkeit zur Produktion erhält also die Fähigkeit zur Innovation auf lange Sicht. Wer Erstere aufgibt, wird die Fähigkeit zu Letzterer schwächen. Willy Shih, Robert und Jane Cizik, Professor of Management Practice, Harvard Business School

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  • DEUTSCHLANDS GEHEIMREZEPT

    DEUTSCHLAND gilt seit langem als die treibende Kraft der Produktion in Europa. Im Jahr 2015 exportierten deutsche Firmen Güter im Rekordwert von 1,196 Billionen Euro – um 6,4 Prozent mehr als 2014 – und die Beschäftigung erreichte den Höchststand von 43 Millionen. Im Dezember 2016 stellte Robert E. Scott, führender Ökonom und Director of Trade and Manufacturing Policy Research am „Economic Policy Institute“ fest, dass Deutschland seine Exporte nach China und in das übrige Asien trotz der Tatsache, dass die deutschen Löhne in der verarbeitenden Industrie zu den höchsten der Welt gehören, gesteigert hätte, während andere Industrienationen vor der Konkurrenz aus Asien eingeknickt wären. „Wenn höhere Löhne der Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion schaden, dann müsste es Deutschland schlechter gehen als den Vereinigten Staaten, aber dem ist nicht so“, schrieb er in einem Artikel für das Economic Policy Institute. Nach den neuesten Zahlen der Weltbank macht die verarbeitende Industrie in Deutschland 23 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – im Vergleich zu 12 Prozent in den USA, 11 Prozent in Frankreich und 9,4 Prozent im Vereinigten Königreich. Wenn man etwas genauer hinsieht, wird klar, dass Deutschlands Wirtschaftswunder nicht dem Zufall überlassen wird oder einfach darauf zurückzuführen ist, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Es ist das Ergebnis der Arbeitseinstellung der Deutschen; einer Regierung, die die verarbeitende Industrie als Garanten für Arbeitsplätze und ein gesundes, anhaltendes Wirtschaftswachstum ansieht; und der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Herstellung von Erzeugnissen von höchster Qualität. „Deutsche Unternehmen sind selten die billigsten Anbieter, doch die überlegene Qualität und Leistung ihrer Produkte ermöglicht ihnen, erstklassige Preise zu erzielen und den Export dennoch gleichzeitig zu steigern“, schrieb Charles W. Wessner, Programmdirektor des Board on Science, Technology and Economic Policy des National Research Council in einem Artikel für die Fachzeitschrift „Mechanical Engineering“. Der britische Journalist Justin Rowlatt, Südasien- Korrespondent der BBC, verbrachte mit seiner Frau Bee und zwei seiner vier Kinder mehrere Monate in Deutschland auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis der Deutschen. In vielen Gesprächen mit seinen deutschen Bekannten kamen einige bittere Wahrheiten zu Tage. „Eine junge Deutsche hatte in einem britischen Büro gearbeitet und war entsetzt, wie wenig dort gearbeitet wurde“, sagte er. „Wenn Deutsche miteinander reden, reden sie über die Arbeit. Im Vereinigten Königreich waren die Leute alle mit Facebook, SMS, E-Mails an Freunde und privaten Telefonaten beschäftigt.“ Justin arbeitete für Faber-Castell, einen der weltgrößten und ältesten Bunt- und Bleistifthersteller. Dieses Unternehmen wird nach wie vor von einem direkten Nachfahren des Gründers geführt. Und es macht seine Sache hervorragend. „Das deutsche Erfolgsgeheimnis scheint darin zu bestehen, dass man sich auf einen sehr kleinen Bereich beschränkt und darin weltweit führend wird“, sagte er. Das trifft auf Faber-Castell ganz sicher zu. Das Unternehmen wurde vor 255 Jahren von einem Schreiner gegründet, der zunächst in seiner Freizeit Bleistifte herstellte. Heute hat es 14 Fertigungsstätten, beschäftigt etwa 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verkauft in mehr als 100 Länder. „Es ist ein typisches Mittelstandsunternehmen“, so Graf Anton Wolfgang Faber-Castell, der das Unternehmen bis zu seinem Tod leitete. Die Deutschen bezeichnen mit Mittelstand Millionen von mittelgroßen Unternehmen, die etwa ein Fünftel der deutschen Arbeitnehmer beschäftigen und auf Nischenprodukte ausgerichtet sind, für die sie erstklassige Preise in der ganzen Welt erzielen. Diese Familienunternehmen gibt es oft seit Generationen, sie bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie beliefern nicht nur Deutschlands multinationale Unternehmen, sondern exportieren auch selbst. Tom Peters, amerikanischer Autor und Fachmann für Businessmanagement, sagte, Mittelstandsunternehmen hätten einen unglaublich starken Fokus. „Die jungen Männer und Frauen durchlaufen ihre Lehre und nehmen mit, dass Exzellenz ihr Ziel ist“, sagte er. Und es gibt noch einen Grund für ihren Erfolg. Und zwar die Fraunhofer-Gesellschaft, ein Netzwerk von 67 von der Regierung unterstützten Forschungsinstituten mit 23.000 Beschäftigten. „Fraunhofer unterstützt ein Ökosystem für Produktionsinnovation und trägt zur Sicherung der Position Deutschlands als Exportriese bei“, so ein Kommentar von Sujai Shivakumar, Spezialist für Innovationspolitik der National Academies in Washington, im Wall Street Journal. Die Fraunhofer-Gesellschaft liefert erstklassige, erschwingliche kurzfristige Studien, die sich kleine Hersteller sonst nur schwer leisten könnten. Diese Unternehmen setzen die Forschung ein, um ihre Abläufe und Erzeugnisse beständig zu verbessern – und bleiben der Konkurrenz so immer einen Schritt voraus. „Einfach ausgedrückt, hilft Fraunhofer den Herstellern, das ‚Tal des Todes‘ zu überbrücken – ein Punkt, der oftmals in einem Stadium der Produktionsentwicklung erreicht wird, wenn die Investitionen eine potenzielle hohe Rendite versprechen, die Unsicherheit aber zu groß ist, um wesentlich in die Forschung und Entwicklung zu investieren“, so Michael Teiwes, PR-Chef bei Fraunhofer. In den letzten 10 Jahren arbeitete der deutsche Unternehmensberater Professor Dr. Bernd Venohr mit zahlreichen mittelgroßen Familienunternehmen, die weltweit führend sind, in Deutschland zusammen. „Sie wurden oft als ‚verborgene Champions‘ bezeichnet, doch in einer zunehmend transparenten Weltwirtschaft sind sie nicht mehr verborgen“, kommentierte er. Er führte ihren Erfolg darauf zurück, dass sie wissen und der festen Überzeugung sind, dass gesundes Wachstum und Fortschritt echter Innovation entspringen, dass der hohe Wert und nicht der Preis für den Kunden ausschlaggebend ist, und dass die Beschäftigten respektvoll und nicht als ,leicht ersetzbare Ressourcen’ zu behandeln sind. „Diese wichtigen Managementprinzipien sind im Grunde universelle Wahrheiten für jedes Unternehmen“, so Venohr. „Doch leicht verständlich heißt nicht unbedingt leicht umsetzbar.“ Aus einer seiner jüngsten Studien geht hervor, dass etwa 1650 deutsche KMU eine führende Stellung in den Weltmärkten für ihre Produkte hatten oder dass sie in diesen Märkten zumindest zu den drei Unternehmen an oberster Stelle gehörten. Die amerikanische Manufacturers Alliance for Productivity and Innovation meinte, der Rest der Welt könnte von Deutschland viel Wertvolles lernen. „Die Qualität und das Ausmaß der beru ichen Ausbildung für junge Leute zur Vorbereitung auf quali zierte Arbeitsplätze im Produktionssektor ist bewundernswert“, meint Kris Bledowski, Director of Economic Studies. „In der deutschen Gesellschaft werden Technik und Naturwissenschaften als erstrebenswerte Bildungsziele angesehen.“ Aus seiner Sicht werde Deutschland von den Auswirkungen des rückläu gen chinesischen Wirtschaftswachstums nicht spürbar betroffen sein. „Im letzten Jahr machten die Exporte nach China 97 Milliarden Dollar bzw. etwa 7,2 Prozent der deutschen Exporte insgesamt aus“, so Bledowski. „Deutschlands Investitionen in China sind im Vergleich zu fast allen anderen Ländern Europas verschwindend klein. Die Auswirkungen werden also insgesamt nur recht gering sein.“ Und darüber ist Justin Rowlatt tatsächlich nicht erstaunt. „Die Deutschen sehen ihre Erfolge nicht als selbstverständlich an und ich glaube,das ist der Grund, warum die langfristige Ausrichtung so wichtig für sie ist“, sagte er, „harte Arbeit, Ef zienz und Ordnungsliebe entspringen einem tiefen Gemeinschaftssinn und der Verantwortung für einander.“ Der Blick der Deutschen ist auf die Zukunft gerichtet. Deutschland hat mit der Unterstützung der Bundesregierung „Industrie 4.0“, oft auch als ,Vierte Industrielle Revolution‘ bezeichnet, eingeleitet. „Wir wollen, dass Deutschland weiterhin eine weltweit konkurrenzfähige Wirtschaft mit hohen Löhnen hat, und wir sind davon überzeugt, dass die Strategie ,Industrie 4.0’ uns dies ermöglichen wird“, so Professor Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Bledowski meint, „Industrie 4.0“ – die Entwicklung der Fabrik der Zukunft – sei zum Teil der Angst vor Amerikas digitaler Revolution, die auch die verarbeitende Industrie erfasste, entsprungen. „Man kann wohl sagen, dass diese deutsche Initiative und das amerikanische ‚Industrial Internet‘-Konzept transatlantische Vettern sind, wenngleich auch getrennt durch Sprache, Traditionen und Geschäftskultur“, so Bledowski. „Doch bei ‚Industrie 4.0‘ geht es nur um Deutschland. Diese Strategie hat keine europäische, internationale oder globale Ausrichtung. Das Geld der deutschen Steuerzahler wird eingesetzt, um heimischen Unternehmen zu helfen, ihre internationale Konkurrenzfähigkeit beizubehalten.“ Er versicherte, dass das amerikanische Projekt, wenngleich dieses seinen Sitz in den USA habe, dennoch allen offenstünde, die Anteil an der Zukunft des industriellen Internet haben. „Es hat eine globale Reichweite“, so Bledowski.   SELBSTGEFÄLLIGKEIT IST FEHL AM PLATZ, MEINT VCI DEUTSCHLANDS chemische Industrie mag andere in Europa mit Neid erfüllen – doch vor Selbstgefälligkeit wird gewarnt. In einer Presseerklärung sagte Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der deutschen Chemieindustrie (VCI) Anfang des Jahres 2016, die Produktion hätte nach einem guten Anfang nun stagniert, die Umsätze seien gesunken, Arbeitsplätze seien verlorengegangen. „Das ist keine gute Nachricht, und der Ausblick ist auch nicht vielversprechend“, meinte er. Deutschland sei mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, etwa einer Wachstumsschwäche der Weltmärkte, den Kosten von Rohstoffen und Energie und Großbritanniens Entscheidung, als erster Mitgliedsstaat aus der Europäische Union auszusteigen. „Zwar ist es derzeit noch zu früh für eine Bewertung“, so Dekkers. „Doch die britische Entscheidung wird mit Wahrscheinlichkeit nachteilige Auswirkungen haben.“ Die Ereignisse der letzten Zeit, vor allem die Abwertung des Euro und die sinkenden Ölpreise, seien der deutschen Wirtschaft zugute gekommen. Doch diese würden nun ‚ausklingen‘, stellte er fest. Dennoch sieht es für Deutschland, im Vergleich zur übrigen Welt, auf den ersten Blick nach wie vor gut aus. „Wir sind seit mehr als einem Jahrzehnt Exportweltmeister, der Handelsbilanzüberschuss für Chemikalien wächst beständig und wir sind bei weitem der wichtigste Standort für die chemische Industrie in Europa“, sagte er. „Wir agieren immer noch aus einer Position der Stärke. Aber die Betonung liegt auf ,immer noch’. Auf lange Sicht ist es zunehmend fraglich, ob Deutschland seine Position als Standort der chemischen Industrie weiter halten kann.“ Deutschland müsse dafür Sorge tragen, seine Konkurrenzfähigkeit nicht zu verlieren, sagte er, aber genau diese Gefahr bestünde nun aufgrund der zunehmenden Expansion von Produktionsanlagen in Amerika und im Nahen Osten, der steigenden Energiekosten in Europa, übermäßiger EU- Vorschriften, des Verlusts von Unternehmen in der Wertschöpfungskette, mangelnder Investitionen in Deutschland und fehlender Anreize für Forschung und Entwicklung. „Die deutsche Industrie kann Deutschland nicht im Alleingang zum Weltmeister der Innovation machen“, sagte er. „Wir benötigen Unterstützung aus der politischen Arena. Wir müssen am gleichen Strang ziehen.“ In der jüngsten VCI-Studie mit dem Titel „Die deutsche chemische Industrie 2030“, die von der Prognos-AG durchgeführt wurde, stellt der VCI fest, dass sich heute getroffene politische Entscheidungen auf zukünftige Entwicklungen und Investitionen auswirken würden. Für das Wachstum wäre ein Klima erforderlich, das frei von Bürokratie ist und Innovationen begünstigt. „Um weiter zu investieren, benötigen wir einen stabilen Planungshorizont, besonders in der energiebezogenen Gesetzgebung“, so Dr. Stephan Müller, leitender Angestellter bei INEOS in Köln

    6 minuten lesezeit Ausgabe 11
  • DOUGS BÜRO IN DER EISWÜSTE

    KEINER der beiden Orte klingt nach dem Himmel auf Erden. Der Südpol ist der kälteste, trockenste, abgelegenste und windigste Ort auf der ganzen Erde. Eine gefrorene Wüste ohne Leben mit Windstößen bis zu 145 Kilometern pro Stunde, umgeben von stürmischer See. Der Nordpol besteht nur aus Eis, das ständig in Bewegung ist, und ist erbärmlich kalt. Doch Doug Stoup, ein moderner Entdecker, verbringt den Großteil seines Lebens entweder hier oder dort. Für ihn ist es sein Büro. „Ich ziehe Kälte vor, denn mehr anziehen kann man immer“, meinte er. Letzten Monat nahm sich der Mann, der den INEOS- Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe und seine beiden Söhne, George und Sam, zu beiden Polen begleitet hatte, ein wenig Urlaub von der Planung seiner nächsten Expedition und sprach mit dem INEOS-Team in der neuen Londoner Zentrale am Hans Crescent über das Eingehen von Risiken in Leben und Geschäft. „Organisation und Vorbereitung sind der Schlüssel zum Erfolg jeder Expedition“, so Stoup. „Ich begrenze das Risiko. Ich kann das Risiko entweder annehmen oder kehrtmachen und gehen – was ich schon oft getan habe. Ich habe damit kein Problem, denn ich habe nicht den Wunsch zu sterben. Oder ich übertrage das Risiko und sage: „George, du gehst vor“. Viele im Publikum lachten, aber Doug fuhr fort. „Ich sitze nicht einfach da und schaue in den Himmel“, sagte er. „Ich beobachte jede seiner Bewegungen und lerne daraus.“ Für Doug hat auch die Spitzenposition im Geschäft mit Risiko, Vertrauen, Teamwork, der Suche nach neuen Herausforderungen und dem Versuch, etwas anders zu machen, zu tun. Und diesen Ansatz konnte er bei INEOS häu g beobachten. „Vieles, was INEOS tut, hat mit einer Verlagerung der Grenzen und mit kalkuliertem Risiko zu tun“, sagte er. „Und das ist der Grund, warum das Unternehmen zu den innovativsten und besten der Welt gehört. Ich versuche, ein großartiges Team zusammenzustellen, und INEOS macht das ebenso.“ Dougs große Liebe zum Südpol begann im Jahr 1999; damals war er Anfang 30. „Als Junge konnte ich es mir nicht vorstellen, dass ich diese Gebiete jemals betreten würde“, erzählte er. „Mein Traum war es, den höchsten Berg der Antarktis zu besteigen und dort Ski zu fahren. Aber das war nur ein Traum.“ Inspiriert von Persönlichkeiten wie Sir Ernest Shackleton, Captain Scott und Sir Douglas Mawson erkannte er jedoch, dass es möglich war, wenn der Wunsch groß genug war. „Ich erkannte, dass man alles tun kann, was man tun will, wenn man sich in produktivem Wachstum diesem Traum nähert“, sagte er. Als er 1999 aus dem Flugzeug stieg und ein Rollfeld aus Eis betrat, war er überwältigt. „Ich ließ meinen Blick über dieses unendliche Nichts schweifen“, sagte er. „Ich verliebte mich in den Ort und konnte es nicht mehr erwarten, wieder dorthin zurückzukehren.“ Während dieser ersten Reise zum Südpol entdeckte er auch, dass er anderen helfen konnte. Seither führt er Menschen ans Ende der Welt – zum Vergnügen und zu wissenschaftlichen Zwecken. Die meisten seiner Weggefährten sind CEOs. „Sie kennen das Risiko, weil sie in ihrer eigenen Welt das Sagen haben und Tag für Tag Entscheidungen treffen, aber ihre Geschäftserfahrung hilft in der Antarktis nicht wirklich weiter“, meinte er. „Auch Geld hilft nicht.“ Es kommt darauf an, dass sie zuhören, schnell lernen und sich auf das, was auf sie zukommt, vorbereiten – mental und körperlich. „Das Einzige, was sich keiner vorstellen kann, ist die Kälte“, sagte er. „Und die begreifen sie erst, wenn sie tatsächlich dort sind. Dort lässt der Schweiß die Schutzbrille am Gesicht festfrieren.“ Zur Vorbereitung auf seine epischen Abenteuer nimmt Doug oftmals Gewicht zu, denn er wird 10.000 Kalorien pro Tag verbrennen, wenn er Eis überquert, das eine Woche vorher noch Wasser war. „Du kannst dort im Stehen 2.000 Kalorien verbrennen“, sagte er. Er glaubt fest an das Durchhaltevermögen des menschlichen Körpers. „Wichtig ist jedoch die mentale Vorbereitung“, sagte er. „Wer trainiert ist, sollte körperlich an seine Grenzen gehen können. Die Barriere ist mentaler Natur. Du musst die mentale Stärke nutzen, um immer einen Schritt voraus zu sein.“ Doug wird oft gefragt, ob er eine Expedition zum Gipfel des Mount Everest führen würde, der mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt ist. Aber hier ist er sich nicht sicher. „Ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde, denn dort sind Unmengen von Menschen, die eigentlich nicht dort hingehören“, meinte er. „Man muss wissen, wo man aufhört, muss die richtige Entscheidung für die eigene Sicherheit treffen. Es geht nicht immer darum, den Gipfel um jeden Preis zu erreichen.“ Er ist der Ansicht, dass Führungspersönlichkeiten in allen Bereichen des Lebens vieles gemeinsam haben. Mitgefühl; die Fähigkeit, die Persönlichkeit anderer zu begreifen; und im Laufen denken zu können, so Doug. „Starke Persönlichkeiten können sich ihrer eigenen Umgebung und anderen anpassen“, sagte er. „Um eine große Führungspersönlichkeit zu sein, muss man alles begreifen, was da draußen passiert, und die Kommentare anderer Menschen miteinbeziehen.“ Abgesehen von Kälte, Treibeis, Wind – muss man noch etwas fürchten? Ja, sagte er, Eisbären. „Sie riechen eine Robbe aus über 13 Kilometern Entfernung, und nach eineinhalb Monaten ohne Dusche riechen sie mich mit Sicherheit“, meinte er. Trotz seiner äußerst sorgfältigen Planung kann dennoch etwas schiefgehen. „Auch wenn ich mehr Polarerfahrung habe als jeder andere, mache ich immer noch Fehler“, gesteht er. „Einmal fror mir die Schutzbrille am Kopf fest, ich wurde schon schneeblind und einmal brach mir ein Zahn ab, den ich mit einer Zange herausziehen musste.“ Kann er sich einen Ruhestand vorstellen? „Nein“, sagt er. „Noch nicht.“ Der Vater dreier Söhne muss noch zu viel sehen und tun. „Vielleicht wird einer der drei eines Tages in meine Fußstapfen treten“, sagte er.   MEINE HELDEN   JENE drei Männer, die Doug Stoup immer noch inspirieren, lebten um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert. Einer starb, zwei überlebten unter widrigsten Bedingungen. „Sie sind immer noch meine Mentoren“, sagte er. „Sie waren richtige Männer, die leiden konnten.“ Sir Douglas Mawson kämpfte sich auf einer Expedition im Jahr 1912 alleine über 265 Kilometer zurück zum Schiff, nachdem einer seiner Gefährten in eine Eisspalte gefallen und der andere Opfer einer Vergiftung geworden war. Captain R. F. Scott und seine beiden verbliebenen Gefährten wurden von einem Schneesturm aufgehalten und erfroren 240 Kilometer vom Basislager in ihrem Zelt, nachdem sie im Januar 1912 den Südpol erreicht hatten. Sir Ernest Shackleton überlebte drei Jahre später und konnte vom Untergang seines Schiffes ‚Endurance‘ berichten. Das Schiff wurde von Eis eingeschlossen und die Besatzung hatte es verlassen und sich auf dem Treibeis in Sicherheit gebracht. Im folgenden Jahr machten sich Shackleton und fünf Mitglieder seiner Mannschaft auf, um Hilfe zu holen. Sie überquerten in einem Rettungsboot in 16 Tagen 1300 Kilometer Ozean und erreichten Südgeorgien, wo sie sich bis zur Walfangstation durchschlugen. Die verbleibenden Männer von der ‚Endurance‘ wurden später gerettet. Keiner der Männer war gestorben. „Sie sind die wahren Helden“, sagte Doug. „Sobald wir den Südpol erreicht haben, rufe ich jemanden an und wir werden abgeholt.“

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  • WIR ALLE KÖNNEN DARAUS LERNEN

    Für viele sind Naturwissenschaften etwas, was man in der Schule gelernt hat und dann den Geschichtsschreibern überlässt. Doch das muss sich ändern, wenn wir Antworten auf einige der bedrohlichsten Fragen aller Zeiten nden wollen. Und zum Glück sind die Dinge dabei, sich zu ändern. Allmählich. Und ein Land, das hier vielleicht Fortschritte erzielt, ist Deutschland DIE Welt begreift allmählich, dass die Naturwissenschaften unsere Rettung sein könnten. Wir sehen uns mit schwindenden Bodenschätzen und steigenden Bevölkerungszahlen konfrontiert, das heißt, die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, wie es mit unserem Planeten im 21. Jahrhundert weitergehen soll. Denn was heute Naturwissenschaft ist, kann morgen Technologie sein. Nicht ganz einig ist man sich in der Welt, wie man die jungen Menschen von heute von einer Karriere in den Naturwissenschaften überzeugen kann. Die Alarmglocken begannen bereits vor vielen Jahren zu schrillen. Die Europäische Kommission warnte im Jahr 2008, dass sich nicht genug junge Menschen über 16 Jahren für Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwissenschaften oder Mathematik entschieden – und befürchtete, dass es ohne Maßnahmen einen Mangel an hochquali zierten Wissenschaftler/innen, Ingenieur/innen und Techniker/innen geben würde. Sie empfahl radikale Veränderungen im naturwissenschaftlichen Unterricht, der weniger auf das Auswendiglernen von Fakten, das größtenteils für die schwindende Lust auf Naturwissenschaften verantwortlich gemacht wird, und mehr auf einen Unterrichtsstil ausgerichtet werden soll, der die Schüler zu Fragen anregt und ihr Verständnis fördert. Fünf Jahre später, im Jahr 2013, sprachen über 100 Delegierte aus 58 Ländern bei einer weltweiten Konferenz der wissenschaftlichen Akademien immer noch über dieses Thema. Doch in Deutschland scheint man sich diesem Problem bereits seit 2006 zugewendet zu haben. Professor Dr. Petra Skiebe-Corrette von der Freien Universität Berlin begründete im Jahr 2006 die Initiative „TuWaS!“, nachdem sie die erstaunliche Wirkung eines ähnlichen Modells in Schweden gesehen hatte. Heute sind144 Schulen in Berlin, von wo die Initiative ausging, beteiligt. Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, war eine frühe Verfechterin des Programms, als „TuWas!“ im Jahr 2008 von der Handelskammer nach Köln gebracht wurde. Das Programm „TuWaS!“ regt Schülerinnen und Schüler in Grund- und Sekundärschulen und weiterführenden Schulen dazu an, Fragen zu stellen, anstatt sich mit vorgefertigten Antworten zufriedenzugeben. Anne-Grets leidenschaftlicher Einsatz – und die nanzielle Unterstützung durch INEOS – motivierten die Schulen rasch, sich der Initiative anzuschließen. „Wir sehen nun tatsächlich die Wirkung von ‚TuWaS!‘“, so Anne-Gret, die von Professor Skiebe eingeladen wurde, bei der Feier des zehnjährigen Jubiläums von „TuWaS!“ an der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften letzten Monat zu sprechen. „Wir haben in Köln nun sogar eine Logistik- und Lagereinheit für ,TuWaS!’“ In Deutschland gehört der fragenbasierte naturwissenschaftliche Unterricht nun bereits in vielen Schulen zum Lehrplan, und das „TuWaS!“-Programm für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wurde of ziell von vier der 16 deutschen Bundesländer übernommen. Die Lehrerinnen und Lehrer besuchen ein eintägiges Seminar, wo sie die naturwissenschaftlichen und technischen Experimente zunächst erlernen. Dann kehren sie mit Experimenten für ein ganzes Schuljahr und dem Selbstvertrauen, diese einzusetzen, in ihre Klassen zurück. Als größter industrieller Arbeitgeber in Köln ist INEOS daran immer noch stark beteiligt. „Als weltweiter Chemiekonzern wissen wir, wie wichtig es ist, mit der naturwissenschaftlichen und technischen Ausbildung bereits in frühem Alter, also bei den Sechsjährigen, zu beginnen“, so Anne-Gret. „Diese Partnerschaften helfen uns als Unternehmen, als Industrie und als Industrieland, junge Menschen anzuziehen – besonders Mädchen –, die neugierig, begeistert und motiviert sind, die Welt durch Naturwissenschaft zu verbessern.“ INEOS in Köln ist der größte Sponsor im Rheinland und unterstützt fast die Hälfte der 70 Schulen, die am „TuWaS!“- Programm teilnehmen. INEOS Beschäftigte fungieren als Botschafter und haben bisher bereits über 6.000 Kinder erreicht. „INEOS engagiert sich sehr, will die gesamte Last aber nach Möglichkeit nicht alleine tragen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wünschen uns, dass mehr Firmen Verantwortung übernehmen.“ Doch „TuWaS!“ soll expandieren. Anne-Gret beabsichtigt, „TuWaS!“ nun auch auf andere deutschsprachige Länder, wie Österreich und die Schweiz, auszudehnen. Währenddessen erwägt INEOS die Einführung eines ähnlichen Programms in britischen Schulen. INEOS unterstützt derzeit die Chemie-Olympiade der „Royal Society of Chemistry“, um Tausende junge Menschen im gesamten Vereinigten Königreich zu einer naturwissenschaftlichen Laufbahn zu animieren. Die „Royal Society“ und der britische Industrieverband (Confederation of British Industry – CBI) wären darüber gewiss erfreut. Sie haben im Mai bereits einen Leitfaden für Unternehmen und Lehrer/innen herausgebracht, der ihnen helfen soll, die Zusammenarbeit zu fördern. Darin hieß es, die Unternehmen müssten enger mit Schulen zusammenarbeiten. „Die meisten jungen Menschen führen ihre Entscheidung für ein naturwissenschaftlich- technisches Fach auf eine/n inspirierende/n Lehrer/in zurück; die Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern ist also der beste Weg, die naturwissenschaftlich-technischen Mitarbeiter für die Zukunft zu sichern“, so Professor Tom McLeish, Vorsitzender des Bildungsausschusses der „Royal Society“. Neil Carberry, Director for Employment and Skills Policy des CBI, meinte, viele Firmen arbeiteten bereits eng mit örtlichen Schulen zusammen, doch es könnte immer noch mehr getan werden, um Schüler/innen für diese entscheidenden Fächer zu motivieren. „Viele Branchen vertrauen auf Universitäten und Fachschulen zur Versorgung mit Talenten im Bereich der Naturwissenschaften, doch es zeigen sich bereits Engpässe, die unsere Wirtschaft hemmen werden“, stellte er fest. Unabhängig wie die Entwicklung im Vereinigten Königreich weitergeht, INEOS wird das „TuWaS!“-Programm in Deutschland weiterhin unterstützen. „Unser Geheimnis ist der Aufbau von Beziehungen“, erklärt Anne-Gret. „Wir wollen die Besten der Besten anlocken, Verständnis für die Branche schaffen und gleichzeitig unser Ansehen aufbessern.“

    5 minuten lesezeit Ausgabe 11
  • DIE ZUKUNFT GESTALTEN

    Energieintensive Unternehmen, die fossile Brennstoffe für den Betrieb ihrer Anlagen oder als wichtige Grundstoffe benötigen, können es sich nicht leisten, die Nachhaltigkeit hintanzustellen. Wer das tut, könnte selbst bald Geschichte sein. INEOS betrachtet Nachhaltigkeit als Voraussetzung für den langfristigen Erfolg, denn es möchte lieber Geschichte schreiben   NACHHALTIGKEIT bildet die wesentliche Grundlage der Geschäftstätigkeit für INEOS. Ja, mehr noch, sie ist die treibende Kraft der Innovation. „Die chemische Industrie wird nicht immer als Teil der Lösung für Herausforderungen der Gegenwart angesehen, doch unser Sektor kann enormen Ein uss darauf haben, was die Welt jetzt tut, wie sie sich in Zukunft entwickelt, und wie all dies nachhaltig geschieht“, so Greet Van Eetvelde, Head of Energy & Innovation Policy bei INEOS. Bei steigenden Bevölkerungszahlen und wachsendem Druck für einen ef zienten Ressourceneinsatz müssen Unternehmen wie INEOS an vorderster Front für eine Gesellschaft kämpfen, die die heutige Generation zufriedenstellt, ohne zukünftigen Generationen zu schaden. Für INEOS bedeutet Nachhaltigkeit nicht bloß, den Erhalt seiner Lizenz für den Betrieb in Städten auf der ganzen Welt zu sichern. INEOS ist überzeugt, dass nur verantwortungsvolles und verlässliches Handeln zu Wachstum führt. „Für uns ist das eine geschäftliche Entscheidung“, so Kevin McQuade, CEO von INEOS Styrolution. „Dies ist unser Hebel für das Wachstum.“ Sein Geschäft veröffentlichte vor kurzem seinen ersten quantitativen GRI-G4-Bericht zur Nachhaltigkeit, welcher den Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI) , den in diesem Bereich als Maßstab geltenden Richtlinien über die Berichterstattung, entspricht. „Das Thema Nachhaltigkeit wird auf der ganzen Welt zunehmend wichtiger“, so Petra Inghelbrecht, Global Sustainability Manager bei INEOS Styrolution. „Die Suche nach neuen Produkten und neuen Methoden, um die technischen Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu meistern, sorgt dafür, dass unser Unternehmen immer einen Schritt voraus ist.“ INEOS Styrolution ist Marktführer auf dem Gebiet der Styrol-Kunststoffe und nimmt in bedeutendem Maße Ein uss auf das Geschehen in der Welt allgemein. „Wir haben Styrol-Kunststoffe überall um uns herum“, erklärt Kevin. „Wir brauchen sie, um den Alltag bunter zu gestalten. Wenn wir uns die Zukunft ansehen, gibt es viele spannende Möglichkeiten, gemeinsam mit unseren Kunden nachhaltige Lösungen zu entwickeln.“ Styrol-Kunststoffe sind haltbar, leicht, wasserbeständig, langlebig und wiederverwertbar. Man ndet sie in Kühlschränken, Waschmaschinen, Fernsehgeräten, Autos, Gebäuden, Spielwaren, Sportgeräten, Verpackungen und Gesundheitsprodukten. Somit haben wir also enorme Möglichkeiten, etwas zu bewirken, und zwar so, dass die Gesellschaft es auch spürber merkt.INEOS gilt als Trendsetter unter den Unternehmen, wenn es darum geht, mit Geschäftspartnern Branchencluster zu bilden. Zusammen mit Dritten vor Ort teilt man sich oft Ressourcen und Versorgungsleistungen und schafft Symbiosen. „Dies trifft den Kern der Unternehmensnachhaltigkeit“, so Greet. Wie viele INEOS-Geschäftsbereiche, arbeitet auch INEOS Styrolution bereits mit vielen führenden Instituten, Wissenschaftler/innen und Partnern zusammen, um neue, innovative Lösungen zu entwickeln. Ein solcher Partner ist die Universität Bayreuth. Professor Hans-Werner Schmidt, Leiter des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie I, meinte, INEOS Styrolutions Ansatz unterscheide sich von dem der meisten Unternehmen. „Er geht weit über traditionelles Sponsoring für einen Lehrstuhl oder für Absolventenforschung hinaus“, sagte er. „Hier wird mit völlig neuen Konzepten der Forschung und Entwicklung gearbeitet – und Partnerschaften, wie zwischen uns und INEOS Styrolution, sind ein Beweis dafür.“ Nach Ansicht von Norbert Niessner, Director of Global R&D and Intellectual Property, seien diese Bemühungen um Zusammenarbeit und Partnerschaften entscheidend. „Wir sehen diese Partnerschaften als eine Möglichkeit an, unsere Innovations-Pipeline in Größe und Wert anwachsen zu lassen, insbesondere was die Erarbeitung von Lösungen im Bereich Styrol-Kunststoffe anbelangt, die zur Nachhaltigkeit beitragen“, so Niessner. Bei all diesen Entwicklungen muss jedoch die Sicherheit für alle – innerhalb und außerhalb des Unternehmens – im Vordergrund stehen. „Chemische Erzeugnisse, wie Styrol-Kunststoffe, können bei falscher Handhabung mit Risiken verbunden sein; daher bildet Sicherheit den Kern unseres Unternehmens“, so Kevin. INEOS Styrolution ist auch stolz auf seine Bemühungen zur Verringerung der Umweltauswirkungen. In seinem Bericht wird die Entscheidung für die Installation eines hochmodernen geschlossenen Kühlwassersystems in der nordamerikanischen Produktionsanlage für Polystyrol-Kunststoffe in Decatur, Alabama, besonders hervorgehoben. Das System sorgte dafür, dass dasselbe Wasser mehrmals für die Strangkühlung im Wasserbad eingesetzt werden konnte, und damit wurde der Wasserverbrauch des Standorts um mehr als die Hälfte reduziert. Als großartige Entscheidung gilt auch die Installation von vier neuen Wärmeaustauschern in der Styrol-Monomer- Anlage in Texas City. Damit konnte eine Menge an Energie eingespart werden, die dem Verbrauch von 138.500 Herden entspricht. „Die Investition führte zu einer Verringerung um 55 Tonnen CO2 täglich“, so Tim Brown, Leiter für Technologie der weltweiten Styrolproduktion. Branchenführer aus über 100 Länder beziehen derzeit Styrol-Kunststoffe von INEOS Styrolution. „Sie sind mit uns im Geschäft, weil wir uns immer um die bestmögliche Lösung für sie bemühen“, so Kevin. „Wir helfen ihnen, innovativer und ef zienter zu sein als die Konkurrenz und Produkte zu geringeren Kosten herzustellen.“

    4 minuten lesezeit Ausgabe 11
  • MENSCH UND MASCHINE IN PERFEKTER HARMONIE

    Seit der italienischstämmige Maurice Garin 1903 die erste Tour de France gewann, hat sich der Radrennsport ein wenig verändert, wie INCH auf seiner Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft feststellen konnte   Die Tour de France gilt als eine der größten Herausforderungen dieser Sportart weltweit. An der Entschiedenheit der Sportler mag sich in den 113 Jahren nicht viel geändert haben, an der Technologie aber ganz gewiss sehr viel. Der gebürtige Italiener Maurice Garin gewann die erste ‚Tour‘ auf einem rot-weiß-blauen ‚La Française‘-Rad und erhielt dafür 20.000 französische Franc. Doch der Sieg war bittersüß. „Ich habe auf der Tour echt gelitten“, erzählte er, nachdem er am 19. Juli – 18 Tage nach dem Start bei einem Café in der Pariser Vorstadt Montgeron – die Ziellinie überquert hatte. „Ich war hungrig, durstig und schläfrig. Zwischen Lyon und Marseille habe ich geweint.“ Der diesjährige Favorit für das größte Radrennen der Welt war Chris Froome vom Team Sky. Er wuchs in Kenia auf, wo er sich Taschengeld verdiente, indem er Avocados auf seinem Fahrrad verkaufte. Er war fest entschieden, zu gewinnen – und das gelang ihm auch, und zwar sehr eindrucksvoll! Am Sonntag, dem 24. Juli, fuhr er triumphierend im berühmten gelben Trikot in Paris ein und wurde der erste Brite, der dreimal die Tour de France gewann. Er – und seine Fans – erlitten einen leichten Schock, als er am 19. Tag der 21-tägigen Tour auf einem nassen, abschüssigen Straßenstück 10 km vor der Linie ausrutschte, stürzte und auf das Rad seines Teamkollegen Geraint Thomas zurückgreifen musste. „Ich habe mir ein paar Abschürfungen zugezogen und das Knie angeschlagen“, sagte er nach dem Einlauf ins Ziel. „Aber ich war sehr dankbar für meinen vierminütigen Vorsprung. Dadurch hatte ich ein wenig Spielraum.“ Froomes Siegerrad war das DOGMA F8, eine revolutionäre Maschine, entworfen von Pinarello, das buchstäblich durch die Luft gleitet. „Wenn man Kraft aufs Pedal bringt, wird diese direkt auf das Rad und auf die Straße übertragen“, stellte er nach den ersten Tests in Nizza, Frankreich, fest. „Es gibt keine Verwindungen oder Bewegungen. So gelangt die volle Kraft der Beine direkt auf die Straße.“ So unglaublich leicht und gleichzeitig stark wurde dieses Rad durch Pinarellos Entscheidung, das neue T1100 1K-Carbon mit Nano- Legierung von Toray zu verwenden. Für den Laien ist dies die Kohlefaser, welche Boeing für seine hochmoderne 787-Flotte einsetzt. „Durch den Einsatz dieses Materials konnten wir die Stei gkeit um 12 Prozent erhöhen und gleichzeitig das Rahmengewicht um 120 Gramm auf 860 Gramm verringern“, so ein Pinarello-Sprecher. Nach Aussagen von Toray, der weltweiten Nummer eins in der Kohlefaserherstellung, sei Pinarello die einzige Fahrradmarke, die diese verwendet. „Bei der Entwicklung des DOGMA F8 bestand eines unserer Ziele darin, wieder einen etwas höheren Maßstab zu setzen“, so CEO Fausto Pinarello. „Wir wollten die Verbesserungen, die wir an Chris Froomes letztem Rad vorgenommen hatten, noch weiter verbessern.“ Das DOGMA 65.1 war das Modell mit den meisten Siegen auf der ganzen Welt und galt weltweit als Benchmark in der Welt der High-End-Straßenräder. All das änderte sich, als Froome als erster seit Miguel Indurain im Jahr 1991 seinen Titel erfolgreich verteidigte. Er ist überzeugt, dass Mensch und Maschine sich niemals besser einander ergänzt haben. „Egal, wie viele Tests wir im Windkanal machen, den entscheidenden Test liefert letztlich der Fahrer“, so der Sprecher. „Er wird auf dem Fahrrad leben, kämpfen und schwitzen.“ INEOS, das Toray mit Acrylnitril, dem wichtigsten Material für die Herstellung von Kohlefaser, beliefert, verfolgte das seinerseits mit Interesse.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 11
  • DER KAMPF UMS ÜBERLEBEN

    Die chemische Industrie in Europa ist derzeit einem Klima der Unsicherheit und Angst ausgesetzt, während sie sich auf weitere Verordnungen und Forderungen der politischen Entscheidungsträger der Europäischen Union einstellt EINE der Säulen der europäischen Wirtschaft – und die beste Chance für die Gesellschaft, eine kohlenstoffarme Wirtschaft der Zukunft zu entwickeln – könnte vor dem Zusammenbruch stehen. INEOS befürchtet, dass die europäische Politik das Unmögliche anstrebt – und nicht erreichen kann, wenn sie nicht auf die Industrie hört. „In Europa eine energieintensive Industrie zu betreiben, ist als ob man stranguliert würde“, so Greet Van Eetvelde, INEOS Manager für Cleantech Initiatives. „Die petrochemische Industrie hat Europa zu einer der höchstindustrialisierten und wohlhabendsten Regionen der Welt, zu einer ‚Insel des Wohlstands‘, werden lassen. Doch nun unterzeichnet die Europäische Kommission buchstäblich ihr eigenes Todesurteil.“ Das Problem besteht darin, dass energieintensive Industriezweige in Europa ohnehin bereits unter großem Druck operieren, weil die Energiekosten im Vergleich zu Amerika, dem Nahen Osten und China sehr hoch sind – und stets weiter steigen. Belastende EU-Initiativen für eine Senkung der Emissionen sind ein weiterer zunehmender Anlass zur Sorge. Zusammen bedrohen diese Entwicklungen die Existenz der chemischen Industrie in Europa – und stehen im Widerspruch zum EU-Ziel, den Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. „Europa riskiert derzeit den Verlust seiner starken Produktionsbasis, ganz zu schweigen von dem Ziel, den 20 Prozent- Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP zu erreichen“, so Dr. Peter Botschek, Director of Energy and Climate Action des Verbands der Europäischen Chemischen Industrie (CEFIC). „Die Vorgaben der EU müssen ein ef zientes Wachstum der verarbeitenden Industrie ermöglichen und sich nicht zum Nachteil darauf auswirken.“ Zu den neuesten Reformen, die der chemischen Industrie in Europa größte Sorge bereiten, gehört der Vorzeigeplan der EU für die Kohlenstoffreduzierung, und zwar das nach Großunternehmen ausgerichtete Emissionshandelssystem. CEFIC vertritt 29.000 große, mittelgroße und kleine Chemiebetriebe in Europa. Aus seiner Sicht könne die chemische Industrie bereits langjährige Erfolge in der Verbesserung der Energie- und Ressourcenef zienz nachweisen, durch die die Treibhausgasemissionen seit 1990 trotz eines 70 Prozent-igen Produktionsanstiegs um 54 Prozent reduziert worden wären. Erreicht worden sei dies durch Investitionen und Innovationen. „Diese Innovation ist entscheidend und unerlässlich für die Sicherung weiterer Verbesserungen und die Entwicklung bahnbrechender Technologien, die eine kohlenstoffarme und energieef ziente chemische Industrie in Europa entstehen lassen“, so CEFIC-Präsident Kurt Bock. „Eine blühende chemische Industrie ist ein wesentlicher Teil der Lösung für die Herausforderung des Klimawandels und ein Schlüsselfaktor für die Erreichung der EU-Ziele in Bezug auf Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Investitionen.“ Kritiker halten die neuen Reformvorschläge der EU für grundlegend falsch, denn sie würden letztlich die ef zientesten Unternehmen benachteiligen. „Es ergibt keinen Sinn“, meint Dr. Botschek. „Unternehmen, die bereits den strengsten Vorgaben entsprechen, können nicht noch mehr tun. Doch ab 2025 werden sogar die ef zientesten Unternehmen für ihr eigenes Wachstum Emissionsberechtigungen erwerben. Diejenigen mit den besten Leistungen werden nicht belohnt, sondern mit übermäßigen Kohlenstoffkosten belastet.“ Er behauptete, diese höheren Kohlenstoffkosten würden unweigerlich die Gewinnspanne auffressen und die Industrie daran hindern, von ihren Investitionen langfristig zu profitieren. Und dafür gibt es bereits Anzeichen. Trotz steigender weltweiter Nachfrage nach Chemikalien belegt China mittlerweile den ersten Platz bei den weltweiten Umsätzen mit Chemikalien – eine Stellung, die Europa einst für sich beanspruchen konnte. „Es sollte anerkannt werden, dass Investitionen in Produktionsanlagen langfristiger Natur sind“, so Dr. Botschek. „Energieintensive Industriezweige, die sich langfristig mit einem deutlichen Anstieg der Energiekosten konfrontiert sehen, werden sich solche Entscheidungen gut überlegen.“ Die beste Möglichkeit der Förderung von Investitionen in kohlenstoffarme Technologien sei aus seiner Sicht die Schaffung besserer Wettbewerbsbedingungen für die Industrie durch die EU, damit mehr Geld für Investitionen übrig bliebe. „Energieintensive Industrien können ihre Kohlenstoffkosten nicht an den Verbraucher weitergeben, ohne Marktanteile an Konkurrenten außerhalb der EU zu verlieren“, so Botschek. Weiteres einseitiges Handeln der EU, argumentierte er, würde Nicht-EU-Länder zu attraktiveren Standorten für Investitionen machen, zu Arbeitsplatzverlusten führen und das Wachstum in Europa hemmen. Außerdem könnten solche Maßnahmen zu höheren Emissionen durch Unternehmen führen, die weniger ef zient seien als die in der EU. Doch die chemische Industrie macht sich nicht alleine Sorgen über die Zukunftsperspektiven. Auch die europäischen Stahlproduzenten appellieren an die Kommission, dafür zu sorgen, dass ihre Vorschläge für die Zeit nach 2020 durch Änderungen des Emissionshandelssystems nicht zu unfairen Kostenbelastungen führen, die der weltweiten Konkurrenz erspart bleiben. Nach einer neuen Studie könnten die vorges chlagenen Reformen die Stahlindustrie alleine etwa 34 Milliarden Euro kosten. INEOS leistet Lobbyarbeit, wo es nur geht, um Unterstützung gegen die Reformvorschläge zu erhalten; diese würden seine europäischen Geschäfte nach eigenen Schätzungen mehr als 1 Milliarde Euro kosten. Energieintensiv ist nicht energieinef zient. „Die Industrie ist bereits hochef zient, eine Änderung der europäischen Gesetze ändert nichts an den Gesetzen der Physik“, so Greet. „Weitere Reduktionen unserer Emissionen und unseres Energieverbrauchs sind nur durch Produktionsverlagerung möglich, was rein gar nichts zu einer Senkung der weltweiten Emissionen beiträgt.“ Leider scheint die Europäische Kommission von der industriellen Realität zunehmend abgehoben zu agieren.“ INEOS will im Hinblick auf bessere Vorschläge der Kommission zur Verringerung des Risikos der Verlagerung von CO2-Emissionsquellen („Carbon Leakage“) während des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens mit den politischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten. CEFIC arbeitet auch aktiv mit der „Alliance of Energy Intensive Industries“ zusammen, die mehr als 30.000 europäische Unternehmen mit vier Millionen Beschäftigten vertritt, um durch faire und ef ziente Reformen des Emissionshandelssystems ein Wachstum der ef zientesten Unternehmen in Europa zu ermöglichen. „Die weltweite Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen soll sich bis 2030 verdoppeln, wobei der Großteil des Wachstums auf Asien entfällt“, so Bock. „Daher stellt sich für die Entscheidungsträger die Frage: ‚Wie kann die EU-Gesetzgebung dazu beitragen, dass weiterhin chemische Erzeugnisse in der EU hergestellt werden?“    WAS BRINGT DIE ZUKUNFT? DIE chemische Industrie in Europa gehört zu den wenigen europäischen Produktionssektoren, die immer noch weltweit führend sind. Sie beschäftigt 1,16 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, exportiert Güter im Wert von 140 Milliarden Euro und bildet die Grundlage für den verarbeitenden Sektor. Doch sie verliert aufgrund ihrer steigenden Preise ihre Position auf dem Weltmarkt. Aus den Zahlen geht hervor, dass der Anteil der chemischen Industrie am Weltmarkt von 32 Prozent im Jahr 1993 auf 17 Prozent im Jahr 2014 zurückgegangen ist; damals wurde sie aufgrund sinkender Exporte und steigender Importe aus Asien erstmals zum Nettoimporteur für Petrochemikalien. „Es verheißt nichts Gutes für die Zukunft, dass die Investitionen in Europa seit zehn Jahren stagnieren, während sie in China auf das Zehnfache, und in den USA aufgrund des Schiefergasbooms auf das beinahe Vierfache angestiegen sind“, so Greet Van Eetvelde, INEOS Manager für Cleantech Initiatives. CEFIC sagte, Europa müsse konkurrenzfähig bleiben, wenn die Politik weitere Innovationen erwarte. Die europäische Vorreiterschaft in Sachen Klimawandel, meint er, dürfe nicht darauf beruhen, dass Industrien in andere Länder mit weniger strengen Vorschriften abwandern; das würde sogar zu einem Anstieg der weltweiten Kohlenstoffemissionen führen, und die Mittel für dringend nötige Innovationen wären nicht länger vorhanden. „Die Deindustrialisierung Europas ist keine gangbare Option auf dem Weg hin zur Entkarbonisierung und sollte auch niemals als ein solcher angesehen werden“, so ein Sprecher. 

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  • ZUM WOHL UNSERER LOKALEN BEVÖLKERUNG

    Wenn man 67 Produktionsanlagen in 16 Ländern hat, kann man nicht viel falsch gemacht haben. Aber das heißt nicht, dass INEOS seinen Erfolg für selbstverständlich hält! Im Gegenteil, wie INCH feststellen konnte In dem Maße wie INEOS gewachsen ist, hat auch seine Verantwortung für jene, die im Umfeld der Produktionsstandorte leben und arbeiten, zugenommen. INEOS ist überzeugt, dass die Lizenz für den Betrieb komplexer, potenziell gefährlicher petrochemischer Anlagen von der Wahrnehmung des Unternehmens bei der lokalen Bevölkerung abhängt. „Wir agieren nicht in einem Vakuum“, so Kevin McQuade, CEO von INEOS Styrolution. „Unsere Verantwortung endet nicht an den Fabriktoren. Wir möchten ein guter und geschätzter Nachbar sein und uns das Vertrauen der lokalen Bevölkerung bewahren.“ Jeder INEOS-Standort hat eine koordinierte Vorgehensweise für den Aufbau und die Stärkung der Beziehungen zu den Menschen, die in der Nähe der Produktionsstätten wohnen, arbeiten und Freizeitaktivitäten nachgehen. Regelmäßige Gemeindeforen an einigen Standorten, etwa in Köln oder in Grangemouth im Vereinigten Königreich, bieten der Allgemeinbevölkerung die Gelegenheit, die Zukunftspläne von INEOS anzuhören, Fragen zu stellen und Anliegen vorzutragen. „Wir versuchen, alles in klarer, einfacher Sprache darzustellen. Wir konnten über die Jahre hinweg eine gute langfristige Beziehung aufbauen, und das schafft Vertrauen. Manche Botschaft werden die Leute nicht gerne hören, doch es ist wichtig, die Zusammenhänge zu erläutern“, so David East, Communications Manager am INEOS-Standort Grangemouth. Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, sagte, die regelmäßigen Treffen mit Vertreter/innen des Gemeindeforums Köln-Worringen wären immer konstruktiv, offen und ehrlich. „Sie geben uns die Möglichkeit, über Neuigkeiten zu berichten und Zukunftspläne vorzustellen“, erklärte sie. „Aber vor allem geben sie den Menschen vor Ort die Möglichkeit, Fragen zu stellen.“ Zusätzlich zu den regelmäßigen Foren halten sowohl Grangemouth als auch Köln spontane Versammlungen ab, wenn bestimmte Themen zu besprechen sind; in Köln werden außerdem auch einmal jeden Monat Busrundfahrten durch den Standort für die lokale Bevölkerung angeboten, damit sie sich selbst ein Bild vom Betrieb bei INEOS machen kann. Die Nachbarschaftsgespräche über die Tätigkeit und Pläne unseres Unternehmens sind für beide Seiten wichtig. „Wir nehmen unsere Rolle in der Gesellschaft sehr ernst“, erklärt Christine Schönfelder, Vice President Corporate Communications, Investor Relations, Advocacy and Change Management bei INEOS Styrolution. „Wir wollen dort, wo wir tätig sind, ein vertrauenswürdiger Bestandteil der lokalen Bevölkerung sein.“ INEOS Upstream – INEOS neuestes Geschäft – spricht derzeit mit Gemeinden in England über seine Pläne für eine Schiefergas-Exploration in Teilen des Vereinigten Königreichs. „Das ist ein sehr heikles, umstrittenes Thema“, so Tom Pickering, INEOS Shale, „aber wir möchten den Menschen zeigen, dass wir ihre Sorgen verstehen, ernst nehmen und zuhören werden.“ Das Vertrauen der lokalen Bevölkerung zu bewahren, ist INEOS sehr wichtig – daher wird man INEOS- Beschäftigte oft bei Wohltätigkeitsaktivitäten, als Teilnehmer/innen bei Sportveranstaltungen oder in der Förderung und Ausbildung junger Menschen antreffen. Viele INEOS-Standorte arbeiten auch mit Schulen und Kollegs zusammen, um ein gesundes Interesse an Naturwissenschaft und Technik zu fördern – in der Hoffnung, die nächste Generation von Naturwissenschaftler/innen und Techniker/innen zu inspirieren. „Als erfolgreiches Unternehmen möchten wir der Gesellschaft etwas zurückgeben“, so Christine Schönfelder. „Wie wir unseren Geschäften nachgehen, ist ebenso wichtig wie unser Geschäft an sich. Integrität und ethische Grundsätze sind sind ein fester Bestandteil unserer Geschäftspraktiken.“ INEOS-Unternehmen und -Standorte nutzen auch soziale Medien und nden dort neue Kanäle zur Kommunikation mit der breiteren Bevölkerung in der Nähe unserer Standorte. Sie verwenden Internet, Facebook, Twitter und LinkedIn, um die lokale Bevölkerung zu informieren und – was ebenso wichtig ist – auch Feedback zu erhalten. „Aufgrund ihrer augenblicklichen Kommunikation sind soziale Medien eine großartige Möglichkeit, auf Ereignisse zu reagieren, wenn es auf Schnelligkeit ankommt“, so Anne-Gret. „Unter solchen Umständen können wir dort Vertrauen gewinnen und uns als einzige verlässliche Informationsquelle etablieren.“ Die Gemeindekontaktgruppe in Grangemouth, der Gemeinderät/innen, Polizeibeamt/innen und der Schuldirektor angehören, traf sich früher viermal jährlich, beschloss aber dann, auf zwei Treffen zu reduzieren. „Für uns wird dies immer eine wunderbare Gelegenheit sein, persönlich mit Vertreter/ innen der Gemeinde zu sprechen, unsere Pläne bekanntzugeben, offen und ehrlich über unsere Leistung zu sprechen und die Ansichten und Gedanken der Menschen kennenzulernen“, so David East. „Es hilft, dass einige Mitglieder der Gruppe schon sehr lange angehören und dass viele ehemalige Beschäftigte sind. All das baut Beziehungen auf und erhält sie.“ Aber es geht nicht nur um die Kommunikation. INEOS’ erfolgreiche weltweite Kampagne „GO Run For Fun“ zielt darauf ab, die junge Generation zu körperlicher Aktivität zu inspirieren, und seine Arbeit mit deutschen Grund- und Sekundärschulen mittels der Initiative TuWaS ist ebenso wichtig. „All diese Dinge werden sicher für viele Jahre zu unserem Image als vertrauenswürdiges, nachhaltiges und ehrliches Unternehmen beitragen“, so Anne-Gret.

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  • GENAU DER RICHTIGE JOB

    Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Leute. Aber z INCH wirft einen Blick darauf, wie INEOS die Besten anzieht – und hält Die PRODUKTION wird immer komplexer und hochquali zierte Mitarbeiter/innen sind immer stärker gefragt. Die Probleme sind global und wohlbekannt; geeignete Maßnahmen und Lösungen weniger. Im April letzten Jahres erklärte Michael Collins, Präsident von MPC Consulting, im Magazin „Industry Week“, es wäre Zeit zum Handeln. „Wir haben nun genug Erhebungen zum Fachkräftemangel vorliegen“, sagte er. „Wir wissen, welche Quali kationen und Ausbildungsprogramme notwendig sind. Es ist Zeit, dass die Unternehmen nicht länger blockieren und sich langfristig zur Bereitstellung von Ausbildungsprogrammen verp ichten – denn dies ist eine Investition, keine Aufwendung.“ Als Unternehmen, das beständig hochquali zierte, sehr disziplinierte und motivierte Beschäftigte benötigt, um zu überleben, war INEOS schon immer von der Wichtigkeit der Ausbildung und Förderung überzeugt und weiß, dass es nicht auf Regierungsinitiativen zur Lösung der schlimmer werdenden Krise warten kann. Und die Krise wird tatsächlich schlimmer. In Amerika könnte der drohende Fachkräftemangel die Wiederbelebung der verarbeitenden Industrie ausbremsen. „Über die nächsten zehn Jahre müssen mit Wahrscheinlichkeit 36 Millionen Stellen in der verarbeitenden Industrie besetzt werden“, so der Sprecher des amerikanischen Manufacturing Institute. „Aber zwei Millionen davon werden aufgrund des Fachkräftemangels unbesetzt bleiben.“ In einer im letzten Jahr von der Foundation of Fabricators & Manufacturers Association durchgeführten Umfrage gaben 52 Prozent der amerikanischen Teenager an, sie wären nicht an einer Tätigkeit in der verarbeitenden Industrie interessiert, denn das wären ‚schmutzige, gefährliche Jobs, für die man wenig Ausbildung braucht und kaum denken muss‘. Im Vereinigten Königreich sah es nicht besser aus. Im Oktober erklärte das britische Manufacturing Institute, Lehrer/innen müssten begreifen, dass es in der verarbeitenden Industrie gute Karrieremöglichkeiten gäbe. „Wir führen einen Krieg um Talente, und es ist besorgniserregend, dass die verarbeitenden Betriebe bereits dadurch gehemmt werden“, so Dr. Julie Madigan, Chief Executive. „Auch bei Null-Wachstum braucht die britische verarbeitende Industrie über die nächsten 10 Jahre Hunderttausende neue Leute.“ Im März 2016 hob auch die Herstellervereinigung EEF das Problem hervor; sie erklärte, die verarbeitende Industrie hätte in Großbritannien große Schwierigkeiten, Facharbeiter zu nden und mit der globalen Technologieentwicklung Schritt zu halten. Dennoch gibt es nicht nur schlechte Nachrichten. Unternehmen wie INEOS tun etwas gegen die Krise. Und sind damit erfolgreich. Bei INEOS in Köln, O&P in den USA und Grangemouth in Schottland werden mit erfolgreichen Lehrlingsausbildungen echte Erfolge erzielt. Deutschland ist vermutlich das Land mit dem größten Fortschritt. „Wer hier einen Job bekommt, sagt, er fühle sich wie ein Lottogewinner“, so Dr. Anne- Gret Iturriaga Abarzua, Head of Communications bei INEOS in Köln. „Wir kümmern uns um unsere Leute und wir haben kein Problem, Mitarbeiter/innen zu nden. Wir müssen nicht viel für Anzeigen ausgeben. Wir machen uns um die Zukunft keine Sorgen; Selbstgefälligkeit ist aber fehl am Platz.“ Andreas Hain, Leiter Ausbildung bei INEOS in Köln, berichtete, etwa 1.800 junge Menschen würden sich Jahr für Jahr auf die etwa 60 Stellen bewerben. Alle müssen ein Online-Assessment durchführen. Von diesen werden nahezu 400 zu einem jeweils mindestens einstündigen Gespräch eingeladen. „Wir investieren viel Zeit und Mühe“, erklärt Anne-Gret. „Aber das ist eine große Investition, also muss sie passen. Denn wenn sie erstmal bei uns angefangen haben, dann bleiben sie auch. Nicht wenige unserer Beschäftigten sind bereits seit 45 Jahren bei uns.“ Wenn INEOS in Köln seine 60 Auszubildenden ausgewählt hat – und sie werden voraussichtlich alle hochmotiviert, begeistert und aufgeschlossen sein und ein Interesse für ihre Gemeinden zeigen – werden sie in die INEOS-Familie aufgenommen. „Wir kümmern uns um sie, sobald sie bei uns begonnen haben“, erklärt Anne-Gret. Die Auszubildenden werden vor Ort ausgebildet und besuchen die Beruffschule. Alle Ausbilder/innen wurden selbst am Standort im Job ausgebildet. „Das heißt, wir können sie nach unseren Vorstellungen formen und gemeinsam an das Unternehmen binden“, so Anne-Gret. „Wir wollen, dass sie die Unternehmenskultur in sich aufnehmen.“ Menschen zu nden, die Unternehmenskultur und-ethos begreifen – und vorleben – ist für jede Organisation unerlässlich, die unter heutigen Wettbewerbsverhältnissen wachsen und gedeihen will. 2008 begann INEOS eine Zusammenarbeit mit dem Forth Valley College und der Heriot-Watt University in Schottland für sein modernes fünfjähriges Ausbildungsprogramm „Engineers of the Future“ - „Ingenieur/innen der Zukunft“. Das Modell orientiert sich am INEOS- Standort Köln, wo man erfolgreich eine vollständige Hochschulausbildung mit relevanter Arbeitsplatzerfahrung kombiniert hat. „Das Konzept, betriebliche Praxis mit einer Hochschulausbildung zu verbinden, ist nicht neu – nur die Überlegungen dahinter“, so Robin Westacott, Leiter des Programms „Engineers of the Future“. Die betriebliche Praxis sorgt für ‚arbeitsbereite‘ Absolvent/innen, die die Verfahren und Abläufe am Standort kennen und auf Sicherheit ausgerichtet sind. „Wir wollen ihnen die INEOS-Kultur so vermitteln, dass sie sie bereits verinnerlicht haben, wenn sie ihre betriebliche Ausbildung am Standort beginnen“, so Kenny MacInnes, stellvertretender Leiter Engineering am Forth Valley College. Jennifer Prentice, Duncan Paterson und Mark Skilton waren unter den ersten Absolvent/innen der besagten Ausbildung. Sie sind nun alle bei INEOS vollzeitbeschäftigt. „Die Qualität dieser Absolvent/innen zeigte deutlich, dass die Überlegungen hinter dem Programm voll umgesetzt werden konnten“, berichtet Gordon Milne, Operations Director bei INEOS Grangemouth. „Sie haben die Latte sehr hoch gelegt.“ Auch die Rekrutierungskampagne von INEOS Ole ns & Polymer an US-Colleges zeitigt Erfolge. Das Unternehmen konnte eine echte „Talent-Pipeline“ für die Zukunft aufbauen. „Wir konnten einige großartige Leute anwerben und weiter ausbilden, die heute und in Zukunft zu unserem Unternehmenserfolg beitragen werden“, berichtete HR-Leiter Sam Scheiner.

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  • WARUM INEOS EINE INVESTITION WERT IST

    INVESTIERENDE brauchen eine sichere Hand. Aber das darf nicht bedeuten, dass man immer auf Nummer sicher geht, wie Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS, betont INVESTIERENDE haben INEOS schätzen gelernt, in dem Maße wie das Unternehmen in den letzten 17 Jahren immer mehr gewachsen ist. Auf den ersten Blick ist das verständlich. Aus bescheidenen Anfängen im Jahr 1998, mit 400 Beschäftigte und einem Umsatz von 200 Millionen Pfund Sterling ist ein Unternehmen entstanden, das heute 17.000 Menschen an 67 Standorten in 17 Ländern beschäftigt und es auf einen weltweiten Umsatz von 40 Milliarden Dollar bringt. „Für unsere Investierenden sind wir zu einem ‚Must-have‘ geworden“, so Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS. „INEOS-Anleihen nden sich in den Portfolios der meisten Investmentfonds, weil sie den Anlegende fortlaufend ausgezeichnete Renditen bringen und ihre Versprechen konsequent einhalten und übertreffen.“ Doch wer wirklich wissen möchte, warum die Nachfrage an einer Beteiligung an den Erfolgen von INEOS wächst, darf nicht nur die Bilanzen ansehen – so eindrucksvoll sie sein mögen. INEOS ist mittlerweile Experte dafür, inef ziente Unternehmen, die keiner will und an denen andere gescheitert sind, wieder zu neuen Gewinnen zu verhelfen. Und das liegt an der Art der Geschäftsführung. „Viele der alten Blue Chip-Unternehmen werden durch Ausschüsse geführt, nicht so INEOS“, so Clarkson. „Beschäftigte, auch neu eingestellte Beschäftigte mit Hochschulabschluss, erhalten klare individuelle Verantwortlichkeiten, für die sie einem stark fokussierten Business Board gegenüber Rechenschaft ablegen, das wichtige Eigenschaften sehr rasch treffen kann.“ INEOS hält seine Beschäftigten aktiv dazu an, wie Eigentümer zu denken und auch mit Geld so umzugehen, als wäre es ihr eigenes. „INEOS ist anders,”so Clarkson. „Die Grundstimmung ist Ruhelosigkeit. INEOS sucht beständig nach Möglichkeiten – für einen potenzielle Investierende klingt das natürlich gut.“ Als Unternehmen setzt INEOS seine Ziele hoch. Es träumt den unmöglichen Traum. Und den verwirklicht es auch! Bei den jährlichen Investor Days 2016 in London und New York stellte Peter Clarkson die Einzelheiten einiger großer und kleinerer Initiativen vor, die INEOS’ wohlverdienten Ruf als Unternehmen begründen, das gerne kalkulierte Risiken eingeht. Er sprach über INEOS’ bahnbrechende Entscheidung, 12 Nordsee-Gasfelder für 490 Millionen Pfund zu erwerben, während alle anderen zu verkaufen scheinen. Er sprach über die erstaunlichen Schiffe, die nun kostengünstiges Ethan aus Amerika nach Norwegen – und bald auch nach Schottland – bringen, um den europäischen Gascrackern von INEOS einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. „Wir be nden uns heute durchaus in einer guten Lage, doch es gibt noch viel mehr zu tun“, so Clarkson. Die Investierenden – und bei diesem Investor Day waren es beinahe 200 – möchten INEOS’ Ansichten zum Markt, seine Prognosen für die Ölpreise und insbesondere Naphtha hören, mit welchem einige seiner Cracker betrieben werden, welche Auswirkungen kostengünstiges Schiefergas aus den USA haben wird und welche großen Projekte geplant sind. „Üblicherweise interessieren sie sich für alles, wirklich alles, was unseren Cash ow maßgeblich beein usst“, so Clarkson. Und die Investierenden wissen mittlerweile, dass ein Jahr im Leben von INEOS niemals langweilig ist. Für die INEOS-Gruppe, für INEOS Styrolution und INOVYN erwies sich das Jahr 2015 dank günstiger Märkte als ein Rekordjahr; dies sei auch zum Teil dem Scheitern seiner Konkurrenten zu verdanken. INEOS pro tierte davon, indem es seine Anlagen maximal laufen ließ und vor allem die nun möglichen Geschäfte mit hohen Gewinnspannen forcierte. „Alle wissen, dass die Anlagen der petrochemischen Industrie weltweit in die Jahre gekommen sind, dass sie zunehmend unverlässlich werden und teuer in der Unterhaltung sind“, so Clarkson. „Aber wir sind gut darin, unsere Anlagen in sicherem und verlässlichem Zustand zu erhalten und gleichzeitig den Kapitalaufwand im Griff zu behalten. Der Faktor Verlässlichkeit hat in den letzten Jahren echte Dividenden gebracht.“ Der INEOS-Cracker in Köln, Deutschland, weist beispielsweise trotz seines Alters eine Verlässlichkeit von 99 Prozent auf. „Er ist ein gut gep egter Mercedes mit einem Kilometerstand von 100.000 km“, so Clarkson. Wo Geld ausgegeben wird, wird es klug für Projekte eingesetzt, die Geld bringen, das INEOS an anderer Stelle neu investieren kann. „Die Projekte sind immer gezielt und kosteneffizient“, so Clarkson. „Auch die kleineren Projekte bringen Mehrwert.“ INEOS bemüht sich sehr darum, Investierenden als zum Team gehörig zu behandeln. Alle Investierenden und Analyst/innen erhalten wöchentliche Markt- Updates mit einer Zusammenfassung über das Geschehen in allen wichtigen INEOS-Märkten. „Das ist in der Welt, in der sie investieren, sehr ungewöhnlich, aber wir denken, sie schätzen diese Transparenz“, so Clarkson. „Es trägt auch dazu bei, dass wir weniger Zeit für Neuverhandlungen brauchen und bei der Ausgabe neuer Anleihen bessere Zinssätze sichern. Die Investierenden haben oft das Gefühl, sie könnten sich den Investor Day sparen, weil sie das Unternehmen ohnehin so gut kennen.“ Diese Offenheit bringt mit sich, dass eine Re nanzierung durch Anleihen nun innerhalb von Tagen, nicht Wochen, erledigt ist. „Unser Ruf macht es uns leicht, unseren Kapitalbedarf zu decken“, so Clarkson.

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  • Styrenics-Verkauf

    INEOS hat ein Abkommen über den Verkauf eines seiner Geschäfte für 80 Millionen Euro an eine polnische Firma geschlossen. INEOS Styrenics, spezialisiert auf expandierbares Polystyrol, wird bald – vorbehaltlich Genehmigung – von Synthos, einem der größten Hersteller von chemischen Grundstoffen in Polen, fortgeführt werden. Expandierbares Polystyrol wird in großen Mengen von der Verpackungsindustrie und der Baubranche zur Dämmung von Häusern und Bürogebäuden nachgefragt, weil es leicht, stark und langlebig ist. Tomasz Kalwat, CEO von Synthos, versicherte, die Position von expandierbarem Polystyrol als bevorzugtem Dämmstoff für seine Kunden bliebe mit der Akquisition weiterhin gewährleistet. INEOS Styrenics produziert das sogenannte „EPS“ gegenwärtig an zwei Standorten in Frankreich und einem in den Niederlanden. Forschung, Entwicklung und Produkttests werden an einem eigens dafür errichteten Standort in den Niederlanden durchgeführt, wo auch das Kundendienstteam des Unternehmens sowie die Logistik und die Finanzverwaltung ihren Sitz haben. Synthos hat seinen Sitz in Oświęcim. Das Unternehmen war der erste europäische Hersteller von Emulsionskautschuken und ist ein führender Polystyrolhersteller. INEOS Styrenics ist Teil des Geschäftsportfolios von INEOS Enterprises. Die Aufgabe von INEOS Enterprises ist es, aktiv Marktchancen für den Kauf, die Entwicklung und den Verkauf von chemischen Betrieben aufzuspüren.

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  • Grünes Licht für neue Anlage in den USA

    INEOS hat dem Bau einer neuen Anlage von Weltklasse nahe Houston, Texas, die endgültige Zustimmung erteilt. Wenn die Anlage im November 2018 in Betrieb geht, wird sie 420.000 Tonnen lineare Alpha-Ole ne (LAO) pro Jahr produzieren – das sind 20 Prozent mehr als INEOS Oligomers ursprünglich geplant hatte. Die Entscheidung, die Produktion am INEOS-Standort Chocolate Cayou zu erhöhen, ist auf Amerikas Schiefergasboom, durch den die Kosten für Energie und Rohmaterialien drastisch gesunken sind, aber auch auf die Kundennachfrage zurückzuführen. LAO werden für eine ganze Reihe von Produkten verwendet, wie etwa Schampoos, Verpackungen, Rohre, Reifen und Agrochemikalien. Die neue Anlage wird auch dem wachsenden Polyalphaole n-Geschäft von INEOS zugute kommen, denn sie wird die Grundstoffe,welchedas Geschäft für die Herstellung von synthetischen Hochleistungsschmierstoffen benötigt, produzieren. In Windkraftanlagen werden diese Öle von hoher Viskosität für die Verbesserung der Leistung und Verlässlichkeit der Windkraftgetriebe eingesetzt. Getriebeausfälle führten in der Vergangenheit immer wieder zu Produktionsausfällen. INEOS Oligomers ist bereits heute der weltgrößte Hersteller von PAO, doch diese jüngste Investition ist ein großer Schritt voran in den ehrgeizigen Wachstumsplänen des Unternehmens für sein LAO-Geschäft. Bis Ende 2018 wird die weltweite LAO- Produktionskapazität von INEOS Oligomers, das über weitere Anlagen in Kanada und Belgien verfügt, bei etwa einer Million metrische Tonnen pro Jahr liegen.

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  • 25-MILLIONEN- PFUND-SPENDE VON JIM RATCLIFFE FÜR LONDON BUSINESS SCHOOL

    Der INEOS-Vorstandsvorsitzende Jim Ratcliffe spendete der London Business School, an der er selbst seinen MBA erwarb, 25 Millionen Pfund. Diese Summe wird den Erhalt des Gebäudes am Londoner Regent‘s Park für die nächsten 125 Jahre sichern. „Ich verdanke der London Business School eine Menge“, so Ratcliffe. „Sie gehört zu den besten Business-Schulen der Welt.“ Jim Ratcliffe erwarb seinen MBA im Jahr 1980, als er Chemieingenieur bei Exxon Chemicals war. 18 Jahre später gründete er INEOS, das mit 17.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar heute einer der größten Petrochemie-Konzerne der Welt ist. Professor Sir Andrew Likierman, Dekan an der London Business School, bezeichnete die Spende als‚ unglaublich großzügig‘. „Dies bedeutet, dass auch künftige Generationen von Studierenden in einem der schönsten und historisch bedeutsamsten Londoner Gebäude lernen dürfen“, so Likierman. Als Dankeschön für die Spende benannte die London Business School auch ihr von John Nash entworfenes Hauptgebäude in „The Ratcliffe“ um.

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  • INEOS erwirbt WL Plastics

    INEOS O&P USA hat ein Unternehmen erworben, das vom amerikanischen Schiefergasboom pro tiert. Es übernahm 100 Prozent der Anteile an der SOP Holding Corp, einem der größten und am schnellsten wachsenden Hersteller von PE-HD (Polyethylen hoher Dichte)-Rohren in Nordamerika. Rohre aus PE-HD werden weder undicht noch rosten sie und halten bei guter Konzeption und Installation bis zu 100 Jahre – vollkommen wartungsfrei. Daher erfreuen sie sich bei Öl- und Gasproduzenten naturgemäß einer besonders hohen Nachfrage. „Das Wachstum bei PE-HD-Rohren fürÖl und Gas hob mit der Schieferöl- und -gasexploration erst richtig ab“, so Dennis Seith, CEO von INEOS O&P USA. Doch INEOS sieht angesichts des Wachstums der amerikanischen Städte und deren alternden Abwasser- und Kanalisationssystemen, die ersetzt werden müssen, auch andere Wachstumsmöglichkeiten. „Die einzigartigen Eigenschaften Festigkeit, Flexibilität, Gewicht und Haltbarkeit zusammen mit der einfachen Handhabung machen PE-HD-Rohre zur perfekten Wahl“, so Dennis Seith. Das Unternehmen mit Sitz in Fort Worth, Texas, produziert derzeit in seinen Anlagen in Kentucky, South Dakota, Utah, Texas und Wyoming PE-HD-Rohre; eine Anlage in Georgia ist in Bau. „Wir freuen uns sehr über den Erwerb dieses Unternehmens“, sagt Seith. „Es ist für den wachsenden nordamerikanischen Rohrmarkt gut positioniert und wird unser bestehendes Portfolio aus Ole nen und Polymerprodukten ergänzen.“ INEOS und WL haben ein gemeinsames Ethos, so Mark Wason, CEO von WL Plastics. „Wir sind beide der Sicherheit, Qualität, Manufacturing Excellence und dem Kundenservice verpflichtet“, meinte er. Er meinte, INEOS würde WL Plastics helfen, seine Position am Markt zu stärken.

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  • INEOS Styrolution: Erste Akquisition

    INEOS Styrolution, das bereits heute ein Ansehen als globaler Marktführer im Bereich der Styrol-Kunststoffe genießt, hat sich zu einem Schritt zur weiteren Stärkung seiner Position in der Welt entschlossen. Es kaufte das K-Resin® Styrol-Butadien-Copolymer (SBC)-Geschäft von den derzeitigen JV-Eigentümern Chevron Phillips Chemical und Daelim Industrial Company. Die Anlage be ndet sich im Yeosu Petrochemical Complex, dem größten petrochemischen Komplex an der Südküste Südkoreas. CEO Kevin McQuade meinte, die Akquisition – die erste für INEOS Styrolution – würde seine Fähigkeit stärken, spezialisierte Styrol-Produkte für seine Kunden anzubieten, und die Produktionskapazitäten in Asien erhöhen. „Unsere Kunden werden von unserer Fähigkeit pro tieren, ihren Bedarf durch unsere größeregeographische Reichweite weltweit zu decken – denn wir haben nun SBC-Produktions-, Forschungs- und Entwicklungszentren in allen wichtigen Regionen“, erklärte er. INEOS Styrolution beschäftigt derzeit etwa 3.100 Menschen und betreibt 15 Produktionsstandorte in neun Ländern. Die bestehenden SBC-Marken Styrolux® und Styro ex® von K-Resin® SBC und INEOS Styrolutions ergänzen einander gut. Nach der Zusammenlegung steht den Kunden weltweit eine große Auswahl an SBC-Produkten zur Verfügung. Die Akquisition wird nach ihrem Abschluss einmal mehr zeigen, dass INEOS Styrolution seinen Fokus entschlossen auf Maßnahmen richtet, die die Reichweite in wachstumsstarken Branchen, bei Styrol-Kunststoffen und in Schwellenmärkten erhöhen.

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  • WARUM SICH US-SCHIEFERGAS AUCH BEI EINEM ÖLPREIS VON 30 US-DOLLAR HALTEN KANN

    Der Ölpreisverfall kümmert INEOS wenig, nachdem man soeben zwei Milliarden Dollar investiert hat, um US-Schiefergas nach Europa zu transportieren. Tom Crotty, Leiter der Konzernkommunikation bei INEOS, meint, Außenstehende hätten die Sinnhaftigkeit des Imports von US-Gas bei derart niedrigen Ölpreisen in Frage gestellt. Dabei spiele das gar keine Rolle, weil INEOS sowohl Gas- als auch Ölcracker besitzt. „Für uns ist die Tatsache, dass die Ölpreise jetzt viel niedriger sind, für die Machbarkeit der Gaslieferungen aus Amerika überhaupt nicht relevant”, sagt Tom. „Sie hat sogar die Rentabilität unserer Ölcracker gesteigert.” Tom fasst zusammen, dass es einige Kommentare aus schlecht informierten Kreisen gegeben habe: „Einige Kommentatoren sagten, Unternehmen wie INEOS müssten verrückt sein, bei derartig niedrigen Ölpreisen Ethan aus den USA heranzuschaffen, aber diese Menschen verstehen nicht, worum es geht. Wenn Sie einen Gascracker haben, können Sie kein Naphtha verwenden. Sie brauchen Gas. Hier steht also nicht Gas gegen Naphtha. Hier steht Gas gegen Gas.” Die Verfügbarkeit von kostengünstigem Ethan, einem aus Schiefergas gewonnenen Naturgas, hat Amerikas chemische Industrie aus der Rezession geholt und ihr einen Vorteil gegenüber jenen Mitbewerbern in der gesamten Welt verschafft, die auf Naphtha, eine teurere Erdölfraktion, angewiesen sind. Durch den Verfall der Ölpreise hat sich dieser Vorteil allerdings verringert. „Die europäische Petrochemie-Industrie hat von den niedrigen Ölpreisen sehr stark profitiert, weil der Preis für Naphtha dramatisch gesunken ist“, sagt Tom. „Die Margen sind bei den Naphthacrackern wieder gewaltig da. Wenn Sie über beide Arten von Crackern verfügen wie wir, können Sie sich sehr glücklich schätzen.” Bei INEOS, wo man Ethangas für die Cracker in Norwegen und Grangemouth verwendet, sagt man, der Import von Gas aus den USA sei immer noch billiger als der Ankauf in Europa. „Der zweite Punkt ist der, dass wir in Europa kein Gas bekommen”, so Tom. „Unser Cracker in Grangemouth lief die letzten drei Jahre mit 40 Prozent Leistung, weil wir kein Ethan haben. Ethan geht in der Nordsee rasch zur Neige. Unsere Wahl ist also nicht schwer. Sie betreiben einen Cracker oder Sie lassen es.” EINGEMOTTETE ANLAGE WIRD WIEDER ANGEFAHREN Eine PRODUKTIONSEINHEIT in der INEOS-Anlage Grangemouth wird acht Jahre nach dem Einmotten wieder angefahren. Die Anlage hat die strengen Prüfungen für die erneute Inbetriebnahme erfolgreich bestanden und ist auf das Eintreffen von US-Schiefergasethan vorbereitet. Das gab INEOS bekannt, kurz nachdem die erste Lieferung des US-Schiefergases im benachbarten Gascracker in Rafnes, Norwegen, eingetroffen war. Die ersten Lieferungen nach Grangemouth werden für den Herbst erwartet. „Wir sind nun bestens aufgestellt, die Anlage in Grangemouth endlich in Volllast laufen zu lassen”, sagt Gordon Milne, INEOS-Betriebsleiter in Grangemouth. INEOS hatte seinerzeit keine andere Wahl gehabt, als die zweite Produktionseinheit in der KG Ethylencrackanlage im Jahr 2008 zu schließen, da sie nicht mit voller Kapazität betrieben werden konnte. Das Eintreffen von amerikanischem Ethan ändert alles. „Wenn das Gas hier ankommt, wird diese Anlage in die erste Liga der europäischen Petrochemieanlagen aufsteigen”, prophezeit Gordon. Das amerikanische Flüssiggas wird in einem speziell angefertigten Ethantank gelagert – dem größten in Europa – und die schwindenden Bestände in der Nordsee ersetzen.

    5 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • WER WAGT, GEWINNT

    DIE Welt ist soeben Zeuge eines wirklich bedeutenden Augenblicks in der Geschichte der petrochemischen Industrie geworden. Die Ladungen von verflüssigtem Ethan, die im März in den Docks von Rafnes in Norwegen landeten, werden INEOS‘ europäische Geschäfte beleben. Vergessen Sie die Jahre, die vielen Millionen Arbeitsstunden und die 5.000 Arbeiter, die nötig waren, um die ersten beiden „Dragon-Schiffe” zu bauen, die diese kostbare Fracht transportieren. Denn diese Schiffe sind nur ein Teil der inspirierenden Geschichte mit ihren globalen Auswirkungen und ihrer außergewöhnlichen Vision. Es ist auch eine Geschichte, die viele zu beiden Seiten des Atlantiks als reines Hirngespinst abgetan hatten. „Es war noch nie gelungen und viele sagten, es sei nicht machbar”, so Chad Stephens, Senior Vice President of Corporate Development bei Range Resources, die INEOS mit dem benötigten Gas beliefern. Diese in China gebauten Spitzentanker werden eine neue Ära im Ethangastransport einläuten. „Wir erleben in unserer Branche selten bahnbrechende Momente, aber dies ist einer”, fasst Peter Clarkson, Head of Investor Relations bei INEOS, zusammen. Was das kostengünstige Ethan für INEOS´ petrochemische Geschäfte in Europa bewirken wird, ist außergewöhnlich, sowohl bei der Energie als auch bei den Rohstoffen. INEOS wird das Gas für den Betrieb seiner Anlagen einsetzen, wenn es in Ethylen umgewandelt ist, eine der weltweit wichtigsten Substanzen in der Petrochemie. „Der Transport von amerikanischem Ethangas nach Europa sichert unsere Petrochemie-Anlagen in Europa für viele Jahre ab”, prophezeit John McNally, CEO von INEOS Olefins & Polymers UK. Tatsächlich begann die Geschichte bereits vor sechs Jahren, als INEOS es wagte, das Undenkbare zu denken. Im Jahr 2010 kämpfte Europa mit den Auswirkungen der Finanzkrise. Die Energiepreise waren höher als je zuvor, die Gasbestände in der Nordsee gingen allmählich zur Neige. Doch in Amerika war eine Revolution im Gange. Schiefergas hatte zu niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen geführt, die der verarbeitenden Industrie zu neuem Aufschwung verhalfen. Aber Amerika hatte ein Problem. Es gab so viel Ethan, dass man nicht wusste, wohin damit. Im INEOS-Hauptquartier in Rolle, Schweiz, entstand der Plan, eine virtuelle Pipeline über den Atlantik zu errichten, um das dringend für die Zukunft der europäischen Cracker benötigte Gas zu transportieren. Aber wie würde INEOS das machen? Niemand hatte je Ähnliches versucht. Es gab keine Möglichkeit, das Gas von den Schieferbohrlöchern im südwestlichen Pennsylvania 480 Kilometer weit nach Philadelphia an der Ostküste Amerikas zu transportieren. Es gab keine Exporteinrichtungen in den USA und niemand hatte jemals versucht, Ethangas in diesen Mengen zu transportieren. Für den Vorstandschef von INEOS, Jim Ratcliffe, spielte das alles keine Rolle. „Die Leute meinten, es sei nicht machbar”, schmunzelt Jim. „Aber wir von INEOS waren immer davon überzeugt, dass alles machbar ist.” Während INEOS seine ehrgeizigen Pläne verfolgte und ein Team aus internationalen Partnern zusammenstellte, das drei Kontinente überspannte, haben sich andere zurückgelehnt und abgewartet. „Die Technologie war nicht vorhanden, also mussten wir sie entwickeln”, so INEOS-Director Andy Currie. David Thompson, Chief Operating Officer von INEOS Trading & Shipping, wurde mit der Projektaufsicht beauftragt: „Es war schlicht und einfach eines der größten technischen Projekte der Welt. Wir sind hier Pioniere. Wir waren an den Pipelines, der Fraktionierung, den Terminals, der Infrastruktur und den Schiffen beteiligt. Wir mussten uns um alles kümmern.” Dieser kühne, bahnbrechende Plan ist jetzt Wirklichkeit geworden. Zu seiner Durchführung hat INEOS 15-Jahres-Verträge mit Ethanlieferanten abgeschlossen wie Range Resources für das Gas, MarkWest für die Verarbeitung des Gases und mit Sunoco für dessen Beförderung über Hunderte Kilometer zum Marcus Hook Industrial Complex, wo das Gas auf -95° C abgekühlt wird, bevor es die Reise nach Norwegen und später in diesem Jahr auch nach Grangemouth in Schottland antritt. Keiner der Beteiligten hegte je Zweifel. Es war kein Problem. Es war eine Chance. Eine Chance, die geschäftliche Zukunft in Europa zu sichern und ehemals florierende Gemeinden in Amerika wiederzubeleben. In Amerika begannen die Arbeiten mit dem Umbau einer ehemaligen Öl-Pipeline für den Transport von Ethan für den Großteil des Weges vom Marcellus-Schiefergasfeld nach Marcus Hook, eine einst betriebsamen Öl- und Gas-Raffinerie, die im Jahr 2011 geschlossen worden war. Sunoco, immer noch im Besitz der verrostenden Raffinerie, begann, Milliarden Dollar für den Umbau in ein Top-Zentrum für chemische Produktion, Gasspeicherung und Vertrieb zu investieren, in dem die INEOS-Flotte von „Dragon-Schiffen” beladen werden kann. An anderer Stelle wurden 80 Kilometer neuer Leitungen verlegt und eine neue Pumpstation errichtet. Auf der europäischen Seite tat sich INEOS mit dem dänischen Transportriesen Evergas zusammen, um Tanker zu entwickeln, die einer solchen Mammutaufgabe gewachsen sind. „Es war ein gewaltiges Unterfangen, aber Evergas verstand vielleicht besser als alle anderen, was nötig war, um Ethan in den von INEOS gewünschten Mengen über die erforderten Entfernungen zu befördern”, fasst Chad zusammen. Und das hat Evergas tatsächlich getan. „Es gab Ethan-Tanker”, so CEO Steffen Jacobsen. „Aber Evergas hat gemeinsam mit seinen vielen Stakeholdern die bisher größten und fortschrittlichsten Ethan-Tanker entwickelt. Die ehrgeizige Vision von INEOS und Evergas hat dieses Transportprojekt erst möglich gemacht.” In Hamburg arbeitete die HSVA an einem optimierten Rumpf, der dem Transport von Ethan gerecht wird, und Wärtsilä in Finnland an der Entwicklung von Motoren, die ausschließlich mit Ethan betrieben werden können, was nicht nur für mehr Frachtraum sorgt, sondern auch die schädlichen Emissionen verringert. Nachdem die Entwürfe fertig waren, erhielt Sino-Offshore and Engineering, eine der größten Werften der Welt, den Auftrag für das letzte Puzzle-Teil. Sie sollte die Schiffe bauen. Nach Aufnahme der Arbeiten in China begann TGE Gas Engineering, eines der weltweit führenden Ingenieurbüros für Technik- und Projektbetreuung in der Gasspeicherung, mit dem Bau eines weiteren Ethanspeichertanks und der Infrastruktur für den INEOS-Standort Rafnes, um so den Import von Ethan aus nordamerikanischen Schiefergasfeldern zu ermöglichen. Auch die Errichtung neuer Transport- und Speichereinrichtungen für die Abwicklung der Ethan-Importe in der INEOS-Anlage Grangemouth wurde in Angriff genommen. Für die Mitarbeiter in Grangemouth war nach Monaten der Ungewissheit neue Hoffnung spürbar. Nur wenige Monate zuvor war die defizitäre petrochemische Anlage inmitten eines erbitterten Arbeitskampfes von der Schließung bedroht gewesen; bei diesem Arbeitskampf hatten die Mitarbeiter ursprünglich den Überlebensplan des Unternehmens abgelehnt. Ein Gesinnungswandel ebnete schließlich den Weg für große Investitionen und eine 230-Millionen-£-Darlehensgarantie seitens der britischen Regierung, sodass INEOS die finanziellen Mittel für den Bau eines der größten Ethanspeichertanks in Europa aufbringen konnte. Der fertige Ethylenkracker wird eine Verdoppelung der Produktion ermöglichen. Es war eine Mammutaufgabe. Doch Jim konnte seine Freude nicht verbergen, als er auf der Brücke des ersten „Dragon-Schiffes” stand, das treffend INEOS Ingenuity getauft worden war. „Es ist wunderbar, wenn ein Plan verwirklicht wird”, sagt er. „Und es macht uns sehr stolz, etwas erreicht zu haben, was niemand je zuvor geschafft hat.”

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  • WELTPREMIERE BEI INEOS

    DER Nordatlantik ist kein Ort für Zartbesaitete. Er ist für jedes Schiff ein potenziell feindliches Umfeld, ganz zu schweigen von einem, das verflüssigtes Ethan befördert. INEOS wusste das – und daher wandte sich die Firma an Evergas, einen Weltführer im Transport von Erdgas. Nach außen hin war der INEOS-Auftrag einfach. Gefragt war ein Schiff, das riesige Mengen an verflüssigtem Ethangas bei -90 °C mehr als 1.600 Kilometer über einen tiefen, kalten Ozean voller Eisberge, dichtem Nebel, 15-Meter-Wellen und Stürmen befördern konnte. Und das effizienter als jemals zuvor. Die Lösung war alles andere als einfach. Aber das Ergebnis war der größte, flexibelste, ökologisch nachhaltigste Multi-Gas-Tanker, der jemals gebaut worden war. „Es gibt kein zweites Schiff wie dieses auf der Welt”, sagte Hans Weverbergh, Operations Manager bei der dänischen Reederei Evergas. „Es gab keine Schiffe mit Drucktanks, die diese Menge Ethan befördern konnten. So etwas war noch nie gemacht worden.” Flüssiggas wird seit Jahrzehnten kreuz und quer um die Welt transportiert. Ethan ist jedoch ein eigenes Kapitel. Es war bisher nur in kleinen Tankern über kurze Strecken befördert worden. Für eine Überquerung des Atlantiks würde man viel größere Schiffe brauchen. Andere Firmen meinten, das sei einfach nicht machbar. Doch INEOS sah die Chance und hatte den Weitblick für die Umsetzung. „Diese Schiffe sind wirklich einzigartig”, sagte Evergas CEO Steffen Jacobsen, der seit 35 Jahren in der Branche tätig ist. „Niemand hat je zuvor versucht, Ethan in diesen Mengen über solche Entfernungen zu befördern. Wir mussten dafür völlig neue Vorgangsweisen finden.” INEOS wollte, dass die „Dragon-Schiffe” auch mit der beförderten Ladung angetrieben werden konnten. Dafür wandte man sich an die finnische Firma Wärtsilä, die neue Maßstäbe bei der Treibstoffflexibilität setzte. Sie entwickelte Dual-Fuel-Motoren, die nahtlos und ohne Verluste zwischen verflüssigtem Erdgas, Ethan, leichtem Heizöl oder Schweröl wechseln können. „Es war ein technologischer Durchbruch”, sagte Timo Koponen, Vice President, Flow and Gas Solutions, Wärtsilä Marine Solutions. Wenn INEOS-Motoren mit Ethan betrieben werden, bleibt nicht nur mehr Platz für Fracht, die Schiffe produzieren auch 25 Prozent weniger CO2 und 99 Prozent weniger Schwefeldioxid und erfüllen Stufe III der Vorschriften der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Außerdem ist jedes Schiff mit zwei Motoren ausgestattet, damit die Ladung in jedem Fall ankommt. Die Schiffe sind die größten dieser Art, die je entwickelt wurden: Umgerechnet hat jedes die Länge von zwei Fußballfeldern, bei ausgebauten Ladetanks wäre Platz für 5.750 Autos der Marke Mini Cooper. Die Tanks befinden sich im Rumpf des Schiffes, jeder hat ein Fassungsvermögung von rund elf Schwimmbecken. Die HSVA, der deutsche Schiffsrumpf-Spezialist, wurde damit beauftragt, die Wirtschaftlichkeit dieser immens großen Schiffe zu maximieren, und testete maßstabsgetreue Modelle der Schiffe in realitätsnahen Umgebungen. Die ersten beiden Schiffe wurden in einem Trockendock in Qidong nahe Shanghai von Sinopacific Offshore and Engineering (SOE), einer der größten Werften der Welt, gebaut. „SOE ist eines der wenigen Unternehmen, die über die Fertigkeiten und baulichen Voraussetzungen verfügen, um den Bau dieser komplexen Schiffe zu übernehmen”, sagte CEO/Chairman Simon Liang. „Als ich die ersten beiden Schiffe Bug an Bug im Dock sah, dachte ich: „Mann, diese Jungs verstehen ihr Handwerk”, sagte Chad Stephens, Senior Vice President of Corporate Development bei Range Resources bei der Schiffstaufe. Das war auch für Evergas ein denkwürdiger Augenblick. „Ich war so stolz auf alle intern und extern Beteiligten, die diese Schiffe gemeinsam Wirklichkeit werden ließen”, sagte Steffen. Die Taufe war ein weiterer Meilenstein in INEOS globalem Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt zum Import von Schiefergas aus den USA zu den Produktionsanlagen in Norwegen und Schottland. INEOS ist das erste Unternehmen der Welt, das sich entschlossen hat, Ethan aus Schiefergas aus Amerika zu holen, wo das Gas bereits zu einem deutlichen Aufschwung der verarbeitenden Industrie geführt hat.

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  • DAS GESCHENK, DAS KEIN ENDE NIMMT

    NIEMAND hätte vorhersagen können, dass die Beharrlichkeit eines Mannes den Lauf der Geschichte verändern würde. Aber die Nachwirkungen von Ingenieur Nick Steinsbergers Arbeit im Barnett Schiefergasfeld – wo er vor 20 Jahren die perfekt zusammengesetzte Fracturing-Flüssigkeit für die Extraktion von Gas aus mehr als 3.000 Meter unter der Erde liegendem Schiefer gefunden hatte – sind noch heute spürbar; nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt. „Ich glaube nicht, dass es nur an mir liegt, und ich hätte auch ursprünglich nie gedacht, dass das passieren würde”, erzählt er dem INCH-Magazin in seinem Büro in Fort Worth, Texas. „Damals war ich nur auf der Suche nach einer Lösung. Erst mit der Zeit begriff ich, von welch enormer Bedeutung diese Errungenschaft war. Es ist ein gutes Gefühl, zur Versorgung der Welt mit so viel preiswertem Gas beigetragen zu haben.” Diese Revolution – sie wird oft als die außergewöhnlichste Erfolgsgeschichte im Energiesektor der US-Geschichte bezeichnet – brachte den USA enorme Vorteile. Für die petrochemische Industrie, einen der größten Gasverbraucher der Welt. Für die verarbeitende Industrie, die einen neuen Aufschwung erlebte. Für Gebiete, die besonders hart von der Rezession betroffen waren. Und völlig unerwartet – für die Umwelt. Vor zwanzig Jahren gab es im Barnett Gasfeld 250 Bohrlöcher zur Suche nach Schiefergas und Öl; heute sind es mehr als 200.000. Für Amerikas petrochemische Industrie war die Entdeckung der riesigen, ungenutzten Schiefergas-Reserven phänomenal. „Die Investitionen der US-Chemieindustrie in Schiefergas haben mittlerweile 158 Milliarden Dollar erreicht”, sagt Cal Dooley, Präsident und CEO des American Chemistry Council. Per Januar dieses Jahres sind 262 Projekte in Form neuer Fabriken, Erweiterungen und Prozessänderungen zur Erhöhung der Kapazität angekündigt worden. Die petrochemische Industrie benötigt Erdgas zum Heizen und für den Betrieb ihrer Produktionsanlagen. Das Gas ist aber nicht nur Energielieferant. Es ist auch Rohstoff für die Herstellung Tausender wichtiger Produkte, die wir tagtäglich brauchen. Ohne sie gäbe es keine Autoteile, keine Verpackung, keine Medizinprodukte, keine Reifen, kein Glas, keine Kleidung und keine iPad-Bildschirme aus Kunststoff. „Das vergisst man oft in all den hitzigen Debatten über die Vorzüge der weiteren Nutzung von Gas”, sagt Greet Van Eetvelde, INEOS Head of Energy and Innovation Policy. „Auch viele Komponenten zur Erzeugung erneuerbarer Energien wie z.B. Rotorblätter für Windkraftanlagen und die Schmierstoffe in deren Getriebe können nicht ohne Gas und Öl hergestellt werden.” Schiefergas macht diese Herstellung deutlich billiger. „Der neue Aufschwung der US-Chemieindustrie hat gerade erst eingesetzt”, schrieb Kevin Swift, Chef-Ökonom des American Chemistry Council, im Situationsbericht und Ausblick der Chemieindustrie zum Jahresende 2015. „Die Grundlagen sind fest. Die wichtigen heimischen Endverbrauchermärkte haben expandiert, die Verbraucherausgaben sind gestiegen, der Arbeitsmarkt ist stabiler geworden und die Haushalte sind in den Genuss zusätzlicher Einsparungen durch niedrigere Energiekosten gekommen.” INEOS ist mit 17 Produktionsstätten in den USA daran beteiligt. Die neue Anlage von INEOS und Sasol im INEOS Battleground Manufacturing Complex bei LaPorte in Texas dürfte noch in diesem Jahr rentabel werden. Die Anlage – ein 50/50-Joint Venture – wird in der Lage sein, pro Jahr 470.000 Tonnen Polyethylen hoher Dichte für den amerikanischen Markt herzustellen. Mit dem zu erwartenden Standortwachstum kann INEOS auch die geplanten Investitionen in eine kraftstoffeffizientere Kraft-Wärme-Kopplung umsetzen; dies wird dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu senken. The Boston Consulting Group veröffentlichte im Dezember den Bericht „Made In America, Again”. „Die Zahl der Unternehmen, die ihre Produktion aktiv zurück in die USA verlegen, nimmt weiter zu”, sagte ein Sprecher. „Die USA haben sogar China als wahrscheinlichstes Ziel für neue Produktionskapazitäten übertroffen.” Das liegt zum Teil an niedrigeren Energiekosten durch Schiefergas und steigende Löhne in China. Apple, das weltgrößte Technologie-Unternehmen, nennt dies als Begründung für seine Entscheidung, die Herstellung des MacPro – der als leistungsfähigster Mac aller Zeiten bezeichnet wird – nach Texas zu verlegen. Die Situation ist so ganz anders als vor einem Jahrzehnt, als die USA für die Kunststoffhersteller zu den teuersten Orten der Welt zählten. „Heute ist Amerika einer der attraktivsten Orte der Welt für Investitionen in die Kunststoffproduktion”, sagt Steve Russell, Vizepräsident Kunststoffe bei ACC, letztes Jahr. „Selbst nach dem jüngsten Rückgang des Ölpreises hat unser Land einen entscheidenden Vorsprung.”   Amerika möchte nun von diesen Investitionen profitieren und in die ganze Welt verkaufen. Cal Dooley bezeichnete das im letzten Jahr als den „sichersten Weg zu einer stärkeren Wirtschaft und neuen Arbeitsplätzen”. Das globale Beratungsunternehmen Nexant rechnet mit einer deutlichen Zunahme der amerikanischen Chemie-Exporte in den nächsten 15 Jahren. In seinem Bericht „Fuelling Export Growth” für 2015 nennt es Absätze in Höhe von 123 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2030 – mehr als das Doppelte von dem, was Chemieunternehmen 2014 exportiert haben. Aber auch Amerikaner haben zusehends Appetit auf Produkte „Made in USA”. Einer, der das versteht, ist Harry Moser, ein Veteran der verarbeitenden Industrie und ehemaliger Präsident des Werkzeugmaschinen-Herstellers GF AgieCharmilles, der im Jahr 2010 die „Reshoring Initiative” gründete, um Unternehmen bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Rückkehr in die USA zu helfen. „Ich hatte mit Bestürzung beobachtet, wie mehr und mehr Arbeitsplätze aus den USA zunächst nach Japan, dann Mexiko, Taiwan, Korea und schließlich China abgewandert sind”, sagt er. „Die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft waren schrecklich, in der verarbeitenden Industrie gingen Millionen Arbeitsplätze verloren. Die Vereinigten Staaten waren einmal die treibende Industriemacht gewesen, ich war in dieser großartigen Zeit aufgewachsen.” Seit Gründung seiner Reshoring Initiative sind etwa 1.000 Unternehmen zurückgekehrt, und mit ihnen fast 100.000 Arbeitsplätze. „Ich freue mich sehr über die Resonanz im Land und seitens vieler Unternehmen”, so Harry. „Leider verharren jedoch viele Unternehmen noch im Modus des günstigsten Einkaufspreises, anstatt die Gesamtkosten zu berücksichtigen. Es wird Jahrzehnte dauern, diese MBA-Mentalität zu überwinden.” Apples Entscheidung, seine MacPro in Amerika herzustellen, war Teil von CEO Tim Cooks 100-Millionen-Dollar-Initiative „Made in USA”. „Wir wollen den MacPro hier nicht nur zusammenbauen”, sagt er. „Wir wollen das ganze Ding hier herstellen. Das ist eine große Sache.” Im Januar dieses Jahres kündigte Bollman, Amerikas älteste Hutfabrik an, dass 41 Arbeitsplätze aus China zurück in das Werk in Adamstown, Pennsylvania, verlegt werden. Im November hatte es einen Aufruf an die Öffentlichkeit gegeben, 100.000 US-Dollar für den Import von 80 im Jahr 1938 gebauten Strickmaschinen aufzubringen, die den Stoff für den berühmten Kangol 504 der Firma herstellen. Die Öffentlichkeit zog vor der Haltung der Firma den Hut – und machte mit. „Die Rückverlagerung ist der schnellste und effizienteste Weg, die US-Wirtschaft zu stärken, denn sie zeigt, dass die verarbeitende Industrie Zukunft hat”, sagt Harry. „Ohne verarbeitende Industrie wird ein Land Schritt für Schritt ärmer.” Aber nicht nur die Industrie profitiert von günstigen Rohstoff- und Energiepreisen. Schiefergas hat Orte regelrecht revitalisiert; auch solche, die von der Rezession besonders hart betroffen waren. Die Associated Petroleum Industries of Pennsylvania meinen, die Gasförderung habe Pennsylvania Hunderttausende Jobs gebracht, jährlich 34,7 Milliarden Dollar zum Haushalt des Staates beigetragen und den Gewinn von mehr als 1.300 Unternehmen aller Größen in der gesamten Energieversorgungskette gesteigert. „Die sichere und verantwortungsbewusste Gasförderung ist gut für die Wirtschaft unseres Staates, für die lokale Wirtschaft und für die Einwohner Pennsylvanias gewesen”, meint Executive Director Stephanie Catarino Wissmann. „Und so soll es bleiben.” In Marcus Hook, dem ehemaligen Standort einer Erdölraffinerie, deren Schließung 2011 mit dem Verlust von 500 Arbeitsplätzen einherging, ist die Aufregung groß. Die ehemalige Raffinerie, die 109 Jahre lang Benzin, Diesel und Kerosin produziert hatte, wird in ein wichtiges Zentrum für die Verarbeitung und Verschiffung von verflüssigtem Erdgas umgewandelt – dank der Verbindung zur Marcellus- Schiefergasindustrie. „Der Stillstand der Marcus Hook-Raffinerie war für den Ort Marcus Hook, für die Sunoco-Familie und für die gesamte Region schwer zu verkraften”, fasst Hank Alexander, Vice President Business Development der Sunoco Logistics Partners LP, zusammen. „Aber jetzt ist wieder Leben in der Stadt, von Restaurants in der Innenstadt bis zu lokalen Vertragsfirmen. Einige der Arbeiter, die 2011 arbeitslos wurden, arbeiten sogar wieder in der Anlage.” Sunoco Logistics hatte die alte Raffinerie im Jahr 2013 mit der Absicht gekauft, eine Verbindung zum Marcellus-Schiefergasfeld herzustellen, das nun fast 20 Prozent des amerikanischen Erdgases liefert – im Vergleich zu Null vor zehn Jahren. Das Management war überzeugt davon, dass die vorhandene Infrastruktur für Schiff, Bahn, LKW und Pipeline als Drehscheibe für verflüssigtes Erdgas prädestiniert sei. „Wir wollten Produktionsunternehmen entwickeln, die wieder Arbeitsplätze schaffen und die verarbeitende Industrie der Region wiederbeleben”, sagt Hank. „Der Schiefergas-Boom hat Städte wie Marcus Hook wieder mit Leben erfüllt.” Mario Giambrone ist der Eigentümer von Italiano’s Restaurant in Marcus Hook. „Beschreiben Sie es, wie Sie wollen, in verkauften Brötchen oder Pizzas, es ist auf jeden Fall ein Segen für diese Stadt und für mein Geschäft”, freut er sich im Gespräch mit dem Herstellerverband von Pennsylvania. David Taylor ist Präsident dieser Vereinigung, die die verarbeitende Industrie in Pennsylvania vertritt. „Der Energiesektor hat Pennsylvanias Wirtschaft während der Rezession und in den letzten Jahren fast im Alleingang über Wasser gehalten”, so sein Hinweis. Die Energieförderung aus dem Marcellus- Schiefergasfeld hat das nahegelegene Williamsport zu der am siebt-schnellsten wachsenden Metropolregion in den USA gemacht. Dr. Vince Matteo, Präsident und CEO der Williamsport Lycoming Chamber of Commerce and Industrial Properties Corporation, sagt, die überwiegende Mehrheit der Menschen vor Ort haben den Schiefergas-Boom positiv aufgenommen: „Er machte für uns den entscheidenden Unterschied. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Mit einem Mal kamen mehr als 85 Betriebe in unser County, was zur Eröffnung von unzähligen Restaurants und vier neuen Hotels geführt hat.” In der Zwischenzeit wurde Williston, vormals ein verschlafenes Städtchen in North Dakota, infolge des Öl-Booms plötzlich zur am schnellsten wachsenden Kleinstadt Amerikas – auch hier neue Restaurants, neue Geschäfte und neue Gesichter. Die Gemeinden profitieren auch von den unerwarteten Einnahmen durch Firmen, die nach Schiefergas bohren, und können in Verbesserungen investieren, die sonst nicht möglich gewesen wären. „Diese neue Einnahmequelle hat uns enorm viel gebracht”, sagt Lisa Cessna, leitende Direktorin der lokalen Planungskommission in Washington County der Associated Press. „Wir konnten Angelstege, Spielplätze und Wanderwege anlegen.” Lisa fasst zusammen, dass es zwar Beschwerden über Bohrstellen auf öffentlichem Grund gegeben, das Endergebnis aber die negativen Seiten überwogen habe. „Es kann funktionieren”, meint sie. „Der Weg ist ein wenig holprig. Einige Leute regen sich auf. Wir bestehen auf besonderen rechtlichen Formulierungen, die uns die Kontrolle über viele Bereiche des Bohrvorgangs geben. Wir genehmigen jede Pipeline, jeden Bohrplatz, jede Zufahrtsstraße. Das ist arbeitsaufwändig, aber es lohnt sich. Am allerwichtigsten ist es, die volle Kontrolle zu behalten.” Eine der größten Überraschungen war jedoch die Wirkung des Schiefergases auf die Luft, die wir einatmen – Amerikas CO2-Emissionen sanken 2012 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Der Grund? Anstelle von Kohle, die doppelt so viel CO2 emittiert, wurde Gas zum Brennstoff der Wahl für die Stromerzeugung. Trotz all dieser Vorteile sind nicht alle – vor allem nicht jene ganz oben – Verfechter von Schiefergas. „Präsident Obamas Ablehnung fossiler Brennstoffe hindert ihn daran, den bemerkenswertesten Erfolg auf dem Energiesektor in der Geschichte der USA, vielleicht in der ganzen Weltgeschichte, anzuerkennen”, sagt Dr. Mark Perry, Wissenschaftler am American Enterprise Institute und Wirtschaftsprofessor an der University of Michigan. „Aber wir brauchen einen Präsidenten, der das anerkennt.” Dr. Perry zufolge habe Schieferöl Amerikas Abhängigkeit von ausländischem Öl und Erdöl aus oft instabilen Teilen der Welt wesentlich reduziert. Es habe zur Senkung der Treibstoffpreise beigetragen und verhindert, dass die große Rezession noch schlimmer ausfällt und deutlich länger dauert. „Die heimische Energieproduktion schafft Arbeitsplätze in den USA, beschert den Grundbesitzern Lizenzgebühren und den Regierungen Steuereinnahmen – auf bundesstaatlicher, lokaler und gesamtstaatlicher Ebene. Durch den Rückgang der US-Gaspreise auf ein Sieben-Jahres-Tief ersparen sich die amerikanischen Verbraucher in diesem Jahr durch die niedrigeren Energiekosten mehr als 100 Milliarden Dollar.”

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  • DIE MILLIONENFRAGE

    FÜR einen Atheisten ist Professor Peter Atkins stark vom Glauben geprägt. Doch er glaubt nicht an Gott, sondern an die chemische Industrie. Und an den wichtigen Beitrag, den sie in der Welt von heute und von morgen leisten kann. „Ohne chemische Industrie würde der Welt die Farbe fehlen”, sagt er. „Wir würden unter Steinzeitbedingungen leben, wären unterernährt, in Felle gekleidet, ohne die vielen Geräte, die unser Leben erleichtern und uns unterhalten. Unser Leben wäre kurz und schmerzvoll.” Der emeritierte Chemieprofessor der Universität Oxford in Großbritannien hält Chemie für enorm wichtig für uns alle. Doch leider werde Chemie oft falsch verstanden. „Die meisten Menschen wissen rein gar nichts darüber, wie die Produkte, die sie im Alltag verwenden, hergestellt werden”, sagt Lawrence D. Sloan, Präsident und CEO der Society of Chemical Manufacturers and Affiliates. „Für mich, der ich mein ganzes Berufsleben lang Teil der chemischen Industrie gewesen bin, ist das extrem frustrierend.” Die petrochemische Industrie wandelt Rohstoffe wie Wasser, Öl, Erdgas, Luft, Metalle und Mineralien in komplexere Produkte um, die die Hersteller dann wiederum – für die Erzeugung all derjenigen Produkte verwenden, die wir wollen, brauchen und täglich benutzen. Wenn man genau hinschaut basiert mehr als 96 Prozent von allem, was in der Welt hergestellt wird, auf Chemikalien. Ein Teil des Problems für die chemische Industrie besteht darin, dass die Öffentlichkeit sie nicht als eine der wichtigsten Industrien der Welt ansieht – und das ist eine Wahrnehmung, die sich ändern muss. „Wie man das ändern kann, ist und bleibt die Millionenfrage”, so Lawrence. „Unsere Organisation und andere, ähnliche Organisationen stehen vor der großen PR-Herausforderung, unsere gewählten Amtsträger regelmäßig zu informieren und für unsere Branche einzutreten, so dass ihre entscheidende Bedeutung für die Gesellschaft verstanden wird. Denn keine andere Branche trägt so viel zur modernen Welt bei wie wir.” Er beschrieb die chemische Industrie als den „stillen Helden”. „Zu viele meinen, die Industrie übernehme keine Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter oder für die Umwelt”, sagt er. „Aber es ist absurd zu glauben, dass die Industrie sich selbst schaden möchte, nur um die Gewinnspannen um einen oder zwei Prozentpunkte zu erhöhen.” Beim alljährlichen Dinner des britischen Verbands der chemischen Industrie sagte INEOS Communications Director Tom Crotty vor den Delegierten: „Wenn die Regierung tatsächlich hinter einer Renaissance der verarbeitenden Industrie steht, dann muss sie begreifen, dass eine florierende Chemieindustrie entscheidend ist.” Denn die Produkte und Technologien der chemischen Industrie werden zur Herstellung verschiedenster Dinge, von Lacken über Kunststoffe und Textilien bis hin zu technischen Geräten, Arzneimitteln und Mobiltelefonen verwendet. Doch als energieintensive Industrie braucht sie, wenn sie überleben soll, Zugang zu kostengünstiger Energie. Das ist in Amerika kein Problem, wo die verarbeitende Industrie derzeit eine Renaissance erlebt, weil die Preise für die von den Produzenten benötigten Rohstoffe dank großer Mengen von preiswertem Schiefergas gesunken sind. Aber es ist ein Problem für Europa, wo die Energiekosten außer Kontrolle geraten sind und die Hersteller auf dem Weltmarkt kaum noch mithalten können. Tom, der auch Präsident der CIA (Chemical Industries Association, britischer Verband der chemischen Industrie) ist, meint, Großbritannien müsse in Sachen Energieversorgung dringend etwas unternehmen, um seine chemische Industrie neu zu beleben. In einer aktuellen Umfrage zur britischen Glas- und Verglasungsindustrie durch Pilkingtons UK gelten die steigenden Materialkosten – bedingt durch die Energiekosten – als das derzeit „größte Hindernis” für die Unternehmen. Dies sei nach ihren Angaben auch die größte Herausforderung für die nächsten zwei Jahre. Die Bedeutung der chemischen Industrie, die die Rohstoffe für die verarbeitende Industrie liefert, ist daher nicht zu unterschätzen. Die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Innovation setzt sehr oft genau hier an. „Die Leute nehmen die unglaublichen wissenschaftlichen Entdeckungen als selbstverständlich hin, die die spezialisierte chemische Industrie weiterhin macht und die zum Beispiel für Elektronik, lebensrettende Medikamente und Niedrigenergie-Häuser zum Einsatz kommen, ohne die wir uns ein Leben nicht mehr vorstellen können“, sagt Lawrence. INEOS beschäftigt 17.000 Menschen an 65 Standorten in 16 Ländern und ist stolz auf seine Leistung, das Leben der Menschen einfacher und komfortabler gemacht zu haben. INEOS stellt unter anderem her: Lösemittel, die bei der Produktion von Insulin und Antibiotika verwendet werden. Effiziente und effektive Biokraftstoffe für den modernen Verkehr. Chlor für die Reinigung von Trinkwasser. Synthetische Öle, die zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen. Moderne, starke und zugleich leichte Kunststoffe für Verpackung, Schutz und Haltbarkeit von Speisen und Getränken. Materialien für die Isolierung von Häusern, Büros, Elektro- und Telekommunikations-Leitungen. Produkte, die den Bau von Autos ermöglichen, die weniger Kraftstoff verbrauchen – was wiederum zur Reduktion der CO2-Emissionen beiträgt. Die Liste ließe sich fortsetzen – so wie die Arbeit hinter den Kulissen fortgesetzt wird, um innovative Lösungen für die vielen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft zu finden. „Chemische Produkte und Technologien kommen in fast allen Bereichen der Weltwirtschaft zum Einsatz”, sagt ein Sprecher der International Congress and Convention Association (ICCA), der globalen Stimme der chemischen Industrie. „Mit dem Wachsen der Weltwirtschaft steigt auch die Nachfrage nach Produkten der chemischen Industrie. Dieses Wachstum treibt die Produktinnovation voran, die Branche bringt jedes Jahr neue Produkte heraus und bemüht sich zugleich, die Produktionsprozesse zu verbessern und die Ressourcen effizienter einzusetzen.” Im Jahr 2014 investierte der amerikanische Chemieverband (ACC) 59 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung, das entspricht mehr als 185 US-Dollar pro Person in den Vereinigten Staaten. „Wir investieren mehr in Innovationen als die Elektronik-, Kfz- und die Gesundheitsindustrie”, sagt Cal Dooley, CEO und Präsident des ACC. „Chemieunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig neue, originelle und innovative Ideen auf den Markt zu bringen – das wird morgen nicht anders sein.” Der ACC meint allerdings, für die Fortsetzung der bahnbrechenden Arbeit der chemischen Industrie müssten die USA sich auch für eine Energiestrategie entscheiden, die die heimischen Energieressourcen einschließlich der enormen Schiefergasvorkommen, nutzt. Dieser Ansicht ist auch Steve Elliott, Chief Executive der Chemical Industries Association. Er wünscht sich, dass Großbritanniens 50-Milliarden-Dollar-Chemieindustrie die Energie im eigenen Boden nutzt, statt auf importiertes Erdgas zu setzen. „Die Schiefergasvorkommen des Vereinigten Königreichs werden für eine sicherere Gasversorgung und für mehr Beschäftigung und Wachstum sorgen”, sagt er. „Ohne dieses Schiefergas werden die Gasimporte bis zum Jahr 2030 voraussichtlich 75 Prozent des Bedarfs erreichen. Britisches Schiefergas wird die Versorgung aufrechterhalten, während das Vereinigte Königreich den Übergang zu einer grünen Wirtschaft bewältigt.” Als einer der weltweit größten Wirtschaftszweige – 2014 lag der Umsatz bei über 5,4 Billionen Dollar – hat die chemische Industrie tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt, in der wir leben, und das wird auch in Zukunft so sein, wenn sich die Gesellschaft bemüht, eine gesündere, sicherere und nachhaltigere Welt zu schaffen. „Leider hat das Wort ‚grün’ für die Menschen unterschiedliche Bedeutungen”, findet Lawrence. „Manche denken, eine chemische Fabrik könne von Natur aus niemals ‚grün’ sein, weil dort mit Chemikalien gearbeitet wird, was von vornherein schlecht ist.” Die chemische Industrie weiß, dass sie die öffentliche Wahrnehmung ändern muss, wenn die Menschen begreifen sollen, wo diese Industrie ihren Platz im modernen Leben hat. „In allen Industrieländern steht hinter einer leistungsfähigen verarbeitenden Industrie eine starke, wettbewerbsfähige chemische Industrie, weil Chemikalien und Materialien wesentliche Bestandteile sind, auf denen die Fertigung aufbaut”, sagt Steve. „Ohne deren Prozesse und ‚Baustein’-Produkte könnte der Rest der Produktion gar nicht stattfinden.” Er meint, die Industrie sei zwar energieintensiv, ihre Produkte würden jedoch über ihre Lebensdauer mehr als zweimal so viel Energie einsparen wie zu ihrer Herstellung benötigt wird. „Wir bringen die grüne Zukunft”, sagte er.

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  • SCHWIERIGE ZEITEN

    Für eine Nation, die den Weg in die Industrialisierung und Massenproduktion im 18. und 19. Jahrhundert anführte, ist die Wahrheit schwer zu ertragen. Zum ersten Mal ist der Anteil der Produktion an der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs auf 9,4 Prozent gefallen – den tiefsten jemals verzeichneten Prozentsatz. INEOS-Gründer und Vorstandschef Jim Ratcliffe, der im industriellen Norden Englands aufgewachsen ist, bereitet das große Sorgen. „Wir beobachten den langsamen Tod der verarbeitenden Industrie in diesem Land”, sagt er. „In einer einzigen Generation haben wir die Hälfte unserer verarbeitenden Industrie verloren.” Vor zwanzig Jahren lagen wir gleichauf mit Deutschland, wo die Produktion immer noch stark ist. „Dieser Erdrutsch in der britischen Produktion mag im ‚dienstleistungsreichen’ London und in den meisten Teilen Südenglands kaum wahrgenommen werden, für viele Teile von Nordengland, Wales und Schottland ist er aber eine Katastrophe in Zeitlupe.” Im Oktober letzten Jahres wurde das Redcar Stahlwerk in Teesside geschlossen und 2.200 Arbeitsplätze gingen verloren, nachdem Sahaviriya Steel Industries UK, der thailändische Eigentümer der Anlage, in Konkurs gegangen war. Die Labour-Abgeordnete Anna Turley beschrieb das in der Zeitung The Northern Echo als „Tragödie für Menschen und Industrie”. „Mit dem Stahl ist es in Teesside vorbei”, sagte ein Mann, der 30 Jahre im Werk gearbeitet hatte. In den 1970er-Jahren haben mehr als 200.000 Menschen in der britischen Stahlindustrie gearbeitet. Heute sind es etwa 30.000, aber ihre Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher. Im Januar wurden weitere Personalreduzierungen angekündigt. Tata Steel bestätigte 750 Arbeitsplatzverluste in Port Talbot in Wales, Hunderte werden zusätzlich in den Werken in Scunthorpe, Trostre, Corby und Hartlepool abgebaut. Eine Flut billiger chinesischer Importe – die Stahlproduktion wird in China subventioniert –, die Stärke des britischen Pfunds und hohe Energiekosten in Großbritannien tragen dafür die Hauptverantwortung. Was auch immer der Grund sein mag, der Trend ist besorgniserregend. „Wenn wir den Rückgang der Produktion stoppen oder sogar zum Wachstum zurückkehren wollen, müssen wir Unternehmen gute Gründe für Investitionen in Großbritannien geben”, sagt Jim. „Wir brauchen kostengünstige Energie, qualifizierte Arbeitskräfte, attraktive Steuern und eine Regierung, die das ermöglicht.” Er sagt, Großbritannien brauche das, was Marketing-Fachleute als USPs (Unique Selling Proposition) bezeichnen – Alleinstellungsmerkmale. „Deutschland hat sie”, meint er. „Es hat hoch qualifizierte Arbeitskräfte, liegt im Herzen Europas, verfügt über eine großartige Produktionsinfrastruktur und kompetente Zulieferer. Amerika hat dank Schiefergas billige Energie, qualifizierte Arbeitskräfte und den größten Markt der Welt. China hat Wachstum, billige Arbeitskräfte und einen riesigen Markt.” Es ist nicht das erste Mal, dass Jim über Großbritanniens Unvermögen spricht, das Land den Investoren schmackhaft zu machen. Vor drei Jahren warnte er, Großbritannien sei kein attraktiver Ort für die verarbeitende Industrie. In einem Interview mit Alistair Osborne, dem Wirtschaftsredakteur des Daily Telegraph, nannte er den hohen Preis für Energie. Und das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die INEOS-Anlage in Runcorn, die das Chlor für 95 Prozent des britischen Wassers liefert, so viel Energie verbraucht wie die Stadt Liverpool. Er sagte, das Vereinigte Königreich müsse sich ansehen, was es zu bieten hat, um zu verstehen, warum es so kläglich zurückgefallen sei. „Es wäre schön, wenn es eine einfache, klare Antwort gäbe, aber die gibt es nicht”, meint er. „Damit die Produktion erhalten bleibt oder wächst, braucht man einen konstanten Strom von Investitionen, da Anlagen altern und Produkte altern. Neue Werke und neue Produkte bedürfen der Investitionen.” Großbritannien brauche seiner Meinung nach billige Energie oder zumindest Energie zu einem konkurrenzfähigen Preis. „Das können wir im Moment nicht bieten. Und da das Gas in der Nordsee knapp wird, wird die Situation wahrscheinlich noch schlimmer”, fügt er hinzu. „Doch wir sitzen auf riesigen Schiefergasvorkommen, die alles verändern könnten.” Im 18. Jahrhundert baute Großbritannien seinen Reichtum auf Kohle auf, die reichlich vorhanden und leicht abzubauen war. Die Kohle setzte die industrielle Revolution in Gang, mit Großbritannien an der Spitze des Wandels. Zugang zu billiger Energie ist jedoch nicht das Einzige, was Großbritanniens verarbeitender Industrie heutzutage Sorgen bereitet. Jim verweist auch auf die Notwendigkeit qualifizierter Arbeitskräfte. „Wir hatten früher eine ausgezeichnete Lehrlingsausbildung, höhere technische Schulen und Colleges”, sagt er. „Aber die Regierung fand, dass alle jungen Menschen einen Hochschulabschluss bräuchten.” Diese Sorge wird von vielen geteilt. Eine aktuelle Umfrage unter britischen Herstellern – veröffentlicht im Annual Manufacturing Report 2016 – zeigt, dass der Fachkräftemangel nach wie vor größte Sorgen bereitet. „Um es ganz offen zu sagen, unser Bildungssystem wird unseren jungen Leuten nicht gerecht und schafft infolgedessen Probleme für die Industrie”, sagt Callum Bentley, Herausgeber von The Manufacturer. „Niemand erwartet von einem blutjungen Menschen die Kompetenz und Erfahrung eines alten Hasen, aber hier geht es um schlechte Vorbereitung auf die Arbeit, und zwar schon seit Jahrzehnten”, sagt er. „So lange sich hier nichts ändert, so lange wird unsere Wettbewerbsfähigkeit darunter leiden. Die Lücke im Verständnis zwischen Schulen und Arbeitgebern muss geschlossen werden, um unserer Produktionsbasis und unserer Menschen willen.” Jim sagt, es sei „erbaulich”, die Regierung von einem ‚Northern Powerhouse’ sprechen zu hören – einer Initiative der Regierung zur Behebung des wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen Norden und Süden – und er nennt die derzeitige britische Regierung die produktionsfreundlichste seit vielen Jahren. Um tatsächlich etwas zu erreichen, brauche Großbritannien seiner Meinung nach aber Investoren: „Investoren können angesichts der großen Konkurrenz in der heutigen Welt sehr wählerisch sein. INEOS hat viel von seinem Kapital in den USA investiert. Viele andere Unternehmen haben sich für den Fernen Osten entschieden.” Jim ruft die britische Regierung auf, Investitionsausgaben für die verarbeitende Industrie zu 100 Prozent absetzbar zu machen und einen einstelligen Steuersatz einzuführen. „In der heutigen globalisierten Welt wird bei Investitionsentscheidungen immer mit alternativen Standorten im Ausland verglichen. Das Vereinigte Königreich ist derzeit kein Ziel für Investitionen in Produktionsanlagen, weil es an USPs fehlt. Das Land hat einige nötig.” Ende des vergangenen Jahres urteilte ResPublica, ein unabhängiger, überparteilicher Thinktank mit Sitz in Westminister, es bedürfe einer enormen Steigerung der Exporte, um die britische Produktion wiederzubeleben und die Wirtschaft aus der „gefährlichen Abhängigkeit von den Dienstleistungsindustrien” zu führen. Direktor Phillip Bond sagt, ausländische Käufer britischer Immobilien hätten den Wert des Pfunds nach oben getrieben, was das Leben der Exportwirtschaft wesentlich erschwere. „Der jüngste Zusammenbruch der britischen Stahlindustrie hat uns schmerzlich bewusst gemacht, dass unsere Wirtschaft übermäßig von Dienstleistungen und Fremdfinanzierung abhängig ist”, sagt er. „Das Wachstum muss aus dem lange vernachlässigten verarbeitenden Sektor kommen, wo die Exporte unter dem starken Pfund leiden. Dem Pfund kommt eine Schlüsselrolle in der Exportförderung zu und wir müssen das Problem der ungünstigen Wechselkurse für die britische Wirtschaft lösen.” Jim ist da durchaus seiner Meinung. „Wenn die Wirtschaft im Gleichgewicht ist, muss sie zu einem gewissen Grad die Art und Weise widerspiegeln, wie die Menschen hier ihr Geld ausgeben. Wenn die Menschen mit ihrem Einkommen Dinge kaufen, muss die heimische Wirtschaft diese Dinge produzieren. Wenn nicht, dann müssen wir alle Verarbeitungserzeugnisse aus Übersee importieren und für sie in Fremdwährung bezahlen.” GROSSBRITANNIEN MUSS RE-INDUSTRIALISIERT WERDEN Ein ehemaliger Journalist der Financial Times ist der Meinung, INEOS Vorstandschef Jim Ratcliffe liege richtig, wenn er über die Verfassung der verarbeitenden Industrie im Vereinigten Königreich besorgt sei. Peter Marsh meint, sowohl die Stahlindustrie als auch die chemische Industrie seien mit extremen Problemen konfrontiert gewesen. „Die Entindustrialisierung – der sinkende Anteil der Produktion an der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs – ist weit genug gegangen”, sagt er. „Wenn wir ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und einen höheren Lebensstandard haben wollen, müssen wir Großbritannien re-industrialisieren.” Aber Peter Marsh, ehemaliger Redakteur der FT für den Bereich verarbeitende Industrie, findet auch, Großbritannien habe zwar an Boden verloren, sei aber immer noch groß in der Produktion von Nischenprodukten, etwa speziellen Analyseinstrumenten, sowie von Waren, deren Import nicht sinnvoll ist. „Das kann alles sein, von Lebensmitteln über Matratzen bis hin zu Baumaterial”, fasst er zusammen. In der neuesten UNO-Statistik liegt Großbritannien weltweit an 10. Stelle der Hersteller, es produziert knapp 2 Prozent der Verarbeitungserzeugnisse der Welt – 1895 waren es 18 Prozent. „Großbritannien ist nicht annähernd so groß wie es war, aber für ein Land mit 1 Prozent der Weltbevölkerung schlägt es sich immer noch überdurchschnittlich gut”, findet er. „China hat sich in den letzten 20 Jahren von einer niedrigen Position hochgearbeitet und zeichnet jetzt für etwa 20 Prozent aller werkmäßig hergestellten Produkte verantwortlich. Aber Chinas Anteil an der Weltbevölkerung ist 20 Prozent.” Peter Marsh ist mittlerweile Dozent und Verfasser von‚ “The New Industrial Revolution: Consumers Globalization and the End of Mass Production”. Seit kurzem hat er auch eine Website für die verarbeitende Industrie im Vereinigten Königreich: www.madeherenow.com  

    10 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • DAMIT DAS LICHT NICHT AUSGEHT: INEOS MÖCHTE SCHIEFERGAS-MYTHEN ZERSTREUEN

    INEOS ist heute eines der größten Unternehmen der britischen Schiefergasindustrie. Der Größte zu sein ist leicht. Der Beste und Vertrauenswürdigste zu sein, ist wesentlich schwieriger. Das Vertrauen in Großunternehmen, Banken und Politiker war nie so gering wie heutzutage, daher ist es besonders wichtig, den Respekt der Menschen zurückzugewinnen. Im April letzten Jahres begann INEOS Shale – das nun über behördliche Lizenzen für die Schiefergas-Exploration auf 400.000 Hektar Land in Großbritannien verfügt – seine Mission, die Gemeinden von seinen ehrenhaften Absichten zu überzeugen. „Wir werden lange hier sein”, sagte CEO Gary Haywood. „Es geht hier nicht nur ums Geldverdienen. Wir wollen dazu beitragen, die verarbeitende Industrie in Großbritannien wiederzubeleben, und wir sind überzeugt, dass die hiesige Schiefergasindustrie dazu in der Lage ist.” Gespräche mit schottischen Gemeinden, in denen INEOS in der Nähe seiner Produktionsanlage in Grangemouth Lizenzen für die Exploration Tausender Hektar hat, haben bereits begonnen. Aber während man darauf wartet, dass Schottland das bestehende Fracking-Verbot nach weiteren Prüfungen aufhebt, ist INEOS Shale bereits nach Süden gezogen – nach England. Man hofft, die Menschen in Cheshire, Yorkshire, Derbyshire und den East Midlands von den Vorteilen einer heimischen Schiefergasindustrie überzeugen zu können. „Wir verstehen, dass die Menschen in diesen Gebieten besorgt sind”, sagt Gary. „Und das liegt zum Teil an den vielen Mythen, die über die Schiefergasförderung im Umlauf sind. Wir wollen zeigen, dass man Fracking gut und sicher machen kann, und möchten die Menschen in den Gebieten, für die wir Lizenzen haben, kennenlernen. “ Vor Ort werden Ausstellungen organisiert, bei denen Bewohner die Möglichkeit haben, direkt mit INEOS über das zu sprechen, was in der Nähe ihrer Wohnungen geplant ist. INEOS Shale hat auch eine Reihe von Filmen gedreht, die die Ängste der Menschen zerstreuen sollen. Sie werden bei den Ausstellungen zu sehen sein, bei denen Experten erklären werden, was auf jene Gemeinden zukommt, denen INEOS 6 Prozent der Schiefergaseinnahmen für Investitionen in lokale Einrichtungen versprochen hat. Zur Drucklegung dieser INCH-Ausgabe plante INEOS gründliche 2D- und 3D-Studien des Gesteins in der Grafschaft Yorkshire, um festzustellen, ob Gas vorhanden und zugänglich ist. Sollten die Ergebnisse positiv sein, wird man sich um die Genehmigung für Vertikalbohrungen auf 180 m bemühen, um etwa 7,5 cm breite Bohrkerne zu entnehmen und darin die Qualität und Quantität von Öl und Gas im Schiefer zu untersuchen. „Das ist im Grunde wie das Kernausstechen beim Apfel”, sagt Tom Pickering, Operations Director von INEOS Upstream. „Der Ansatz ist vorsichtig und wissenschaftlich geleitet. Es ist wichtig, alles richtig zu machen.” Sobald INEOS alle benötigten Daten im Detail vorliegen hat, fällt die Entscheidung, ob es wirtschaftlich sinnvoll – und sicher – ist, dort mit dem Fracking zu beginnen: Unter Verwendung von 98 Prozent Wasser, 1,5 Prozent Sand und 0,5 Prozent Zusatzstoffen, die Kalkablagerungen verhindern und das Bohrloch sterilisieren sollen. „Manche Leute behaupten, dass beim Fracking 600 giftige Chemikalien eingesetzt werden, aber das ist überhaupt nicht wahr”, sagt Tom. „Für die meisten Bohrlöcher sind sechs bis zwölf Chemikalien erforderlich. Alle verwendeten Chemikalien müssen in Bauanträgen und Genehmigungen offengelegt und beschrieben werden.” INEOS Shale weiß, dass seine Entscheidung für die Schiefergasexploration es auf Kollisionskurs mit Umweltschützern gebracht hat, die behaupten, Fracking sei gefährlich, rufe Erdbeben hervor, vergifte Trinkwasser und verschmutze die Luft, die wir atmen. Aber das Unternehmen hat sich nie vor Herausforderungen gedrückt, vor allem, wenn es davon überzeugt ist, dass es starke wirtschaftliche und ökologische Argumente gibt. „Eine florierende eigene Schiefergasindustrie wird nicht nur die verarbeitende Industrie in Großbritannien revolutionieren, sie wird auch erstmals seit vielen Jahren für Energiesicherheit sorgen und Tausende Arbeitsplätze in den am stärksten benachteiligten Gebieten schaffen”, sagte Gary. „Wenn wir das schaffen und die Menschen davon überzeugen können, dass die Industrie ohne langfristige Schäden für die Umwelt oder ihre Lebensgewohnheiten arbeiten kann, ist es für alle eine Win-Win-Situation.” Professor Peter Styles, einer von drei Experten, die im Jahr 2011 von der britischen Regierung beauftragt wurden, einen unabhängigen Bericht zu verfassen (nachdem ein anderes Unternehmen durch Fracking kleinere Beben in Lancashire verursacht hatte) glaubt, dass Großbritanniens langfristige Zukunft von den riesigen Schiefergasvorkommen tief unter der Erde abhängt. „Ich glaube nicht, dass den Menschen bewusst ist, wie brisant die Lage im Vereinigten Königreich ist”, sagt er. „Im Moment wird im Vereinigten Königreich etwa zu 80 Prozent mit Gas geheizt und gekocht, die Hälfte dieses Gases importieren wir. Ein Teil davon kommt aus Norwegen, was vermutlich unproblematisch ist, aber das meiste stammt aus Sibirien, das sich im Laufe der Jahre nicht unbedingt als stabilste Lieferquelle erwiesen hat.” Im Januar 2009 führte ein Streit zwischen der Ukraine und Russland über die Erdgaspreise dazu, dass Lieferungen in eine Reihe europäischer Länder vollständig eingestellt wurden. „Wir hatten nur noch einen Vorrat für zwei Tage”, sagt er. „Und in solchen Fällen werden Anlagen wie INEOS ChlorVinyls in Runcorn, die der drittgrößte Gasverbraucher in Großbritannien ist, heruntergefahren, um die heimische Versorgung zu schützen.” INEOS verwendet Gas jedoch nicht nur zum Heizen und für den Betrieb seiner Produktionsanlagen. Gas ist auch ein unentbehrlicher Rohstoff für die Herstellung Tausender wichtiger Produkte, die wir Tag für Tag benötigen. Ohne Gas gäbe es keine Kunststoffe, Medikamente, Gebäude, Autos, Computer, Kleidung oder iPad-Bildschirme. „Das wird bei hitzigen Debatten über die Vorteile der weiteren Verwendung fossiler Brennstoffe oft vergessen”, meint Greet Van Eetvelde, INEOS-Manager von Cleantech Initiatives. „Wichtige Komponenten für viele erneuerbare Energien, zum Beispiel für Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren, können ohne Gas nicht hergestellt werden. Auch wenn wir auf kohlenstoffarme Energie umsteigen, brauchen wir dennoch Gas, um Gegenstände herzustellen.” INEOS Shale verfügt über mehr Lizenzen als jedes andere Unternehmen in Großbritannien und glaubt, dass die meisten Menschen der Schiefergaserschließung offen gegenüberstehen. „Mehr wollen wir nicht”, sagt Tom. „Wir sind nicht selbstgefällig. Wir verstehen die Sorgen der Menschen, doch viele Dinge, die man über Schiefergas liest, sind einfach nicht wahr. Wir freuen uns, wenn Dinge in Frage gestellt werden, wenn die Menschen glauben, dass wir falsch liegen. Es ist verständlich, dass sie es genauer wissen wollen. Das hoffen wir, bei diesen Treffen zu erreichen.” Es wird ein zähes Ringen, weil Anti-Fracking-Gruppen die sozialen Medien mit Meldungen überhäufen. INEOS hofft, zeigen zu können, dass der, der am lautesten schreit, nicht unbedingt am meisten weiß. WARUM INEOS DAS RICHTIGE UNTERNEHMEN FÜR DEN SCHIEFERGASABBAU IN GROSSBRITANNIEN IST Nur WENIGE Unternehmen verfügen über so viel Know-how wie INEOS. Neben seinem Know-how über Tage und im Umgang mit brennbaren Gasen an seinen 65 Produktionsstandorten weltweit hat das Unternehmen auch Know-how unter Tag. Im November erwarb INEOS Gasplattformen – und gleichzeitig ein Team von Bohrfachleuten – in der Nordsee, die bereits genug Gas liefern, um ein Zehntel der Haushalte im Vereinigten Königreich zu heizen. Auch das Team, das mit der Schiefergasförderung in den USA begonnen hat und mittlerweile über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche verfügt, arbeitet für INEOS. Vorstandschef Jim Ratcliffe sagt, er könne nicht verstehen, warum es immer noch so schwierig sei, Menschen von der Unbedenklichkeit der Schiefergasförderung zu überzeugen. „Es gibt eine solche Fülle an Erfahrungen mit Bohrungen und Fracking in Nordamerika, dass alle Bedenken und Vorurteile mittlerweile zerstreut sein sollten”, sagt er. „Mehr als eine Million Bohrlöcher haben in Amerika in den letzten zehn Jahren eine ungeheure Menge an Kohlenwasserstoffen – und an Fracking-Erfahrung – gefördert.” In den frühen Tagen der Schiefergasexploration in Amerika sind Fehler gemacht worden. Ein fehlerhafter Bohrlochaufbau führte zu Wasserverschmutzung und Abwasser von Fracking wurde in offenen, nicht isolierten Gruben zurückgelassen. „Wir haben uns alle diese Fälle angesehen, um sicherzustellen, dass wir nicht die gleichen Fehler machen”, sagt Tom Pickering, Chief Operating Officer von INEOS Shale. Einige US-Unternehmen hatten ihre Bohrlöcher nur mit einer Schicht Stahl versehen. INEOS wird vier Schichten Stahl einsetzen, die ineinander zementiert werden. Andere Unternehmen hatten alte Bohrlöcher wiederverwendet. INEOS wird nur neue Bohrlöcher verwenden. Das Abwasser wurde in offenen Teichen belassen. Abwasser wird von INEOS bis zum Recycling in doppelwandigen Lagertanks aufbewahrt. „Man darf nicht leugnen, dass es Probleme gab – allerdings in den Anfängen der Schiefergasförderung in Amerika, und wir leben nicht in Amerika”, sagte Tom. „Dies hier ist das Vereinigte Königreich, seine Vorschriften gehören zu den strengsten der Welt.” Nach Prüfung der vorliegenden Erkenntnisse urteilt die Royal Society and Royal Academy of Engineering, dass Schiefergas unter den entsprechenden Vorgaben gefahrlos gefördert werden kann. Die Schiefergasförderung ist nicht frei von Risiken und muss vorsichtig erfolgen, aber die Risiken sind überschaubar und mit anderen Praktiken vergleichbar.  

    12 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • KNOW-HOW WIRD SICHTBAR

    INEOS Upstream könnte INEOS neuestes Unternehmen sein. Aber die Menschen hinter dem neuen Energieunternehmen sind keineswegs neu im Fracking. Onshore oder offshore. Onshore arbeitet INEOS mit den drei Amerikanern zusammen, die schon in den Anfängen der Schiefergasförderung in den USA mit dabei waren – zu Zeiten der Renaissance der dortigen verarbeitenden Industrie. Offshore hat man ein Team engagiert, das seit Jahren ganz ohne Probleme im Bereich Fracking tätig ist. Alle sind zuversichtlich, dass INEOS – mit seinem Know-how über Tage und im Umgang mit brennbaren Gasen an seinen 65 Produktionsstandorten – das erste Unternehmen in Großbritannien sein kann, das die tief unter der Erde im Gestein eingeschlossenen großen Schiefergasvorkommen fördern und dabei auch die öffentliche Wahrnehmung ändern kann. „Wir glauben, dass wir etwas Einzigartiges in die aufstrebende Schiefergasindustrie einbringen können”, sagt Tom Pickering, Chief Operating Officer von INEOS Shale, der jahrelang auf einer Bohrinsel in der Nordsee gearbeitet hatte. Doug Scott ist Leiter der Bohrungen bei INEOS Breagh, einer Tochtergesellschaft von INEOS Upstream. „Wir haben das Fracking in Tight-Gas-Sandsteinfeldern der südlichen Nordsee in den letzten vier Jahren besonders aktiv betrieben”, sagt er. „Wir haben die Technik eingesetzt, um das Gas schneller herauszuholen und um an Gas zu gelangen, dessen Förderung bisher unwirtschaftlich war.” Schiefergas unterscheidet sich nicht von Nordseegas. Beide sind Erdgas. Der einzige Unterschied ist, dass Nordseegas aus Sandstein geholt wird, der sich etwa drei Kilometer unter dem Meeresboden befindet. Onshore würde INEOS das Gas aus Schiefer in etwa fünf Kilometern Tiefe holen. Doug und sein Team hatten – bis Oktober – für DEA gearbeitet. Das änderte sich, als INEOS die deutsche Firma für mehrere hundert Millionen Dollar kaufte, und damit auch die Verantwortung für die Gasversorgung von einem Zehntel der Haushalte im Vereinigten Königreich übernahm. INEOS Breagh betreibt vier Plattformen in der südlichen Nordsee und ist an 16 Explorationsgenehmigungen beteiligt. INEOS‘ Entscheidung für den Kauf – als alle rundum zu verkaufen schienen – wurde als gewaltiger Schritt auf dem Energiesektor wahrgenommen. Wo andere Untiefen sahen – durch steigende Kosten und sinkende Gewinne – sah INEOS eine enorme Chance. Die Gelegenheit, ein immenses Maß an Know-how zu erwerben – und gleichzeitig die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit dieser Plattformen ohne Abstriche bei der Sicherheit zu verbessern – war einfach zu gut, um darauf zu verzichten. Für die Erweiterung seiner Geschäfte stützt sich INEOS auf sein neues Team von Geologen, Geophysikern und Experten für Bohrlochbau, die nun für INEOS Breagh arbeiten. Das neue Team arbeitet gut mit der INEOS-Gruppe zusammen, weil das Ethos das gleiche ist. „Sicherheit und Effizienz sind für uns oberstes Gebot”, sagt Doug. „Die Design- und Planungsarbeiten vor Beginn des allerersten Bohrlochs waren ausschlaggebend für den Erfolg, man kann sie gar nicht hoch genug einschätzen. Die Zeit, die man aufwendet, bis alles passt, zahlt sich während der Betriebsphase dann aus.” Er sagt, die Pläne – und Notfallpläne für den Ernstfall – sorgen dafür, dass das Team mit den Ungewissheiten beim Fracking umgehen konnte. „Wie immer während der Betriebsphase gilt, dass Sicherheit Vorrang hat, sollte es zu einem Konflikt zwischen operativem Fortschritt und Sicherheit kommen”, so Doug weiter. Für Doug beruht der sichere und effiziente Betrieb auf Team-Kompetenz und effektiver Kommunikation zwischen jenen, die die Bohranlage, das Frackschiff und die Plattform betreiben. „Das ist wichtig, um sicherzustellen, dass jeder zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tut.” Das INEOS Breagh-Team sucht auch routinemäßig nach effizienteren oder neuen Arbeitsweisen. Bei INEOS Breagh versah man das Bohrloch mit einem Filter, damit das Stützmittel (in erster Linie Sand) während der Gasförderung nicht an die Oberfläche kommt. Das bedeutete, dass das Bohrloch gute zwölf Monate früher in Betrieb gehen konnte, bevor eine alternative technische Lösung gefunden wurde. „Diese Bohrlochfilter waren die ersten bei Fracking-Bohrungen im britischen Kontinentalsockel in der südlichen Nordsee”, sagte Doug. „Diese einfache Technik könnte jede Menge Chancen für unsere zukünftigen Schiefergasfelder eröffnen.” Bei Clipper South wurde das Reinigungsgas aus dem Bohrloch verkauft, nicht abgefackelt. „Auch das war für uns eine Premiere”, sagt Doug. „Es erforderte viel Aufwand und Zusammenarbeit innerhalb der Organisation, die Sicherheits- und Fördersysteme zu integrieren, aber wir konnten dadurch nicht nur die CO2-Emissionen um rund 300 Tonnen reduzieren, sondern erzielten auch 4,3 Millionen Pfund an Einnahmen aus dem Gasverkauf.” Die Plattformen, die INEOS mit übernommen hat, sind relativ neu, gut geführt und ferngesteuert. „Das war mit ein Punkt bei der Entscheidung”, sagt Geir Tuft, CEO von INEOS Breagh. Während INEOS weiter in die Energiewirtschaft vordringt, hofft INEOS Shale Wertvolles vom INEOS Breagh-Team zu lernen. „Wir werden gerne die neuen Familienbeziehungen in allen Bereichen nutzen und sowohl Ressourcen als auch Erfahrungen austauschen”, sage Geir. Seit der Übernahme arbeitet er an einem stabilen Plan zur Verbesserung der Effizienz des Unternehmens, insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Gas- und Ölpreise. Vor drei Jahren wurde Öl zum Preis von 110 US-Dollar pro Barrel verkauft; heute sind es weniger als 40 US-Dollar. „Wir müssen mit reduzierten Cashflows fertig werden können, um sicherzustellen, dass das Unternehmen für alles gewappnet ist”, sagte er.

    6 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • EVEREST. INEOS AUF DEM DACH DER WELT

    ES IST schwer, vom Dach der Welt wieder auf die Erde zurückzukehren. Rhys Jones weiß das aus eigener Erfahrung. Er bezwang den Everest, den höchsten Berg der Welt, an seinem 20. Geburtstag. Acht Jahre hatte er von diesem Moment geträumt, nachdem er als 12-jähriger Pfadfinder einen Vortrag gehört hatte. In gewisser Hinsicht war seine Aufgabe nun erledigt, er verspürte nicht den Wunsch, nochmals hinaufzuklettern. „Einmal ist genug, aus vielen Gründen”, sagt er. „Aber in vielerlei Hinsicht bin ich vermutlich niemals ganz heruntergekommen. Ich kann jeden Teil des Aufstiegs jederzeit wiedererleben, wenn ich meine Augen schließe. Ich werde es nie vergessen.” Vor einigen Jahren wurde Rhys, der nun mit seiner Frau Laura ein eigenes Unternehmen für Luxus-Expeditionen führt, gebeten, eine Expedition in die „Todeszone” und zum Gipfel des Mount Everest zu leiten. „Ich sagte nein, denn für eine solche Erfahrung konnte ich keinen Preis nennen”, sagt er. „Nur wer so etwas wirklich will, nimmt die Mühen und die Gefahr auf sich, und ich bin mir nicht sicher, dass ein Scheck für mich genug Antrieb dazu wäre.” Auch wenn ihn ein solcher ‚Scheck’ im Jahr 2006 dorthin gebracht hatte. „Ich weiß nicht, warum ich mich vor all den Jahren für die Finanzierung an INEOS gewandt habe”, sagt er. „Es war einfach Zufall. Ich hatte sehr viele Sponsoren angeschrieben, darunter Stannah Stairlifts, von denen ich 100 Pfund bekam.” Der 19-Jährige war nahe daran aufzugeben, als INEOS Vorstandschef Jim Ratcliffe ihm ein Treffen in Aussicht stellte. Nach einem einstündigen Gespräch ging Rhys mit dem für seine Expedition benötigten Geld zur Tür hinaus – und einer INEOS-Flagge für den Gipfel. „Ohne INEOS’ Hilfe hätte ich es nicht geschafft”, sagt er. „Es war das gesamte Geld, das ich brauchte, aber es bedeutete mir noch viel mehr. Es gab mir ungeheuer viel Selbstvertrauen, dass Jim an mich geglaubt hat, und das ließ mich am Berg nicht aufgeben. Ich erinnere mich noch genau, wie ich einige Monate später die letzten Schritte zum Gipfel machte und vor allem daran dachte, dass ich Jim ein Foto mit der INEOS-Flagge am Gipfel versprochen hatte.” Rhys kehrte mit Selbstvertrauen und Entschlossenheit nach Großbritannien zurück. Aber er merkte, dass etwas fehlte. „Ich hatte so lange ein Ziel vor Augen gehabt, nun war da nichts Erstrebenswertes mehr”, beschreibt er sein Gefühl. Rhys begann, regelmäßig Vorträge bei verschiedenen Veranstaltungen zu halten und mit Schulen zu arbeiten. „Ich hielt es für wichtig, den Kindern zu erklären, dass ich sehr durchschnittlich war, als ich mir meine Ziele gesetzt hatte”, sagte er. „Ich war kein Überflieger gewesen. Ich gehörte zu den 80 Prozent der Schüler, die zur Schule kamen, die minimalen Anforderungen erfüllten, um Ärger zu vermeiden, und wieder nach Hause gingen. Ich war still und unauffällig und konnte die Wochenenden kaum erwarten, an denen ich klettern gehen konnte. Aber ich konnte etwas bewegen, weil ich den richtigen Ansatz hatte.” Er erinnert sich, wie überrascht seine Lehrer waren, als er zwölf Monate nach seiner mittleren Reife den Denali, den höchsten Berg Nordamerikas, bestieg. „Eines meiner alten Schulzeugnisse enthielt die Empfehlung, mehr für meine Fitness zu tun, damit ich am Sportunterricht mehr Freude hätte”, schmunzelt er. „Kein Wunder, dass die Lehrer überrascht waren.” Er leitete eine Zeitlang auch Expeditionen für Reiseunternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen. „Es hat Spaß gemacht, aber habe ich hatte immer das Gefühl, mich selbst zu übervorteilen, weil ich für einen Mittelsmann arbeitete”, sagt er. Also hörte er auf und gründete seine erste Firma, RJ7 Expeditions, mit Sitz in Dubai im Nahen Osten. Mittlerweile ist er zurück im Vereinigten Königreich und leitet die Firma Monix Adventures, die darauf spezialisiert ist, Menschen an einige der unzugänglichsten Stellen dieser Erde zu begleiten. Für all jene, die diesen Kitzel brauchen, sind seine Erfahrungen von unschätzbarem Wert. „Ich hatte einige Tiefpunkte bei meinen Expeditionen”, erklärt er. „Ich fiel in Grönland in eine Gletscherspalte und brach mir den Arm. Aber wir alle stehen im Leben vor Herausforderungen. Wenn es besonders schwierig wird, sage ich mir, dass nichts ewig dauert, egal wie mühsam, kompliziert oder schwer es scheint.” Was die INEOS-Flagge angeht, die er am 17. Mai 2006 während seiner fünf Minuten auf dem 8848 m hohen Gipfel entrollte, so hofft er, dass sie sich irgendwo auf der Welt in einem INEOS-Büro befindet. „Wer weiß, vielleicht inspiriert sie eines Tages jemanden, in meine Fußstapfen zu treten.”

    7 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • DEBATTE: BRAUCHEN WIR GAS?

    DIE britische Energie strategie verfolgt drei große Ziele: Die Versorgung aufrecht und die Rechnungen niedrig zu halten sowie den Übergang zu einer sauberen Energiezukunft zu schaffen. Wir müssen den Energiebedarf Großbritanniens mit sauberer und umweltfreundlicher Energie decken, wenn wir weiterhin gegen den Klimawandel angehen wollen und die Wirtschaft wachsen soll. Aber das wird nicht einfach über Nacht passieren. Die Umstellung auf mehr erneuerbare und umweltfreundliche Energie braucht Zeit. Der Umstieg von Kohle auf Gas wäre ein gewaltiger Beitrag zur Reduktion unseres Kohlenstoffausstoßes und eine „Überbrückung” für viele Jahre. Die Anti-Fracking-Lobby scheint zu denken, dass unendlich viel Geld von den Steuerahlern zur Finanzierung von erneuerbaren Energien vorhanden ist. Dem ist nicht so, aber auch wenn es so wäre, würden wir Gas brauchen – als verlässliche Energiequelle, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind geht. Andrea Leadsom, britische Ministerin für Energie und Klimawandel DIE Suche nach Schiefergas ist vergebliche Liebesmüh‘, wenn erneuerbare Energien liefern können, was für eine Energierevolution notwendig ist. Das gilt besonders für jene 1,3 Milliarden weltweit, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, und für jene, die abseits des Stromnetzes leben und geeignete dezentralisierte Technologien benötigen, aber es gilt auch für Energiesysteme auf der Nordhalbkugel. Wie neue Kohle- und neue Kernkraft sind Investitionen in unkonventionelles Gas eine ernsthafte Ablenkung von dringend benötigten Investitionen in erneuerbare Energien. Es gab einige Untersuchungen in den USA, aus denen hervorgeht, dass die Förderung von Schiefergas mittels Fracking insgesamt mehr Treibhausgase produzieren könnte als Kohle. Abgesehen von der Auswirkung auf das Klima ist die Gasextraktion Anlass für schwere ökologische und soziale Konflikte auf der ganzen Welt. Der Bau von Gas-Pipelines und Infrastruktur fördert Landnahme und gefährdet unserer Meinung nach Wasserressourcen und biologische Vielfalt an vielen Orten. Außerdem glauben wir, dass Fracking ein wesentliches Risiko für Wasser- und Luftverschmutzung in sich birgt. Friends of the Earth International ES ist unbestreitbar, dass wir auf lange Sicht zu möglichst kohlenstoffarmen Technologien übergehen müssen, aber die Werkzeuge dafür (CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Technologien für erneuerbare Energien) sind noch nicht so weit. Sie können den globalen Energiebedarf und die Bedürfnisse der Armutsbekämpfung nicht decken; manche von ihnen werden möglicherweise nie wirtschaftlich oder umsetzbar sein. Schiefergas hat, wenn es sorgfältig und wirksam verwaltet und reguliert wird, das Potenzial, einen Teil der notwendigen CO2-Reduktion zu bewirken, während es eine schnell wachsende, aber kohlenstofflimitierte Welt mit Energie versorgt. Professor Peter Styles, britischer Geologe und Professor für angewandte und Umwelt-Geophysik an der Keele University ALTERNATIVE Energiequellen können ein zufriedenstellender Ersatz für fossile Brennstoffe werden, wenn wir so viel Mühe und Talent in ihre Entwicklung investieren wie in die Herstellung der ersten Atombombe. Die befriedigendste Einzellösung wäre die Kernfusion, aber dieses Quasi-Wunder dürfte jenseits der Machbarkeit liegen. Wir werden vielleicht feststellen, dass Wind, Sonne, Biomasse etc. als bunter Mix ausreichen müssen, aber der Erfolg könnte eventuell einen Aufwand erfordern, der bereits vor einer Generation begonnen hat. Wesentlich für jeglichen Erfolg ist unsere Einsicht, dass alles möglich sein dürfte, auch ein Fehlschlag. Alfred W. Crosby, emeritierter Professor für Geschichte, Geographie und Amerikanistik an der Universität von Texas IN den letzten vier Monaten leistete Erdgas, das sauberer ist als Kohle, den größten Beitrag zu Amerikas Stromerzeugung. Aber einige, die US Environmental Protection Agency eingeschlossen, meinen, es sei bereits an der Zeit, Erdgas durch Wind- und Solarenergie zu ersetzen. Diese erneuerbaren Energien nehmen zu, aber von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis aus und nur mithilfe von Milliarden an Dollar Steuergeld. Wind und Sonne sind mit weiteren Problemen verbunden: Weder Wind noch Sonnenschein sind immer verfügbar. Die Erneuerbaren brauchen also Ausgleichsenergie, in erster Linie aus Erdgas. Anstatt auf Regierungsinitiativen für die Umwandlung unseres Energiesektors zu setzen, könnten wir auch den Markt arbeiten lassen. Amerikas kostengünstige Versorgung mit Erdgas ist das Ergebnis von Innovation und Unternehmertum. Diese amerikanische Form der Problemlösung hat eine wettbewerbsfähige Lösung hervorgebracht, die uns hilft, mit Energiekosten und Emissionen fertig zu werden, die nunmehr auf dem niedrigsten Stand seit 27 Jahren sind. Kein anderes Land konnte diese amerikanische Erfolgsstory wiederholen. Natürlich möchten viele Verfechter erneuerbarer Energien die Marktprinzipien ganz über Bord werfen. Aber damit würden wir nicht nur die Energiepreise hochtreiben, sondern auch Innovationen verzögern. Dr. J. Winston Porter, ehemaliger Assistant Administrator der EPA in Washington DC. Er ist nun Energie- und Umweltberater in Savannah, Georgia, USA MEHR als ein Jahr lang untersuchte die Taskforce Schiefergas die möglichen Auswirkungen, positive wie negative, einer Schiefergasindustrie im Vereinigten Königreich. Im Dezember veröffentlichten wir unsere abschließenden Empfehlungen. Wir sind überzeugt, dass Gas kurz- und mittelfristig ein Teil des Energiemixes im Vereinigten Königreich sein muss. Es ist einfach nicht möglich, kurzfristig unseren gesamten Energiebedarf über erneuerbare Energien zu decken. Gas stellt eine ökologisch verträglichere Alternative zu Kohle dar. Die negative Klimaauswirkung von Schiefergas ist dem konventionellen Gas vergleichbar und geringer als bei verflüssigtem Erdgas. Unser Fazit aus allen Erkenntnissen, die wir im vergangenen Jahr zusammengetragen haben, ist klar: Schiefergas stellt für die lokale Umwelt oder für die öffentliche Gesundheit kein größeres Risiko dar als vergleichbare Industrien; vorausgesetzt, die Betreiber folgen, wie bei allen Industriewerken, der Best Practice. Lord Chris Smith, Vorsitzender der Taskforce Schiefergas der Regierung des Vereinigten Königreichs DIE Internationale Energieagentur sieht, dass erneuerbare Energien einen immer größeren Anteil zur globalen Energieversorgung leisten, aber fossile Brennstoffe werden nicht so bald verschwinden. Im zentralen Szenario unseres maßgeblichen World Energy Outlook steigt der globale Energiebedarf bis 2040 etwa um ein Drittel an. Erneuerbare Energien werden dazu sicher ihren Beitrag leisten, aber auch Erdgas: in allen WEO-Szenarien kommt dem Gas zumindest ein Viertel der globalen Energie 2040 zu. Schiefergas hat den Schwerpunkt in der Energieerzeugung zum Teil von der Kohle weg verlagert; die weitere Förderung von Erdgas ist, neben den Erneuerbaren, entscheidend für eine vielfältige, sichere und nachhaltige Energieversorgung in den kommenden Jahrzehnten. Laszlo Varro, Chefökonom der Internationalen Energieagentur DAS US-Experiment mit Schiefergas hat gezeigt, dass bei entsprechenden Ressourcen und massivem Bohreinsatz signifikante Mengen Gas gefördert werden können. Aber es zeigte sich auch, dass die Förderung eher kurzfristig erfolgt (Bohrlöcher sind rasch erschöpft), dass die Ressourcen von sehr unterschiedlicher Qualität sind (nur die „Sweet Spots” sind profitabel), dass die Bohrungen zu Wasser- und Luftverschmutzung führen können und dass ein Methanaustritt den Klimavorteil von Schiefergas gegenüber Kohle zunichte machen kann. Im Gegensatz dazu stellen erneuerbare Energieträger die Zukunft der Energie dar – sinkende Kosten und weit weniger Umweltauswirkungen. Richard Heinberg, Senior Fellow, Post Carbon Institute WIR wollen es hier klar sagen: Solarzellen, Windräder und Biomasse-Anlagen können niemals auch nur einen kleinen Teil der höchst zuverlässigen, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr arbeitenden fossilen Atom- und Wasserkraftwerke ersetzen. Andere Behauptungen werden gerne gehört, sind aber unverantwortlich. Wir leben in einer kohlenwasserstofflimitierten Welt, produzieren zu viel CO2 und die großen Möglichkeiten der Wasserkraft sind weltweit ziemlich ausgereizt. Tad W. Patzek, Vorstand des Petroleum and Geosystems Engineering Department an der Universität Texas in Austin PRÄSIDENT Barack Obamas Clean Power Plan ist eine Verordnung, die von der Environmental Protection Agency entworfen wurde, um die CO2-Emissionen des US-Energiesektors um 32 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. Weil jeder Bundesstaat einen einzigartigen Energiemix hat, setzt der Clean Power Plan einzelstaatliche Reduktionsziele und erlaubt deren Erreichung durch individuelle Compliance-Pläne. Egal, wie die Staaten den Plan umsetzen, man weiß, dass Erdgas der kostengünstigste Weg ist, die Ziele des Clean Energy Plan voranzutreiben und gleichzeitig für kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu sorgen. Daher wird Erdgas noch auf Jahre hinaus ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Energieerzeugung sein. Die Energy Information Administration berichtet sogar, dass im April die Kohlenstoffemissionen des Energiesektors das niedrigste Niveau seit 1988 erreicht haben. Das ist kein Zufall, denn im April überholte erstmals in der Geschichte Erdgas die Kohle als wichtigsten Energieträger in der Stromerzeugung. America’s National Gas Alliance

    7 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • DIE „DAILY MILE” GEWINNT AN BODEN

    Die Vision einer ehemaligen Schulleiterin, jedes Kind in jeder Schule im Vereinigten Königreich jeden Tag mit Freude eine Meile laufen zu lassen, hat eine Hürde genommen – unter anderem dank der GO Run For Fun-Stiftung. Vor vier Jahren war Elaine Wyllies Grundschule in Stirling, Schottland, die einzige Schule in Großbritannien, an der die Schüler eine Meile am Tag, ihre „Daily Mile”, wie sie es nannte, liefen. Doch jetzt erhielt ihre Kampagne für eine gesündere und schlankere Generation formal die Unterstützung der schottischen Regierung für alle Grundschulen – und weitere Schulen aus allen Teilen des Vereinigten Königreichs melden sich täglich. „Wir arbeiten daran, ein nationales Netzwerk aufzubauen, und wissen über die sozialen Medien bereits von Hunderten von Schulen, die interessiert sind”, berichtet Ursula Heath, Group Communications Officer, die auch mit der GO Run For Fun-Stiftung zusammenarbeitet. „Wir arbeiten mit Elaine und unserem GO Run For Fun-Netzwerk daran, die Aktion in ein nationales Programm zu verwandeln”, so Ursula. „Es ist unglaublich aufregend, die Fortschritte zu beobachten, in dem Wissen, dass wir langfristig für die bessere Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder im Vereinigten Königreich arbeiten.” Elaine, die jetzt im Ruhestand ist, bemüht sich, noch mehr Schulleiter dafür zu begeistern. „Es sind letztlich die Schulleiter, die die Teilnahme an der „Daily Mile” initiieren; Elaines besondere Lehrerlaufbahn und ihre Leidenschaft für ihre Sache motivieren andere zum Mitmachen”, weiß Ursula. AM 17. März 2016 wurde die Stiftung „Daily Mile” in der Hallfield Primary School in Westminster, London, mit Unterstützung durch die GO Run for Fun-Stiftung offiziell gegründet. „Es ist unser Traum, dass eines Tages jedes Kind in Großbritannien die Möglichkeit haben wird, täglich in der Schule zu laufen”, fasst Ursula zusammen. Unmittelbar hofft man, dass die britische Regierung die Vorteile einer Aufnahme der „Daily Mile” in den nationalen Lehrplan erkennen wird, wenn es darum geht, der zunehmenden Fettleibigkeit in Großbritannien zu begegnen. Man geht davon aus, dass ein Drittel der Kinder in Großbritannien heute als übergewichtig oder fettleibig einzustufen ist. „Wir denken, dass diese Kampagne bei der Bewältigung dieses Problems enorm viel bewirken kann”, so Ursula weiter. Besuchen Sie die Website der „Daily Mile” unter: www.thedailymile.co.uk. Folgen Sie der Kampagne auf Twitter @thedailymile und Facebook www.Facebook.com/thedailymileforschools video

    6 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • „LAUFENDER” ERFOLG

    EINE WELTWEITE Kampagne, Kindern das Laufen schmackhaft zu machen, findet nun dauerhaften Widerhall in Amerika. Die Reaktion auf die Eröffnungsveranstaltungen von GO Run For Fun in Texas im letzten Jahr war so positiv, dass die in Großbritannien ansässige Organisation nun ein eigenes Team für die Organisation von Läufen in den USA gegründet hat. In diesem Jahr hofft das US-Team, 10.000 Kinder aus 17 Schulen für eine Teilnahme an einem der 34 Läufe im Gebiet von Houston zu begeistern. „Das ist unser Ziel, aber wir könnten in diesem Jahr leicht 20.000 schaffen, weil die Nachfrage da ist”, sagt Kathryn Shuler, Manager of Community Relations and Special Projects bei INEOS Olefins & Polymers USA. „Das wird aber unser erstes offizielles Jahr sein und wir müssen sicherstellen, dass wir das erstklassige Programm bieten, das jeder von GO Run For Fun erwartet.” Das US-Team wird die Kampagne auch nach Chicago bringen, in die Nähe von INEOS Styrolution- und Technology-Standorten. Beinahe ein Fünftel der Schüler an Texas Highschools gilt heutzutage als übergewichtig. Mit GO Run For Fun wird bereits etwas dagegen unternommen. Karla Klyng, stellvertretende Schulleiterin an der Alvin Elementary School in Alvin, Texas, erzählt, dass letztes Jahr 155 Kinder – statt der erwarteten 65 – nach der Teilnahme an einer GO Run For Fun-Veranstaltung dem außerschulischen Laufclub „Mighty Milers” beigetreten seien. „Die Kinder können es nicht erwarten, in diesem Jahr wieder bei GO Run For Fun dabei zu sein”, sagt sie. GO Run For Fun wurde vom britischen INEOS-Vorstandschef Jim Ratcliffe gegründet; er ist selbst ein begeisterter Läufer, der Kindern die Freude am Laufen vermitteln und gleichzeitig ihre Fitness verbessern möchte. Fortschritte sieht man bereits in Großbritannien und in Kontinentaleuropa, wo Tausende von Kindern an einem von Hunderten von Kurzstreckenläufen teilnahmen. Und jetzt folgt Amerika, das von seinen Problemen mit Übergewicht weiß, diesem Beispiel . „Fast-Food-Restaurants geben nun die Kalorien ihrer Speisen an und auf Regierungsebene bemüht man sich darum, Kindern 60 Minuten Bewegung am Tag zu verschaffen”, berichtet Kathryn. Aber Essen ist nicht das einzige Problem, das den Sportlehrern in den USA Kopfzerbrechen bereitet. „Sie sagen, Videospiele seien ebenfalls ein gefährlicher Zeitvertreib.” Mary Meyer, Sportlehrerin an der Longfellow Elementary in Alvin, Texas, sagte zu INEOS: „Die Kinder sind so an Videospiele gewöhnt, dass sie auch in einer Pause draußen nur sitzen. Sie wissen gar nicht mehr, wie man läuft und spielt.” Aber die Teams hinter der mittlerweile weltweit größten Laufinitiative für Kinder sind überzeugt davon: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Die US-Kampagne blickt bereits auf ein ganzes Heer von inspirierenden Unterstützern, darunter 1000-Meter-Weltmeister Bernard Lagat, Olympia-Sprinter Wallace Spearmon und Astronaut Mario Runco, der in den 90er-Jahren an drei Space-Shuttle-Missionen teilgenommen hat. Letztes Jahr besuchte Wallace Spearmon, derzeit der siebtschnellste Läufer der Welt, mehrere GO Run For Fun-Veranstaltungen in Texas. Er erzählte den Kindern, wie er es zweimal nicht geschafft hat, einen Platz in der Leichtathletikmannschaft seiner High School zu erobern: „Es war nur die moralische Unterstützung durch meinen Vater, die mich weiter laufen und trainieren ließ. Es war hart, aber ich blieb dran.” Und schließlich schaffte er es ins Olympia-Team der USA. Um den langfristigen Erfolg der amerikanischen GO Run For Fun-Kampagne zu gewährleisten, wurde auch hier eine gemeinnützige Stiftung eingerichtet. Die wichtigste Initiative der INEOS ICAN-Stiftung, einer ehrenamtlichen Organisation für Fitness und gemeinnützige Aktionen, ist weiterhin GO Run For Fun. Die Stiftung wird aber auch das jährliche, von den Beschäftigten organisierte Wohltätigkeits-Golfturnier von INEOS Olefins & Polymers USA unterstützen und Schulen Mittel für den erweiterten Unterricht von Naturwissenschaften, Technik und Mathematik in ihren Klassen zur Verfügung stellen. Die Houston Marathon-Stiftung ist bereits offizieller Unterstützer, zusammen mit Houstons Profi-Damenfußballmannschaft, „The Houston Dash” die motivierende Botschafter zu den Veranstaltungen dieses Frühjahrs entsandt hat. „Auf diese Weise können wir Kindern zeigen, dass Laufen nicht nur wenig kostet und Spaß macht, sondern auch fester Bestandteil vieler toller Sportarten ist”, erklärt Kathryn. Auch viele Eltern wollen die Kampagne unbedingt unterstützen. „Leider haben einige unserer Zielschulen nicht so viele Unterstützer unter den Eltern wie andere. Viele liegen in Gegenden, in denen Eltern mehr als einen Job ausüben, um über die Runden zu kommen. Aber es ist wirklich wichtig, allen Eltern begreiflich zu machen, wie wichtig gute Bewegungsgewohnheiten sind.” Um die Botschaft über die Vorteile von Laufen und Bewegung für Körper und Seele zu verbreiten, wird INEOS Informationsbroschüren in englischer und spanischer Sprache veröffentlichen. Veranstaltungen wird es in diesem Jahr an 17 öffentlichen Grundschulen in den Schulbezirken Alvin Clear Lake und La Porte geben, neun Lauftage fanden im Schulbezirk Alvin bereits im April dieses Jahres statt. Aber INEOS blickt bereits in die Zukunft und möchte bis 2017 15.000 Kinder und bis 2018 20.000 ansprechen. Mit einem derart begeisterten Team sollte das kein Problem sein. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, Kinder zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren”, sagt Dennis Seith, CEO INEOS Olefins & Polymers USA. „Gesunde, aktive Kinder arbeiten in der Schule im Allgemeinen besser mit und sind erfolgreicher. Die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten vermittelt auch Teamgeist, Verantwortung, Fairness und den Antrieb, sein Bestes zu geben.” GO Run For Fun-Botschafter Bernard Lagat kann dem nur zustimmen. „Laufen war für mich eine wunderbare Möglichkeit, die Welt zu sehen”, sagt er. „Aber diese Kampagne ist mehr als nur Spaß am Laufen. Sie vermittelt Kindern die Bedeutung einer gesunden Lebensweise.”   video  

    7 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • JUGENDKULTUR

    ALS Förderer ist INEOS eine Klasse für sich. Aber das ist nicht nur die Einschätzung von INEOS selbst; so denkt man auch dort, wo INEOS tatkräftig dabei hilft, ein gesundes Interesse an Sport zu entwickeln, vor allem bei jungen Menschen. Und zwar in jedem Sport. Eishockey. Fußball. Rugby. Laufen. Und scheinbar in jedem Land, in dem INEOS als Unternehmen aktiv ist. In den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Belgien. „INEOS hat unseren Club revolutioniert”, sagt Sacha Weibel, Geschäftsführer des Lausanne Hockey Club. „Wir spielen jetzt in der ersten Division und gehören zu den zehn besten Teams des Landes.” INEOS trat 2010 an den Club heran – in jenem Jahr, in dem es seinen Sitz aus dem Vereinigten Königreich nach Rolle in der Schweiz verlegt und dabei 80 Familien aus ihrer wohlvertrauten Umgebung gerissen hatte. „Sie wollten Teil der Gemeinschaft werden, was ganz wunderbar war”, sagt Sacha. „Wir würden uns wünschen, dass mehr Menschen so denken.” Aber es ging nicht nur um finanzielle Unterstützung. „INEOS wollte völlig eingebunden werden.” Das bedeutete den regelmäßigen Besuch der Spiele im 8.000 Besucher fassenden Stadion – und die Austragung eigener Freundschaftsspiele vor den offiziellen Spielen des Vereins. Sind sie gut? „Nein, sie sind schrecklich”, sagt er mit einem Lächeln. „Aber was kann man anderes erwarten? Die Kinder hier gehen eislaufen, sobald sie laufen können.” Eishockey ist der größte Zuschauersport in der Schweiz und eine der schwierigsten Sportarten überhaupt. Dafür muss man nicht nur gut eislaufen können, was schon Geschicklichkeit erfordert; im Wettkampf muss man auch laufen, schießen, passen und Pässe blockieren können – bei hoher Geschwindigkeit. INEOS mag auf dem Eis keine besonders gute Figur machen, als Förderer erwies sich das Unternehmen aber als unverzichtbar. „Es hat uns wirklich geholfen, den gesamten Club zu verwandeln”, fasst Sacha zusammen. In den letzten vier Jahren schaffte der Club ein spektakuläres Comeback, er spielt nun in der Spitzengruppe der Schweizer Eishockey-Liga. Und wird von Saison zu Saison besser. „Mit INEOS zu arbeiten ist wirklich inspirierend”, sagt Sacha. „Ihre Arbeitsweise färbt auf uns alle ab.” Das ist natürlich noch nicht alles. Das Unternehmen produziert die Rohmaterialien für Eishockey-Helme, Stöcke und die Kühlung der Eisbahnen. INEOS ist auch ein großer Förderer von Sportvereinen, in denen seine eigenen Mitarbeiter – oder Mitarbeiterkinder – in ihrer Freizeit aktiv sind, ob als Sportler oder als Trainer. „Wir sind immer stolz auf unsere Mitarbeiter, die sich aktiv in Vereinen engagieren, um anderen Menschen zu helfen”, erklärt Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Kommunikationsabteilung bei INEOS Köln. Im Januar tat sich der Standort mit einem der größten Sportclubs in Deutschland zusammen. Teil seiner Arbeit mit dem ASV Köln wird die Organisation der GO Run For Fun-Veranstaltungen sein. Aus dem von INEOS inspirierten GO Run For Fun ist mittlerweile eine weltweite Kampagne geworden. Mehr als 1.000 Schulen im gesamten Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa und den USA haben bereits 2 km-Läufe veranstaltet, dank INEOS‘ Anfangsinvestition von 1,9 Millionen Euro. Diese Arbeit – einen gesunden Ansatz zu Bewegung und Ernährung zu vermitteln – geht weiter. Anne-Gret erläutert, dass INEOS unzählige Sportvereine für Kinder in der Nähe des Standortes Köln finanziell unterstützt. „INEOS unterstützt gern alle, die etwas für die Gemeinschaft tun möchten”, sagt sie. Einer, den man bei Wind und Wetter draußen trifft, ist Bill Faulds, Manager des Unter-16-Rugby-Teams von Falkirk in Schottland, Vereinigtes Königreich.  Er ist Infrastructure Technical Manager am INEOS-Standort Grangemouth und seit seiner Studentenzeit im Jahr 1985 beim Club engagiert; er verbringt bis zu drei Abende pro Woche damit, die Jungen zu trainieren. „Es ist äußerst lohnend zu sehen, wie Kinder Können und Selbstvertrauen entwickeln”, sagt er. „INEOS hilft uns sehr, der jährliche Zuschuss entspricht durchaus meinem Zeitaufwand. Diese Unterstützung hat uns den Kauf von Trainingsausrüstung ermöglicht.” INEOS wird immer Wege finden, sportlich engagierte Menschen zu unterstützen, die begriffen haben, wie wichtig es ist, junge Menschen zu fördern. Oder wie es der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy formulierte: „Körperliche Fitness ist nicht nur einer der wichtigsten Faktoren für einen gesunden Körper, sie ist die Grundlage für dynamische und kreative geistige Tätigkeit.”

    5 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • PLAYMOBIL hält INEOS‘ Lösung für die beste

    DEUTSCHLANDS größter Spielzeughersteller, PLAYMOBIL, meinte, INEOS könnte vielleicht helfen – und es wurde geholfen! Das Unternehmen benötigte ein strapazierfähiges, flexibles Material für drei neue Figuren – einen Eisdrachen, einen transparenten rosafarbenen Roboter und einen Piraten. PLAYMOBIL weiß, was INEOS kann, weil die beiden Unternehmen seit Jahren zusammenarbeiten. Aber dieses Mal brauchte man ein Material, das robust, leicht formbar und transparent ist. INEOS Styrolution, weltweit führend im Bereich Styrol-Kunststoffe, schlug Zylar vor, eine seiner Spezialchemikalien – und die passte perfekt. „Das waren besondere Anforderungen, aber wir haben uns immer bemüht, die richtige Lösung zu finden, für jeden Kunden”, sagt Julia Herzog, Marketing Communications Manager. PLAYMOBIL-Figuren gibt es seit 1974. Damals waren es nur drei – ein Bauarbeiter mit gestreiftem Latz, ein Ritter mit silbernem Helm und ein Indianer mit einer Feder im Haar. Seither wurden etwa 4.000 verschiedene Figuren entworfen und drei Milliarden Stück davon in Malta produziert. „Zylar wird immer mehr zum Material der Wahl für Spielzeug”, sagt Peter Rath, Director Sales Construction, Distribution, Compounding & Others, INEOS Styrolution. „Ohne Kunststoffe gäbe es viele Spielsachen und Sportartikel gar nicht erst.” Er erläutert, dass es für INEOS eine Ehre sei, mit einem legendären Spielzeughersteller wie Playmobil zusammenzuarbeiten. Zylar wird derzeit für medizinische Geräte verwendet, findet sich aber auch in der Haushaltstechnik, etwa in Wasserfiltern oder den Wasserbehältern von Kaffeemaschinen.  

    5 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • INEOS kauft Fabrik an der spanischen Küste

    INEOS kauft eine Schwefelsäurefabrik in einem der wichtigsten Logistikzentren Europas. Die Übernahme der Fabrik im spanischen Bilbao ist eine gute Ergänzung für INEOS‘ bestehendes Schwefelchemieunternehmen in Runcorn im Vereinigten Königreich, es verdoppelt damit praktisch seine Produktionskapazität. Schwefelsäure ist eine der wichtigsten der von der chemischen Industrie hergestellten Basisverbindungen. Es wird für die Herstellung Hunderter weiterer Verbindungen herangezogen, die von nahezu jedem Industriezweig benötigt werden, etwa für Düngemittel, Reinigungsmittel, Wasseraufbereitung und Batterien. „In früheren Zeiten war der Schwefelsäureverbrauch ein Maß für das BIP eines Landes”, sagt Ashley Reed, CEO von INEOS Enterprises. „Die Nachfrage war eng mit der wirtschaftlichen Gesundheit eines Landes verbunden.” Das dürfte auch heute noch gelten. Im vergangenen Jahr war Spanien die am zweitschnellsten wachsende Wirtschaft in Europa, sein BIP-Wachstum betrug 3,2 Prozent und nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds wird sich Spaniens Aufschwung fortsetzen. „Das sind für uns gute Neuigkeiten, die eine starke Basis für ein Umsatzwachstum in den lokalen Märkten geben sollten”, so Ashley. Das spanische Werk, das jedes Jahr etwa 340.000 Tonnen Schwefelsäure erzeugt, gehört zu den modernsten in Europa und liegt in der Nähe der Raffinerie von Bilbao, die den Großteil des für die Anlage wichtigsten Rohstoffs – den Schwefel - liefert. „Schwefel ist häufig ein unerwünschtes Nebenprodukt bei der Herstellung von Raffinerieprodukten, für sie ist das also ein Entsorgungsweg”, erklärt Ashley. Etwa 25 Prozent der Einnahmen der Anlage stammen aus der Stromerzeugung durch Kraft-Wärme-Kopplung bei Schwefelverbrennung an der Luft. Die Strompreise in Spanien gehören zu den höchsten der Welt und aufgrund neuer spanischer Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien wird die spanische Regierung die Strompreise für das Unternehmen für die nächsten 25 Jahre garantieren. „Das war einer der Gründe, warum INEOS an der Anlage interessiert war”, sagt Ashley. Die Anlage liegt strategisch günstig im Hafen von Bilbao, also ideal für den Export in die ganze Welt. „Es gibt im Umkreis von 400 km um den Hafen keinen anderen Schwefelsäurehersteller”, so Ashley weiter. „Und da die Transportkosten einen erheblichen Teil des Schwefelsäurepreises ausmachen, ist die richtige Lage von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines Schwefelchemiebetriebs.”

    2 minuten lesezeit Ausgabe 10
  • INEOS schafft es alleine

    EIN Joint Venture zwischen INEOS und Solvay endet im Laufe dieses Jahres – zwei Jahre früher, als geplant. Die beiden Unternehmen haben seit der Gründung von INOVYN im Juli 2015 so viel erreicht, dass Solvay beschlossen hat, INEOS die Führung des 3,5-Milliarden Euro schweren Geschäfts zu überlassen. „Dank der schnellen und effizienten Integration der Teams und der Anlagen ist INOVYN nun ein solider und nachhaltiger Chlorvinyl-Hersteller”, sagt Jean-Pierre Clamadieu, CEO von Solvay. Das belgische Unternehmen Solvay hatte von Anfang an vorgehabt, INEOS die alleinige Kontrolle über das Unternehmen zu überlassen, ursprünglich aber erst im Juli 2018. INEOS-Vorstandschef Jim Ratcliffe bestätigt, INEOS habe kein Problem mit dem frühen Rückzug: „Chlorvinyl-Hersteller sind für große Petrochemie-Unternehmen wie unseres von entscheidender Bedeutung. Durch diese geplante Übernahme erhält INOVYN einen Eigentümer mit einer langfristigen Vision, die Stabilität für das Unternehmen und seine Mitarbeiter bedeutet.” Die Entscheidung der beiden Unternehmen im Jahr 2015, ihre Chlorvinyl-Herstellung zu fusionieren, war für beide von Vorteil. Die neue Firma INOVYN wurde zu einem der drei führenden PVC-Hersteller der Welt und konnte schnell auf die sich rapide verändernden europäischen Märkte reagieren. INOVYN, das seinen Sitz in London hat, beschäftigt 4.300 Mitarbeiter an 18 Produktionsstätten in acht Ländern. Es produziert jährlich 40 Millionen Tonnen Chemikalien, die in nahezu allen Bereichen des modernen Lebens – im Wohn-, Gesundheits- und Kommunikationsbereich – zum Einsatz kommen.  

    1 minute lesezeit Ausgabe 10
  • Unbekannte gewässer

    Es sind aufregende Zeiten bei INEOS – sowohl an See als an Land –, wie INCH im Gespräch mit Geir Tuft, CEO des neuen Erdöl- und Gasgeschäftsbereichs INEOS Breagh, festgestellt hat Viele Menschen fragen sich, warum sich INEOS an der Erdöl- und Gasexploration beteiligt und zu einem Zeitpunkt Richtung Nordsee steuert, an dem andere sie verlassen. INEOS ist davon überzeugt, dass es für die Öl- und Gasindustrie der notwendige Wechsel sein kann, um für unwirtschaftlich gehaltene und für die Aufgabe ungeeignete alternde Plattformen zu retten. Auch Geir Tuft ist davon überzeugt, der Mann, der für die Leitung von INEOS‘ neuem Offshore-Gasgeschäftsbereich INEOS Breagh rekrutiert wurde, das vier Plattformen in der Nordsee betreibt und Anteile an 16 Explorationslizenzen besitzt. INCH erreichte Geir, kurz nachdem er in sein neues Büro in London als CEO von INEOS‘ neuer Gastochtergesellschaft eingezogen war. „Ich weiß nicht, wohin diese Reise mich oder INEOS führt, doch wir sind in der Lage, in der Nordsee etwas zu bewegen“, sagte er. „Wir haben uns nicht auf kurze Sicht darauf eingelassen.“ Im Oktober 2015 erwarb INEOS alle zwölf britischen Nordseegasfelder, deren Eigentümer das deutsche Unternehmen DEA war, eine Konzerngesellschaft der LetterOne-Gruppe. Alle Gasfelder befinden sich in der Nähe von INEOS-Standorten im Nordosten und in Schottland und stellen etwa acht Prozent der Gaserzeugung im Vereinigten Königreich bereit, genug, um jedes zehnte britische Haus mit Wärme zu versorgen. „Das ist nicht wenig, und ich denke jeden Tag auf dem Heimweg darüber nach – in dem Bewusstsein, dass dies meiner Aufsicht unterliegt“, sagte Geir. Die britische Regierung hatte inmitten der Befürchtungen wegen Sanktionen gegen Moskau aufgrund von Russlands Rolle in der Ukraine von dem russischen Milliardär Mikhail Fridman verlangt, diese zu verkaufen. Einige Tage, nachdem INEOS den Kauf der DEA (UK) abgeschlossen hatte, der die Clipper South-Plattform einschloss, verkaufte die Fairfield Energy Holdings Ltd. ihre 25-prozentige Beteiligung an der Clipper South, wodurch INEOS die Kontrolle über 75 Prozent erlangte. Fairfield äußerte sich dahingehend, dass man sich auf die Außerbetriebsetzung konzentrieren wolle. Doch es ist unwahrscheinlich, dass INEOS‘ Interesse am Erwerb von weiteren Nordseegasfeldern damit endet. „Praktisch alles steht in der Nordsee zum Verkauf“, sagte Geir. „Und wir sind die einzigen Käufer in einem Meer von Verkäufern.“ In vieler Hinsicht sind dies unbekannte Gewässer für INEOS, doch INEOS schätzt sich selbst „verwandt“ ein. „Auch wenn INEOS Neueinsteiger in der Nordsee ist, verfügt das Unternehmen über umfassende Erfahrung im Betrieb von chemischen Anlagen, die im Vergleich zu diesen Bohrplattformen eine ähnliche oder höhere Komplexität aufweisen“, sagte Geir. „Unser Hauptfokus auf Leistung in den Bereichen Arbeits- und Umweltschutz, Zuverlässigkeit, hohe Auslastung und wettbewerbsfähige Cashfixkosten sind Merkmale, die die voll entwickelte Nordsee benötigt, um die Lebensdauer dieser Assets zu verlängern und so viele Kohlenwasserstoffe zu gewinnen wie möglich. Unserer Ansicht nach können wir diese Assets übernehmen, ihre Zuverlässigkeit verbessern und wo nötig Geld investieren.“ Die Probleme, mit denen die britische Öl- und Gasindustrie konfrontiert ist, die seit 1964 in der Nordsee nach Öl und Gas bohrt, sind gut dokumentiert. 2014 warnte Pricewaterhouse Coopers (PwC), dass eine neue Vision und neue Arbeitsmethoden dringend benötigt würden, um ihre Position als globales Zentrum für Öl und Gas zu festigen. „Es ist unerlässlich, dass wir eine stärker strategische und integrierte Perspektive einnehmen, um das Leben in der Nordsee für alle Beteiligten und für künftige Generationen zu verlängern“, sagte Kevin Reynard, PwCs Senior Partner in Aberdeen. „Wenn wir uns gegen eine Veränderung entscheiden, riskieren wir, mit offenen Augen in eine vorzeitige Endphase zu laufen.“ Diese Ansichten wurden im Juni 2015 wiederholt, als PwC die Öl- und Gasunternehmen erneut drängte, sich an anderen britischen Branchen, die zur Veränderung oder zum Untergang gezwungen waren, ein Beispiel zu nehmen. „Man muss sich der Tatsache stellen, dass Exploration und Produktion im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren zurückgegangen sind“, sagte Kevin. „Die Fakten sehen so aus: Selbst wenn alle geplanten Ölbohrungen vorgenommen werden, ist das Tempo immer noch zu gering, um auch nur einen Teil der potenziellen Ressourcen zu entdecken.“ PwC fordert eine schrittweise Veränderung der Strategie. „Unternehmen müssen Neuerungen einführen, kooperieren sowie Kostenkontrolle und Leistung verbessern“, sagte Kevin. Seit Anfang 2014 drängte auch die britische Regierung die Industrie, die Betriebskosten zu senken, die Effizienz zu verbessern, unberührte Reserven auszubeuten und mehr Geld für Explorationen auszugeben. „Unsere Erfahrung ist in diesem Umfeld von unschätzbarem Wert“, sagte Geir. „Wir haben in der Tat umfassende Erfahrung mit dem Erwerb, der Verbesserung und dem Management von Wirtschaftsgütern, die als unrentabel gelten. Wenn ein Unternehmen auf diesem Planeten es kann, dann INEOS.“ Nach Schätzungen verbleiben 30 bis 40 Jahre an Produktion – und geschätzte 24 Milliarden Barrel Öl –, doch das Office for Budget Responsibility prognostiziert einen Rückgang der Einnahmen aus der Erdölgewinnung von 38 Prozent bis 2017/2018. Der britische Schatzkanzler George Osborne gab kürzlich Hilfsmaßnahmen im Wert von 1,3 Milliarden britischen Pfund über fünf Jahre bekannt, um die „erlahmende“ Produktion in der Nordsee bis zum Ende des Jahrzehnts um 15 Prozent zu steigern, und er plant ferner, neue Explorationsarbeiten teilweise zu finanzieren, um zur Erhöhung der Reserven der Region beizutragen. Die Öl- und Gasindustrie ist sich dessen bewusst, dass sie die Betriebskosten um Milliarden senken und die Effizienz der Produktion steigern muss, will sie wettbewerbsfähig bleiben. Die hohen Kosten dieser Wirtschaftsgüter wurden schonungslos aufgedeckt, als die Ölpreise plötzlich von 110 US-Dollar pro Barrel auf 60 US-Dollar, dann wiederum Ende des Jahres 2015 unter 40 US-Dollar fielen. Geir, der die vergangenen drei Jahre am INEOS-Standort Grangemouth verbracht hat, ist auf die Ereignisse im Jahr 2016 gespannt. „Zunächst müssen wir in jeder Hinsicht über das Geschäft Bescheid wissen“, sagte er. „Momentan habe ich das Gefühl, als hätte ich aufgrund dessen, was INEOS bereits erreicht hat, einen Fuß auf festem Boden und einen Fuß auf unsicherem Gelände, wo wir vorsichtig sein und lernen müssen, da es mit Exploration und unterirdischem Bereich, Geologie und Seismologie Elemente gibt, die für uns alle neu sind.“ Aber bis Ende Januar 2016 wird er über einen soliden Plan für die Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs verfügen, der INEOS Capital vorgelegt wird. Die Beschäftigten, die mit dem Verkauf des LetterOne-Konzerns zu INEOS kamen, blicken optimistisch in die Zukunft. „Nach all der Ungewissheit gibt es ein Gefühl der Erleichterung“, merkte er an. „Es besteht eine sehr positive Erwartung, denn wir wissen, wir wollen die Assets betreiben und weiterentwickeln. Wir haben uns langfristig darauf eingelassen.“ Dem stimmt Adrian Coker, Leiter der Abteilung Exploration and New Business bei INEOS Breagh, zu. „Wir haben gewissermaßen einen zweijährigen Verkaufsprozess hinter uns“, erklärte er. „Erst an LetterOne und dann einen forcierten Weiterverkauf an INEOS. Wir sind also ziemlich froh, dass wir endlich weitermachen und das normale Geschäft wieder aufnehmen können.“ INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe hat das Team bereits kennengelernt. „Im Vergleich zu vielen, die der Nordsee den Rücken zukehren, schwimmt er gegen den Strom, aber für jemanden mit einer unternehmerischen Einstellung zu den Dingen gibt es hier Einiges zu gewinnen“, sagte Adrian. Das vorhandene, äußerst erfahrene Managementteam bei DEAs britischem Unternehmen bleibt bestehen und wird das Geschäft in vergleichbarer Form wie alle anderen Unternehmen von INEOS betreiben. „Viele Eingriffe von der Zentrale wird es nicht geben“, gab Jim an. „Es wird ein eigenständiger Bereich sein, und das Management wird mit dem Betreiben dieses Unternehmens beauftragt.“ Für INEOS ist dies ein kühner Schritt in eine neue Welt, aber je nachdem, wie sich dieses Projekt entwickelt, hat es das Potenzial, das Unternehmen in derselben Form zu verändern wie die Übernahme von INNOVENE durch INEOS im Jahr 2005. video  

    7 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Das neun milliarden-us dollar-geschäft

    Der Erwerb der Gasfelder in der Nordsee markiert einen wichtigen Moment in INEOS‘ Firmengeschichte. Doch es ist nicht das erste Mal, dass INEOS das anscheinend Unmögliche erreicht hat. Vor zehn Jahren brachte es neun Milliarden US-Dollar auf, um BPs riesiges Chemikalienunternehmen INNOVENE zu erwerben. Mit diesem bahnbrechenden Deal änderte sich INEOS‘ Gesicht über Nacht Das war das Jahr 2005. Die Welt befürchtete, eine Vogelgrippenpandemie stünde unmittelbar bevor, da sich Krankheitsfälle von Asien nach Europa ausbreiteten, Millionen trauerten um Papst Johannes Paul II. und Saddam Hussein wurde vor Gericht gestellt. INEOS‘ Geschäfte gingen gut. Es erzielte einen Umsatz von mehr als acht Milliarden US-Dollar pro Jahr und beschäftigte an 20 Standorten weltweit mehr als 7.500 Menschen. Doch INEOS Capital hatte größere Ambitionen, wollte investieren. BP plante, INNOVENE, sein riesiges Chemikaliengeschäft, an die New Yorker Börse zu bringen. Doch INEOS überzeugte dessen Managementteam, die Olefine-, Derivate- und Raffinerie-Tochtergesellschaft stattdessen für neun Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Es war ein enormer Einsatz und der Deal wurde vereinbart, ohne viele Standorte zu besichtigen. Dieser kühne Schritt katapultierte INEOS in die Liga der großen globalen petrochemischen Unternehmen. INNOVENE verfügte über 8.000 Beschäftigte und 26 Produktionsstandorte in Amerika, Kanada, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien. „Durch das Geschäft wurde INEOS, das bis dahin außergewöhnliche Zurückhaltung geübt hatte, in die Reihe der hochrangigen globalen Chemieunternehmen befördert“, sagte Patricia Short, Journalistin bei der Chemical & Engineering News. Nach der Übernahme erzielten die zusammengelegten Unternehmen einen Umsatz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar, wodurch INEOS zum viertgrößten Petrochemieunternehmen der Welt wurde. Jim Ratcliffe beschrieb das Geschäft – die größte Veräußerung, die BP jemals vorgenommen hat – als „transformative Übernahme“. Über Nacht war der Umfang seines Unternehmens mehr als doppelt so groß. Die Übernahme, die die Raffinerien in Lavéra und Grangemouth einschloss, vervollständigte INEOS‘ Portfolio an Ethylen- und Propylenderivaten. David Anderson, President der Chemical Market Resources, Inc., eine Unternehmensberatung mit Sitz in Houston, erinnert sich gut an den Deal. „Das war ein kleines Unternehmen, das es mit den Großen aufnahm“, sagte er. „Es war der Guppy, der den Wal verschluckt. Niemand glaubte, dass es nicht funktionieren würde. Aber es ging darum, ob das INEOSTeam alle Teile in eine zusammenhängende wirtschaftliche Einheit integrieren kann.“ Es hätte schrecklich schief gehen können. Aber das tat es nicht. INEOS hatte sich schließlich daran gewöhnt, bei Firmen wie ICI, BASF und BP nicht mehr gewollte Bereiche zu kaufen, während diese Chemieriesen ihre eigenen Unternehmen umstrukturierten. Wenn irgendein Unternehmen auf diesem Planeten es könnte, dann INEOS. INEOS fragte sich lediglich, ob es die Gewinne (EBITDA) der von ihm übernommenen Unternehmen in fünf Jahren verdoppeln könnte. Dies entsprach nicht ganz der Ansicht derer, die zu diesem Zeitpunkt für INNOVENE arbeiteten. Bob Sokol, heute Chief Financial Officer von C2 Derivatives, hatte von INEOS gehört, aber sah es als kleines, auf Europa fokussiertes Chemieunternehmen an. „Ich habe es niemals für ein Unternehmen gehalten, das so etwas wie die INNOVENEÜbernahme im Umfang von neun Milliarden US-Dollar zustande bringen könnte“, sagte er. Er merkte an, dass sich die Beschäftigten von INNOVENE der bevorstehenden Änderungen bewusst waren. „Die Beschäftigten bewegten sich in einem Umfeld von Ungewissheit, doch diese Ungewissheit verschob sich von einem Börsengang zur Übernahme durch ein weitgehend unbekanntes Chemieunternehmen über eine 100-prozentige Fremdfinanzierung“, sagte er. Dennis Seith, heute Chief Executive Officer von INEOS O&P USA, war Mitglied des Managementteams, das BP für die Gründung von INNOVENE ausgewählt hatte. „Ich hatte noch nie von INEOS gehört und es war für die meisten Unternehmen in den USA und für INNOVENE kein geläufiger Name“, erklärte er. Doch das enorme Tempo der Veränderungen im Anschluss an die Übernahme ließ den Beschäftigten wenig Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, dass ein kleines Unternehmen gerade einen Giganten aus der Welt der Chemikalien übernommen hatte. „Die Angst vor dem Unbekannten führt immer zu einer gewissen Verunsicherung, aber wir mussten einen Job erledigen, und die Arbeit war so intensiv, dass wenig Zeit übrig blieb, um sich mit dem, was passierte, zu belasten“, sagte er. „Nach meiner Erinnerung daran war es sowohl berauschend als auch entnervend. Wir hatten die Chance Bürokratie abzubauen, neue Ideen auszuprobieren, unternehmerisch zu agieren und für den Erfolg oder das Versagen bei den Geschäften die Verantwortung zu übernehmen.“ Bei dem Deal übernahm INEOS ein zwölfköpfiges Team von Führungskräften. Innerhalb eines Jahres war nur eine Person geblieben. „Das war ich“, sagte Dennis. „Es blieben nur wenige Ebenen im Unternehmen übrig, und die Verantwortung wurde denen übertragen, die bereit waren, sie zu übernehmen. Viele fühlten sich mit dem Personalabbau, der Reduzierung der Gemeinkosten oder mit dem Vorgehen, in einem Privatunternehmen unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, nicht wohl.“ BP hatte sich zu einem sehr unbeweglichen, bürokratischen Unternehmen entwickelt, das sich in immer neue Peer Reviews verrannt hatte und unter Unentschlossenheit litt. Bei INEOS wurden Vollmachten verschärft und Entscheidungen auf allen Ebenen getroffen. Die Ausgaben auf Unternehmensebene wurden eingeschränkt. Investitionsausgaben wurden sehr viel strenger kontrolliert. Die Beschäftigten wurden aufgefordert, die Kosten um mindestens 25 Prozent zu senken. Das Management begann eine neue Unternehmenskultur einzuführen, bei der die Beschäftigten gebeten wurden, im Geschäftsleben wie „Eigentümer“ zu handeln, wobei Kosten und Entscheidungen für ihre Zukunft von Bedeutung waren. „Wir verhielten uns wahrhaftig zielgerichtet und entwickelten die Vision, die wir noch heute für das Unternehmen haben“, sagte Dennis. Er war davon überzeugt – und ist es noch immer –, dass die Übernahme das Beste war, was passieren konnte. „BPs Chemikalienbereich war ein gutes Unternehmen, war aber mit seiner ausgeprägten Matrixstruktur eindeutig vom Weg abgekommen“, erklärte Dennis. „INEOS gab uns die Möglichkeit, ein Unternehmen wirklich zu führen und gemeinsam mit sehr talentierten Personen auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten. Die Bemühungen jedes einzelnen Beschäftigten sind wichtig und verändern etwas. Grenzen waren uns lediglich durch unsere eigene Kreativität und durch unsere Entscheidung gesetzt, wie wir für unsere Ressourcen Prioritäten setzen.“ Joe Walton, derzeit Business Director von INEOS Oligomers, arbeitete auch bei BP INNOVENE. „Einige meiner Kolleginnen und Kollegen bei BP waren sehr beunruhigt darüber, die angenommene Stabilität eines Großkonzerns wie BP für ein fremdfinanziertes Unternehmen wie INEOS hinter sich zu lassen“, sagte er. „Geht man jedoch zehn Jahre in INEOS‘ Firmengeschichte zurück und vergleicht INEOS mit BP, war diese Ansicht falsch.“ Joe war bei BP für die Optimierung des globalen Geschäfts nur für die Bereiche Linear Alpha Olefins (LAO) und Polyalpha Olefins (PAO) verantwortlich. Nach der Übernahme vergrößerte sich sein Aufgabengebiet, ihm wurde die Verantwortung für das Management, den Verkauf und die Technologie des Oligomer-Geschäfts übertragen. „Viele meiner Kunden wollten wissen, wie es sei, für INEOS statt für BP zu arbeiten“, erklärte er. „Ich erzählte ihnen immer, dass ich als Business Manager bei BP 60 Prozent meiner Zeit damit verbracht habe, den Geschäftsbereich zu leiten, und 40 Prozent mit der Beantwortung von Fragen zentraler Abteilungen, die nicht zur Wertschöpfung beitrugen. Bei INEOS verbringe ich mehr als 90 Prozent meiner Zeit damit, das Geschäft aktiv zu leiten.“ Nur wenige Wochen nach der Übernahme gründete INEOS sieben neue Geschäftsbereiche, die Raffinerien, Olefine, Polyolefine, Olefine und Polymere in den USA, Nitrile, Technologien und Oligomere umfassten. INNOVENE gab es nicht mehr. Nun gab es INEOS Nitriles, INEOS Olefins und INEOS Polyolefins in Europa, INEOS Olefins & Polymers USA, INEOS Oligomers, INEOS Refining und INEOS Technologies, jeweils mit einem eigenen fokussierten Team. Im selben Jahr wurde Jim von Management Today zum besten Unternehmer Großbritanniens gewählt, vor Charles Dunstone von Carphone Warehouse und Simon Nixon, Gründer von Moneysupermarket.com. Die Wirtschaftszeitung beschrieb Ratcliffe als „Antwort der chemischen Industrie auf den Stahlmagnaten Lakshmi Mittal“. In den ersten zehn Jahren hat INEOS mehr als 20 Akquisitionen getätigt. Doch der INNOVENE-Deal wird immer das Geschäft bleiben, das das Gesicht von INEOS für immer verändert hat. Mit Blick auf die Zukunft drängt sich das Gefühl auf, dass die Übernahme der Gasfelder in der Nordsee eine ganz ähnliche Wirkung haben könnte.  

    7 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Fliegender start

    INEOS bewundert inspirierte Menschen, besonders wenn sie bereit sind, es mit der Welt aufzunehmen ES ergab sich die Chance, Studierende des Velocipede-Teams der Universität Liverpool zu unterstützen, das schnellste Fahrrad der Welt zu bauen – und eine Gelegenheit wie diese lässt sich INEOS nicht entgehen. Als die Studierenden für Maschinenbau der Universität Liverpool im Vereinigten Königreich still an ihrem Speed Bike ARION1 arbeiteten, war INEOS bereit dazu, sie und ihr unglaubliches Gefährt zum „World Human Powered Speed Challenge“ nach Amerika zu fliegen. „Mir war klar, dass es hier um etwas ging, das INEOS gerne unterstützen würde, da es Sport, Technik, Unternehmergeist und ein kleines, unerfahrenes Team vereinte, das bereit war, es mit der Welt aufzunehmen“, sagte Iain Hogan, CEO von INEOS O&P South. „Für die Konstruktion und den Bau hatten die Studierenden ausreichend Sponsorengeld, doch anfangs wollten sie unsere Hilfe nicht, da sie sich nicht sicher waren, ob ihr Gefährt den Rekord erreichen könnte.“ Doch je mehr Tests auf der Teststrecke Bruntingthorpe durchgeführt wurden, desto klarer wurde den 16 Studierenden, unter ihnen Ians Sohn Ben, Leiter des Teams, es könnte menschenmöglich sein, den Weltrekord von 133,78 km/h zu brechen, und deshalb wandten sie sich an INEOS. Was die Studierenden dringend benötigten, war ein Unternehmen mit dem erforderlichen Wissen und der notwendigen Erfahrung, um das Fahrrad und das ganze Team mitten in die Wüste Nevadas und zurück zu transportieren. „Ohne die Unterstützung von INEOS hätte das Team es nicht zum Wettbewerb geschafft“, sagte Ben. „INEOS kümmerte sich um die logistische Organisation, um unseren riesigen Flugkoffer, der einem kleinen Wohnwagen ähnelt, die Strecke von zu Hause in Liverpool bis mitten in die Wüste zu transportieren – und dann sicher wieder zurück. Es war wichtig, dass unser Transportkoffer, der das Fahrrad und alle unsere Werkzeuge enthielt, rechtzeitig und intakt eintraf. Wir brauchten ein Unternehmen, das genau wusste, was es tat.“   David Thompson, Chief Operating Officer von INEOS Trading and Shipping, war der Mann, der zur Unterstützung des Teams gerufen wurde. Sein Team importiert und exportiert tagtäglich Materialien aus den USA und in die USA. „Es hätte ein logistischer Albtraum werden können“, bemerkte er. „Doch wir kannten den Umgang mit dem Zoll in den USA und in Europa um sicherzustellen, dass das Fahrrad, alle Ersatzteile und die Ausrüstung für die Instandhaltung ohne Verzögerung in die USA eingeführt werden konnten und wir den Prozess anschließend zurück nach Europa umkehren konnten.“ Das Geschwindigkeitsfahrzeug ARION 1, mit einer Hülle aus Carbon, mit der die Luft geradezu durchschnitten wird, hatte bei Tests Geschwindigkeiten von mehr als 80 km/h erreicht. „Verbundwerkstoff aus Karbon war das ideale Material für die Fahrzeugherstellung, weil man ihn zu fast allen gewünschten Formen verarbeiten kann“, erklärte Ben. „Also machten wir es so.“ Nur mithilfe einer auf der Kapsel montierten winzigen Videokamera kann der Fahrradfahrende sehen, wohin er fährt, weshalb Lenken besonders schwierig ist. „Du musst dir vorstellen, du fährst auf einem Motorrad und kannst dabei nur durch dein Mobiltelefon sehen“, erklärte Ben. „Und wenn man nur so die Außenwelt sehen kann und keine Belüftung hat, wird‘s echt eng. Zum Glück dauert die Fahrt nur etwa sieben Minuten darin, es ist also auszuhalten.“ Trotz der Kosten des Fahrrads in Höhe von 150.000 britischen Pfund ist die Fahrt alles andere als bequem. „Es ist extrem laut drinnen und hört sich fast wie ein Düsentriebwerk an“, erläuterte Ben. „Alle Ketten- und Rädergeräusche hallen im Inneren der Hülle wider. Wir hatten häufig Probleme, uns über Funk zu verständigen.“ Das Fahrrad hatte ähnlich wie ein normales Fahrrad sechs Gänge, eben nur viel größer. „Der vordere Kettenkranz hatte 104 Zähne“, sagte Ben. Der Fahrer des ARION1 betätigte die Gangschaltung nur, wenn ihm das Fahrrad dies vorgab. Das Team hatte fast zwei Jahre an der Fertigstellung des Fahrrads gearbeitet. „Es wurde eine Obsession“, sagte Ben. „Das Team machte in diesem Jahr keine Sommerpause. Wir blieben an der Universität und arbeiteten sieben Tage die Woche, um es fertig zu kriegen.“ Die „World Human Powered Speed Challenge“ findet jedes Jahr auf der Route 305 statt – ein acht Kilometer langer Straßenabschnitt mitten in der Wüste Nevadas. Teams aus aller Welt melden Fahrzeuge an, die sie selbst konstruiert und gebaut haben. Die Beschleunigung und der Versuch, am schnellsten zu fahren, ist eine Sache. Abzubremsen eine andere. „Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h ist das Abbremsen schwierig“, erklärte Ben. „Am Ende der Rennstrecke bleibt ein Fahrweg von eineinhalb Kilometern, um das Fahrrad anzuhalten. Da der Fahrer nicht aufrecht stehen kann, wenn das Fahrrad anhält, muss das Team das Fahrrad erwischen, solange es sich noch bewegt. Das allein erfordert einiges Geschick.“ Auch wenn das britische Team den Weltgeschwindigkeitsrekord nicht gebrochen hat, stellten die beiden Fahrer den 13 Jahre alten britischen Geschwindigkeitsrekord dreimal ein. Ken Buckley war der Erste. Er erreichte 112,2 km/h, dann erhöhte sein Mitfahrer David Collins, ein Doktorand, auf 113,6 km/h, woraufhin Ken 121,2 km/h erreichte – und dabei ausreichend Energie erzeugte, um einen Wasserkessel zum Kochen zu bringen. „Es ist eine beachtliche Leistung, den britischen Rekord um fast 13 km/h zu übertreffen“, sagte Ben. Besonders beeindruckend war bei Kens Rekordfahrt, dass er auf 121,2 km/h erhöhte, nachdem er nur 15 Stunden vorher bei 88 km/h schlimm gestürzt war, als er wegen eines plötzlichen Windstoßes und einer unverhofften Unebenheit auf der Straße die Kontrolle über sein Fahrrad verlor. „Wind und Wetter sind zwei große Risikofaktoren“, sagte Ben. „Bei einer Rennstrecke von dieser Länge kann der Wind in völlig verschiedene Richtungen drehen, und der Fahrer wird davon überrascht. Hätte Ken gesagt, er wolle an diesem Punkt aufhören, hätten wir das nachvollziehen können, aber er war entschlossen, es nochmals zu versuchen.“ Und Entschlossenheit stellt einen der Gründe dar, warum er aus den vielen Hoffnungsträgern ausgewählt wurde. Die Fahrer brauchten auch einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn, während sie im Fahrrad lagen. „Im Grunde genommen muss man das Fahrradfahren neu lernen, weil es so anders ist“, meinte Robert McKenzie, der das Projekt nach Bens Examen nun übernommen hat. Und die Fahrer brauchten Mut. „Im Fahrrad ist es dunkel und eng, man ist außerdem angegurtet und soll so schnell man kann in die Pedale treten“, sagte er. Zum Glück wurde Ken beim Sturz nicht verletzt, aber die Hülle und Lenkung waren beschädigt, weshalb das britische Team die Nacht durcharbeiten musste, um seinen Fahrern zu ermöglichen, erneut Rekorde zu brechen. Auch wenn das britische Team mit dem kanadischen Team, dessen Konstrukteur und Fahrer Todd Reichert mit 137,07 km/h einen neuen Weltrekord aufstellte, nicht gleichziehen konnte, hat es sich dies für das nächste Jahr zum Ziel gesetzt. ARION 2 wird kleiner, leichter und stabiler sein. „Wir haben bei unserem ersten Versuch einen britischen Rekord aufgestellt. Und wenn wir eines Tages den Weltrekord nach Hause holen können, wäre das unglaublich“, meinte Ken. Und INEOS wird wieder dabei sein, um den zweiten Versuch zu unterstützen. Video

    6 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Elemente der gefahr

    Was treibt jemanden an, der Beste der Welt sein zu wollen? INCH sprach mit Steve Nash, Diplomelektroingenieur am INEOS-Standort Runcorn im Vereinigten Königreich. Seit Jahren greift er nach den Sternen ES war eine einmalige Erfahrung. Als Steve Nash mit dem Gleitschirm in 2.478 Metern Höhe den Nufenenpass in der Schweiz überfliegt, geriet er über dem Gletscher in Turbulenzen. „Ich verlor so schnell an Höhe, dass ich dachte, ich hätte mich vom Gleitschirm gelöst“, berichtete er. „Es war, als würde ich in einem tosenden Wasserfall fliegen.“ Während er sich mit acht Metern pro Sekunde der Erde näherte, kämpfte er darum, die Kontrolle über seinen zusammenfallenden Gleitschirm zu erlangen und ruhig zu bleiben. „Zum Glück war ich darauf trainiert, so einer Situation zu entkommen“, sagte er. „Trotzdem war ich unglaublich erleichtert, nach diesem Flug wieder auf festem Boden zu stehen.“ Diese Beinahekatastrophe hielt ihn nicht davon ab, am nächsten Tag um fünf Uhr morgens aufzustehen, um seine epische Reise über die Alpen fortzusetzen. Und darum geht‘s. Das unterscheidet Erfolgsmenschen vom Rest – oder um es mit den Worten Sir Edmund Hillarys, der den Everest bezwang, auszudrücken: „Wir bezwingen nicht den Berg, sondern uns selbst.“ Steve nahm an „The Red Bull X-Alps“ teil, einer der härtesten Wettbewerbe der Welt. Die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer – und alle zwei Jahre gibt es nur etwa 32 internationale Paraglider, die mutig und fit genug sind, um teilzunehmen – sind mit sturzflutartigem Regen, Turbulenzen, Stürmen, starkem Gegenwind, extremer Helligkeit und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt konfrontiert, wenn sie von Salzburg in Österreich über Deutschland, Italien, die Schweiz und Frankreich nach Monaco wandern, laufen und fliegen. Die Route ist nicht festgelegt. Die Athlet/innen müssen zehn „Kontrollpunkte“ passieren, meistens berühmte Berge, doch sie können selbst entscheiden, wie sie dorthin gelangen. In diesem Jahr gewann die Schweizer Gleitschirmlegende Christian Maurer den Wettbewerb, der vom Mozartplatz in Salzburg nach acht Tagen, vier Stunden und 37 Minuten in Monaco landete. Er gewann den Wettbewerb zum vierten Mal. Achtundvierzig Stunden später endete 178 km entfernt der Wettbewerb offiziell mit Steve, einziger Brite und mit 52 Jahren ältester Wettbewerbsteilnehmer. „Für mich war es die einzigartige Gelegenheit, mich mit den weltbesten Pilotinnen und Piloten zu messen“, sagte er. Nachdem Steve im Oktober 2014 ausgewählt worden war, ließ er sich von Fitnessexpert/innen, Ernährungswissenschaftler/innen und ehemaligen Teilnehmer/innen beraten. „Alle Teilnehmenden, egal auf welchem Niveau, wollen ihre absolute Bestleistung bringen“, sagte er. Aber es ist mehr als nur Schwindelfreiheit erforderlich. „Die echten Gefahren haben alle mit dem Wetter zu tun“, erklärte Steve. „Starke Turbulenzen durch thermische Aufwinde können dazu führen, dass sich die Stoffflügel zusammenfalten, und massive Quellwolken sind so gefährlich, dass sogar Passagierflugzeuge ihre Nähe meiden.“ Was die Teilnehmenden von anderen unterscheidet, ist die Fähigkeit, unter Bedingungen zu fliegen, welche die meisten Paraglider niemals als sicher einschätzen würden. „Die wirklich weltbesten Paraglider sind Expert/innen darin, ungünstiges Wetter für sich zu nutzen und das Beste daraus zu machen“, erklärte Steve. „Das ist wichtig, da der Wettbewerb fast ausschließlich in der Luft gewonnen wird.“ Steve hat zuletzt vor vier Jahren am Wettbewerb teilgenommen, wurde aber disqualifiziert, da er acht Meter in den verbotenen Luftraum in der Nähe des Flughafens Locarno geflogen war. „Ich wäre vorher nie in verbotenen Luftraum geflogen, doch treibt man sich selbst an physische und mentale Grenzen, bedingt dies, dass das klare Denkvermögen beeinträchtigt ist“, erklärte Steve. Dieses Jahr hatte er keinerlei Absicht, denselben Fehler zu wiederholen. Und das tat er auch nicht. An einem guten Tag hob er buchstäblich ab und brachte mehr als 130 Kilometer in der Luft und 70 Kilometer zu Fuß hinter sich. An einem schlechten Tag war er gezwungen, mit einem neun Kilogramm schweren Rucksack zu laufen oder zu wandern. „Den schlimmsten Flugtag erlebte ich in Zermatt, wo ich aufgrund sehr schwieriger Flugbedingungen bedingt durch starken Wind auf der Kurslinie nach Monaco mich tatsächlich rückwärts bewegte“, sagte er. Der Wettbewerb Red Bull X-Alps fordert seinen Tribut vom Körper, da Schlafmangel zu Erschöpfung führt. „Ich erinnere mich daran, dass man mich fragte, was ich essen wollte, und ich konnte damit nichts anfangen“, erzählte er. Außerdem verlor er etwa fünf Prozent seines Körpergewichts, obwohl er täglich 4.500 Kalorien zu sich nahm. Die Wettbewerber/innen dürfen von 5 bis 22.30 Uhr wandern und von 6 bis 21 Uhr paragliden. „Ich bin oft Punkt 6 Uhr morgens von sehr hohen Bergen gestartet“, sagte er. Eine der außergewöhnlichen Seiten des Wettbewerbs ist, dass Zuschauer/innen jede Bewegung der Sportler/innen online verfolgen können. Dazu gehörte Steves unvorhergesehene Landung auf dem Rasen eines Gartens in der Nähe der schweizerisch-französischen Grenze. „Der Besitzer kam aus seiner Villa, um zu sehen, ob es mir gut ging und ich einen Drink brauchte“, erzählte er. Steve begann mit dem Paragliden 1990 in Nordwales, wo der höchste Gipfel gerade einmal 1.085 Meter hoch ist. „Paragliden bedeutet für mich Freiheit“, sagte er. „Man kann mehr als hundert Kilometer gleiten, ohne eine Ahnung zu haben, wo du landest oder wie du zum Startplatz zurückkehrst.“ Er hält sich fit, indem er meistens von zu Hause zu seinem Arbeitsplatz am INEOS-Standort Runcorn läuft oder Fahrrad fährt. Als sein Arbeitgeber verstand INEOS, was ihn antreibt und gewährte ihm unbezahlten Urlaub, damit er im Winter in Brasilien trainieren und als Vorbereitung zum Wettbewerb zwei Monate in den Alpen verbringen konnte. „Nur wenige Arbeitgeber würden diese Flexibilität erlauben“, sagte er. „Doch INEOS glaubt daran, dass es allen nützt, wenn man sich fit hält, da fitte Beschäftigte seltener krank werden.“ Möchte er also 2017 erneut am Wettbewerb teilnehmen? „Unbedingt“, sagte er. „Dieser Wettbewerb entspricht den Vorstellungen jedes Paragliders, der jemals davon geträumt hat, eine Bergkette zu überfliegen, die so atemberaubend schön ist wie die Alpen. Er ist mit keinem anderen Langstreckenwettbewerb zu vergleichen. Nachdem ich es zweimal versucht und dieses Mal fast geschafft habe, kann ich nicht anders als zu denken: Aller guten Dinge sind drei.“ video www.redbullxalps.com www.redbullxalps.com/athletes/profile/steve-nash

    6 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • INEOS erhält konzession für die exploration von schiefergasvorkommen im vereinigten königreich

    INEOS ist nun der größte Player in der britischen Schiefergasindustrie. Schneller Erfolg für ein Unternehmen, das erst 2014 damit begann, seine Optionen zu sondieren Die britische Regierung hat INEOS die Genehmigung erteilt, weite Teile von England auf Schiefergasvorkommen zu untersuchen. Die Bekanntgabe des Ministeriums für Energie und Klimawandel bedeutet, dass INEOS nun Lizenzen besitzt, um eine Million Acre an potenziellen Schiefergasreserven zu erkunden. „Wir sind nun der größte Player in der britischen Schiefergasindustrie und werden eindeutig als verlässlich angesehen“, sagte Gary Haywood, CEO von INEOS Shale. Großbritannien ist gegenwärtig einer der teuersten Orte weltweit für die Herstellung von Petrochemikalien. Doch INEOS glaubt daran, dass eine einheimische Schiefergasindustrie die Kraft besitzt, die Produktion in Großbritannien zu revolutionieren, dem Vereinigten Königreich erstmals seit vielen Jahren Energiesicherheit zu geben und Tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen. „Wir haben mit eigenen Augen gesehen, was dies für die US-Wirtschaft bewirkt hat“, kommentierte Gary. „Schiefergas ist eine einmalige Chance, die sich das Vereinigte Königreich nicht entgehen lassen darf. Das Nordsee-Öl hat für das Vereinigte Königreich großen Reichtum geschaffen. So kann es auch beim Schiefergas sein.“ Die meisten der 21 Lizenzen, die INEOS im Dezember 2015 erteilt wurden, befinden sich in Regionen, die auf eine Bergbau- bzw. Industrietradition zurückblicken, zum Beispiel Bereiche in der Nähe der INEOS-Standorte Runcorn, Hull und Newton Aycliffe. „Wir freuen uns sehr, dass die britische Regierung entschlossen ist, mit dieser spannenden neuen Industrie voranzukommen“, sagte INEOSVorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. INEOS Shale ist der Geschäftsbereich von INEOS, der sich auf dem Festland mit der Erdöl- und Gasexploration und -produktion befasst. Der Bereich machte im August 2014 seinen ersten Schritt in die Sparte Schiefergasexploration, als er von Dart Energy einen Anteil an einer Lizenz für Erdölexploration und -entwicklung erwarb. Seitdem ist er rapide gewachsen. Im März 2015 traf es eine Vereinbarung mit IGas, die ihm Zugang zu fast einer Viertelmillion Acre von potenziellen Schiefergasreserven in Schottland verschaffte. Daran schloss sich unmittelbar die Genehmigung der Regierung an, Teile der East Midlands auf Schiefergasvorkommen zu erkunden. Doch es war die jüngste Bekanntgabe – die Vergabe weiterer 21 Konzessionen –, die das INEOS-Team besonders freute. „Unsere Überzeugung, dass wir das richtige Unternehmen für die Gewinnung von Schiefergas im Vereinigten Königreich sind, wird dadurch gestützt, dass uns so viele Konzessionen erteilt wurden“, sagte Gary. „Bei Schiefergas geht es bei uns nicht um kurzfristige Spekulation, sondern darum, unsere Produktionsbasis zu sichern, die Tausende von Arbeitsplätzen in regionalen Ökonomien schaffen wird, viele davon im Norden Englands und in Schottland.“ INEOS‘ Entscheidung, im Vereinigten Königreich die Exploration von Schiefergasvorkommen zu verfolgen, hat wenig überraschend zu einem Kollisionskurs mit Umweltschützer/innen und Protestgruppen geführt. Die Gegner/innen des Fracking behaupten, es sei gefährlich und umweltzerstörend, löse Erdbeben aus, verunreinige Trinkwasser und Luft. Die Befürworter/innen führen an, es sei – bei ordnungsgemäßer Durchführung – sicher, biete Ländern eine wertvolle inländische Ressource, schaffe Arbeitsplätze, unterstütze die Produktion und trage dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren, indem es die Kohle ersetzt, die doppelt so viel CO2 emittiert wie Gas. Im Laufe des Jahres 2015 traf sich INEOS mit Bewohner/innen vor Ort im Rahmen gemeinsamer Bemühungen, die Fakten rund um die Entwicklung von Schiefergas zu erläutern und alle Fragen zu beantworten, die Menschen in den schottischen Gemeinden stellten, die in einem unserer Lizenzgebiete leben oder arbeiten. „Es wird immer einen harten Kern von Gegnerinnen und Gegnern geben, der die Erschließung fossiler Brennstoffe aus philosophischen Gründen ablehnt, auch wenn das Schiefergas nur die Hälfte der CO2-Bilanz von Kohle aufweist“, sagte Gary. „Doch viele Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort fürchten die Erschließung von Schiefergas aus lokal bedingten Gründen – und diese Menschen will INEOS ansprechen, um sie in Bezug auf die Auswirkungen der Schiefergasentwicklung zu beruhigen. Unserer Ansicht nach stehen die meisten Menschen der Entwicklung von Schiefergas aufgeschlossen gegenüber, wünschen sich aber mehr Information.“ Er fügte hinzu: „Entscheidend ist, den Menschen zu versichern, dass die Industrie verantwortlich und ohne langfristige Schäden an der Umwelt oder Beeinträchtigung ihres Lebensstils handelt. Ebenso ist es von wesentlicher Bedeutung, überzeugende Argumente dafür zu liefern, warum die Entwicklung von Schiefergas für die Gemeinden und für das Land vorteilhaft ist.“ INEOS hat sich verpflichtet, alle lokalen Gemeinden umfassend zu beraten, und wird sechs Prozent der Einnahmen mit Eigentümer/innen von Häusern und Grundstücken sowie den in der Nähe der Schiefergasbohrlöcher gelegenen Gemeinden teilen.* „Wir wollen die Vision verwirklichen, dass die Gemeinden am Gewinn beteiligt werden müssen, damit sie sich erfolgreich weiterentwickeln können“, sagte Jim. Mit INEOS exklusiv arbeiten die drei weltweit führenden Pioniere, welche die Entwicklung des ersten privatwirtschaftlich genutzten Schiefergasvorkommens in den USA, das Barnett- Schiefergebiet, geleitet haben. Der Erdölingenieur Nick Steinsberger und die Geologen Kent Bowker und Dan Steward haben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche. „Sie haben tausende Schiefergasbohrlöcher gebohrt, ohne auf große Probleme zu stoßen, und beraten INEOS, wie man am besten einen sicheren Zugang zu Großbritanniens gewaltigen Reserven erhält“, erklärte Gary. Im Unterschied zu vielen Explorationsunternehmen kann INEOS Schiefergas sowohl als Rohmaterial als auch als Energiequelle nutzen. Das heißt, Schiefergas könnte zudem dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit von INEOS‘ Produktionsstandorten überall im Vereinigten Königreich auf Jahre hinaus zu stärken. *Vier Prozent an Eigentümer/innen von Häusern und Grundstücken direkt oberhalb der Bohrlöcher und zwei Prozent an die größeren Gemeinden  

    5 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Eiserner wille

    Abraham Lincoln sagte, willst du den Charakter eines Mannes kennenlernen, gib ihm Macht.Sport ist ein ebenso guter Indikator, wie INCH feststellte DER Weg, ein/e Meister/in zu werden, ist mit großen Opfern verbunden. Das ist häufig die Meinung von Außenstehenden. Für den Amerikaner Bart Conner, einer der großartigsten Turner, der jemals an Olympischen Spielen teilnahm, sieht nichts davon als Opfer an. „Es ging einfach um Entscheidungen“, sagte er. „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlte, nur dass ich mich für etwas Anderes entschieden hatte.“ Der Olympionike Josh Davis, der 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta Geschichte schrieb, als er von allen Ländern und allen Sportarten als einziger drei Goldmedaillen gewann, sagte, das Einzige, was er aufgegeben habe, sei Mittelmäßigkeit. Eleanor Haresign, Tochter vom INEOS-Beschäftigten Cliff Haresign, kann diese Einstellung verstehen. Sie gewann ihr erstes Iron Distance Event – 1,9 km Schwimmen, 90 km Fahrradfahren und 21 km Laufen – beim zweiten Versuch im Alter von 35 Jahren. „Was für einige ein Opfer darstellt, ist für andere keines“, sagte sie. „Früh aufstehen, früh schlafen gehen, gesellige Veranstaltungen verpassen, die Sorge, sich zu erkälten und das Gefühl, erschöpft und keine Lust auf Kontakte zu haben – all dies kommt häufig vor. Aber für das Gefühl, zu gewinnen oder gut abzuschneiden, ist all dies der Mühe wert und führt dazu, dass du noch mehr erreichen willst.“ Kurz gesagt, du musst es wollen, die oder der Beste zu sein. „Du musst dich fragen, wie groß dein Wunsch ist, weil sogar die Profisportlerinnen und Profisportler Schmerzen haben“, sagte sie. „Häufig hilft es, sich daran zu erinnern, dass es viele Menschen gibt, die es sich in ihrem Leben nicht aussuchen können, Schmerzen zu haben. Ich habe Glück, dass ich an Wettbewerben intensiv teilnehmen, den Schmerz bereitwillig annehmen und die Grenzen dessen überschreiten kann, was ich für möglich hielt.“ Sie sagte aber auch, es erforderte mehr als nur den Wunsch. „Es gibt bestimmte Charakteristika, die notwendig sind, um der oder die Beste zu werden, und nicht alle sind dazu bereit, sie zu akzeptieren. Man muss körperlich in einem hervorragenden Zustand sein, um zu gewinnen, doch physische Stärke ist nicht ausreichend, um eine Gewinnerin oder ein Gewinner zu sein. Man muss tief in seine mentalen Reserven eintauchen, um sich über die physiologischen Symptome wie Erschöpfung oder Schmerzen hinwegzusetzen.“ Um die Besten zu schlagen, muss man konzentrierter, fitter, organisierter und besser vorbereitet sein. Man benötigt Willenskraft, Entschlossenheit, Disziplin, Engagement und Dynamik. Menschen wie Eleanor, die zudem halbtags arbeiten, um über die Runden zu kommen, müssen auch in der Lage sein, ihre Zeit effektiv zu planen. „Manchmal fragen sich die Leute, wie ich Arbeit, Leben und Training unter einen Hut bringe, und sie beschweren sich, dass sie nicht genug Zeit haben, Sport zu treiben, aber ich glaube ihnen nicht“, bemerkte Eleanor, die Umweltberaterin ist. „Man muss nur Möglichkeiten finden, um Sport ins Leben zu integrieren. Was eine Profisportlerin oder einen Profisportler neben dem Talent von Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportlern unterscheidet, ist die Bereitschaft, Sport in jeden Aspekt des Lebens zu integrieren. Es ist nicht nur das Training. Es sind Entscheidungen hinsichtlich der Ernährung, man muss auf sein Immunsystem achten, genügend schlafen, ausreichend Dehnübungen machen. Alles, was man außerhalb des Trainings tut, wird immer noch hinsichtlich der Auswirkungen auf den sportlichen Erfolg oder den Beitrag dazu bewertet.“ Als nächstes Ziel hat sich Eleanor die Qualifikation für die Ironman World Championships in Hawaii 2016 gesetzt. Um dies zu erreichen, muss sie in den nächsten zehn Monaten drei Ironman-Veranstaltungen und zwei Ironman-Rennen erfolgreich abschließen, um genügend Punkte zu sammeln, damit sie unter die besten 35 der Welt gelangt. Ironman ist eine Herausforderung für die Besten der Besten und zur berühmtesten Ausdauerveranstaltung des Triathlons geworden. Insgesamt stehen etwa 3.000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt an, um 3,86 km zu schwimmen, 180 km Fahrrad zu fahren und dann ohne Pause einen Marathon von 42 km zu laufen. Eleanors Vater Cliff sagte, er und seine Frau Carolyn würden alles tun, um ihre Tochter von der Seitenlinie aus zu unterstützen. „Als Eleanor anfing, Plätze auf dem Podium zu erklimmen, merkten wir, dass es für sie ernst ist“, bemerkte er. „Niemand nimmt an diesen Veranstaltungen leichten Herzens teil. Selbst wenn man an diesen Rennen teilnimmt und bis zum Schluss durchhält, erfordert dies große mentale Stärke. Deshalb kann ich mir kaum vorstellen, was es braucht, sie zu gewinnen.“ Eleanor, die an ihrem ersten Triathlon in der Nähe von St. Andrews in Schottland auf einem Mountainbike mit Fahrradkorb bis zum Ende teilnahm, weiß es. Sie meldet sich bei Wettbewerben heute als Profi an. „Triathlon fordert ebenso viel mentales Durchhaltevermögen wie körperliche Stärke, aber genau aus diesem Grund gehe ich immer wieder an den Start“, erklärte sie. „Zwar fordern die Ironman-Veranstaltungen dem Körper ziemlich viel ab, doch sie machen einem auch zutiefst bewusst, was man für eine gesunde Lebensweise tun kann. Man kann einfach von seinem Körper keine Leistung verlangen, wenn man nicht auf Ernährung, Schlaf und Immunsystem achtet.“ Trotz harter Konkurrenz gibt es viel Kameradschaft unter den Athlet/innen und echte Anerkennung und Respekt füreinander. „Draußen auf der Rennstrecke sieht man eine ganz besondere Seite menschlichen Geists“, sagte Eleanor.     CHARLIE HÄLT BIS ZUM ENDE DURCH EINE Person, die genau weiß, wie schwierig eine Ironman-Veranstaltung sein kann, ist Charlie Webster, Botschafterin der INEOS-Stiftung GO Run for Fun. Die britische TV-Sportmoderatorin beendete ihren ersten vollständigen Ironman Triathlon – den Ironman UK – in sechs Stunden, 20 Minuten und 21 Sekunden. „Bedenkt man, dass ich vor zwei Jahren nicht schwimmen konnte und erst im letzten Jahr mein erstes Fahrrad bekam, war ich überglücklich“, erklärte sie, nachdem sie 3,86 km geschwommen, 180 km Fahrrad gefahren und 42 km gelaufen war. „Das Wetter was so, wie ich es mir nicht wünschte“, sagte sie. „Wir hatten starken Wind, es regnete und war kalt. Doch die Unterstützung war erstaunlich. Ich hatte Mitleid mit den unglaublichen Zuschauerinnen und Zuschauern, die total nass wurden.“  

    6 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Weltweite kampagne erreicht ziel früher

    Go Run For Fun hat das Ziel sechs Monate schneller als geplant erreicht. Die Organisator/innen der weltweiten Laufveranstaltung hatten erhofft, die Zahl hunderttausendste/r Teilnehmer/in bei einer GO Run For Fun-Veranstaltung im Vereinigten Königreich bis Juli 2016 zu erreichen. Aber es war Jack Ryan, der in die Geschichtsbücher eingeht, als er beim von INEOS initiierten Spaßlauf als eines von knapp 1.000 Kindern aus 23 Grundschulen im Wavertree Stadion in Liverpool mitmachte. Dort feuerte ihn – und die anderen Kinder – der Sprinteuropameister Richard Kilty an. „Ich war bei sechs dieser Veranstaltungen überall im Land dabei, und es war wunderschön zu sehen, wie die Kampagne an Umfang und Spannung zunahm“, sagte er. „Es ist ein großer Tag für GO Run for Fun!“ Go Run For Fun in zahlen 189 Events wurden im Vereinigten Königreich, auf dem europäischen Kontinent und in den USA veranstaltet 106.288 Läuferinnen und Läufer haben die Ziellinie überquert 1.061 Schulen haben an der Kampagne teilgenommen 74 Sportler/innen waren als inspirierende Botschafter dabei, darunter Colin Jackson und Tanni Grey-Thompson 2.443 Freiwillige haben mitgeholfen, die Kleinen zum Laufen zu ermutigen  

    1 minute lesezeit Ausgabe 9
  • Visionärer ansatz

    Was tut man, wenn man ans Ziel gelangt ist? Oder, wie im Fall von INEOS, wenn man das vorgegebene Ziel ein halbes Jahr vorher erreicht? Man setzt sich neue Ziele INEOS – angetrieben vom Erfolg der globalen Laufinitiative GO Run For Fun – erweitert seinen Horizont, um bei der Erziehung einer Generation gesunder Kinder zu helfen. Es unterstützt die Vision der ehemaligen Schulleiterin Elaine Wyllie, dass jedes Schulkind dazu gebracht wird, täglich zu laufen, um etwas im Kampf gegen Adipositas bei Kindern zu leisten. Geplant ist die Einführung eines Bildungsprogramms rund um die preisgekrönten Dart-Cartoons, die Kindern die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung vermitteln sollen. Elaine leistete für „The Daily Mile“ an ihrer Grundschule im schottischen Stirling Pionierarbeit. In den vergangenen drei Jahren musste jedes Schulkind jeden Tag eine Meile (1,6 km) laufen oder gehen – nur zum Spaß. „Laufen ist die Belohnung“, sagte sie. Anfangs lag der Schwerpunkt von INEOS und Elaine auf dem Vereinigten Königreich, wo jedes dritte Kind als übergewichtig oder adipös eingestuft wird. Doch letztlich hoffen sie gemeinsam darauf, weltweit eine Wirkung zu erzielen. „Elaines Leidenschaft, Motivation und Begeisterung sind ansteckend“, bemerkte Ian Fyfe, HR Director der INEOS-Gruppe, der sie im Sommer bei der Flaggschiffveranstaltung GO Run For Fun im Olympic Park in London kennenlernte. Die GO Run For Fun-Veranstaltungen –bisher fanden im Vereinigten Königreich, auf dem europäischen Kontinent und in Amerika fast 200 statt – sind großartige Events und finden in ausgelassener Atmosphäre mit Prominenten statt, die Kinder inspirieren sollen. „Gewissermaßen ist The Daily Mile eine tägliche in der Schule abgehaltene GO Run For Fun-Veranstaltung“, sagte Ian. Das Ziel beider Veranstaltungen ist dasselbe – und wirkt sich positiv auf die Gesundheit und Selbstachtung der Kinder aus. „Wir beide haben für die Kinder den Anfang gemacht und ihnen gezeigt, wie viel Spaß es macht, im Freien aktiv zu sein, kleine Übungen zu machen und damit fitter und sportlicher zu werden“, sagte er. Elaine ist nun in Pension und nicht mehr Schulleiterin der St. Ninians School, wo sie dieses genial einfache System eingeführt hat, nachdem sie erfuhr, wie erschöpft die Schülerinnen und Schüler bereits nach dem Aufwärmen für die wöchentliche Sportstunde waren. Ihre Arbeit ist aber längst noch nicht abgeschlossen. Das GO Run For Fun-Team hat kürzlich zu einer Diskussionsrunde in den Queen Elizabeth Olympic Park eingeladen. Thema: Was muss im Vereinigten Königreich getan werden, um die zunehmende Adipositas im Kindesalter anzugehen? Elaine gehörte zu den vier Diskussionsteilnehmenden, die Charlie Webster, eine GO Run For Fun-Botschafterin und Fernsehsportmoderatorin, für ein Publikum aus Journalistinnen und Journalisten und Gästen moderierte. „Die Kindheit ist der Zeitraum, in dem die richtigen Botschaften zu Fitness und Ernährung verankert werden sollen“, sagte Dr. Paul Sacher, einer der Diskussionsteilnehmenden, der INEOS bei der Produktion von Lehrvideos für Kinder unterstützte. „Verpassen wir diese Chance, erfüllen wir unsere Aufgabe als Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und als Gesellschaft nicht.“ Alle vier Diskussionsteilnehmenden, zu denen auch Leen Heemskerk, Leiter der INEOS-Stiftung GO Run For Fun, und der „Marathonmann“ Rob Young gehörten, wollen eine Änderung des schulischen Lehrplans im Vereinigten Königreich dahingehend erreichen, dass sportliche Betätigung ab dem Grundschulalter den gleichen Stellenwert erhält wie Mathematik und Englisch. „Wir haben ein ernstes Problem da draußen“, sagte Paul. „Heutzutage ist es fast normal, übergewichtig zu sein.“ In Elaines ehemaliger Schule ist dies nicht der Fall. Kein einziges der 420 Kinder dort ist übergewichtig. „Sie sind schlank und beweglich“, erklärte sie. „Und in den Schulstunden aufmerksamer.“ Sie erzählte der Diskussionsrunde, dass die Schule nicht immer ein Abbild der Gesundheit war. 2012 besuchte sie, nachdem sie erfahren hatte, wie unsportlich ihre Kinder waren, mit einer Klasse den Sportplatz der Schule und bat sie, eine Runde um den Sportplatz zu laufen. Die meisten schafften gerade eine. Vier Wochen später – nach Einführung der „Daily Mile“ – liefen alle von ihnen mehr als eine Meile ohne anzuhalten. „Ich wusste, es würde sie fitter machen“, sagte sie. „Doch ich stellte Weiteres fest. Die Kinder hatten strahlende Augen, waren weniger aufsässig, hatten bessere Manieren und schienen glücklicher zu sein. Es verbesserte ihr geistiges und körperliches Wohlbefinden so sehr, dass sie Laufen jetzt normal finden.” In der St. Ninians-Schule verschwendet man keine Zeit darauf, sich Sportklamotten anzuziehen. Die Kinder laufen 15 Minuten lang in der Kleidung, die sie im Klassenraum tragen, und gehen anschließend wieder an die Arbeit. „Es kostet nichts und den Kindern gefällt es“, gab sie an. „Man braucht nur Begeisterung, keine Hilfsmittel.“ Die Stiftung GO Run For Fun teilt einen ganz ähnlichen Ansatz. INEOS startete die Initiative im September 2013 mit einer Spende von 1,5 Millionen britischen Pfund über drei Jahre, um Kinder dazu zu bringen, aus Spaß zu laufen. INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe, selbst leidenschaftlicher Läufer, hatte die Hoffnung, bis Ende Juli 2016 das Ziel von 100.000 Kindern in einer von 100 geplanten Veranstaltungen im Vereinigten Königreich zu erreichen. Bis heute wurden fast 200 Veranstaltungen durchgeführt, neben dem Vereinigten Königreich auch auf dem europäischen Kontinent und in Texas, USA. Das 100.000. Kind hat im November 2015 auf der Laufbahn des Wavertree Stadions in Liverpool die Ziellinie überquert – sechs Monate eher als geplant. „Wir sind begeistert über die Reaktionen aus aller Welt“, sagte der Leiter der Initiative, John Mayock, dreimaliger Finalist bei den Olympischen Spielen und Medaillengewinner bei den Commonwealth Games. „Es ist fantastisch, in welchem Ausmaß wir Fortschritte machen.“ Das Tempo wird sich fortsetzen, da INEOS mit weiteren Partnerschaften die Krankheiten unseres modernen Lebens bekämpfen wird.  

    5 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Ein neuer horizont

    Möglichkeiten können jederzeit unvermutet auftauchen. Das Geheimnis besteht darin, bereit zu sein, wie INEOS nur zu gut weiß INEOS könnte auf einem weiteren Goldschatz sitzen. Zunächst muss das Unternehmen jedoch die Europäische Union davon überzeugen, dass sie die 80 Milliarden Euro, die die EU kürzlich für Forschung und Innovation auf Weltniveau vorgesehen hat, in seine Ideen investieren sollte. „Dies ist eine große Chance für uns, da es sich mit so vielem deckt, woran wir bereits arbeiten“, sagte Greet Van Eetvelde, die das INEOS Carbon & Energy-Netzwerk leitet und das Team für den Themenbereich Forschung und Innovation anspornt. „Wir müssen einfach präsent sein und uns beteiligen, weil es so viel öffentliche Unterstützung gibt. Diese Organisationen können heute ein Projekt in der Industrie zu 100 Prozent finanzieren – ein fantastischer Anreiz für die Zusammenarbeit.“ INCH sprach mit Greet, nachdem die Europäische Union die letzte Finanzierung im Rahmen ihres Projekts Horizont 2020 angekündigt hatte – das größte Programm zur Förderung von Forschung und Innovation aller Zeiten. „Diese Investition will die chemische Industrie beleben“, sagte sie. In der europäischen Wirtschaft spielt die verarbeitende Industrie eine zentrale Rolle. Sie erzielt einen Umsatz von mehr als sieben Billionen Euro pro Jahr und beschäftigt drei Millionen Menschen direkt. In den vergangenen Jahren wurde die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas jedoch durch Energiekosten und restriktive Gesetzgebung schleichend untergraben. Die Unternehmen litten darunter, und infolgedessen die Budgets für Forschung und Innovation. Carlos Moedas, Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, erklärte, dass die EU etwas tun müsse, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. „Forschung und Innovation sind der Motor für Europas Fortschritt und unerlässlich, um die aktuellen schwerwiegenden Probleme wie Immigration, Klimawandel, saubere Energie und gesunde Gesellschaften anzugehen“, sagte er. Horizont 2020 startete am 1. Januar 2014. Über einen Zeitraum von sieben Jahren werden im Rahmen des Programms 77 Milliarden Euro investiert, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu unterstützen und die Grenzen menschlichen Wissens zu erweitern. Das Forschungsbudget der EU konzentriert sich hauptsächlich auf Verbesserung im täglichen Leben in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Transport, Lebensmittel und Energie. Außerdem zielt es darauf ab, die Zusammenarbeit des öffentlichen und privaten Sektors zu innovativen Lösungen zu vereinfachen. INEOS arbeitet hinter den Kulissen bereits eifrig an einigen Initiativen und ist als Mitglied bei einer Vielzahl von Organisationen wie SPIRE (Sustainable Process Industry through Resource and Energy Effency), SusChem und PlastEU, mit Horizont 2020 verbunden. All dies hat zur Wertschöpfung und zu einer zunehmenden Anerkennung von INEOS beigetragen. „Diese Plattformen gehen von einem ähnlichen Ansatz aus und zielen darauf ab, neue Denk- und Arbeitsweisen zu entwickeln, um in der europäischen Industrie in Hinblick auf Ressourcen und Energie zu mehr Effizienz zu gelangen“, sagte Greet. Bei INEOS leitet sie das Carbon & Energy Network. Es setzt sich aus mehr als 100 Vertreter/innen aller Geschäftsbereiche zusammen, die alle ein echtes Interesse daran haben, die Effizienz so nachhaltig wie möglich zu verbessern. Im Unterschied zu anderen Unternehmen verfügt INEOS nicht über eine eigene Abteilung für Nachhaltigkeit – und will dies auch nicht. Stattdessen ist für INEOS Nachhaltigkeit ein fundamentaler Bestandteil des Wirtschaftens. INEOS will, dass alle daran denken, das Unternehmen so zu führen, dass es für viele zukünftige Generationen Bestand hat. Dasselbe gilt für Greets Netzwerk, dessen Mitglieder überall im Unternehmen arbeiten. Für Greet geht es nicht in erster Linie ums Energiesparen. „Es geht darum, die sich bietenden Möglichkeiten beim Schopf zu packen und nicht zu verpassen“, erläuterte sie. „Wie immer, muss man erst Fehler machen, um daraus zu lernen. Doch wer nicht wagt, nicht gewinnt. Können wir klare Erfolge erzielen, so stehen uns hoffentlich weitere Investitionen für INEOS offen.“ Und das ist das Ziel der Gründung eines engagierten Forschungs- und Innovationsteams innerhalb des Carbon & Energy Network, das sich auf sich bietende Gelegenheiten konzentriert. Im Dezember 2015 hielt Greet auf dem 7. Europäischen Innovationsgipfel im Europäischen Parlament in Brüssel eine Rede. „Es ist so wichtig, geschäftliche Szenarien und Lösungen zu hinterfragen“, sagte sie. „Warum bauen wir Straßen nicht aus Kunststoff? Es geht nicht ums Nach-, sondern ums Querdenken.“ Sie sagte, es sei unerlässlich, für alle Schlüsselindustrien – die chemische Industrie, die Stahlindustrie, die Zement- und Mineralindustrie, die Biowissenschaften und die Maschinenindustrie – Möglichkeiten zu finden, um aus ihren Prozessen das meiste herauszuholen, indem Abfallströme und Ressourcen geteilt werden. Diese Entwicklung, die ihrer Ansicht nach entscheidend ist, wenn die Industrie sich den künftigen Herausforderungen angemessen stellen will, wird gegenwärtig aufgrund der geringen Kenntnisse über die Prozesse der anderen Industrien verhindert. „Wir müssen von linearen Wertketten zu industrieller Symbiose übergehen“, erklärte sie. „All diesen Industriezweigen ist mehr als sie erkennen gemein, und sie können effizienter zusammenarbeiten. Lasst sie Grenzen überschreiten.“ Greet sagte, dass INEOS Technologies in Frankreich gerade ein auf vier Jahre angelegtes europäisches Projekt startet, um Wege für eine bessere Zusammenarbeit zwischen den sechs globalen Prozessindustrien zu finden, um Energie, Geld und Ressourcen zu sparen. Die Idee für das EPOS-Projekt im Umfang von 5,1 Millionen Euro – 3,7 Millionen Euro davon werden über die Europäische Union finanziert und 1,4 Millionen Euro von der Schweizer Regierung – ist durch SPIRE entstanden. „Als die Industrien kürzlich bei einem Treffen zusammenkamen, dachten sie, es gäbe keine Gemeinsamkeiten. Der Mediator bat sie also, es wie eine Speed Dating-Übung zu behandeln“, sagte sie. „Innerhalb von Minuten stellten sie fest, sie können zusammenarbeiten. In etwa so: Oh, ihr habt dies, wir brauchen das.“ All die Plattformen, Programme und Projekte – SPIRE, Horizont 2020 und SusChem – sind darauf ausgerichtet, die Welt nachhaltiger zu machen. „Wir haben begrenzte Ressourcen“, sagte Greet. „Also müssen wir unser Denken so auf den Prüfstand stellen, wie wir es bisher noch nicht taten.“ Dank der letzten Förderung durch das Horizont 2020-Programm der Europäischen Union scheint dies möglich zu sein. INEOS kriegt was vom kuchen ab Es ist nicht das erste Mal, dass INEOS die Europäische Union für sich einnimmt. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen hat INEOS erfolgreich Investitionen in Millionenhöhe für Projekte beschafft, die zur Verbesserung der Energieeffizienz, zur Beendung von Ressourcenverschwendung und zur Reduktion von Emissionen beigetragen haben. Proaktiv daran mitgewirkt haben INEOS O&P in Köln, INEOS Oxide in Belgien, INEOS Paraform (eine Gesellschaft der INEOS Enterprises) in Deutschland, INEOS Chlor im Vereinigten Königreich und jüngst INEOS Technologies in Frankreich. „All diese Projekte wurden entweder erfolgreich abgeschlossen oder laufen noch“, sagte Greet Van Eetvelde, Leiterin der Cleantech Initiatives. INEOS Paraform erhielt eine Finanzierung durch die EU für die Einführung einer neuartigen Reinigungstechnik, um die Abluft beim Herstellungsprozess von Paraformaldehyd zu behandeln. Die Anlage, die am Standort Mainz seit 1856 Chemikalien produziert, musste ihre Emissionen drastisch verringern. „Zu dem entsprechenden Zeitpunkt gab es keine praktikable Technologie, um die Situation zu verbessern, daher war die Anlage mit einer Ausnahmegenehmigung betrieben worden“, sagte Projektleiter Horst Schmolt. INEOS führte in einem Labor Tests durch und eine Versuchsanlage zeigte, dass die Emissionspegel erheblich dadurch gesenkt werden könnten, dass man einen Plasmakatalysator zur Abluftbehandlung einsetzte. „Das war in unserer Branche noch nie gemacht worden“, erklärte Horst. „Und es funktionierte.“ Unterdessen beteiligte sich INEOS Chlor im Vereinigten Königreich an der Beschaffung von Investitionen für die Entwicklung eines neuen Computersystems, mit dem sich Anlagen effizienter betreiben lassen, und INEOS Oxide in Belgien arbeitete mit Vertreter/innen von 17 Unternehmen aus Frankreich, Deutschland, Spanien, Norwegen, Russland, Italien und aus dem Vereinigten Königreich zusammen, um Investitionen für die Entwicklung einer neuen Methode zu erhalten, mit der man aus Erdgas Flüssigbrennstoffe produziert. Dr. Stefan Krämer, Energiemanager am Standort von INEOS O&P in Köln, befasst sich derzeit mit zwei Projekten, die mit insgesamt 5,5 Millionen Euro von der EU finanziert wurden. Eines davon erstellt ein System, mit dem es Betreibern großer integrierter chemischer und petrochemischer Anlagen ermöglicht wird, Ressourcen und Energie effizienter zu managen, ohne die Produktion zu beeinträchtigen. Dieses System wird zurzeit entwickelt, damit es von anderen Industrien mit vergleichbarer Produktionsanordnung genutzt werden kann. Mit dem zweiten Projekt wird eine Verbesserung der Zuverlässigkeit und Effizienz großer zusammenhängender Systeme angestrebt wie zum Beispiel Stromversorgungssysteme, Kontrolltürme im Flugverkehr, Bahnstationen und große industrielle Produktionsanlagen. Kürzlich profitierte auch INEOS Technologies in Frankreich davon, das derzeit ein auf vier Jahre angelegtes europäisches Projekt startet, mit dem Wege für eine bessere Zusammenarbeit der sechs globalen Prozessindustrien gefunden werden sollen, um Energie, Geld und Ressourcen zu sparen. Greet sagte, es sei unerlässlich, dass alle Schlüsselindustrien – die chemische Industrie, die Stahlindustrie, die Zement- und Mineralindustrie, die Biowissenschaften und die Maschinenindustrie – Möglichkeiten fänden, Abfallströme und Ressourcen zu teilen. „Allen diesen Industrien ist mehr gemein, als sie erkennen, und sie können effizienter zusammenarbeiten“, erklärte sie.  

    11 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Aber sicher!

    Sprechen Unternehmen über Sicherheit, verzetteln sie sich gern in Statistiken und Verfahren. Aber das ist das letzte, was INEOS will, erklärt Simon Laker THOMAS Edison sagte einst den berühmten Satz: Verdammt, es gibt hier keine Regeln, wir versuchen, etwas zu erreichen. Als Unternehmen kann INEOS dieser Einstellung etwas abgewinnen, bemüht sich darum, anders zu sein und begrüßt es, wenn die Beschäftigten kalkulierte Risiken eingehen. Doch ist die Sicherheit betroffen, kann gegen Regeln absolut nicht verstoßen werden. Sie dienen dem Schutz von Menschen – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens – und sollen vor Schaden bewahren. „Niemand sollte jemals von INEOS mit einer Verletzung nach Haus gehen, schon gar nicht mit einer Verletzung, die das Leben verändert, oder – schlimmer noch – niemand sollte gar nicht mehr nach Haus gehen können“, sagte Simon Laker, INEOS Group Operations Director, der in Lyndhurst im Vereinigten Königreich arbeitet. Es gibt Regeln zur Sicherheit nicht nur, damit alle sie verstehen, sondern damit alle dafür auch leben. „Man kann manchmal leicht die Geisteshaltung aus den Augen verlieren, die hinter allem steht, was wir tun wollen“, erklärte Simon. „Wir sind keine Maschinen. Entscheidungen werden von Menschen getroffen, und wenn wir bei diesen Entscheidungen jeden Tag alles richtig machen, verhindern wir Verletzungen und große Zwischenfälle.“ Obwohl jeder einzelne INEOS-Geschäftsbereich für die eigenen Sicherheitsprogramme verantwortlich ist, hat INEOS ein konzernweites Verfahren für Sicherheit, da an allen Standorten ähnliche Vorfälle passieren können und der Austausch und die Weitergabe vorbildlicher Verfahren entscheidend ist. „Wir verlassen uns nicht darauf, Glück zu haben“, sagte Simon. „Sicherheit ist bewusstes Risikomanagement. Die Sicherheit, dass Menschen nicht verletzt werden, basiert auf der Bewertung, die wir für Risiken vornehmen, und auf den Entscheidungen, die wir zur Beseitigung oder Einschränkung dieser Risiken fällen. Wenn wir Fehler machen, wird jemand verletzt.“ Die häufigsten und schwersten Zwischenfälle bei INEOS haben überall im Konzern, der mehr als 17.000 Beschäftigte an 65 Standorten in 16 Ländern hat, zu einer Reihe von Sicherheitsinitiativen geführt. 2012 führte INEOS die 20 SHE-Prinzipien ein, nachdem neben wichtigen Ereignissen außerhalb des Unternehmens Vorfälle bei INEOS aus acht Jahren analysiert worden waren, einschließlich der Explosion im Erdöldepot in Buncefield im Vereinigten Königreich im Dezember 2005, bei der 43 Beschäftigte verletzt wurden, als Tausende Liter Öl aus einem Lagertank ausflossen und in Brand gerieten. INEOS‘ Ursachenanalysen – und Lösungen –, um sicherzustellen, dass ein Vorfall nicht erneut auftritt, sind in diesen 20 SHE-Prinzipien enthalten. Alle drei Jahre werden alle Standorte geprüft, um sicherzustellen, dass alles Nötige dafür getan wird. „Seit die 20 SHE-Prinzipien eingeführt wurden, haben wir alle schweren Zwischenfälle überprüft und haben festgestellt, dass die Zwischenfälle passiert sind, weil einer oder mehrere Grundsätze nicht beachtet wurden“, sagte Simon. „Wir sind davon überzeugt, alle Zwischenfälle mit Beschäftigten und Prozessen bei INEOS eliminieren zu können, wenn alle die 20 SHE-Prinzipien umsetzen und sich daran halten.“ „Beste Praktiken“ werden in den INEOS Group Guidance Notes geteilt. Zurzeit erstellt der Konzern 16 Kapitel, die vom Umgang mit Korrosion bis zur Benennung sicherheitskritischer Alarmhinweise alles beinhalten, und derzeit werden drei weitere erstellt. „Alle drei waren durch wiederholte Vorfälle getriggert, die diese kritischen Aktivitäten betrafen“, erläuterte Simon. Die Guidance Notes und die SHE-Prinzipien sind kraftvolle Werkzeuge, damit die Beschäftigten fokussiert bleiben auf das, was getan werden muss, damit alle vor Schaden bewahrt werden. Es handelt sich um einen fortwährenden Prozess von Schulung, Feedback und Prüfung. Doch es ereignen sich immer noch Unfälle. „Wir sind noch nicht perfekt“, sagte Simon. „Aber wir müssen danach streben.“ Spezielle Lücken – also Bereiche, für die INEOS immer noch auftretende Unfälle feststellte– wurden nunmehr mit den 7 Leben rettenden Regeln geschlossen. Sie wurden aufgrund des Potenzials für gravierende Verletzungen in diesen Bereichen eingeführt. Alle, die eine dieser Regeln – von Höhenarbeiten bis zum Alkoholkonsum bei der Arbeit – wissentlich missachten, werden mit unverzüglicher Entlassung konfrontiert. In den vergangenen sechs Jahren verbesserte sich die Sicherheitsbilanz von INEOS um das Dreifache. Doch trotz einer Reduzierung der OSHA-Häufigkeitsrate der Arbeitsunfälle von 1,13 auf 0,40 ist Simon der Ansicht, dass man immer noch Erkenntnisse dazugewinnen kann. SHE-Alerts – das sind simple DIN A4-Seiten mit Informationen zu einzelnen Unfällen und den ergriffenen Maßnahmen, um ein erneutes Auftreten zu verhindern – werden im Konzern verteilt. Dies gilt auch für HIPOs (High Potential Incident Alerts, Unfälle mit hohem Gefährdungspotenzial), bei denen etwas hätte passieren können, aber nicht passiert ist. Sie sind ebenso wichtig und werden im Konzern geteilt. Aufgrund ihrer Beschaffenheit wird die chemische Industrie immer ein potenziell gefährlicher Arbeitsplatz sein, doch können Unfälle und Vorfälle vermieden werden, wenn die Regeln befolgt werden. Simon ist optimistisch, was die Zukunft betrifft. Kann INEOS also alle Verletzungen verhindern? „Auf alle Fälle“, sagt er. „Werden die Risiken einer Arbeitsaufgabe von sachkundigen Beschäftigten umfassend bewertet, werden die Risiken eingedämmt. Und wird eine bewusste Entscheidung gefällt, ein Restrisiko als unbedenklich zu akzeptieren, dann sollte niemals etwas schief gehen.“ Er sagte, leider hätten die Beschäftigten keinen unbegrenzten Zeitraum für die Bewertung von Risiken zur Verfügung, weshalb eine bewusste Entscheidung getroffen werden müsse, wenn ein akzeptables Gefährdungsniveau erreicht wäre. „Ist dies keine bewusste Entscheidung, verlässt man sich auf das Glück, ob ein Risiko weiterhin besteht oder nicht“, sagte er, „Ist uns etwas entgangen, können wir uns auf ein solides Meldesystem für Beinahe-Unfälle stützen, um das Problem zu ermitteln, bevor es zu einem Unfall führt. Daher ist die Meldung von Beinahe-Unfällen so wichtig, damit die Sicherheit der Beschäftigten weiterhin gewährleistet ist. Wir verlassen uns nicht auf Glück.“ Kann INEOS alle Prozesszwischenfälle verhindern? „Unbedingt“, sagt Simon, „wenn wir gut ausgebildete Beschäftigte haben, die ordnungsgemäß konzipierte, geprüfte und instand gehaltene Anlagen in bekannten Betriebsbereichen betreiben. Ist einer dieser Faktoren nicht gegeben, entweder aufgrund mangelnden Wissens oder einer falschen Entscheidung, dann wird es an einem bestimmten Punkt zu einem Zwischenfall kommen, normalerweise eine Freisetzung. Dann hängt es nur noch vom Glück ab, wie schlimm dies sein wird. Sollten wir also feststellen, dass eine Situation unser Wissen überschreitet, dann müssen wir unsere Arbeit stoppen, die Situation sichern und Menschen hinzuziehen, die über die entsprechenden Kenntnisse verfügen. Wir verlassen uns nicht auf Glück.“  

    6 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Können wir die ökonomie entkarbonisieren?

    Während die globale Führung sich in Paris traf, um über einzelne Schritte zur Reduzierung der Treibhausemissionen zu diskutieren, stellte INCH die Frage, ob eine Entkarbonisierung der Energie möglich sei DIE britische Regierung hat den teuren Weg eingeschlagen. Mit der Wahl erfolgreicher Technologien und der Subvention gewaltiger Programme, wie zum Beispiel das geplante Atomkraftwerk, ergreift die Regierung Maßnahmen, die zu höheren Rechnungen und einer geringeren Reduktion der Emissionen führen. Stattdessen sollten wir auf einfache, direkte Maßnahmen setzen, die darauf abzielen, CO2-Emissionen mit einem Preisschild zu versehen und die Entscheidung, wie Emissionen am besten reduziert werden, anschließend Unternehmen, Haushalten und Energieunternehmen überlassen.Professor Philip Booth, Editorial and Programme Director am Institute of Economic Affairs in London, Vereinigtes Königreich WOLLEN wir die Entkarbonisierung herbeiführen, müssen wir die Führung der Weltwirtschaft reformieren. Dazu benötigen wir drei Dinge. Zunächst brauchen wir einen weltweit gültigen CO2-Preis. Die Festsetzung höherer Preise für Waren und Dienstleistungen mit einer schlechten CO2-Bilanz bietet einen größeren Anreiz für die Reduzierung von Emissionen. Die Vorschriften für den internationalen Handel und für Investitionen sollten zudem den Klimawandel miteinbeziehen. Auch wenn in den letzten Jahren nur wenige Fortschritte gemacht wurden, bleibt die Welthandelsorganisation (WTO) ein Forum, in dem globale Regelungen konzipiert und umgesetzt werden. Ein Verhandlungsabschluss der Doha-Runde würde ermöglichen, dass mehr Umweltfragen auf die künftige Tagesordnung gesetzt würden. Wenn langfristige Investitionen mit niedriger CO2-Bilanz gefördert werden sollen, ist es schließlich erforderlich, das internationale Finanzsystem so zu reformieren, dass Geschäftsbanken in Projekte mit geringem CO2-Ausstoß investieren. Bei den gegenwärtig geltenden Regelungen gibt es dafür wenig oder keinen Handlungsspielraum. Setzen wir unser Augenmerk auf das Pariser Abkommen, dann ist dies lediglich der erste Schritt. Es wird nicht ausreichen, da viele weitere Akteure auf den Plan treten müssen, wollen wir die Lenkungsformen der Weltwirtschaft reformieren. Nach Paris muss es kontinuierlich weiter gehen.Deutsches Institut für Entwicklungspolitik BEI der Energieversorgung ist dynamischer Wandel eingetreten, doch dieser muss rascher passieren. Es bestehen keine großen wirtschaftlichen oder technischen Barrieren für eine Entwicklung, mit der bis 2050 zu 100 Prozent erneuerbare Energien erreicht werden. Dieser Sektor liefert den Wandel, doch um zu gewährleisten, dass dies rechtzeitig erfolgt, ist politisches Handeln erforderlich. Es liegt in der Verantwortung von führenden Politiker/innen sowie Wirtschaftsführer/innen, die Industrie in Richtung erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu lenken, die Verbraucher/innen dahingehend zu beeinflussen und die Märkte entsprechend zu stimulieren.Greenpeace KLIMAWANDEL ist ein großes Problem und erfordert umfassende Technologien. Der Herausforderung der Entkarbonisierung lässt sich mit neuen nuklearen Kraftwerken, Erdgasanlagen und Offshore-Windparks – wenn die Kosten sinken – begegnen. Doch es ist wichtig, innezuhalten und folgende Frage zu stellen: „Wofür entkarbonisieren wir?“ Klimamaßnahmen dienen unserer künftigen wirtschaftlichen Sicherheit. Doch der Klimawandel ist ein globales Problem, kein lokales. Maßnahmen eines Staates werden das Problem nicht lösen. Nur, was wir gemeinsam tun, zählt. Es wird nicht von einer Gruppe übermüdeter Politiker/innen und Verhandlungspartner/innen in einem Kongresszentrum gelöst. Es wird Maßnahmen von Unternehmen, der Zivilgesellschaft, von Städten, Regionen und Ländern erfordern. Lassen Sie uns ehrlich sein und zugeben, dass wir heutzutage nicht alle Antworten auf die Frage der Entkarbonisierung haben. Wir müssen Technologien entwickeln, die sowohl kostengünstig als auch umweltfreundlich sind. Wir müssen auf einen Markt hinarbeiten, in dem der Erfolg durch Wettbewerbsfähigkeit bedingt ist. Nicht durch die Fähigkeit, mit Lobbyarbeit auf die Regierung Einfluss zu nehmen.Amber Rudd, Energieministerin der britischen Regierung DIE Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist nicht neu, aber die Dringlichkeit dessen, was wir seit Jahrzehnten wissen, nimmt zu: Wir müssen den Wandel zu einer umweltfreundlichen und ressourceneffizienten globalen Wirtschaft mit niedriger CO2-Bilanz schaffen, um das Risiko des gefährlichen Klimawandels einzudämmen. Das ist offensichtlich, doch einen wichtigen Beteiligten an diesem Übergang hat man weitgehend übersehen: den Finanzsektor. Er spielt eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung globaler Emissionen von Treibhausgasen in dem erforderlichen Tempo und Umfang, denn zunächst einmal – und dies ist am ehesten offensichtlich – befindet sich dort das Geld. Für Investitionen in die rasche Entwicklung einer kohlenstoffarmen Energieinfrastruktur, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, sind große Mengen an Kapital erforderlich. Die potenzielle Rolle, die institutionelle Investor/innen bei der Beschäftigung mit dem Klimawandel spielen können, geht weit über das Thema der Infrastrukturfinanzierung hinaus. Institutionelle Investor/innen sind mehr als nur Kapitalgebende für Infrastruktur: Sie sind Eigentümer/innen großer Teile der Weltwirtschaft und deren Gläubiger/innen. Ganz einfach gesagt: Verteilen institutionelle Investor/innen Kapital nicht von Investitionen mit hoher CO2-Bilanz zu solchen mit niedriger CO2-Bilanz um, insbesondere bei Eigenkapital und Verbindlichkeiten von Unternehmen, wird ein Übergang zu einer Wirtschaft mit niedriger CO2-Bilanz praktisch unmöglich.Achim Steiner, Exekutivdirektor von UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) und Untergeneralsekretär bei den Vereinten Nationen  

    5 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Zusammenschluss schafft erfolgreiche Kombination

    INEOS und Solvay haben ihre Chlor-Vinyl-Geschäftsbereiche zusammengelegt, um Kunden bessere Geschäftsabschlüsse zu bieten – und sie im Zentrum von Europas chemischer Industrie zu halten. INOVYN ist nun einer der drei größten PVC-Produzenten der Welt. „Hier handelt es sich nun wahrhaftig um ein Unternehmen im Weltmaßstab. Es verfügt über einen guten Standort, um rasch auf sich verändernde europäische Märkte zu reagieren“, sagte Chris Tane, CEO von INOVYN. An die Nachricht, dass das Joint Venture die Genehmigung der Europäischen Kommission erhalten hatte, schlossen sich im September 2015 rasch weitere Bekanntgaben an. Diese beinhalteten die Außerbetriebsetzung des letzten verbliebenen Quecksilberzellengebäudes in Runcorn im Vereinigten Königreich, um die EU-Anforderungen zu erfüllen, die geplante dauerhafte Schließung der PVC-Produktionsanlage in Schkopau, Deutschland, und die geplante große Investition in eine Produktionsanlage an den belgischen Standorten Antwerpen/Lillo. In Schkopau war die Produktion seit Dezember 2014 ausgesetzt, da der VCM-Liefervertrag mit DOW abgelaufen war und leider alle Versuche, einen neuen wettbewerbsfähigen, langfristigen Vertrag abzuschließen, fehlgeschlagen waren. In Belgien hatten hingegen die Arbeiten an einer Großanlage – unter Verwendung neuester Technologie – begonnen, um INOVYNs Position als Europas führender Lieferant von Kaliumhydroxid zu stärken. INOVYN mit der Zentrale in London beschäftigt mehr als 4.300 Menschen an 18 Produktionsstandorten in acht Ländern. Das Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 3,5 Milliarden Euro. Es stellt jedes Jahr 40 Millionen Tonnen Chemikalien her, die für fast alle Aspekte der modernen Gesellschaft verwendet werden, für Menschen, die gesund und vernetzt bleiben wollen. Bestandteil des Geschäfts ist, dass Solvay mit einer starken Tradition in der Chlor-Vinyl-Industrie 2018 aus dem Joint Venture rausgehen wird und INEOS Alleineigentümerin wird.  

    2 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Zusammenschluss schafft erfolgreiche Kombination

    INEOS eröffnet in London eine neue Niederlassung, die unsere wachsenden Aktivitäten im Vereinigten Königreich vertritt. Die Büros werden Heimat einer Reihe von INEOS-Geschäftsbereichen im Vereinigten Königreich sein, einschließlich der Erdöl- und Gassparte sowie des Logistik- und Handelsgeschäfts. Ferner wird das Gebäude der Sitz des Joint Ventures INOVYN sein, das 14 Produktionsstandorte in Europa kontrolliert, unter anderem den großen Standort Runcorn, Cheshire. „Das macht wirklich Sinn“, sagte Jim Ratcliffe, INEOS-Vorstandsvorsitzender und -Gründer. „Obwohl INEOS Geschäftsinteressen weltweit verfolgt, ist das britische Erdöl- und Gasgeschäft momentan unser Hauptschwerpunkt.“ Rolle in der Schweiz bleibt die Firmenzentrale für den INEOS-Konzern und eine Reihe gut eingeführter INEOS-Geschäftsbereiche. INEOS bezeichnet sich nun offiziell als anglo-schweizerisches Unternehmen.  

    2 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • INEOS startet Reaktor in USA erneut

    INEOS nimmt einen Reaktor in den USA, der vor drei Jahren wegen schwieriger Marktbedingungen abgeschaltet wurde, erneut in Betrieb. Obwohl die Bedingungen nach wie vor nicht einfach sind, hat INEOS Nitriles die wachsende weltweite Nachfrage nach Acrylnitril – dem wichtigsten Inhaltsstoff von Acryl- und Kohlefasern – und der Zugang zu günstigen Rohmaterialien in den USA Auftrieb gegeben. INEOS Nitriles ist der weltweit größte Produzent von Acrylnitril und Acetonitril. Der Betrieb in Green Lake, Texas, ist einer der größten und effizientesten der Welt und wird in der Lage sein, 545.000 Tonnen Acrylnitril pro Jahr herzustellen. Weiterverarbeitende Betriebe verwenden Acrylnitril zur Herstellung synthetischer Fasern, technischer Kunststoffe, Kohlefasern, synthetischem Kautschuk und wasserlöslichen Polymeren. Diese Produkte finden unter anderem in Automobilteilen, Kleidung, Baustoffen, Haushaltsgeräten und Sportausrüstung Anwendung. „Ziemlich sicher begegnet jeder Mensch täglich Acrylnitril“, sagte Commercial Director Gordon Adams. Außerdem gab es gute Nachrichten für INEOS Nitriles in Seal Sands in Form der Zusage, dass im nächsten Jahr in den geplanten Turnaround investiert werde. Zu INEOS Nitriles gehören weltweit vier Standorte, zwei in Nordamerika, und je einer in Deutschland und im Vereinigten Königreich. Die Acrylnitrilproduktion in der Anlage in Green Lake war im Januar 2014 aufgrund „untragbarer Margen“ halbiert worden.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Im Rampenlicht

    INEOS‘ gemeinnützige Organisation GO Run For Fun nahm im Oktober 2015 am Wettbewerb um zwei Filmpreise in Cannes teil – und gewann beide. Bei den Cannes Corporate Media & TV Awards, einem der wichtigsten Festivals in der audiovisuellen Sparte von Unternehmen, wurde GO Run For Fun für die pädagogischen Cartoons Dart TV ausgezeichnet. GO Run For Fun hat die Cartoons für Schulen in Auftrag gegeben, um Kinder zu einem gesünderen und aktiveren Leben anzuregen. INEOS-Vorstandsvorsitzender und Stiftungsgründer Jim Ratcliffe, selbst passionierter Läufer, schloss sich dem Dart TV-Produktionsteam des Londoner Produktionsteams Media Zoo im Palm Beach, Cannes, an, um die Preise für das beste CSR-Programm und das beste Webisode-Programm entgegenzunehmen. GO Run For Fun wurde vor zwei Jahren gegründet. Seitdem nahmen mehr als 100.000 Kinder aus aller Welt daran teil. „Das hat all meine Erwartungen übertroffen“, sagte Jim. Die Dart-Cartoons gibt es hier: www.gorunforfun.com.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • INEOS gibt gute neuigkeiten bekannt

    INEOS hat sich verpflichtet, einen dritten Gaskracker in Europa mit dem Ethan zu beliefern, das es aus Amerika zu importieren beabsichtigt. Dem Geschäft mit der ExxonMobil Chemical Ltd. und der Shell Chemicals Europe BV wurde im November 2015 endgültige Form gegeben. Ab Mitte 2017 wird INEOS aus US-amerikanischem Schiefergas gewonnenes Ethan von dem neuen Importteminal in Grangemouth per Pipeline zur Fife Ehtylene-Anlage in Mossmorran geleitet. „Dieser Vertrag ist für alle Beteiligten richtungsweisend“, sagte Geir Tuft, Business Director bei INEOS O&P UK. „Wir wissen, dass Ethan aus US-amerikanischem Schiefergas die Produktion in den USA verändert hat, und wir stellen nun fest, dass dieser Vorteil an Schottland weitergegeben wird.“ INEOS liefert nun Ethan aus US-amerikanischem Schiefergas an seine Standorte im norwegischen Rafnes und nach Grangemouth sowie an die Fife Ethylene-Anlage in Schottland.  

    1 minute lesezeit Ausgabe 9
  • Der süße Duft des Erfolgs

    INEOS hat für fast 63 Millionen US-Dollar ein Aromatengeschäft erworben. INEOS Phenol wird die Kumolfabrik der Axiall Corporation in Pasadena in Texas, USA, übernehmen und das Geschäft mit Phenol, Aceton und alpha-Methylstyrol (AMS) in den INEOS Phenol-Standort nach Mobile, Alabama, verlagern. Derzeit arbeiten am Standort Pasadena, der 1979 den Bertrieb aufgenommen hatte und heute 900.000 Tonnen Kumol pro Jahr herstellt, 43 Menschen. Kumol wird zur Herstellung von Phenol und Aceton verwendet, die beide für eine Reihe von Alltagsprodukten eingesetzt werden, unter anderem für Sperrholz, Kunststoffe, Arzneimittel, Lacke, Acryl und Firnisse. CEO Hans Casier sagte, dass INEOS Phenol durch den Erwerb dieser qualitativ hochwertigen, an einem guten Standort angesiedelten Anlagen eine ausgezeichnete Möglichkeit gegeben werde, die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern. „Wir sind bereits führender Hersteller von Phenol und Aceton“, erklärte er. „Wir beabsichtigen aber, unser Unternehmen durch ausgewählte Investitionen in neue Anlagen und neue Technologien weiterzuentwickeln, zu expandieren und unseren Kundenstamm zu erweitern.“  

    2 minuten lesezeit Ausgabe 9
  • Die neunmilliarden - menschen-frage

    Die Weltbevölkerung wächst. Wenn wir als Gattung Mensch auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen überleben wollen, muss Nachhaltigkeit bei allen ganz oben auf der Agenda stehen. Doch wie kann bei einer Weltbevölkerung, die 2050 voraussichtlich auf über neun Milliarden angewachsen sein wird, beides gelingen? Dies ist die Neun- Milliarden-Menschen-Frage. Und die Meinungen gehen auseinander. Großbritanniens bekanntester Dokumentarfilmer zu Naturkundethemen, Sir David Attenborough, ist niemand, der ein Blatt vor den Mund nimmt. Und er neigt auch nicht zur Übertreibung. Während der letzten vier Jahrzehnte hat er beobachtet, wie der Mensch Teile der Natur in einem solchen Umfang zerstört hat, dass Tiere dort ausgestorben sind. Er war im wahrsten Sinne des Wortes Zeuge, wie sich die Natur vor seinen Augen verändert hat. Und er macht die Bevölkerungszunahme dafür verantwortlich. „Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass dies die Grundursache all unserer Probleme ist, speziell unserer ökologischen Probleme“, äußerte er in einem kürzlich erschienenen Interview des Wellcome Trust. „Mir fällt kein einziges Problem ein, das nicht einfacher zu lösen wäre, wenn es weniger Menschen gäbe.“ Er verwies darauf, dass sich die Weltbevölkerung im Verlauf seiner Karriere verdreifacht habe. „Könnten wir dies eindämmen, hätten wir vielleicht eine bessere Chance, mit den Problemen zurechtzukommen, aber das können wir nicht“, erklärte er. „Das Beste, was wir tun können, ist das Tempo der Zunahme zu verlangsamen. Ich danke Gott, dass es sich bei den Verwaltern des Trust um Wissenschaftler/innen, nicht um Politiker/innen handelt.“ In einem Interview, das im vergangenen Jahr im INCH Magazine erschien, sagte Jonathon Porritt, einer der führenden Umweltschützer weltweit, er vertraue auch darauf, dass die chemische Industrie eine entscheidende Rolle dabei spielen werde, die Probleme der Nachhaltigkeit anzugehen. Und das ist der Fall. Seit dem historischen ersten „Earth Summit“, der 1992 in Rio de Janeiro stattfand, hat die chemische Industrie weltweit dazu beigetragen, Bauern in die Lage zu versetzen, nachhaltige landwirtschaftliche Verfahren zu übernehmen und sicherzustellen, dass immer mehr Menschen Zugang zu saubererem und unschädlichem Trinkwasser haben. Weitere Arbeiten haben zu medizinischen Durchbrüchen geführt, die Art und Weise der Energienutzung transformiert und dazu beigetragen, Treibhausgase zu verringern. Der Internationale Rat der Chemieverbände, das weltweite Sprachrohr der chemischen Industrie, erklärte, dass diese Fortschritte das Resultat innovativer Ideen, Technologien und Prozesse seien, die alle durch Chemie ermöglicht würden. INEOS ist eines dieser Unternehmen, das an der Entwicklung innovativer, nachhaltiger Lösungen für komplexe und schwierige Probleme arbeitet, weil es erkennt, dass es einen enormen Einfluss darauf haben kann, was derzeit – und künftig – in der Welt getan wird. Eines seiner Produkte, das die Ernährung und Gesundheit der Welt enorm verändert, ist Acetonitril. Es wird für die Herstellung wesentlicher Arzneimittel wie z. B. Insulin und Antibiotika verwendet und spielt ferner bei der Krebstherapie eine wichtige Rolle. Das transparente flüssige Lösungsmittel wird auch für die Herstellung von Agrochemikalien verwendet, die höhere Ernteerträge sichern. INEOS deckt derzeit ca. die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach Acetonitril. Und ein Großteil dessen, was INEOS nicht selbst produziert, wird anhand seiner Technologie von anderen Unternehmen in Lizenz hergestellt. Die Menschheit ist zweifellos mit schwierigen Fragen in Verbindung damit konfrontiert, wie der Planet nach 2050 neun Milliarden Menschen erhalten soll. Der Bedarf an Lebensmitteln steigt, die natürlichen Ressourcen sind angegriffen und durch den Klimawandel hat sich die Notwendigkeit ergeben, neue kohlenstoffarme Energiequellen zu schaffen. Tim Benton, Professor für Populationsökologie an der Universität im britischen Leeds und Experte für Lebensmittelsicherheit, erklärte die Welt, die uns gibt, was wir möchten, für endlich – und die Menschen müssten dies verstehen und anerkennen. „Nur auf diese Weise werden wir uns jemals der Nachhaltigkeit annähern“, sagte er. „Die Nachfrage ist die tödliche Ursache. Und wenn wir die Nachfrage nicht angehen, werden wir Land und Wasser ausbeuten und den Klimawandel beschleunigen.“ Im Jahr 2050 wird der Planet ein Drittel mehr Menschen ernähren müssen, aber das Land, das bewirtschaftet werden kann, ist begrenzt. „Sicherlich kann unsere Nutzung des Landes durch den technischen Fortschritt effizienter werden, aber wir können nicht mehr und mehr aus immer weniger herausziehen“, erläuterte Tim. „Die einzige Möglichkeit, dass wir uns jemals der Nachhaltigkeit annähern, besteht darin, unsere Nachfrage zu mäßigen.“ Laut Tim erzeuge die Welt gegenwärtig genügend Kalorien für zwölf Milliarden Menschen, aber die Menschen in den Industrieländern würden zu viel essen, ein erheblicher Teil werde auf die Fütterung des Viehbestandes verwandt und der Rest werde verschwendet. „Es geht nicht um Formeln und einzelne Nährstoffe oder 3-D-Drucker“, so Tim. „Es geht um die Entwicklung von Belastbarkeit, die Reduzierung der Verschwendung und die Änderung unserer Ernährung. Künftig kann die Agrarindustrie nicht auf der Mentalität beharren: ‚Die Nachfrage steigt, wir müssen sie decken, koste es, was es wolle‘. Es muss sich einfach ändern.“ Friends of the Earth, das seit über 40 Jahren Kampagnen veranstaltet, um den Zustand des Planeten zu verbessern, startete kürzlich ein Drei- Jahres-Projekt mit der Bezeichnung „Big Ideas Change the World“. Ein Sprecher erklärte, dass der extreme Druck, den Menschen – vorrangig aus den Industrieländern – auf den Planeten ausgeübt hätten, erheblich und schnell reduziert werden müsse. „Es ist eine Herkulesaufgabe und auch ohne maximale Weltbevölkerungszahl in diesem Jahrhundert dürfte ihre Ausführung durchaus unmöglich sein“, sagte er. Doch die Meinungen darüber, ob die Welt dem Untergang geweiht ist oder nicht, gehen auseinander. „Es gab ein Wettrennen zwischen der Erschöpfbarkeit der Ressourcen und der Innovation, und bisher hat die Innovation gesiegt“, erklärte Citis Chefökonom Willem Buiter kürzlich dem INCH Magazine. „Die Geschichte der Menschheit umfasst mehrere Jahrtausende, auf die wir uns stützen, daher bin ich einigermaßen optimistisch.“ Robert Aliber, Professor für internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Chicago, sagte, auch er sei weiterhin unbesorgt. „Thomas Malthus prognostizierte im Jahr 1798, dass ungehindertes Bevölkerungswachstum die Erde zum Hungertod verdamme“, erläuterte er. „Für die vergangenen 200 Jahre wurde er widerlegt, warum sollte er also für die nächsten 100 Recht haben?“ Überfüllung stellt in einigen Ecken der Welt ein Problem dar. Das ist eine Tatsache, die man nicht leugnen kann. Der preisgekrönte dänische Fotograf Mads Nissen erzählte, dass er das Problem zu vieler Menschen auf zu kleinem Raum miterlebt habe, als er vor neun Jahren auf den Philippinen Manila besuchte. 1980 lebten 50 Millionen Menschen auf den Philippinen. Voraussichtlich wird diese Zahl bis 2050 auf 180 Millionen in die Höhe schießen. „Manila ist bereits einer der am stärksten überbevölkerten Orte der Welt“, sagte er. „Familien leben auf Friedhöfen in selbst gebauten Buden oder zwischen Eisenbahnschienen oder unter Brücken. Sie leben überall dort, wo sie ein wenig Platz finden. Sogar die giftigen Müllkippen der Stadt sind für einige Menschen ihr Zuhause, die dort, umgeben von vermodernden Abfällen, essen, schlafen und leben.“ Doch die World Population Balance ist der Auffassung, dass die Zukunft in humaner Weise geändert werden kann. „Wir können eine neue Vision, einen neuen Traum für den Planeten begründen“, sagte David Paxson, Gründer und Präsident. Seiner Aussage nach wäre eine globale Kampagne die Lösung, um die Menschen weltweit dazu aufzufordern, weniger Kinder zu haben. „Wir geben heute Millionen aus, um einen zukunftsfähigen Planeten zu schaffen, aber das Resultat ist lediglich, dass er immer stärker verunreinigt wird“, sagte er. „Nachhaltigkeit ist auf einem überbevölkerten Planeten unmöglich, und derzeit ist die Welt erheblich überbevölkert.“ Er behauptete, dass zwei Milliarden Menschen gegenwärtig in Armut lebten. „Das sind mehr als die Gesamtbevölkerung des Planeten vor weniger als 100 Jahren“, erklärte er. Laut Paxson würde es einen schweren Kampf bedeuten, um die Bevölkerung erfolgreich zu verringern, doch dies sei nichts im Vergleich dazu, die verheerenden Konsequenzen der Überbevölkerung zu bewältigen. Bei der Debatte darüber, wie in aller Welt wir neun Milliarden Menschen ernähren können, werden die Ansichten weiterhin auseinandergehen. Doch während die Debatte weitergeführt wird, ist es Sache der chemischen Industrie – die die Grundlage für fast alle anderen Industriezweige darstellt –, ihre Anstrengungen weiterhin darauf zu konzentrieren, lebenswichtige Artikel zu produzieren und damit zum Kampf gegen viele der Probleme beizutragen, die sich in einer Welt im ständigen Wandel stellen – in effizienterer Form und in einer Art und Weise, mit der nicht nur ihre eigenen Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden, sondern auch die Auswirkungen der Industriezweige, die sie bedient. Und es geht nicht nur darum, Geld einzusparen. INEOS kennt seine enorme Verantwortung, die Materialien zu liefern, die für die Technik von morgen erforderlich sind, weniger Rohstoffe zu verwenden und dadurch dazu beizutragen, dass die Gesellschaft in einer Welt mit endlichen Ressourcen weniger Energie verbraucht. Daher steht INEOS im Zentrum der Chemie, die unsere menschlichen Grundbedürfnisse erfordern. Dem Bedürfnis nach Lebensmitteln, Transport, Kommunikation und Wasser. Und nach Energie. INEOS stellt diese Chemie schon seit Jahren bereit. Und beabsichtigt, dies auch für kommende Generationen zu tun.

    10 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Der bevölkertste ort der welt

    Wenn man gern Leute beobachtet, ist Mong Kok genau der richtige Ort – sofern man Menschenmassen ertragen kann. Denn dieser Bezirk von Hongkong gilt als der am dichtesten bevölkerte Ort auf dem Planeten Erde. Mit mehr als 340.000 Menschen pro Quadratmeile ist er mit keinem anderen Ort vergleichbar. Doch Charles Reynolds, der in den vergangenen neun Jahren in Hongkong gelebt hat, sagt, man empfinde es nicht als allzu sehr überfüllt. „Ich bin an anderen Orten gewesen, an denen es einfach chaotisch ist und die Menschen sich nicht bewegen können“, berichtete er. „Aber in Mong Kok ist der Fußgängerverkehr angenehm fließend.“ Nahezu alles, was man sich vorstellen kann, wird in Mong Kok gekauft, verkauft oder es wird darum gefeilscht. Es gibt ganze Straßen, die allein dem Verkauf von Goldfischen als Glücksbringern, Blumen, Küchengeräten und Badewannen gewidmet sind.

    1 minute lesezeit Ausgabe 8
  • Saubere Energie

    Die weltweite Nachfrage nach Energie ist seit dem 18. Jahrhundert, als die Menschheit begann, die Bodenschätze für die industrielle Revolution zu nutzen, stetig gestiegen. Das hat überall in der Welt großen Wandel verursacht. Aber die schnelle Industrialisierung von Ländern wie Indien und China in jüngster Zeit verursacht einen weiteren enormen Anstieg des Bedarfs. Was lässt sich also für die Zukunft erwarten? Der Bedarf an weltweiter Energie wird den einfachen Bürger auf der Straße aller Wahrscheinlichkeit nach nicht beunruhigen. Doch Regierungen, Wissenschaftler/innen, Akademiker/innen, Umweltschützer/innen und energieintensive Unternehmen wie INEOS sind kontinuierlich bestrebt, die Energieeffizienz zu verbessern. Es ist ein wichtiges Anliegen. Gegenwärtig werden in aller Welt Fertigungsanlagen, in denen täglich Tonnen von Chemikalien hergestellt werden, mit fossilen Brennstoffen betrieben, sodass andere Unternehmen von Farben, Medikamenten über Mobiltelefone und Autos bis hin zu Kleidung alles produzieren können. „Viele der Probleme, die das Überleben der Menschheit gefährden, resultieren aus dem erhöhten Verbrauch von Energie, Wasser und Rohstoffen“, sagte ein Sprecher der Friends of the Earth Europe. Was sind also die Alternativen? Könnten Windparks und die Nutzung der Sonnenenergie die Antwort sein? Ja, behauptet Friends of the Earth Europe. Teilweise, sagt INEOS. Sie sind Bestandteil des Energiemix, aber sie können die Bedürfnisse der Menschheit nicht ewig befriedigen. Es wird jedoch ein paar Jahrzehnte dauern, um die Form, wie Europa Strom und Wärme erzeugt, vollständig zu transformieren. Somit muss sich INEOS in der Zwischenzeit auf fossile Brennstoffe stützen, um seinen Energiebedarf zu decken. Gas erzeugt aber lediglich ca. halb so viel Emissionen wie Kohle. Daher ist INEOS davon überzeugt, aus Gründen der Verpflichtung gegenüber der Umwelt müsse man sich eher dem Gas als der Kohle zuwenden. Erzeuger von erneuerbaren Technologien sind wichtige Kunden für INEOS. INEOS stellt für den Betrieb von Windturbinen und Solarzellen die Rohmaterialien her. Rohmaterialien, die aus den Molekülen hergestellt werden, die wir aus Gas gewinnen. „Gas wird langfristig als Rohstoff zur Unterstützung der Produktion benötigt“, erklärt Leen Heemskerk, Chief Financial Officer von INEOS Olefins & Polymers Europe North. Gas ist nicht nur ein Kraftstoff, den INEOS zur Gewinnung von Energie verbrennt. Es ist zudem ein Rohstoff, der bei der Herstellung von Chemikalien verwendet wird, die in einem breiten Spektrum von lebenswichtigen Produkten Anwendung finden, u. a. bei Medikamenten, Kleidung, Gebäuden, Fahrzeugen, Computern und im Bereich der Umwelttechnik, z. B. bei Windturbinen und energieeffizienten Materialien. INEOS wird zur Herstellung dieser lebenswichtigen Artikel auch dann noch Gas benötigen, wenn der Übergang zu kohlenstoffarmer Energie bereits erfolgt ist. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass Europa über eine sichere und wettbewerbsfähige Gasversorgung verfügt, um die Zukunft der verarbeitenden Industrie zu sichern. „INEOS unterstützt die Innovationskraft zur Auffindung alternativer Energiequellen, doch hinsichtlich des Tempos, mit dem wir unsere Wirtschaft entkarbonisieren können, müssen wir realistisch sein“, erklärte Leen. Derzeit verbraucht die Welt etwa. 529 Billiarden britische Wärmeeinheiten pro Jahr. Fossile Brennstoffe liefern fast 80 Prozent der Energie der Welt. Und die Industrie, die die Produkte liefert, von denen die Gesellschaft abhängig ist, ist der größte Kunde. Amerika, das gerade einmal fünf Prozent der Erdbevölkerung ausmacht, verbraucht derzeit ca. 20 Prozent des weltweiten Gesamtangebots an Energie. Doch die weltweite Nachfrage nach Energie wird sich voraussichtlich bis 2040 verdoppeln, da die Menschen in Indien und China – die gemeinsam mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ausmachen – wohlhabender werden und mehr Energie verbrauchende Güter wie z. B. Computer besitzen möchten. Umweltschützer sagen, dass die Gesellschaft ihre Methoden ändern müsse, wenn sie eine Energiekrise vermeiden und auf die Abwendung des Klimawandels hoffen wolle. Eine strengere Regulierung und die Begrenzungen der Treibhausgase seien hilfreich, behaupten sie. Doch nach Ansicht von Friends of the Earth Europe müssen die reichen Nationen auch die Menge der verbrauchten Energie reduzieren. Die Europäische Kommission ist derselben Ansicht. Sie setzt ehrgeizige Zielvorgaben für Europa fest, die die Industrie letztlich zwingen könnten, die Menge der von ihr verwendeten Energie drastisch zu reduzieren. Gas who needs it vid INEOS behauptet, dass dies unbeabsichtigte Konsequenzen haben könnte, einschließlich einer Verlagerung der Investitionen und des Wachstums der Industrie in Regionen außerhalb von Europa. „Es besteht ein sehr großes Missverständnis in Bezug auf die chemische Industrie“, sagte Greet Van Eetvelde, INEOS Manager der Cleantech Initiatives. „Wir sind energieintensiv, aber wir sind nicht energieineffizient. Wir streben kontinuierlich Methoden zur Reduzierung der Energiemenge an, die wir zur Herstellung unserer Produkte einsetzen. Es ist geschäftlich und ökologisch sinnvoll. Wir sind aber auch kohlenstoffintensiv. Wir verwenden diese Gasmoleküle als Rohmaterialien. Es liegt noch ein langer Weg vor uns, bevor die Beamtinnen und Beamten verstanden haben, worum es bei uns geht. Für sie ist jede Industrie gleich. Doch die Prozessindustrie ist anders, und insbesondere ohne die chemische Industrie wäre das moderne Leben nicht möglich.“ Dan Byles, Vorsitzender der parlamentarischen Gruppe „Unconventional Oil and Gas“ der britischen Regierung, in der alle Parteien vertreten sind, sagte, es gehe nicht um die Frage, ob die Welt kohlenstoffarme Energie wolle. „Es geht um den Weg dorthin“, erklärte er. „Man muss Gas als den Kraftstoff betrachten, der eine Überbrückung zwischen einem von Öl und Kohle dominierten Energiesystem und dem von uns allen bevorzugten kohlenstoffarmen Energiemix der Zukunft darstellt.“ Er sprach sich dafür aus, dass man die Wahl zwischen Gas oder erneuerbaren Energiequellen nicht forcieren sollte. „Wir brauchen beide“, sagte er. „Und zwar noch eine ganze Weile.“ Chinas kometenhafter Aufstieg von einem kleinen Schwellenland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wurde durch Kohle – den schlimmsten Umweltverschmutzer – angetrieben. Doch dies geschah in hohem Maße auf Kosten der Umwelt, da China heute mehr CO2 freisetzt als jedes andere Land der Welt. Im vergangenen Jahr ging Chinas Abhängigkeit von der Kohle erstmals in diesem Jahrhundert zurück, verbunden mit einer rapiden Zunahme der Nutzung von erneuerbaren Energien. Damit wurde, so Greenpeace East Asia, dem Planeten eine günstige Gelegenheit gegeben. „Der Stellenwert ist erheblich: Wenn die Zunahme des Kohleverbrauchs, die wir in den vergangenen zehn Jahren in China feststellen konnten, sich fortgesetzt hätte, hätten wir alle Hoffnung aufgeben müssen, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen“, sagte Lauri Myllyvirta, Energieaktivistin bei Greenpeace East Asia. „Es ist vielleicht noch nicht der Gipfel, doch es ist ein Zeichen, dass China von der Kohle abrückt.“ Alternative Energiequellen müssen gefunden werden, da mit dem Wachstum der Weltbevölkerung auch die Nachfrage nach Energie steigen wird. In der entwickelten Welt hat der Zugang zu sicherer, zuverlässiger und erschwinglicher Energie das Leben der Menschen positiv beeinflusst – und er könnte für die Menschen, die in den ärmsten Gegenden der Welt leben, dasselbe tun. Microsoft Gründer Bill Gates, einer der reichsten Männer der Welt, gehört zu denen, die dies herbeiführen wollen. „In den reichen Gegenden der Welt ist es richtig, dass wir uns übers Energiesparen Gedanken machen, doch in den armen Gegenden brauchen die Menschen mehr Energie“, schrieb er kürzlich in einem Blog. „Damit sich Länder aus der Armut befreien können, brauchen sie Beleuchtung in den Schulen, damit Schülerinnen und Schüler lernen können, wenn es dunkel ist, sie brauchen Kühlschränke in Kliniken, um die Impfstoffe zu kühlen, und Pumpen, um das Ackerland zu bewässern und sauberes Wasser bereitzustellen.“ Gates erklärte, nun liege die Verpflichtung bei den reichen Ländern wie den USA, mehr in die Forschung für saubere Energie zu investieren. „Es geht darum, Energiequellen zu entwickeln, die keinen Kohlenstoff erzeugen“, sagte er. Auch wenn die chemische Industrie einen Großteil des Energievorrats der Welt verbraucht, steht sie im Zentrum vieler dieser Entwicklungen – und trägt dazu bei, die Weltwirtschaft zu entkarbonisieren. Die globalen Emissionen wurden reduziert, bedingt durch – von der chemischen Industrie entwickelten – Verbesserungen bei folgenden Produkten: Wärmedämmstoffe für die Bauindustrie, Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel, Kunststoffverpackung, Beleuchtung, Antifouling-Anstriche für Schiffe, synthetische Textilien, Automobil-Kunststoffteile, Waschmittel für Niedrigtemperaturen, Motoreffizienz und Kunststoffe in Rohrleitungen. „Diese Reduktionen werfen ein Schlaglicht auf die zentrale Rolle der chemischen Industrie bei der Entkarbonisierung der Wirtschaft“, sagte ein Sprecher des Internationalen Rats der Chemieverbände. „In der Tat wäre es ohne die Vorteile chemischer Produkte und Technologien nicht möglich, CO2-Einsparungen im gleichen Umfang zu erreichen.“ Durch die Verwendung von Chemie in energiesparenden Produkten wie z. B. bei der Gebäudedämmung, in Kompaktleuchtstofflampen und in leichten Kunststoffteilen in Fahrzeugen spart Amerika allein bis zu 10,9 Billiarden britische Wärmeeinheiten an Energie und bis zu 85 Milliarden US-Dollar an Energiekosten pro Jahr. Für Nichtfachleute formuliert: Die USA haben ihren Energieverbrauch um 11 Prozent reduziert und Energie in dem Umfang eingespart, der benötigt wird, um 135 Millionen Fahrzeuge ein Jahr lang mit Energie zu versorgen. „Das sind 55 Prozent aller Autos im heutigen Straßenverkehr“, sagte Ryan Baldwin, Sprecher des American Chemistry Council. Der Internationale Rat der Chemieverbände gab kürzlich bekannt, dass durch chemische Produkte für Fahrzeuge nun jedes Jahr 230 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Und an vielen Fortschritten, die Hersteller in Richtung auf leichtere, stabilere und kraftstoffsparende Autos machen, ist INEOS zentral beteiligt. Einer davon ist Kunststoff. Ein weiterer ist die Kohlefaser. Es gibt eine Menge weiterer von INEOS hergestellter Rohmaterialien, die in kraftstoffsparende Reifen gelangen, und synthetische Öle, die die Motoreffizienz verbessern. INEOS stellt ferner Komponenten für Windturbinen und Produkte für die Solarbranche her. Kurz gesagt, INEOS versetzt andere Branchen – den Sektor erneuerbare Energiequellen – in die Lage, Energie zu sparen und CO2-Emissionen zu reduzieren. Der Übergang zu den erneuerbaren Energiequellen wird jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht über Nacht eintreten, denn obwohl der Sektor erneuerbare Energiequellen wächst, wächst er nicht schnell genug, und der Bereich Umwelttechnik erzeugt nicht genügend Energie, um die Nachfrage zu decken. Die National Academies, die Amerika auf den Gebieten Wissenschaft, Technik und Medizin beraten, erklären, dass die Reduzierung der Menge an verlorener Energie für unsere Zukunft ebenso wichtig ist wie neue Energiequellen zu ermitteln. „In jeder Minute und jeden Tag gehen riesige Mengen an Energie verloren, indem man sie in eine verwendbare Form umwandelt“, gab ein Sprecher an. Auch auf diesem Gebiet arbeitet INEOS kreativ. Es muss dies tun, um in Europa im Geschäft zu bleiben, wo die Energiekosten derzeit doppelt so hoch sind wie in Amerika. „Wir müssen unsere Energieeffizienz kontinuierlich optimieren“, erläutert Jean-Noël Large, dem die Aufgabe übertragen wurde, die Effizienz der Raffinerie Petroineos in Lavéra in Frankreich zu verbessern. „Es hat zusammen mit der Sicherheit des Standorts oberste Priorität.“

    13 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Schiefergas ist der weg in die zukunft

    INEOS‘ Entscheidung, im Vereinigten Königreich die Exploration von Schiefergasvorkommen zu verfolgen, hat zu einem Kollisionskurs mit Umweltschützer/innen und Protestgruppen geführt. Doch INEOS entzieht sich einer schwierigen Situation nicht, insbesondere dann nicht, wenn es seiner Auffassung nach richtig wäre, so zu handeln. INEOS ist nun offiziell das drittgrößte Schiefergasunternehmen im Vereinigten Königreich. Sein Geschäft mit Gas – das im März 2015 angekündigt und dem im Mai 2015 endgültige Form gegeben wurde – hat ihm nunmehr den Zugang zu nahezu tausend Quadratkilometer an potenziellen Schiefergasreserven in Schottland und Nordwestengland gegeben. „Dies sind erstklassige Assets, mit denen künftig potenziell erhebliche Mengen an Gas erzielt werden können“, sagte Gary Haywood, CEO von INEOS Shale. Im August wurden INEOS von der britischen Regierung drei weitere Schiefergas-Konzessionen erteilt. Die zusätzliche Fläche festigt INEOS‘ Position als eines der führenden Schiefergasunternehmen im Vereinigten Königreich. Im Geschäftsbereich ist man der Ansicht, dass die einheimische Schiefergasindustrie die Produktion in Großbritannien (für die Herstellung von Petrochemikalien derzeit eine der teuersten Regionen weltweit) revolutionieren wird, dem Vereinigten Königreich erstmals seit vielen Jahren Sicherheit auf dem Gebiet der Energie geben und Tausende Arbeitsplätze schaffen wird. Doch öffentliche Unterstützung für diese im Entstehen begriffene Industrie bleibt überall im Vereinigten Königreich ein Problem. Im März hatte INEOS eine von Greenpeace organisierte Umfrage Auftrieb gegeben, die deutlich machte, dass Fracking im Vereinigten Königreich von mehr Menschen unterstützt als abgelehnt werde. „Sie zeigte eindeutig, dass zunehmend mehr Menschen die potenziell enormen Vorteile von in Großbritannien erzeugtem Schiefergas erkennen“, erklärte damals Tom Crotty, INEOS Corporate Affairs Director. „Britisches Schiefergas stellt eine einmalige Chance dar und wir können es uns nicht leisten, sie uns entgehen zu lassen. Das Nordsee-Öl hat für das Vereinigte Königreich großen Reichtum geschaffen und so kann es auch beim Schiefergas sein.“ Die Gegner/innen von Fracking behaupten, es sei gefährlich und umweltzerstörend, löse Erdbeben aus, verunreinige das Trinkwasser und die Luft, die wir einatmen. Die Befürworter/innen führen an, es sei – bei ordnungsgemäßer Durchführung – sicher, biete den Ländern eine wertvolle Ressource im Inland, schaffe Arbeitsplätze, unterstütze die Produktion und trage dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren. Amerika hat den Beweis bereits erbracht. Dort hat Fracking zu einer Erneuerung der Produktion geführt, Tausende Arbeitsplätze geschaffen, mehr als 150 Milliarden US-Dollar an Investitionen veranlasst – und dazu beigetragen, die Kohlenstoffemissionen in den USA drastisch zu senken, indem Kohle ersetzt wurde, die doppelt so viel CO2 emittiert wie Gas. Laut der nationalen Energy Information Agency sanken die mit Energie verbundenen CO2-Emissionen im Jahr 2012 aufgrund von Schiefergas auf das niedrigste Niveau seit 1994. Im April und Mai dieses Jahres traf sich INEOS erstmals mit den Bewohner/innen vor Ort im Rahmen gemeinsamer Bemühungen, die Fakten rund um die Erschließung des Schiefergases zu erläutern und die Fragen zu beantworten, die die in den schottischen Gemeinden lebenden Menschen, die direkt betroffen wären, stellten. „Es wird immer einen harten Kern von Gegnerinnen und Gegnern geben, der die Erschließung von fossilen Brennstoffen aus ideologischen Gründen ablehnt, auch wenn das Schiefergas nur die Hälfte der CO2-Bilanz von Kohle aufweist“, sagte Gary. „Doch viele Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort fürchten die Erschließung des Schiefergases aus lokal bedingten Gründen – und diese Menschen will INEOS ansprechen, um sie in Bezug auf die Auswirkungen der Schiefergaserschließung zu beruhigen. Unserer Ansicht nach stehen die meisten Menschen der Erschließung des Schiefergases aufgeschlossen gegenüber, wünschen sich aber mehr Informationen. Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe besteht darin, den Menschen die Fakten zu nennen, sodass sie eine bewusste Entscheidung darüber treffen können, ob die Erschließung des Schiefergases in ihren Gemeinden sicher und erfolgreich durchgeführt werden kann – wovon wir absolut überzeugt sind.“ Die Versammlungen waren erfolgreich und die Gemeinden wissen die Gelegenheit zu schätzen, aus erster Hand von INEOS Informationen zu erhalten, und auch die Gelegenheit, dass ihre Fragen beantwortet werden. Im September 2015 wird das Team nach den ersten öffentlichen Versammlungen in Schottland weitere Schritte in Form von Veranstaltungen mit Ausstellungscharakter unternehmen. „Entscheidend ist, den Menschen zu versichern, dass die Industrie ohne langfristige Schäden an der Umwelt oder Beeinträchtigung ihres Lebensstils operieren kann“, merkte Gary an. „Auch ist von wesentlicher Bedeutung, überzeugende Argumente dafür zu liefern, warum die Erschließung des Schiefergases für die Gemeinden und für das Land vorteilhaft ist.“ Aufgrund des geringen CO2-Fußabdrucks, halb so viel wie bei Kohle, gilt Schiefergas weitgehend als die wichtigste Verbindung zu künftigen erneuerbaren – und finanziell tragbaren – Energiequellen. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge drohen die steigenden Energiekosten in Europa die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller auf dem Weltmarkt zu untergraben. Das Vereinigte Königreich verliert derzeit Arbeitsplätze an die USA, wo es dank des Schiefergases Zugang zu preisgünstigem Gas gibt. INEOS investiert gerade eine Milliarde US-Dollar in den Import von Schiefergas aus Amerika, um seinen Standort in Grangemouth rentabel zu machen und langfristig Wachstum an seinem Standort in Rafnes (Norwegen) zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um den Versuch, INEOS’ britisches Petrochemiegeschäft zu schützen, bevor es zu spät ist. Diese Lieferungen von Flüssiggas – weltweit erstmals in dieser Form – werden im Verlauf dieses Jahres in Rafnes und anschließend in Schottland eintreffen. „Unser Erfolg im Vereinigten Königreich ist von dem Zugang zu wettbewerbsfähiger Energieversorgung und wettbewerbsfähige Rohmateriallieferungen abhängig“, sagte Tom. „Wenn der Zugang zu Rohmaterialien und Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen besteht, wäre das eine schicksalhafte Veränderung für die britische Petrochemiebranche und im Wettbewerb auf dem Weltmarkt hilfreich.“ Man kann kaum glauben, dass Großbritannien – als Begründer der industriellen Revolution – einst das „Kraftwerk“ des Welthandels war. Heute wird die Produktion im Vereinigten Königreich als ein Industriezweig der Vergangenheit wahrgenommen und sie ist ständig zurückgegangen, was allein in den vergangenen 20 Jahren zu einem Verlust von mehr als drei Millionen Arbeitsplätzen geführt hat. Doch die chemische Industrie hat heute noch größere Bedeutung – und für die Entwicklung einer umweltfreundlicheren Wirtschaft ist sie so wichtig wie eh und je. Auch wenn sie sich beim Betrieb der Anlagen nach wie vor auf fossile Brennstoffe stützt, wird geschätzt, dass für jede Tonne CO2, die verwendet wird, mehr als zwei Tonnen durch die hergestellten Produkte eingespart werden, unter anderem Katalysatoren, Isolierung, Komponenten für Windturbinen und Solarzellen. Nach Schiefergas zu bohren, mag für INEOS im Vereinigten Königreich ein neues Unternehmen sein, aber das INEOS Team wird durch drei weltweit führende Pioniere angeleitet, die die Erschließung des ersten privatwirtschaftlich genutzten Schiefergasvorkommens in den USA, des Barnett-Schiefergebiets, geleitet haben. Seit der Erschließung des Barnett haben sie ihre Arbeit an vielen weiteren Schiefergasvorkommen in den USA und weltweit fortgesetzt. Der Erdölingenieur Nick Steinsberger und die Geologen Kent Bowker und Dan Steward, die nun ausschließlich für INEOSin Europa arbeiten, haben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche. Sie haben tausende Quellen gebohrt, ohne auf große Probleme zu stoßen, und sie werden INEOS beraten, wie man einen sicheren Zugang zu Großbritanniens gewaltigen Reserven erlangt. „Wir meinen, unser Wissen und unsere Erfahrung beim Betrieb von komplexen petrochemischen Anlagen, verbunden mit den erstklassigen Experten für den unterirdischen Bereich, um die wir unser Team kürzlich erweitert haben, bedeuten, dass INEOS als Unternehmen gelten wird, bei dem alles in sehr guten Händen liegt“, sagte Gary. Er fügte hinzu: „Bei Schiefergas handelt es sich für uns nicht um eine kurzfristige Spekulation. Es geht darum, unsere Produktionsbasis zu sichern, die Tausende von Arbeitsplätzen in regionalen Volkswirtschaften schaffen wird.“ Weitere Informationen über Schiefergas finden Sie unter: www.ineosupstream.com Hydraulic Fracking vid Gas who needs it vid

    16 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Besuch in Köln: Energieeffizient

    Die Europäische Kommission fordert drastische Kürzungen beim Energieverbrauch in Europa. Sie argumentiert, dass dies sich positiv auf die Umwelt, auf Arbeitsplätze, Energiesicherheit und die Wirtschaft auswirken würde. INEOS, das jedes Jahr 1,3 Milliarden Euro für Energie ausgibt, ist anderer Meinung. Statt noch weitere Zielvorgaben aufzuerlegen, wird die Europäische Kommission dringend gebeten einzusehen, dass sich die chemische Industrie Tag für Tag darauf konzentriert, ihre Energieeffizienz zu verbessern. INEOS appelliert an die Kommission – die bis 2030 eine Senkung des Energieverbrauchs um 27 Prozent anstrebt – zu erkennen, dass die Einsparung von Energie bereits ein fundamentaler Bestandteil dessen ist, wie INEOS operiert. „Wir brauchen keine weiteren Vorschriften oder Zielvorgaben“, sagte Tom Crotty, INEOS Group Communications Director. „Energieeffizienz ist bereits ein geschäftlicher Kernwert, da sie geschäftlich sinnvoll ist. Und fast jede Technik, die zur Reduzierung des Energieverbrauchs erhältlich und finanziell tragbar ist, wurde bereits an unseren Standorten installiert. Für uns würde eine weitere Senkung des Energieverbrauchs eine Reduzierung der Produktion bedeuten.“ Die Kommission ist der Auffassung, dass sich die Festsetzung einer ehrgeizigen Zielvorgabe für die Energieeffizienz positiv auf die Umwelt, auf Arbeitsplätze, Energiesicherheit und die europäische Wirtschaft auswirken würde. INEOS, das jedes Jahr 1,3 Milliarden Euro für Energie ausgibt, erklärt, dass die Zielvorgabe unrealistisch und für die chemische Industrie unausführbar sei und drohe, die Industrie in Europa zu vernichten, und damit sechs Millionen Arbeitsplätze. INEOS ist der Ansicht, dass das Problem zum Teil daraus resultiere, dass die Kommission die Bedeutung der chemischen Industrie und deren Realität an den Standorten nicht verstehe. „Wir haben bereits ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit in Europa“, sagte Tom. In einer gemeinsamen Bemühung, unter den Milliarden Menschen, die auf eine Konsultation der Europäischen Kommission zu ihrer Klima- und Energiepolitik bis 2030 reagierten, gehört zu werden, luden INEOS und CEFIC Vertreter/innen der Generaldirektion Energie der Kommission zu einem Besuch am Standort Köln ein. „INEOS arbeitet seit Jahren mit großem Erfolg an Energieeinsparungen“, sagte Gerd Franken, CEO INEOS Olefins & Polymers Europe North. „Und wir sind der Ansicht, dass unsere Standorte zu den energieeffizientesten weltweit gehören.“ Der Standort Köln in Deutschland beschäftigt insgesamt 2.000 Menschen aus 28 Nationen und weist eine Fläche von der Größe Monacos auf. 90 Prozent seiner Kosten fallen für Energie und Rohmaterialien an und er nutzt eine Energiemenge, die für Heizung, Licht und Energie für 200.000 Wohnungen ausreichen würde. Der Standort verwendet vielleicht eine Menge Energie, aber das bedeutet nicht, dass er ineffizient ist. Stefan Krämer, Energie-Manager am Standort, zeigte der Generaldirektion Energie, wie alle Beschäftigte am Standort an der Einsparung von Energie zusammenarbeiten. „Es stellt eine ziemliche Herausforderung dar, da die internen Energienetze am INEOS-Standort in Köln ausgeglichen sein müssen“, sagte er. „Der Salpetersäure- und Acrylnitrilprozess zum Beispiel erzeugt Dampf und die Kracker- und Butadienproduktion erfordert Wärme und verwendet daher Dampf.“ Das Abprodukt Wasserstoff wird, statt abgefackelt zu werden, thermisch im Kraftwerk anstelle von Erdgas genutzt – ein Schritt, der 80.000 Megawattstunden Erdgas pro Jahr eingespart hat. Und Verbesserungen am Kühlturm haben weitere 13.000 Megawattstunden Strom pro Jahr eingespart. „INEOS ist tatsächlich entschlossen, alles, was produziert wird, zu verwenden und wiederzuverwenden“, erklärte Gerd, „Das ist eindeutig ökonomisch sinnvoll und umweltfreundlich.“ Während des Besuchs appellierte auch Brigitta Huckestein, Communications and Government Relations bei BASF, dem größten Chemieunternehmen der Welt, an die Kommission, Vernunft anzunehmen. Erstmals überhaupt hat die BASF unter Verweis auf stagnierende Märkte, teure Energie und kostspielige Arbeitskraft eine strategische Kürzung der Investitionen in Europa angekündigt. Brigitta wies darauf hin, dass die BASF besondere Anstrengungen unternehme, um weitere Maßnahmen zur Senkung ihres Energieverbrauchs und der CO2- Emissionen zu entwickeln. Der Standort der BASF in Ludwigshafen ist der größte und effizienteste integrierte Standort in Deutschland. Doch sie legte dar, dass die integrierte Produktion ihre Effizienz verlieren würde, wenn nach 2017 ein Aufschlag für erneuerbare Energien auf selbst erzeugte Energie aus einem Blockheizkraftwerk auferlegt würde. „Außerdem wird es die Wettbewerbsfähigkeit dieser höchst energieeffizienten Anlage reduzieren“, sagte sie. „Kurz gesagt, wir haben bereits das Gefühl, verjagt zu werden. Wenn die Verordnungen die Produktion chemischer Grundstoffe in Europa als Maßnahme zur Senkung des europäischen Energiebedarfs vorsehen, ist dies unserer Auffassung nach gefährlich für die deutsche und die europäische Wirtschaft, weil Wertketten zerstört werden. Und wenn die Bedingungen ungünstig sind, investieren wir woanders.“ Koln video Alistair Steel, ein Repräsentant des CEFIC (Conseil Europeen des Federations de l‘Industrie Chimique), Sprachrohr der chemischen Industrie in Europa, erklärte, finanziell tragbare Energie sei der Schlüssel zu Wachstum. „Die Wettbewerbsfähigkeit ist davon abhängig, dass die Industrie Zugang zu konkurrenzfähiger, zuverlässiger Energieversorgung hat“, sagte er. Die Kosten für die Erzeugung von Ethylen in Europa sind derzeit doppelt so hoch im Vergleich zu den USA, wo preisgünstiges Schiefergas zu einer Renaissance der Produktion geführt hat. Und während sich INEOS‘ Gewinne in Europa in den vergangenen drei Jahren halbiert haben, haben sich die Gewinne in den USA verdreifacht. „Wir können Energie nur bis zu einem bestimmten Punkt reduzieren“, bemerkte Greet Van Eetvelde, INEOS Manager der Cleantech Initiatives, die in INEOS‘ Zentrale in Rolle, Schweiz, angesiedelt sind. „Die Europäische Kommission muss die Entscheidung treffen, ob sie in Europa eine chemische Industrie haben will. Es ist unmöglich, diese Zielvorgaben ohne erhebliche Investitionen zu erreichen. Aufgrund der Konjunkturlage in Europa ist dies schwierig.“ Selbst wenn INEOS saubere Technologie finanzieren wollte, wäre man mit einem schweren Kampf konfrontiert. „Banken gehen gern auf Nummer sicher“, sagte Tom. „Sie mögen keine neuen Technologien. Die Finanzierung neuer Technologien hängt häufig auch von der Unterstützung durch die Regierung ab, was mit einem politischen Risiko verbunden ist.“ Stefan wies darauf hin, die chemische Industrie hätte seit Jahren an Methoden gearbeitet, um ihre Produktionsstätten effizienter zu machen. „Die Selbstverpflichtung der Industrie auf Energieeffizienz begann im Jahr 1996, lange vor der Einführung der EU-Richtlinien“, bemerkte er. Im vergangenen Jahr warnte INEOSVorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe davor, dass die chemische Industrie in Europa innerhalb eines Jahrzehnts mit ihrer Auslöschung konfrontiert sei. „Ich sehe Ökosteuern. Daran kann ich erkennen, dass die Produktion vertrieben wird“, schrieb er in einem offenen Brief an José Manuel Barroso, den damaligen Präsidenten der Europäischen Kommission. Er bat die Kommission dringend darum aufzuwachen. „Der Chemiesektor erzielt weltweit einen Umsatz von 4,3 Billionen US-Dollar“, gab er an. „Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland. In Europa stehen Chemikalien und Automobile mit je einer Billion US-Dollar ganz oben auf dem Programm. Wirtschaftlich gesehen, zählen Chemikalien zu den Kronjuwelen Europas.“ INEOS hofft, dass der Besuch in Köln den Verantwortlichen in Brüssel die Augen geöffnet hat. Paul Hodson, Mitglied der Kommissionsdelegation, schrieb in einer E-Mail an INEOS, er habe einen wertvollen Einblick in die chemische Industrie erhalten – und Verständnis entwickelt. Er bekräftigte, dass eine prosperierende europäische Industrie zu den zentralen Anliegen der Kommission gehöre und dass deren Politik anstrebe, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Was die europäische kommission bis 2030 erreichen will 27 Prozent Verringerung des Energieverbrauchs (für die Industrie nicht verbindlich) Mindestens 27 Prozent Zunahme der erneuerbaren Energien 40 Prozent Reduzierung der Kohlenstoffemissionen

    11 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Eine Frage der Denkweise

    Den Arbeitsplatz zu wechseln ist einfach; die Denkweise der beschäftigten zu ändern ist es nicht. Doch mit der richtigen vorgehensweise ist es nicht unmöglich. Niemand mag Veränderungen. Das ist zumindest die Theorie. Die Realität ist aber, dass manche Menschen sie mögen. Und manche nicht. Unternehmen, die alle ihre Beschäftigte überzeugen wollen, müssen vielleicht einfach ihre Vorgehensweise ändern. Der Meister des Managements, der verstorbene Peter Drucker, hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, was die beste Methode für ein Unternehmen ist, Veränderungen umzusetzen. „Man muss dem ganzen Unternehmen die Denkweise vermitteln, dass Veränderung eine Chance und keine Bedrohung darstellt“, erklärte er. „Die Beschäftigten fühlen sich sicher, wenn sie erkennen, dass diese Zeit der plötzlichen, unerwarteten und radikalen Veränderungen Chancen birgt.“ Dr. Fred Wadsworth, medizinischer Direktor bei dem im Vereinigten Königreich angesiedelten Unternehmen Corperformance, das in der Vergangenheit eng mit INEOS zusammengearbeitet hat, weiß, dass Änderungen emotionale Verstimmungen verursachen – und zu einem Leistungsabfall führen können. „Schlecht gemanagte Änderungsprozesse können als Bedrohung betrachtet werden und klassische Stressreaktionen verursachen“, erläuterte er. Doch die Angst vor der Umsetzung von Veränderungen, so Wadsworth, sollte ein Unternehmen niemals abschrecken, Veränderungen anzustreben. „Eine Neigung zur Veränderung muss vorhanden sein und gefördert werden, doch man kann sie erreichen, indem man den Beschäftigten effektive Ziele setzt, von denen sie überzeugt sind“, erklärte er. „Die Personen, die sich von dem Veränderungsprozess bedroht fühlen, sind normalerweise die, die am schwersten zu überzeugen sind.“ Doch auch diese Personen können überzeugt werden. John Reh, ein erfahrener amerikanischer Manager und Autor, sagte, wenn man begreift, was getan werden muss – und wie es getan werden muss –, sei die Schlacht schon halb gewonnen. „Man muss seinen Beschäftigten verständlich machen, um welche Veränderung es geht, wann sie eintritt und warum sie vorgenommen werden muss“, führte er fort. Roberta Katz, Associate Vice President for Strategic Planning an der Stanford-Universität in Amerika, beschrieb Wandel als einen iterativen Prozess. „Individuen in einer Organisation springen zu verschiedenen Zeitpunkten auf den Zug des Wandels auf“, erklärte sie. „Die Leitung muss die Vision wiederholen und die Strategie wiederholen, sodass die Individuen, wenn sie schließlich alle in demselben Zug sind, dieselbe Botschaft gehört haben und das Ziel verstehen, auf das sie alle hinarbeiten. Wenn man die Leitung ist, die den Wandel vermittelt, ist man gelangweilt, man ist bereit für den nächsten Schritt, aber man muss daran denken, es immer zu wiederholen. Denn selbst wenn manche es zehn Mal gehört haben, dringt man vielleicht erst beim elften Mal zu ihnen durch, und zwar, wenn etwas in ihrem Leben passiert, wodurch dies für sie einen Sinn ergibt.“ Widerstand gegen den Wandel kann häufig in der Angst vor Unbekanntem begründet sein. „Wir widersetzen uns dem Wandel, aber die Angst vor dem Unbekannten kann dazu führen, dass man sich an die aktuellen Verhaltensweisen klammert, ganz gleich, wie schlecht sie sind“, erklärte Dr. Stan Goldberg, ehemals Medizinprofessor an der San Francisco State University. Diese Angst basiert häufig auf der Wahrnehmung der Beschäftigten. Und die Wahrnehmung ist wichtig, da sie deren Realität darstellt. Die gute Nachricht, so Dr. Wadsworth, ist, dass Wahrnehmungen geändert werden können – ebenso wie die Persönlichkeit. „Die Persönlichkeit ist nicht in Stein gehauen“, erklärte er. „Werte werden in unseren Jugendjahren festgelegt und sind wie Anker im Meeresboden, doch unser Verhalten ist nicht festgelegt, es entspricht eher auf dem Meer schwimmenden Bojen. Sie bleiben mit unseren Ankern verbunden, sind aber gegenüber Veränderungen offen. Aus diesem Grund werden Ziele, die an unsere Werte gebunden sind, aller Wahrscheinlichkeit nach eher erreicht als solche, die es nicht sind.“ Der verstorbene Peter Drucker empfahl, wenn eine Veränderung wie eine Chance aussehe, sollte ein Unternehmen ein oder zwei Beschäftigte darauf ansetzen, sie zu bearbeiten. „Man braucht jemanden an der Spitze, der an Unerwartetem Gefallen findet“, sagte er. „Das ist äußerst wichtig, denn es werden sehr viele Überraschungen eintreten, und wenn jede Überraschung als Bedrohung empfunden wird, bleiben wir nicht besonders lange dabei.“ Drucker erklärte, schnelle Veränderungen könnten erreicht werden, ohne dass die Beschäftigten verstimmt wären, wenn das Personal Vertrauen zum Unternehmen hätte. „Vertrauensbildung ist nicht wie Astrophysik“, führte James Hec aus, Mitglied des Lehrkörpers an der Harvard Business School. „Es sollte tatsächlich ganz einfach sein. Schaffen Sie keine Erwartungen, die nicht erfüllt werden können. Geben Sie Wissen weiter. Stellen Sie die richtigen Menschen ein, geben Sie ihnen Anerkennung und feuern Sie die Beschäftigten, bei denen das der richtige Schritt ist. Seien Sie konsequent und berechenbar und vermeiden Sie Massenentlassungen, wenn es irgend geht.“ Dr. John Kotter, Professor an der Harvard Business School, hat etwa 20 Bücher über Führungsstil und Wandel geschrieben. Im vergangenen Jahr gründete er das Kotter International Center for Leaders, ein Unternehmen von Experten auf Weltklasseniveau, die Unternehmen beim Wandel unterstützen. „Das Tempo des Wandels nimmt stärker zu als unsere Fähigkeit, damit Schritt zu halten“, erläuterte er. „Doch wir erwarten, dass Führungskräfte aller Ebenen ständig bessere Ergebnisse abliefern – und dies immer schneller.“ David Carder ist Engagement Leader bei Kotter International in Amerika. „Wir konnten bei vielen Unternehmen feststellen, dass sie nicht in der Lage sind, von Technologie und Wandel in der Form zu profitieren, wie sie es beabsichtigen, da ihnen ihre Hierarchie und Struktur im Wege stehen“, sagte er. Die Quintessenz ist, so Drucker, dass Wandel schmerzhaft und riskant ist und eine Menge harter Arbeit erfordert. „Leider lässt sich der Wandel nicht managen“, sagte er. „Man kann ihm lediglich voraus sein. Man kann ihn lediglich herbeiführen.“ Die wichtigsten fünf Tipps für ein Unternehmen, das Veränderungen umzusetzen beabsichtigt: Halten Sie die Beschäftigten auf dem Laufenden – Beschäftigte wissen gern, was los ist, insbesondere wenn ihre Arbeitsplätze direkt davon betroffen sind. Geben Sie Ihren Beschäftigten Anregungen – sprechen Sie die Hoffnungen und Wünsche der Beschäftigten an. Ziele, die mit ihren eigenen Werten verbunden sind, lassen sich eher erreichen. Denken Sie voraus – Veränderungen sollten im besten langfristigen Interesse des Unternehmens vorgenommen werden, nicht einfach, um kurzfristig Geld zu sparen. Machen Sie sich verständlich – Beschäftigte akzeptieren Veränderungen wahrscheinlich eher, wenn sie die Gründe dafür vollständig verstehen. Seien Sie realistisch – unrealistische Ziele verstärken die Angst, was die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns erhöht.

    6 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Das sich wandelnde erscheinungsbild von Grangemouth

    Das Erscheinungsbild von Grangemouth wandelt sich. Und damit einher geht die Aussicht auf eine neue und aufregende Zukunft. Einer der größten Ethanlagertanks, der jemals in Europa gebaut wurde, nimmt Formen an. Wenn der 60.000-Kubikmeter-Tank erst fertiggestellt ist, fasst er 30.000 Tonnen flüssiges Ethangas – und läutet eine neue Ära bei der Produktion von Petrochemikalien ein. „Seit die Wand des 40-Meter-Tanks errichtet wurde, hat sich die Silhouette von Grangemouth ein wenig verändert“, bemerkte Alan MacMillan, INEOS Olefins & Polymers Europe UK Ethane Project Manager. „Dies sind aufregende Zeiten für das Unternehmen Olefins & Polymers Europe UK und der Tank ist der konkrete Beweis für die Investitionen, die getätigt werden.“ INEOS raises the roof vid Der Bau des Tanks ist nur ein Element in einer Reihe von aufeinander abgestimmten Projekten und Aktivitäten, die INEOS Olefins & Polymers Europe UKs Vision für eine nachhaltige und entwicklungsfähige Zukunft ausmachen. INEOS investiert etwa 450 Millionen britische Pfund, um den defizitären schottischen Produktionsstandort, an dem mehr als 1.300 Menschen direkt beschäftigt sind, in einen der besten der Welt zu wandeln. „Es ist die wichtigste Investition in die britische und schottische petrochemische Produktion der jüngsten Zeit“, sagte John Mcnally, CEO INEOS Olefins & Polymers UK. „Und sie zeigt eindeutig unsere Verpflichtung hinsichtlich Grangemouth.“ INEOS braucht das Ethan, das ab dem kommenden Jahr aus den USA eintreffen wird, um die schwindenden Vorräte aus der nordsee zu ersetzen. Der schottische Standort kann die Entwicklung nur dadurch umdrehen, dass er sich genügend Rohmaterialien beschafft, um die Fertigungsanlagen optimal und bei voller Kapazität zu betreiben – wozu er seit vielen Jahren nicht in der Lage ist. Das Projekt der Ethanbeschaffung umfasst neben dem Lagertank erheblichen Arbeitsaufwand, hinsichtlich der Infrastruktur. Das Unternehmen nimmt Änderungen an seiner Anlegeund Entladeeinrichtung vor, wo hochmoderne Schiffe andocken, und verlegt kilometerlange Rohrleitungen, um das Ethan zum Tank und zum Produktionsbetrieb zu leiten. INEOS constructs ethane tank vid Die Arbeiten werden von einer Reihe von Auftragnehmern ausgeführt, deren Beauftragung gewährleisten soll, dass das Projekt pünktlich, sicher und innerhalb des Budgets abgeschlossen wird. „Es stellt eine komplexe und schwierige Aufgabe dar, neben den vielen verschiedenen Unternehmen und an einer Reihe von Schnittstellen zu arbeiten“, erklärte Alan. Die Planung, die am Grangemouth-Standort umgesetzt wird, lässt sich gut mit dem Plan vergleichen, der kürzlich INEOS in Rafnes in Norwegen umgesetzt wurde, wo das Unternehmen die Infrastruktur erfolgreich aufgebaut hat, damit Ethan aus den nordamerikanischen Schiefergasgebieten im laufenden Jahr importiert werden kann. Mit den amerikanischen Lieferanten wurden langfristige Verträge geschlossen, um das Schiefergas durch Pipelines quer durch das Land zur Ost- und Golfküste von Amerika zu leiten, von wo aus es im Auftrag von INEOS mit einer Flotte von acht Spezialschiffen über den Atlantik nach Norwegen – und 2016 nach Schottland – transportiert wird. Während Grangemouth auf diese Lieferungen wartet, arbeitet der Geschäftsbereich INEOS Olefins & Polymers Europe UK in der Zwischenzeit an dem strategischen Überlebensplan, der den langfristigen Wert des Standorts schützt, indem es ein weltweit führendes Zentrum für Chemikalien und Produktion entwickelt, das das Potenzial hat, ein Centre of Excellence und Innovation in Schottland zu werden.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Wie die mächtigen fallen können

    In dem heutigen hektischen Umfeld passiert der Aufstieg und Fall von Unternehmen schneller als je zuvor. Die größte Bedrohung ist vielleicht die Selbstgefälligkeit. Oder wie der verstorbene Steve Jobs, Erfinder des iPhone, es formulierte: „Bring die Selbstgefälligkeit um, bevor sie dich umbringt.“ Es folgen sechs Unternehmen, die einst als führend auf ihrem Gebiet galten, bevor sie leider vom Weg abkamen. Blockbuster Nur wenige hätten vorhergesagt, wie diese Erfolgsgeschichte enden würde. Blockbuster war einst im Videoverleihgeschäft mit einem Marktwert von 5 Milliarden US-Dollar der unbestrittene Marktführer. Er beschäftigte 60.000 Menschen und verfügte über 9.000 Videotheken weltweit. Dann begann Netflix damit, Filme per Post zu versenden, und Kabel- und Telefongesellschaften fingen an, Spielfilme per Stream in die Häuser der Menschen zu übertragen – und Blockbuster versäumte es, auf die sich ändernden Gewohnheiten der Kunden zu reagieren. Kodak Fast 100 Jahre lang gab es niemanden, der es mit Kodak aufnehmen konnte. Die Firma wurde basierend auf einer durch Innovation und Wandel geprägten Unternehmenskultur aufgebaut; und wurde durch Selbstgefälligkeit zerstört. Die meisten Menschen besaßen eine Kodak-Kamera und verwendeten Filme der Marke Kodak. Wovon sich das Unternehmen aber kein Bild machte, war sein eigener Niedergang mit der Einführung der Digitalfotografie, einer Technologie, die es selbst erfunden hatte. Es handelte nicht schnell genug und andere Unternehmen gaben ihm den Rest. Polaroid Angeblich hat Apple-Erfinder Steve Jobs den Mann verehrt, der für die Kultkamera Polaroid SX-70 die Pionierarbeit leistete. Denn Edwin Land war der Erste, der modernste Technologie mit Design verband. Auf seinem Zenit im Jahr 1991 erreichte der Umsatz vornehmlich mit seinen Sofortbildkameras und Filmen fast drei Milliarden britische Pfund. Doch sein Verderben begann, als er sich die Revolution der Digitalfotografie nicht zu eigen machte, und er ging zehn Jahre später in Konkurs. Motorola Es ist kaum zu glauben, dass Motorola das weltweit erste Mobiltelefon baute und verkaufte und 2003 das damals bestverkaufte Mobiltelefon aller Zeiten einführte – das Razr. Aber Motorola versäumte es, den Fokus auf Smartphones zu legen, die E-Mails und Bilder übermitteln konnten, und verlor rasch an Marktanteil. Commodore Commodore International war eine der ersten Computerfirmen, die auf dem Inlandsmarkt erfolgreich im Wettbewerb standen. Ihre relativ kleinen Geräte waren gut gemacht und preisgünstig. Anfang der 80er Jahre wurden jedes Jahr zwei Millionen Commodore 64 gekauft, und das Unternehmen beherrschte fast 50 Prozent des Markts. Dann führte es den intelligenteren Commodore plus/4 ein. Ein kluger Schachzug, würde man denken, aber das Unternehmen stieß seine Stammkunden vor den Kopf. Das neue Modell war mit dem alten, das den Kunden sehr gut gefiel, nicht kompatibel. Das Unternehmen ging 1994 in Konkurs. ICI ICI war einst ein Symbol für die Macht der britischen Industrie. Das Unternehmen, das Polyethylen erfand, beschäftigte auf seinem Zenit 130.000 Menschen und war eines der größten Chemieunternehmen weltweit. Doch in den 90er-Jahren wurde es zu selbstgefällig. Paul Hodges, bis 1995 obere Führungskraft bei ICI, sagte, das Unternehmen hätte immer mehr Risiko- und Entscheidungsaversion bewiesen. „Es verlor die Vorreiterrolle, den Antrieb, neue Richtungen auszuprobieren“, erläuterte er. „Stattdessen war die neue Losung: ‚Keine Überraschungen‘.“ Es verlegte sich auf Spezialchemikalien und verkaufte sein Grundchemikaliengeschäft an INEOS, das das Geschäft zu immer größerer Stärke führte. Unterdessen sanken ICIs Gewinne kontinuierlich. Das Unternehmen wurde schließlich im Januar 2008 an die niederländische Gesellschaft AkzoNobel verkauft und seine Geschäftsbereiche Klebstoffe und Elektronikmaterialien wurden drei Monate später von der deutschen Firma Henkel erworben.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Szenen-wechsel

    Wohlfühlbereiche sind nicht für jeden geeignet. Besonders nicht für Männer wie Tony Moorcroft. Wie INCH feststellen konnte, ist für ihn eine Veränderung immer besser als eine Ruhepause. Am 19. März 2003 wandte sich der amerikanische Präsident George Bush an die Welt. In einer Live-Sendung des Fernsehens sagte er, dass der Feldzug der Aliierten zur Entwaffnung des Irak, zur Befreiung von dessen Einwohnerinnen und Einwohnern und zur Verteidigung der Welt gegen eine ernste Gefahr begonnen habe. Heeresreservist Tony Moorcroft beobachtete Tausende Kilometer entfernt in seinem Haus im Vereinigten Königreich – vielleicht genauer als andere –, wie die Ereignisse außer Kontrolle gerieten. Denn sein Marineinfanterieregiment, eine Spezialeinheit, war das erste seit dem Zweiten Weltkrieg, das bereits zwangsmobilisiert worden war. Er hatte zwei Monate vorher einen versiegelten Brief im braunen Umschlag mit der Post erhalten. „Ich hatte ihn damals geöffnet und kurz gelesen, bevor ich zur Arbeit ging, aber ich hatte den Inhalt erst einige Stunden später begriffen, als mir plötzlich klar wurde, dass es wirklich ernst war“, erzählte er. Verständlicherweise war seine Familie stärker besorgt als er selbst. „Wissen Sie, dafür wurde man ausgebildet und hatte man sich verpflichtet, also konzentrierte man sich Stunde für Stunde, Tag für Tag auf die Aufgaben, was einen in die Lage versetzt, Ängste oder Beklommenheit zu überwinden“, sagte er. „Aber man muss seine Sachen so normal wie möglich weitermachen.“ Eine Woche, nachdem er im Januar 2003 seine Einberufungspapiere erhalten hatte, hatte er das Elternhaus im norden von England verlassen und sich seinem 165 Port and Maritime Regiment, einer logistischen Spezialeinheit, angeschlossen, die Bestandteil der Operation Telic 1 war. Ihre Aufgabe für die nächsten fünf Monate sollte darin bestehen, die alliierten Streitkräfte am Leben zu halten, während sie an den entscheidenden Orten im Irak und in Kuwait landeten. Als Unteroffizier oblag ihm ferner die Verantwortung, sich um ein Team von Männern zu kümmern. „Man konzentriert sich wirklich darauf, das Ergebnis zu erreichen, das jeder erreichen möchte, nämlich sicher zur Familie und zu den Freunden zurückzukehren“, erklärte er. Tausende starben in dem Konflikt, aber Tony überlebte – und nahm seine Arbeit als Personalleiter für InEOS ChlorVinyls und InEOS Enterprises wieder auf. „Nach einem kurzen Urlaub wollte ich so schnell wie möglich zurück in das normale Zivilleben“, gab er an. „Für mich war die Anpassung ziemlich einfach, denn sobald ich zurück bei der Arbeit war, hatte ich wieder viel zu tun. Meine Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen haben mich aber sehr unterstützt und bedrängten mich nicht mit endlosen Fragen, und von INEOS erhielt ich fantastische Unterstützung. Viele Reservisten machten sich wegen ihres Jobs zuhause Sorgen. Ich nicht, und das hieß, dass ich mich ausschließlich darauf konzentrieren konnte, dafür zu sorgen, dass alle sicher nach Hause kamen.“ Es war jedoch eine Erfahrung, die sein Leben änderte. „Ich habe viel über mich selbst und andere gelernt, aber es würde mir Beklommenheit verursachen, müsste ich diese Erfahrung wiederholen“, erklärte er. „Ich weiß das Leben mehr zu schätzen und bin der Ansicht, dass ich heute besser mit schwierigen Situationen umgehen kann.“ „Anfangs ging ich zur Armee, um meine technischen Fachkenntnisse zu verbessern und meine Karriere voranzubringen“, gab er an. „Doch Reservist zu sein hat mein Leben in mehr als einer Hinsicht verändert und INEOS hat als Arbeitgeber alles getan, was möglich war. Bei der Heeresreserve lernt man, sich auf sehr schwierige Umgebungen vorzubereiten, wo man keine andere Wahl hat, als Verantwortung zu übernehmen und für seine Handlungen einzustehen. In der chemischen Industrie sind wir mit ähnlichen Herausforderungen und Dilemmas konfrontiert. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass beide Funktionen sich gegenseitig ergänzen und Führungsqualitäten, Teamarbeit, Disziplin, Integrität und Respekt erfordern.“ Er muss also etwas richtig gemacht haben. Denn im letzten Jahr wurde er von seinem befehlshabenden Offizier Lt. Col. CK Thomas RLC für eine Ehrung anlässlich des Geburtstags der Königin vorgeschlagen – die „Queen‘s Volunteer Reserve Medal“ – für beispielhaften anerkennenswerten Dienst im Rahmen der Erfüllung seiner Pflichten. In jedem Jahr werden nur 13 Personen ausgezeichnet. „Meine erste Reaktion war Schock“, sagte der 55-jährige Tony. „Doch er verwandelte sich sehr schnell in Stolz, da in jedem Jahr nur wenige dieser Medaillen überreicht werden, so dass es etwas ganz Besonderes ist.“ Ihm wurde die Medaille im Buckingham Palace von Prince Charles überreicht, der sich daran erinnerte, dass er Tony 1993 bei den Gedenkfeiern für die Atlantikschlacht in Liverpool kennen gelernt hatte. „Er war insbesondere an meinem Wechsel von der Marine zum Heer interessiert, weil wir beide während unserer Laufbahn auf derselben Schiffsklasse gedient hatten“, sagte er. Badge of Honour Eine höhere Auszeichnung als die „Queen‘s Volunteer Reserve Medal“ kann es in Tonys Laufbahn wohl kaum geben. Doch andererseits ist da noch die Belobigung, die ihm die angesehene Auszeichnung verschafft hat. Sein befehlshabender Offizier, Lt. Col. Colin Thomas, der ihn für die Auszeichnung vorgeschlagen hat, erklärte, Tony habe sich ständig als vorbildliche und selbstlose Person ausgezeichnet, auch wenn sein Ausscheiden aus dem Militär nun näher rücke. „Er war für seinen Teamgeist und die Bereitschaft bekannt, auf die eigene Bequemlichkeit zu verzichten, wenn er damit sein Team unterstützen würde“, gab er an. „Alle, die mit ihm zusammengearbeitet haben, und – was am wichtigsten ist – die ihm unterstellten Menschen bringen ihm äußersten Respekt entgegen. Er engagiert sich total, ist absolut verlässlich und zeigt grenzenlosen Enthusiasmus, selbst nach mehr als drei Jahrzehnten Dienst in der Marine und beim Militär.“ Lt. Col. Thomas brachte zum Ausdruck, dass sich Tony intensiv um das Wohlergehen seiner Soldaten gekümmert habe, als sie 2003 im Irak eingesetzt wurden. „Er wendete sehr viel Energie auf und wandte sich neben seiner Hauptaufgabe anderen Dingen zu, um einfache Anlagen zu reparieren oder zu improvisieren, damit die Moral stimmte“, sagte er.

    5 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Debatte: Ist veränderung immer etwas gutes?

    Einige Menschen kommen bei Veränderungen zur vollen Entfaltung, andere tun alles, um sich ihnen zu widersetzen. Doch sind die Personen, die Veränderungen als gute Sache befürworten, immer im Recht? INCH recherchierte die Meinungen derer, die dazu etwas zu sagen haben. Veränderung ist nicht immer etwas Gutes. Sie treibt uns vielleicht unsere eingefahrenen Gewohnheiten aus und erlegt uns bessere auf, aber sie kann auch anstrengend, kostspielig und sogar destruktiv sein. Wie wir Veränderung antizipieren und wie wir auf sie reagieren, ist wichtig. Veränderung kann uns Anpassung lehren und dazu beitragen, Belastbarkeit zu entwickeln, doch nur, wenn wir unsere eigene Kapazität für Weiterentwicklung und Lernen begreifen. Wenn Veränderung uns besser macht, dann, weil wir gelernt haben, eine schwierige Situation für uns in einen Vorteil zu verwandeln, nicht nur, weil die Veränderung eingetreten ist. Rick Newman, Verfasser von „Rebounders: How Winners Pivot from Setback to Success“ und Kolumnist für Yahoo Finance Veränderung ist eine Konstante im Leben. Ob man bereit ist oder nicht, sie tritt ein. Wir entwickeln uns weiter. Wir werden älter. Technologie erfi ndet sich jeden Tag neu. Einige genießen die Veränderung, andere widersetzen sich ihr. Uns gefällt es am besten, wenn unseren eigenen Bedingungen gelten, wir haben aber nicht immer die Wahl. Manchmal können wir nicht mehr tun, als damit zurechtzukommen. Wenn wir Gelegenheit haben, in der Angelegenheit unseren Willen durchzusetzen, ist es klug, vorsichtig vorzugehen. Veränderung nur um der Veränderung willen, stellt ein Risiko dar – die Kirschen in nachbars Garten schmecken nicht immer süßer. Das unerbittliche Streben nach „Besserem“ kann manchmal zu bitteren Veränderungen für uns führen, die wir bedauern und nicht hätten vornehmen müssen. Bob Tamasy, Autor und Vice President der Communications Leaders Legacy, Inc. Veränderung an sich ist nicht gut oder schlecht. Sie ist etwas, das unvermeidlich ist. Probleme entstehen durch das Tempo, mit dem sie eintritt, und die Bedrohung, die sie für die Personen darstellt, die zur Veränderung aufgefordert werden. Die folgende Maxime ist hilfreich: Der Ablauf geht besonders glatt, wenn das, wozu man eine Person, ein Unternehmen oder ein Land zu tun auffordert, fast so einfach ist wie sich nicht zu verändern. Unglücklicherweise sind die Personen, die die Veränderung vorantreiben, schockiert, wenn es einen Rückschlag gibt. Selbst das elementarste Verständnis der Grundsätze des Wandels würde einen Übergang einfacher machen, unabhängig davon, ob es sich um ein Staatsoberhaupt handelt, das eine universelle Versicherung vorschlägt, um den CEO einer Kapitalgesellschaft, der seine Beschäftigten zur Übernahme von mehr Verantwortung veranlassen will, oder einen Ehepartner, der über die Unordnung, die der andere Ehepartner hinterlässt, verärgert ist. Stan Goldberg, Verfasser von „I have cancer. 48 things to do when you hear those words“ und von acht anderen Büchern über schwierige Situationen im Leben Veränderung ist unvermeidlich, aber sind wir stets zur Veränderung gezwungen, weil wir in einem eng verbundenen, hektischen globalen Umfeld leben? Meines Erachtens hat Veränderung nur um der Veränderung willen mit echter Innovation und Förderung der Kreativität oder dem Erwerb neuen Wissens und dem Erlernen neuer Fähigkeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben, nichts zu tun. Für große ebenso wie für kleine Unternehmen wirkt sich eine Veränderung der Markenidentität wie z. B. das Image, das Firmenzeichen, der Slogan, auf das Markenbild aus und auch darauf, wie die Kunden die Produkte oder Dienstleistungen wahrnehmen. In den meisten Fällen hassen loyale Markenliebhaber/innen die Veränderung, also muss man sich, bevor man Änderungen umsetzt, Folgendes fragen: Welchen zusätzlichen Wert hat die Änderung für meine Kunden, Beschäftigten und andere Stakeholder? Anne Egros, Global Executive Coach Viele Menschen hassen Veränderungen, andere hingegen freuen sich darauf. Sich Änderungen zu widersetzen, ist normal, doch eine sehr destruktive Sache. Einige Manager/ innen erkennen die Symptome des Wandels nicht, die direkt mit den geplanten oder tatsächlichen Änderungen verbunden sind, z. B. hohe Fluktuation des Personals, Konflikte, Verspätungen, Fehler, Verletzungen, schlechte Moral und verminderte Produktivität. Eve Ash, australische Psychologin und Geschäftsführerin von Seven Dimensions Spitzenunternehmen glauben nicht an Spitzenleistungen, sondern an ständige Verbesserungen und ständige Veränderungen. Gewinnerinnen und Gewinner müssen lernen, Veränderungen mit derselben Begeisterung und Energie zu genießen, mit der wir uns ihnen früher widersetzt haben. Tom Peters, amerikanischer Autor über Geschäftsführungspraktiken Wandel ist gut. Auch das hört man oft. Der Status quo kann sehr viel angenehmer sein. Aber um bei Geschäften Erfolg zu haben, muss man sich darauf stürzen. Diese Kommunikationsund Technologielandschaft ändert sich schneller als je eine zuvor, mit der wir es zu tun hatten. Vor zwanzig Jahren hatten Sie wahrscheinlich nicht mal eine E-Mail-Adresse, heute fällt es schwer, sich das Leben (oder Ihren Beruf) ohne E-Mail vorzustellen. Vor zehn Jahren existierte Facebook gar nicht, und heute nutzen es eineinviertel Milliarden Menschen und Millionen Unternehmen für ihre Kommunikation. Selbst wenn man nicht direkt an der Kommunikationsoder Technologiebranche beteiligt ist, besteht kein Zweifel, dass die Technologie bei Veränderungen in der eigenen Branche eine enorme Rolle gespielt hat. Diese Änderungen bedeuten, dass man sich ändern muss. Dave Kerpen, New York Times-Bestsellerautor von „Likeable Social Media“ und „Likeable Business“ Fortschritt ist ohne Veränderung unmöglich. Und Menschen, die ihre Meinung nicht ändern können, können überhaupt nichts verändern. George Bernard Shaw, irischer Dramatiker und Mitbegründer der London School of Economics

    4 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • In sicheren händen

    INEOS ist von Sicherheit besessen. Das muss so sein. Es können Leben auf dem Spiel stehen, wenn Dinge falsch gemacht werden. Doch wenn Fehler gemacht werden, ist INEOS sehr darum bemüht zu gewährleisten, dass jedes Mal wertvolle Lehren daraus gezogen werden. SELBSTGEFÄLLIGKEIT lässt Unternehmen scheitern. Und in einem potenziell gefährlichen Unternehmen wie INEOS kann Selbstgefälligkeit auch Leben kosten. Steve Yee, INEOS Group Safety Health and Environment Director, der in Runcorn, Vereinigtes Königreich, tätig ist, ist einer der Männer, deren Aufgabe darin besteht, dagegen zu kämpfen. „Es ist sehr wichtig, dass jeder stets vor allem an Sicherheit denkt“, sagte er. „Wir alle wissen, dass die Zukunft unserer Unternehmen langfristig auf unserer Erfolgsgeschichte in den Bereichen Arbeitsschutz und Umwelt basiert.“ Doch was auch immer INEOS tut, es scheint zu funktionieren. Im vergangenen Jahr verbesserte sich INEOS‘ Sicherheitsbilanz insgesamt um 23 Prozent gegenüber 2013, und die Umweltverstöße befanden sich auf dem niedrigsten Stand überhaupt. „Es war die beste Leistung im Bereich Sicherheit und Umwelt, die wir je erreicht haben“, erklärte Steve, der die Sicherheitsberichte des Konzerns erstellt. Er gab an, dass INEOS häufig Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr erreicht habe, aber dies sei die größte gewesen. „Besonders erfreulich war festzustellen, dass Standorte, die im Bereich Sicherheit nicht die besten Leistungen erbracht hatten, Verbesserungen aufwiesen“, sagte er. „Wenn das eintritt, zeigt es sehr deutlich, was man unter Einsatz seines festen Willens erreichen kann.“ INEOS wechselte kürzlich zu OSHA (Occupational Health and Safety Administration), einem strengeren aus den USA kommenden System zur Aufzeichnung von Unfällen, Verletzungen und Erkrankungen am Arbeitsplatz, sodass Außenstehende ihre Leistung im Vergleich zu den Allerbesten beurteilen können. „Wir können nun feststellen, dass INEOS ähnlich gut dasteht wie Shell und Dow Chemical“, erläuterte Steve. „Doch wir liegen immer noch zurück, auch wenn wir dabei sind aufzuholen.“ INEOS betrachtet eine OSHA-Performance von 0,23 als „Best in Class“. „Dow gehört zu den führenden Unternehmen“, sagte er. „Wir liegen bei 0,40.“ Im Dezember besuchten Steve und Simon Laker, INEOS Group Operations Director, die Dow Chemicals-Zentrale in den USA, um zu verstehen, wie dem Unternehmen eine so eindrucksvolle Leistung gelingt. „Es ergab sich eine Reihe von Faktoren und ein besonders wichtiger besteht darin, dass sich die OSHA-Leistung ggf. zwar verbessert, doch die Anzahl lebensverändernder Verletzungen nicht“, sagte er. „Für uns gilt dasselbe. Also müssen wir den Schwerpunkt eindeutig stärker darauf legen, was zu tun ist, um schwerere Verletzungen und Todesfälle zu verhindern.“ Steve stellte ferner fest, dass das Reporting in allen Ländern auf hohem Niveau erfolgen müsse, wenn INEOS jemals eine echte Verbesserung erreichen wolle. „Wir als Managementteam fokussieren uns besonders auf die Berichterstattung“, gab er an. „Es macht absolut keinen Sinn, wenn die erste Verletzung, von der wir erfahren, ein Todesfall oder der Verlust von Gliedmaßen ist.“ Nachdem ein Beschäftigter an einem der Produktionsstandorte ein Sicherheitssystem umgangen hatte, um die Aufgabe schneller zu erledigen, leitete INEOS Ende letzten Jahres eine konzernweite Initiative ein, um etwas zu bewegen. „Neue Initiativen werden immer dann eingeleitet, wenn wir vorgefallene Zwischenfälle überprüfen. Denn stellen wir fest, was wir tun müssen, um Wiederholungen zu verhindern“, erklärte er. „Zum Glück wurde bei dem Zwischenfall niemand verletzt, doch es war gut, dass uns dies berichtet wurde.“ Durch die lebensrettenden Regeln wird es nun für alle leichter zu erkennen, was INEOS erwartet – und sie tragen dazu bei, zu gewährleisten, dass die Sicherheitsgrundlagen überall vorhanden sind. Laut Steve würden diese Regeln von allen wahrgenommen. „Durch die INEOS-Managementstruktur wird es einfacher zu überprüfen, ob Mitteilungen eindeutig an alle übermittelt und von ihnen verstanden wurden“, sagte er. „Wir haben keine überdimensionierte Firmenzentrale. Jeder Standort ist für seine Maßnahmen rechenschaftspflichtig.” DIE 7 LEBEN RETTENDEN REGELN Nachdem ein Beschäftigter ein Sicherheitssystem umgangen hatte, um die Aufgabe schneller zu erledigen, führte INEOS sieben Leben rettende Regeln ein. Die Regeln lauten wie folgt: Kein Zugang zum Werk unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sowie striktes Alkohol- und Drogenverbot auf dem Werkgelände Striktes Rauchverbot außerhalb besonders gekennzeichneter Bereiche Arbeiten an unter Spannung oder Produkt stehenden Bauteilen und Maschinen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung zulässig Sicherheitsbedeutsame Einrichtungen und Verriegelungen dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung außer Kraft gesetzt werden Bei Höhenarbeiten ist zwingend eine geeignete Absturzsicherung zu benutzen Geschlossene Räume, Behälter, Gruben etc. dürfen nur nach Gastest und nur mit ausdrücklicher Genehmigung betreten befahren werden Bei Kran- und Hebearbeiten ist unbefugten Personen der Zutritt zum Gefahrenbereich unterhalb schwebender Lasten strikt untersagt

    4 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Den üblichen rahmen sprengen

    Der verstorbene Steve Jobs hatte eine Strategie und Vision für Apple und es begann mit dem Kunden, nicht den Ingenieuren oder der fantastischen Technik des Unternehmens. Der Fokus lag stets auf den unglaublichen Vorteilen, die Apple seinen Kunden geben konnte. Styrolution hat dieselbe Vision STYROLUTION hat es seit 2011 weit gebracht. Für die Beschäftigten war es ein ziemlich weiter Weg. Für die Kunden war es der Beweis, dass eine Konsolidierung der Branche für das große Ganze funktionieren kann. Heute ist INEOS Styrolution eine 100-prozentige Tochtergesellschaft, nachdem wir im vergangenen Jahr den 50-prozentigen Anteil der BASF an dem Styrolkunststoff-Joint-Venture für 1,1 Milliarden Euro erworben hatten. Und die Zukunft sieht für die Kunden – wenn das überhaupt möglich ist – noch besser aus. Die Automobilindustrie gehört zu denen, die von INEOS‘ aktueller Entscheidung am meisten profitieren: Zwei von INEOS-Geschäftsbereichen wurden verschmolzen und ein One-Stop-Shop für Styrolkunststoffe gegründet, der Kunststoffe für Autozubehör, elektronische Geräte, Haushaltsgeräte, medizinische Geräte, Verpackung und Spielzeug herstellt. „Kein anderes Unternehmen kann dies in dieser Größenordnung anbieten“, sagte Andy Currie, INEOS Capital Director und Vorstandsvorsitzender von Styrolution. „Und das hat für uns und unsere Kunden eine gewaltige Wirkung.“ Die Entscheidung, INEOS Styrolution und INEOS ABS zu verschmelzen, wurde im März dieses Jahres gefällt – nur einige Monate, nachdem INEOS den Anteil der BASF an Styrolution, dem Weltmarktführer für Styrolkunststoffe, erworben hatte. Andy merkte an, dass die Verschmelzung überaus sinnvoll gewesen sei und „weitere enorme Chancen für Wachstum anbiete.“ INEOS ABS ist der größte Hersteller von Styrol- Acrylnitril-Polymeren in Nordamerika und hat sich mit der Gestaltung des Innenraums von Automobilen einen Namen gemacht. INEOS Styrolution, das 15 Produktionsstandorte in neun Ländern betreibt, hatte in der Vergangenheit eine stärkere Position bei externen Automobilanwendungen. „Die Unternehmen ergänzen einander wunderbar“, sagte Kevin McQuade, CEO, INEOS Styrolution. „Hohe Leistung und erstklassige Ästhetik sind wichtige Kaufkriterien für unsere Kunden in der Automobilindustrie. Und das unterscheidet unsere Produkte von anderen. Unseren Kunden die beste Lösung zu bieten, ist unsere Leidenschaft. Es macht die DNA unseres Unternehmens aus.“ Er fügte hinzu: „Früher haben beide Bereiche in demselben Geschäft im Wettbewerb miteinander gestanden, doch jetzt können wir auf den Stärken von beiden aufbauen, um den Kunden ein umfassenderes Angebot zu machen.“ Bei der letzten NPE-Messe in Orlando, Florida, teilten sich INEOS Styrolution und INEOS ABS einen Stand und boten den Kunden einen Blick in die Zukunft. „Wir konnten zeigen, dass Styrolkunststoffe unbegrenzte Möglichkeiten bieten, und sie waren begeistert von dem, was sie sahen“, sagte Kevin. „Einfach gesagt, haben wir andere immer dabei unterstützt, die Zukunft der Wirtschaftszweige Automobile, Gesundheit, Elektronik, Haushalt, Bau und Verpackung durch Styrolkunststoffe zu gestalten.“ INEOS und BASF hatten das Joint Venture im Oktober 2011 bei schwierigen Marktbedingungen vereinbart. Über Nacht gründeten sie ein wahrhaft globales Unternehmen und sicherten sich die führende Stellung auf dem Weltmarkt für Styrolkunststoffe mit einer globalen Produktionsplattform von Weltklasse, mit der den Kunden Versorgungssicherheit, Zugang zu allerbester Technologie und ein breit gefächertes Produkt- und Dienstleistungsportfolio angeboten wurde. Zusammen waren sie somit stärker und effizienter. Und innerhalb von zwei Jahren – statt der prognostizierten fünf Jahre – hatten sie Einsparungen in Höhe von 200 Millionen Euro erzielt. „Wir gründeten ein völlig anderes und einzigartiges Unternehmen“, sagte Kevin. „Es war eine radikale Veränderung.“   INEOS hatte als Partner des Joint Venture-Vertrages stets das Recht, BASF auszuzahlen – und fällte diese Entscheidung im November letzten Jahres. Jim Ratcliffe, Vorstandsvorsitzender von INEOS, beschrieb die Übernahme als eine weitere Wachstumsstufe für das Styrolution Geschäft. „Wir freuen uns sehr, Styrolution vollständig in die INEOS Familie aufzunehmen“, sagte er damals. INEOS Styrolution ist heute eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von INEOS – und auf Expansion ausgerichtet. „Styrolution verfügt bereits über eine weltweite Assetbasis, aber es gibt aufstrebende neue Märkte“, erläuterte Kevin. „Wir beabsichtigen, unsere Präsenz in Brasilien und in Asien, insbesondere in China, zu erweitern. Es handelt sich hier um eine Nebenerscheinung unserer Triple Shift-Strategie, nach der vorgesehen ist, dass wir unsere Position in allen Kundengeschäftszweigen, Standard- ABS, Styrolspezialkunststoffe sowie in den Schwellenmärkten ausweiten. Mit Betriebsstätten weltweit besteht keine Notwendigkeit, Waren von Europa nach Amerika oder umgekehrt zu schicken. Unsere Kunden bekommen die Waren vor der Haustür. Wir sind wahrhaftig ein globales Unternehmen von INEOS.“ INEOS Styrolution verkauft seine Produkte in Form von Granulat. Dieses Granulat wird anschließend von den Kunden weiterverarbeitet, um Teile zu produzieren und zu formen, zum Beispiel für Autos. „Alles, was Sie sich vorstellen können, können wir auch herstellen“, sagte Kevin. Ein weiterer Wirtschaftszweig, der eng mit INEOS Styrolution zusammenarbeitet, ist die Bauindustrie – und das kann man sehen. „Unsere Kunden im Bausektor sind bei Innovationen auf dem neuesten Stand und ständig gefordert, Produkte auf den Markt zu bringen, die längere Haltbarkeit aufweisen, langlebiger, kostengünstiger und ästhetisch ansprechend sind“, sagte Thomas Hazenstab, Specialities Business Director. Gemeinsam haben sie Produkte wie z. B. Bohlenbeläge, Einzäunungen und Zäunegitter entwickelt, die schlechtem Wetter besser widerstehen und auch hohen Temperaturen standhalten. „Wir halten uns zugute, eng mit den Kunden zusammenzuarbeiten, um neue Produkte zu entwickeln, die ihren speziellen Bedarf decken“, erklärte Thomas. „Es geht darum, in der Branche neue Trends zu setzen. Wir wollen die bestmögliche Lösung anbieten, um ihnen auf den eigenen Märkten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.” Kevin erklärte, Innovation sei der Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens gewesen, dies gelte umso mehr in Zukunft. „Um in den Märkten für Spezialkunststoffe Erfolg zu haben, müssen wir durch Innovation für unsere Kunden Mehrwert schaffen“, sagte er. „Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden an Innovationen, um neue Styrollösungen für die Produkte von morgen zu entwickeln. Modernste Lösungen und Anwendungen, Produkt- und Prozessinnovationen unterscheiden uns von unseren Wettbewerbern und fördern unsere Position als bevorzugte Partner.“ Styrolution ist ferner der weltweit führende Lieferant von Styrolkunststoffen für die Elektronikindustrie, womit gewährleistet wird, dass Computergehäuse und -monitore stabil und hitzebeständig sind. Ein Großteil der Drucker, die derzeit weltweit hergestellt werden, enthält Polystyrol oder ABS-Produkte von Styrolution. Ferner werden Styrolution und INEOS ABS von der Verschmelzung auch insofern profitieren, als durch das Erzielen von Synergieeffekten die Effizienz des Geschäfts gesteigert wird. Kernabteilungen wie z. B. Marketing und Verkauf, Kundendienst, Forschung und Entwicklung, Lieferkette, Produktion, Finanzen und Personal werden zusammengelegt und Best Practices gemeinsam genutzt. Davon wird nicht nur das gesamte Unternehmen profitieren, sondern die Kunden haben den Vorteil, für ihren gesamten Bedarf an Styrolkunststoffen über eine zentrale Bezugsquelle zu verfügen. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens hat es viele Änderungen gegeben“, erklärte Kevin. „Doch für unsere Kunden lautete die wichtigste Botschaft: Kontinuität. Wenn es Änderungen gibt, handelt es sich um Verbesserungen. Dieses Unternehmen ist langfristig aufgestellt.“ www.styrolution.com Styrolution vid 2

    14 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • INEOS erhält zinsen von kreditgebern

    INEOS verpasst nicht gern eine Gelegenheit, insbesondere wenn es darum geht, finanzielle Angelegenheiten effizienter zu handhaben. Und dieses Jahr war keine Ausnahme. Eine solide Leistung und INEOS‘ Ruf als Unternehmen, das Geld verdienen kann, trugen dazu bei, in der ersten Jahreshälfte drei getrennte Geschäfte zu finalisieren – und damit die jährlichen Zinskosten um weitere 80 Millionen EURO zu senken. „Auch wenn das heißt, dass die Investoren nicht so viel Geld mit Zinsen verdienen können – es bedeutet, INEOS kann sich auf die Stärkung des Unternehmens konzentrieren und gilt als besseres ,Risiko‘, was für Kreditgeber immer positiv ist“, sagte Peter Clarkson, Leiter der Abteilung Investor Relations bei INEOS. Das Geld, das bei der letzten zu refinanzierenden Verbindlichkeit in Höhe von vier Milliarden Euro an Zinszahlungen eingespart wird, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ins Unternehmen investiert. „Es ist schwer zu sagen, wie der zusätzliche Cashflow verwendet wird“, erläuterte Peter. „Doch es gibt uns in der Tat mehr Flexibilität, wenn wir geschäftliche Verbesserungen oder sogar einige ergänzende Übernahmen erwägen – wir verfolgen weiterhin aufmerksam Gelegenheiten in diese Richtung.“ In den vergangenen vier Jahren hat INEOS – mit einer Reihe von taktisch klugen Schritten – die neun Milliarden US-Dollar refinanziert, die es 2005 für die Übernahme von Innovene, der Olefine-, Derivativeund Raffinerie-Tochter von BP, aufgenommen hatte. Dies trug dazu bei, dass das Unternehmen 405 Millionen Euro an Zinsbelastung eingespart hat. „Im Anschluss an die Restriktionen, die nach der Finanzkrise im Jahr 2008 eingeführt wurden, befinden wir uns seit 2011 in dem Prozess, die Schuldenstruktur des Konzerns zu verbessern“, sagte Chief Financial Officer Graeme Leask. „Das hat uns in die Lage versetzt, unsere Zinskosten von 763 Millionen Euro im Jahr 2010 auf derzeit 358 Millionen Euro zu verringern.“ Im April 2012 ging INEOS in die Geschichtsbücher der Finanzwelt ein, als es das größte einem europäischen Unternehmen jemals gewährte „Covenant-Lite-Darlehen“ – ein bei der Vergabe weniger genau überprüftes Darlehen – erhielt und gleichzeitig das größte seit Beginn der Kreditkrise 2008. Michael Moravec, Leiter des European High-Yield Syndicate, beschrieb dies als eine erstaunliche Leistung für ein Unternehmen. „Das Management kann sich jetzt auf sein Kerngeschäft konzentrieren, nämlich die Leitung eines Chemieunternehmens“, sagte er damals. INEOS hat nun die meisten seiner Darlehen, deren Fälligkeit näherrückte, refinanziert. „Die nächste große Tranche der Verbindlichkeiten abzulösen, erfordert, dass wir jetzt einen erheblichen Aufschlag zahlen, aber der Aufschlag wird sich reduzieren und eventuell gibt es im nächsten Jahr ein attraktiveres Angebot“, erklärte Peter.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • INEOS investiert Energie in neue TV-Sendung

    INEOS hat ein neues Fernsehprogramm begründet, um die Beschäftigten auf dem Laufenden zu halten. INEOS hofft, dass IN:TV, das jeden Monat von einem anderen Standort aus gesendet wird, die Verbindung zwischen dem weltweit zunehmenden Personal und dem Unternehmen stärken wird. Tom Crotty, INEOS External Affairs Director, fungiert als Gastgeber des 15-minütigen Programms, das er jedes Mal gemeinsam mit einem/r Gastmoderatore/rin aus einem Standort präsentiert. „In nur 17 Jahren hat sich INEOS aus dem Nichts zu einem globalen Chemieriesen mit mehr als 53 Produktionsstandorten weltweit und nahezu 20.000 Beschäftigten entwickelt“, sagte er. „Manchmal stellt die Kommunikation mit so vielen Menschen eine echte Herausforderung dar.“ Die erste Folge wurde in Grangemouth in Schottland gedreht, wo Tom von Jennifer Prentice begleitet wurde, einer mehrfach ausgezeichneten Diplomingenieurin für Verfahrenstechnik von INEOS Olefins & Polymers Europe UK. „Meiner Ansicht nach liegen wir mit der Innovation des IN:TV bei der Kommunikation mit den Beschäftigten im Sektor Petrochemikalien ganz vorne“, gab Tom an. „Und angesichts der Bedeutung, die die jüngere Generation – unsere künftigen Beschäftigten und Kunden – Videos und den Sozialen Medien zumisst, wollen wir ihnen so viel Information wie möglich geben.“ Jede Folge bringt die aktuellen Nachrichten aus dem Konzern, und den Beschäftigten wird Gelegenheit gegeben, dem Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe Fragen zu stellen. Das Programm ist online – für alle – unter www.ineos.com zu sehen.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • INEOS‘ Flotte wird um Insight und Ingenuity erweitert

    Zwei hochmoderne Schiffe, die INEOS für den Transport von Tausenden Tonnen flüssigen Ethangases aus den USA nach Europa einsetzen wird, wurden offiziell getauft. Die JS INEOS Insight und die JS INEOS Ingenuity wurden im Juli 2015 in Betrieb genommen. Auf der Seite von einem der riesigen Schiffe prangt: „Shale Gas for Manufacturing“, das andere ist mit dem Spruch versehen: „Shale Gas for Chemicals“. Die Schiffe erhielten in Qidong in der Nähe von Shanghai ihren Namen, wo SINOPACIFIC Offshore and Engineering, eine der größten Schiffbaufirmen der Welt, das erste Schiff der Flotte für INEOS baut. Jedes Schiff hat eine Länge von zwei Fußballplätzen und kann 40.000 Barrel Ethan transportieren. Steffen Jacobsen, CEO von Evergas, das dänische Gastransportunternehmen, das die Schiffe geplant und geleast hat und sie betreibt, arbeitet seit 35 Jahren in der Transportbranche. „Diese Schiffe stellen auf vielen Ebenen ein weltweites Novum dar“, sagte er. „Niemand hat je zuvor versucht, Ethan in diesen Mengen und über diese Entfernung hinweg zu verschiffen. Wir mussten völlig neue Verfahren erfinden, um dies tun zu können. Diese Schiffe sind wahrhaftig einzigartig.“ Die Schiffstaufe kennzeichnete den letzten Punkt von INEOS‘ eine Milliarde US-Dollar-Projekt, Schiefergas von den USA zu den INEOS-Produktionsstätten in Norwegen und Schottland zu transportieren. INEOS ist das erste Unternehmen der Welt, das sich dafür entscheidet, aus Schiefergas gewonnenes Ethan aus den USA zu verschiffen, wo das Gas zu einer Renaissance der Produktion geführt hat. Jim Ratcliffe, INEOS-Gründer und -Vorstandsvorsitzender, erklärte, die Größenordnung des Projekts, das zur Revolutionierung der chemischen Industrie in Europa beitragen werde, indem es die US-Wirtschaftslehre nach Europa bringe, sei außerordentlich. „Wir werden 15 Jahre lang mehr als 40.000 Barrel Gas pro Tag von den USA nach Europa transportieren, und zwar jeden Tag“, sagte er. „Wie man es auch betrachtet, es ist eine außergewöhnliche Leistung.“ INEOS names its Dragon Ships vid

    4 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • GO Run For Fun bricht Rekord

    Das INEOS GO Run For Fun-Team hat kürzlich im Queen Elizabeth Olympic Park in London sein bisher größtes Event veranstaltet, als 6.000 Kinder an vielen Olympiateilnehmern/innen und bekannten TVPersönlichkeiten vorbei die 2-km-Strecke liefen. „Wir wissen, dass viele Eltern sich um ihre Kinder Sorgen machen, weil sie zu viel essen und sich nicht genug bewegen“, sagte Leen Heemskerk, Projektleiter der GO Run For Fun-Stiftung. „Die Wohltätigkeitsorganisation GO Run For Fun zielt darauf ab, das Problem mit Spaß anzugehen, und die enorme Anzahl von teilnehmenden Kindern zeigt, dass viele Menschen sich unserem Anliegen anschließen.“ Daley Thompson, britischer Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen, überreichte einige der Preise. „Es war für alle Kinder fantastisch“, sagte er. „Alle haben sich großartig amüsiert und außerdem etwas darüber gelernt, wie wichtig gesundes Essen und Bewegung sind.“ GO Run For Fun ist jetzt die weltweit größte wohltätige Stiftung, die Kinder zum Laufen bringt. Neben dem Lauf wurde auch eine neue Cartoon-Reihe für Kinder gestartet, bei der es um Dart geht, das Maskottchen der Wohltätigkeitsorganisation. Dart TV richtet sich an 5- bis 10-Jährige und erklärt, wie wichtig gute Ernährung und regelmäßige Bewegung sind. Im Verlauf des Tages übernahm Charlie Webster, ehemaliger Sky Sports-Moderator, den Vorsitz bei einer Diskussion am Runden Tisch, die sich mit der Notwendigkeit befasst, die Kinder früh zu aktivieren, wenn Großbritannien Adipositas bei Kindern bekämpfen will. „Bei der aktuellen Epidemie von Adipositas bei Kindern im Vereinigten Königreich ist Bewegungsmangel ein wichtiger Faktor“, erklärte Dr. Paul Sacher, ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet Gesundheit und Adipositas bei Kindern. „Angesichts dessen, dass eines von drei Kindern übergewichtig und adipös ist und etwa 80 Prozent der Kinder die staatlichen Richtlinien für körperliche Bewegung nicht erfüllen, ist es unerlässlich, dass wir Initiativen wie GO Run For Fun unterstützen.“ Neben Daley nahmen der Olympiateilnehmer und Hürdenläufer Colin Jackson und die Goldmedaillengewinnerin bei den Commonwealth- Spielen, Louise Hazel, teil. Außerdem wurde die Veranstaltung von dem Marathonmann Großbritanniens, Rob Young, unterstützt, der vorher seinen eigenen Weltrekord aufgestellt hatte, indem er 370 Marathonläufe in 365 Tagen gelaufen war. „Das war ein bedeutender Tag für GO Run For Fun“, sagte Jim Ratcliffe, INEOS-Vorstandsvorsitzender und Gründer von GO Run For Fun. „Zum einen ging es hier darum, dass Tausende von Kindern Spaß hatten und gelernt haben, wie wichtig Ernährung und Bewegung sind. Auf der anderen Seite geht es darum, die Regierung darauf hinzuweisen, dass sie viel mehr tun muss, um zu erreichen, dass Kinder unter 12 Jahren fit und aktiv sind.”

    4 minuten lesezeit Ausgabe 8
  • Weltweit führende pioniere kommen ins INEOS-team

    Die drei weltweit führenden Sachverständigen, denen man zuschreibt, die Schiefergasförderung in Amerika perfektioniert zu haben, sind jetzt ausschließlich für INEOS in Europa tätig. In den nächsten fünf Jahren werden Erdölingenieur Nick Steinsberger und die Geologen Kent Bowker und Dan Steward INEOS dabei beraten, wie man am besten sicher die umfangreichen britischen Vorkommen erschließt. Alle drei waren für Mitchell Energy & Development tätig, die bei der wirksamsten Methode zur sicheren Förderung von Schiefergas im Barnett Shale in den USA Pionierarbeit geleistet und damit zur Auslösung des dortigen Schiefergasbooms beigetragen haben. „Sie verfügen über umfangreiche Kenntnisse erfolgreicher Schiefergasförderung“, so Garry Haywood, CEO des frisch gebildeten Teams für Schiefergas bei INEOS, INEOS Upstream genannt. „Wir sind zuversichtlich, dass unser US-Team, gemeinsam mit unseren Expertinnen und Experten, sicher und wirksam ein erfolgreiches Unternehmen in Schottland aufbauen kann, das eine Rolle dabei spielen wird, die Energieversorgungssicherheit von Schottland und dem Rest Großbritanniens zu sichern und dies erhebliche wirtschaftliche Vorteile für das Land und die Gemeinden mit sich bringen wird.“ Nick, Kent und Dan sind seit den 80er-Jahren im Bereich Schiefergasförderung tätig und gelten als führend auf ihrem Gebiet. Tom Crotty, Corporate Affairs Director von INEOS, beschrieb Nick als den besten Onshore-Erdgasingenieur der Welt. „INEOS ist eines der weltweit führenden größten Chemieunternehmen“, sagte er. „Wir sind es gewöhnt, riesige petrochemische Anlagen sicher zu betreiben. Jetzt haben wir einige der weltweit führenden Schiefergasexperten in unserem Team, die gemeinsam Tausende von Bohrungen durchgeführt haben. Wir vertreten die Ansicht, dass die Kombination von Fachwissen als weltweites Petrochemie- Unternehmen und deren Know-how im Schiefergasbereich den Bürger/innen zeigen sollte, dass wir uns einem sehr hohen Sicherheitsstandard verpfl ichtet fühlen und Schiefergasförderung verantwortlich vorantreiben wollen.“

    2 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • 230 millionen gbpkreditgarantie hilft INEOS bei der finanzierung der zukunft des standortes Grangemouth

    Für INEOS’ Petrochemiewerk in Grangemouth gibt es weiterhin gute Nachrichten. Die Bestätigung einer Kreditgarantie von 230 Millionen GBP von der britischen Regierung in diesen Sommer hat jetzt INEOS geholfen, die notwendigen Finanzmittel zu fi nden, um sicherzustellen, dass INEOS O&P UK einen Erdgastank bauen kann, um Ethan-Importlieferungen zu konkurrenzfähigen Preisen aus Amerika zu speichern – und damit sein verlustreiches Geschäft rentabel zu machen. Finanzvorstand Gerry Hepburn meinte hierzu, die staatliche fi nanzielle Garantieleistung sei für INEOS als „ausschlaggebend“ gesehen worden, um die langfristige Zukunft eines der größten Industriestandorte in Großbritannien zu sichern. „Die Kreditgarantie zeugt von der Unterstützung sowohl für die britische Petrochemiebranche sowie für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in Schottland“, sagte er. „Wir konnten die Kreditgarantie nutzen, um INEOS-Finanzmittel durch die Ausgabe einer öffentlichen Anleihe zu erhalten. Die Erlöse der Anleihe werden nun dazu genutzt, das Ethanspeicherprojekt zu fi nanzieren.“ INEOS hat bereits mehr als 300 Millionen GBP an seinem Standort Grangemouth als Teil seines langfristigen Überlebensplans investiert, um sicherzustellen, dass am Standort über 2017 hinaus Petrochemikalien produziert werden können, wenn die gegenwärtigen Gaslieferungsverträge auslaufen. In der Regel war Grangemouth stark auf Ethangas aus der Nordsee angewiesen, aber jene Vorkommen nehmen ab und der INEOS-Standort konnte nur noch mit verringerter Auslastung betrieben werden. Ethanimporte aus den USA, die als Ausgangsstoffe verwendet werden, werden INEOS dabei helfen, seine Anlagen auf vollem Produktionsniveau laufen zu lassen und die Betriebskosten, als Zukunftsgarantie für die Produktion in Grangemouth, zu reduzieren. „Dies ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Projekte der jüngsten Vergangenheit in Schottland, dessen Auswirkungen wohl überall in Großbritannien zu spüren sein werden, nicht nur für die Beschäftigung, sondern für die Industrieproduktion im Allgemeinen“, so INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. INEOS hat der in Deutschland ansässigen Firma TGE Gas Engineering den Auftrag erteilt, den Ethanspeichertank zu bauen, welcher europaweit der größte sein und ein Fassungsvermögen von 33.000 Tonnen Ethan haben wird. „Der Bau des Speichertanks ist kompliziert und es bedarf dazu an Know-how“, so John McNally, Vorstandsvorsitzender von INEOS O&P, UK. „Aber wir wissen, dass wir mit einem Unternehmen arbeiten, das auf seinem Gebiet führend ist.“ TGE baute den INEOS-Ethylenimportspeichertank im belgischen Antwerpen und baut derzeit den Ethanimportspeichertank am INEOS-Standort im norwegischen Rafnes. Die Baugenehmigung für den Ethanspeichertank in Grangemouth wurde vom Gemeinderat Falkirk im Mai dieses Jahres erteilt. „Dankbar wird man auf die Erneuerung des Standortes reagieren, wenn das Ergebnis mit Aufnahme der Bauarbeiten sichtbar wird“, so Gerry. Danny Alexander, Staatssekretär im britischen Finanzministerium, sagte, dass die Grangemouth-Garantieübernahme eine großartige Neuigkeit für die wirtschaftliche Zukunft Schottlands und den britischen Energiesektor sei. Die aus den USA importierten Ethanmengen werden es ermöglichen, dass der Gaskracker in Grangemouth mit doppelter Produktionsauslastung betrieben werden kann.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Land der unbegrenzten möglichkeiten

    Nachdem bereits bahnbrechende Verträge mit 15 Jahren Laufzeit mit Amerika über preisgünstiges, durch Schiefergas abgebautes Ethan vereinbart worden sind, beschloss INEOS, dass es an der Zeit sei sich anzusehen, wie man in den USA damit Erfolg hatte und was Europa daraus lernen kann. Schiffe, wie sie die Welt noch nie erlebt hat, laufen nächstes Jahr zum ersten Mal aus amerikanischen Häfen aus. Jedes dieser Schiffe wird Tausende von Tonnen verflüssigtes Ethan für die INEOS-Gaskracker in Europa mit sich führen, um diese mit Rohstoffen zu versorgen, welche in der Nordsee zur Neige gehen, und um die Betriebskosten der Gaskracker zu senken. Jeden Tag werden 40.000 Barrel Schiefergasethan, das auf eine Temperatur von minus 95,55 Grad Celsius abgekühlt wurde, aus Marcus Hook, Philadelphia, in Richtung Norwegen und Schottland, Großbritannien, auslaufen. Dragon Boats Vid „Niemand hat jemals Ethan in diesen Mengen um die Welt transportiert“, so INEOS Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. „Diese Schiffe wurden noch niemals vorher konstruiert und haben noch nie den Nordatlantik überquert. Dies ist eine echte Premiere.“ INEOS braucht Ethan, um hochwertige Petrochemikalien herzustellen, doch wenn unsere Standorte in Europa wettbewerbsstark bleiben wollen, müssen wir Lieferungen aus Amerika beziehen, wo es ausreichend große Mengen zu günstigen Preisen gibt. „Wir transportieren tatsächlich USamerikanische Wirtschaftsverhältnisse nach Europa“, so Jim weiter. Diese in China gebauten, hochmodernen Schiffe sind äußerst effi zient und werden Doppelschiffsmotoren haben, damit sie auch unter schwersten Bedingungen in Betrieb sein können. In der Zwischenzeit werden von INEOS neue Exporteinrichtungen in den USA und Speichertanks in Rafnes und Grangemouth gebaut. Die Reise über den Atlantik beginnt in Marcus Hook, früher Standort einer Rohölraffi nierie, die mehr als ein Jahrhundert lang Benzin, Diesel und Kerosin produziert hat. Etwa 500 Beschäftigte wurden entlassen, als die Verluste schreibende Anlage schließlich 2011 aufgrund schwieriger Marktbedingungen geschlossen werden musste. Heute wird sie zu einem wichtigen Zentrum für die Verarbeitung und den Transport von verfl üssigtem Erdgas aufgrund ihrer Verbindungen mit Pennsylvanias Marcellus-Schiefergasbranche umgebaut. „Es war ein stark benachteiligtes Gebiet“, sagte Tom Crotty, Corporate Affairs Director von INEOS. „Ein Großteil der Stadt wurde um die Industrie wie die Raffi nerie gebaut. Arbeitsplätze waren davon abhängig. Doch plötzlich wurde diese Gemeinde wieder zum Leben erweckt, nachdem sie vorher wie gelähmt am Boden gelegen hatte – durch Schiefergas.“ Marcus Hook war die erste Station der jüngsten Erkundungstour in den USA durch Jim und ein INEOSTeam. INEOS, wo man in ein eigenes Expertenteam investiert hatte, um die Vor- und Nachteile der Schiefergaserkundung in Großbritannien abzuwägen und um zu sehen – und zu verstehen – wie dies in Europa funktionieren könnte. Die Gruppe verbrachte einen Tag in Marcus Hook, bevor man dem Barnett-Schiefergasfeld in Texas ein Besuch abstattete, wo sich der allererste gebohrte horizontale Schacht befi ndet. Die Funktion wurde von Nick Steinsberger erläutert, der nach Toms Aussagen der beste Onshore- Erdölingenieur der Welt ist. „Viele andere haben sich daran versucht und aufgegeben, aber Nick hat herausgefunden, wie man das Gestein aufbrechen kann“, sagt Tom. „Er war der erste, der das Slick-Water genannte hydraulische Fracking einsetzte, um das Barnett-Schiefergasfeld in Texas aufzubrechen. Dadurch ermöglichte er die weltweite Förderung und erzielte damit den Durchbruch.“ Nick war zuvor für Mitchell Energy & Development tätig, damals noch mit dem Unternehmensgründer George Mitchell. Das Unternehmen wurde 2002 für 3,5 Milliarden USD verkauft. Heute führt Nick sein eigenes Unternehmen. Später eskortierte Nick die INEOS-Delegation ins südwestliche Pennsylvania zum Marcellus- Schiefergasfeld, einem der weltweit größten Erdgasvorkommen. „Er wollte, dass wir es sehen, da es dort so ähnlich wie in Europa mit grüner, hügeliger Landschaft aussieht,“ so Tom. „Jetzt gelten dort ebenso strenge Vorschriften.“ Für Tom war dies ein Aha-Erlebnis. „Zu den größten Bedenken der Öffentlichkeit gehören die Auswirkungen auf das Landschaftsbild“, so Tom. „Ich dachte mir, es würde aussehen wie in Texas mit diesen nickenden Stahleseln überall, doch dem größten Schiefergasgebiet Amerikas sieht man rein gar nichts davon an. Man sieht und hört dort nichts. Es zischt einfach nur vor sich hin wie aus einer Flasche Sekt. Es ist so, dass die Bohrung drei Wochen und das Fracking eine Woche dauert, da ist am Standort viel los, aber danach liefert dir die Bohrung 20 bis 50 Jahre Erdgas.“ Großbritannien ist derzeit das einzige Land in der EU, das Fracking ernsthaft in Erwägung zieht. Gary Haywood, der das INEOS-Schiefergasprojekt- Team leitet, meinte dazu, dass die britische Regierung erkannt hätte, dass Schiefergas das Potenzial besitze, Großbritannien zu mehr Energieversorgungssicherheit, Wachstum und Arbeitsplätzen zu verhelfen. „Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine erschwingliche und zuverlässige Energieversorgung“, meinte Gary. „Etwa 85 Prozent der britischen Haushalte heizen oder kochen mit Erdgas. Unsere heimischen britischen Vorkommen sind auf weniger als 50 Prozent der Nachfrage geschwunden. Wir haben eine saubere Energieressource aus britischem Schiefergestein, die erschlossen werden kann. Dies kann für das Land eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich bringen. INEOS will unbedingt Teil dieser Erschließung sein. Wir werden nach vernünftigen Möglichkeiten suchen, um Schiefergas für das Unternehmen und das Land zu fördern.“ Im Moment gibt es mehr als 176 Erdölerschließungsentwicklungslizenzen (PEDL) für die Onshore-Erdöl- und Erdgasförderung in Großbritannien. Dieses Jahr wurden weitere Lizenzen vergeben. Gemeinden und Grundbesitzenden bietet man Anreize, damit Unternehmen bohren können, doch INEOS zufolge geht man damit nicht weit genug. „Wir meinen, dass Gemeinden davon profitieren sollen, wenn auf ihrem Grund Erdgas gefördert wird“, so Tom. „Das Angebot von 100.000 GBP reicht nicht aus, damit die Leute meinen, das sei eine gute Idee. Daher haben wir Pläne angekündigt, 6 Prozent unserer Schiefergaseinnahmen an Haus-, Grundbesitzer/innen und Gemeinden in der Nähe unserer Bohrungen zu geben. Wir gehen davon aus, mehr als 2,5 Milliarden GBP aus unserem Schiefergasgeschäft auszubezahlen.“ Der Widerstand gegen Fracking in Großbritannien hat sich seit den Protesten in Balcombe in der Grafschaft West Sussex im vergangenen Jahr verstärkt. „Das Bohren in Balcombe hat einige emotionale Reaktionen provoziert“, so Tom. „Doch das Problem ist, dass die Bürgerinnen und Bürger über Schiefergasförderung im Allgemeinen nicht gut informiert sind. Die Anti-Lobby hat irrationale Ängste vor dieser Technik geschürt, vor allem über irreführende Propaganda.“ Tom und sein Team wollen das unbedingt ändern. „Wir haben einen kurzen Film gedreht, der den Bürgerinnen und Bürgern die echten Fakten zur Schiefergasproduktion zeigt. Wir wollen, dass die Öffentlichkeit die wahre Geschichte hört“, meinte er. Tom sagte, dass der Film einige der Mythen entlarvt, was die Auswirkungen der Schiefergasproduktion betrifft und stellt deshalb die wichtigen Vorteile dar, welche dieser Wirtschaftszweig Großbritannien bieten kann. „Es ist wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger alle Tatsachen kennen und so eine Entscheidung in voller Kenntnis der Sachlage treffen können“, so Tom weiter. „Die Branche kann viele bitter notwendige Arbeitsplätze schaffen. Die Energieversorgungssicherheit kann für die britischen Bürgerinnen und Bürger garantiert werden, indem ein sauberer Brennstoff gefördert wird, der im Vergleich zur Kohle nur halb so viele Treibhausgasemissionen produziert.“ Ein weiterer unbekannter Faktor ist, wie Kontinentaleuropa darauf reagieren wird. „Ich bin nicht sicher, wie lange dieses Thema dort ignoriert werden kann“, so Tom. „Einige glauben, dass die USA schon ihr Pulver verschossen haben und es in ein paar Jahren kein Gas mehr geben wird. Doch das stimmt nicht. Wir haben Unternehmen in den USA getroffen, die bis jetzt auf weniger als zehn Prozent ihrer Fläche Bohrungen durchgeführt haben. Bei der Schiefergasproduktion in den USA handelt es sich um einen langfristigen Industriezweig und Vorkommen auf längere Sicht. Mit erneuerbaren Energien lässt sich nicht alles lösen. Erdgas ist die perfekte Ergänzung für erneuerbare Energien, weil Alternativen notwendig sind. Wenn der Wind nicht weht, muss der Kühlschrank weiterlaufen.“ INEOS’ 15-Jahresverträge mit den USA über Ethanimporte gelten als Zwischenlösung, während Europa noch mit einer Entscheidung ringt. „Damit bekommen wir Zeit“, so Tom. „Dies ist eine Übergangslösung für die nächsten 15 Jahre, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem wir hoffentlich eine einheimische Schiefergasproduktion haben werden, mit der wir das Ethan bekommen.“ Hydrolic Manufac Vid

    20 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Super investition

    Schiefergas treibt die Investitionen in den USA an und reißt nicht ab. Laut Amerikanischem Chemie-Verband ACC überschreiten die mit Schiefergas verbundenen Investitionen in den USA 100 Milliarden USD. INEOS gehört zu denen, die investieren. INEOS hat einen der größten Ethankracker weltweit gebaut, um das preisgünstige Schiefergas in den USA zu nutzen. INEOS hat 115 Millionen USD in einen neuen Hochofen auf dem texanischen Chocolate Bayou-Industriegelände mit einer Fläche von etwa 970 Hektar investiert, um preisgünstiges Ethylen herzustellen, das von der Industrie bei der Produktion von Seifen, Lacken, Kleidung, Kunststoffflaschen und Kosmetik eingesetzt wird. „Das bedeutet nun, dass wir nicht jedes Mal, wenn wir einen der anderen sechs Hochöfen zu Reinigungszwecken herunterfahren müssen, Kapazitäten einbü.en“, so Dennis Seith, CEO von INEOS Olefins & Polymers USA. „Dies wiederum verbessert unsere gesamte Zuverlässigkeit.“ INEOS betreibt jetzt den zweitgrößten Ethylenstandort in den USA, den fünftgrößten weltweit. Dank der modernsten Technik ist der neue Hochofen nicht so umweltschädlich. „Es entstehen weniger Emissionen pro Tonne bei der Ethylenproduktion. Damit wird die bestmögliche Industrietechnik für Emissionskontrollen in der Industrie heute eingesetzt“, so Dennis. INEOS begann mit der Planung des Hochofens Mitte 2011. Der Bau wurde im April dieses Jahres, 28 Monate nachdem der erste Bauvertrag mit KBR unterzeichnet worden war, aufgenommen. Das Projekt verschlang mehr als 564.000 Arbeitsstunden der Bauarbeiter/innen, das entspricht 60 Jahren. In dieser Zeit wurden fast 13 Kilometer Rohre und 42 Kilometer elektrischer Strom- und Gerätekabel verlegt. „Es war ein hervorragendes Ergebnis und eines, das sicher umgesetzt werden konnte“, so Dennis. „Damit ist die Zukunft unseres Standortes für die nächste Generation gesichert.“ Laut Amerikanischem Chemieverband ACC übersteigen die mit Schiefergas verbundenen Investitionen jetzt 100 Milliarden USD. Im Februar dieses Jahres waren 148 Projekte einschließlich neuer Fabriken, Erweiterungs- und Prozessänderungen angekündigt worden. „Dies ist ein historischer Meilenstein für die US-Chemie und ein Beweis dafür, dass Schiefergas eine starke Triebkraft für das Wachstum der Industrieproduktion ist“, so der ACC-Präsident und Vorstandsvorsitzender Cal Dooley. „Durch den Schiefergasboom sind die USA der attraktivste Investitionsstandort weltweit für Investitionen in der Chemie- und Kunststoffbranche geworden. Damit ist die Wettbewerbsfähigkeit unglaublich gestiegen.“ Der neue Hochofen von INEOS wird dafür sorgen, dass jedes Jahr 55 Millionen USD zusätzlich an Gewinn generiert werden können. „Dies gehört alles zu unseren Plänen, die Kapazität zu steigern, um aus US-Schiefergas gewonnenes Ethan nutzen zu können und entspricht unserer langfristigen Strategie, Kostenregression zu erzielen und unsere Fähigkeit, preisgünstiges Ethan als Ausgangsstoff aus Schiefergas zu nutzen, zu steigern“, sagt Dennis. Doch das sind noch nicht alle guten Neuigkeiten in punkto US-Investitionen. Im August vereinbarten INEOS und Sasol gemeinsam ein neues Werk zu errichten, um 470.000 Tonnen Polyethylen hoher Dichte pro Jahr in LaPorte, Texas, herzustellen. Diese Anlage wird auf dem INEOSBattleground- Standort errichtet werden und sollte bis 2016 in Produktion gehen können. „Diese Investition wird es INEOS ermöglichen, die Bedürfnisse seiner Kunden zu erfüllen, um zusätzliche bimodale Produkte herzustellen“, so Dennis. „Damit wird auch INEOS‘ Strategie unterstützt, um zu investieren und Synergieeffekte an unseren wichtigsten Standorten zu nutzen.“ Das 50:50 Joint Venture, das ursprünglich von beiden Unternehmen im Juli 2013 diskutiert wurde, wird die Innovene™S-Fertigungstechnik einsetzen, die von INEOS Technologies lizenziert worden ist. Das für die Produktion von Polyethylen mit hoher Dichte notwendige Ethylen wird von INEOS und Sasol anteilsmäßig an ihre jeweiligen Eigentümer geliefert. „Dieses Projekt wird Sasols Präsenz auf dem weltweiten Chemiemarkt erweitern und unsere nordamerikanische Wachstumsstrategie ergänzen“, so Fleetwood Grobler, Konzerngesch.ftsführer von Sasol für Global Chemicals. „Dieser Standort bietet mehrere Vorteile, einschließlich Zugang zur US-amerikanischen Golfküsteninfrastruktur und Nähe zu unserem zukünftigen Ethankracker- und Derivatenstandort in Südwest- Lousiana.“ Zugriff auf neue riesige amerikanische Erdgasvorkommen im Schiefergestein ist eines der spannendsten nationalen Energieprojekte seit Jahrzehnten, insbesondere für die Petrochemie. Laut Internationaler Energieagentur werden die USA bei der Erdgasförderung ab 2015 und bei der Erdölförderung ab 2035 autark sein. Im Mai dieses Jahres erreichten außerdem laut Energy in Depth die CO2-Emissionen in den USA ihr niedrigstes Niveau seit 20 Jahren.

    4 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Nicht mehr nur ein wunschtraum

    Großbritannien hing noch nie so stark wie vergangenes Jahr von ausländischen Gas- und Kohleimporten ab. Diese Abhängigkeit wird sich noch verschärfen. Bis 2020 soll Großbritannien laut Centrica, der Muttergesellschaft von British Gas, 70 Prozent des benötigten Erdgases importieren. Für energiehungrige Unternehmen wie INEOS mit Werken im Land ist das ein gravierendes Problem und kann nicht länger ignoriert werden.  INEOS plant Millionen dafür zu investieren, mehr Untertagegasspeicher in Großbritannien anzulegen.  Diese von INEOS zu Beginn dieses Jahres getroffene Entscheidung erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem man sich in Großbritannien Sorgen um steigende Energiekosten, die Energieversorgungssicherheit des Landes und der immer größeren nationalen Abhängigkeit von ausländischen Exporten macht.  Das in den unterirdischen Hohlräumen Holford Brinefield in der Grafschaft Cheshire gespeicherte Gas wird seinen Teil dazu beitragen, dass in Großbritannien nicht die Lichter ausgehen und industrielle Verbraucher wie INEOS weiterhin bestehen können. Für INEOS werden sich zweierlei Vorteile daraus ergeben. „Selbst ohne Gasspeicherung würden Hohlräume angelegt, da dadurch die Salzlake geliefert wird, die INEOS an seinen beiden Standorten in Runcorn braucht“, so Richard Stevenson, Projektleiter bei INEOS Enterprises. „Beim vorgeschlagenen Projekt würde man einfach die Salzhohlräume nutzen, wenn die gesamte Salzlake entnommen worden ist.“  Kontrollierte Solung wird in Holeford Brinefield schon seit den 1920er-Jahren durchgeführt. Seit dieser Zeit wurden mehr als 200 Hohlräume durch Abbau von INEOS und dem Vorgängerunternehmen sicher gegraben.  INEOS ChlorVinyls verwendet konzentrierte Salzlösung für die Herstellung von Chlor, womit die Sicherheit eines Großteils des Trinkwassers in Großbritannien gewährleistet wird. Die Salzsparte von INEOS Enterprises verwendet die Lösung auch zur Herstellung von Speisesalz, Wasserenthärter und Streusalz. Sobald die Baugenehmigung erteilt wird, wäre dies das dritte Erdgasspeicherprojekt in Holford Brinefield und man würde zusätzlich 19 Speicherhohlräume schaffen. Heute wird schon eine beträchtliche Zahl von Hohlräumen für die Herstellung von Salzlake genutzt, elf sind schon für Gasspeicherung betriebsbereit und weitere 18 werden dafür angelegt. Die Bedeutung für Gasspeicherung in Großbritannien ist nicht zu unterschätzen. Vor kurzem rief das Gremium für Energie und Klimawandel die britische Regierung dazu auf, die Gasspeicherräume bis 2020 zu verdoppeln. Daher wurde das für Holford vorgeschlagene Projekt als national bedeutsames Infrastrukturprojekt eingestuft. Das bedeutet, dass – anders als die meisten Baugenehmigungsanträge – über diesen nicht von der Gebietskörperschaft entschieden wird. Stattdessen bedarf es dazu einer Genehmigung von Ed Davey, dem derzeitigen Minister für Energie und Klimawandel. INEOS and Keuper Gas Storage Limited, eine Tochtergesellschaft im Besitz von INEOS Enterprises Group Limited, soll zu Beginn des nächsten Jahres eine solche Genehmigung beantragen. Man hofft, dass Davey für das Jahr 2016 eine Entscheidung treffen wird, damit die Bauarbeiten im Jahr darauf aufgenommen werden können. INEOS kann dann davon ausgehen, ab 2020 Erdgas in den dafür speziell konstruierten Untergrundhohlräumen speichern zu können. „Dies ist ein bedeutender Vorschlag für die Energieversorgungssicherheit in Großbritannien und wäre außerordentlich wichtig für Investitionen und Beschäftigung in Cheshire“, so INEOS Enterprises Group Limited. „Es ist auch eine wichtige Investition, die nicht ohne Subventionen durch die Regierung getätigt werden kann.“ Im März dieses Jahres warnte Centrica, die Muttergesellschaft von British Gas, dass Großbritannien bis 2020 bis zu 70 Prozent seines Erdgases importieren würde.  Geschäftsführender Direktor Sam Laidlaw meinte dazu, dass Großbritanniens Energieversorgungssicherheit gefährdet wäre, zur „vergessenen Priorität“ der europäischen Energiepolitik zu werden. „In Großbritannien werden bis Ende 2015 schätzungsweise 3,7 Gigawatt an Erzeugungskapazitäten durch Steinkohlekraftwerke aufgrund der EURichtlinien zum Emissionsschutz stillgelegt“, meinte er.  „Die Reservekapazität soll um 4 Prozent sinken, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen zunimmt. Dennoch werden keine neuen Kapazitäten geschaffen. Die britische Gasförderung nimmt rapide ab. Die Fördermenge von Nordseeöl und -erdgas ist in den letzten drei Jahren um 38 Prozent zurückgegangen. Bis 2020 werden wir auf Importe angewiesen sein, um 70 Prozent der Gasnachfrage befriedigen zu können. Wenn es also um die Versorgungssicherheit geht, brauchen wir dringend Lösungen.“ Für ein Unternehmen wie INEOS, das zum Betreiben seiner Werke in Runcorn so viel Energie verbraucht wie die Stadt Liverpool, ist das nichts, was man leicht abtut. Es handelt sich vielmehr um hohe Priorität.  2004 wurde Großbritannien zum Nettoenergieimporteur. 2010 wurden 28 Prozent des Bedarfs importiert. Im vergangenen Jahr stieg dieser Wert auf 47 Prozent, wobei die Exporte ihr niedrigstes Niveau seit 1980 erreicht haben.  Die erfolgreiche Entwicklung dieses Projekts, gemeinsam mit den beiden vorhergehenden von INEOS unterstützten Gasprojekten in Cheshire, würde eine Gesamtkapazität aufweisen, 40 Prozent der täglichen britischen Gasspeicherkapazität zu liefern. „Gäbe es einen größeren Engpass bei der britischen Versorgung, könnte das bei INEOS Enterprises in Brinefield gespeicherte Gas, einschließlich dieses Projektes, dazu beitragen, das die Lichter in Großbritannien fast zwei Wochen lang nicht ausgehen“, so Richard. Gas aus dem nationalen Netz würde in den Hohlräumen gespeichert, wenn die Nachfrage gering ist, üblicherweise in den warmen Sommermonaten. Steigt die Nachfrage, würde es wieder zurück in das britische nationale Übertragungsnetz strömen.  Cheshire ist einer der wenigen Orte in Großbritannien, wo Gas aufgrund der geologischen Gegebenheiten sicher unterirdisch gespeichert werden kann. Die Salzschicht dort ist undurchlässig, das heißt, es kann kein Gas hindurch strömen.  Weitere Informationen unter www.kgsp.co.uk

    4 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Warum ist das wichtig?

    Die Entdeckung des Higgs-Boson-Partikels, eines fundamentalen Elementarteilchens, machte Physiker/innen einen Tag lang so berühmt wie Rockstars. Es war überaus schwierig, doch eine Generation von Physiker/innen war so sehr davon überzeugt, dass es dieses Teilchen geben musste, dass sie 40 Länder weltweit dazu überredeten, die komplizierteste Apparatur, die es jemals gegeben hat, zu bauen, um diese Theorie nachzuweisen. Aber wie stehen wir dazu? Hat es uns wirklich interessiert? Soll es uns interessieren? Warum ist diese Entdeckung so wichtig? INCH begab sich in das Beschleunigerzentrum CERN, in der Nähe des Hauptsitzes von INEOS, und hörte sich an, was einige der Wissenschaftler/innen, die am Experiment beteiligt waren, dazu sagen. ES handelte sich um eine der größten wissenschaftlichen Entdeckungen aller Zeiten. Viele Physiker/innen, deren Laufbahn vor allem der Suche nach dem schwer fassbaren Higgs-Boson- Teilchen gewidmet worden war, dachten, sie würden es selbst nie erleben. Doch der Durchschnittsbürger, die Durchschnittsbürgerin und das Durchschnittskind fragen sich wahrscheinlich immer noch, warum die Entdeckung des Higgs-Boson-Teilchens für sie wichtig ist und ob es sich gelohnt hat, 7,5 Milliarden Euro für seine Entdeckung, insbesondere mitten in einer Weltwirtschaftskrise, dafür auszugeben. Dies ist eine Frage, die Ainissa Ramirez, ehemalige außerordentliche Professorin für Maschinenbau und Werkstoffwissenschaften an der amerikanischen Yale- Universität, gut verstehen kann. „Diese Entdeckung ist so wichtig wie die von Kopernikus“, so ihre Aussage. „Aber die Menschen interessieren sich nicht für die Einzelheiten zum Higgs-Teilchen. Jedenfalls noch nicht. Sie wollen wissen, warum es wichtig ist und wie sich dadurch der Lauf der Menschheitsgeschichte ändert.“ Eines ist sicher: Es wird unsere Welt prägen. Wir wissen nur noch nicht genau, wie. „Ich kann nicht versprechen, dass die Erfindung des Higgs-Teilchen zu einer neuen Art von Teflonpfanne oder anderen konkreten Veränderungen im Alltag führen wird“, so Professor Dave Charlton, wissenschaftlicher Leiter des ATLAS-Experiments bei CERN, womit das Teilchen entdeckt wurde. „Wahrscheinlich nicht. Aber ich hoffe, dass der Durchschnittsmensch das gemeinsame Ziel vieler Menschen nachvollziehen kann, die besser verstehen wollen, wie Dinge funktionieren. Grenzen zu erweitern, um die Bausteine unseres Universums zu verstehen ist sicherlich ein kulturelles wie wissenschaftliches Muss.“ Professor Charlton, der auch Professor für Teilchenphysik an der britischen Universität Birmingham ist, sagte, es sei schwierig, die Higgs-Teilchen- Entdeckung mit früheren historischen Entdeckungen wie der Radioaktivität oder der Struktur der Erbmasse zu vergleichen. „Es ist einfach noch zu früh“, sagte er. „Es kann Jahrzehnte dauern oder noch länger, bis man versteht, wie eine solche neue Physik zu neuen Technologien führen kann. Wir können noch nicht abschätzen, inwieweit die nächsten wissenschaftlichen Schritte aussehen werden. Aber wir sind gerade einen sehr großen Schritt weitergekommen, indem wir entdeckt haben, was Teilchen ihre Masse gibt.“ Damit das Higgs-Boson-Teilchen entdeckt werden konnte, das Elementarteilchen, das allem, was wir sehen, seine Masse verleiht und dem Entdecker den begehrtesten Preis für Physik einbrachte, mussten Wissenschaftler/innen die Bedingungen nachbilden, die nach weniger als einem Milliardstel einer Sekunde nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren herrschten. Dazu mussten sie die komplizierteste Versuchsapparatur der Geschichte bauen. Mehr als 15 Jahre lang brachten mehr als 10.000 Wissenschaftler/innen aus 40 Ländern ihre Zeit und ihr Fachwissen ein, um einen Teilchenbeschleuniger in einem fast kreisförmigen 27 Kilometer langen Tunnel einhundert Meter unter der Erde in der Nähe von Genf in der Schweiz zu bauen. Professor Sir Jim Virdee von der Londoner Hochschule Imperial College bemerkte hierzu, dass einige der Technologien noch nicht existierten, als man damit begann, den Großen Teilchenbeschleuniger (LHC), der subatomare Teilchen fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und dann zertrümmern würde, zu konstruieren. Aber die Entdeckung des Higgs-Boson-Teilchen im Juli 2012, die im März 2013 bestätigt wurde, zeigte schließlich der Welt, was die theoretischen Physiker Peter Higgs, Robert Brout und François Englert fast fünfzig Jahre zuvor vorhergesagt hatten. In Zukunft können damit vielleicht grundlegende Fragen zum Ursprung des Universums und vielleicht, was noch wichtiger ist, zu dessen Zukunft beantwortet werden. „Wir haben ein schwieriges und langwieriges Rätsel gelöst“, so Professor Charlton. „Aber mit der Entdeckung wurden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Einige dieser Fragen sind nicht neu, doch durch die Entdeckung ist man sich der echten Problematik bewusst geworden. Es handelt sich nicht mehr nur um rein hypothetische Probleme.“ Als das Elektron 1897 entdeckt wurde, so Frau Ramirez, wusste man auch nicht, was der praktische Nutzen war. „Was heute ganz klar ist, ist, dass wir ohne Elektronen nicht leben können, da sie in allen elektronischen Geräten vorhanden sind.“ CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, wurde 1954 gegründet. Ihr Auftrag bestand – und besteht immer noch – darin, an die Grenzen der Technik vorzudringen, Antworten auf Fragen zum Universum zu finden, Nationen mit der Wissenschaft zusammenzubringen und Wissenschaftler/innen und Ingenieure/innen der Zukunft auszubilden. „Unsere Umwelt zu verstehen ist seit Urzeiten ein grundlegendes Interesse der Menschen“, so Professor Charlton. „Bei CERN arbeiten alle zusammen, ungeachtet von Nationalität, Geschlecht, Religion oder anderer Unterschiede, weil wir alle Antworten auf diese grundlegenden Fragen bekommen wollen.“ Im Laufe der Jahre haben sich dort Tausende von Wissenschaftler/innen und Physiker/innen die Klinke in die Hand gedrückt. Als der LHC im September 2008 mit weltweiter Beachtung in Betrieb genommen wurde, wagten sich Wissenschaftler/innen auf unbekanntes Terrain. Der Apparat in ihrer Mitte war in der Lage, so viele Daten zu erzeugen, um damit in jeder Sekunde 100.000 CDs zu füllen. Die Herausforderung würde darin bestehen, diese Daten zu filtern, um das einzige Standardmodellteilchen zu finden, das man noch nie gesehen hatte. In jeder Sekunde kam es zu etwa 800 Millionen Frontalkollisionen in beinahe Lichtgeschwindigkeit. Wenn Wissenschaftler/innen alle Daten gesammelt hätten, so wäre das damit vergleichbar gewesen, 50 Milliarden Telefonanrufe gleichzeitig zu tätigen oder 600 Jahre lang Musik zu hören. „Nur ein Bruchteil dieser Kollisionen war interessant für uns, daher mussten wir uns sehr schnell auf die interessantesten Vorgänge beschränken“, so Professor Charlton. Anfänglich gab es Anlaufsschwierigkeiten. Sechsunddreißig Stunden, nachdem der LHC in Betrieb genommen war, musste er wieder abgeschaltet werden, weil es ein defektes Elektrokabel zwischen zwei Magneten gab, das aufgrund des hohen elektrischen Widerstandes, der hindurch floss, geschmolzen war. Der LHC wurde schließlich im November 2009 erneut gestartet, nachdem er wieder instand gesetzt und ein neues Sicherheitssystem eingebaut worden war. Unser Leben ohne das Higgs-Boson-Teilchen wäre anders verlaufen. Teilchen wären weiterhin durchs Universum geflogen, ohne jemals zu verklumpen, um etwas Neues zu bilden. „Es ist erstaunlich, dass wir nur einen Bruchteil dessen verstehen, was das Universum ausmacht“, so Professor Charlton. „Die nächsten Daten, die wir beim LHC erheben, könnten uns einen Einblick ins dunkle Universum (die dunkle Materie) gewähren, das wir nicht verstehen.“ Der LHC wurde im Februar letzten Jahres abgeschaltet, da er umfassend überholt werden muss. Wenn er im Januar wieder in Betrieb genommen wird, können die Wissenschaftler/innen nur erahnen, was sie erwartet. Doch ihnen allen ist klar, dies ist erst der Anfang. „Da draußen gibt es noch viele ungelöste Rätsel“, so Professor Charlton. „Jetzt wissen wir allerdings, dass der leere Raum nicht so ist, wie wir dachten. Leerer Raum enthält etwas, ein unsichtbares Higgs-Feld, wo es Wechselwirkungen mit allen Teilchen gibt. Die Entdeckung des Higgs-Boson-Teilchens ist ein gewaltiger Schritt nach vorn, wenn es darum geht, die tiefsten Strukturen der Natur zu verstehen.“ Als Professor für Teilchenphysik, der sich gründlich mit den Grundstrukturen von Materie und Kräften beschäftigt, glaubt er, dass nichts ausgeschlossen werden kann. „Alle wissenschaftlichen Probleme kann man anpacken“, so seine Aussage. „Manchmal mag es Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sie gelöst sind, aber es sollte möglich sein, Antworten darauf zu finden, wie die Dinge funktionieren. Um jedes neue Rätsel zu verstehen, braucht man Zeit und Energie und Menschen und Geld.“ Inzwischen hat man sich bei CERN, als großem internationalem Labor, noch etwas Größeres vorgenommen. Es soll eine neue unterirdische Apparatur gebaut werden, die viermal so groß wie der große Teilchenbeschleuniger wäre. Der einhundert Kilometer lange Tunnel, der ganz Genf umgeben würde, hätte Energiewerte, wie man sie noch nie erlebt hat.

    6 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Cern findet seinen platz in der geschichte

    Die bei CERN im Laufe der letzten 60 Jahre entwickelten Schlüsseltechnologien sind an die Außenwelt gedrungen – und kommen der Gesellschaft zugute.  Bis jetzt müssen wir uns bei der Europäischen Organisation für Kernforschung dafür bedanken, dass sie der Welt leistungsstärkere Sonnenkollektoren, das Internet, Touch- Screen-Technologie und medizinische Bildgebungsverfahren gegeben hat, um nur ein paar Beispiele zu nennen.  „Die gemeinsame Triebkraft nach Wissen drängt uns immer wieder dazu, nach innovativen Technologien zu suchen, zu entwickeln, die für uns und andere nützlich sind“, so Professor Dave Charlton. Man würde annehmen, dass CERN immer wieder finanziellen Nutzen aus der Patentierung solcher Erfindungen gezogen hätte. Doch das ist aufgrund des kollaborativen Arbeitsmodells nicht der Fall. Als eines der ersten europaweiten Joint Ventures pumpen seine Mitgliedsstaaten jedes Jahr viele Millionen Euro in die Organisation, damit neue Technologien entwickelt werden können, was bedeutet, dass sie nicht für den Gebrauch dieser Erfindungen in ihren eigenen Ländern bezahlen wollen.  In der Vergangenheit veröffentlichte CERN einfach Einzelheiten zu seinen Erfindungen, so wie man wissenschaftliche Entdeckungen veröffentlichte. Mit anderen Worten, sie wurden der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Doch 2010 unterzeichnete CERN ein Abkommen mit der Weltorganisation für geistiges Eigentum der Vereinten Nationen (WIPO), um sicherzustellen, dass man von den technischen Erfindungen seiner Ingenieur/innen profitieren konnte. „Grundlagenforschung ist die Triebkraft der Innovation“, so CERNGeneraldirektor Rolf Heuer. „Es ist daher lebenswichtig für Organisationen wie CERN sicherzustellen, dass ihr Fachwissen und ihre Technologien für die Entwicklung auf fruchtbaren Boden fallen. Das Abkommen mit der WIPO wird beide Organisationen dazu motivieren, Joint Ventures auszuprobieren, bei denen eventuell auch andere internationale Organisationen mitmachen können.“  Denn CERN hat viele Erfolgsgeschichten vorzuweisen, auf die man stolz ist. Hier nur einige davon. INTERNET ANFÄNGLICHE Forschungsarbeiten bei CERN brachten uns das Internet. Tim Berners-Lee, einer der dortigen Informatiker schrieb und verteilte 1989 ein Hypertextsystemprojekt, damit Beschäftigte Zugriff auf Berichte, Notizen und Datenbanken hatten. Ein anschließender Bericht wurde 1993 veröffentlicht. Bei CERN feierte man vor kurzem das zwanzigjährige Jubiläum, als die Internetübertragungssoftware der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt wurde, indem die erste Internetseite wieder ihre ursprüngliche Internetadresse erhielt: http:// info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html TOUCH-SCREEN-TECHNOLOGIE Lange Zeit wurde die Erfindung der Touch-Screen-Technologie der Firma APPLE mit dem iPhone zugeschrieben, aber das Unternehmen war nur für eine Innovation derselben verantwortlich. In Wirklichkeit waren es die Ingenieure Bent Stumpe und Frank Beck, welche das erste transparente Touch Screen, das auf gewisse Objekte wie beispielsweise einen Eingabestift, reagierten, Anfang der 1970er- Jahre entwickelten. Diese Technik wurde von CERN hergestellt und ab 1973 eingesetzt. SOLARZELLEN DIE bei CERN entwickelte Vakuumtechnologie für Teilchenbeschleuniger wird nun verwendet, um eine neue Generation von Sonnenkollektoren mit hervorragenden Isoliereigenschaften herzustellen. Ihr Erfinder, Crisoforo Benvenuti, sagte, dass im Innern der Kollektoren Temperaturen von 80 Grad Celsius aufgezeichnet wurden, sogar als diese mit Schnee bedeckt waren.  E-MAIL-VERSCHLÜSSELUNG Im Mai dieses Jahres starteten drei junge Ingenieure, inspiriert durch ihre CERN-Erfahrung, ProtonMail, einen sicheren E-Mail-Dienst mit einem ausgeklügelten Verschlüsselungssystem, um mögliche Spione abzuwehren. Die Unternehmensidee entstand in einer CERN-Kantine, in der sich Physiker/ innen und Ingenieur/innen regelmäßig treffen, um sich beim Kaffeetrinken auszutauschen. POSITRONEN-EMISSIONSTOMOGRAFIE (PET) Für seine Detektoren wurden bei CERN Wismut-Germanat und transparente Blei-Wolframat- Kristalle entwickelt. Heute werden beide Arten von Kristallen in PET-Tomografen verwendet, die bei der Krebsfrüherkennung eingesetzt werden. Der PETTomograf erstellt dreidimensionale Bilder des Körperinnern, mit denen gezeigt werden kann, wie sehr sich Karzinome ausgebreitet haben und wie gut diese auf eine Behandlung ansprechen. Ferner wird die Beschleunigertechnologie, für welche CERN ein führendes Forschungslabor ist, vermehrt zu medizinischen Zwecken eingesetzt, wie Krebsbehandlung durch Hadronen-Therapie, durch die es ermöglicht wird, dass eine stark lokalisierte Strahlungsdosis präziser als zuvor möglich auf einen Tumor gerichtet werden kann.

    4 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • In sicherheit

    Wir leben in einer Welt, in der sich die Technik in rasantem Tempo entwickelt. Aber wer steckt dahinter? Das Militär oder die Wirtschaft? Einige der spannendsten technologischen Entwicklungen der Geschichte verdankt die Welt dem Militär. Not machte sicherlich im Laufe des 20. Jahrhunderts erfinderisch. In Kriegszeiten brauchte man die Besten, konzentrierte man sich auf seine Aufgaben, stieß in wissenschaftliches Neuland vor und ermunterte dazu, schneller und schlauer als der Feind zu sein. Computer, Wärmebildkameras, Radar, GPS, Düsentriebwerke, Kohlefaser und Drohnensysteme wurden alle für das Militär entwickelt, bevor sie im zivilen Alltagsleben eingesetzt wurden. Aber die Dynamik hat sich hierbei etwas verändert. „In der Vergangenheit waren Verteidigung und Luft- und Raumfahrt die starken Antriebskräfte der Innovation“, so die Aussage von Neil Stansfi eld, zuständiger Leiter für Wissen, Innovation und Zukunftsentwicklung im britischen Regierungslabor für Militärwissenschaft und Technik.  „Doch heutzutage kommt Innovation aus viel mehr unterschiedlichen Branchen und hat gewerbliche Triebkräfte.“ Allerdings sollte man die Bedürfnisse des Militärs nach Innovationen nicht unterschätzen, da Zugriff auf neue Technologien einen Wettbewerbsvorteil bedeuten kann, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben oder Tod geht.  „In einigen Nischenbereichen wird das Militär immer Triebkraft für Innovation sein und diese frühzeitig einsetzen“, so Neil.  Es ist erst zwei Monate her, dass die US amerikanische Verteidigungsagentur für Leitprojekte ihre neueste Erfindung bekannt gab: handgeführte, gecko-ähnliche Schaufeln, mit denen Menschen vertikale Glasswände wie Spiderman hochsteigen können.  Mit Hilfe dieser neuen Technik kletterte ein Mann mit einem Gewicht von fast 100 Kilogramm – und einer Last von beinahe 23 Kilogramm – eine fast acht Meter hohe vertikale Glaswand ohne Seile oder Haken hoch.  Beim Projekt namens Z-Man-Projekt orientierten sich Wissenschaftler/innen an der Natur, nämlich am Gecko, damit Soldat/innen sich in bebauten Kriegsgebieten fortbewegen können, ohne dass sie dabei Seile oder Leitern brauchen. „Der Gecko ist einer der besten Kletterer im Tierreich, daher war es ganz natürlich, dass wir uns davon inspirieren ließen, als es darum ging, einigen der Herauforderungen, denen sich US-Truppen bei Manövern in einem städtischen Umfeld stellen müssen, zu begegnen“, so Dr. Matt Goodman, der DARPAProgrammmanager für Z-Man. Nicht nur dies, sondern auch die künstlichen, reversiblen Klebstoffe, die DARPA mit Hilfe von Nanotechnologie schuf, könnten eines Tages im Alltag nützlich werden. Egal, welche Rolle das Militär letztendlich in Zukunft spielen wird, so sollte dies nie von der Bedeutung seiner Rolle in der Vergangenheit ablenken. Das Globale Positionierungssystem, besser bekannt unter dem Namen GPS, wurde von der US-Luftwaffe Mitte der 1970er-Jahre erfunden, um Flugkörper zu lenken. Heute benutzen die meisten von uns, darunter Pilot/innen, Seeleute und Fischer/innen diese Technik des Raumzeitalters, um sich nicht zu verirren. Viele Mobiltelefone und moderne Autos sind ebenso mit Satellitennavigationssystemen ausgestattet, womit die Menschen jedesmal genau wissen können, wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der Welt sind. „Alle Smartphones haben jetzt als Standardausstattung Landkarten und Ortungsdienste“, so Ben Taylor, Direktor für Unternehmenskommunikation bei Vodafone UK. „Laut Ofcom, der britischen Telekomaufsichtsbehörde, besitzen heutzutage mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Großbritannien ein Smartphone.“ Die erste Wärmebildkamera wurde für das Militär in Schweden 1958 von AGA entwickelt. Die Fähigkeit der Kamera, in völliger Dunkelheit und durch Rauch hindurch ein klares Bild zu produzieren, wurde in Kampfgebieten ein wertvolles Werkzeug. Heute helfen Wärmebildkameras der Polizei, Verdächtige im Dunkeln aufzuspüren, Seeleuten in der Nacht zu navigieren, Feuerwehrleuten in rauchgefüllten Gebäuden nach Überlebenden zu suchen und Rettungsmannschaften Erdbebenopfer unter Tonnen von Schutt zu orten.  Laut FLIR Systems, der weltweit führenden Firma für Wärmebildkameras, würden diese auch oft dafür eingesetzt, um Gasleckagen zu entdecken bzw. Gebäude auf Anzeichen nach schlechter Isolierung und Feuchtigkeit zu untersuchen.  Der erste elektronische digitale Rechner wurde von Techniker/innen für das US-amerikanische Militär während des Zweiten Weltkriegs konstruiert, um ihnen zu helfen, Artilleriefeuerreichweiten zu berechnen. Als ENIAC, wie er genannt wurde, schließlich am 15. Februar 1946 im Penn’s Moore Building in Philadelphia vorgeführt wurde, wurde er von der Presse als „Riesenhirn“ gefeiert. Er hatte fast 500.000 USD gekostet, aber dieses revolutionäre Gerät war, wie wir alle inzwischen wissen, weltbewegend.  „Ohne ENIAC gäbe es kein Google, Microsoft oder viele Dinge, welche die heutige Weltwirtschaft vorantreiben“, so Bill Green, ehemaliger Stadtrat der Demokratischen Partei im Stadtrat von Philadelphia, Pennsylvania.  Eine andere Technologie, die vom Militär entwickelt wurde, ist das Radar, das von mehreren Nationen vor und während des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde und vermehrt in Großbritannien als Frühwarnsystem eingesetzt wurde, um einfl iegende feindliche Flugzeuge aufzuspüren.  Heute wird Radar dazu eingesetzt, das Wetter vorherzusagen, Flugzeugen dabei zu helfen, sicher zu fl iegen und zu landen, ferner von der Polizei, die damit Fahrer/innen bei Geschwindigkeitsübertretungen blitzt.  Der britische Ingenieur Sir Robert Watson-Watt, der maßgeblich an der Entwicklung des Radar beteiligt war, soll in den 1950er-Jahren von einem Polizisten, mit einer Radarpistole in Kanada bei einer Geschwindigkeitsübertretung geblitzt worden sein. Als der Polizeibeamte ihn darauf ansprach, soll er geantwortet haben: „Wenn ich gewusst hätte, was Sie damit machen, hätte ich es nie erfunden.“  Durch Radartechnik entstand auch der erste Mikrowellenherd. Während eines Experiments mit Magnetronen in seinem Raytheon Labor in Massachusetts entdeckte der Wissenschaftler Percy Spencer, dass die Radarsensoren einen Schokoriegel in seiner Tasche zum Schmelzen gebracht hatten. Er war überrascht und bat seinen Assistenten, ihm eine Tüte Popcorn zu besorgen, verteilte das Popcorn auf dem Tisch in der Nähe der Magnetronen und wartete. In weniger als einer Minute begannen die Kerne zu explodieren.  Drohnen, die zuerst für Zielübungen in den 1930er-Jahren für das Militär entwickelt worden waren, und jetzt verstärkt zur Überwachung und bei Bombardierungseinsätzen eingesetzt werden, setzen sich auch immer mehr im gewerblichen Bereich durch. Der zivile Luftraum soll bis 2015 in den USA und bis 2016 in Europa für alle Arten von Drohnen geöffnet sein. Der Verband für Zivilluftfahrt in den USA geht davon aus, dass bis 2030 30.000 zivile und kommerzielle unbemannte Flugzeuge am Himmel kreisen werden. „Ich habe auf jeden Fall erlebt, wie Militärtechnik in einem kommerziellen Umfeld eingesetzt werden könnte, als ich in der britischen Luftwaffe diente“, so Mark Sickling, der sowohl Drohnen über Afghanistan und Irak zu Aufklärungszwecken als auch zu bewaffneten Einsätzen von einer Kontrollstation in Las Vegas lenkte.  Er ist inzwischen Chefpilot bei Cyberhawk, von denen über Fernbedienung betriebene Luftfahrzeuge eingesetzt werden, um alles zu überprüfen: angefangen von heißen Abfackelungen bei INEOS und Petroineos-Standorten, bis hin zu Windturbinen und Offshore Erdöl- und Erdgasinstallationen. Mark äußerte sich eingehend darüber, dass ein Großteil kommerzieller Technik jetzt auch vom Militär verwendet wird, weil Militärhaushalte schrumpfen.  Ein kommerzielles Unternehmen, das seine eigenen umfangreichen Forschungen über den Gebrauch unbemannter Drohnen durchführt, ist Amazon, der weltweit größte Online-Händler.  Vergangenes Jahr wurde von Amazon angekündigt, dass man dabei sei, „Octocopters“ zu erproben, um Pakete bis zu einem Gewicht von 2,3 Kilogramm an Kunden innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung zu versenden.  „Ich weiß, dies klingt wie Science Fiction, aber das ist es nicht“, so Vorstandsvorsitzender Jeff Bezos. „Ich möchte nicht, dass die Leute glauben, dass sei schon morgen möglich. Es muss noch Jahre lang daran gearbeitet werden. Aber es wird funktionieren. Es wird soweit kommen. Es wird sehr lustig werden.“ Craig Roberts, Vorstandsvorsitzender bei Cyberhawk, ist nicht ganz so optimistisch wie Jeff von Amazon.  „Es ist eine schöne Idee“, meinte er. „Aber im Moment ist es Science Fiction, weil es nicht möglich ist, innerhalb der bestehenden Einschränkungen der britischen Zivilluftfahrtbehörde sicher zu fl iegen.“  In Großbritannien dürfen unbemannte Flugzeuge beispielsweise nicht über 150 Meter bzw. nicht innerhalb von 50 Metern eines bebauten Gebietes oder einer Straße fl iegen und Lenker/innen müssen das Flugzeug jederzeit sehen können.  „Amazons Idee ist Zukunftsmusik“, so Craig weiter. 

    7 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Der aufstieg der drohnen

    Erfolgreiche Innovation beginnt dann, wenn jemand eine Lücke auf dem Markt entdeckt. Malcolm Connolly, Ingenieur in chemischer Verfahrenstechnik, hängt am Ende eines Seils. Zehn Jahre lang arbeitete er in großer Höhe und führte Inspektionen bei Erdöl- und Erdgaseinrichtungen in der Nordsee durch, oft Hunderte von Metern hoch in der Luft und unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen. „Er dachte, das müsste einfacher gehen,“ so Craig Roberts, der jetzt Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist, das von Malcolm gegründet wurde.  Es ging einfacher. Malcolm und sein Team bei Cyberhawk waren maßgeblich an der Entwicklung einer Flotte von ferngesteuerten Luftfahrzeugen beteiligt, die bei Windgeschwindigkeiten von 45 km/h, bei hohen Umgebungstemperaturen betrieben werden und damit Abfackelungen unter Betriebsbedingungen untersuchen können. Es stellte sich heraus, dass damit das Arbeitspensum einer Woche an einem Nachmittag erledigt werden konnte. Einmal konnten bei einem solchen Auftrag bei einer Offshore-Gasbohrungs- und Förderplattform in Südostasien mehr als zwei Millionen USD eingespart werden und damit war es nicht mehr nötig, dass Menschen in großen Höhen arbeiten mussten, womit auch der Arbeitsschutz erheblich verbessert werden konnte. „Vorher hättet man die Anlage sieben Tage lang stilllegen müssen, um genügend Zeit zu haben, dass eine Seilmannschaft an die Abfackelung herankommt und sie untersuchen konnte.“ Heute verfügt Cyberhawk, das ferngesteuerte Luftfahrzeuge benutzt, um alles vom Fackelkopf bis hin zu hohen Schornsteinen, Abluftkanälen und Rohrträgern, zum Unterdeck von Offshore-Erdölund Erdgaseinrichtungen zu untersuchen, über eine beeindruckende Kundenkartei, darunter Shell, BP, Exxonmobil, Total und INEOS und hat mit vielen der größten Energieunternehmen in Europa, in Nahost und Asien zusammengearbeitet.  Während in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wird, ob es moralisch vertretbar ist, Drohnen für Bombenangriffe einzusetzen, ist Cyberhawk stolz darauf, Pionierarbeit dabei geleistet zu haben, wenn es darum geht, Menschen aus Gefahr zu bergen. Video Als 2010 Cyberhawk einwilligte, eine Abfackelung im Onshore-Werk von INEOS in Grangemouth zu untersuchen, war es eine Reise ins Unbekannte. Niemand hatte vorher versucht, ein unbemanntes Flugzeug nur ein paar Meter von einem Fackelkopf entfernt zu fliegen. Nach mehreren Onshore-Untersuchungenn von Abfackelungen führte Cyberhawk im Auftrag von ConocoPhillips die wohl erste Offshore-Inspektion in der Nordsee 2011 durch.  Und 2012 war es das erste Unternehmen, das eine Offshore-Windturbine vor der britischen Küste untersuchte. „Als Branchenführer mussten wir allerdings unser eigenes Schulungs- und Forschungsund Entwicklungszentrum einrichten,“ so Craig. „Unserer Meinung nach muss man in Forschung und Entwicklung investieren, wenn man will, dass das eigene Unternehmen dynamisch wächst.“ INEOS hatte anfangs Cyberhawk beauftragt, seine Abfackelungen und Schornsteine im Grangemouth Werk in Schottland zu inspizieren. „In der Vergangenheit hätte INEOS die Abfackelung abschalten müssen, mit den damit verbundenen Produktionsverlusten, vielleicht ein Gerüst um den Fackelkopf errichten und dann einen Techniker an die Spitze des Kamins schicken müssen”, so Craig. „Jetzt kann die Produktion weiterlaufen, während wir die Abfackelung inspizieren und es ist nicht notwendig, dass Leute in so großer Höhe oder in gefährlichen Bereichen arbeiten.“ Durch die mit Fernbedienung betriebenen Luftfahrzeuge ist es möglich, hochaufl ösende Video-, Foto- und Wärmebildaufnahmen zu machen, die es gestatten, Anomalien zu entdecken. Und Wärmebilder tragen dazu bei, potenzielle Probleme wie „Rückbrand“ zu entdecken, wenn die Gase sich innerhalb der Abfackelung entzünden. „Wir können erkennen, was eine Person sehen würde, wenn diese eine stillgelegte Abfackelung untersuchen würde, aber weil wir die Abfackelungen unter Betriebsbedingungen untersuchen, können wir auch Wärmebilder erhalten”, sagte er. „Wir können auch alle Abfackelungen untersuchen, wohingegen eine Person nur bestimmte Stellen berücksichtigen würde.“ Nach Erledigung des Auftrags werden die Ergebnisse sofort vor Ort besprochen. Jedes Luftfahrzeug ist batteriebetrieben, verfügt über acht Propeller und kann mit einer digitalen Fotokamera, HD-Videorekorder, Gassensor und Wärmebildkamera bestückt werden. Selbst mit allen diesen Geräten an Bord wiegt es immer noch weniger als zwei Kilogramm. „Um zu zeigen, wie leicht und klein unsere Luftfahrzeuge sind, vergleichen wir sie oft mit einer großen Möwe, zumindest, wenn wir mit Kunden sprechen, die in der Nordsee tätig sind,“ so Craig. Unfälle kommen schon vor. Aber nicht bei uns.  Im April dieses Jahres war ein britischer Einzelhändler der Erste, den die britische Luftfahrtbehörde strafrechtlich verfolgte, weil er innerhalb von 50 Metern von der Jubilee Brücke entfernt auf dem Walney Kanal in der nordenglischen Grafschaft Cumbria gefährlicherweise ein kleines unbemanntes Überwachungsfl ugzeug fl iegen ließ. „Es kann ein Problem sein, weil es einfach ist, Hobby-Zubehör zu kaufen und es in einem öffentlichen Gebiet fl iegen zu lassen, ohne dass man versteht, wie ein ferngesteuertes Luftfahrzeug sicher betrieben werden kann”, so Craig. „Das lässt sich überhaupt nicht mit der Tätigkeit von Cyberhawk vergleichen.“ Die Pilot/innen von Cyberhawk sind auf höchstmöglichem Niveau ausgebildet und geschult, mit dem Unerwarteten zu rechnen. Um die Qualifi kation als Offshore-Pilot zu erhalten, müssen Cyberhawk-Beschäftigte vier interne Schulungsstufen durchlaufen und Zertifi zierung über dem Niveau der Grundausbildung, die von der Zivilen Luftfahrtbehörde gefordert wird, erhalten. Ihre Dienste haben sich als äußerst wertvoll erwiesen.  „Weil wir in der Lage sind, ein Problem ganz einfach zu überwachen, können Unternehmen auch bei Problemfällen ungeplante Stilllegungen vermeiden und an ihrem geplanten Stilllegungsprogramm festhalten”, so Craig weiter. Die Inspektion von Abfackelungen ist allerdings nur ein Teil der Erfolgsstory von Cyberhawk. Die Firma hat ihre ferngesteuerten Luftfahrzeuge auch dazu benutzt, um den Baufortschritt einer Whiskeyabfüllungsanlage zu beobachten, einen wieder in Betrieb genommen Tagebaustandort zu vermessen, meteorologische Masten auf See zu untersuchen und eine Seehundsherde zu überwachen ohne dabei ihr natürliches Umwelt zu beeinträchtigen. INEOS hat auch Cyberhawk dazu eingesetzt, um Standorte in Kurzfilmen zu filmen, um betroffene Gemeinden zu informieren.

    7 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Die Chemie muss stimmen

    Wenn Wissenschaflter/innen nicht immer wieder ihre Horizonte erweitern wollten, wäre die Welt sicher ganz anders. Viele Dinge, die wir für selbstverständlich halten, gäbe es sonst nicht. Wie kann man also junge Leute davon überzeugen, eine Karriere in Naturwissenschaften und Chemie einzuschlagen? Dies stellt für viele Länder ein Problem dar. Aber Planet Erde braucht Wissenschaftler/innen, wenn globale Armut und globaler Klimawandel bekämpft werden sollen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Albert Einstein ein Genie war. Der in Deutschland geborene, amerikanische Physiker hat vielleicht nicht schwimmen gelernt, aber er stellte die Welt mit seiner Relativitätstheorie auf den Kopf. Selbst wenn der Durchschnittsbürger den Namen Einstein hört, so stellt sich dieser einen alten Mann, mit stechendem Blick, wildem grauen Haar in einem zerknitterten Laborkittel vor. Das zeigt einen Teil des Problems mit den Naturwissenschaften. „Für viele Menschen sind die Naturwissenschaften ein Spiel alter Männer, aber das stimmt nicht”, so Professor Brian Cox während eines jüngsten Interviews mit einer britischen überregionalen Tageszeitung. „Die meisten in Großbritannien tätigen Wissenschaftler/innen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sogar Einstein führte seine Arbeiten, welche die Welt verändert haben, durch, als er ein junger, gut aussehender Mann war, der trank und sich ein wenig daneben benahm. Es ist also beides möglich.” Professor Cox, ein ehemaliger Popstar, der in den 1990er-Jahren einen Hit mit „D:Ream“ und „Things Can Only Get Better“ gelandet hat, setzt sich voller Begeisterung dafür ein, die Wissenschaft dem breiten britischen Publikum zugänglich zu machen.  Im letzten Jahr präsentierte er fünf Sendungen in der BBC, mit dem Titel „Wunder des Lebens“, in denen er erklärte, wie ein paar Grundgesetze der Naturwissenschaft die Urspünge des Lebens ermöglich hatten. Beth Regan, eine Journalistin bei BBC Factual in Großbritannien, meinte dazu, die Serie habe pro Folge durchschnittlich fast drei Millionen Zuschauer gehabt. „Sendeanstalten tragen eine große Verantwortung, wenn es darum geht, das Bild der Naturissenschaften zu erneuern”, so Professor Cox in einem Gespräch mit der britischen Tageszeitung Daily Telegraph, der Journalistin Bryony Gordon. „Sie müssen zeigen, dass es nicht unbedingt ein Spiel ist, das nur von Superschlauen gespielt werden kann.“ Jüngste Forschungsarbeiten des King’s College London kamen zu dem Ergebnis, dass viele britische Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren lieber Friseur/innen oder Kosmetiker/innen als Wissenschaftler/innen sein wollen. Obwohl sie zustimmten, dass Naturwissenschaften interessant seien und dass Wissenschaftler etwas in der Welt bewegen könnten, sahen sie dies nur als Karriere für „hochtalentierte Streber“.  „Es reicht sicher nicht aus, Naturwissenschaft nur gern zu mögen”, so Professorin Louise Archer, Direktorin der ASPIRES-Studie, welche die Ergebnisse des fünfj.hrigen Studienberichtes des Britischen Bildungsministeriums vorstellte.  Aber sie meinte, die negative Einstellung zum Naturwissenschaftsunterricht und Wissnschaftler/innen sei nicht das Problem. Das Problem, so ihre Aussage, sei mangelnde Auffklärung darüber, was man mit Naturwissenschaften anfangen könne. „Man geht davon aus, dass die meisten naturwissenschaftlichen Abschlüsse nur zu Berufen wie Wissenschaftler/innen, Lehrer/ innen für naturwissenschaftliche Fächer oder Ärzt/innen führen”, so ihre Aussage. Viele Regierungen und Organisationen weltweit machen sich Sorgen, dass nicht genügend junge Leute sich für ein Studium der Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik (engl. Abkürzung: STEM) im Alter von 16 Jahren entscheiden. Dies hat sich zu einer internationalen Priorität für Regierungen und die Wirtschaft entwickelt, wobei man allgemein besorgt darüber ist, welche Auswirkungen dies auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und die Innovationskraft in einer globalen Wirtschaft haben kann. „Nationale Regierungen versuchen, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Länder zu verbessern und mit wenigen Ausnahmen betonen sie die wichtige Rolle der STEMIndustriezweige, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen”, so Derek Bell, Professor für Bildungswesen, an der britischen Pädagogischen Hochschule, dem College of Teachers.  Professor Bell sprach anlässlich einer internationalen Konferenz von Akademien der Wissenschaften. Insgesamt kamen mehr als 100 Delegierte aus 58 Ländern zusammen, um zu hören, was man tun könnte, um die wissenschaftliche Bildung zu verbessern.  Das war 2012. Fünf Jahre zuvor hatte die Europäische Kommission gewarnt, dass es einen „alarmierenden Rückgang“ am Interesse junger Leute an den Naturwissenschaften und Mathematik in Europa gebe. Sie meinte, dass trotz Anstrengungen, diesen Trend rückg.ngig zu machen, alle Anzeichen auf Besserung verhalten seinen und dass die langfristige Fähigkeit Europas für Innovation zu sorgen und wettbewerbsfähig zu bleiben, Schaden erleiden würde, wenn man sich nicht wirksamer dafür einsetze. Eine ihrer Empfehlungen lautete, radikal den Unterrichtsstil in den Naturwissenschaften in der Primarund Sekundarstufe zu verändern, hin zu einer Methode, die auf einem forschenden Lernen beruht. Seitdem haben immer mehr Länder sich auf Unterricht mit forschendem Lernen verlegt, einer Unterrichtsmethode, bei der die Schüler/innen ermutigt werden, Fragen zu stellen. In Deutschland, wo jetzt auf forschendem Lernen gestützter Unterricht an vielen Schulen zum Lehrplan gehört, ist INEOS in Köln sehr aktiv bei der Sache.  „Seit 2008 haben wir starke, langfristige Partnerschaften mit 23 Grund- und 8 weiterführenden Schulen gestartet, die das‚TuWaS!’-Programm umgesetzt haben,“ so Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln. „Durch Werkbesichtigungen bei uns und Besuche unserer Beschäftigten in Schulen wissen wir, wie wichtig es ist, dass Lehrinhalte auch aktuell sind. Diese Partnerschaften helfen uns als Unternehmen, als Branche und auch als Industrieland, junge Leute zu finden, insbesondere Mädchen, die neugierig, begeistert und motiviert sind, um die Welt durch Naturwissenschaften lebenswerter zu machen.“ Bisher haben vier Bundesländer das ‚TuWaS!’-Programm für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren übernommen. Das Programm wurde von der Freien Universität Berlin von Professor Dr. Petra Skiebe-Corrette gegründet, nachdem sie erlebt hatte, dass ein ähnliches Modell in Schweden Wunder gewirkt hatte.  Lehrkräfte besuchen ein eintägiges Seminar, bei dem sie zunächst lernen, mit naturwissenschaftlichen und technischen Experimenten zu unterrichten. Dann gehen sie zurück ins Klassenzimmer, bewaffnet mit Experimenten für ein Schuljahr und dem Selbstvertrauen, diese unterrichten zu können.  INEOS in Köln ist der größte Sponsor im Rheinland und unterstützt fast die Hälfte der 70 Schulen, die das „TuWaS!“-Programm durchführen. Beschäftigte von INEOS sind als Botschafter tätig und haben somit mehr als 6.000 Schüler erreichen können. „Das Programm zwingt Kinder dazu, Fragen zu stellen, eher als fertige Antworten zu bekommen,“ so Andreas Niessen, Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Pulheim.  Bei einer globalen Schulkonferenz in Finnland im Jahr 2012 war Anne-Gret eingeladen gewesen, um darüber zu sprechen, wie Bildung und Wirtschaft erfolgreich zusammenarbeiten könnten.  „Es war das erste Mal, dass jemand aus der Wirtschaft eingeladen gewesen war, bei dieser Konferenz zu sprechen.“ Naturwissenschaftlicher Unterricht, der auf forschendem Lernen beruht, kommt ursprünglich aus Amerika, aber in den USA ist es auch schwer, der breiten Bevölkerung die Naturwissenschaften schmackhaft zu machen.  Im Juni dieses Jahres sagte Lisa Colco, Direktorin des City College von New York, dass sie angesichts der mangelnden Anzahl von amerikanischen Abiturient/innen, die Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwissenschaften und Mathematik studieren wollten, besorgt sei.  „Die STEM-Disziplinen sind viel mehr als nur das Auswendiglernen von Formeln und langweiligen Berechnungen, die sich ständig wiederholen”, sagte sie. „Diese Fächer stehen an erster Stelle, wenn es darum geht, die größten Probleme der Gesellschaft zu lösen, vom Klimawandel bis Umwelthygiene und Krankheiten bis zur Informatik der nächsten Generation und Kommunikationstechnik.“ Um diesem Trend entgegenzusteuern, hat das City College einen ganzheitlichen Ansatz für die Lehre gewählt, der vom Gemeinsamen Fernentdeckungszentrum für Wissenschaft und Technik entwickelt wurde.  „Wenn wir Kindern schon früh zeigen, was STEM-Fachkräfte tun, dann ist es wahrscheinlicher, dass sie sich dafür interessieren, Naturwissenschaftler/innen, Ingenieur/innen, Physiker/innen und Ähnliches zu werden,“ so ihre Aussage. Das US-amerikanische Amt für Beschäftigungsstatistik geht davon aus, dass es bis zum Jahr 2018 1,2 Millionen neue Arbeitsplatzmöglichkeiten in Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik geben wird, aber man befürchtet, dass es stark an qualifizierten Universitätsabsolvent/innen fehlen wird, um diese Stellen zu besetzen. Dennis Seith, Vorstand von INEOS O&P USA, ist ein Mitglied des Texas A&M University Akademischen Rates für Technik, der mit dem Dekan für Ingenieurswissenschaften zusammenarbeitet, um die Bedürfnisse der Wirtschaft zu definieren und Lehrmethoden zu überarbeiten. Das Ziel besteht darin, bis 2025 25.000 Studierende der Ingenieurswissenschaften zu finden, doppelt so viele Studierende, wie sich derzeit immatrikulieren.  INEOS O&P USA haben ebenso eine Initiative ins Leben gerufen, um INEOS’ Zugriff auf Begabte zu verbessern, indem Beziehungen mit regionalen technischen Schulen und Ausbildungszentren gefördert werden. Und es hat sich bereits als hilfreich erwiesen, wenn es darum geht, Qualifikationen intern zu fördern, indem man Lehrlinge nimmt. Alles ist nützlich. Als Unternehmen brauchen wir ständig ein Angebot an hoch qualifizierten, sehr disziplinierten Beschäftigten. INEOS kann es sich daher nicht leisten, das Problem zu ignorieren. Tut man auch nicht.  Am britischen INEOS-Standort im schottischen Grangemouth veranstaltet INEOS jedes Jahr eine zweiwöchige Naturwissenschaft-, Technik- und Ingenieurswissenschaftsmesse. Dort können 2.000 Kinder aus der Umgebung erste konkrete Erfahungen in Naturwissenschaft und Technik sammeln. „Dies ist die beste Möglichkeit, junge Leute für Ingenieurswissenschaften und Industrieproduktion zu begeistern und alle Vorurteile zu beseitigen, dass Naturwissenschaften ein ‚langweiliger Beruf‘ sind,“ so Tom Crotty, Corporate Affairs Director.  Zusätzlich dazu organisiert die Königliche Gesellschaft für Chemie jährlich die britische Chemie-Olympiade für Jugendliche in Großbritannien und seit 2007 ist INEOS bereits Sponsor bei diesem Wettbewerb, damit die nächste Generation für eine Berufslaufbahn in den Naturwissenschaften begeistert werden kann.  „INEOS‘ Unterstützung hat uns sehr dabei geholfen, mehr Teilnehmer für den Wettbewerb zu gewinnen”, so Jim Lley, Direktor für Naturwissenschaft und Technik bei der Königlichen Gesellschaft für Chemie. Auch andere versuchen, diese Botschaft, dass Naturwissenschaften cool sind, zu vermitteln. Elise Andrew startete im März 2012, als sie in ihrem letzten Studienjahr ihres Biologiediplomstudiengangs an der britischen Universität Sheffield war, die Website www.iflscience.com, und im Oktober letzten Jahres sagte sie der britischen Zeitung The Guardian: „Ich finde es toll, dass es bei den Naturwissenschaften nie ein Ende gibt. Bei den Naturwissenschaften führt jede beantwortete Frage zur nächsten.“ Jemand, der dies nicht bestreiten würde, ist Professor Dave Charlton von CERN in der Nähe von Genf in der Schweiz. Er sagte, dass er hoffe, die Entdeckung des schwer zu entdeckenden Higgs-Boson-Teilchens, des sogenannten „göttlichen Teilchens“ dazu beitragen würde, eine neue Generation von Physiker/innen und Naturwissenschaftler/innen zu beflügeln. „Wir bei CERN erklären immer gern den Nicht- Expert/innen unsere Wissenschaft und wie wir ihr nachgehen, weil ein Verständnis der Methoden und Konzepte der Naturwissenschaft die Grundlage unserer Gesellschaft ist“, so seine Aussage. Krise? Welche Krise? Fragt man in China.  Naturwissenschaften haben kein Imageproblem in China, das inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Laut eines jüngsten Berichts des amerikanischen National Science Board hat China in den letzten 20 Jahren immer mehr Mittel für Naturwissenschaft und Technik aufgewendet. Im Jahr 2011 wurde China zum größte Patentamt weltweit, mit 526.000 Patentanmeldungen, im Vergleich zu den USA im selben Jahr mit etwa 503.000 Anmeldungen. Diese Kluft wird immer größer.  Suwatchai Songwanich, Vorstandsvorsitzender der Bangkok Bank, sagte in einem jüngsten Artikel für die Nation Multimedia Group, dass Chinas Ziel darin bestehe, führend in naturwissenschaftlicher Bildung zu sein und China Naturwissenschaft und Technik als ausschlaggebend für seinen Wirtschaftserfolg sehe.  „Das Ziel besteht darin, China von einer Industrienation in eine Innovationsgesellschaft zu überführen,“ schrieb er. „Die Regierung möchte dies erreichen, indem das Investitionsniveau in Forschung und Entwicklung erheblich angehoben wird. Forschung und Entwicklung sollen bis 2020 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.“

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  • INEOS‘ wege zum elektroauto

    Elektroautos sind nichts Neues. Der Engländer Thomas Parker erfand schon 1884 eines, das von wiederaufl adbaren Batterien angetrieben wurde. Aber knapper werdende fossile Energieträger und Bedenken zu CO2-Emissionen zwingen uns als Gesellschaft dazu, diese als ernstzunehmende Alternative in Erwägung zu ziehen. Wie kaum verwundert, so reagiert INEOS schnell, um herauszufi nden, ob man an den Konzernstandorten weltweit auf Elektrofahrzeuge umsteigen sollte. Video Elektroautos allein können unseren Planeten nicht retten. Niemand bestreitet das. Aber es ist vielleicht ein Anfang. Ein Versuch in die richtige Richtung, zumindest zur Senkung von CO2- Emissionen und dass für zukünftige Generationen eine nachhaltigere Welt geschaffen werden kann. Die Schwierigkeit ist allerdings, wie man die Menschen davon überzeugt, heute ihre Lebensweise zu ändern, ohne dass es sie teuer zu stehen kommt. INEOS’ eigene Reise in die Welt des Elektroautos hat bereits begonnen: am den Standorten Antwerpen in Belgien, Köln in Deuschland und Lavéra in Frankreich. Antwerpen ist gerade dabei, sich zu entscheiden, welchen Weg man einschlagen sollte, nachdem ein Elektroauto am Standort erprobt wurde. Köln führt im Moment solche Erprobungen durch. In Lavéra dagegen ist es schon ein Unternehmensgrundsatz, auf dem Werkgelände, wo immer möglich, Elektroautos zu verwenden. In Frankreich müssen Unternehmen in der Region Provence Alpes Côte d’Azur mit mehr als 250 Beschäftigten sich verpfl ichten, die von eigenen Beschäftigten verursachte Luftverschmutzung zu verringern. Außerdem wurde es in der Region Provence Alpes Côte d’Azur im letzten Jahr Pfl icht, dass 30 Prozent der Geschäftswagen einer Firma Elektroantrieb haben oder zumindest schadstoffarme Fahrzeuge sind. „Es gab damals keine Strafen, also hielten sich nicht alle daran”, so Bernard de Chanville, der Gesch.ftsführer, der auch das Projekt leitete. „Aber INEOS hatte und hat bei den Menschen in der Region und bei den örtlichen Behörden Modellcharakter.“ Die Beschäftigten in Lavéra haben schon vor fünf Jahren mit der Erprobung einer Reihe von E-Autos begonnen. „Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie viele wir erprobt haben, aber es sind viele”, so Bernard. „Jedes Mal, wenn ein neues Fahrzeug auf den Markt kam, haben wir es ausprobiert.“ Die Beschäftigten mochten allgemein gerne den Renault Kangoo ZE Van, der seit 2010 das meistverkaufte Elektroauto in Frankreich ist. „Es ist das erste wirklich industriell gefertigte Modell”, so Bernard. Obwohl nur eine beschränkte Anzahl von Kilometern gefahren werden kann, bevor der Akku wieder aufgeladen werden muss, sagten die Beschäftigten, dass man sich darin sicher fühle und es Spaß mache, ihn zu fahren. INEOS betreibt derzeit neun Fahrzeuge am Standort Lavéra in der Nähe von Marseille. „Jedes Mal, wenn ein Leasing-Vertrag ausläuft, überlegen wir uns jetzt, ob es möglich ist, ein Elektrofahrzeug zu nehmen”, so Bernard. „Einige unserer Fahrzeuge werden allerdings auch außerhalb des Standorts benutzt, daher kann die eingeschränkte Reichweite eines Elektrofahrzeugs problematisch werden.“ Trotz der Nachteile passen die Erprobungen an den Standorten sehr gut zum Firmenethos von INEOS, das stolz darauf ist, wo es möglich ist, sichere, nachhaltige Lösungen für die Probleme von heute zu fi nden. Die Beschaffungsverantwortlichen bei INEOS untersuchen gerade, was nötig wäre, damit alle europäischen und US-amerikanischen Standorte mit Elektroautos ausgestattet werden könnten. „Elektroautos sind nützlich für unseren Standort, da wir keine langen Reichweiten brauchen, außerdem Geschwindigkeitsbeschränkungen auf dem Gelände gelten, daher ist eine geringere Geschwindigkeit ein Vorteil, nicht ein Nachteil”, so Bernard weiter. Wenn der Preis – und die Bedingungen – stimmen, könnte INEOS auch eines der ersten Chemieunternehmen werden, das Energie aus seiner eigenen Kraft-Wärme-Kopplung nutzt, um Beschäftigte und Waren am Standort hin und her zu transportieren. „Es ist sicher eine sehr innovative Idee, mit positiver Wirkung durch niedrigere Emissionswerte und Änderung der Einstellung”, so Peggy Gerits, Planungs- und Logistikmanagerin bei INEOS Oxide in Antwerpen, wo die Beschäftigten gerade eine längere Bewertung zum Gebrauch von Elektroautos vorgenommen haben. Es wäre auch ein gutes Geschäft für die Chemiebranche, die an der Herstellung vieler Bauteile in den heutigen Elektroautos beteiligt ist, wie Polypropylene für Stoßstangen und Butadiene für „grüne“, kraftstoffsparende Reifen. Die Kosten werden allerdings von der Öffentlichkeit als einer der Hauptgründe genannt, weshalb man nicht zum Elektroauto wechselt. Ein Zwei-Sitzer-Renault Twizy mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h kostet etwa 9.000 Euro. Die kurze Entfernung, die damit zurückgelegt werden kann, bevor die Batterie wieder aufgeladen werden muss, ist ein weiteres Problem. Nach etwa hundert Kilometern muss sie wieder aufgeladen werden. Aber laut Renault wird es ab 2020 ein Kleinwagen- Elektrofahrzeug geben, das günstiger in der Anschaffung ist, eine größere Reichweite hat – vielleicht 402 Kilometer – und schneller aufladbar sein wird. Antwerpen erprobt elektroauto Von Jenny Franken (Praktikantin) Beschäftigte am INEOS-Standort im belgischen Antwerpen starteten einen interessante Versuch, als sie im letzten Jahr begannen, ein Elektroauto zu erproben. Bereits 2003 baute Essent eine Kraft-Wärme- Kopplungsanlage am INEOS Oxide-Standort in Antwerpen, wobei der überschüssige Strom ins belgische Netz eingespeist wurde. Unlängst haben sich beide Unternehmen um mehr Zusammenarbeit bemüht, damit der Strom, der von der Kraft-Wärme-Anlage am Standort erzeugt wird, wegen Umweltvorteilen auch jenseits des Produktionsortes genutzt werden kann. Gespräche mit Essent haben zu einer Partnerschaft mit 4is geführt, einer Beratungsfirma, die sich auf Elektromobilität konzentriert. Es wurde eine Erprobung von Elektroautos vereinbart. Zwei Monate lang wurden die Beschäftigten dazu ermutigt, das Fahrzeug zum Transport von Geräten und Rohren auf kurzen Wegen am Standort zu verwenden. „Das Auto wurde im Grunde genommen für jeden Weg, der nicht mit dem Fahrrad hätte zurückgelegt werden können, benutzt”, so Peggy Gerits, Planungs- und Logistikmanagerin bei INEOS NV. Die Erprobung war eine große Anstrengung des Teams von INEOS, Essent und 4iS, das Firmen unterstützt, die vielleicht zu Elektroautos überwechseln wollen, sowie Renault, welche das Testfahrzeug zur Verfügung stellten und Blue Corner, das die Ladestationen lieferte. Ihr Auftrag bestand darin, darüber zu informieren, wie es ist, ein Elektroauto zu fahren und dabei Rückmeldungen zu sammeln. Die Rückmeldungen fielen im Großen und Ganzen positiv aus. Die Beschäftigten meinten dazu, das Auto sei sicher, ruhig und bequem und ideal für kurze Wege am Standort. Einige machten sich allerdings Sorgen, dass das Auto ein mögliches Sicherheitsrisiko darstelle, weil es so ruhig sei. Sie befürchteten, dass man sie nicht hörte, wenn sie näher kamen oder rückwärts fuhren. Der andere Nachteil bestand darin, dass man daran denken muss, die Batterie aufzuladen, was eine Stunde dauern kann. „Ein Elektroauto zu fahren fühlt sich anders an”, so Peggy. „Es entspannt.“ Das von INEOS-Beschäftigten erprobte Fahrzeug verfügte über eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. „Das war kein Problem für uns, weil es auf dem Gelände sowieso strenge Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt.“ Insgesamt wurde das Fahrzeug positiv von den Beschäftigten aufgenommen. Es sind die Kosten, die sich vor allem nachteilig auf die Nachfrage der Öffentlichkeit nach dieser neuen Technik auswirken. Die hohen Kosten von Elektroautos heutzutage und die kurzen Strecken, die damit zurückgelegt werden können, nämlich „nur“ 140-200 Kilometer, bedeutet, dass sie noch nicht so beliebt sind. Aber die Dinge ändern sich schnell. Laut Renault soll bis 2020 die Reichweite eines Elektrokompaktfahrtzeugs bis zu 402 Kilometer betragen, die Akkuladezeit erheblich kürzer und die Gesamtproduktionskosten geringer sein. Elektroautos bei INEOS-Standorten würden normalerweise für kurze Wege eingesetzt werden. Sie würden außerhalb der regulären Arbeitszeiten auf dem Werkgelände geparkt sein, wo sie aufgeladen werden können, daher wären sie eine hilfreiche Ergänzung für den Standortbetrieb. Damit diese Autos beliebter und einfacher im Gebrauch werden, muss sich der Markt weiterentwickeln. Weitere Herausforderungen sind Zuverlässigkeit und Haltbarkeit von Batterien sowie geringere Kosten. Antwerpen trägt sich jetzt mit dem Gedanken, ob der firmeneigene Fuhrpark nicht auf Elektroautos umgesattelt werden könnte. Sollte es finanziell vernünftig sein, wird INEOS eventuell diesen Weg einschlagen. Was die Beschäftigten gut fanden 100 Prozent emissionsfrei Sicher Geräuscharmes Fahren Was die Beschäftigten nicht gut fanden Notwendigkeit, nach kurzen wegen aufzuladen Zeitaufwendiges aufladen Teuer in der Anschaffung

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  • Eine welt für sich

    In diesem Sommer verfolgten Millionen Menschen weltweit im Fernsehen die Fußballweltmeisterschaft 2014. Ob man es glaubt oder nicht, so manche würden behaupten, dass es wichtigere Dinge im Leben als Fußball gibt, wie INCH herausfand, als man sich auf die Suche nach ungewöhnlicheren, auch extremen Sport- und andere Veranstaltungen begab. Der marathon des sablesMan sollte annehmen, dass Mauro Prosperis unglaubliche Überlebensgeschichte ausreichen würde, um alle davon abzuschrecken, am Sandmarathon teilzunehmen, ein Lauf von 254 Kilometer quer durch die Wüste Sahara. Aber Leute stehen Schlange, um mindestens 2.700 Euro zu bezahlen, um daran teilnehmen zu können. Das Rennen, auch der „härteste Lauf der Welt“ genannt, entspricht sechs Marathonläufen bei Temperaturen von bis zu 49°C. Das Laufen in den Sanddünen kann dazu führen, dass die Fü.e anschwellen. Nach drei Tagen kann es sein, dass sich die Fü.e wie Betonklötze anfühlen. Man muss alles selbst tragen, was man für den sechstägigen Lauf braucht, außer Wasser. Dies wird von den Veranstaltern netterweise zur Verfügung gestellt. Knapp 64 Liter pro Tag pro Teilnehmenden. Doch es ist unwahrscheinlich, dass Mauro jemals wieder daran teilnehmen möchte. Vor zwanzig Jahren verlief sich der italienische Polizist in einem Sandsturm, hatte nach 36 Stunden nichts mehr zu essen und zu trinken und verbrachte neun Tage allein in der Wüste, bevor er 299 Kilometer abseits vom Weg von einer Nomadenfamilie gefunden wurde. Er hatte überlebt, indem er seinen eigenen Urin getrunken und Fledermäuse und Schlangen gegessen hatte. Die tomatinaSpaniens Tomatina ist der ultimative Kampf mit Essen. Es gibt keine Gewinner/innen oder Verlierer/ innen: nur ein Meer roter Gesichter, wenn die Schlacht zu Ende ist. Früher drängten sich 50.000 Besucher/innen durch die Straßen von Bunol bei Valencia, um sich gegenseitig mit 140 Tonnen überreifen, zerdrückten Tomaten zu bewerfen. Heute verkaufen die Veranstalter nur noch bis zu 20.000 Eintrittskarten. Ladenbesitzer schützen ihre Schaufenster während der stundenlangen Straßenschlacht mit riesigen Plastikfolien. Ein Kanonenschuss signalisiert den Beginn und ein weiterer das Ende des Kampfes. Wenn er vorbei ist, werden die Straßen und Mauern der Stadt mit dem Schlauch abgespritzt, während alle unter die Dusche gehen. Das jährliche Festival soll auf eine Gruppe Jugendlicher zurückgehen, die sich im August 1945 Tomaten von einem Gemüsestand griffen und während eines Umzugs durch Bunol begannen, sich damit zu bewerfen. Der nordpolmarathonUnter allen Marathonläufen ist der Nordpolmarathon wohl der kälteste. In diesem Jahr patroullierten bewaffnete Militärs entlang der Marathonroute, als die 48 Athleten aus 16 Ländern der Bedrohung durch hungrige Eisbären, Temperaturen von -47°C und treibenden Eisschollen trotzten, um die 42 Kilometer zu laufen. Es gibt immer so wenige Teilnehmende, dass sie alle auf der offiziellen Internetseite des Veranstalters Erwähnung finden. Teilnehmer Robert Plinjnaar aus Holland trug drei Paar Socken und drei Schichten Kleidung, um sich warm zu halten. „Ich bin losgelaufen und trug anfangs eine Maske und eine Skibrille, aber nach 100 Metern war es so, als würde man durch ein Aquarium blicken, daher musste ich sie abnehmen. Leider habe ich deswegen Erfrierungen um meine Augen und Nase herum erlitten”, sagte er. Weltmeisterschaft im thunfischwerfenDies ist ein Wettbewerb im Hammerwerfen mit einer überraschenden Wendung. Statt eines schweren Balls schleudern die Teilnehmenden einen gefrorenen Thunfisch mit einem Seil um ihren Kopf und werfen ihn dann so weit wie möglich. Wer den 7,7 Kilogramm schweren Blauflossenthunfisch beim Festival von Tunaramain der Nähe von Port Lincoln/Südaustralien am weitesten wirft, wird Weltrekordhalter. Der dschungelmarathonWenn man Angst vor Piranhas hat, sollte man den Dschungelmarathon wahrscheinlich am besten meiden. Organisator/innen meinen, dass nur Mutige sich zu diesem Rennen anmelden, welches einer der schwersten, nässesten und heißesten Ultra-Marathonläufe der Welt sein soll. Man versteht, warum. Abgesehen von den hohen Temperaturen müssen die Laufenden durch Sümpfe waten, wo Anacondas lauern, steile, rutschige, matschige Hügel erklimmen, dichtes Unterholz durchqueren, mit Piranhas verseuchte Flüsse überqueren und mehr als eine Nacht in den Tiefen des amazonischen Dschungels verbringen, wo Jaguare und heulende Affen Gesellschaft leisten. Alle Laufenden müssen ein Messer, eine Abschrift ihrer Krankenversicherungpolice und genügend Essen für das siebentägige, 254 Kilometer lange Rennen bis zum Ziel mit sich führen. Wenn man das Pech hat, eine intravenöse Infusion zu brauchen, so werden zwei Stunden zur Zielzeit hinzugezählt. Meisterschaft im käserollenEin amerikanischer Armeeveteran reiste im letzten Jahr mehr als 6.500 Kilometer von seinem Zuhause in Colorado Springs, um einen drei Kilogramm schweren Käselaib im britischen Gloucestershire einen steilen Hügel hinunter zu rollen. Dieser uralte Wettbewerb im Käserollen in Cooper’s Hill ist ein jährliches Spektakel, dass ein großes Publikum anlockt. Jedes Jahr beobachten Zuschauer/innen ein paar Käseroller, die hinter dem Käse, der Spitzengeschwindigkeiten von 112 km/h erreichen kann, den Hügel hinunterrollen. Der Erste, der unten ankommt, bekommt den Käselaib. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Verletzungen. Im Jahr 2009 wurde ein Zuschauer verletzt, als er von einem Baum fiel und mit einer Bahre und Verdacht auf Knochenbrüche abtransportiert werden musste. Das iditarod-schlittenhunderennenBeim Iditarod-Schlittenhunderennen laufen Mensch und Tier gegen die Natur und es heißt das „letzte große Rennen der Welt“. Hundeschlittenführer und ihre Hunde durchqueren 1.600 Kilometer der unberührtesten, schönsten Landschaft, die Alaska zu bieten hat, einschließlich zerklüfteter Bergketten, gefrorener Flüsse, tiefer Wälder und Meilen winddurchwehter Küste, bei Temperaturen von oftmals unter Null und Winden, die einem völlig die Sicht nehmen. Weltmeisterschaft im moorschnorchelnViel zu sehen gibt es bei den Weltmeisterschaften im Moorschnorcheln nicht, auch deswegen, weil Teilnehmer nur aus den trüben, 55 Meter langen Sumpfgräben auftauchen können, um zu überprüfen, ob sie in die richtige Richtung schnorcheln. Das hält allerdings weder die Zuschauermengen, entlang der beiden schlammigen Gräben Position zu beziehen, noch die Teilnehmenden davon ab, die im vergangenen Jahr aus Frankreich, Deutschland, Australien, Neuseeland und Kanada kamen, kopfüber in das eiskalte, übelriechende Moor zu springen. Die Meisterschaften werden jedes Jahr in Llanwrtyd Wells abgehalten, der kleinsten Stadt Großbritanniens. Teilnehmer müssen dabei zwei Längen des 1,8 Meter tiefen Sumpfgrabens „durchschwimmen“, ohne konventionelle Schwimmzüge dabei zu machen. Aber sie sind nicht allein. Allerlei Krabbeltiere schwimmen im Wasser, darunter der anscheinend harmlose Wasserskorpion. Über babys springenEine der merkwürdigsten – und vielleicht auch etwas beunruhigenden – Veranstaltungen ist das Springen über Babys, bei dem als Teufel verkleidete Männer über Neugeborene, die auf einer Matraze auf der Straße liegen, springen. Das Festival, das auf das Jahr 1620 zurückgeht, findet jedes Jahr in Castrillo de Murcia in Spanien statt und ist Teil der katholischen Fronleichnamsfeierlichkeiten. Damit sollen die Seelen der Babys gereinigt werden, böse Geister vertrieben und sie vor Sünden bewahrt werden. Der tenzing-hillaryeverest-marathonEin Großteil des Tenzing-Hillary-Everest-Marathon mag bergab gehen, aber man darf sich nicht dazu verleiten lassen anzunehmen, dass er dadurch einfach wäre. Organisator/innen dieser jährlichen Veranstaltung weisen darauf hin, dass Teilnehmende drei Wochen in Nepal gewesen sein müssen, bevor der Lauf beginnt, damit sie sich an die Höhenlage gewöhnen können. Der dreitägige „Urlaub“ umfasst eine 14-tägige Wanderung zum Marathonstart: das Everest Basislager (5.364 Meter). Dies unter ärztlicher Aufsicht und mit einem Aufstieg des Kala Patthar (5.545 Meter), um die besten Aussichten auf den Everest zu genießen. Beim Rennen selbst, zu dem zwei steile Streckenabschnitte bergauf gehören, werden Zickzackpfade des Khumbu-Eisfalles durchquert, bis man das Ziel am Namche Bazaar erreicht. Weltmeisterschaft im frauentragenFinnland hat vielleicht die Weltmeisterschaft im Frauentragen erfunden, aber Männer kommen von überall her angereist, um sich in dieser epischen Darstellung roher Kraft zu messen. Teilnehmer müssen ein ein Meter tiefes Wasserbecken durchqueren, über Hürden springen und so schnell wie möglich laufen, wobei gleichzeitig ihre Frauen kopfüber am Rücken des Läufers hängen. Eine Ehefrau muss mindestens 49 Kilogramm wiegen oder sie muss einen schweren Rucksack mittragen. Wenn sie herunterfällt, wird eine Zeitstrafe von 15 Sekunden fällig. Der Mann, der dieses 253 Meter lange Hindernisrennen in der kürzesten Zeit zurücklegt, erhält das Gewicht seiner Frau in Bier. Die WM gibt es seit 1992 und soll auf der Legende eines gnadenlosen Gangsterbosses beruhen, der mit Vorliebe Frauen aus den Nachbardörfern stahl. Der comrades ultra marathonVielleicht haben erst seit kurzem Ultra-Marathonläufe so an Popularität gewonnen, aber einige davon, wie den 90 Kilometer langen Comrades Marathon in Südafrika gibt es schon seit vielen Jahren. Er fand zum ersten Mal am 24. Mai 1921 zwischen Durban und Pietermaritzburg statt. Er soll der größte und älteste Ultra-Marathonlauf der Welt sein. Die Richtung des Rennens wird zwischen dem „Bergauf-Rennen“ (87 Kilometer) mit Start in Durban und dem „Bergab-Rennen“ (89 Kilometer) ab Pietermaritzburg abgewechselt. Die Idee stammte von Vic Clapham, einem Veteranen des Ersten Weltkrieges, zum Gedenken an die südafrikanischen Soldaten, die im Krieg gefallen waren. Clapham, der einen 2.700 Kilometer Marsch durch Ostafrika erduldet hatte, wollte, dass das Gedenken eine einzigartige Prüfung körperlicher Ausdauer für die Teilnehmenden ist. Die Satzung des Rennens verweist auf eines seiner Hauptziele, nämlich zu feiern, dass „der menschlichen Geist auch im Angesicht schlimmster Not überdauert.” Jedes Jahr nehmen am Rennen 18.000 Läufer teil, darunter war 2013 auch ein Team von INEOS, als Jim Ratcliffe, Leen Heemskerk, Chris Woods, Oliver Hayward- Young, George Ratcliffe und Alessia Maresca erfolgreich das Rennen absolvierten.

    8 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • INEOS-kampagne gewinnt an boden und viele fans

    Im vergangenen Jahr hieß es bei INEOS, dass wir Tausende von Kindern in Großbritannien dazu ermutigen wollen, einmal Pause von Fernsehen, Internet und Videospielen zu machen, vom Sofa aufzustehen und gerne wieder mal draußen zu sein. Eine riesige Herausforderung. Doch mit vielen kleinen Fü.en gelang es mit der INEOS GO Run For Fun-Initiative Riesenschritte zu tun. Einer der erfolgreichsten britischenOlympioniken hat sich öffentlich zu den ehrgeizigen Plänen von INEOS geäußert, um die größte Laufi nitiative für Kinder weltweit zu starten. Doppelolympiamedaillengewinner Lord Sebastian Coe, der Vorsitzender des Londoner Olympischen Organisationskomitees war, erzählte Gästen beim Start der INEOS GO Run For Fun-Stiftung im Mai, dass viel darüber geschrieben worden sei, wie wichtig es doch sei, langfristig etwas von den Olympischen Spielen 2012 zu bewahren. „Go Run for Fun ist genau, was wir im Sinne hatten”, sagte er. „INEOS hat die Fackel übernommen und ist damit äußerst intensiv weitergelaufen.“ Er sprach nur ein paar Minuten, bevor 500 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren aus elf Schulen den nationalen Start von GO Run For Fun mit einem zwei Kilometer langen Lauf im Queen Elizabeth Olympia Park im Schatten des Olympiastadions feierten. Dieser Lauf, der zu einer Reihe von Veranstaltungen gehörte, die seit August letzten Jahres in Großbritannien stattgefunden hatten, leitete den Start der GO Run For Fun-Stiftung ein, einer neuen Wohltätigkeitorganisation, die britische Kinder dazu bringen soll, wieder gern zu laufen. Vorher hatte sich der INEOS-Vorstandsvorsitzende Jim Ratcliffe auch an Gäste und mögliche Sponsoren gewandt. „Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich um mehr Geld bitte”, so sagte er weiter. „Aber es gibt ein solch starkes Verlangen nach der Durchführung dieser Veranstaltungen, dass wir einfach der Nachfrage nicht mehr gerecht werden können.“ Von INEOS, das 1,9 Millionen Euro investiert hat, um sicherzugehen, dass der Erfolg der Kampagne über die nächsten drei Jahre gesichert ist, hieß es, dass es ein Riesenpotenzial gebe, dass man noch weit über das ursprüngliche Ziel, nämlich 100.000 Kinder zum Mitmachen zu bringen, hinausschießen könne. Die Gründung der Stiftung ist der erste Schritt, wichtige Mittel von Regierung und Privatsektor zu sichern, so dass das GO Run For Fun-Team noch mehr Veranstaltungen mit Schulen und lokalen Vereinen in ganz Großbritannien und auch im Ausland durchführen kann. „In meiner Jugend waren Kinder noch viel aktiver”, so Jim. „Wir fuhren Fahrrad, gingen laufen oder bewegten uns überall zu Fuß hin. Heute sind Kinder viel mehr abgelenkt und verbringen mehr Zeit zuhause, spielen auf Spielkonsolen und Smartphones als dass sie wirklich draußen spielen. Es ist auch nicht gerade hilfreich, wenn die britische Regierung Schulsportplätze verkauft.“ Für die Weltgesundheitsorganisation ist Kinderfettleibigkeit eine der größten gravierenden Herausforderungen im Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts. Aus dicken Kindern werden dicke Erwachsene und Fettleibigkeit ist mit Diabetes, Herzkrankheit, Krebs und Demenz verbunden. Was für Großbritannien noch schlimmer ist, ist Public Health England, dass 30 Prozent der Kinder zwischen 2 und 15 Jahren heutzutage übergewichtig oder fettleibig sind. „Zur Generation meiner Eltern war Rauchen das größte Gesundheitsrisiko”, so Jim. „Jetzt ist es die Fettleibigkeit.” Die INEOS-Kampagne wendet sich entschieden an die Menschen selbst, ermutigt Kinder dazu, aktiv zu werden und wieder zum Spaß Laufen zu gehen. Schon jetzt ist es mit der Kampagne gelungen, eine ganze Reihe von Fans zu fi nden, wozu einige der besten britischen Leichttathleten zählen: Brendan Foster, Baroness Tani Grey Thompson, Colin Jackson sowie Sharron Davies. Lehrkräfte, deren Schulen sich an einer der All-inclusive Veranstaltungen in ganz Großbritannien beteiligt hatten, sind genauso beeindruckt und verstehen, wie wichtig es ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. „Ich glaube, Lehrer können große Vorbilder sein, um Kinder zu ermutigen, die vorher noch nie gelaufen sind, um an Veranstaltungen wie dieser teilzunehmen”, so Claire Snailham, eine Lehrerin an der Ivy Chimneys Vorschule in Epping in der Grafschaft Essex. Claire, deren Vater Sportlehrer war, begleitete 90 Kinder zum Olympiapark zu dem von Prominenten angeführten Lauf. „Die Kinder merkten gar nicht, dass es regnete”, sagte sie. „Es war so spannend für sie, im Olympiapark zu laufen und es hat ihnen vor allem gefallen, weil es zum Spaß und nicht nur ein Wettlauf für die Schnellsten war.“ Der Lauf, der vom Moderator von Sky Sport News, Charlie Webster, eröffnet wurde, war auch das Signal des Rennens um Sponsoren. Dies funktioniert auch in jeder Hinsicht, weil INEOS‘ Anwaltskanzlei, Slaughter & May, die Finanzberater der Firma Ondra, Fort Ports und INEOS-Geschäftspartner Barclays alle für das nächste Jahr ihre Unterstützung anboten. „Wir hatten positive Unterstützung von diesen Firmen und sind in Gesprächen mit vielen anderen”, so Leen Heemskerk, der Finanzchef bei INEOS O&P Europe (North), der auch für die GO Run For Fun-Kampagne verantwortlich ist. Der Aufruf nach mehr Unterstützung war allerdings damit nicht beendet. Am 5. Juni 2014 betrieben Jim, außerdem noch 20 Kinder und ein Riesenmaskottchen namens DART, bei den Politiker/ innen im britischen Parlament Lobbyarbeit, weil es immer wichtiger wird, Fettleibigkeit bei Kindern zu bekämpfen. „Eltern machen sich Sorgen darum, dass ihre Kinder immer weniger aktiv sind, und wir wollen ihnen helfen”, so Jim. „Aber entschiedenes Handeln von staatlicher Seite ist dazu sofort nötig, um Kinder zu unterstützen und ihnen die Chance zu geben, mehr Sport zu treiben. Bewegungsmangel darf nicht länger ignoriert werden.” Er sagte, dass trotz der Anzahl der Berichte zu diesem Problem bis jetzt wenig von Seiten der politischen Parteien dazu geschehen ist. „Ich habe mich mit einer Reihe von Parlamentarier/ innen getroffen und sie waren sich alle einig, dass etwas unternommen werden muss. Daher ist es enttäuschend, dass so wenig in dieser Hinsicht unternommen wird”, so Jim. Gastgeber bei dieser Parlamentsveranstaltung war Alex Cunningham und damit bot sich für Baronin Tanni Grey- Thompson, Charlie Webster und Brendan Foster die Gelegenheit, Politiker/innen daran zu erinnern, dass es nötig ist, auf dem Ergebnis der Olympischen Spiele nachhaltig aufzubauen und sich auf klare Maßnahmen zu einigen. Video GO Run For Fun geht auf Tournee Auch in Kontinentaleuropa kam man diesen Sommer auf den Geschmack der INEOS Go Run For Fun- Kampagne. Veranstaltungen wurden im schweizerischen Rolle abgehalten, wo sich INEOS’ Hauptsitz befindet, und in Gemeinden in der Nähe der INEOS-Standorte in Antwerpen (Belgien) und Köln (Deutschland). Insgesamt nahmen mehr als 3.000 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren an elf Läufen teil. Hunderte von Beschäftigten von allen drei Standorten standen bereit, um sie anzufeuern und um dafür zu sorgen, dass jede Veranstaltung glatt lief. Sie waren als Ersthelfer, Streckenposten und zur Verteilung von T-Shirts gekommen. „Mir wurde warm ums Herz, als ich so viele Kinder mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht sah”, sagte Katrien Poppe, Personal- und Kommunikationsleiterin bei INEOS Oxide, die gemeinsam mit Nadine Ceustermans vom belgischen Standort Geel bei der Koordinierung der Veranstaltungen half. „Alle waren sehr begeistert bei der Sache.” Die Veranstaltungen in Belgien erwiesen sich als äußerst beliebt: mehr als 1.000 Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren nahmen daran teil, so dass die örtlichen Leichtathletikvereine bereits INEOS baten, sie im nächsten Jahr wieder durchzuführen. „Die Veranstalter waren alle sehr überrascht, wie fit die belgischen Kinder waren, aber Fettleibigkeit ist nicht wirklich ein Problem in Belgien“, so Katrien. Im Juni nahmen 1.500 Kinder an vier Veranstaltungen in Deutschland teil. Der olympische Stabhochspringer Björn Otto war beim ersten Lauf dabei. „Es ist sehr wichtig, dass Kinder frühzeitig Interesse an Sport entwickeln, weil Sport in jeder Form wichtig für die Zukunft und die Entwicklung von Kindern ist”, so seine Aussage. Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Pulheim war eine der Schulen, die daran teilnahm. „Es war eine großartige Veranstaltung“, so Lehrerin Steffi Nickel. „Ich bin so froh, dass ich meine Klasse ermutigt habe, daran teilzunehmen.“ Dr. Anne-Gret Iturriaga Arbazua, Leiterin Unternehmenskommunikation bei INEOS in Köln, sagte, dass Fettleibigkeit bei Kindern auch in Deutschland zum Problem wird. „Viele Schulen haben bereits einen jährlichen Lauf mit Sponsorenunterstützung als Teil ihres Lehrplanes“, sagte sie. Bei der Schweizer Veranstaltung kamen 800 Kinder aus Schulen und Sportvereinen in Rolle, Nyon, Vich und Lausanne und absolvierten einen Lauf von 1,6 Kilometern Länge im Fußballstadion von Rolle. „Kinder frühzeitig für das Laufen zu gewinnen ist so wichtig und bedeutet, dass sie sehr wahrscheinlich später im Leben auch laufen werden“, so Maria Lavanchy, die Schweizer Rekordhalterin für die 4x100 Meter Staffel, die den Lauf mit dem Verteidiger des Hockey Club Lausanne Federico Lardi eröffnete. „GO Run For Fun ist eine großartige Initiative, die dies erreichen hilft. Wer weiß, vielleicht ermutigen wir damit die nächste Generation schweizerischer Weltmeister.“ GO Run For Fun plant, mehr Standorte in sein Programm nächstes Jahr mit einzubeziehen, da man auf einem erfolgreichen Programm von 2014 aufbaut, an dem mehr als 40.000 Kinder bisher teilgenommen haben.

    10 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Marktkräfte an der arbeit

    INEOS ist drauf und dran, ein Weltklasse-Chlor-Vinylgeschäft zu gründen. Aber mit dem INOVYN Joint Venture mit Solvay hat man etwa anderes erreicht: damit konnte eine andere Konzernsparte, die bis jetzt nicht sehr bekannt war, eine Möglichkeit bekommen, zu glänzen, wie Ralston Skinner INCH erklärt hat. Video Demosthenes, wahrscheinlich der größte griechische Redner, sagte einmal, dass kleine Chancen oft der Anfang großer Unternehmungen sind. Jemand, der fest daran glaubt, ist Ralston Skinner, Generalmanager bei der neu gegründeten Firma INEOS ChlorToluenes. Das Spezialchemikalienunternehmen, das mehr als 100 Beschäftigte hat, soll zum ersten Mal aus eigener Kraft operieren. Und Ralston ist gespannt darauf, was man umsetzen kann, für die Kunden weltweit und für das Ergebnis. „Das Geschäft war einmal ein Teil des viel größeren INEOS ChlorVinyls, bei dem es verständlicherweise eine sehr niedrige strategische Priorität hatte”, sagte er. „Aber all das hat sich jetzt mit dem INOVYN Joint Venture verändert“. Kurz gesagt: ein vielleicht etwas zu kurz gekommener Teil des Unternehmens tritt jetzt in den Mittelpunkt. Die meisten Beschäftigten von INEOS ChloroToluenes sind im belgischen Tessenderlo tätig. Der Rest befindet sich entweder im niederländischen Maastricht oder im britischen Runcorn. Das Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von 80 Millionen Euro verkauft jedes Jahr etwa 55.000 Tonnen an Produkten. „Mit der richtigen Strategie hoffen wir, den Umsatz in den nächsten drei Jahren verdoppeln zu können”, so Ralston. Trotz der gegenwärtigen Größe handelt es sich um einen der drei Tophersteller von chlorhaltigen Toluolderivaten weltweit. „Es gibt nicht viele von uns”, so Ralston weiter. „In Europa gibt es nur zwei oder drei große Akteure, die Benzylchlorid herstellen. Es gibt keine Hersteller in Japan und nur einen in den USA. Das ist eine riesige Chance für uns. Der Markt ist vorhanden. Wir müssen einfach unsere innovative Logistikplattform entwickeln und wir wissen, dass die Kunden mit uns ins Geschäft kommen wollen.“ In der Welt der Chemie kommen wir nicht ohne Benzylchlorid aus. „Es ist wirklich der Grundstoff für alles, was man sich vorstellen kann”, so Geschäftsführer Bruno Stockhem. „Einfach alles: von Kosmetika, Pharmaartikeln, Agrochemikalien, Lacken – für all das wird es gebraucht.“ INEOS’ Hauptkonkurrent ist in Europa. Er verfügt über ähnliche Technologien, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. „Die Tradition dieser Firma ist ganz anders als unsere”, so Ralston. „Wir haben unsere Produkte in verschiedenen Bereichen entwickelt.“ „Sie konzentrieren sich auf Cresole, Ausgangsprodukte für Antioxidantien, Pharmazeutika und Körperhygieneprodukte wie Zahnpasta, Mundspülung, wohingegen wir Produkte herstellen, die verwendet werden, um solche Dinge wie Desinfektionsmittel, Agrochemikalien, Lacke, Duftstoffe und Harze herzustellen”, so seine Aussage. Die Nachfrage nach Agrochemikalien wie Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden, die von Landwirt/innen beim Anbau von Ackerpfl anzen eingesetzt werden, wächst schnell in den Entwicklungsländern. Laut Vereinter Nationen sollen bis 2075 9,2 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Mehr Menschen bedeutet, dass mehr Menschen satt werden müssen und es an Anbaufl äche fehlen wird. Agrochemikalien verbessern die Produktivität, indem sie Landwirt/innen helfen, Schädlinge und Unkraut zu bekämpfen, die ganze Ernten vernichten können. Im letzten Jahr wuchs der lateinamerikanische Markt um etwa ein Viertel auf ca. 14 Milliarden USD, wobei der internationale Agrochemiemarkt bis zum nächsten Jahr 223 Milliarden USD betragen soll. Im Mai begrüßte die britische Ackerpfl anzenschutzvereinigung das Engagement der britischen Regierung, mehr zu tun, um die nationale Landwirtschaftsproduktion anzukurbeln, aber drängte die Europäische Union dazu, ähnlich zu handeln. „Leider scheinen unsere europäischen Kolleg/innen nicht zu wissen, welche Rolle unser Kontinent dabei spielen muss, wenn es darum geht, die landwirtschaftliche Produktivität zu optimieren”, so die Meinung von Nick von Westenholz, Vorstandsvorsitzender der Ackerpflanzenschutzvereinigung. „Wir sehen dies ganz deutlich bei EU-Entscheidungstragenden, die gegenüber Ackerpfl anzenschutztechnik übervorsichtig sind. Dies bedeutet, dass viele der Hauptackerpflanzen, von denen unsere Landwirt/innen abhängen, gefährdet sind, vom Markt genommen zu werden oder es mitunter tatsächlich so weit kommt, obwohl sie sich als sicher erwiesen haben und einem der strengsten Genehmigungsverfahren weltweit unterliegen.“ Laut INEOS kommt die Nachfrage nach Agrochemikalien aus Brasilien, China und Südafrika, alles Länder, in denen die Landwirtschaft sich rasant entwickelt hat und effi zienter arbeiten möchte. „Da ist ein echter Wachstumsmarkt für uns in diesen Ländern”, so Ralston. „Das Wachstum kommt sicher nicht aus Europa.“ Benzylalkohol von INEOS ChloroToluenes wird auch bei der Herstellung von Bewuchsschutzsystemen für Schiffsanstriche verwendet, womit verhindert wird, dass Seepocken und Algen sich an die Schiffsrümpfe hängen und diese damit verlangsamen. Es mag ein kleiner, aber wichtiger Markt sein. „Seepocken sind wirklich ein echtes Problem, weil Schiffe mehr Treibstoff verbrennen, wenn ihre Rümpfe mit Meerestieren verkrustet sind”, so Ralston. „Dies führt wiederum zu mehr Kohlenstoffemissionen.“ Die Herstellung von Nischenprodukten, Spezialchemieprodukten, die nicht einfach nachzumachen sind, gelingt INEOS ChloroToluenes gut. „Viele unserer Kunden sind ebenso Spezialisten”, so Ralston. „So machen wir vielleicht ein Produkt für einen Kunden. Aber wir profi tieren davon, wenn unsere Kunden neue, innovative Nutzungen unserer Produkte finden.“ Wenn wir in die Zukunft blicken, sehen wir Chancen, Herausforderungen und Bedrohungen. INEOS ist mit einer logistischen Herausforderung konfrontiert, wenn es seine Exporte nach Japan und in die USA steigern will. „Japan wurde traditionsweise von China beliefert, aber wir überlegen uns, was wir tun können, um mit China konkurrieren zu können”, so Ralston weiter. „Es liegt nur an der schlauen Logistik, aber was wir gut können, ist, innovative Methoden zu finden, um umständliche Bestimmungsorte mit umständlichen Mengen zu beliefern.“ Man befürchtet immer das Risiko verstärkter EURegulierung, was es schwierig oder unwirtschaftlich macht, Chemikalien zu exportieren. „Man muss immer damit rechnen, dass eine unserer Chemikalien zur ‚Risiko‘-Liste hinzugefügt wird, was sie unwirtschaftlich macht”, so Ralston. Da INEOS ChloroToluenes plant, seinen Umsatz zu steigern, indem man Chemikalien um die Welt transportiert, ist es auch wichtig, dass man Lieferungen von Toluolen sichern kann, welche mit Chlor gemischt werden, um alle ihre Produkte herzustellen. INEOS ChloroToluenes kauft den Großteil seines Toluols von anderen Unternehmen. Man weiß, dass eine zuverlässige Versorgung ausschlaggebend für Erfolg ist und bemüht sich immer um neue Methoden, damit nichts dem Zufall überlassen wird. „Deswegen suchen wir Projekte, mit denen wir auch Toluol aus dem deutschen INEOSWerk in Köln in unser Werk in Belgien bringen können”, so Ralston. „Somit bleibt es in der Familie.”

    10 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Allgemeine zustimmung

    Sicherheit hat oberste Priorität bei INEOS. Jeder im Konzern weiß das. Aber es freut einen immer, wenn Branchenexperten zu schätzen wissen, was ein Konzern zu erreichen versucht und man dafür öffentliche Anerkennung erhält. Die Stimme der chemischen Industrie in Frankreich ernannte Petroineos zum verdienten Gewinner einer prestigeträchtigen nationalen Auszeichnung für seinen innovativen Ansatz der Sorge nach dem Wohlergehen seiner Beschäftigten. Die Union des Industries Chimiques, der französische Verband für die Chemiebranche, verlieh dem Standort Lavéra einen Preis für den verantwortlichen Umgang im Bereich Arbeitsschutz für die Art und Weise, wie das Unternehmen dafür sorgt, dass seine Beschäftigten nicht bestimmten Produkten ausgesetzt werden. „Der Einsatz biologischer Indikatoren für Risiko ist an und für sich nichts Neues”, so Jacques Willocquet, Arbeitsschutzleiter am französischen Standort. „Aber in den meisten Fällen ist dies auf eine Ja/Nein-Antwort begrenzt. Was wir hingegen gemacht haben, ist eine strenge statistische Analyse von Tausenden von Ergebnissen einzuführen, was es uns ermöglicht, die kleinste Veränderung zu erkennen, so wissen wir, ob ein Beschäftigter sogar einer kleinen Substanzmenge ausgesetzt worden ist.“ Dieser Preis wird alle drei Jahre verliehen. Die Preisverleihung fiel in diesem Jahr mit den Tagen der Chemie zusammen, was bedeutete, dass die Veranstaltung von hochkarätigen Teilnehmenden besucht wurde, darunter von Arnaud Montebourg, dem französischen Industrieminister. „Nicht nur wirkt sich diese Auszeichnung positiv auf den Ruf von INEOS in der petrochemischen Industrie aus, damit wird auch unserem Personal gezeigt, wie die Überwachung stetig schwacher Anzeichen von Substanzexposition uns dabei hilft, den Gesundheitszustand besser zu überwachen”, so Jacques. In der Kategorie Arbeitsschutz konnte sich Petroineos gegenüber 17 weiteren Unternehmen durchsetzen. Auf der anderen Seite des Atlantiks feierten die Mitarbeiter beim INEOS O&P Battleground Herstellerkomplex (BMX) in Texas ebenso, nachdem sie vier Preise bei den jährlichen Prämierungen des Texanischen Chemieverbands (TTC) gewonnen hatten. Das Werk gewann die Auszeichnung „Caring for Texas“, einen Preis für Null-Unfälle für vertraglich befristete Beschäftigte und den wertvollen Arbeitsschutzpreis für seine beispielhafte Sicherheitsleistung im vergangenen Jahr. Aber der große Preis des Abends ging an Bob Bradshaw für seine herausragenden Führungsqualit.ten für die sichere Leitung des Werks. Er gewann den Gerald R. Ehrman Preis for Management zu Ehren von Jerry Ehrman, einem in den Ruhestand gegangenen Manager der Sabine River Works in Orange, Texas, der sich sehr für den Arbeitsschutz engagiert hatte. Dieser Preis wird jedes Jahr nur einem Werkleiter verliehen, der ihn auch verdient. In den vergangenen vier Jahren wurde er nur zwei Personen verliehen und eine davon war Bob. „Der Preis geht nur an einen Werkleiter, der diesselben Führungsqualit.ten und dasselbe Engagement für Arbeitsschutz wie Herr Ehrman gezeigt hat”, so Morgan French, BMC SSHE Managerin. „Bob ist unermüdlich, wenn es darum geht, sein Ziel zu erreichen, dass alle Beschäftigten am Ende ihrer Schicht jeden Tag wieder wohlbehalten nach Hause zurückkehren. Er erbringt echten persönlichen Einsatz für ausgezeichneten Arbeitsschutz und fordert von allen, die mit ihm arbeiten, dass sie ein vergleichbares Niveau in der Sorge um den Arbeitsschutz zeigen.”

    3 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • Debatte: Können religion und naturwissenschaft nebeneinander bestehen?

    Der verstorbene deutschstämmige Physiker Albert Einstein glaubte, dass Wissenschaft ohne Religion unfähig und Religion ohne Wissenschaft blind sei. Aber die Diskussion darüber, ob Naturwissenschaft und Religion nebeneinander bestehen können, gibt es solange, wie es Menschen gibt. Und auch heute noch sind die Meinungen dazu geteilt, wie INCH herausfand.  Ich bin überzeugt, dass Evolution und religiöse Auffassungen nicht widersprüchlich sein müssen. Wenn Naturwissenschaft und Religion richtig verstanden werden, können sie einander nicht widersprechen, weil sie sich mit unterschiedlichen Dingen beschäftigen. Naturwissenschaft und Religion sind wie zwei Fenster, durch die man in die Welt blicken kann. Zwei Fenster zeigen dieselbe Welt, aber sie bieten unterschiedliche Blickwinkel. Die Naturwissenschaft beschäftigt sich mit den Vorgängen, die die natürliche Welt erklären: die Bewegung der Planeten, die Zusammensetzung von Materie und der Atmosphäre, die Entstehung und die Anpassung von Lebewesen. Die Religion beschäftigt sich mit der Bedeutung und dem Sinn der Welt und des menschlichen Daseins, der angemessenen Beziehung der Menschen mit dem Schöpfer und untereinander, die ethischen Werte, die das Leben der Menschen beeinflussen und bestimmen. Offensichtliche Widersprüche ergeben sich nur dann, wenn entweder die Wissenschaft oder der Glaube, oder oft sind es beide, ihre Grenzen überschreiten und sich zu Unrecht in die Belange der anderen Seite einmischen.Francisco Ayala, Biologe, University of California, Irvine Beachte: Naturwissenschaft und Religion existieren *wirklich* nebeneinander. Die ersten Naturwissenschaftler waren Priester. Heute unterstützen religiöse Einrichtungen von Universitäten bis zur Vatikanischen Sternwarte fachliche Wissenschaften. Außerdem ist der Anteil der gläubigen Naturwissenschaftler/innen so groß wie der Anteil der Gläubigen in der Bevölkerung allgemein. In der Naturwissenschaft geht man von der religiösen Annahme aus, dass die Schöpfung einer Ordnung unterworfen ist, frei vom Eingreifen von Naturgöttern ist und es sich lohnt, diese näher zu untersuchen. So wer drängt weiterhin zu diesem Mythos eines „Konflikts“? Welche Absicht steckt dahinter?Jesuitenmönch Guy Consolmagno, Astronom in der Vatikanischen Sternwarte Religion und Naturwissenschaft sind wie Öl und Wasser. Sie können nebeneinander bestehen, aber sie vermischen sich nie, um ein homogenes Medium zu werden. Religion und Naturwissenschaft lassen sich grundsätzlich nicht miteinander vereinbaren. Sie sind sich tiefgreifend uneinig, wie wir unser Wissen aus der Welt beziehen. Naturwissenschaft beruht auf Beobachtung und Argumentation aus Beobachtung. Bei der Religion wird davon ausgegangen, dass Menschen auf ein tiefergehendes Niveau der Information vordringen können, das man weder durch Beobachtung noch Vernunft erreichen kann. Die wissenschaftliche Methode wird durch ihren Erfolg bewiesen. Die religiöse Methode wird angefochten, wenn sie versagt.Victor J. Stenger, emeritierter Professor der Physik, University of Hawaii Ich für meine Person bin überhaupt nicht religiös, aber ich zähle religiöse Wissenschaftler/innen zu meinen Freunden und es scheint ihnen sehr gut damit zu gehen. Ich glaube, dass diese Menschen religiöse Dinge wahrscheinlich weniger wörtlich nehmen, so wie ein Geologe wahrscheinlich nicht denken würde, dass die Erde und alles Andere wirklich vor 6.000 Jahren von Gott geschaffen wurde, weil die Wissenschaft ihnen sagt, dass die Erde 4,5 Milliarden Jahre alt ist.Grant Kennedy, Astrophysiker, University of Cambridge Naturwissenschaft und Relgion schließen sich gegenseitig nicht aus. Die Wissenschaft ist einfach zu jung, um verstehen zu können. Egal, ob man an Gott glaubt oder nicht, muss man Folgendes glauben: wenn wir als Art unser Vertrauen in eine höhere Macht als der unsrigen verlieren, geben wir unseren Sinn für Rechenschaftspflicht ab. Konfessionen, alle Konfessionen, sind Ermahnungen daran, dass wir etwas nicht verstehen, dass es etwas gibt, dem gegenüber wir Rechenschaft ablegen müssen. Durch den Glauben müssen wir einander und gegenüber einer höheren Wahrheit Rechenschaft ablegen. Religion ist mangelhaft, nur weil der Mensch mangelhaft ist. Die Wissenschaft sagt mir, dass es Gott geben muss. Mein Kopf sagt mir, dass ich Gott nie verstehen werde. Und mein Herz sagt mir, dass ich das nicht soll.Dan Brown, Autor von Illuminati Naturwissenschaft ist nicht nur mit Spiritualität vereinbar; sie ist eine tiefe Quelle von Spiritualität. Wenn wir unseren Platz in einer Unzahl von Lichtjahren und durch den Lauf der Zeiten erkennen, dann verstehen wir die Vielschichtigkeit, Schönheit und Subtilität des Lebens, dann ist dieses wunde Gefühl, dieser Sinn für Begeisterung und Demut gleichzeitig zweifellos spirituell. Das gilt auch für unsere Emotionen in der Gegenwart großartiger Kunst, Musik oder Literatur oder bei Handlungen beispiellosen, selbstlosen Mutes wie von Mohandas Gandhi oder Martin Luther King, Jr. Die Auffassung, dass sich Naturwissenschaft und Spiritualität gegenseitig ausschließen, wird beiden irgendwie nicht gerecht. Der verstorbene Carl Sagan, amerikanischer Astrophysiker Aus der Religion ergibt sich der Daseinsgrund des Menschen; aus der Naturwissenschaft die Macht, diesen umsetzen. Manchmal wird gefragt, ob Religion und Naturwissenschaft einander widersprechen. Sie tun es: in dem Sinne, als der Daumen und die Finger an meinen Händen einander widersprechen. Es ist ein Widerspruch, durch den alles verständlich gemacht werden kann.Der verstorbene William H. Bragg, britischer Physiker Relgion und Naturwissenschaft sind wirklich unvereinbar. Religion und Naturwissenschaft bieten beide Erklärungen dafür, warum das Leben und das Universum existieren. Die Naturwissenschaft hängt von überprüfbaren, empirischen Beweisen und Erklärungen ab. Religion hängt vom subjektiven Glauben an einen Schöpfer ab. Nur eine Erklärung stimmt. Die andere muss man außer acht lassen. Erklärungen erfordern Beweise. Es gibt keine für einen Schöpfer außerhalb des menschlichen Geistes, wohingegen der Beweis für die Evolution und die Ursprünge des Lebens jeden Tag sichtbar sind. Angesichts dieses unwidersprüchlichen Beweises ist der religiöse Glaube an eine Gottheit nicht tragbarer als der Glaube an das inzwischen sprichwörtliche fliegende Spaghetti-Monster. Lorna Salzman, Amerikanische Umweltaktivistin Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Religion, die auf Autorität beruht, und Naturwissenschaft, die auf Beobachtung und Vernunft beruht. Die Naturwissenschaft gewinnt, weil sie funktioniert. Ich glaube, dass das Universum von den Naturgesetzen bestimmt ist. Die Gesetze wurden vielleicht von Gott verkündet, aber Gott greift nicht ein, um die Gesetze zu brechen. Wenn man sich die schiere Größe des Universums betrachtet und wie unbedeutend und zufällig menschliches Leben darin ist, scheint die Existenz von Gott äußerst unwahrscheinlich.Physiker Stephen Hawking

    5 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • INEOS schliesst sich der revolution an

    INEOS ist eine Partnerschaft mit einem Unternehmen eingegangen, das ein einzigartiges Produkt entwickelt hat, welches dabei helfen könnte, den Regenwald zu retten. INEOS Compounds wird sein Know-how nutzen, um den Unternehmensumsatz von Resysta zu steigern. Dies ist ein recyclebares Material, das vor allem aus Reishülsen hergestellt wird und wie Holz aussieht und sich so anfühlt, aber anders als Holz nicht absplittert, zerbricht, verrottet, anschwellt oder bleicht. „Japanische Unternehmen haben versucht, Reishülsen und Polymere seit den 1960er- Jahren miteinander zu verbinden, aber es ist ihnen nie gelungen, ein verkaufbares Produkt daraus zu machen”, sagt Roland Stoiber, Werkleiter, Resysta International. Der INEOS Compounds-Standort im schweizerischen Sins bei Luzern nahm im vergangenen Jahr die Arbeit mit Resysta auf. „Seitdem ist es für uns das zweitgrößte Geschäft in Sins geworden”, so Gesch.ftsführer Thomas Breitwieser, der das Projekt leitet. Resysta International ließ sich von INEOS’ innovativem Ansatz, seiner Fähigkeit, schnell zu denken und zu handeln, seinen Kenntnissen des europäischen Marktes, seinen ausgezeichneten Kontakten und Produktionsmöglichkeiten überzeugen. „Wir hatten gleich von Anfang an eine gute Beziehung und wir vertrauten einander, dass wir uns gemeinsam dafür einsetzen würden, einen Markt aufzubauen, der Milliarden von Euro wert ist”, so Thomas. INEOS Compunds, einer der Tophersteller von PVC-Verbindungen in Europa, wird Resysta in seinen Werken in Großbritannien, der Schweiz und Schweden herstellen und es direkt an INEOS-Kunden verkaufen. Es wird auch einige Rohstoffe für Resysta International an seine größten Kunden verkaufen, die vielleicht selbst die Chemikalien miteinander mischen wollen. „Es ist großartig, dabei zu sein, wenn ein brandneues PVC-Produkt auf den Markt gebracht wird”, so Thomas. „So etwas passiert vielleicht nur alle 30 Jahre, weil PVC schon das am meisten getestete Kunststoffmaterial der Welt ist. Aber wir werden das Produkt mit Resysta International entwickeln, wenn sich neue Verkaufschancen ergeben. Es hat riesiges Marktpotential.“ Leroy Merlin, eine der fünf größten Baumarktketten in Frankreich, ernannte es unlängst zum Produkt des Jahres. Der Hauptbestandteil des Materials, das in einer Vielzahl von Möglichkeiten in der Bau- und Möbelbranche eingesetzt werden kann, sind Reishülsen, die normalerweise als Abfallprodukt in Fernost verbrannt werden werden, wo es zum ersten Mal entwickelt wurde. Die Reishülsen werden dann mit PVC-Komponenten zusammengemischt. Der Handel mit tropischen Harthölzern wie Mahagony und Teak wird seit langer Zeit als Hauptgrund für die Zerstörung des Regenwaldes angesehen. Doch damit ändert sich alles. „Manche Wunder geschehen und manche werden erfunden”, so Roland. „Sogar bei Salzwasser, Sonne und Wind, wenn andere Materialien aufgeben, ist Resysta noch beständig. Das ist die Schlüsselinnovation, die man gebraucht hat, um die schrumpfenden Regenwälder zu retten und die schlechte Qualität von früheren Holzverbundstoffen zu verbessern. Damit hat sich ein neuer Markt für alle PVC-Harz-Hersteller geöffnet.“

    3 minuten lesezeit Ausgabe 7
  • INEOS kauft BASF-Anteil von Styrolution

    INEOS hat sich bereiterklärt, den 50-prozentigen Anteil des Chemiekonzern BASF an seinem Styrenkunststoff Joint Venture für 1,1 Milliarden Euro aufzukaufen. Das Geschäft, das noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden muss, wird dazu führen, dass INEOS die vollständige Kontrolle über Styrolution erhalten wird, womit Kunsstoffe für Autos, Elektronik, Spielzeug und die Baubranche hergestellt werden. „Wir freuen uns über die vollständige Integration von Styrolution in die INEOS-Familie”, so INEOSVorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. Als Teil der im Oktober 2011 unterzeichneten Vereinbarung über das Joint Venture hatte INEOS das Recht, den BASF-Anteil zu übernehmen. Das Joint Venture war eingerichtet worden, um ein Unternehmen zu schaffen, das in der Lage war, wirksam mit Großherstellern aus Asien und Nahost zu konkurrieren. „Styrolution hat dieses Versprechen erfüllt”, so Jim. Styrolution ist der führende, globale Lieferant von Styrolen, mit denen auch Computergehäuse und Monitore hergestellt werden, damit sie widerstandsfähig und hitzebeständig sind. Vier von fünf Druckern weltweit haben ein Gehäuse von Styrolution. Heute beschäftigt das Unternehmen etwa 3.200 Personen weltweit an 17 Standorten in zehn Ländern. Wenn einmal die Vereinbarung geschlossen ist, wird das Unternehmen eigenständig innerhalb der INEOS Industries Holdings Limited tätig sein.

    1 minute lesezeit Ausgabe 7
  • Weltklassedenken

    Bei innovation geht es nicht nur die Entwicklung neuer Produkte. Manchmal bedeutet es nur, anders zu denken, wie INEOS es im Jahr 2009 tat und wofür man nun öffentliche Anerkennung erhielt. Bei der zweiten. jährlichen Verleihung der Exzellenzpreise für Petrochemie in Berlin verdrängte INEOS die starke Konkurrenz von DOW und BASF von den ersten Plätzen und gewann eine Auszeichnung für seinen „herausragenden Beitrag zur chemischen Industrie“. Mit dieser Auszeichnung wurde der ehrgeizige und innovative Plan von INEOS, das erste Unternehmen zu sein, das Ethan aus Schiefergas aus Amerika nach Europa transportiert, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit seiner europäischen Kracker zu sichern, gewürdigt. Die ersten Lieferungen werden Anfang nächsten Jahres eintreffen und damit eine spannende neue Phase in der europäischen Petrochemiebranche einleiten und dazu führen, dass INEOS-Kracker in Rafnes in Norwegen und Grangemouth in Schottland in allererster Reihe mitspielen können.

    1 minute lesezeit Ausgabe 7
  • Europäische Kommission ebnet weg für Joint Venture mit Solvay

    INEOS und Solvay haben ein definitives Joint Venture unterzeichnet, um einen führenden PVCHersteller zu gründen, der INOVYN heißen soll. Die beiden Unternehmen kündigten ihre Pläne, ihre Kräft zu bündeln, im Mai letzten Jahres an, aber es dauerte bis Mai dieses Jahres, bis die Europäische Union das vorgeschlagene Joint Venture genehmigte. Gemeinsam werden sie über einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro verfügen, etwa 5.650 Beschäftigte in neun Ländern haben und zu den größten zehn Herstellern weltweit gehören. Aber zunächst müssen sie ein vereinbartes Hilfspaket für die Veräußerung von fünf INEOS-eigenen Anlagen umsetzen: das Membranenchlorwerk und die EDC/VMC-Werke im belgischen Tessenderlo, die PVC-Werke im französischen Mazingarbe, dem niederländischen Beek, die PVC und VCM-Werke in Wilhemshaven in Deutschland und die britischen EDC-Anlagen in Runcorn. Die Kommission verlangt auch, dass das Membranelektrolysewerk in Runcorn ein Joint Venture mit dem INEOS/Solvay Joint Venture und dem neuen Eigentümer der fünf betroffenen Werke eingeht. Wenn das alles erledigt ist, kann das JV umgesetzt werden. „Das neu kombinierte Unternehmen, das internationale Größenordnung haben wird, kann sich besser an schnell veränderliche europäische Märkte anpassen und es mit der immer größer werdenden Konkurrenz globaler Hersteller aufnehmen”, so INEOSVorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe.

    1 minute lesezeit Ausgabe 7
  • EPS Qatar unterzeichnet Vereinbarung mit INEOS Technologies

    INEOS hat seine erweiterbare Polystyrol-(EPS) Technik für EPS Qatar für seinen geplanten Komplex in Katar lizensiert. Die Anlage, in der eine ganze Reihe von dehnbaren Polystyrolstärken hergestellt werden, um die steigende regionale Nachfrage zu befriedigen, wird der größte EPS-Komplex im Nahen Osten und Afrika sein. EPS ist ein leichtes, starkes Thermoplastenprodukt mit ausgezeichneter Wärmedämmung, womit es ideal für die Verpackungs- und Baubranche ist. Zunächst wird die Anlage 50.000 Tonnen pro Jahr und später das Doppelte herstellen können.

    1 minute lesezeit Ausgabe 7
  • Die globale Attraktivität von INEOS

    INEOS Technologies hat sich bereiterklärt, vier supermoderne BICHLOR™ bipolare Elektrolyseure an das neue Werk von HF Chlor-Alkali im US-amerikanischen Bundesstaat Iowa zu beliefern. Mit Hilfe von INEOS-Technik wird das neue Werk in Eddyville in der Lage sein, Natriumhydroxid, Salzsäure und Bleichmittel für das benachbarte Lebensmittelverarbeitungswerk und andere Einrichtungen im Mittleren Westen herzustellen. INEOS BICHLOR™ Elektrolyseure wurden inzwischen an 56 Vorhaben weltweit verkauft. Das größte Werk, das diese Technik verwendet, ist das britische Werk in Runcorn, wo 20 BICHLOR™ Electrolyseure mehr als eine Million Einheiten von Chlor-Alkali-Produkten im Jahr herstellen.

    1 minute lesezeit Ausgabe 7
  • Unternehmergeist

    Wenn große Geister ähnlich denken, können unglaubliche Dinge geschehen. Das fand INCH bei der Spurensuche nach Unternehmertum bei INEOS in der Praxis heraus. Eleanor Roosevelt sagte einst, die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben. Sie gehört auch denen, die bereit sind die Gegenwart herauszufordern. Bei INEOS wird diese Herangehensweise aktiv unterstützt, zelebriert und belohnt. Das Unternehmen unterstützt seine Beschäftigten, Chancen zu erkennen, das Unternehmen besser zu führen und – wo auch immer sie sitzen – den Drive zu haben, Dinge umzusetzen. 2009 hat INEOS genau das während der schlimmsten globalen Rezession seit Jahrzehnten getan. Es sah eine Chance, reagierte schnell mit einer klaren, strategischen Vision und schrieb ein vollkommen neues Kapitel in der Geschichte der europäischen Petrochemie. „Das war ein Paradigmenwechsel“, so Bill Reid, Business Director bei Olefins & Polymers Europe (North). Die Nachfrage in Europa ging rapide zurück, die Gewinne brachen ein, Europas Kracker wurden geschlossen und der wichtigste INEOS-Wettbewerber ging Pleite. Es machte die Sache noch schlimmer, dass der Preisunterschied für Energie und Rohstoffe in Europa und Amerika immer größer wurde, nachdem die USA ein Weg gefunden hatten, an riesige Reserven von zuvor nicht genutztem Schiefergas zu gelangen. „Das waren zweifellos die schwierigsten Zeiten für unser Unternehmen und die Industrie allgemein“, so Bill. Hoffnungslose Zeiten erfordern radikales Denken. INEOS entschied, sollte es nicht die erdrückenden Energiepreise in Europa senken können, es das günstige, aus Schiefer gewonnene Ethangas aus den USA nach Europa bringen werde, um so die Betriebskosten zu senken und im globalen Olefin- und Polymergeschäft weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Plan ging auf. 2012 schloss INEOS eine fast unmöglich scheinende Folge von Verträgen mit drei Unternehmen über 15 Jahre, die für die Förderung, Verteilung, Verflüssigung und die Logistik zur Lieferung von Hunderttausenden Tonnen Ethan pro Jahr von Amerika nach Norwegen und Schottland verantwortlich wären. Zugleich wurde mit dem Bau eines Gastanks und eines Terminals am Olefins & Polymers-Standort Rafnes begonnen. Wenn in Rafnes ab Beginn des nächsten Jahres die ersten Lieferungen anlanden, wird INEOS das erste petrochemische Unternehmen in Europa sein, das günstiges Gas aus den USA importiert und den Wettbewerbsvorteil von Schiefergas nutzt. „Auf diese Idee ist bisher niemand gekommen“, erklärt Dr. Gerd Franken, CEO von Olefins & Polymers Europe (North). Der INEOS-Standort Grangemouth in Schottland wird die Vorteile dieses unternehmerischen Denkens spüren, sobald die ersten Lieferungen von aus Schiefer gewonnenem Gas aus den USA ab 2016 in Großbritannien einlaufen und die zurückgehenden Rohstoffbestände aus der Nordsee ersetzen. Die 300 Millionen Pfund teure Investition in ein neues Importterminal mit einem 40 Meter hohen Ethantank, der bis zu 33.000 Tonnen Ethan fassen kann, wird dazu beitragen, einen verlustreichen in einen profitablen Standort zu verwandeln. Dieses unternehmerische Denken ist in der INEOS-Kultur verankert. Beschäftigte wollen nicht nur Geld verdienen – sie wollen einen Unterscheid machen. Noch wichtiger: Sie glauben fest daran, dass sie es können. Die Überwindung von Hürden, die Entdeckung neuer Arbeitsweisen, laterales Denken und die regelmäßige Herausforderung des Status quo sind typisch für den Arbeitsalltag bei INEOS. Der unternehmerische Geist ist auch daran erkennbar, wie andere Unternehmen akquiriert werden, in der strategischen Vision und der Fähigkeit, kritische Entscheidungen schnell zu treffen. INCH fand heraus, dass INEOS jede und jeden über alle Ebenen hinweg ermutigt, nicht nur Probleme, Lösungen und Chancen zu sehen, sondern auch Ideen für deren Umsetzung zu entwickeln.

    5 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Das macht INEOS so anders

    INEOS ist anders. Du siehst das in den Gesichtern der Menschen, die für das Unternehmen arbeiten, und spürst es in der Luft. Alles strahlt große Energie aus. INEOS mag zwar im Laufe der Jahre zum drittgrößten Chemieunternehmen der Welt gewachsen sein, seinen Spirit hat es aber nicht verloren.   Bei der Arbeit für INEOS wird unabhängiges Denken gefördert. Es ist gut zu wissen, dass immer ein Team hinter dir steht, wenn du es brauchst. Für mich heißt Unternehmertum, die Initiative zu ergreifen, andere zu inspirieren und Ergebnisse zu erzielen.Stijn DekeukeleireRTD EngineerINEOS Oxide, Belgien Nachdem ich in einem traditionelleren Blue-Chip-Chemieunternehmen beschäftigt war, wo meine Arbeit sicher und angenehm war, ist das INEOS-Umfeld deutlich herausfordernder und anspruchsvoller. Genau deshalb fühle ich mich stärker eingebunden, kann etwas bewirken und so die Arbeit viel mehr auskosten. INEOS will ständig die Geschäftschancen durch innovative Lösungen maximieren, egal ob technischer, geschäftlicher oder finanzieller Natur.Dave HartINEOS Nitriles, Seal Sands, UK INEOS akzeptiert es nicht, Dinge in einer bestimmten Art und Weise zu erledigen, nur weil das immer schon so gemacht wurde. Das Unternehmen stellt Konventionen gern in Frage und strebt ständig danach, gleiche Ergebnisse bei geringeren Kosten zu erreichen. Ich mag es, für ein Unternehmen zu arbeiten, dass mich herausfordert, eigene Lösungen zu finden. Das kann herausfordernd, gelegentlich frustrierend und manchmal unbequem sein.Paul McNultyINEOS Nitriles, Seal Sands, UK Beschäftigte zu motivieren, Lösungen für ihre eigenen Probleme zu finden, bedeutet, dass wir das Gefühl haben, unser eigenes Schicksal in der Hand zu halten. So ein Spirit schafft ein Umfeld, in dem einfach solide Netzwerke zwischen Menschen innerhalb von INEOS und außerhalb des Unternehmens geknüpft werden können.Johan LootsSenior Production Engineer Utilities + Energy & CarbonINEOS Oxide, Belgien INEOS bietet ein inspirierendes Umfeld, in dem du so weit gehen kannst, wie die eigene Fantasie es zulässt. Viele Menschen glauben, dass man nur durch lange Arbeitszeiten etwas erreicht, dagegen ist die Arbeit an den richtigen Zielen wahrscheinlich wichtiger, als unzählige Stunden am Schreibtisch zu verbringen. Das Geheimnis ist, sich zu konzentrieren, konzentriert zu bleiben und den eigenen Instinkten zu vertrauen. Da sich unser Geschäft ständig ändert, müssen wir uns an die neuen Umstände anpassen, neue Ziele setzen und intelligentere Lösungen implementieren. Der Glaube an dich selbst macht es so viel einfacher, andere zu überzeugen, dieselben Ziele zu erreichen. Du kannst herumsitzen und unendlich Analysen durchführen, doch in dieser Zeit überholt dich die Konkurrenz.Peggy GeritsPlanning & Logistics ManagerINEOS Oxide, Belgien INEOS ist definitiv eine unternehmerische Organisation. Das zeigt sich daran, wie sie ihre Geschäftsbereiche, Produkte und Menschen entwickelt. Es ist sowohl stimulierend als auch lohnend, die Freiheit zu haben, anders zu denken und sich neu eröffnende Chancen zu sehen. Dies macht sich in unserer Arbeit bemerkbar, sowohl in der sicheren Art und Weise, wie wir das Unternehmen betreiben, als auch in unserem ständigen Bestreben, die Auswirkungen auf unsere Umwelt zu vermindern.Kjell AnderssonKonstrukteurINEOS ChlorVinyls, Stenungsund, Schweden Bei INEOS werden wir ermutigt, „außerhalb der Box“ zu denken, um Lösungen für Probleme zu finden und das Unternehmen weiter zu entwickeln. Jeden Tag ergeben sich dazu bei der Arbeit neue Gelegenheiten. Wir sind zwar alle verschieden, haben unterschiedliche Eigenschaften und Charakterzüge, aber Innovationen liegen uns allen am Herzen.Carita JohanssonHR-Verantwortliche und Communications OfficerINEOS ChlorVinyls, Stenungsund, Schweden INEOS fühlt sich an wie ein Start-up, voller Spirit und Drive, mit klaren Verantwortlichkeiten. Es vertritt eine No nonsense- Philosophie und fordert Menschen heraus, Lösungen für Probleme zu finden und den Job erledigt zu kriegen. Ich habe in anderen Unternehmen gearbeitet, wo mich die Bürokratie erstickte und ich so oft gegen Mauern anrannte, dass ich keine Lust mehr hatte, für sie zu arbeiten. Nicht so bei INEOS.Debbie ClarkPersonal Assistant/Office ManagerINEOS Group, Hampshire UK INEOS agiert ganz anders als andere Unternehmen, vor allem der chemischen Industrie. Menschen, die Hierarchien m.gen, sind hier verloren. INEOS bringt dich dazu, anders zu denken, flexibel und geradeheraus zu sein sowie jenseits von Konventionen zu arbeiten. Wenn du jemand bist, der sich damit anfreunden kann, der einen hohen Grad an Freiheit mag und wirklich etwas bewegen will, dann ist das dein Unternehmen. Es ist gro.artig, keine Grenzen als die selbst gesetzten zu haben. Hier werden wir ermutigt, neue Wege einzuschlagen, frische Ideen auszuprobieren und das gr..ere Ganze zu erkennen. Bei INEOS geht es um die Leidenschaft – und den Willen – die Dinge voranzubringen.Dr. Anne-Gret Iturriaga AbarzuaHead of Corporate CommunicationsINEOS Olefins & Polymers Europe North Ich betrachte INEOS ganz klar als unternehmerisches Chemieunternehmen, weil es bereit ist, bestehende Arbeitsweisen und gesellschaftliche Einstellungen in Frage zu stellen. Die Arbeit für dieses Unternehmen ist unglaublich lohnend, weil es mich ständig herausfordert, Lösungen für eigene Probleme zu suchen, zu finden und umzusetzen.David SopherINEOS Nitriles, Seal Sands, UK Das INEOS-Management ist sehr engagiert und erfolgreich. Mein Job ist so erfüllend, dass er sich nicht nach Arbeit anfühlt. Unternehmertum bedeutet für mich, persönliche Verantwortung für das Geschäft zu unternehmen. Das hat INEOS insbesondere in der Krise 2008/2009 und kürzlich während des Streiks in Grangemouth bewiesen.Manfred HartungAsset Manager Energy DepartmentINEOS Olefins & Polymers Europe North Als frischgebackener Absolvent macht mich INEOS zu einem „Du kannst das“-Ingenieur. Man bringt mir bei, raus zu gehen Dinge selbst herauszufinden, während ich immer den Rückhalt und die Unterstützung gut geschulter und sehr erfahrener Kollegen habe, die mir helfen, wenn’s notwendig ist. Bei INEOS bekommst du echte Kompetenzen und echte Verantwortung übertragen und wirst mit der echten Geschäftswelt konfrontiert. Mit der richtigen Einstellung und Haltung kommt man sehr weit, weil die Möglichkeit da ist. Täglich befassen wir uns mit echten Aufgaben und echten Problemen und arbeiten gemeinsam daran, damit bis zum Feierabend die meisten Probleme gelöst sind.Amadou TounkaraI&E Reliability EngineerINEOS O&P USA Bei INEOS bekommen wir die Freiheit, unser Wissen und unsere Ressourcen zu verwenden, um innovative und wertvolle Ideen proaktiv und angstfrei zu entwickeln. Diese Herangehensweise bedeutet, dass wir nicht „Brände bekämpfen“ oder traditionelle, vorgeschriebene oder alteingesessene Wege in unserer Arbeit beschreiten.Mark GessnerEngineering AdvisorINEOS O&P USA Es ist interessant und aufregend für ein Unternehmen zu arbeiten, das dich herausfordert, Lösungen für deine eigenen Probleme zu finden. Bei INEOS wirst du ermuntert, einfallsreich zu sein, neue Arbeitsweisen zu finden und deine eigene Rolle zu entwickeln.Annika PetrussonAssistentin des Managing Director INEOS ChlorVinylsStenungsund, Schweden Bei INEOS kriegst du nichts vorgekaut, weshalb du dich viel schneller entwickelst und mehr lernst, als anderswo. Die fehlende zwanghafte Hierarchie erlaubt es Menschen, sich zu entfalten, und das ist ein echter Vorteil für das Unternehmen, da sich jedes Organisationsmitglied persönlich für den Erfolg engagiert. Ich sehe bei der Arbeit täglich Hinweise auf Unternehmertum, weil ich von Leuten umgeben bin, die sich von ihrer Stellenbeschreibung keine Grenzen setzen lassen und ständig nach Chancen für Geschäftsentwicklung, Verbesserungen und Effizienz suchen. Dies passiert ganz freiwillig, ohne Druck von irgendwem. Starke Selbstdisziplin kombiniert mit großer Motivation und Zielorientierung durchzieht die gesamte Organisation.Gabriella IsidroPolymer Product OfficerINEOS Olefins & Polymers Europe North

    8 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Eine inspirierte belegschaft

    Neue Ansätze: Ein neuer Ansatz von INEOS Oxide führte dazu, dass der Geschäftsbereich nicht nur Abfälle zu barem Geld machte, sondern auch noch viel versprechende Geschäftsgelegenheiten für zwei weitere Unternehmen schuf und das Äquivalent von 60.000 Fahrzeugen von der Straße holte. Der Ball wurde ins Rollen gebracht, als sich INEOS auf die Suche nach Unternehmen machte, die Interesse an CO2 hatten, das von der eigenen Ethylenoxidanlage in Belgien produziert wurde. „Wir machen relativ viel CO2 und wussten, dass es irgendwo eine gute Verwendungsmöglichkeit dafür geben müsste – aber es war leider nicht unser Markt“, erläutert Hans Casier, CEO von INEOS Oxide, das die energieeffi zienteste Ethylenoxidanlage in Europa betreibt. Statt das CO2 in die Atmosphäre abzugeben, machte sich INEOS Oxide auf, zwei Unternehmen zu fi nden, die gemeinsam mit der Nutzung von CO2 ein erfolgreiches Geschäft betreiben könnten; z. B. könnte CO2 zur Herstellung von Sprudelgetränken sowie von Trockeneis verwendet werden, das Lebensmittel und Getränke beim Transport zwischen Lager und Verkauf kühl hält. INEOS stellte dann die Firma Messer der Firma Strombeek IJsfabriek vor, die gemeinsam ein Joint Venture gründeten und nun ihr neues Unternehmen BECO2 am INEOS-Standort Zwijndrecht in Antwerpen betreiben. „Wir überzeugten sie, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen, anstelle CO2 von Dritten zu erwerben“, so Hans. „Sie nehmen zurzeit etwa 150.000 Tonnen CO2 ab. Wir teilen uns Kosten und Infrastruktur.“ Bei der Pressevorstellung der CO2-Verfl üssigungsanlage wurde CO2 direkt aus der Ethylenoxidanlage geleitet und in Sprudelwasser verwandelt. „Alle Beschäftigten der Anlage, die vor Ort waren, nahmen sich ein Glas“, erzählt Hans. „Wir boten es der Presse an und die wich zurück. Ein typisches Beispiel dafür, dass die Öffentlichkeit keine Ahnung hat, worum es bei Chemikalien geht.“ Konzentration auf Nischenmärkte: Plant man die Entwicklung eines neuen und leistungsstarken Isolierungsmaterials, kommt man nicht sofort auf die türkische Baubranche als sich anbietender Markt. Nicht jedoch bei INEOS Styrenics. „Die türkische Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Bauverordnungen der Regierung sind nach den schweren Erdbeben von 1999 und 2011, als viele Gebäude zusammenstürzten, verschärft worden“, erklärt Rob Ingram, Chief Operating Officer von INEOS Styrenics. „Es wurde sehr viel gebaut, die Isolierung von Bauten gewann an Bedeutung, als die Standards erhöht wurden.“ Expandiertes Polystyrol (EPS) in Form weißer Schaumblöcke wird überwiegend für die Bauisolierung in Europa eingesetzt und kam auch in der Türkei bereits zum Einsatz. Die graue Version dieses Materials mit verbesserten Wärmeisolierungseigenschaften um 20 Prozent hingegen war neu für den türkischen Markt. INEOS hatte drei Optionen: um einen größeren Anteil des sich entwickelnden Marktes für graues EPS in Deutschland zu kämpfen, wo die Vorteile bereits bekannt waren, aber auch ein starker lokaler Hersteller vertreten ist; warten, bis sich der Rest Europas weiterentwickelt und dem deutschen Vorbild folgt; oder alternative Märkte zu suchen und den Vorteil zu nutzen, erster Anbieter zu sein. INEOS Styrenics entschied sich für die dritte Option. Es arbeitete mit einem seiner wichtigsten Kunden in der Türkei zusammen und verkaufte ihm die Vorteile des Produkts EPS Silver. Gemeinsam erkannten sie die Chance, der erste Anbieter zu sein, der dieses neue Material in der Türkei einführte. Sie stellten das Produkt gemeinsam auf einer großen nationalen Baumesse vor, sprachen mit Architekt/innen und Bauunternehmen über die Vorteile des Produktes, führten Branchenseminare durch und schrieben eine Reihe von Artikeln für die nationale Wirtschaftspresse. „Der Erfolg kam nicht über Nacht, doch innerhalb von fünf Jahren haben wir den Verkauf aus dem Nichts aufgebaut, um Marktführer zu werden“, so Rob. „Das erreichten wir, weil wir die Chance erkannten und unser Produkt schnell als Standard für hohe Qualität auf dem Markt etablierten.“ Leben, woran du glaubst. An dein vorhaben zu glauben, ist genauso wichtig wie der Plan selbst. Bei der INEOS Europe AG rettete dieser Glaube die PP-Anlage in Sarralbe, ein kleiner Produktionsstandort für Polypropylen in Frankreich, der pro Jahr etwa vier Millionen Euro Verlust einfuhr. Xavier Cros, Polymers Business Manager von INEOS O&P South, übernahm 2012 den Standort und setzte einen detaillierten Plan um, der in der Vergangenheit kläglich gescheitert war. „Keine der Maßnahmen war wirklich neu oder bahnbrechend“, erklärt er. „Der Unterschied war nur, dass alle Beteiligten vor Ort diesmal daran glaubten, dass die Änderungen funktionieren würden.“ Er wendete sich an die gesamte Belegschaft und gab allen ein konkretes Ziel. „Alle Beschäftigten vor Ort wurden Teil dieses Plans, somit lag es auch an allen, ob er erfolgreich sein oder scheitern würde“, so Xavier. Der Plan ging auf. Innerhalb eines Jahres bewegte sich der Standort wieder in der Gewinnzone. „Dieser Erfolg hat dem Standort neues Leben eingehaucht“, fügt Xavier hinzu. „Alle glauben jetzt daran, dass wir uns in diesem Jahr sogar noch verbessern können.“ Produktinformation: Methoxypolyethylenglycol (MPEG) wurde bereits seit mehr als 50 Jahren verwendet, als INEOS 1998 gegründet wurde. Es handelte sich um ein bewährtes Molekül, für das es jedoch nur wenige Einsatzbereiche gab. Kurz nachdem INEOS den früheren BP-Petrochemiestandort in Antwerpen übernommen hatte, wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Zusammensetzung vieler Chemikalien zu ändern, um sie damit besser fürs Unternehmen einzusetzen, einen höheren Wert zu erzielen und Kunden mit besseren Produkten zu beliefern. MPEG war eine davon. Bevor INEOS allerdings die Änderungen vornahm, untersuchte ein Team den Markt, um herauszufinden, was Bauunternehmen benötigen und fordern. „Durch die Änderung der Spezifikation und die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Unternehmen führten wir für diesen Sektor eine völlig neue Technologie ein“, erläutert Hans Casier, CEO von INEOS Oxide. „Ein gutes Beispiel ist der schnell abbindende Zement. Wir entwickelten die Lösung, indem wir die Weise, wie wir das Molekül produzieren, änderten, um so die Anforderungen des Anwendungsbereichs zu erfüllen. Damit erreichten wir einen erheblichen Anstieg bei Umsatz und Marktanteil.“ Mutige Entscheidungen: Führung erfordert Mut. Vor zwei Jahren noch kaufte INEOS Katalysatoren und verkaufte sie an Kunden weiter. Heute stellen wir sie selbst her und verkaufen ca. 500 Tonnen pro Jahr – dank unserer mutigen Entscheidung, ein Werk für die Herstellung von Katalysatoren in Indien zu errichten. „Hätten wir das Werk in Europa oder in Amerika gebaut, wären die Kosten vier Mal so hoch gewesen“, erklärt Peter Williams, CEO von INEOS Technologies. INEOS stellt heute in Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen Katalysatoren in der eigenen Anlage her und liefert sie an Kunden weltweit. „Wir sind zwar ein kalkuliertes Risiko eingegangen, doch ist es ein sehr wettbewerbsfähiges und für uns wichtiges Geschäft. Den Bau einer solchen Anlage an einem der bestehenden Standorte von INEOS hätten wir nicht bezahlen können“, fügt er hinzu. Das Katalysatorenwerk ist so erfolgreich, dass zurzeit ein zweites gebaut wird. Die Bereitschaft, Risiken einzugehen: Die bereitschaft kalkulierte Risiken einzugehen, ist ebenfalls ein Beispiel für wahren Unternehmergeist in der Praxis. Laut CEO Peter Williams zeigte sein Team von INEOS Technologies das, als ein neuer Kunde in Mexiko gewonnen werden sollte. INEOS stand kurz davor, seine Technologie für eine Polymeranlage an ein Unternehmen in Mexiko lizenzieren zu lassen. Der Kunde zeigt sich jedoch besorgt darüber, dass INEOS erstmals das Produkt auf kommerzieller Basis herstellen sollte. „Von der Arbeit in unserem Labor ausgehend, wussten wir, dass dies möglich war, zudem hatten wir großes Vertrauen in unsere Fähigkeiten“, so Peter. Um den Kunden zu überzeugen, setzte INEOS eine Pilotanlage für die Herstellung des Produkts ein und schickte es nach Japan, wo es zu dem konvertiert wurde, was der Kunde erwartete – Verpackungen. INEOS sendete dann ein Team nach Mexiko, um die Verpackungen auf dem Markt zu testen. „Wir stellten nur zwei Chargen des Produktes her und trafen genau ins Schwarze“, erzählt Peter. „Wir gewannen den Auftrag, und die Beziehung zum Kunden wird laufend stärker.“ Denken „außerhalb der Box“: Unkonventionelles Denken kann Millionen sparen. Dies erkannte INEOS Phenol, als die Nutzung von brachem Land und des eigenen Jetty einem benachbarten Unternehmen in Antwerpen, Belgien, angeboten wurde. Diese Vereinbarung ist ein großartiges Beispiel einer Win-Win-Situation, in der beide Parteien vom Gesamtprojekt profitieren. ADPO wird den INEOS-Jetty (eine kritische Einrichtung für ein Logistik- und Lagerunternehmen für Chemikalien mit Sitz in einem großen Hafen) nutzen können, und INEOS wird von den neuen Schienenstränge, Pipelines und Verladeeinrichtungen, die ADPO direkt neben INEOS errichten will, profitieren. „Der Hauptschienenstrang läuft direkt an unserem Standort vorbei. Weiterhin wird ein neuer Schienenstrang gebaut, der direkt darauf zuläuft. Unser Phenol und Aceton kann also künftig direkt auf Züge verladen werden und muss nicht auf der Straße transportiert werden“, so Nick Williamson, Business Development Manager bei INEOS Phenol. „Allein das Verlegen eines ein Kilometer langen Schienenstrangs kostet mehrere Millionen Euro. Wir hätten diese Investition niemals rechtfertigen können. Durch die Planung gemeinsam mit ADPO jedoch haben wir beide einen Vorteil. Indem wir die Dinge anders betrachtet haben, konnten wir einen Wert fürs Unternehmen generieren.“ ADPO plant zudem einen erheblichen Ausbau des Jetty, das heißt, INEOS kann künftig größere Mengen an Rohstoffen anliefern lassen und mehr exportieren. „Eine wichtige Investition für unser Unternehmen, die uns weitere Möglichkeiten eröffnet“, fügt Nick hinzu.

    12 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Europas chemieindustrie in nächsten 10 jahren vom aussterben bedroht

    Im vergangenen Jahr begann INEOS darauf hinzuweisen, dass die petrochemische Industrie in Europa mit großen Herausforderungen von außen und innen konfrontiert sei. Seitdem wurde nicht viel getan, um Europas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Amerika, dem Nahen Osten und China zu verbessern. Momentan ist Europa einer der teuersten Standorte weltweit für die Produktion von Petrochemikalien. Dies muss sich ändern und die Politiker in Europa müssen diese Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit erkennen, bevor es zu spät ist, so INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe.  Europa zaudert. Das kann es sich aber nicht leisten, wenn es eine wettbewerbsfähige Chemieindustrie behalten möchte, erklärt INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. „Es sieht nicht gut aus für Europa, aber Europa scheint das Schicksal seiner Chemiebranche nicht wahrzunehmen“, fügt er hinzu. „Ich sehe Ökosteuern, aber kein Schiefergas, ich sehe die Schließung von Kernkraftwerken und Industrieanlagen. Ich fürchte, dass die Wettbewerbsbehörden in Brüssel sich der Tsunamis an Importprodukten nicht bewusst sind, die auf Europa zukommen. Und ich sehe, wie diese Behörden vor der notwendigen Restrukturierung die Augen verschließen.“ In einem offenen Brief an José Manuel Barroso, den Präsidenten der EU-Kommission, fordert Jim diesen auf, dringende Maßnahmen einzuleiten, um die chemische Industrie in Europa zu schützen. „Strategisch und wirtschaftlich gesehen sollte keine große Volkswirtschaft ihre chemische Industrie im Stich lassen“, merkt er an. Die Ergebnisse von INEOS haben sich in Europa in den letzten drei Jahren halbiert, in den USA dagegen haben sie sich verdreifacht. BASF, das größte Chemieunternehmen der Welt, hat erstmals eine strategische Kürzung der Investitionen in Europa angekündigt und als Grund stagnierende Märkte, teure Energie und hohe Arbeitskosten angeführt. „Energie in Form von Gas kostet in Europa heute dreimal so viel wie in den USA, während Strom um fast 50 Prozent teurer ist“, erläutert Jim. „Europa verfügt über keinerlei kostengünstige Rohstoffe, die Rohstoffkosten in den USA und im Nahen Osten befinden sich in einer ganz anderen Liga.“ Ihm zufolge hat Schiefergas die Wettbewerbsfähigkeit der USA transformiert und das Selbstvertrauen gesteigert. „Investitionen in die petrochemische Industrie in den USA auf Basis von Schiefergas sind in Höhe von 71 Milliarden US-Dollar geplant“, fügt er hinzu. „Diese Investitionen könnten sich auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar erhöhen. Im Gegensatz dazu meldet Europa eine Anlagenschließung nach der anderen.“ Allein in Großbritannien wurden 22 Chemieanlagen seit 2009 geschlossen. Die Chemie ist abhängig von wettbewerbsfähigen Energie- und Rohstoffkosten. Obwohl die Chemieindustrie sehr technisch geprägt ist − und dies war historisch gesehen auch ein Grund für den bisherigen Erfolg Europas − kann Technologie alleine die Industrie nicht retten. Er warnt davor, dass die gesamte Industrie innerhalb von zehn Jahren ausgelöscht werden könnte. „Die europäische Textilindustrie wurde ausgelöscht, weil sie nicht mit dem asiatischen Lohnniveau mithalten konnte“, merkt er an. „Die Chemieindustrie könnte denselben Niedergang erleben, sie könnte bald ein weiterer europäischer Dinosaurier werden.“ Die Chemieindustrie in Europa bietet derzeit eine Million direkte und fünf Millionen indirekte Arbeitsplätze. „In Europa teilen sich Chemie- und Automobilindustrie mit je einer Billion US-Dollar den ersten Platz“, fügt Jim hinzu. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist damit die Chemieindustrie eine Schlüsselbranche in Europa.“ In seinem Schreiben wies Jim zudem auf die ernste Bedrohung durch China hin, das bis 2020 zur größten Wirtschaftsmacht der Welt werden kann. „In China wird ständig gebaut“, führt er weiter aus. „Während sie in den letzten Jahren den gesamten Weltüberschuss an Chemieproduktion importiert haben, werden sie schon bald ihren Bedarf über lokale Produktion abdecken. Darüber hinaus könnten sie demnächst im großen Stil beginnen zu exportieren.“

    8 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Kleine füsse machen grosse schritte

    Diese mutige neue Initiative, die INEOS im letzten Jahr startete, um Kinder in Großbritannien vom sofa zu holen, hat sich zu einem fortlaufenden erfolg entwickelt. So viele Kinder – die alles andere als fortlaufen wollen – stehen Schlange, um an den „GO Run For Fun“-Veranstaltungen von INEOS in ganz Großbritannien teilzunehmen. Der Kalender für 2014/2015 ist bereits voll und mehr als 30.000 Kinder machen dieses jahr mit. „Diese Veranstaltungen waren in Großbritannien überaus erfolgreich“, berichtet Leen Heemskerk, der für die GO Run For Fun-Initiative verantwortlich ist. „Viele Gemeinden, Sportclubs und Schulen sind auf uns zugekommen und wollen, dass wir Veranstaltungen organisieren. Das ist wunderbar. Wollen wir das Programm allerdings erweitern, benötigen wir dazu mehr Mittel. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft und wollen das Angebot noch mehr Kindern zugute kommen lassen. Dafür ist allerdings die Unterstützung von Dritten durch kommerzielle Organisationen und den Staat erforderlich.“ Video Seit August letzten Jahres haben mehr als 15.000 Kinder an den von INEOS veranstalteten 1-Meile-Läufen teilgenommen. Melton Primary School in Suffolk war Gastgeber einer dieser Veranstaltungen. „Dieser Lauf war nicht nur gut organisiert, gut durchgeführt und sehr inklusiv, er hatte auch äußerst positive Auswirkungen auf unsere Schülerinnen und Schüler. Es hat ihnen gezeigt, dass Laufen und aktiv sein sowohl Spaß machen als auch spannend sein können“, so Andrew Northcote, Sportlehrer der Schule. Jim Ratcliffe, selbst leidenschaftlicher Läufer, ist von dieser Initiative begeistert. „Die Idee zu GO Run For Fun entstand aus der Leidenschaft, möglichst viele Kinder so früh wie möglich zum Laufen zu bewegen“, erklärt er. „Diese Initiative ist echte Teamarbeit, ohne den harten Einsatz und das Engagement aller Beteiligten hätten wir sie nicht realisieren können. Diesen Meilenstein von 15.000 Teilnehmenden so rasch erreicht zu haben, ist das große Verdienst aller.“ Bis Ende des Jahres hofft INEOS, 100 Veranstaltungen in Großbritannien durchgeführt zu haben. Einige davon werden zusammen mit großen Sportwettbewerben wie dem Sheffield-Halbmarathon und dem 10-km-Lauf von Bristol stattfinden, andere mit Schulen und Leichtathletikvereinen. Colin Jackson, olympischer Silbermedaillengewinner, ist Botschafter für GO Run For Fun. „Es ist eine wunderbare Chance für Kinder ins Laufen reinzuschnuppern“, sagt er. „Sie haben wahrscheinlich noch nie Laufen ausprobiert, aber vielleicht ist das nun die Grundlage für eine Sportlerkarriere, da Laufen die Grundlage aller anderen Sportarten ist.“ Um die langfristige Zukunft von GO Run For Fun zu sichern, arbeitet INEOS mit Nova International zusammen, welches die bekanntesten Laufgroßveranstaltungen in ganz Großbritannien organisiert. Das ultimative Ziel von GO Run For Fun ist, weltweit die größte Laufinitiative für Kinder zu werden. „Unser Ziel ist, bis 2016 100.000 Kinder zu begeistern, und wir sind damit auf einem guten Weg. Wenn wir weitere Unterstützung für diese bereits sehr erfolgreiche Initiative erhalten, gibt es keinen Grund, diese Zahl nicht zu multiplizieren“, so Leen. Brendan Foster, ehemaliger Langstreckenläufer für Großbritannien bei den Olympischen Spielen, der den „BUPA Great North Run“ ins Leben rief, hat keine Zweifel daran, dass INEOS dieses Ziel erreichen kann. Im Juni werden die ersten GO Run For Fun-Events auf der anderen Seite des Ärmelkanals in der Nähe von INEOS-Standorten in Belgien, Deutschland und in der Schweiz durchgeführt. „Der Zirkus kommt in die Stadt“, freut sich leen, Chief Financial Officer von Olefins & Polymers Europe (Nord). INEOS lädt alle anderen Standorte weltweit (u. a. in Norwegen, Frankreich, Italien und Amerika) ein, sich mit der Projektmanager für GO Run For Fun Ursula Heath unter ursula.heath@ineos.com in Verbindung zu setzen. Die neuesten Informationen zu GO Run For Fun finden Sie unter www.gorunforfun.com

    10 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Debatte: Ist unternehmergeist ansteckend?

    Diese Frage ist uralt. Ticken Entrepreneurs anders als andere? Können wir alle lernen, anders zu denken? Anders gesagt: Ist Unternehmergeist ansteckend? Die Frage, ob Unternehmerinnen und Unternehmer geboren oder gemacht werden, ist Gegenstand heißer Diskussionen. Unternehmergeist ist auf jeden Fall ein aktuelles Thema. Sehr viele Menschen möchten Unternehmerinnen und Unternehmer sein, sich an unternehmerischen Initiativen beteiligen oder eine Partnerschaft mit Entrepreneurs eingehen. Dieses Wort hat noch nie einen solchen Zuspruch erlebt. Egal, ob es an Natur oder Erziehung liegt – und ein Großteil von Unternehmergeist kommt aus einem natürlichen Drang, der sich nicht so einfach lehren lässt – hat man erst einmal Blut geleckt und auch nur einen kleinen Erfolg verzeichnet, gibt es kein Zurück mehr. Ich habe mich sicherlich vom „Unternehmervirus“ anstecken lassen. Diese kreativen Unternehmensgründungen, die die Welt verändern und Probleme lösen wollen, sind großartig für Gesellschaft und Wirtschaft.Michelle Wright, Chief Executive von Cause 4 Der menschliche Drang nachzuahmen wurde vielfach erkannt und erforscht: von der kindlichen Entwicklung, über das Erlernen von Sprachen, dem Kauf von Waren und Dienstleistungen bis hin zur Entscheidung, inmitten einer Menschenmenge E-Mails auf dem Handy abzurufen. In allen diesen Fällen lassen sich Menschen sehr stark davon beeinflussen, was sie an anderen (reell oder virtuell) beobachten. Wir haben vor kurzem eine Umfrage durchgeführt, um festzustellen, ob Unternehmergeist ansteckend sei und stellten dabei fest, dass bei einer Person, die sich mit Entrepreneurs umgibt, insbesondere mit wachsenden Entrepreneurs, die Wahrscheinlichkeit größer ist, selbst einer zu werden. Was schließen wir daraus? Unternehmergeist kann ansteckend sein, man muss ihm aber frühzeitig und häufig ausgesetzt sein, gerade in einem Umfeld, in dem er sonst fast unsichtbar ist. Insbesondere wachsender Unternehmergeist ist ein sehr schmaler Grat, der deutlich mehr Aufwand erfordert, wenn er in dafür empfänglichen Gemeinschaften eingeführt und das allgemeine Wirtschaftswachstum fördern soll.Paul Kedrosky, Ewing Marion Kauffman Foundation, eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Kansas City, Missouri Unternehmergeist ist absolut ansteckend. Ist man erst einmal von motivierenden und innovativen Entrepreneurs umgeben und hat Geschmack am Leben außerhalb von Jobs in großen US-amerikanischen Unternehmen gefunden, wo man direkt Einfluss auf den Unternehmenserfolg nehmen und die Früchte seiner Arbeit in Echtzeit erleben kann, gibt es kein Zurück mehr. Deshalb versuchen viele Universitäten, Masters-Programme für Entrepreneurs auf die Beine zu stellen, da die Anziehungskraft von MBAs in der nächsten Generation von Arbeitnehmern langsam schwindet.George Deeb, Managing Partner von Red Rocket Ventures mit Sitz in Chicago Ist Unternehmergeist ansteckend? Denken Sie daran: Fettsucht ist ansteckend, mit dem Rauchen aufhören auch und Scheidung sowieso. Warum also nicht Unternehmergeist? Denken Sie daran, wie Menschen sich (zumindest hat es den Anschein) gegenseitig mit Ideen, Mode, Essensvorlieben und Gewohnheiten anstecken. Etwas zu tun, auch wenn es schwer ist, fällt leichter, wenn viele es tun. Und ist Unternehmergeist nicht eine Kombination von Ideen, Mode, Gewohnheiten und Ähnlichem? Wenn ich also ein Unternehmen gründe und erfolgreich bin, werden meine Freunde es mir nicht gleich tun? Sie haben eine geänderte Risikoeinschätzung.Tim Berry, American Gründer und Vorsitzender von Palo Alto Software, Eugene, Oregon Unternehmergeist hat nichts mit Genen zu tun. Er hängt vom politischen, wirtschaftlichen, bildungsbezogenen und sozialen Umfeld ab, in dem man sich befindet. Und genau deshalb wirkt er ansteckend. Alles, was wir aus der Wirtschaft wissen, deutet heute auf eine einfache Wahrheit hin: Unternehmergeist ist das beste Instrument, das jemals für die Schaffung von Wachstum und Wohlstand für Einzelpersonen, Unternehmen und ganze Staaten entwickelt wurde. Unternehmen, die den „Geschäftsmann“ im Nadelstreifenanzug hervorbrachten, fördern heute eine Kultur des „Unternehmertums im Unternehmen“ als beste Möglichkeit, in der globalen Wirtschaft zu bestehen und zu überleben. Regierungschefs sämtlicher politischer Richtungen haben zudem herausgefunden, dass die Entwicklung einer Volkswirtschaft, die auf Unternehmertum setzt, die beste Möglichkeit ist, Arbeitsplätze zu schaffen und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu erreichen. Unternehmertum hat sich zu einem globalen Phänomen entwickelt, weil es für mehr Menschen, mehr Unternehmen und mehr Länder einfach besser funktioniert als jedes andere bekannte Geschäftsmodell. Nichts davon könnte jedoch umgesetzt werden, wenn der uralte Mythos „Unternehmer werden geboren, nicht gemacht“ tatsächlich wahr wäre. Dies war in der Tat noch nie der Fall. In Wahrheit ist es so, dass derzeit Millionen neuer Unternehmen in jedem Jahr von den verschiedensten Menschen aus allen Gesellschaftsschichten gegründet werden. Bestimmte Umstände führen zu Unternehmensgründungen: ein günstiger Umstand, wenn man beispielsweise ein großartiges Produkt/eine Idee für eine Dienstleistung erfindet oder aus reiner Not, aus Armut, großer Unzufriedenheit oder Kündigung. 99 Prozent von 3.000 Entrepreneurs, die ich getroffen und befragt habe, sind ganz normale Menschen, die sich einfach in außergewöhnlichen Situationen befanden.Larry C. Farrell, Gründer und Vorsitzender der The Farrell Company, einer weltweiten Organisation, die sich mit der Erforschung und Ausbildung von Unternehmertum für Studierende, Unternehmen und Regierungen beschäftigt. www.TheSpiritOfEnterprise.com Wenn Unternehmergeist jeden Winkel einer Organisation durchdringt, wird der Entrepreneur, der in jedem von uns steckt, zum Leben erweckt. Denken Sie daran, was erfolgreiche Entrepreneurs kennzeichnet. Sie glauben sehr fest an ihre Fähigkeiten und an ihre Vision für ihr Unternehmen. Stellen Sie sich jetzt vor, dass alle in einer Organisation diese Auffassung teilen. Welch Kraft hätte das? Alle, die bereits in einem Unternehmen tätig waren, das Unternehmergeist fördert, wissen, wie motivierend das ist. Diese Energie ist tatsächlich spürbar. Die Aktivitäten in den Verkaufsräumen und in den Fluren sind so intensiv, dass man beim Verlassen des eigenen Büros das Gefühl hat, mitten in den Berufsverkehr zu geraten. Entscheidungen werden spontan getroffen, ohne formelle Besprechungen oder Genehmigungen. Der Gemeinschaftssinn ist greifbar. Das gesamt Team bringt sich ein und setzt alles daran, erfolgreich zu sein.Martin O’Neill, Autor von The Power of an Internal Franchise: How Your Business Will Prosper When Your Employees Act Like Owners

    7 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Kälter und kühner

    Es ist nicht der typische Traumurlaubsort, aber manche Menschen wie Doug Stoup werden von Orten geradezu magisch angezogen, die kein Mensch normalerweise besuchen würde. Niemand war jemals auf dem Gipfel des ostarktischen Plateaus. Wissenschaftlern zufolge ist der knapp 1.000 Kilometer lange gefrorene Bergkamm, auf dem Temperaturen auf unter -92° C sinken, ein so ungastlicher Ort, dass dort nichts gedeihen oder überleben kann. Er ist so bitterkalt, dass menschliche Augen, Nasen und Lungen innerhalb weniger Minuten erfrieren. „Da oben ist es außerirdisch und es ist wahrscheinlich so wie auf einem anderen Planeten“, meint Ted Scambos, leitender Wissenschaftler des US National Snow and Ice Data Center in Boulder, Colorado. „Das Atmen fällt unheimlich schwer, und es tut richtig weh. Es brennt in der Nase, zu schnelles Einatmen verursacht Stechen in Rachen und Lunge.“ Der Polarforscher Doug Stoup kennt sich mit derart lebensfeindlichen Orten bestens aus, da er die Antarktis öfter als jeder andere erkundet hat. „Die Antarktis ist mein Büro“, scherzt er im Interview mit INCH beim Schifahren im Hinterland von Lake Tahoe in Kalifornien. „Es ist ein unwirtlicher Ort, aber ich bin nicht lebensmüde und will immer sicher heimkehren.“ Mit 49 Jahren wird er als Veteran bezeichnet, der einige der entlegensten Gegenden unseres Planeten bereist, erklettert und per Schi oder Snowboard erkundet hat. Wäre es für ihn also verlockend, dieses entlegene Eisplateau zu erklimmen, das Wissenschaftlern zufolge im Dezember der kälteste Ort der Erde ist? „Sicher!“, meint er. „Ich war schon an so vielen Orten, die vor mir kein Mensch betreten hat. Meine Antwort lautet also: Ja, klar! Ich liebe es, meine Grenzen zu erkunden und habe noch so viele Ziele und Träume.“ Mit lähmenden -93,2 °C ist es dort allerdings fast doppelt so kalt wie am kältesten Ort, an dem Doug bisher war. Er weiß, was auf ihn zukäme. „Du darfst nicht stehen bleiben“, sagt er. „Es ist so bitterkalt, du musst immer in Bewegung bleiben. Wenn du stillstehst, verbrennst du Kalorien, nur um dich warm zu halten und am Leben zu bleiben. Ist deine Haut nicht abgedeckt, kriegst du sofort Frostbeulen.“ Den kältesten Ort der Welt entdeckten Wissenschaftler bei der Datenanalyse von Satelliten, die seit 32 Jahre unseren Planeten umkreisen. Der letzte Satellit, Landsat 8, wurde im Februar 2013 in die Umlaufbahn geschickt und sendet aus einer Höhe von 705 km pro Tag 550 Bilder von der Erde. „Derzeit wird die Erde von einem sehr genauen und gleichmäßigen Sensor umrundet, der uns viel darüber erzählen kann, wie sich die Erdoberfläche verändert, welche Auswirkungen das Klima auf die Erde, die Ozeane und Polargebiete hat“, erklärt Ted. „Den kältesten Ort der Erde zu finden ist erst der Anfang.“ Doug würde dem sicher zustimmen. „Ist man mental und körperlich vorbereitet und hat die richtige Ausrüstung, ist alles möglich“, sagt er. Doug führt seit mehr als zehn Jahren Teams über den zugefrorenen Arktischen Ozean zum Nordpol sowie zum Südpol in der Antarktis. „Der Trip zum Nordpol ist der härteste der Welt“, erklärt er. „Bewegt sich das Eis, reißt es auf. Wenn du in deinem Zelt schläfst, fühlst und hörst du, wie es ächzt, aufbricht und sich bewegt unter dir. Manchmal hört es sich an wie ein Flüstern, dann wie ein Zug. Und es besteht natürlich immer die Gefahr, dass du Eisbären triffst.“ Die mentale und körperliche Vorbereitung darauf, was vor dir liegt, ist zwar unbedingt notwendig, aber nicht genug. Ohne die richtige Kleidung würden viele Expeditionen scheitern. „Die chemische Industrie spielt eine riesige Rolle bei der Entwicklung von Dingen, die Menschen wie mich am Leben halten“, sagt er. „Sie macht Funktionskleidung möglich, die mir hilft, warm und trocken in unwirtlichen Gegenden zu bleiben, während ich inaktiv bin, und zugleich meine Hautatmung kontrolliert, wenn ich mich bewege.“ Doug war bereits an der Entwicklung von leistungsstarker Kleidung für Polarforschende beteiligt und wird nun seine Erfahrungen in Kürze bei der NASA einbringen bei ihrem Vorhaben, Menschen auf den Mars zu bringen. Er wird bald nach Devon Island in Kanada reisen , die größte unbewohnte wüstenartige Insel der Welt, kalt, trocken und trostlos mit einem etwa 23 Millionen Jahre alten und 24 Kilometer breiten Einschlagkrater. Eine großartige Umgebung für Wissenschaftler, die herauszufinden wollen, was für die Durchführung einer bemannten Mission zum Mars erforderlich ist. Experten sagen voraus, dass es der NASA in den 2030er Jahren möglich sein wird, ein Team von Astronaut/innen auf den Mars zu schicken. Der Mars hat wie die Erde Polareiskappen, Jahreszeiten, Vulkane, Schluchten und Wüsten. Da die Temperaturen allerdings in der Nacht auf bis zu -128 °C fallen, ist es dort jedoch deutlich kälter. „Der Mars ist kein Ort für Schwache“, sagt ein Sprecher der Weltraumagentur. So würde niemand Doug bezeichnen, der das Überqueren eines Spaltenfelds während einer 47-tägigen Tour zum Südpol 2008 fast mit seinem Leben bezahlte. Auf dieser fast 1.190 Kilometer langen Tour folgte er einer Route, die Polarforscher Ernest Shackleton erstmals gewählt hatte. Ob er sich jemals Sorgen machte? „Nein“, meint er. Und hatte er auch schon Angst? „Ja“, meint er. „Einmal bin ich mit dem Taxi von Heathrow ins Londoner Zentrum gefahren. Das war verrückt.“

    8 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Das Gesicht der Gesellschaft verändern

    Wenn Sie aufgefordert werden, die größten Unternehmergeister der Geschichten zu benennen, wen würden Sie wählen? Den Mann, der das iPhone kreierte, den „schwierigen“ Schüler, der die elektrische Glühbirne erfand oder die Dame, die davon überzeugt war, dass jede Frau schön sein kann? INCH fand heraus, dass die Frage zwar einfach zu stellen, sie zu beantworten jedoch schwierig ist.   APPLE Steve Jobs (1955 – 2011) war Mitbegründer von Apple. Sein Schulfreund Steve Wozniak und er verkauften 1976 den ersten Apple-Computer. Jobs verließ Apple 1985 im Streit, kehrte jedoch 1996 zurück und wurde 1997 Vorstandsvorsitzender. Er nahm die schlechte Wirtschaftlichkeit von Apple in Angriff und überwachte die Entwicklung von iPod, iPhone und iPad. Viele sagen, dass Jobs größtes Talent darin bestand, den Markt zu hinterfragen und innovative Produkte zu kreieren, die alle haben möchten.  AMAZON Jeff Bezos (1964 –) verließ 1994 seinen gut bezahlten Job bei einem Hedgefonds in New York City und gründete in seiner Garage die E-Commerce-Website Amazon. Anfangs wurden darüber nur Bücher verkauft, aber Bezos war nicht zufrieden damit, Buchhändler zu sein. Er wollte mehr für Amazon. Also machte er den Onlineeinkauf so einfach, dass Kund/innen nun mit einem Mausklick nahezu alles finden und kaufen können. Amazon ist heute größter Händler im Internet.  FACEBOOK Mark Zuckerberg (1984 –) schrieb bereits während seiner Schulzeit Computerprogramme. Mehrere Unternehmen – u. a. AOL und Microsoft – wollten ihn einstellen, noch bevor er sein Studium an der Harvard University abgeschlossen hatte. Er lehnte ab und gründete Facebook. Sein soziales Netzwerk mit einem Marktwert von mehr als 150 Milliarden Dollar nutzt heute mehr als eine Milliarde Menschen. STAHLINDUSTRIE Andrew Carnegie (1835 – 1919) ist für seine Geschenke in Form öffentlicher Bibliotheksgebäude bekannt. Er war aber auch Industrieller, der die bedeutende Expansion der amerikanischen Stahlindustrie gegen Ende des 19. Jahrhunderts anführte. Als er 1901 sein Unternehmen an JP Morgan verkaufte, wurde es auf mehr als 400 Millionen Dollar geschätzt. Sein Handeln war vom Wunsch bestimmt, anderen zu helfen. Als er 1919 starb, hatte er bereits 350 Millionen Dollar seines Besitzes verschenkt. Er schrieb einst: „Wer als reicher Mann stirbt, stirbt in Ungnade.“ FLUGZEUGINDUSTRIE Das erste Flugzeug wurde von Wilbur Wright (1867 – 1912) und seinem Bruder Orville (1871 – 1948) erfunden. Nachdem die beiden lange Zeit Vögel beim Flug beobachtet hatten, bewiesen sie schließlich am 17. Dezember 1903 mit ihrem Flugzeug der Welt, dass auch Menschen fliegen konnten: 37 Meter in 12 Sekunden. IKEA Der Schwede Ingvar Kamprad (1926 –) begann im Alter von 14 Jahren mit dem Verkauf von Streichhölzern an Nachbarinnen und Nachbarn, die er in großen Mengen in Stockholm einkaufte. Erstaunt darüber, ein Produkt einkaufen und mit Gewinn weiterverkaufen zu können, fachte seinen Ehrgeiz an. Er verkaufte daraufhin auch Fisch, Weihnachtsdekoration, Kugelschreiber, Bleistifte und Saatgut. Mit 17 gab er seinem Unternehmen den Namen IKEA und erweiterte das Warenspektrum. Mit 21 begann er Möbel zu verkaufen und mit 27 Jahren – 1953 – eröffnete er sein erstes IKEA-Geschäft. Heute hat IKEA Niederlassungen in 25 Ländern und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 21 Milliarden Euro. DAS AUTO Henry Ford (1863 – 1947) machte Autos für alle. Sein Modell T hatte alles, was ein Auto seiner Ansicht nach bieten sollte – nicht zu teuer und zuverlässig. Allerdings konnten damals nur wenige Autos pro Tag produziert werden; nicht genug, um die Nachfrage zu befriedigen. Deshalb eröffnete er ein großes Werk mit Fertigungslinie und wurde damit zum größten Autohersteller der Welt mit einem Auto, das leicht zu bedienen und günstig zu reparieren war.  KOSMETIKA Estée Lauder (1906 – 2004) war die Tochter eines ungarischen Immigranten. Sie gründete 1946 mit nur vier Produkten und dem unerschütterlichen Glauben, dass jede Frau wunderschön sein könne, ihr Kosmetikunternehmen. Anfänglich verkaufte sie ihre Pflegeprodukte an Kosmetiksalons und Hotels und war davon überzeugt, dass man auf Kunden zugehen muss, um Verkäufe zu generieren. „Nicht mit Wünschen und Träumen habe ich erreicht, was ich bin, sondern mit harter Arbeit“, erinnerte sie ihr Verlaufsteam oft. Heute gehören ihre Kosmetika zu den weltweit führenden Marken. JEANS Levi Strauss (1829 – 1902) wurde in Deutschland geboren und wanderte 1847 nach Amerika aus, um für seine Brüder zu arbeiten. Sechs Jahre später gründete er sein eigenes Unternehmen. Er importierte Kleidung, Unterwäsche, Regenschirme und Stoffe, die er an kleine Geschäfte entlang der Westküsten der USA verkaufte. Einer seiner Kunden, ein Schneider, brachte ihn auf die Idee, robuste „Taillenoveralls“ herzustellen, die wir heute als Jeans kennen. Man nimmt an, dass die Jeans zunächst von Näherinnen individuell hergestellt wurden. Als Jeans in den 1880er-Jahre immer beliebter wurden, eröffnete Strauss ein eigenes Werk. Der Rest ist Geschichte. DER KOMPASS Der erste Kompass wurde während der Han-Dynastie in China erfunden. Er bestand aus Magneteisenstein, einem natürlich magnetisierten Eisenerz. Dank des Kompasses konnten sich Seefahrer fernab vom Festland auf Meeren sicher bewegen. Dadurch kam es zu einem Anstieg des Seehandels, dieser wiederum leistete einen großen Beitrag zum Zeitalter der Entdeckungen. ENTDECKER Der Portugiese Ferdinand Magellan (1480 – 1521) organisierte jene Expedition, die zur ersten Weltumseglung führte. Er stellte eine Flotte von fünf Schiffen zusammen und bewies trotz schwieriger Rückschläge (der Kapitän eines seiner Schiffe segelte nach Hause zurück und Magellan selbst starb in der Schlacht von Mactan), dass die Erde rund ist. THE PRINTING PRESS Johannes Gutenberg (1395 – 1468), ein deutscher Goldschmied und Kaufmann, erfand 1436 die Druckerpresse mit austauschbaren und beweglichen Holz- und Metalllettern. Seine Erfindung, für die er sich Geld leihen musste, revolutionierte die Herstellung von Büchern.  DIE GLÜHBIRNE Thomas Edison (1847 – 1931) war das jüngste von sieben Kindern. Seine Mutter beschloss, ihn zu Hause zu unterrichten, nachdem ihn sein Lehrer als schwierig bezeichnet hatte. Erst mit vier Jahren lernte er zu sprechen, hörte dann aber nicht mehr auf „Warum?“ zu fragen. Mit 12 begann er Zeitungen zu verkaufen und gab später seine eigene kleine Zeitung heraus. Während seines Lebens meldete er mehr als tausend Patente an, darunter die elektrische Glühbirne, das erste geeignete Diktaphon, der Phonograph und Batterien. Sein letztes Patent erhielt er im Alter von 83 Jahren. GOOGLE Larry Page (1973 –) und Sergey Brin (1973 –) trafen sich 1995 an der Stanford University. Larry wollte die Universität besichtigten und Sergey sollte ihn herumführen. Zwei Jahre später gründeten die beiden Studenten gemeinsam Google, das sich zu einem der am schnellsten wachsenden Unternehmen aller Zeiten entwickelte. Google ist heute die beliebteste Suchmaschine. Ihre Philosophie ist simpel: Großartig ist einfach nicht gut genug.  TATA GROUP J R D Tata (1904 – 1993) wurde 1929 als erster Pilot Indiens zugelassen und gründete 1932 Tata Airlines, die erste kommerzielle Fluggesellschaft Indiens, später Air India. 1925 trat er als unbezahlter Auszubildender bei Tata & Sons ins Unternehmen seines Onkels ein. 1938 wurde er mit 34 Jahren zum Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Führung wuchs das Vermögen der Gruppe von 100 Millionen auf 5 Milliarden US-Dollar. Er gründete 14 Unternehmen, und bei seiner Pensionierung gab es 95 Unternehmen in der Tata Group. TRICKFILME Walt Disney, Schöpfer so magischer Figuren wie Mickey Maus und Schneewittchen, galt als Pionier des Animationsfilms. Während seiner 43 Jahre dauernden Karriere in Hollywood wurde er dafür bekannt, Amerikas Träumen Wirklichkeit werden zu lassen. Sein Streben nach Perfektionierung der Animationskunst war unendlich. Als Technicolor Einzug in den Animationswelt nahm, hielt er zwei Jahre lang das Patent dafür, womit Disney der Einzige war, der Farb-Cartoons in Farbe machte. DAS INTERNET Der Computerwissenschaftler Sir Timothy Berners-Lee (1955 –) erfand 1989 während seiner Arbeit für CERN, das europäische Labor für Kernforschung, das World Wide Web als Internet-basierte Hypermediainitiative für den weltweiten Informationsaustausch. Die Idee galt einem effektiveren CERN-Kommunikationssystem, doch er realisierte, dass dies ein Konzept war, das man weltweit einführen könnte. Die erste Website wurde bei CERN gemacht und ging am 6. August 1991 online.  COCA COLA Der Apotheker John Pemberton (1831 – 1888) aus Atlanta erfand 1886 eine duftende, karamellfarbene Flüssigkeit. Er war neugierig, was passieren würde, mischte man diese Flüssigkeit mit Sprudelwasser und brachte sie deshalb zu Jacobs’ Pharmacy. Weil die Kundinnen und Kunden das Getränk mochten, begann Jacobs’ Pharmacy das Getränk für 5 Cent (weniger als 0,02 Euro) pro Glas zu verkaufen. Pembertons Buchhalter Frank Robinson nannte die Mixtur Coca Cola. Im ersten Jahr verkaufte Pemberton neun Gläser pro Tag. Kurz nachdem das Getränk den Markt eroberte, erkrankte er schwer. Asa Candler, ein begabter Verkäufer, sicherte sich die Rechte an Coca Cola und wandelte es aus einer Erfindung in ein Unternehmen um. Heute erzielt der Coca Cola-Konzern mehr als 35 Milliarden Dollar Umsatz. CHINA YOUTHOLOGY Zafka Zhang war 2008 Mitbegründer des Marktforschungsunternehmens China Youthology. Er glaubt, die heutige Generation besitze die Macht, die chinesische Gesellschaft zu ändern. Unternehmen wie Audi, Nokia, L’Oreal und Daimler haben bereits seine Onlinedienste genutzt, um Zugang zur Jugendkultur Chinas zu erhalten und zu verstehen, wie die eigenen Marken besser vermarktet werden können. MICROSOFT Bill Gates (1955 –) programmierte Computer schon mit 13. Er brach sein Studium in Harvard ab, um seine Energie in Microsoft zu stecken, getrieben von dem Glauben, Computer würden ein wertvolles Werkzeug in jedem Büro und in jedem Haushalt sein. Er entwickelte Software für Heimcomputer und führte damit ihre Revolutionierung an. Bill Gates überschrieb bereits 28 Milliarden Dollar an seine Stiftung und will nun die Kinderlähmung ausrotten, mit demselben Enthusiasmus wie bei Microsoft.  FEDEX Fred Smith (1944 –) nahm das von seinem Vater geerbte Geld und gründete Federal Express, ein globaler Zustelldienst mit Übernachtlieferung. Ein Professor hatte ihn gewarnt, dass dies nicht funktionieren würde. Sein Unternehmen, inzwischen unter FedEx bekannt, ist heute der weltgrößte Transportdienst. Es befördert täglich mehr als acht Milliarden Frachtstücke und ist in mehr als 220 Ländern tätig. MOBILTELEFON Martin Cooper (1928 –) entwickelte 1973, als er bei Motorola arbeitete, das Konzept des tragbaren Mobiltelefons. Man nimmt an, dass der zwei Kilo schwere Prototyp Motorola nach heutigem Wert ungefähr 1 Millionen Dollar kostete. Die Batterie hielt nur 20 Minuten, doch darum ging es nicht, da man das Telefon gar nicht so lange tragen konnte. DAS TELEFON Alexander Graham Bell (1847 – 1922) erhielt 1876 als erster ein Patent für das elektrische Telefon. Er verbesserte das Design, und bis 1886 besaßen mehr als 150.000 Haushalte in den USA ein Telefon. Später sagte er: „Eines Tages wird man in der Lage sein zu sehen, mit wem man telefoniert.“ PAPAYAMOBILE Si Shen war von Microsoft-Gründer Bill Gates Buch Der Weg nach vorn und seiner Idee, die Welt zu verändern so inspiriert, dass sie das auch wollte. Nach mehreren Jahren bei Google kehrte sie nach Beijing zurück, wo sie 2008 gemeinsam mit einem Freund Papaya gründete. Heute verwandelt sie Mobiltelefone in soziale Netzwerke. Diese Software erlaubt es, Fotos auszutauschen, Nachrichten zu versenden, Onlinespiele mit anderen zu spielen und soll mittlerweile mehr als 35 Millionen Nutzer/innen haben.  VIRGIN GROUP Sir Richard Branson (1950 –) brach mit 16 Jahren die Schule ab und begann Schallplatten zu geringstem Preis an Freunde zu verkaufen. Später eröffnete er einen Plattenladen in der Londoner Oxford Street und baute ein Aufnahmestudio, für das er Künstler wie die Rolling Stones unter Vertrag nahm. Heute umfasst die von ihm gegründete Virgin Group mehr als 400 Unternehmen. STARBUCKS Alles begann mit einer Tasse Kaffee. Howard Schultz (1953 –) war 1981 nach einem Gespräch mit Beschäftigten von Starbucks in Seattle so inspiriert, dass er im folgenden Jahr als Marketingdirektor anheuerte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Starbucks vier Filialen. Während einer Reise durch Italien 1983 hatte er die Vision, die italienische Cafékultur nach Amerika zu bringen. Er verließ Starbucks für kurze Zeit und hoffte, selbst etwas auf die Beine stellen zu können, kehrte aber 1987 zurück und kaufte das Unternehmen. Heute betreibt Starbucks mehr als 17.000 Läden in 60 Ländern.

    12 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Wie Journalisten halfen, INEOS bekannt zu machen

    Als 2011 die erste Ausgabe von INCH veröffentlicht wurde, hatten Umfragen ergeben, dass die INEOS-Marke nicht so bekannt war, wie man es aufgrund der Größe des Unternehmens erwarten könnte. Dies ist jedoch erforderlich, um die besten Absolvent/innen und potenzielle Investor/innen zu beeindrucken und Politik und Medien zu beeinflussen. Dieses Magazin hat – hoffentlich – dazu beigetragen, diese Situation zu ändern. Inzwischen wurde INEOS so bekannt, wie es nicht einmal Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe hätte vorhersagen können. INEOS ist nicht länger das größte Unternehmen, von dem noch niemand je gehört hat. Seit den Ereignissen in Grangemouth, Schottland, Ende letzten Jahres waren die Meinung des Unternehmens und die seines Gründers und Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe gefragt. Zeitungen aus der ganzen Welt wollten Artikel über das Unternehmen und seine Führungskräfte veröffentlichen. Sylvia Pfeifer, Journalistin bei der Financial Times, bestätigt, dass INEOS bis vor ein paar Monaten außerhalb der Branche nur wenig bekannt war. „Die Ereignisse in Grangemouth haben zwar zu unfreiwilligen Schlagzeilen geführt, sie haben INEOS allerdings auch aus dem Schatten ins Licht gerückt“, fügt sie hinzu. Journalist/innen waren nicht nur an INEOS’ Erfolgsgeschichte interessiert. Es gab auch Fragen zum allgemeinen Zustand des herstellenden Gewerbes in Großbritannien, zu den Auswirkungen des Schiefergasbooms in den USA, zu den erdrückenden Energiekosten in Europa und den riesigen Wachstumschancen in China. Der Wirtschaftsredakteur Alistair Osborne schrieb im Daily Telegraph: „Jim Ratcliffe ist zwar kein bekannter Name, aber es ist nicht leicht, einen anderen britischen Industriellen zu finden, der in 15 Schwindel erregenden Jahren ein Unternehmen aus dem Nichts zu einer globalen Umsatzmaschine mit einem Wert von 43 Milliarden US-Dollar (27,5 Milliarden Pfund) aufgebaut hat. Ratcliffe ist ein Mann mit umfassender Erfahrung. Wenn er also sagt, dass Großbritannien bisher kein sehr attraktiver Standort für die Fertigungsindustrie war bzw. Großbritannien bei Schiefergas und Atomkraft endlich eine wichtige Rolle übernehmen soll, wird seine Meinung gehört.“ In einem Interview mit Brian Carney, Redakteur des The Wall Street Journal, wurde Jim gefragt, was die USA unternehmen könnten, um das Leben für die Wirtschaft in Amerika besser zu machen. „Reduziert die Körperschaftssteuer“, lautete seine prompte Antwort. „Das ist das Einzige, was mir Bauchschmerzen bereitet. Wenn sie auf etwa 30 Prozent reduziert würde, wären die USA unschlagbar.“ In einem Interview mit Stanley Reed von der New York Times sprach Jim darüber, warum er nicht akzeptieren könne, dass die gewinnbringenden Standorte in den USA die verlustreichen Standorte in Europa unterstützen sollen. Bernd Freytag sprach mit INEOS für einen Artikel, den er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung verfasste. Darin schrieb er dem Unternehmen eine Vorreiterrolle zu, nachdem es die Entscheidung getroffen hatte, günstiges und aus Schiefer gewonnenes Ethangas zu importieren, um die Betriebskosten der europäischen Kracker von INEOS zu reduzieren. Mit Verweis auf Jim fügte Bernd hinzu: „Er zeichnet ein eher düsteres Bild der petrochemischen Industrie in Europa und sagt schwere Zeiten voraus. Er teilt nicht die Meinung einiger Experten, die ein baldiges Ende des Schiefergasbooms in den USA vorhersagen. Mit dieser Meinung steht er zwar allein da, aber er glaubt, das sei Unsinn.“ Eine ähnliche Geschichte erschien in Le Monde. „Europa ist gerade kein guter Unternehmensstandort, und es wird noch schlimmer“, schrieb der Londoner Korrespondent von Le Monde, Eric Albert, in seinem ersten Interview mit dem Unternehmen. „Ich denke, die Menschen sind sich noch nicht bewusst, welche Probleme auf sie zukommen.“ In Zeitungen in Norwegen und China wurden zudem Interviews von Cecily Liu, Reporterin bei The China Daily, veröffentlicht. Darin ging es um den riesigen Markt für Petrochemikalien und die konstante Nachfrage, die Chinas Wachstum ankurbelt. „Ich kenne INEOS nur durch das Joint Venture mit PetroChina, wusste aber nur sehr wenig über Jim“, erzählte sie INCH. „Nach Grangemouth meldete er sich in den Medien öfter und deutlicher zu Wort. Er weiß scheinbar ganz genau, wie er sein Talent am besten nutzen kann und ist risikobereiter als viele andere.“ Eines der Probleme von INEOS ist inzwischen gelöst. „INEOS ist so schnell gewachsen, dass die öffentliche Meinung über uns damit nicht Schritt halten konnte“, erklärt Tom Crotty, Group Director for Corporate Affairs. „Selbst einige unserer Kunden sagten uns, dass wir ihrer Ansicht nach, in Anbetracht unserer Unternehmensgröße, uns zu sehr mit Äußerungen zum Markt zurückhielten. Investoren und die Medien gaben uns zu verstehen, dass wir mit unserer Meinung nicht hinter dem Berg halten sollten.“ Heute kann man INEOS diesbezüglich nicht mehr kritisieren.

    3 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS erhebt Anklage wegen mutmaßlichen Missbrauchs von Patenten

    INEOS geht wegen des mutmaßlichen Missbrauchs von Patenten gerichtlich gegen das staatliche chinesische Öl- und Petrochemieunternehmen Sinopec und einige seiner verbundenen Unternehmen vor. INEOS zufolge hat die Sinopec Ningbo Engineering Company gegen eine vor langer Zeit geschlossene Technologievereinbarung verstoßen, wodurch sie im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen durch weitere Sinopec-Unternehmen imstande war, ohne die Zustimmung von INEOS eine Reihe von Acrylonitrilanlagen in China zu bauen. „Wir bringen unsere beste Technologie gern nach China, aber wir müssen auch sicher sein, dass diese dort geschützt ist“, erklärt INEOS-Vorstandsvorsitzender Jim Ratcliffe. „Durch den Bau der verschiedenen Acrylnitrilanlagen in China wird unser Geschäft zerstört.“ INEOS hat bisher hervorragende Geschäftsbeziehungen zu Sinopec und mit China gepflegt, erklärte aber in einer Mitteilung vom 21. März 2014, dass dem Unternehmen keine andere Wahl bleibe, sein geistiges Eigentum zu schützen. „Schützen wir unser hart erworbenes geistiges Eigentum, zu dem auch Geschäftsgeheimnisse und Patente gehören, ebenso wie Technologie, Design und Betrieb, nicht, sehen wir den Untergang von INEOS“, so Jim. INEOS befürchtet, dass Chinas Aktivitäten das eigene Acrylnitrilgeschäft erheblich schädigen. In diesem Bereich werden pro Jahr bis zu 500 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt und etwa 5.000 Arbeitsplätze in Amerika, Großbritannien und Deutschland gesichert. INEOS ist derzeit führend auf dem globalen Markt für Acrylnitril, dem wichtigsten Bestandteil für Kohlenstofffasern. Dieses wichtige Molekül ist zudem ein wichtiger Bestandteil des ABS-Polymers, das in vielen alltäglichen Gegenständen zur Anwendung kommt – von Kinderspielzeug über Computermonitore bis hin zu Haushaltsgeräten. Die Acrylnitriltechnik von INEOS stellt die Grundlage von mehr als 90 Prozent der weltweiten Produktion dar. SNEC, ein Sinopec-Unternehmen, verfügt seit 1984 über eine Lizenz für die Nutzung dieser Technologie. INEOS leitete rechtliche Schritte am Hohen Gericht in Peking und in Schweden im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens ein und vertraut dabei stark auf das chinesische System für geistiges Eigentum, da in diesem Land inzwischen mehr Patente pro Tag angemeldet werden als in anderen Ländern. Sinopec streitet die Vorwürfe von INEOS ab.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS reagiert auf kundenwünsche

    INEOS Oxide hat sein Ethyliden-Norbornen-Werk (ENB) in Antwerpen, Belgien, erweitert und so auf die Nachfrage der Kunden reagiert. Die Anlage ist jetzt in der Lage, pro Jahr 28.000 Tonnen zu produzieren – 20 Prozent mehr als zuvor. Somit wird sie zur größten Einzelanlage für ENB weltweit. ENB wird vorwiegend für die Herstellung von Ethylen-Propylen-Dien-Gummi (EPDM) verwendet, ein sehr wetterbeständiger, haltbarer, synthetischer Gummi, der verstärkt von Fahrzeugherstellern und der Bauindustrie verwendet wird. „Mit der Entfernung von Engpässen in Antwerpen hat INEOS einen einmaligen Schritt getan, der ausreichend ENB für die nächsten zwei bis drei Jahre sichert“, so CEO Hans Casier. ENB wird zudem als Duftträger in der Parfümindustrie verwendet.

    1 minute lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS reduziert Zinslast um weitere 30 Millionen Euro

    Dank unternehmerischen Denkens gelang es INEOS, weitere 30 Millionen Euro an jährlichen Zinszahlungen einzusparen, als das Untenehmen im Februar 2014 teilweise seine Kredite umfinanzierte. Video Diese jüngste Entscheidung, sich die günstige Lage auf den Finanzmärkten zunutze zu machen, erfolgte, nachdem INEOS schon im letzten Jahr seine Zinszahlungen erheblich reduzieren konte. Dies brachte Einsparungen in Höhe von 140 Millionen US-Dollar pro Jahr. „Diese Abschläge, plus die der letzten 18 Monate, haben uns eine Verringerung unserer Gesamtbelastung von 550 Millionen Euro auf 385 Millionen Euro ermöglicht“, so Graeme Leask, Finanzchef von INEOS Group Holdings. INEOS gelang es, die Zinssätze seiner Darlehen zu senken, da bei Anlegern großer Appetit herrschte am Erfolg von INEOS teilzuhaben. „Im Februar reagierten die Anleger überaus positiv“, so Graeme weiter. „Die Nachfrage nach der neuen Anleihe war siebenfach überzeichnet.“ Für seine Anleihen musste INEOS etwas weniger als 8 Prozent bezahlen. Bei der neuen Anleihe erhoffte man sich Zinsen von etwas über 6 Prozent. Tatsächlich waren es aber weniger als 6 Prozent. Es gelang auch, die Zinsbelastung durch Bankkredite zu verringern. „Diese Einsparungen wurden genutzt, um Schulden zu bezahlen, doch unsere Anleger wissen, dass wir viele gute Chancen in allen unseren Geschäftsbereichen haben, um mit dieser Anlage Geld zu verdienen. Somit ist es besser für INEOS und seine Anleger, dieses Geld wieder ins Unternehmen zu stecken, als Kredite zu reduzieren“, erklärt Peter Clarkson, Leiter für Anlegerbeziehungen bei INEOS. Finanzberater beschrieben den jüngsten Geschäftsabschluss als „eruptionsartig“, so Graemes Kommentar. INEOS führte seinen Erfolg auf den guten Draht, den man mit den Anlegern hat, zurück und auf die weiterhin starke Leistung des Unternehmens. „Wir sind unseren Anlegern gegenüber sehr offenen, und diese Transparenz kommt gut an“, so Peter. „Jede Woche erstellen wir einen Bericht für alle Anleger und Analysten. Das kommt sonst praktisch nicht vor. Sie erhalten somit eine Zusammenfassung dessen, was sich auf unseren wichtigsten Märkten tut.“ Dank dieser Kultur von Offenheit und Ehrlichkeit konnte INEOS auch die Zeit sparen, die sonst für Neuverhandlungen und zum Sichern besserer Zinssätze notwendig wäre. Eine Refinanzierung durch ein Emissionsgeschäft dauerte früher drei Wochen. Jetzt ist es eine Sache von Tagen, da die Anleger uns so gut kennen. Diese hochverzinslichen Papiere hätte INEOS eigentlich erst 2016 umfinanzieren müssen, doch man ergriff die Gelegenheit, nutzte die günstige Finanzmarktlage und reagierte schnell. „Normalerweise warten wir bei diesen Dingen nicht bis zum Schluss, damit wir viel Spielraum haben“, so Peters Kommentar. Das neuste Geschäft bescherte ein verbessertes Kreditrating von Moody‘s, das nun dasselbe Rating wie Standard & Poor’s gab: B1/B+. „Kreditratingagenturen sind eigentlich sehr wertkonservativ und ihr Standardszenario lautet, morgen geht die Welt unter, oder überzeugt uns, dass dem nicht so ist; ein besseres Rating ist in diesem Moment also eine gute Nachricht“, erklärt Peter. Daraus ergeben sich weitere Vorteile: man kann bessere Guthaben mit Lieferanten aushandeln, und das wiederum verbessert den Barmittelzufluss. Douglas Crawford, Analyst bei Moody’s, sagte, das verbesserte Rating spiegle auch teilweise die „robuste“ Leistung von INEOS für 2013 wider und dass man dieses Jahr große Hoffnungen auf das Unternehmen setze. Der Finanzdirektor der INEOS AG, John Reece, sagte, das Konzerngesamtergebnis 2013 sei insgesamt gut und das Jahr 2014 hätte positiv begonnen. Ein Großteil von INEOS’ Gewinnen sei allerdings in Amerika erwirtschaftet worden, mit einem Anstieg von 60 Prozent 2012 auf fast 70 Prozent 2013. „Schiefergas ist nicht der einzige Grund, weshalb wir in den USA so gut abschneiden, aber der Wandel wird dadurch bedingt“, meinte er. INEOS hat vor, im kommenden Jahr umfangreiche Investitionen in den USA zu tätigen. „Diese Anlage ist unsere oberste Priorität“, so John weiter. Zu den Plänen gehören: eine Polyethylenanlage, eine Oligomeranlage und eventuell eine neue Ethylenoxidanlage. John dazu: „Europa, insbesondere Südeuropa und Großbritannien, bereiten uns Kopfzerbrechen, doch unsere Entscheidung, günstiges aus Schiefergas gewonnenes Ethangas von Amerika nach Europa zu importieren, wird dazu beitragen, Betriebskosten in unseren europäischen Gaskrackern zu sparen und somit unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“ In Zukunft wird diese Reise fortgesetzt, die im April 2012 begonnen hat, als INEOS den höchsten Kredit ohne große Bedingungen für ein europäisches Unternehmen und damit den höchsten weltweit seit der Kreditkrise sicherte. „Das gehört zu unserer Strategie“, erklärt Graeme. „Wir sind Opportunisten. Wenn sich also eine Chance auf dem Markt bietet, unsere Zinsbelastung zu verringern und unsere Finanzierungsmöglichkeiten auszuweiten, sind wir dazu bereit.“

    11 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS schließt weiteren Vertrag für die Anlieferung größerer Mengen Ethan nach Europa – und bestellt noch mehr Schiffe 

    INEOS hat einen weiteren Vertrag über den Import von günstigem, aus Schiefer gewonnenem Ethangas aus den USA geschlossen, mit dem die Betriebskosten der europäischen Gaskracker gesenkt werden sollen. INEOS Europe AG erhält ab kommendem Jahr Schiffslieferungen von CONSOL Energy in Pittsburgh. „Wir werden so die Wettbewerbsfähigkeit der Ethylenproduktion von INEOS in Europa weiter festigen“, erklärt David Thompson, Procurement and Supply Chain Director. Vor zwei Jahren war INEOS das erste petrochemische Unternehmen Europas, das die Chance nutzte und günstige Energie und Rohstoffe aus Range Resources in den USA importierte. Im Dezember 2012 wurden 15-Jahres-Verträge mit drei US-amerikanischen Unternehmen geschlossen, welche die Bohrung, Verteilung, Verflüssigung und die Verschiffung von Ethan aus Amerika in die INEOS-Anlage in Rafnes (Norwegen) übernehmen. INEOS gab am 7. Mai 2014 bekannt, dass mit Evergas eine Vereinbarung geschlossen wurde, die Anzahl der Transportschiffe auf sechs zu erhöhen. Diese Schiffe werden zurzeit in China gebaut. Mit ihnen wird das Ethan sowohl zum Standort Rafnes als auch zur Grangemouth-Anlage in Schottland transportiert. Bei diesen Schiffen handelt es sich um die größten, wendigsten und modernsten Multigastransporter, die je gebaut wurden. Damit bekommt INEOS eine flexible Lösung für die Ethanlieferungen und kann LNG, LPG und petrochemische Gase, einschließlich Ethylen, transportieren. „Die moderne Bauweise dieser Schiffe bietet INEOS ein hohes Maß an Effizienz und unvergleichlicher Flexibilität und sichert damit die Langlebigkeit und starke Stellung des Unternehmens“, so Martin Ackermann, CEO von EVERGAS. Die Schiffe mit Zweistoffbetrieb werden mit sauberen LNG-Motoren nach dem neusten Stand der Technik betrieben und sind damit äußerst effizient, schadstoffarm und kraftstoffsparend.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS Technologies reagiert schnell, um Geschäftsbeziehungen in Vietnam aufzubauen

    Ein unternehmen in Vietnam hat die INEOS-Technologie zur Herstellung von Polypropylen lizenziert. Dieses Kunststoffpolymer wird in einer Vielzahl von Produkten von Kühlschränken bis zu Teppichen und Kfz-Teilen verwendet. Vung Ro Petroleum Limited erklärte, dass der Innovene PP-Prozess von INEOS ihnen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffe und sie in die Lage versetze, die steigende Nachfrage auf dem asiatischen Markt zu bedienen. „Die Wirtschaft in Asien wächst, und mit diesem Wachstum geht die Nachfrage nach Kunststoffprodukten zum Einsatz für die Infrastruktur, in Verpackungsmitteln, Haushaltsprodukten, Haushaltsgeräten und Verbraucherprodukten einher“, erläutert Randy Wu, Vice-President, PE/PP Marketing and Sales bei INEOS Technologies. „In der Vergangenheit war ein Großteil dieser Produkte für den Exportmarkt bestimmt.“ Vung Ro Petroleum Limited kam Mitte 2012 zum ersten Mal auf INEOS Technologies zu. Innerhalb eines Jahres unterzeichnete das Unternehmen den Vertrag mit INEOS. „Für ein Polyolefinlizenzprojekt ist das relativ schnell, manchmal beträgt die Umsetzungszeit mehrere Jahre“, so Randy. „Dies zeigt aber auch, dass wir mit dem Aufbau der Beziehungen zu unseren Kunden, Beratern und Auftragnehmern gute Arbeit geleistet haben und unser Ruf als führender Technologieanbieter in der Branche weit verbreitet ist.“ Die Raffinerie soll im Bezirk Dong Hoa in der Provinz Phu Yen angesiedelt werden. „Der Innovene PP-Prozess von INEOS wird ein wichtiger Bestandteil unseres Raffinerieprojektes und wird uns einen fortschrittlichen Polypropylen-Prozess mit wirtschaftlichen Vorteilen und einer breiten Produktpräsenz ermöglichen“, erklärt Kirill Korolev, CEO von Vung Ro Petroleum Limited.

    2 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Geschmack auf neues abenteuer entwickelt

    Baleycourt gehört zu den zwölf Geschäftsbereichen, die sich unter INEOS Enterprises’ Schirm befinden. Es ist ein kleiner Standort, gerade einmal so groß wie 20 Fußballfelder. Sein Beitrag zum Erfolg von INEOS ist allerdings nicht zu unterschätzen.  video INEOS Enterprises bringt in diesem Jahr ein weiteres neues Produkt heraus – Rapsöl in Lebensmittelqualität. INEOS begibt sich damit erstmalig in den Lebensmittelbereich und wird bis Ende 2014 etwa 15.000 Tonnen Rapsöl an seinem Standort in Baleycourt (Frankreich) herstellen. Es wird sich im Laufe der Zeit zeigen, ob diese Investition klug war, doch Ashley Reed, Chief Executive Officer von INEOS Enterprises, und Chief Operating Officer Steve Dossett, der das Unternehmen leitet,sind zuversichtlich. „Wir haben einen für uns völlig neuen Weg eingeschlagen, doch Rapsöl wird aufgrund seines gesundheitlichen Werts und seines Preisvorteils gegenüber Olivenöl immer beliebter“, so Ashley. Die Produktion von Rapsöl, das viel Vitamin E und nur die Hälfte der gesättigten Fettsäuren des Olivenöls enthält, wird zudem sicherstellen, dass der Standort – im Herzen des zweitgrößten Pflanzenölherstellungsgebiets in Frankreich – wettbewerbsfähig bleibt. Baleycourt produziert schon jahrelang große Mengen an Biodiesel für französische Supermarktketten und Ölfirmen wie Total. INEOS Enterprises stärkte Baleycourts Position 2008 noch weiter, indem ein 80 Millionen Euro-Joint Venture – bekannt als INEOS Champlor – mit der französischen Landwirtschaftsgenossenschaft SICLAE und der Ölmühle C. Thywissen gebildet wurde. Dies führte zur Eröffnung einer zweite Biodieselanlage, einer Rapsmühle und einer Ölraffinerie. „Die Investition wurde in erster Linie von der französischen Regierung gefordert, die eine übergreifende Mischung von Biokraftstoffen vor Einführung der EU-Gesetzgebung forderte“, erklärt Ashley. „Für jeden Kraftstoffmarkt (Diesel und Benzin) gelten einzelne Eingliederungsziele mit empfindlichen Finanzstrafen für Mischer, die ihre Pflichten nicht erfüllten. Das bedeutet, dass wir einen garantierten Markt hätten.“ Dies bedeutet auch, dass INEOS den lokal angebauten Raps selbst vermahlen kann, statt Rapsöl aus Deutschland zu importieren, wohin der Raps früher für den Zerkleinerungsprozess transportiert wurde. Aus finanzieller Sicht war die Investition sinnvoll, die Partnerschaft funktionierte wunderbar. INEOS kaufte den Raps zu günstigen Preisen, mahlte ihn und produzierte Tausende Tonnen an Biokraftstoff für einen Markt, der danach verlangte. Als Bonus entstand als Nebenprodukt Rapsmehl, das dem Schweinefutter als Protein ohne gentechnische Veränderungen zugesetzt wurde. Zu Spitzenzeiten produzierte Baleycourt 140.000 Tonnen Biokraftstoff und 180.000 Tonnen Rapsmehl pro Jahr. Dann begann der Wind sich zu drehen. Die EU verabschiedete 2010 eine neue Vorschrift, die eine „doppelte Anrechnung“ beinhaltete. Kraftstoffhersteller wurden aufgefordert, biologische Abfälle (z. B. gebrauchtes Frittieröl und Schmiermittel) in die Kraftstoffherstellung einzubeziehen. Da es keine Obergrenze für derartige Produkte gab, begann das internationale Ölhandelszentrum ARA 2011, den französischen Markt mit dieser Form von Kraftstoff zu überschwemmen und belastete damit erheblich die Nachfrage nach dem „einfach gerechneten“ Produkt auf Rapsölbasis. Das Produktionsvolumen von Baleycourt brach ein. Dazu kam eine Begrenzung der Importe nach Frankreich. Die heimischen Hersteller erkämpften sich ihren Marktanteil zurück, allerdings hatte die Marktdynamik erheblichen Schaden genommen und die Fördergelder der französischen Regierung standen kurz vor Beendigung. Im darauf folgenden Jahr machte die EU-Kommission eine wichtige Kehrtwende bei den Biokraftstoffen, indem ein Vorschlag für die Mengenbegrenzung der aus Pflanzen hergestellten Biokraftstoffe auf fünf Prozent vorgeschlagen wurde. Im vergangenen Jahr wurde dann eine weitere EU-Vorschrift verabschiedet. Kurzum: Die EU hatte das Interesse an Biokraftstoffen auf Kulturpflanzenbasis verloren. „In den EU-Institutionen wird weiterhin heftig diskutiert, was als Kulturpflanze zu betrachten ist. Es ist also lange noch nicht klar, wohin diese Entwicklung in den nächsten Jahren führen wird“, erklärt Ashley. „Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass es, wenn überhaupt, einen starken Anstieg der von der EU vorgegebenen durchschnittlichen Mischungsraten für Biodiesel geben wird, der aus Kulturpflanzen hergestellt wird.“ INEOS entschied, dass es an der Zeit war, die Dinge und die eigene Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen. Gegen Ende des letzten Jahres wurden die unwirtschaftlichen Schulden des JV mit den Banken neu verhandelt, die Partner des JV ausgezahlt, ein neuer und verbesserter Fünf-Jahres-Vertrag mit Landwirt/innen für Raps vereinbart und das Geschäft in Baleycourt umstrukturiert. „Wir hatten schon längere Zeit daran gedacht, die zusätzlichen Kapazitäten für die Herstellung von Rapsöl und nicht für die Produktion von Biokraftstoffen zu verwenden. Wir benötigten dazu jedoch die Zustimmung aller Parteien“, so Steve. „Das JV konnte seine Schulden seit Ende 2010 bei seinen Gläubigern nicht bedienen und steuerte auf eine Insolvenz zu. Der Misserfolg war eine Option, INEOS sieht jetzt aber eine Zukunft in der Welt der Ölsaaten und des Biodiesels, während gleichzeitig die strategische Lieferung von lokalem Saatgut von französischen Genossenschaften aufrechterhalten wird. Mit diesem neuen Projekt haben wir einen Fuß in der Tür. Wir wissen, dass der Ölmarkt bereits sehr groß ist, aber wir sind zuversichtlich.“ Die Saat für dieses neue Abenteuer wird derzeit auf den Feldern um den 25 Hektar großen Standort in der Nähe von Verdun ausgebracht. In Baleycourt, wo 150 Menschen beschäftigt sind und ein Umsatz von 250 Millionen Euro pro Jahr erzielt wird, geht es aber nicht nur um Biokraftstoffe. An diesem kleinen französischen Standort werden seit mehr als 40 Jahren hochwertige Weichmacher aus Alkoholen und Säuren hergestellt. Dank der Entwicklung der phthalatfreien CEREPLAS™-Ester floriert das Geschäft von INEOS. Diese Stoffe werden heute eingesetzt, um PVC-Frischhaltefolie und Lebensmitteltüten, Armaturenbretter, Vinylbodenbeläge, Rohrleitungen und Beutel für die Medizinbranche herzustellen. In den letzten fünf Jahren wurde drei neue Produktklassen – Terephthalate, Trimellitate und Sebacate – entwickelt und auf den Markt gebracht. Dies führte zu einem Umsatzanstieg von mehr als 20 Prozent. „Dieses Wachstum wurde von einer entsprechenden Marktnachfrage und unserer proaktiven Aufnahme von Kundentrends befeuert“, so Steve. Phthalate werden eingesetzt, um Kunststoffe weich und flexibel zu machen und ihre Bruchfestigkeit zu verbessern. Ihr Einsatz wird aufgrund der Sorgen um potenzielle Gesundheitsrisiken jedoch genau unter die Lupe genommen. „INEOS hat angesichts dieser Sorgen alternative, phthalatfreie Ester mit gleichen Eigenschaften entwickelt“, erklärt Steve. „Einige unserer Mitbewerber stellen immer noch phthalathaltige und phthalatfreie Produkte her. Wir haben uns aber dafür entschieden – und das war wichtig für uns –, den Standort zu 100 Prozent phthalatfrei zu machen. Auch wenn wir unsere Umsatzmöglichkeiten damit einschränkten, konnten wir unseren Kunden versichern, dass wir ihnen nie – auch nicht per Zufall – phthalathaltige Produkte liefern.“ Baleycourt, wo pro Jahr mehr als 700.000 Tonnen verschiedener Produkte umgeschlagen werden, stellt zudem Ester für den Schmiermittelmarkt her. „Die Zukunft des Estergeschäfts bedeutet den ständigen weiteren Ausbau von speziell zugeschnittenen intelligenten Lösungen“, so Ashley. Daneben wird weiter der sich immer wandelnde Markt genau beobachtet und die Entwicklung innovativer Produkte zur Erfüllung der Anforderungen der Kunden von INEOS vorangetrieben. „INEOS Enterprises ist heute als wichtiger Lieferant von Estern in Europa anerkannt. Dies ist eine hervorragende Leistung, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Esterkunden in der Vergangenheit Änderungen aufgrund langwieriger Zulassungsprozesse ihrer nachgeschalteten Kunden eher kritisch gegenüberstanden“, erklärt Ashley.

    20 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Sicher unterwegs

    Sicherheit steht bei INEOS an oberster Stelle. Das muss auch so sein, da die Aktivitäten des Unternehmens in einem gefährlichen Umfeld stattfinden. Die Jahre mögen vergehen, doch die Einstellung von INEOS hinsichtlich der persönlichen und prozessbezogenen Sicherheit bleibt immer gleich. Diesem Thema wird sogar eine immer größere Bedeutung beigemessen, wie Stephen Yee erklärt. Sicherheit passiert nicht einfach. Dazu bedarf es großer Anstrengung und der Unterstützung aller – aller Beschäftigten, der Arbeitgeber und der Partnerfirmen – um zu verstehen, was auf dem Spiel steht, wenn ein Unternehmen wie INEOS in dieser Hinsicht versagen sollte. „Unsere Verpflichtung zur Sicherheit steht als Kernwert unseres Unternehmens ganz oben“, erläutert Stephen Yee, Business Safety Health and Environment Manager bei INEOS ChlorVinyls im britischen Runcorn. „Wir alle wissen, dass eine nachhaltige und langfristige Zukunft unseres Unternehmens von unserer Erfolgsquote im Bereich Sicherheit, Gesundheit und Umwelt abhängt.“ Vergangenes Jahr war ein gutes Jahr für INEOS, trotz der Entscheidung, das OSHA-System zu übernehmen (Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz): ein strikteres, in den USA entwickeltes System, mit dem Unfälle, Verletzungen und Krankheitsfälle am Arbeitsplatz erfasst werden, damit andere die Leistung im Vergleich mit den Besten bewerten können. „Wir wissen in der Zwischenzeit, dass INEOS sehr gut dem Vergleich mit anderen Größen wie Shell und Dow Chemical standhält“, sagt Stephen, der die Sicherheitsberichte der Gruppe zusammenstellt. „Aus den Daten geht aber auch hervor, dass geringere Verletzungsraten erzielt werden können. Auf Basis unserer eigenen Analyse und zurückblickend auf die letzten fünf Jahre, haben wir eine Verbesserung von etwa 50 Prozent im Vergleich zu 2008 erreicht. 2013 wurden 70 Verletzungen weniger gemeldet.“ Das vergangene Jahr verlief für INEOS O&P Europe North besonders gut. Das Unternehmen gewann zum zweiten Mal den „INEOS SHE Award“ für seine hervorragende Sicherheitsleistung und als gutes Beispiel im Bereich der Prozesssicherheitsmanagements. Laut Dr. Hans-Ludwig Niederberger, Chief Operations Officer, ist klare Kommunikation einer der Gründe für den Erfolg des Unternehmens im letzten Jahr. SHE Line Manager haben die wichtige Aufgabe, alle Beschäftigten darüber zu informieren, was erwartet wird. „Jeder einzelne Standort hat zudem eigene Ziele für SHE-bezogene Verbesserungen im Laufe des Jahres. Diese werden jeden Monat überprüft“, fügt er hinzu. Bei INEOS O&P Europe North wurden im Laufe des Jahres 2013 vier Verletzungen gemeldet. „Daraus ergab sich eine Verletzungsrate von 0,12 Verletzungen für jede der 200.000 registrierten Arbeitsstunden“, erklärt er. „Werte zwischen 0,20 und 0,25 werden bereits als erstklassig angesehen.“ Laut Stephen werden bei INEOS die Standorte mit der besten Leistung betrachtet, um Standorte mit der schlechtesten Leistung hinsichtlich Sicherheitsfragen zu unterstützen. „Wir können – und wollen – von den besten Standorten lernen, wie man mit dem Thema Sicherheit umgehen soll, um die Leistung aller Geschäftsbereiche zu verbessern“, erklärt er. Bei INEOS in Köln wurde eine Plakatkampagne („Unfälle werfen lange Schatten“) mit sehr deutlicher Bildsprache eingesetzt, um die Beschäftigten aufzufordern, über die möglichen Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken. Jürgen Schmitz, Leiter der Abteilung Arbeitsschutz, ist dafür verantwortlich, den nahezu 2.000 eigenen und 1.000 Partnerfirmenbeschäftigten vor Ort die wichtigsten Botschaften zum Thema Sicherheit zu vermitteln. Seiner Meinung nach ist die Kampagne sehr gut aufgenommen wurden, allerdings sei es schwierig, eine Verbindung zwischen der Kampagne und der Verbesserung der Sicherheitsleistung des Standorts herzustellen. „Viele Komponenten, die sich auf den Arbeitsschutz beziehen, haben zu dieser Verbesserung beigetragen“, erklärt er. Neben der Kampagne nahmen 2013 alle Auszubildenden und Führungskräfte – von der Schichtleitung bis zur Geschäftsführung – an einem verpflichtenden Sicherheitsseminar teil. Blickt man auf dieses erfolgreiche Jahr zurück, gibt es laut Stephen einige „herausragende Meilensteine“. In der ChlorVinyls-Anlage von INEOS in Schweden gab es seit 30. Dezember 2010 keine einzige Verletzung. „Tausend Tage ohne eine meldepflichtige Verletzung zu arbeiten, ist ein Grund für die Anlage, stolz zu sein“, fügt er hinzu. Laut Helen Axelsson, die für den Bereich Arbeits- und Umweltschutz sowie Qualitätssicherung verantwortlich ist, liegt der Grund für die beeindruckende Leistung der Anlage darin, dass das Verhalten der Beschäftigten über einen Zeitraum von zehn Jahren sehr genau beobachtet wurde. „Wir pflegen ein offenes Sicherheitsklima, in dem alle es allen sagen können, sollten sie eine unsichere Arbeitsweise bei anderen beobachten“, erklärt sie. „In den letzten drei bis vier Jahren hat sich bei uns folgendes Motto etabliert: ,Wir haben immer Zeit, sicher zu arbeiten.’ Ich denke, dass alle – eigene und Partnerfirmenbeschäftigte – der Meinung sind, dass dem so ist.“ Im vergangenen Jahr hat jeder Unternehmensbereich bei INEOS zudem die vom Prozesssicherheitsteam vorgegebenen 20 Sicherheitsprinzipien in einem selbst vorgegebenen, sehr knappen Zeitrahmen umgesetzt. Diese Prinzipien wurden auf Grundlage von Unfällen oder Beinaheunfällen entwickelt. „Wir haben die Prinzipien nicht nur umgesetzt, sondern auch jeden Unternehmensbereich unabhängig dazu prüfen lassen“, erläutert Stephen. „Das Auditorenteam bestand aus Standort- und Produktionsmanagern anderer Standorte, wodurch der Austausch bewährter Praktiken gefördert werden soll.“ Er weist jedoch darauf hin, dass sich die Beschäftigten den Kopf nicht unnötig zu Statistiken zerbrechen sollen. „Unser Fokus ist simpel“, fügt er an. „Wir machen einen Schritt nach dem anderen und konzentrieren uns darauf, was jede und jeder einzelne dazu beitragen kann, um Unfälle von Beschäftigten an unseren Standorten zu vermeiden. Die guten Ergebnisse stellen sich von selbst ein.“ Wie bei vielen Dingen kann man sich auch hier noch verbessern. „Ich finde es aber sehr frustrierend, dass es immer noch zu Verletzungen kommt, die vermieden werden können, wenn die Menschen nur kurz innehalten und nachdenken würden, bevor sie handeln“, merkt er an. Auf Konzernebene will INEOS erreichen, dass jeder Geschäftsbereich seine Sicherheitsleistung um weitere 10 Prozent steigert. „Die SHE-Ziele sind zwar eine Herausforderung“, so Stephen. „Aber sie können erreicht werden.“

    10 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • INEOS verfeinert ziele

    Da Europa inzwischen einer der teuersten Standorte für die Herstellung von Chemikalien weltweit geworden ist, benötigen energieintensive Unternehmen wie INEOS kreatives Denken, um im Geschäft zu bleiben. Am französischen Standort in Lavéra sind Änderungen bereits auf dem Weg. Marseille ist die älteste und zweitgrößte Stadt Frankreichs. Hier gibt es kilometerlange Sandstrände und sehenswerte Bauwerke. Daher würde man nicht damit rechnen, in unmittelbarer Nähe auf eine Rohölraffinerie zu treffen, in der täglich Tausende Tonnen Benzin, Kerosin, Diesel und Heizöl produziert werden. Aber so ist es. Die petrochemische Anlage von INEOS in Lavéra und die Erdölraffinerie von Petroineos, die weniger als 50 Kilometer westlich von Marseille liegen, verbrauchen so viel Strom wie die Stadt selbst. Und genau darin liegt das Problem. „Wir müssen ständig an der Verbesserung unserer Energieeffizienz arbeiten“, erklärt Jean-Noël Large, dessen Aufgabe darin besteht, die Energieeffizienz der 81 Jahre alten Raffinerie zu verbessern. „Dies gehört zu INEOS’ ersten Prioritäten, und das nicht nur in Frankreich. Unsere hohen Energiekosten sind ein Problem für ganz Europa. Im Vergleich zu Amerika und Asien sind unsere Energiekosten unglaublich hoch. Im Vergleich zu petrochemischen Unternehmen ähnlicher Größe und Raffinerien auf anderen Kontinenten sind wir in einer schwierigen Lage, und die Beschäftigten am Standort sind sich dieser Situation sehr wohl bewusst.“ Jean-Noël arbeitet eng mit den Techniker/innen, mit der Fertigung sowie mit Prozess- und Wartungsingenieur/innen des Standorts, mit Expert/innen von INEOS Technologies und externen Partner/innen zusammen. „Das Modellierungsteam von INEOS Technologies kann Simulationen erstellen, wie die Effizienz des Standorts verbessert werden kann“, erklärt er. Der 650 Hektar große Standort in Lavéra ist einer der größten petrochemischen Standorte in Europa. Als Jean-Noël 1989 zum Unternehmen kam, war der Standort noch in Besitz von BP. INEOS übernahm ihn vor neun Jahren im Dezember 2005 mit der Übernahme von Innovene von BP für 9 Milliarden US-Dollar. „Als der Standort noch zu BP gehörte, waren die Energiekosten wettbewerbsfähig“, erläutert er. „Inzwischen sind die Energiepreise in Europa allerdings immer weiter gestiegen und der Schiefergasboom hat die Energiepreise unserer Konkurrenz in den USA erheblich reduziert. So ist eine enorme Differenz zwischen diesen Märkten entstanden. Energie hat inzwischen oberste Priorität, ebenso wie die Zuverlässigkeit des Standorts.“ Laut INEOS Group Director Tom Crotty haben die explodierenden Energiekosten in Europa dazu geführt, dass die Herstellung einer Tonne Ethylen für den Geschäftssbereich INEOS Olefins & Polymers in Frankreich doppelt so teuer ist wie in Amerika. „Möchten wir auch in den nächsten Jahren noch wettbewerbsfähig sein, so ist es unerlässlich, unsere Energiekosten zu senken“, sagt Jean-Noël. Er widmet sich momentan vielen Projekten. Kleinere Projekte, u. a. ein Dampfbilanztool für die Analyse des Dampfverbrauchs in der gesamten Raffinerie, wurden bereits umgesetzt, andere laufen noch. Bisher konnte durch Investitionen und sorgfältige Überprüfung eine Verminderung von 20 Prozent von Dampfleckagen erreicht werden – weitere folgen. In diesem Jahr wird es zudem eine bedeutende Veränderung an einem der Raffinerieöfen geben. Die Anlage für die Rohöldestillation wird derzeit mit einer Mischung aus Flüssigkeit und Gas betrieben, ab Mai soll sie nur noch mit Gas betrieben werden. „Derzeit werden bei der Verbrennung von Flüssigbrennstoffen Ablagerungen im Brennofen erzeugt, die seine allgemeine Effizienz beeinträchtigen“, so Jean-Noël. Durch die Verbesserung der Effizienz des Blocks wird weniger Brennstoff verbrannt, Geld wird gespart und Emissionen werden gesenkt. Petroineos Manufacturing France investiert bis Mitte 2015 in ein 70-Millionen-Euro-Projekt für die Installation zwei neuer und moderner Dampfkessel. Damit verbessert sich die Effizienz der Raffinerie weiter und eine Verminderung der Emissionen wird erreicht. Im Jahr 2002 entwichen am Standort 13.000 Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre. Bis 2013 konnte INEOS diese Zahl durch Sanierungen und Investitionen um 70 Prozent pro Jahr vermindern. „Mit den Änderungen, die wir umsetzen, können wir die Emissionen bis 2016 um mehr als 90 Prozent reduzieren“, erklärt Jean-Noël. Ihm zufolge haben alle Projekte erheblichen Einfluss auf die Effizienz der Raffinerie und unterstützen den Standort dabei, seine Wettbewerbsfähig wieder zu erhalten. „Wir streben Einsparungen in Höhe von bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr an“, fügt er hinzu. Jean-Noël freut sich auf die Zukunft Lavéras und seinen Einfluss darauf. „Ich habe die Freiheit, alle Möglichkeiten auszuprobieren, mit denen etwas bewegt werden kann. Das hilft unserer Leistung und der Kostenreduzierung fürs Unternehmen“, erklärt er. „Mein Forschungsbereich deckt alle Bereiche der Raffinerie und sämtliche Quellen möglicher energiebezogener Verbesserungen ab. Ich hoffe, dass mir meine Erfahrung und mein Wissen über den Standort und die Beschäftigten dabei behilflich sein werden, diesen Aktionsplan umzusetzen.“

    8 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Fachleute erkunden optionen

    INEOS’ radikaler Ansatz 2009 wird sich im kommenden Jahr rechnen, wenn die ersten Lieferungen mit kostengünstigem Ethan aus den USA im norwegischen Rafnes eintreffen werden, um die Betriebskosten der INEOS-Gaskracker in Europa zu senken. Doch warum soll man es dabei belassen? Diese Frage stellt sich INEOS jetzt. INEOS hasst Verschwendung. Dazu gehört auch die Verschwendung von Chancen, Geschäftsbereiche effizienter zu führen. Nach Abschluss bahnbrechender 15-Jahres-Verträge mit zwei US-amerikanischen Unternehmen über den Import von günstigem, aus Schiefer gewonnenem Ethangas aus den USA nach Europa, mit dem die Betriebskosten der europäischen Anlagen gesenkt werden sollen, blickt INEOS nun Richtung Großbritannien. Ein neues, von Gary Haywood geleitetes Team wägt gerade die Vor- und Nachteile der Schiefergasgewinnung und -erzeugung in Großbritannien ab, da dieses Land zu den wenigen Ländern in der EU gehört, das die Bedeutung des hydraulischen Aufbrechens (auch bekannt als „Fracking“) erkannt hat. Dabei können Gas und Flüssigkeiten aus Schieferformationen extrahiert werden. Gary zufolge war die Unterstützung der Schiefergaserkundung durch die britische Regierung ein wichtiger Faktor für die Entscheidung seitens INEOS, in ein eigenes Projektteam zu investieren, das im Februar gegründet wurde. „Ohne Unterstützung der Regierung wäre die Entwicklung der Schiefergasgewinnung praktisch unmöglich“, erklärt er. Die britische Regierung hat inzwischen eine Behörde für unkonventionelle Gas- und Ölförderung eingesetzt (Office of Unconventional Gas and Oil), über welche die sichere, verantwortungsvolle und umweltverträgliche Gewinnung der Schiefergas- und Erdölressourcen in Großbritannien gefördert werden soll. Weiterhin wurden Steuererleichterungen angekündigt, um Investitionen zu erleichtern. „Die Regierung hat erkannt, dass Schiefergas Großbritannien potenziell eine größere Energieversorgungssicherheit, Wachstum und Arbeitsplätze bieten und zudem die chemische und energieintensiven Fertigungsindustrien in Großbritannien weiter auf Erfolgskurs halten kann“, erläutert Gary. Bis heute wurden 176 Lizenzen für die Erkundung und Entwicklung der Erdölförderung (Petroleum Exploration and Development Licences, PEDL) für Öl- und Gasvorkommen auf dem britischen Festland vergeben. Im Laufe des Jahres sollen weitere Lizenzen hinzukommen. Die Schiefergasrevolution in den USA hat die amerikanische petrochemische Industrie gewandelt. Die US-amerikanischen Gaspreise betragen inzwischen ein Drittel bzw. die Hälfte der Preise in Europa (und ein Viertel der Preise in Asien). Dies hat sich auch auf die Rohstoffe für Kracker positiv ausgewirkt. Dennis Seith, CEO von Olefins & Polymers (USA), erklärt, dass die Auswirkungen der verminderten Energiekosten für die amerikanische Industrie geradezu phänomenal waren. Man geht davon aus, dass die US-amerikanischen Chemieunternehmen bis 2020 mehr als 70 Milliarden Dollar in neue Fertigungsanlagen investieren werden. Die Kostenvorteile haben diese Entwicklung beschleunigt. Die Faktoren, welche die Gaspreise in Großbritannien beeinflussen, sind komplex und unterscheiden sich deutlich von den Faktoren in den USA. Es ist unwahrscheinlich, dass die Auswirkung einer hohen Schiefergaserzeugung auf die Gaspreisentwicklung genau der Situation in den USA entsprechen wird. Es bestehen jedoch keine Zweifel, dass die Entwicklung dieser nationalen Ressource die Wettbewerbsfähigkeit des britischen Gasmarktes fördern und die Energieversorgungssicherheit, die Zahlungsbilanz und die Zahl der Arbeitsplätze verbessern wird. Im Januar forderte der britische Premierminister David Cameron, bestätigt durch die Entwicklung in den USA, die Europäische Union auf, die Schiefergaserkundung nicht mit voreiligen regulatorischen Bürden zu belasten, da Investoren sich sonst woanders umsehen würden. „Es wird weiterhin eine umfangreiche Öl- und Gasproduktion geben, aber Europa wird trocken sein“, warnte er das Weltwirtschaftsforum. Er forderte die EU auf, stattdessen die Chance zu nutzen. „Ich verstehe die Bedenken vieler Bürgerinnen und Bürger“, fügte er hinzu. „Wir brauchen die richtigen Verordnungen. Die Regierungen müssen den Menschen versichern, dass die Entwicklung nur dann vorangetrieben wird, wenn Gefahren für die Umwelt ausgeschlossen werden können. Wenn die Förderung richtig angegangen wird, entstehen durch Schiefergas sogar weniger Emissionen als durch importiertes Erdgas.“ Garys Team hat die Arbeit bereits aufgenommen. Man geht davon aus, dass es in Großbritannien riesige und ungenutzte Vorkommen an Schiefergas gibt. Die Frage ist nur, ob dieses Gas auch wirtschaftlich extrahiert werden kann. Ein Teil der Aufgaben des INEOS-Teams besteht darin, die Geologie Großbritanniens zu erforschen und die vielversprechendsten Gebiete für eine wirtschaftliche Förderung zu ermitteln. Eine wirtschaftliche Produktion von Schiefergas erfordert auch die richtigen Oberflächenbedingungen, die Verfügbarkeit des Gebiets und die erforderliche Infrastruktur. Das Team arbeitete auch mit anderen Chemieunternehmen, energieintensiven Abnehmern und Produktionsunternehmen für die Schiefergasförderung zusammen, um herauszufinden, wie der skeptischen Öffentlichkeit am besten vermittelt werden kann, dass Schiefergas in einer sicheren und umweltverträglichen Art und Weise abgebaut werden kann. „Das Umfeld ist momentan schwierig“, so Gary. „Die Menschen machen sich Sorgen. Wir müssen sie aufklären und ihnen die Furcht nehmen. Es wird gelegentlich sehr emotional argumentiert und nicht mit soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen oder auf Wissen beruhenden Fakten.“ INEOS hat bereits eine Strategie entwickelt, wie man die Öffentlichkeit vom realen Bedürfnis der Schiefergasförderung überzeugen kann. Sie soll in Debatten im Parlament, in den Medien und über INCH zum Tragen kommen. Weiterhin sollen unseren eigenen Beschäftigten die Vorteile vermittelt werden, in der Hoffnung, dass sie auch zu einer Verbreitung der Fakten beitragen. „Wir müssen unbedingt klarmachen, dass die chemische und die energieintensiven Industrien in Großbritannien weiter wettbewerbsfähig bleiben müssen oder sie sonst in eine ziemlich trostlose Zukunft blicken“, warnt Gary. „Europa wird momentan mit wachsender Konkurrenz aus den USA und dem Nahen Osten konfrontiert, wo Energie- und Rohstoffpreise sehr niedrig sind. Wir müssen erklären, dass die Entwicklung unserer Schiefergasressourcen eine Möglichkeit ist, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.“ INEOS kann Schiefergas als Rohstoff oder Energiequelle für die eigenen Ethylenkracker verwenden, besitzt aber auch Gelände, Pipelines und Lagermöglichkeiten in einigen Schlüsselgebieten, die in Großbritannien erkundet werden sollen. „All dies, verbunden mit der hervorragenden Produktionsexpertise von INEOS, der strengen Einhaltung von Sicherheitsvorgaben und den guten Beziehungen zu den Gemeinden, in denen wir tätig sind, bedeutet, dass INEOS etwas Einmaliges in diese neue Branche einbringen kann“, erklärt Gary. „INEOS kann sich schließlich dazu entscheiden, selbst nach Schiefergas zu bohren.“ INEOS hat umfangreiche externe Erfahrungen in dieses Team gebracht, die bei der Bewertung dieser aufregenden Chance helfen sollen. Tom Pickering hat mehr als zehn Jahre Erfahrungen in der Schiefergaserkundung und -produktion in Europa. Von allen Bewerbern hat er sich zudem um die meisten britischen Festlandlizenzen bemüht und diese auch erhalten. Gareth Beamish verfügt über 30 Jahre Erfahrungen als Geowissenschaftler bei großen Unternehmen wie Exxon Mobil und der BG Group. Über fünf Jahre konnte er weltweit Erfahrungen in der globalen Schiefergaserkundung sammeln. „Wir wollen herausfinden, was für uns Sinn macht“, so Gary. „Wir sind auf jeden Fall große Unterstützer der Schiefergasproduktion. Ob wir nun lediglich als Befürworter auftreten oder direkt in die Erkundung und Produktion eingebunden werden oder uns für eine Art Kompromissmodell entscheiden, hängt davon ab, wie die Bewertung der Vorteile und Risiken unserer Möglichkeiten verläuft. Letztendlich hängt es auch davon ab, wie INEOS Capital diese Vorteile und Risiken bewertet und wie sie die Ressourcen des Unternehmens einsetzen möchten.“ Sollte es in Großbritannien tatsächlich gelingen, die riesigen Schiefergasressourcen zu nutzen, könnte dies, so Gary, einen Dominoeffekt für ganz Europa hervorrufen. „Wir können natürlich nicht sicher sein, aber wir glauben fest daran, dass die positive Entwicklung in einem europäischen Land Einfluss auf den Rest Europas nehmen wird“, fügt er hinzu „Die Menschen suchen nach sicheren, wettbewerbsfähigen und umweltverträglichen Energieoptionen und wir glauben daran, dass wir, sobald alle Tatsachen zur Schiefergasproduktion bekannt sind, mit ihrer Unterstützung rechnen können.“

    10 minuten lesezeit Ausgabe 6
  • Arbeitskampf in Grangemouth

    Der Standort Grangemouth mit dem Refining-Joint-Venture Petroineos gehört zu den drei größten INEOS-Standorten. Er wurde vor mehr als 50 Jahren zur Verarbeitung von Erdöl und Erdgas aus der Nordsee errichtet. video Seit der Krise 2008 war die Leistungskraft des Standortes gesunken, und um über die Runden zu kommen, war er seither jedes Jahr finanziell auf andere Geschäftsbereiche der INEOS-Gruppe angewiesen. Insgesamt mussten in diesem Zeitraum von der Gruppe 600 Millionen GBP (715 Millionen Euro) aufgewendet werden. Zum Komplex gehören zwei Unternehmensbereiche, die beide ihre Probleme haben. Seit Ausbruch der Krise litt der Raffineriesektor in Europa unter dem schlechten Geschäftsumfeld und niedrigen Gewinnspannen. Er litt zudem unter geringer Zuverlässigkeit und hohen Kosten. Im Zentrum des zweiten Geschäftsbereichs befindet sich Chemicals mit dem KG-Kracker, der Nordseegas in Olefine umwandelt. Diese Gasvorkommen haben in den letzten Jahren rapide abgenommen, weshalb wir nur zu 50 Prozent ausgelastet sind. Hinzu kommt die viel zu hohe Kostenbasis. Grangemouth (Chemicals und Refining) konnte seine hohen Fixkosten nicht senken, was eine anhaltende Belastung für das Unternehmen darstellte, da die am Standort ansässige britische Gewerkschaft Unite keine Gesprächsbereitschaft über den Ernst der Lage signalisierte. Die Pensionsregelungen sind ein Paradebeispiel für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Die typische Rente entspricht in Grangemouth in vielen Fällen 65 Prozent des Gehalts. Das ist einfach nicht bezahlbar. Löhne und Gehälter sind doppelt so hoch wie im britischen Durchschnitt. Alle Versuche, über diese unhaltbare Situation zu sprechen, waren erfolglos und wurden mit Streikdrohungen beantwortet. Unite drohte 2013 dreimal mit Streik: im Februar, Juli sowie im October. Durch Streikmaßnahmen im Jahr 2008 entstanden dem Unternehmen Kosten von 120 Millionen GBP und verhinderten in Grangemouth dringend notwendige Infrastrukturinvestitionen. Nach einem „Sommer der Unzufriedenheit“ mit dem Gewerkschaftsvertreter Stevie Deans, der bedauerlicherweise INEOS-Einrichtungen und Informationen missbraucht hatte und immer höheren Verlusten, beschlossen wir, dass der Standort Grangemouth entweder einlenken oder geschlossen werden müsste. Das einzige positive Zukunftsszenario für Chemicals bestand in der Ergänzung schwindender Erdgasreserven in der Nordsee durch Schiefergas aus den USA, das reichlich und günstig zu haben ist. Zum Transport umfangreicher Gasmengen sind jedoch Investitionen und Infrastruktur nötig. Für den Umgang mit Flüssiggasen bei Temperaturen von -100°C braucht man Spezialschiffe und große Import- und Exportterminals. Die für den Import und die Verarbeitung von US-Schiefergas in Grangemouth erforderliche Gesamtinvestitionssumme beträgt etwa 300 Millionen GBP, wozu allein 150 Millionen GBP zum Bau des Importterminals vor Ort benötigt werden. Vor dem Sommer hatte INEOS Capital gegenüber dem Management Bereitschaft gezeigt, dieses „Transformationsprojekt“ für Grangemouth zu finanzieren, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Kosten einschließlich der unerschwinglichen Rentenregelungen und Gesamtlohnkosten für das Personal auf 100.000 GBP pro Jahr (120.000 EUR bzw. 160.000 USD) gesenkt werden. Das Management erstellte einen „Überlebensplan“ für Grangemouth, der u. a. vorsah, die aktuellen Rentenregelungen abzuschaffen und durch ein branchenführendes Altersversorgungssystem, einen dreijährigen Lohnstopp und Änderungen bei Kündigungsbedingungen und Arbeitsflexibilität zu ersetzen. Als Gegenleistung erklärte sich INEOS dazu bereit, 300 Millionen GBP in den Import von US-Erdgas zu investieren. Die Gewerkschaft Unite zeigte weiterhin keine Gesprächsbereitschaft zum „Überlebensplan“, was unvermeidlich weitere Verluste nach sich zog und ferner bedeutet hätte, dass andere Geschäftsbereiche der INEOS-Gruppe Grangemouth weiter unterstützen müssten. Die Beschäftigten wurden zur Abstimmung über den Überlebensplan gebeten, doch war das Ergebnis bedauerlicherweise gespalten. Diesem enttäuschenden Wahlausgang folgten zahlreiche interne Besprechungen, nach denen wir keine andere Möglichkeit hatten, als die Schließung des Bereichs Chemicals anzukündigen, um weitere Verluste abzuwenden. In letzter Minute lenkte die Gewerkschaft ein und stimmte den erforderlichen Reformen zu, um die Finanzierung von 300 Millionen GBP zu sichern. Rückblickend war das Ergebnis für den Standort sehr positiv. Damit ist sein Fortbestand erst einmal gesichert und Grangemouth kann in eine gute und nachhaltig angelegte Zukunft blicken. Allerdings ist es sehr schade, wie der ganze Prozess abgelaufen ist. Bei Beschäftigten und deren Angehörigen wurden Ängste geschürt und von Firmengelder in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro vergeudet. Das war nicht notwendig und verschwenderisch. In Grangemouth muss eine konstruktive Form des Dialogs zwischen Beschäftigten und dem Management gefunden werden, wie dies in nahezu allen unserer Standorte der Fall ist, unabhängig davon, ob sie gewerkschaftlich organisiert sind oder nicht. In den letzten Jahren gab es zwei Streiks, die 200 Millionen Euro kosteten, Jahre aggressiver Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften, viele Streikdrohungen und schwere Verluste. Die Welt ist im Wandel, Unternehmensglück dreht und wendet sich. Manchmal ist Wandel unausweichlich und zu Gesprächen darüber bedarf es eines wirksamen Forums. Für die Zukunft fordere ich die Beschäftigten von Grangemouth auf sich zu überlegen, wie sie effizient und konstruktiv vertreten werden wollen und zu bedenken, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber von einer erfolgreichen Zukunft für Grangemouth profitieren. JIM RATCLIFFE

    7 minuten lesezeit Ausgabe 5
  • Grangemouth

    Im Herbst nahm der Arbeitskampf am Raffineriestandort Grangemouth eine neue Wendung. Als bekannt wurde, dass der Petrochemieanlage im schottischen Falkirk nach einer mit der Gewerkschaft Unite geschlossenen Vereinbarung doch keine Schließung drohte, kam es zum Vorwurf einer Mobbing- und Einschüchterungskampagne, die an die Militanz britischer Gewerkschaften in den Siebzigern und Achtzigern erinnerte. Nach Aussage eines leitenden Managers von INEOS, dem Betreiberunternehmen von Grangemouth, soll ihm die Gewerkschaft Unite einen Mob von Demonstranten vor die Haustür geschickt haben, weshalb er um die Sicherheit seiner Frau und seiner beiden kleinen Kinder fürchtete. Die Tochter eines anderen Direktors, die in der Hunderte Kilometer von Grangemouth entfernten englischen Grafschaft Hampshire lebt, sagte zwischenzeitlich aus, sie habe ein Plakat erhalten, auf dem ihr Vater steckbrieflich gesucht wurde. David Cameron bezeichnete diese Anschuldigungen als „ausgesprochen schockierend“ und verlangte von der Labour-Partei, den Behauptungen über die Gewerkschaft nachzugehen, da diese der größte Geldgeber der Partei ist.  Laut Unite-Generalsekretär Len McCluskey sei diese Taktik „rechtmäßig und legitim“ er fügte hinzu: „Wenn ein Unternehmenschef unserer Meinung nach Beschäftigte, deren Familien und Gemeinden unfair attackiert, dann denken wir, dass die Idee, gesichtslose Direktoren können sich in grüne Vororte zurückziehen und mit diesem Verhalten ungestraft davon kommen, falsch ist.“  Hier spricht INEOS-CEO Jim Ratcliffe nun darüber, wie er der Gewerkschaft gegenübertrat und was die britische Industrie von einem aufstrebenden Deutschland lernen kann. INEOS-CEO Jim Ratcliffe über den arbeitskampf in Grangemouth und militante gewerkschaften Gegen Ende 2005 erwarb INEOS Innovene, den Petrochemieteil von BP, zu einem Preis von 9 Milliarden USD. Damit vervierfachte sich die Größe von INEOS von einem Tag auf den anderen. Einige der größten Industriestandorte weltweit gehörten nun zum Unternehmen, darunter Köln in Deutschland. Drei Monate später besichtigte ich den Kölner Standort, der ungefähr so groß wie Grangemouth, aber viel profitabler ist. Dabei traf ich den Betriebsratsvorsitzenden. Er heißt Siggi, ist etwa 1,95m groß und hat den Ruf, die Belegschaft energisch, aber fair zu vertreten. Nach einem fünfzehnminütigen Kennenlerngespräch sagte er: „Jim, ich mag Ihr Bonussystem nicht.“ Verblüfft fragte ich ihn: „Aber warum denn, Siggi? Unser Bonussystem ist doch sehr großzügig.“ Er antwortete: „Ich fände es besser, wenn Sie das Geld für den Standort, für Investitionen, Wartungsmaßnahmen und Anstriche verwenden, damit wir sicher sein können, dass es noch Arbeit für die Kinder und Enkelkinder unserer Beschäftigten gibt.“  An diesem Standort gab es noch nie einen Streik, nicht einmal andeutungsweise. Die Gewerkschaft, die Beschäftigten und INEOS verfolgen ein gemeinsames Ziel, nämlich eine auf lange Sicht erfolgreiche Zukunft. Die Beschäftigten haben hochqualifizierte Jobs, INEOS erwirtschaftet hohe Renditen und investiert in den Standort.  Leider sind Chemieanlagen in Deutschland ausnahmslos in einem besseren Zustand und arbeiten effizienter als vergleichbare in Großbritannien. Bedauerlicherweise muss man auch zugeben, dass die Chemieindustrie in Deutschland besser ist als in Großbritannien, wo eine Reihe von Schließungen im Nordosten und Nordwesten vorgenommen wurde.  Im Petrochemiewerk Grangemouth in Falkirk fehlte der konstruktive Dialog, den wir in Köln fanden. In großen Firmen, in denen die Kommunikation mit 1.000 Beschäftigten schwierig ist, können Gewerkschaften eine wichtige Rolle spielen. Sie können mit dem Management Jahresprämien aushandeln, Beschwerdefälle bearbeiten sowie bei komplizierten Veränderungen im Arbeits- oder Pensionsrecht aufklären und beraten. Meiner Meinung nach müssen sie jedoch verstehen, dass ein Unternehmen rentabel arbeiten muss, um überleben zu können, dass die Welt sich stetig wandelt, sodass Unternehmen sich anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und schließlich, dass ihre Funktion darin besteht, die langfristige Beschäftigung ihrer Mitglieder zu sichern.    In diesem Jahr drohte Unite dreimal mit Streik am Standort Grangemouth: im Februar, Juli und Oktober. Im Februar forderte die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von 3,9 Prozent; ein Niveau, das sich das Unternehmen einfach nicht leisten konnte. Uns blieb keine andere Wahl als einzulenken, da der Standort nicht auf einen Streik vorbereitet war und davon einfach zu großen Schaden genommen hätte. Unite-Generalsekretär Len McCluskey rief Ende Juli persönlich im Werk an und verlangte die Wiedereinstellung von Stevie Deans, der beurlaubt worden war, da Tausende interner E-Mails der Labour-Partei in unserem Computersystem gefunden worden waren. „Ansonsten,“ so drohte McLuskey, würde er „Grangemouth zum Stillstand bringen“. Wiederum hätte ein Streik damals zu viel Schaden angerichtet. Schließlich brachte im Oktober ein Tropfen das Fass zum Überlaufen. Unite erklärte, wegen der Ermittlungen gegen Stevie Deans in Streik zu treten. Die mangelnde Gesprächsbereitschaft hinsichtlich der Zukunftsaussichten des Standorts war allerdings kritisch und viel zerstörerischer. Ohne Änderungen hätte Grangemouth nicht überlebt. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, sich an ein verändertes Umfeld anzupassen und sowohl effizienter als auch wettbewerbsfähiger zu sein, weil die Gewerkschaft den Standort fest im Griff hatte. Auf jeden Beschäftigten am Standort Falkirk entfallen pro Jahr beinahe 100.000 GBP an Kosten bei einem Gehalt von 55.000 GBP. Hinzu kommen Rentenbeiträge in Höhe von 35.000 GBP, zuzüglich Boni und Sozialversicherungsbeiträge. Aufwendungen in dieser Höhe sind auf Dauer in unserer Branche einfach nicht haltbar. Es passt nicht, dass die Gewerkschaften in Großbritannien uns als Feind sehen. Wir sind das nicht. Es ist weder notwendig noch passend, Zwietracht zu säen und die Beschäftigten schlecht zu vertreten oder ständig mit Arbeitskampfmaßnahmen zu drohen. Es ist nicht angebracht, in Schreiben von „Brüdern und Schwestern“ (so lautet die Anrede in Gewerkschaftsmitteilungen an ihre Mitglieder am Standort), Skeptiker oder jeden, der es wagt, sich gegen die Gewerkschaft zu stellen, als Streikbrecher zu bezeichnen. Das ist ein typisches Mobbingmerkmal. Es ist nicht nur fehl am Platz, sondern wirkt auch einschüchternd, um Beschäftigte zu unterdrücken, eine andere Meinung zu haben. Diese Einstellung stimmt heute nicht mehr mit den gesellschaftlichen Werten überein, in denen Meinungsfreiheit geschätzt wird.  Während des Arbeitskampfes verschickte eine Mitarbeiterin der Buchhaltung, die angesichts des Paukenschlages von Seiten der Gewerkschaft besorgt war,  eine E-Mail an den gesamten Standort. Darin schrieb sie, dass sie um ihren Arbeitsplatz fürchtete und bestätigte, dass sich das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten befand (sie erstellte jeden Monat die Abrechnungen). Daraufhin erhielt sie unverschämte anonyme Anrufe, bei denen die Anrufer einfach den Hörer auflegten. Bei INEOS wurde dieser kleine Zwischenfall heiß diskutiert. Viele von uns waren bestürzt, dass eine Mitarbeiterin unserer Firma, eine Mutter von drei Kindern, ihre Meinung und Bedenken nicht offen äußern durfte. Das führte auch letztendlich dazu, dass wir uns entschlossen, nur eine Lösung für den Standort zu akzeptieren, die Veränderungen in vielen Bereichen, vor allem jedoch hinsichtlich der Einstellung der Beschäftigten und der Arbeitsprozesse bringen würde. Die Probleme mit der Gewerkschaft am Standort Grangemouth reichen bis in die siebziger Jahre zurück. Es ist erst drei Wochen her, dass ich mit einigen Freunden mit dem Mountainbike auf felsigen Gebirgspfaden in den italienischen Hochalpen unterwegs war. Einer der Teilnehmer war Tony Loftus, Operations Director beim Vorgängerunternehmen von INEOS, Inspec. In einem Gespräch über die Probleme in Grangemouth erzählte er, dass seine erste Anstellung nach dem Abschluss seines Chemiediploms an der Universität Manchester Anfang der siebziger Jahre eine Traineestelle in Grangemouth gewesen sei. Ganz spontan meinte er: „Als ich in Grangemouth war, gab es keine Probleme, keine Streiks und das Management arbeitete nach Vorschrift.“ Seitdem hat sich wenig verändert und heute müht sich der Standort im Vergleich zu den deutschen Pendants richtig ab. Obwohl Gewerkschaften damals keine Rolle in unserem Familienleben spielten, wuchs ich in meinen jungen Jahren in einem Arbeiterviertel auf. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr wohnten wir in Failsworth, einem nördlichen Vorort von Manchester, in der Nähe von Oldham. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich von meinem Fenster aus mehr als 100 Fabrikschlote zählen konnte – so habe ich wahrscheinlich zählen gelernt. Wir wohnten damals in einer kleinen Sackgasse, die Boston Close hieß, in einer sehr angenehmen Sozialwohnung. Es gibt sie heute noch. Ich kann mich daran erinnern, wie mein Vater mir erzählte, dass er als Kind auf jeden Baum in Miles Platting gestiegen war, einem Nachbarvorort, in dem er aufgewachsen war. Erst als Teenager wurde mir klar, dass es keine Bäume in Miles Platting gab. Zwischen diesem Ort und den grünen Vororten der Grafschaften im Londoner Süden liegen Welten. Diese Gemeinden in Lancashire waren Ende des 18. Jahrhunderts entstanden. Arbeiter wanderten damals vom Land in die Stadt ab, suchten dort Beschäftigung und wollten ihr Glück in der industriellen Revolution machen, die mitten in Lancashire begann. Großbritannien erfand das Produktionskonzept. In meinem Familienstammbaum gibt es einige Vorfahren, die von den Feldern von Derbyshire nach Manchester gewandert sind. Alle unterschrieben damals mit einem Kreuzchen.  Wie viele meiner Landsleute habe ich eine Affinität zur Industrie. Ich bin ein starker Befürworter, dass in einem großen Wirtschaftsraum wie Großbritannien auch tatsächlich Produkte hergestellt werden. Das heißt nicht, dass ich etwas gegen Dienstleistungen hätte, das habe ich nicht. Aber ich bin davon überzeugt, dass eine starke, ausgeglichene Wirtschaft einen robusten Industriesektor braucht. Wir geben einen Großteil unseres Einkommens für Waren aus, sei es für Waschmaschinen oder Handtaschen (weiß der Himmel, warum so viele gebraucht werden) und es ist einfach logisch, dass es besser ist, einige dieser Waren selbst herzustellen, als sie zu importieren. In den vergangenen 20 Jahren litt Großbritannien unter dem Niedergang seiner Industrieanlagen. Eine typische Wirtschaft ist in drei Sektoren geteilt: Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen. Normalerweise ist die Landwirtschaft relativ klein und macht weniger als 10 Prozent aus; Dienstleistungen bilden normalerweise den größten Sektor; und auf die Industrie entfallen etwa 20 Prozent, wie in Deutschland. Vor 20 Jahren lag Großbritannien nur knapp hinter Deutschland, etwa zwei bis drei Prozent. Inzwischen ist der Industriesektor in Großbritannien nur noch halb so groß wie in Deutschland. Man kann sich natürlich die Frage stellten, warum es zu diesem Niedergang kam, und ist das überhaupt wichtig? Natürlich ist das wichtig! Eine Wirtschaft, die zu stark von Dienstleistungen abhängt, ist anfällig. Deutschland erholte sich viel schneller und besser von der Rezession 2008/2009 als Großbritannien. Ausschlaggebend hier ist auch die geografische Trennung. Die Industrie ist vor allem in Mittel- und Nordengland beheimatet und die Gemeinden dort litten unter der hohen Arbeitslosigkeit. London ist dienstleistungsorientiert, und sehr erfolgreich. Aber dieser Sektor ist nicht allein tonangebend.  Die britische Regierung sitzt in einer Dienstleistungsumgebung, also London, und denkt, die Zukunft liege allein in der Londoner City und ihrer Liebesaffäre mit dem Finanzsektor. Wir sollten uns Deutschland als Vorbild nehmen. Dort hält man an einer erfolgreichen Industrie fest und hat erkannt, wie wichtig sie für eine ausgeglichene Volkswirtschaft ist. Meiner Ansicht nach geht der schnelle Niedergang der britischen Industrie darauf zurück, dass die Regierungen in der Vergangenheit ihre Wichtigkeit einfach nicht erkannt haben.  Großbritannien bietet keine umwerfenden Verkaufsargumente, die Industrien anziehen. Zwar besitzt INEOS einige Standorte in Großbritannien, aber sie sind nicht so rentabel wie unsere Standorte in Deutschland, Belgien und insbesondere in den USA. In Großbritannien sind die Energiekosten hoch, die Arbeitskräfte nicht so gut qualifiziert wie in anderen Ländern, die Rentenbeiträge hoch und die Gewerkschaften können einem das Leben schwer machen. Historisch gesehen hat sich die Regierung in Großbritannien nie wirklich auf die Industrie eingestellt. In den USA hingegen gibt es hervorragend ausgebildete Arbeitskräfte, die meisten unserer Standorte sind nicht gewerkschaftlich organisiert, die Energiekosten betragen nur einen Bruchteil derer in Großbritannien und es bietet sich ein enormer Absatzmarkt. Deutschland kann einfach gut produzieren – wie wir es einmal konnten. Es gibt keinen Grund, weshalb die Industrie in Großbritannien nicht wieder aufleben sollte. Die derzeitige Regierung erkennt immer mehr ihre Bedeutung für eine robuste Wirtschaft. Wir sollten nie vergessen, dass Großbritannien die industrielle Produktion schließlich erfunden hat.  Kommen wir wieder zu unserem Hauptthema zurück – zu den Gewerkschaften und den Schlagzeilen, welche die Frage stellten: „Gewerkschaften, gut oder böse?” Ich behaupte immer noch, dass ein Verhalten der Gewerkschaften im Stil der Siebziger in den Abgrund führt. Hingegen ist Siggi, der Betriebsratsvorsitzende in Deutschland, im 21. Jahrhundert angekommen. Er stellt die Dinge in Frage, er testet, er rüttelt den Baum und verhandelt hart, aber er überredet INEOS immer wieder dazu, zu investieren. Eine gute Gewerkschaft ist gut für Arbeitgeber – und für Arbeitnehmer.

    7 minuten lesezeit Ausgabe 5
  • Schwere zeiten

    Chemie macht unser Leben einfach. Doch kann die europäische Chemieindustrie, die 500 Milliarden Euro zur EU-Gesamtwirtschaft leistet, die Politik überzeugen, ihre Belange ernst zu nehmen, um weltweit weiterhin konkurrenzfähig bleiben zu können? Die Zukunft wird es zeigen. Aber die Zeit läuft uns davon, wie Tom Crotty von INEOS erläutert. video Europas Stellung in der Welt ist bedroht. Seine petrochemische Industrie, die unmittelbar 500 Milliarden zur EU-Wirtschaft beiträgt, muss sich heute großen internen und externen Herausforderungen stellen. „Nichts davon dürfte lebensbedrohlich sein, wenn die Europäische Union rechtzeitig einlenkt“, so Tom Crotty, INEOS Group Director. „Europa hat die Wahl“, meint er, „zwischen der Spirale des Niedergangs oder einer positiven Spirale des Aufschwungs.“ Egal wie die Entscheidung aussieht, sie wird von zwei Dingen bestimmt: die EU-Umweltauflagen zur weltweiten Reduzierung der CO2-Emissionen sowie davon, ob eigene Ressourcen genutzt werden, um die explodierenden Energiekosten zu senken. „Das sind die beiden größten Probleme der Europäischen Union“, so Tom. Europa gehört heutzutage zu den teuersten Standorten zur Herstellung von petrochemischen Erzeugnissen. Der Nahe Osten ist nach wie vor noch am günstigsten. Dank der Nutzung des Schiefergases holt Amerika nun auf. „Die EU hat das Problem, dass zwei der sie umgebenden großen Handelsmächte Zugang zu viel günstigerer Energie haben“, kommentiert Tom. Das sieht man. In Frankreich gibt der Geschäftsbereich Olefins & Polymers von INEOS doppelt so viel aus wie in Amerika, um eine Tonne Ethylen zu produzieren. „Unser Geschäft in den USA ist am rentabelsten. Das in Europa bringt aufgrund der Größenverhältnisse am wenigsten ein“, sagt er. Laut Cefic, der in Brüssel beheimatete Verband, der die europäische Chemiebranche vertritt, wird die Lage in diesem Jahr noch schlimmer, bevor sie sich im nächsten Jahr geringfügig bessert. „Cefic prognostiziert ein verhaltenes Wachstum von 1,5 Prozent für das nächste Jahr“, so Tom, ein Cefic-Vorstandsmitglied. „Es ist zwar ein bescheidenes, aber dennoch echtes Wachstum.“ Dieses Wachstum wird durch die Herstellung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie umweltfreundlicher Produkten für solche Märkte angetrieben, auf denen das Beste, nicht unbedingt das Billigste, verlangt wird. „Sucht man spezielle technische Kunststoffe, um eine Schlüsselkomponente für einen brandneuen BMW herzustellen, dann wird nicht gefragt, wer am günstigsten ist, sondern: Wer ist am besten? ‘“ Das schützte – bisher zumindest – die chemische Industrie in Europa. „Das ist der Schlüssel zu Europas Zukunft“, meint Tom. „Ohne diesen Schutz würde Europa mit billigen chemischen Produkten überschwemmt. Wir müssen weiterhin Hi-Tech-Produkte herstellen, die von der Konkurrenz nicht einfach kopiert werden können.“ Eines dieser Produkte wird von INEOS hergestellt. Dort hat man sich auf die Herstellung von Polymeren spezialisiert, die in Frankreich für die Produktion von Milchflaschen verwendet werden. Der Kunststoff muss in der Lage sein, keine Chemikalien in die Milch übergehen zu lassen. „So etwas kann eine Großanlage in Nahost nicht einfach kopieren oder würde dies auch gar nicht wollen, denn die meisten dieser Anlagen sind zu groß dafür“, so Tom. Es gibt aber keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Cefic drängt derzeit die Europäische Kommission dazu, nicht isoliert vom Rest der Welt weitere Umweltauflagen einzuführen. Der Verband warnt davor, sollte die EU ihre Umweltziele für 2050 weiterverfolgen und damit die Energie- und Emissionskosten in die Höhe treiben, so schade dies der Wettbewerbsfähigkeit und führe dazu, dass CO2-Emissionen in Drittländer verlagert werden und weniger in der Europäischen Union investiert wird. „Die EU muss ihre Umweltpolitik überdenken. Weitere Auflagen führen zu Preiserhöhungen und haben einen enormen Einfluss“, so Tom. Cefic teilt das Ziel der Europäischen Kommission, CO2-Emissionen zu reduzieren. Er hat allerdings eine andere Vorstellung davon, wie dies erreicht wird. „Wenn Umweltauflagen losgelöst vom Rest der Welt gemacht werden, führt das dazu, dass in Europa die chemische Industrie die Produktion einstellen muss, weil sie schlichtweg zu teuer sein wird“, sagt er. „Damit können wir den Planeten nicht vor Kohlenstoffemissionen retten, weil dieselben Produkte immer noch von 350 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa verwenden werden. Diese würden dann einfach aus Ländern wie China importiert, was zusätzliche Emissionen durch Produktion und Transport bedeutet. Die Kohlenstoffemissionen steigen, es kommt in der EU zum Verlust von Arbeitsplätzen und Wohlstand. Umwelttechnisch und wirtschaftlich ist es sinnvoller, die Industrie in Europa zu ermutigen, das Richtige zu tun und ihr technisches Know-how einzusetzen, um grünere Produkte herzustellen“, fügt er hinzu. Tom erklärt, dass momentan bei einer Tonne in China gefertigten PVCs, das mit Energie aus Kohlekraftwerken produziert wird, sieben Mal so viel CO2 ausgestoßen wird wie bei einer in der EU gefertigten Tonne PVC. Da sind die Kohlenstoffemissionen beim Transport noch nicht eingerechnet. „Es mag ein extremes Beispiel ein“, sagt er, „aber es stimmt. Daher lautet die Frage: Hört die EU zu?“ „Die Generaldirektion Energie und die Generaldirektion Unternehmen der Europäischen Kommission schon“, sagt Tom. Doch bei der Generaldirektion Umwelt, die die Auflagen durchsetzt, ist er sich nicht so sicher. „Ihre Botschaft lautet, dass die EU weltweit mit gutem Beispiel vorangehen muss“, so Tom weiter. „Aber in Wirklichkeit folgt der Rest der Welt diesem Beispiel nicht. Europa läuft voraus und die Amerikaner sagen: ‚Abwarten. Wir machen unsere Industrie oder unsere Wirtschaft nicht kaputt.‘“ Tom meint, dass CO2-Abgaben nur dann funktionieren, wenn sie weltweit eingeführt werden. „Es stimmt, die beste Methode, Unternehmen zu einer Veränderung zu bewegen, ist, ihre gegenwärtigen Produkte viel zu teuer zu machen, und genau das macht die CO2-Abgabe“, sagt Tom dazu. „Aber dann müssen es alle tun. Wenn nur in der EU eine CO2-Abgabe eingeführt wird, dann wird keiner mehr in Europa produzieren. Dann wird in China, Nahost oder Amerika gefertigt.“ Laut Cefic braucht man schon 9 Prozent Wachstum, allein um die Produktion in Europa wieder auf das Vorkrisenniveau vor 2008/2009 zu bringen, als einer der Hauptkonkurrenten von INEOS Insolvenz anmelden musste. „Wir haben uns von der Krise erholt, weil wir weniger von der Automobil- und Baubranche abhingen als unsere Konkurrenten“, erklärt Tom. „Es hat wehgetan, aber es hat uns nicht umgebracht.“ Abgesehen von den drohenden CO2-Abgaben führte es in der Chemieindustrie auch zu Bestürzung, dass die EU nicht bereit ist, Schiefergas zu nutzen und damit die Produktionskosten für Energie für die Industrie und die Verbraucher im Allgemeinen zu senken. „Man kann versuchen, die eigenen Kosten zu drücken, aber nur bis zu dem Grad, an dem man es mit der Energiepolitik zu tun hat“, kommentiert Tom. „Ich weiß, ich wiederhole mich, aber das ist ein wirklich großes Problem für uns.“ Der INEOS ChlorVinyls-Standort in Runcorn in Nordengland verbraucht momentan so viel Energie wie die benachbarte Stadt Liverpool. Laut Cefic wird die europäische Chemiebranche mit 1,2 Millionen Arbeitsplätzen im nächsten Jahr wieder hartem Wettbewerb ausgesetzt sein wird, da sie versuchen muss, sich gegenüber den amerikanischen Herstellern durchzusetzen, die aufgrund der Schiefergasförderung günstige Energie und Rohstoffe nutzen können. Bis jetzt stellt Großbritannien die größte Hoffnung der EU auf günstigere Energie dar. „Es bringt nichts, irgendwo anders in Europa zu suchen, weil der Widerstand zu groß ist“, sagt Tom. Trotz Protesten in Großbritannien – wie beispielsweise in Balcombe in der Grafschaft West Sussex im vergangenen Juli – unterstützt die britische Regierung die Suche nach Schiefergas und hat versprochen, die Aufsicht über wichtige, komplexe technische Planungsverfahren statt örtlichen Gemeindevertretern, dem Ministerium für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft (Department for Environment, Food and Rural Affairs, Defra) sowie der Umweltbehörde (Environment Agency, EA) zu übertragen. Cuadrilla ist eines von einem Dutzend britischen Unternehmen, die über Lizenzen zum Bohren nach Schiefergas verfügen. INEOS, das für seinen Gaskracker in Grangemouth in Schottland eine langfristige Ethangasquelle finden muss, hat, führt mit allen Gespräche. „Natürlich möchten wir mitreden, weil wir ein Kunde sind“, meint Tom. „Aber die Frage ist: Möchten wir noch mehr involviert werden? Was wir wissen, ist, dass die Ethangasvorkommen in der Nordsee nahezu erschöpft sind. Wenn wir keine andere Gasquelle finden, wird der Betrieb des Krackers in Grangemouth nach 2017 schwierig.“ Nachdem die Beschäftigten im Oktober dem Überlebensplan für den Standort zugestimmt hatten, kündigte INEOS an, 300 Millionen GBP in ein Terminal in Grangemouth zu investieren, damit günstigeres Flüssiggas aus Amerika importiert werden kann. Die schottische Regierung kündigte weiterhin an, neun Millionen GBP an Zuschussmitteln als Teilfinanzierung des Terminals zur Verfügung zu stellen. Die britische Regierung erteilte vorab ihre Genehmigung für eine Kreditgarantie von 125 Millionen GBP – auch für den Fall, dass Schottland nächstes Jahr per Volksentscheid seine 306 Jahre alte Verknüpfung mit England lösen sollte. „Wir brauchen all ihre Unterstützung“, so Tom. Risse tun sich in europe auf Die Fähigkeit der USA, günstige Chemikalien zu produzieren, hat schon jetzt weitreichende Folgen. Am schlimmsten ist davon die Chemiebranche in Europa betroffen, die vor allem Rohöl verwendet, um dieselben Produkte herzustellen. In einem Bericht von KPMG vom Oktober 2012 prognostizierte Mike Shannon, Global Head of Chemicals and Performance Technologies, dass dadurch die Wirtschaft schwer beeinträchtigt werden könnte. „Dadurch kommt es vielleicht zur Schließung wenig einträglicher Anlagen in Europa. Außerdem kann es sein, dass manche Länder US-Exporte blockieren, um örtliche Produktionsstätten zu schützen.“ In Europa, das sich inzwischen zu einem der teuersten Standorte für petrochemische Produktion entwickelt hat, hat diese Entwicklung wohl schon begonnen. Im September kündigte Total an, einen verlustreichen Dampfkracker im französischen Carling zu schließen. Der Naphthakracker, der Rohöl zur Chemikalienherstellung verwendet und in den letzten fünf Jahren Probleme hatte, wird 2015 geschlossen. Für KPMG ist dies nicht überraschend: 2009 hatte die Firma prognostiziert, dass 14 der 43 Kracker in Europa aufgrund der starken Konkurrenz aus Nahost, Asien und Amerika bis 2015 nicht mehr wirtschaftlich sein würden. Unterdessen suchen US-amerikanische Unternehmen nach Expansionsmöglichkeiten, da sie in Amerika über reichlich günstiges Ethylen verfügen, die Binnennachfrage jedoch gesunken ist. Die USA sind bereits Nettoexporteur von Ethylenderivaten, und das Volumen soll sich noch erheblich erhöhen. Setzt man Umweltauflagen losgelöst vom Rest der Welt durch, so wird die Chemiebranche in Europa zugrunde gehen. Es werden mehr Waren aus Ländern wie China in die EU importiert werden.

    18 minuten lesezeit Ausgabe 5
  • Mit vereinten kräften

    Da Europa Druck von außen und innen ausgesetzt ist, war es noch nie wichtiger, dass Management und Gewerkschaften gemeinsam nach Lösungen suchen. INCH sprach mit Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern aus Norwegen, Italien und Deutschland darüber, was INEOS ihrer Meinung nach tun müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben und wie sie dabei helfen können.   Man sagt, Ehen würden im Himmel geschlossen. Das mag schon sein, aber jeder, der verheiratet ist, weiß, dass es nicht immer leicht ist. Der Schlüssel zum Erfolg sind Offenheit, Aufrichtigkeit und Fairness. Laut Thomas Meiers, Gewerkschaftsvertreter bei INEOS in Köln, spielen Offenheit, Aufrichtigkeit und Fairness eine ebenso wichtige Rolle in der Wirtschaft. „Wir arbeiten eng mit INEOS zusammen, und das ist gut so“, meint er. Die Auseinandersetzungen seien zwar oft intensiv, aber INEOS fördere dies aktiv. „Manchmal sind unsere Diskussionen auch hitzig. Doch weil wir alle offen sprechen dürfen, können wir mögliche gefährliche Situationen erkennen und uns bereits zu einem frühen Zeitpunkt mit potentiellen Problemen auseinandersetzen“, erzählt er. Mit diesen aufrichtigen regelmäßigen Gesprächen, so Meiers, finden Gewerkschaft und Management gemeinsam den besten Weg, um mit einer bestimmten Sache umzugehen und eine Lösung zu finden, mit der dann alle zufrieden sind. „In der Regel stellt das Ergebnis zugleich den weiteren ökonomischen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sowie ordentliche Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen für die Belegschaft sicher“, so Meiers. Und das scheint aufzugehen. Der Kölner Standort von INEOS Olefins & Polymers Europe ist einer der profitabelsten in Europa. Meiers ist überzeugt davon, dass die flachen Hierarchien bei INEOS, die Art, wie die Geschäfte geführt werden und die Tatsache, dass sich die Belegschaft mit dem Unternehmen und seinen Zielen identifiziert, gleichermaßen zum Erfolg beigetragen haben.  „Unsere Arbeitsbeziehung mit INEOS ist einzigartig“, weiß Meiers. „Das macht sie so nachhaltig und erfolgreich.“ Zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, motiviert auch Wenche Jansen Tveitan, Gewerkschaftsvertreterin im Werk von INEOS Olefins & Polymers in Norwegen. „Wenn man wettbewerbsfähig bleiben will, muss die Belegschaft mitziehen“, sagt sie. „Eine offene, auf Vertrauen basierende Beziehung entsteht durch Offenheit.“ Sie sagt, dass regelmäßige informelle Kontakte zwischen den Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern und dem Management ausschlaggebend für ein solches Vertrauensverhältnis seien. „Alle Meinungsverschiedenheiten werden so früh wie möglich besprochen und nicht bis zur nächsten Betriebsratssitzung vertagt“, sagt sie.  Dem Management, fährt sie fort, diene die Gewerkschaft auch als Stimmungsbarometer. „Wenn es so läuft, dann spielen die Beschäftigten eine aktive Rolle und können so zu weitaus besseren Lösungen beitragen“, meint sie.  Diese Herangehensweise macht den Unterschied, insbesondere in der schnelllebigen, sich stetig wandelnden und wettbewerbsumkämpften Welt von heute.  Viele Petrochemieunternehmen investieren derzeit lieber in den USA als in Europa, weil man in Amerika Zugang zu günstigen Rohstoffen und Energie hat.  Jetzt, da Europa zu einem der teuersten Standorte weltweit für die Herstellung von Petrochemie geworden ist, glaubt Wenche, dass die Gewerkschaft direkt – und indirekt – dafür sorgen kann, dass INEOS wettbewerbsfähig bleibt.   Sie sagt, in Norwegen, wo die Lebenshaltungskosten hoch sind, sei dies besonders wichtig. „Unser Standort hängt ständig von guter Leistung ab“, fügt sie hinzu. „Wir tun dies, indem wir zeigen, dass Standortinvestitionen gute Gewinne bringen.“  Wenche meint, die Gewerkschaft sei über Energiepreise und Steuern ebenso besorgt wie das Management. Sie habe gegenüber der Regierung und Organisationen oft Lobbyarbeit geleistet und versucht, Einfluss auf politische Maßnahmen zu nehmen, die den reibungslosen Betrieb des INEOS O&P-Standortes in Rafnes gefährden könnten. „Die Zusammenarbeit von Management und Gewerkschaften ist in dieser Beziehung von großer Bedeutung“, sagt sie. „Gemeinsam sind wir stärker.“  Wenche sagt, die Gewerkschaft habe vor kurzem eine wichtige Rolle bei der Organisation von Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern gespielt, „Wir sind stets darum bemüht zu zeigen, mit welchen Problemen die nationale Industrie konfrontiert ist und was getan werden soll, um diese zu lösen“, sagt sie. „Gemeinsam ist es uns gelungen, einige Steuererleichterungen und vorteilhafte Energievereinbarungen durchzusetzen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessert haben.“ Sie sagt, die Gewerkschaft habe auch eine wichtige Rolle gespielt, als der Ministerpräsident, der Finanzminister und der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses für Unternehmen und Industrie den Standort von Noretyl/O&P in Norwegen besuchten. Tom Crotty, INEOS Group Director, betont, es sei wichtig, dass die Gewerkschaften gemeinsam mit dem Management Lösungen erarbeiten. „Unsere Beziehung zu den Gewerkschaften in Köln und Rafnes ist hervorragend”, meint er. „Sie wollen die Ziele des Unternehmens verstehen und sie wollen uns direkt und indirekt unterstützen. Sie haben kein Problem damit, darüber zu reden, ob bestimmte Abläufe geändert werden müssen. Sie unterstützen uns auch indirekt, indem sie auf die Regierung Druck ausüben.“  Die italienischen Gewerkschaftsvertreter äußern sich ähnlich wie ihre Kollegen in Norwegen und Deutschland. „Enger Dialog und Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und uns ist sehr wichtig“, sagt Stefano Santini, Gewerkschaftsvertreter am INEOS O&P-Standort im italienischen Rosignano.  „Im Laufe der Jahre haben wir auf Basis der vielen gegebenen und auch eingelösten Versprechen ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufgebaut.“ Im September kündigte Total an, einen verlustreichen Dampfkracker im französischen Carling zu schließen. Patrick Pouyanné, Präsident für Refining and Chemicals sowie Vorstandsmitglied von Total, gibt dem wachsenden internationalen Wettbewerb die Schuld.  „Der Petrochemiemarkt in Europa kämpft ständig mit Überkapazitäten“, sagt er. Der Kracker, mit dem Rohöl zu chemischen Grundstoffen für die Kunststoffherstellung raffiniert wird, soll 2015 schließen.  Diese Ankündigung hat bei den INEOS-Beschäftigten in Rosignano Beunruhigung ausgelöst. „Wir haben Angst, dass von dieser Schließung möglicherweise auch das Personal am Standort Sarralbe betroffen sein könnte“, sagt Stefano.  Wie viele andere macht er sich Sorgen über die immer höheren Energie- und Rohstoffkosten in Europa.  „Wir müssen mehr Energie einsparen und vor allem Energieverschwendung eindämmen, indem wir Gerätschaften mit niedrigerem Energieverbrauch nutzen“, sagt er.  „Wir müssen auch die Energieverträge prüfen und versuchen, selbst Energie für den Standort zu erzeugen. Ferner müssen wir in alternative Energiequellen wie Biomasse investieren.“ Vom gewerkschaftlichen Standpunkt her müsse INEOS seiner Meinung nach in Forschung investieren, um innovative Produkte zu entwickeln, wozu technisches und bauliches Know-how nötig seien.  „Wir könnten auch in die Entwicklung leichterer Fördermethoden für Rohstoffe investieren“, sagt er.  Fünf dinge, die der Europäischen chemieindustrie helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben Günstigere Energie: Ein Politikwechsel hin zur Reduzierung von Energiekosten in der EU wird ausschlaggebend sein, um Innovation und Investitionen zu forcieren, Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen und zu helfen, Treibhausgase zu reduzieren. Bessere Regulierung: Die EU-Verordnung für die Chemiebranche, REACH, wird bereits jetzt als eine der am meisten belastenden Bestimmungen in Europa betrachtet. Die Chemiebranche hat sich bis jetzt daran gehalten und alle chemischen Substanzen, von denen mehr als 100 Tonnen pro Jahr hergestellt oder importiert werden, gemeldet. Aber es wird noch weitere Bestimmungen geben. In der „Phase 3“ müssen Unternehmen, die zwischen einer und 100 Tonnen pro Jahr produzieren, diese Substanzen registrieren. Das wird Auswirkung auf fast jedes Chemieunternehmen in der EU und alle Kunden haben. Eine transatlantische Partnerschaft für Handel und Investition: Das vorgeschlagene Handelsabkommen zwischen den USA und Europa würde bewirken, dass die Einfuhrzölle bei den im Jahr 2012 zwischen Amerika und Europa gehandelten Chemikalien im Wert von 48 Milliarden Euro aufgehoben würden. Cefic würde gerne alle Zölle für Chemikalien abgeschaffen und hofft, dass die Verhandlungen, die in zwei Jahren abgeschlossen sein sollen, zu größerer Transparenz bei Regelungen und der Zusammenarbeit führen werden. Bewahrung wichtiger Basistechnologien (Key Enabling Technologies, KET): Sie sind wichtig für das Ankurbeln der EU-Wirtschaft. Obwohl Europa mit einem weltweiten Anteil an Patentanmeldungen von mehr als 30 Prozent Weltmarktführer bei KET-Forschung und Entwicklung ist, wird dies nicht für die Übertragung auf Produktionsverfahren und Produkten verwendet – eine Voraussetzung für die Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen. Schutz von Betriebsgeheimnissen: Von der Europäischen Kommission werden dringend angemessene Systeme zum Schutz innovativer Fachkenntnisse in Europa verlangt. Die beste Möglichkeit für die europäische Industrie, in einem immer stärkeren weltweiten Wettbewerb führend zu bleiben, ist die Vermarktung bahnbrechender Ideen.

    12 minuten lesezeit Ausgabe 5
  • Der osten blickt nach westen

    China tritt in eine neue und spannende Phase ein. Weiterhin muss man dort chemische Rohstoffe zur Verfügung stellen, um das Wachstum voranzutreiben, und die vor allem in den Städten herrschende Verschmutzung muss durch die Senkung von CO2-Emssionen bekämpft werden. Allein kann dies nicht gelingen. Es bedarf dazu innovativer, energieeffizienter Unternehmen, welche gleichermaßen über technisches Know-how und bewährte Sicherheitsstandards verfügen. Unternehmen wie INEOS. Der chinesische Drache – lange Zeit ein Symbol von Macht, Stärke und Glück – hat seiner politischen Führung bisher gute Dienste erwiesen. Er hat den kometenhaften Aufstieg Chinas vom kleinen Schwellenland zur weltweit zweitgrößten Wirtschaftskraft erlebt, und inzwischen folgt er sogar Amerika dicht auf den Fersen. Dieses beispiellose, schnelle Wachstum, vor allem angetrieben durch Exportwirtschaft und Schwerindustrie, erfolgte jedoch auf Kosten enormer Umweltschäden. China ist inzwischen weltweit Spitzenreiter bei der Verursachung von CO2-Emissionen. Weltweit hat man den Eindruck, als habe China wenig Umweltbewusstsein. Aber die chinesische politische Führung möchte dies nicht weiter hinnehmen. Ihr neuester Fünf-Jahres-Plan zeugt von ihrem drastischen Umdenken. Jahrelang konzentrierte China sich vor allem auf Auslandsexporte. Jetzt liegt der Fokus auf dem Inland. Chinesische Unternehmen werden inzwischen aktiv ermutigt, Partnerschaften mit westlichen Firmen einzugehen, um mit deren Hilfe die Energieeffizienz zu verbessern und Wachstum zu erzielen – wie im Plan festgeschrieben. Rob Nevin, CEO von INEOS Nitriles, kommentiert dazu: „Der Samen wurde in diesem Fünf-Jahres-Plan gelegt. Das Tor ist offen für die Wirtschaft.“ Zu Beginn des Jahres ging China mit zwei weltweit führenden INEOS-Geschäftsbereichen, INEOS Nitriles and INEOS Phenol, Joint Ventures ein, um die größte Phenolanlage in China sowie eine Acrylnitrilanlage im Weltmaßstab zu bauen, um die wachsende Binnennachfrage nach petrochemischen Produkten zu befriedigen. „Das ist alles ungemein spannend“, meint Rob dazu. „China ist der Motor für die Nachfrage nach petrochemischen und chemischen Produkten. Es ist die Kraft, die die Welt antreiben wird. Für INEOS bedeutet dies eine Chance, auf dem weltweit größten Markt agieren zu können. Wir wollten uns vergrößern. INEOS ist durch die Marktposition und das technische Know-how die ideale Wahl.“ China galt oft als eigene Welt. „Man muss einmal dort gewesen sein, um die Größe zu begreifen“, sagt Rob. „Ich habe zwar in den USA gelebt, aber China ist einzigartig auf der Welt.“ INEOS Phenol ist der größte Hersteller von Phenol und Aceton. China ist der am schnellsten wachsende Markt für beide Chemikalien, die zur Herstellung von Polykarbonaten, Kunststoffen, Phenolharzen sowie Synthetikfasern wie Nylon und Lösungsmitteln eingesetzt werden. INEOS Nitriles ist der weltgrößte Hersteller von Acrylnitril, dem Hauptbestandteil für die Produktion von Karbonfasern. Davon kann China nicht genug bekommen. Wenn erst einmal beide Werke in Betrieb genommen worden sind, wird INEOS Nitriles der einzige Hersteller sein, der über Anlagen in den weltweit größten Acrylnitrilmärkten verfügt, und INEOS Phenol wird das einzige Unternehmen sein, das Aceton und Phenol in Europa, Amerika und Asien fertigt. Rob sagt dazu: „Damit kommen die global führenden Hersteller auf den weltweit größten Markt. Das ist die perfekte Verbindung.“ Durch das Joint Venture von INEOS Phenol mit dem petrochemischen Unternehmen Sinopec Yangzi wird eine 1,2 Millionen Tonnen-Anlage für Kumol, Phenol und Aceton im Chemie-Industriegebiet von Nanjing in der Provinz Jiangsu errichtet. Die Anlage, die jedes Jahr mindestens 400.000 Tonnen Phenol und 250.000 Tonnen Aceton produzieren soll, kann ab Ende 2016 Chinas Bedürfnisse abdecken. Ferner wird die neue Anlage den europäischen und US-amerikanischen Anlagen erlauben, sich auf Wachstum auf ihren eigenen Märkten zu konzentrieren. Harry Deans, CEO von INEOS Phenol: „Diese Partnerschaft zum gegenseitigen Nutzen ist eine wichtige Entwicklung für INEOS Phenol und für INEOS in China. Es handelt sich hierbei auch um die größte Investition, die jemals von INEOS getätigt wurde. Die Kombination eines starken, lokalen Partners wie Sinopec YPC mit unserer führenden Phenoltechnologie und unserem Marktzugang bringt erhebliche Vorteile für unser Unternehmen und unsere Kunden.“ INEOS Nitriles ist eine Geschäftsbeziehung mit dem Staatsunternehmen Tianjin Bohai Chemical Industry Group Corporation eingegangen. Gemeinsam plant man in Tianjin die Errichtung einer Acrylnitrilanlage im Weltmaßstab, das nach der neuesten INEOS-Verfahrens- und Katalysatoren-Technologie gebaut werden soll. Rob: „Wir haben noch nicht mit dem Bau begonnen, weil noch Einzelheiten geklärt werden müssen, aber wir haben Großes vor. Wir gelten als branchenführend im Bereich Sicherheit, und wir möchten unsere hohen Standards nach China bringen. Die Sicherheitsleistung in China ist nicht überragend, aber sie wollen von uns alles hinsichtlich Personensicherheit und Arbeitsabläufe lernen. Man wünscht sich hohe westliche Standards.” Die chinesische Führung wünscht sich Joint Ventures dieser Art und Größenordnung mit ausländischen Unternehmen, um Probleme der Vergangenheit zu lösen und eine nachhaltigere Wirtschaft zu schaffen. Ihre klare, langfristige Vision des Übergangs zu einer hocheffizienten, CO2-armen Wirtschaft mithilfe fortschrittlicher industrieller Fertigungstechnik ist im 12. Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Führung festgeschrieben. Die chinesische Führung verspricht in diesem Plan wie folgt: Setzen neuer Grenzwerte für den Energieverbrauch Strenges Vorgehen gegen Unternehmen und Industriezweige, die viel Energie verbrauchen, aber wenig produzieren Reduzierung von CO2-Emissionen um bis zu 45 Prozent bis 2020 Verringerung der Abhängigkeit Chinas von fossilen Brennstoffen, insbesondere Kohle Investitionen in energiesparende Technologien sowie Bekämpfung der Umweltverschmutzung Das ist eine echte Herausforderung, doch Chinas Führungskräfte glauben, es sei machbar. Rob, er war 25 Jahre lang für BP tätig, meint, dass die von INEOS vorgelegte Geschwindigkeit die Chinesen beeindruckt hat. „INEOS ist ein schlankes und flexibles Unternehmen, mit dem man einfach zusammenarbeiten kann, und es hat einen großen Unterschied gemacht“, so Rob. „Der Kontrast zwischen BP und INEOS bei Genehmigungsverfahren ist wie Tag und Nacht.“ Sobald INEOS Nitriles sich auf das richtige Projekt, die richtige Struktur und den richtigen Standort geeinigt hatte, sei dieser Vorschlag dem Vorstandsvorsitzenden Jim Ratcliffe vorgelegt worden, der ihn genehmigt hat. „Manche Dinge werden wirklich schnell genehmigt“, so Rob, der seit acht Jahren bei INEOS ist. „Aber dann musst du auch liefern.“ Allerdings, so Rob weiter, seien die chinesischen Genehmigungsverfahren im Laufe der Jahre umständlicher geworden. „Vor zehn Jahren hätte man irgendwo anfangen können zu bauen und musste höchstens mit einer Geldstrafe rechnen“, erklärt er. „Wenn man sich heute nicht an Vorschriften hält, kann der Bau gestoppt werden. Es wird in der Zwischenzeit sorgfältig auf Umwelt und Menschen geachtet.“ Und das sei verständlich, meint er. „Die Umweltverschmutzung in China hat Auswirkung auf das Leben der Menschen. In den Großstädten tragen sie Atemschutz, weil die Luftverschmutzung enorm sein kann.“ Sie ist inzwischen zur wichtigsten Ursache für Unruhen in China geworden. Nach Schätzungen der Weltbank befinden sich 16 der 20 am stärksten verschmutzten Städte der Welt in China. Laut der Chinesischen Gesellschaft für Umweltwissenschaften sei die Anzahl der Proteste gegen Verschmutzung in China seit 1966 jedes Jahr um etwa 29 Prozent gestiegen. „Die Anzahl bedeutender Umweltunfälle stieg 2011 um 120 Prozent“, so der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft, Yang Zhaofei. Im September 2013 veröffentlichten die Behörden in Peking ihren eigenen Fünf-Punkte-Plan zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in der Hauptstadt. „Neu daran sind die Entschlossenheit und wie detailliert diese Maßnahmen sind“, erklärt Alvin Lin, Direktor für chinesische Klima- und Energiepolitik beim Natural Resources Defense Council in Peking. „Es herrscht große Entschlossenheit, ernsthaft gegen Luftverschmutzung vorzugehen.“ Laut dem World Resources Institute sind China und die USA für 43 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Chinas Problem besteht in der starken Abhängigkeit von Kohle. „70 Prozent der Energie und beinahe 80 Prozent des Stroms bezieht China aus Kohle“, so Luke Schoen, der einen Bericht für das World Resources Institute schrieb. Trotz umfangreicher Kohle- und Erdgasvorkommen im Inland gibt es Probleme bei der Förderung, sodass China zunehmend von ausländischen Importen abhängt. Das Erdöl wird aus dem Nahen Osten und Afrika, die Kohle aus Australien und Indonesien, das Erdgas aus Zentralasien und Australien importiert. „Die chinesische Führung weiß, dass die Abhängigkeit des Landes von Kohle zur Energiegewinnung problematisch ist“, so Luke. „Diese wachsende Abhängigkeit von ausländischer Energie ist ein strategisches Anliegen führender chinesischer Politiker.“ China hat riesige Schiefergasvorkommen entdeckt, aber anders als in den USA verfügt man noch nicht über die zur Förderung notwendige Technik. Indessen konzentriert sich die chinesische Führung auf die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums und entwickelt gleichzeitig Maßnahmen zur Emissionsreduzierung und zum verstärkten Einsatz sauberer Energie. „China investiert schon jetzt mehr in erneuerbare Energien als jede andere Nation“, so Luke weiter. 2011 wurden 52 Milliarden USD in erneuerbare Energiequellen investiert. Diese Summe erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 67,7 Milliarden; das sind 50 Prozent mehr als in den USA. Während andere Nationen saubere Energie als eine kostenaufwändige Belastung für die Wirtschaft sehen, ist man in China anderer Meinung. China glaubt, die jüngsten Maßnahmen werden dazu beitragen, seine Position als Global Player zu behaupten und gleichzeitig den Klimawandels zu bekämpfen. Dieser sei eine langfristige Bedrohung für den Wohlstand des Landes. „Nach eigenen Schätzungen führt China 50 Milliarden USD an unmittelbaren wirtschaftlichen Verlusten auf Naturkatastrophen im Jahr 2011 zurück“, so Luke. „In einer unabhängigen Studie geht man davon aus, dass diese Zahl bis 2030 beinahe auf 748 Milliarden USD pro Jahr ansteigen könne, wenn nichts dagegen unternommen werde.“

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